Archive for the ‘Live’ Category

to be connected with the rhythm section

Januar 25, 2023

Und so geht Alltag: man will einen kleinen exotischen Schnipsel posten, indem fachfremd gewerkelt wird – in dem Fall: die Saxofon Ikone spricht über Time und setzt sich illustrierend dazu seit langem mal wieder hinters Schlagzeug.

Zack, führt mich YouTube von Michael Brecker zu Jaco bzw. beide zu Joni Mitchell. Ich entdecke mein Lieblingstrack mit Vinnie „Win Win“ Colaiuta, Larry Klein und Michael Landau („You’re so Square„) in einer Live-Version – oh, toll – direkt auch noch einen kompletten Konzertmitschnitt dieser Besetzung.
Und der Tag sollte wieder 27 Stunden haben…

Anyway: nostaligisch, lehrreich und wohltuend war’s dennoch! In den Lektionen von Ian McEwan finde ich den dazu passenden Satz: >>Er liebte das Gefühl, keine Wahl zu haben. Er ließ alles hinter sich. Wunderbar.<<

Ach ja: an der Frankfurter HfMDK beginnt heute das viertägige Jazzfest. Keine Angst, ich komme!!

Tiefenstaffelung

Januar 18, 2023

Neulich in Offenburg machte ich noch eine weitere tolle Erfahrung, die mit dem Parameter Vordergrund-Hintergrund spielt:
Ich legte Steve Reichs „Piano Phase“ auf, ein Klavierstück, das eindeutig rhythmisch und nachvollziehbar beginnt, dann aber aufgrund der Überlagerungen immer wieder sein Tempo verschleiert und ins Unkonkrete transformiert.
Darüber habe ich erstmal eine synchrone Viertel-Kick getrommelt, später mein Pattern zu einem housigen Beat erweitert. Schnell wurde klar, das mein Beat „richtig“ wirkte, auch wenn er längst nichts mehr mit der Zuspielung zu tun hatte. Was nicht schlimm war, denn diese erklang plötzlich nur noch als Textur. Ein Umstand, der sich aktiv mittels EQ (Abschwächung von Höhen und/oder Bässen) verstärken ließ.
Nach einem Breakdown startete ich die „Piano Phase“ erneut. Diesmal aber trommelte ich bewußt in einem völlig anderen Tempo (also out of sync) dazu. Das Ergebnis, also der Umstand, dass das Playback direkt als Textur in den Hintergrund rutscht, war gleich.

Daraus folgere ich: unsere (optisch und klanglich nachvollziehbare) handgemachte Musik hat gegenüber der eher abstrakten Konserve einen Startvorteil. Selbstverständlich spielt auch die Lautstärke eine wichtige Rolle, ebenso die Transienten (der Attack) der spielenden Klänge.
Mittels Volume-Regler, Filter bzw. Equalizer oder einem Hallgerät können wir die Gestalt und Wirkung eines Playbacks derart beeinflussen, um es in den Hintergrund zu verbannen, auch um uns ganz von ihm zu lösen. Somit eignen sich diese Werkzeuge auch bestens für eine Notfall-Strategie (beispielsweise falls mal die Synchronizität verrutscht).

1, 2, 300

Dezember 22, 2022

Ein Gedanke:
>>Im Vergleich zu all unseren Entwicklungen in der Mechanik könnte ein Werkzeug wie eine Zange einfach scheinen. Ich habe den Geist, der sie erfunden hat, immer bestaunt. Um das Problem, das dieser Erfinder zu bewältigen hatte, zu verstehen, muß man sich den Stand der Mechanik vor Erfindung der Zange vorstellen. Der Gedanke, den Kreuzungspunkt der beiden gekrümmten Arme so zu fixieren, daß die zwei kleineren Stücke vorn sich entgegengesetzt zu den beiden größeren Stücken hinten bewegen und damit die Kraft des Mannes, der sie zusammendrückt, derartig vervielfachen, daß er den Draht durchzuzwicken vermag – dieser
Gedanke kann nur von einem Genie ersonnen worden sein. Gewiß gibt es heutzutage kompliziertere und bessere Werkzeuge, und es mag eine Zeit kommen, in der der Gebrauch der Zange und anderer ähnlicher Werkzeuge entbehrlich wird. Das Werkzeug selber mag außer Gebrauch kommen, aber der Gedanke dahinter kann niemals veralten. Und darin liegt der Unterschied zwischen einem bloßen Stil und einem wirklichen Gedanken.
Ein Gedanke kann niemals vergehen.<<
Arnold Schönberg „Stil und Gedanke“ (1950)

Zwei mal Mouthpercussion:
Moodymann „Your Sweet Lovin“ (2000)

The Specials „Gangsters“ (1979)

Sowie 300 Bucks minimum…wenn sich an die Richtlinie von der Deutschen Jazz Union zur Vergütung von Jazzmusiker*innen gehalten wird!

Viel Schönes also. Es darf geklatscht und getanzt werden.
Dazu ein vertrackter, aber schöner Pat Metheny Clap-Loop („First Circle“)

Danach, ab in den Club:

keinerlei Erwartungsdruck, Freude pur

Dezember 16, 2022

Der tanzende Salon war ein wunderbarer Saisonabschluß! Da kam alles Gute zusammen, Improvisation, Interaktion, DJ Culture und ein tanzendes Publikum.


Ich hatte mir heute nach dem Aufwachen die Frage gestellt, warum ich so gerne mit einem DJ jamme, also zu ausgesuchten Tonträgern schlagzeuge, die eigentlich vollständig sind, jeder einzelne auf seine Art sogar der Idealzustand…
Der Schlüssel liegt vermutlich im Umstand des völlig Unbekannten, das keinerlei Erwartungshaltung zulässt. 
Sobald jedoch Vorboten der eigenen Interessen erklingen (sei es ein angenehmes Tempo, ein geliebtes Genre oder sogar was Vertrautes, schon Bekanntes), stellt sich beste Laune ein. Im folgenden wird die weitere Entwicklung neugierig und konzentriert mitgehört, einzuordnen versucht: dabei werden Riffs und Links gescannt, gar geschwind auswendig gelernt, Spannungsverläufe registriert, um sie in der Wiederholung zu unterstützen, auf Breakdowns und Kick Drops so schnell wie möglich reagiert… Selbstvertrauen stellt sich ein, mehr und mehr vergrößert man die eigene Risikobereitschaft, macht Beats klar, wo das Playback noch in diffusen Rhythmusfragmenten schwebt, versucht Wendungen zu antizipieren und vorzubereiten, übernimmt kurzerhand durch bloße Lautstärke, Rhythmusdichte oder sonstige Energie mal das Steuerrad für den Dancefloor…
Ich könnte noch 1000 weitere Gründe aufzählen, doch eigentlich verhält es sich äußerst simpel: für mich gleicht anregende Musik einer Einladung direkt mitzumachen, mein Hochgefühl eins zu eins in (getrommelte) Energie umzusetzen. Im Idealfall springen dabei Funken ins Publikum und füllen den Tanzboden, transportieren letztlich kleine Glückhäppchen, die bei der einen oder dem anderen wirken (wie Eiskonfekt bei mir).
Der Jam mit dem DJ ist großartig, meine Königsklasse jedoch ist der improvisierende Verbund von DJ und Band. Plötzlich sind nämlich mehrere Bälle gleichzeitig im Spiel, die allesamt nicht nur in der Luft gehalten werden sollen, sondern bitte formschön, elegant und inhaltlich stringent zu einer Super-Choreografie verbunden werden wollen. Eine Art Simultanschach mit Tönen und Beats. Und im Minutentakt entsteht Neues. Gehen darüberhinaus ab und an die Hände in die Höhe oder schalt ein „yeah!“ durch den Raum, dann hüpft mein Herz mit vermutlich 126bpm…

Passend dazu schreibt Antonio Sanchez zeitgleich im IG: >>Playing in a band is one of the best exercises in democracy. It encourages individualism/self expression but you’re all working towards a bigger goal. The exercise also fails if you’re not constantly looking out for one other. Everybody should try it at some point in life.<<

Kabuki Magnitude

Dezember 16, 2022

Mit dieser schönen Videoerinnerung zum Containerinsel-Gig wird der heutige Release von Kabukis neuem Album „No Maps For These Territories“ eingeleitet:

Heute Finale!

Dezember 15, 2022

Letzter Gig des Jahres mit dem geliebten temporären elektronischen Salon, facettenreich besetzt (mit Hans Glawischnig, Oliver Leicht und DJ Michael Rütten).
Weniger taktisch als Fußball, dennoch ähnlich spannend und mitreißend.
Wie immer komplett intuitiv, passen wir uns musikalische Ideen und inspirerende Scheiben zu und weben eine One-Love-Flagge, die sich sehen lassen kann.
Kommt vorbei und feiert dazu das schöne Leben, lauscht, tanzt oder lasst euch tragen.
15.12. ab 20.30 Uhr im Frankfurter Ono2.

Die beiden Trikotvorschläge lieferte übrigens Marc Chagall

Matrjoschka Kit

Dezember 11, 2022

Die Preise meines Carsharing-Anbieters haben kräftig angezogen, so dass ich mittlerweile innerstädtische Gigs (fürs gleiche Geld bzw. gar für weniger) mittels von der Free Now App vermittelten Fahrservicen (Taxi, Ride) ansteure.
Hey upgrade, da noch deutlich bequemer, als selbst zu fahren: der genau benötigte Zeitrahmen muss nicht mehr im Vorfeld geschätzt und im Verlauf des Events im Auge behalten, das benötigte Auto nicht selbst besorgt werden, man wird direkt am Ort des Geschehens herausgelassen, muss lediglich ausladen, auch die anschließende Parkplatzsuche entfällt. Top.
Doch dieses System funktioniert nur dann reibungslos, solange das Taxi direkt ein Venue anfahren kann.
Ist das nicht Fall, wird’s hackelig.
Denn es ist mir selbst mit übersichtlichen vier Gepäckstücken nicht möglich, alles Equipment gleichzeitig zu bewegen.
Sprich, ich muss telefonisch um Trage- oder Aufpass-Hilfe bitten oder auf gut Glück einen Teil unbewacht stehen lassen.

Insofern habe ich mein Reiseset noch weiter reduziert, damit es notfalls auch in einem Rutsch geschoben und getragen werden kann. Alles Material passt nun in ein Bassdrum Gigbag und eine rollbaren Reisetasche.
Ich habe das Kick-Resofell (vom Meinl Drumfest 2010) in Anlehnung an Stewart Copeland bzw. an die gutklingende Oldschool-Recording-Tradition beschnitten, sodass die Snaretrommel für den Transport in den großen Kessel gelegt werden kann (Matrjoschka Style).
Hihat und Crashbecken werden in eine Tüte gepackt und auf’s Schlagfell der Kick gelegt. Zack, erste Tasche voll.
In meinem Eastpack Trolley finden Teppich, Hardware und Stickbag ihren Platz. Die zweite Tasche wäre somit auch gepackt.
Und los…

In Zukunft nur noch die rechten zwei schwarzen Taschen…

Nächster Gig mit dieser kompakten Superstar-Perle:
DO 15.12.22 / 21 Uhr @ Ono2 (DTES mit Oliver Leicht, Hans Glawischnig, DJ Michael Rütten)

he, he hessisches Jazzpodium

Dezember 6, 2022

Turnschuhe an, rauf aufs Board und noch geschwind drei, vier Geschenke verteilen!

In Frankfurt findet diese Woche das Hessische Jazzpodium 2022 in Form eines dreitägigen Festivals an der HfMDK statt.
Es gibt ein vielfältiges Programm, vor allem mit Christopher Dell einen großartigen Preisträger für den hessischen Jazzpreis!

Aber auch toll: Der temporäre elektronische Salon darf sich an allen Tagen um die Pausenmusik zwischen den zwei Abendkonzerten kümmern. Und so bespielt jeweils ein Solist aus unserem Kader das lichte Foyer, nämlich am Donnerstag Oliver Leicht (mit seinen elektrifizierten Rohrblattinstrumenten), am Freitag Matthias Vogt (auf diversen Tasten) und am Samstag Kabuki (mittels modularem Synth).
Und wie geschickt (quasi Geschenk): diese Events kosten keinen Eintritt! Genauso nichts, wie der Clubabend am Donnerstag um 21.30 Uhr, für den wir als Trio auflaufen, also die beiden Olis aka Rubow & Leicht und Rainer Tempel hinterm Rhodes.

Gestaltung!

November 30, 2022

Den Preis fürs lässigste WM-Trikot bekommt eindeutig meine Nichte Liara aus Argentinien:

Passend dazu höre ich Ian Finks Track „Moonlight – Duality/Detroit Live Version“ (entdeckt auf DJ-Kicks“Theo Parrish – Detroit Forward„).

Geht’s um eine farbenfrohe Präsentation, so sind Domi & JD Beck ganz weit vorne (Bühnen-Deko und persönliches Styling):

nie solierend, immer nur Rhythmus

November 17, 2022

Wah Wah Watson stärkt mir noch geschwind den Rücken – so kann in puncto Groove eigentlich nichts mehr schief gehen – und anschließend wird im New York Style ein Taxi bestellt, mich und meine Dub Drums ins Ono2 zu chauffieren.

Nach dem Gig geht’s dann mit Michael Buchners Podcast (ein, nicht der Simmons Micha) über den niemals solierenden Rhythmusgitarristen weiter…