Archive for the ‘Live’ Category

Fortuna Irgendwo

Juni 18, 2022

Sollte ich einen Sehnsuchtsort benennen, so wäre es irgendwas mit Wasser:
Bergsee, Tag am Meer, Stadt mit Fluss.
Konkret in Frankfurt: eine nächtliche Radfahrt entlang des Mainufers. Wie vorgestern, nach einem schönen Konzert (bezeichnenderweise in „Fortuna Irgendwo“*), vorbei am EZB Skatepark, durch eine Stadt die gleichermaßen leuchtet und schläft. Welch wohlige Entspanntheit und in der Luft das Versprechen des Sommers…
Auch die Rückfahrt vom DePhazz-Doppel – Rheinfahrt im Panoramawagen des SBB – lud zum Rausgucken und Gedankenspinnen ein.
Sprich, es gibt einige Geschichten für die morgige Begegnung im Mousonturm. Um 17 Uhr geht’s los:
Trommeln, Talks & Interaktion ❤️

DUMMY Magazin
* es – das Glück – war auf jeden Fall in meiner Nähe: die Überwindung des Corona Viruses war ’ne Punktlandung…

Sugar Boogie

Juni 10, 2022

Pit Baumgartner deckt langsam mal den Tisch für die Feierlichkeiten zum 25 jährigen DePhazz Jubiläum.
Auch wenn das komplette „Jelly Banquet“ erst am 30. September eröffnet wird, gibt es ab heute nach und nach etwas zu probieren. Hier nun also ein erster neuer Track, der „Sugar Boogie„.

Selbstverständlich macht sich auch die Kapelle warm:
16.06.22 „DePhazz“ Frankfurt, Fortuna Irgendwo (AUSVERKAUFT)
17.06.22 „DePhazz“ Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
22.07.22 „DePhazz“ Aschaffenburg, Colosaal
23.07.22 „DePhazz“ Palatia Jazz Festival
24.07.22 „DePhazz“ Burg Wilhelmstein
03.08.22 „DePhazz“ LV-Jurmala

Kay!

Mai 31, 2022

Es ist immer wieder speziell, an den Ort seiner musikalischen Sozialisation zurückzukehren – in meinem Fall in die Schorndorfer Manufaktur. Das Konzert bei den Gitarrentage war intensiv, die anschließenden Begegnungen ein bunter Nostalgiestrauß, ganz toll, aber, das Wiedersehen (und -hören) von Kay Richter (dem einzigartigen Rhythmusarchitekten und Trommelhelden aus meiner Heimatstadt) – mein Highlight!

Das Foto hat Joe Saling geknipst (eine andere Schorndorfer Instanz)


calculate

Mai 19, 2022

Hier im Hause Rubow steht heute Mathe auf dem Zettel: im einen Zimmer Wurzelbehandlungen und irrationale Zahlen, in meiner Ecke eher einfacher Taschenrechner:
Erst neulich las ich noch wieviele dieser elektronischen Rechenboxen wertlos in den Schubladen dieser Welt vergammeln, doch diese Kiste, der RetroKits RK-008 Real Time Multitrack MIDI Recorder, präsentiert sich äußerst verlockend. Zack (träume ich) wie sie meine (getrommelte) MIDI-Performance (mit Roland SPD-SX und Vermona DRM-III und vielleicht noch einem passenden Effektgerät) aufzeichnet.
Kostet 350 €. Gleich mal rechnen, ob sich das lohnt…

15 minutes of Cloud Rap

Mai 12, 2022

Bin am Dienstagabend eine Stunde geradelt, um 15 Minuten vom Konzert des Cloud Rappers Denzel Curry zu erleben. Hat sich gelohnt!

1. Mich interessierte vor allem der Sound: wie mischt der Tonmensch einer amerikanischen Produktion heute ein Rap-Clubshow?
Ich fand es angenehm bassig, mit der Stimme klar im Vordergrund. Erstaunlicherweise wurde das hochfrequente Trap-Geklapper in den Hintergrund verbannt.

2. Deswegen habe ich mich vom Platz des FOH Mischers entfernt, ah und plötzlich hörte ich die typischen, schnellen Subdivision Variationen immer deutlicher???
Letztlich kam sie von einem motivierten Dude hinter der Theke. Zwei Messer können klanglich ganz schön durchschneiden, zumindest sich in der rechten Hälfte der Frankfurter Union-Halle bemerkbar machen…

3. Für den Übertrag eines live-tauglichen Bassdrum-Konzepts merke ich mir: lange, boomige 808 Kicks sollte nicht polyphon getriggert werden und gehören in die Mute-(oder Sidechain-) Group mit der Snare (also von deren Akzenten stummgeschaltet). So wird der Matsch elegant umfahren.

4. Die Masse hüpfte, schwitzte und war glücklich. Konzertziel eindeutig erreicht. Dennoch finde ich persönlich das Gebinde Rapper plus DJ für den Konzertrahmen nach wie vor dürftig und ganz schön langweilig. Wenn dann der DJ auch noch in jedem Track den immer gleichen (zudem schmerzhaft lauten) Pistolenschuß abfeuert, bin ich dreifach genervt: das ist nicht nur unkreativ und unmusikalisch, der Aufmerksamkeit generierende Effekt nutzt sich auf diese Weise rasant ab. Hey, und warum immer: Waffen?

wieder mal Juicy Fruit Vibe… aber eins a Hook Gesang, super Outro Move – finde ich ich

Zum Abschluß noch der Top-Steve-Gadd-Break aus Mark Colbys „Serpetine Fire“ (1978)

Jazz is my Democracy

Mai 4, 2022

Am Freitag, den 6. Mai gibt’s ab 18 Uhr im Kunstverein Familie Montez (Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt) gibt’s Talks und Musik zur Relevanz des Jazz für die demokratische Gesellschaft.

Die Fragestellung liest sich spannend:
Wie ist es möglich, dass einander fremde Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Winkeln der Welt zusammenkommen und auf der Bühne gemeinsam improvisieren? Und kann unsere Demokratie davon etwas lernen, z.B. wenn es darum geht, gemeinsam gesellschaftliche oder ökologische Probleme zu lösen? Im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit lädt Jazz Montez zu einem Abend ein, an dem wir uns anhand von Talks und musikalischen Performances mit diesen und anderen Themen beschäftigen, u.a. auch der Frage, wie demokratisch und offen die deutsche Jazzszene aktuell ist. 

Musikalische Performances von:
Biboul Dariouche – Percussion
Johanna Klein – Saxofon
Franzi Aller – Bass
Lukas Wilsmeyer – Gitarre
Oli Rubow – Schlagzeug
Darius Blair – Saxofon

Talks mit:
Johanna Schneider – Sängerin und Vorstand Deutsche Jazzunion
Laura Totenhagen – Sängerin und Lehrbeauftragte an der HS Osnabrück
Oli Rubow – Schlagzeuger und Dozent an der HfMdK
Michael Rütten – DJ und Journalist
Mane Stelzer – Singer/Songwriterin und Mitarbeiterin bei MELODIVA
Olaf Stötzler – Orchestermanager hr-Bigband

Bin sehr gespannt und werde mich treu meiner typischen Vorbereitungsstrategie für Workshops und Clinics folgendermaßen darauf vorbereiten:
Inhaltlich gibt es keinen Masterplan, es geht ums spontane Re/Agieren im Moment (nicht die Performance des Einstudierten). Dies gelingt mir erfahrungsgemäß am besten, wenn Kopf und Körper wach und locker sind. Diesbezüglich habe ich über die Jahre folgendes Ritual kultiviert: im Vorfeld, meist bei der Anreise mit der Bahn, lese ich entspannt und versuche in meiner aktuellen Reiselektüre (oft die Tageszeitung) irgendetwas stimulierendes zu finden. Das kann ein Satz, ein Foto oder sonst was sein. Jedefalls beginnt es im Kopf zu arbeiten, er stellt Bezüge her, formt Ideen, sortiert – schwingt sich aus dem Nichts direkt aufs Thema ein. Quasi, Warm-Up.
Und im Idealfall Steilvorlage für den Abend!

Revolution 909!

April 27, 2022

Gestern wurde – nach über 25 Jahren! – eines der großen Daft Punk Sample Rätseln gelöst, die Hook von „Revolution 909“ kommt offenbar aus Hannover
(vermutlich steckt dann auch noch eine kleine Prise Cheryl Lynn drin)

Hey, diese Entdeckung ist die beste Vorbereitung für den anstehenden Tanz in Mai. Den werde ich jammenderweise (Obacht beim Lesen: jammen, nicht jammern…) mit dem tollen DJ Michael Rütten und meinen beiden Fußballfreunden (und Jazz Montez Machern) John Vibrations (ebenfalls DJ) und Lorenzo Dolce (am Saxophon) begehen.
30.04.22 ab 21h Frankfurt, Achter

Wiederhole mich nur allzu gerne, dass das spontane Zusammenspiel mit einem DJ ein großartiger Zeitvertreib ist.

Lazy

April 3, 2022

Noch ein kurzer Ausschnitt vom Trio Gig mit Peter Wölpl und Wolfgang Schmid. Spätestens am 28.5 spielen wir wieder zusammen – in der Schorndorfer Manufaktur anlässlich der Gitarrentage. Hurra!

#LuminosW

Der Mund als Radiostation

März 30, 2022
  1. Leider müssen wir das für 31.03. geplante Netzer Konzert im Frankfurter Lindley Lindenberg krankheitsbedingt absagen (bzw. in den Herbst verlegen). Mist, keine Live-Mukke morgen!

2. Aus der Geschichte des Vocoders – danke für den Link, lieber Claus Hessler – entnehme ich die Überschrift. Das Bild des Mundes als Radiostation kam dem späteren Erfinder des Vocoders Homer Dudley im Jahr 1928, als dieser (ebenfalls) krank darniederlag.

3. Mein Mund ruft Dir den folgenden Link zu, quasi Ersatzprogramm, den Opener von Peter Wölpls Geburtstag-Gigs im Januar dieses Jahres.

Make Love, Not War

März 1, 2022
TV Mitschnitt unseres Konzertes am 18. Dezember 2005 im October Palace

Mit zwei CDs aus der Ukraine begann mein Trommeleinstieg bei DePhazz. Im Jahr 2003 hatte mich Flo Dauner gefragt, ob ich für ihn aushelfen mag und mir postwendend das aktuelle Konzertprogramm zukommen lassen, seine Sheets und den Livemitschnitt vom Vorjahr, aufgenommen im October Palace in Kiew. Diese Silberlinge wurden schließlich zu einem kosmopolitischen Versprechen, denn seit 2004 durfte ich mit dieser Kapelle viele Plätze der ehemaligen Sowjetunion bereisen, in der Ukraine und Russland alleine weit über 100 Konzerte geben, Land und Leute lieben lernen.
Ich freute mich auf jedes einzelne Konzert, weil immer ein Hauch von Abenteuer mitschwang, weil ich entlegenste Ecken der Welt entdecken durfte, die sich niemals in meinen privaten Reiseradar geschlichen hätten. Wir durften unsere Sound spielen und wurden mit viel Applaus und glänzenden Gesichtern belohnt. Die Liebe zur Musik hat jegliche sprachlichen oder politischen Grenzen gesprengt. Wobei auch ganz klar gesagt werden muss: die Herkunft der Mitreisenden war nie Thema, hatte keinerlei Relevanz – unser Monitorman Ilja kommt aus Moskau, über mehrere Jahre hatten wir eine ukrainische Booking-Agentur, ergo ukrainische TourbegleiterInnen; no problems, wherever we arrived! – so dass ich an dieser Stelle unbedingt nochmals betonen möchte: meine Wut gilt nicht den Russen, sondern allein dem Kreml und seiner perfiden Führungsriege!

Ich lese die schrecklichen Nachrichten und klicke mich als Gegengewicht durch meine Reiseberichte (ein paar Links dazu unten) und Erinnerungen. Es gäbe sehr viel zu erzählen, ich entscheide mich exemplarisch für ein eindrückliches Erlebnis aus Kiew, nämlich unser Konzert am Jahrestag des Maidanaufstands, am 22. Februar 2015:
Es war der Tourauftakt der DePhazz „Private“ Tour, die im (besagten) October Palace beginnen sollte. Wir kannten die Geschichte des Landes und es fühlte sich mehr als komisch an, in diesem Veranstaltungsort, der sich auf dem auf dem Majdan Nesaleschnosti („Platz der Unabhängigkeit“) befindet, an diesem traurigen Tag ein Konzert zu spielen. Erst recht, als wir nach dem Check-In im Hotel Ukraina gemeinsam mit Scharfschützen in den Aufzug steigen mussten, deren Ziel das Gebäudedach war. Erst recht als wir auf dem Fußweg zur Konzerthalle die aufgereihten Bilder aller Verstorben, die trauernden Menschen passieren mussten. Ich fühlte mich fürchterlich und unser Ansinnen völlig fehl am Platz. Doch der Auftritt, die Reaktion der Zuschauer und die anschließenden Gesprächen offenbahrten die andere Perspektive: nämlich, dass es sehr wohl wichtig ist, gerade in den dunkelsten Momenten, durch Musik Kraft gespendet, etwas Schönes gezeigt zu bekommen, dass auch dadurch die Hoffnung gestärkt wird und positive Ziele in den Fokus gestellt werden können.

In diesem Sinne trommle ich auch heute, morgen, immer! extra laut für den Frieden und hoffe auf ein schnellstmögliches Kriegsende, sowie konstruktive Lösungen für die Zukunft (und die Liebe).
❤️
#stopwar

Foto von Ulf Kleiner 22.02.2015

Noch ein paar Reiseberichte: