Archive for the ‘Live’ Category

Live Gigs = Gold Nuggets

April 17, 2021

Durfte diese Woche ein wunderschönes oldschool Tonstudio in Wurfweite von meinem Probebunker entdecken. Im „Schwesternheim“ von Christian Lauterbach und Bernhard Frantsits stehen nicht nur meine Lieblingsboxen (große, alte Tannoys) und ein schickes Trident Pult (Series 80B), sondern auch der angegliederten Festsaal des Karnevalvereins „Fidele Nassauer“ kann benutzt werden (wie anno dazumal vom hr…): 350qm nur fürs Schlagzeug!

In puncto Studioaufnahmen habe ich gerade die erste „Perlage“ Version gefunden, die Nils Wülker 2019 für Geldermann gemacht hatte. Ein passender Track fürs Wochenende (ein anderer kommt definitiv vom Chaka Album „What Cha‘ Gonna Do for me„, das vor genau 40 Jahren veröffentlicht wurde).

Und ansonsten? Warmlaufen für den Netzer Stream aus dem Mannheimer „Ella & Louis“ am kommenden Montag. In diesem Rahmen gibt es zudem ein Cameo für die nächste „Kunscht“ Sendung des SWR.
Hurra, ein zweites Konzert in diesem Jahr!

Verrückt: Studiogigs gab es ab den 2000er immer weniger, die Berufsbezeichnung „Studio Drummer“ trifft heute nur noch auf eine handverlesene Auswahl von Rhythmusmachern zu. Doch jetzt gibt es dank diverser Hilfsprogramme und deutlich mehr Zeit plötzlich weitaus mehr Tonaufnahmen als Konzerte… (auch schön)

Noch ein Track fürs Wochenende (mit einem Songtitel der direkt als Antwort passt), Benny Sings „Nobody’s Fault“

steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude

März 4, 2021

Neulich wurde ich zu meinen Übe-Konzepten befragt. Ich erklärte meinen Weg der Selbstmotivation – sich schöne Aufgaben zu stellen -, vergaß in der Kürze der Zeit aber einen anderen wichtigen Pfeiler: das Machen im Kontext, Wagnisse vor Publikum.

Selbstverständlich habe ich mir durch klassisches Training über die Jahre ein gewisses Repertoire an Grooves und Lösungen erarbeitet, aber die Überprüfung und Sortierung der Optionen (was funktioniert tatsächlich gut?) passierte ausschließlich in der Konzertsituation.

Meine bewusste und pragmatische Entscheidung (Minimalismus, sich aufs Wesentliche konzentrieren, Flow- und Groove Schwerpunkt, Unlust Instrumente durch die Gegend zu wuchten) mit nur Kick-Snare-Hihat und einem Becken zum Gig zu reisen, hat mir erst in der konkreten Konzertsituation gezeigt, an welchen Stellen die Stolperfallen liegen, wofür ich neue Workarounds brauche.
Beispielsweise: Mir fehlten die Toms für typische Fill-Ins. Was tun?
Ich kultivierte Mutes.
Mir gingen bei so viel Übersichtlichkeit schnell die Farben aus.
Ich integrierte diverse Schüttelperkussion, gerne auch zusätzlich zum Stock in der Hand, dann entdeckte ich die Vielfalt des Echogeräts und den Kosmos der elektronischen Zuspielungen.

Mein Interesse für die Ästhetik von elektronischen und/oder produzierten Beats konnte ich zwar zum großen Teil analytisch angehen und so auch auf meine Setups und Spieltechniken übertragen, am meisten gelernt habe ich jedoch durchs stundenlangen Jammen (Mit-Trommeln) mit einem DJ – im Club. Dabei verstand ich zunehmend besser, wie Spannungsbögen erstellt werden, auf was der Dancefloor abfährt/reagiert, wie sich das Publikum lesen lässt, auf was es inhaltlich (Beat-technisch) ankommt…

Nach der Turntablerocker Tour (2001) wusste ich, wie eine Band als dritter Plattenspieler agieren und sich um die Instrumentals kümmern kann, so dass die beiden DJs Michi Beck und Thomilla sich auf Acapellas, Classic Breaks und die Ganitur konzentrieren konnten. Kaum war mein Soloalbum („Organic Electro Beats„, 2003) in der Welt, schrieb ich viele DJs an, ob sie nicht Lust auf einen „interaktiven dritten Plattenspieler“ hätten, Dhoerste reagierte und nahm mich einfach mit – in eine komplett neue Welt, die ich nur vom Hörensagen kannte. Und ich trommelte auf unterschiedlichen Hybrid-Kits in DB verträglichem Format einfach zu seinem aufgelegten Set (gerne auch noch einen ausgedehnten Übergang mit dem vorigen bzw. folgenden Künstler)…

Steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude!

Ich hatte eine neue Hobby-Perle gefunden, die nicht wirklich oft, dafür immer wieder aus neuem Gewand kräftig rausleuchtet. Zuletzt im Rahmen der Ludwigsburger Trommeltage mit DJ Friction und – hey! – nächste Woche mit Michel Baumann aka SoulPhiction/Jackmate im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis.

Ich kenne kaum jemanden, der Hiphop, House und Techno mit so viel Feingefühl und Soulfullness formt. Immer entsteht Musik, die einen im doppelten Wortsinn bewegt: man möchte sofort tanzen, kann sich aber auch zurücklehnen und einfach zuschauen, zuhören.
Insofern beste Voraussetzung für ein gestreamtes Unikat!
Und da SoulPhiction viel mehr Live-Act als DJ ist, wird Improvisation und Interaktion groß geschrieben – so dass ein Jazzclub als Austragungsort nicht besser gewählt werden könnte!
Tickets für unseren Gig am 12.03.21 können hier gekauft werden.

Über Michel zu schreiben wären nach Athen getragene Eulen. Er formt seit 1996 beständig den Clubsound, veröffentlich auf den renommiertesten Labels (ich wähle mal die „P“ beginnenden: Pampa, Perlon, Playhouse, PokerFlat), aber auch auf dem eigenen (Philpot Records).
So viel ließe sich berichten (aber auch einfach nachlesen – so auch unsere gemeinsame Geschichte, die vor über 20 Jahren mit Pauls Musique begann und 2018 finally zum ersten Duo-Gig führte), also lege ich am besten mal ein Mixtape ein:

Clickt euch rein am 12. und tanzt mit!



Lord of the Amazing Panther

Februar 18, 2021

Super Typen (Vincent von Schlippenbach, Noah Fürbringer, Dirk Berger, Beat Halberschmidt), eins a Kulisse, freshe Musik!

>>A symbol of valor and determination to represent a genre-free, but yet creative form of art – all manifested here in a fierce band premiere. Whether through the migration of Teklife and the footwork sound or the tireless efforts of forward-thinking improvisation and soloing, this sound takes on an universal appeal.<<

Puzzle mit 4 Teilen

Februar 11, 2021

Oh wie toll, mal wieder auf der Bühne (bzw. beim Jazzfest der HfMDK Frankfurt) zu interagieren! War gestern ein eins Tag mit Fola Dada und Ulf Kleiner & zwei Delay Pedalen:
Einem Boss RE-20 fürs Schlagzeug – das via AB-Box gefüttert wird – und das Keine Delay für die Stimme (sobald/solange der grüne Knopf gedrückt wird).

Eigentlich immer dasselbe, nur halt diesmal mit zwei getrennten Echomaschinen. Das ist kein Hexenwerk, sondern ein mega Spielplatz 🙂

Ich weiß nicht wie lange der Stream noch online abrufbar bleibt, hier ein Ausschnitt fürs Archiv. [File under Dual Delay, erster Gig mit Maske]:

Der Bilbao Effekt

Februar 9, 2021

Das Wortpaar Städtename Bindestrich Effekt bezeichnet eigentlich die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Architekturleistungen. Der Bilbao-Effekt ist ein doppelter. Mein Freund Ulf konnte nämlich der Richard Serra Skulptur „Matter of Time“ wunderbare Klangeffekte entlocken. Das Stahlmonument punktet durch unterschiedliche Delayzeiten, als hätte der Meister einen automatisierten Mode Selector verbaut…

Eindeutig ein weiteres Highlight für meine Sammlung der öffentlichen Hallkammern.
Und irgendwie auch ein Auftrag, zum morgigen Jazzfest mit zwei Delaypedalen (RE20 und Teil1) anzureisen.

Ab 20.55h wird unser Trio-Gig mit Fola Dada (Gesang), Ulf Kleiner (Synthbass, Rhodes) dort gestreamt.

Auch schön: der alte Lack geht ab und hinterlässt ein gemaltes Bergpanorama (ganz nah am Orange Amp Icon…)

stabile Papierkrone

Januar 6, 2021

Im Jahr 2000 wurden wir mit Netzer zu einem Silvestergig nach Barcelona eingeladen. Am 6. Januar gab es dann natürlich den traditionellen Dreikönigskuchen (Tortell de Reis) mit Puffbohne, Porzellanfigürchen und Papierkrone.
Und irgendwie reiste die Madonna bis heute mit…

Passend zur damaligen Zeit gibt es eine Gif-Animation. Und einen alten Live-Track, quasi als Ersatz für die Corona bedingte Verschiebung unseres nicht weniger traditionellen Neujahrskonzerts im Stuttgarter Merlin.

das elfte Leben

November 10, 2020

Bin schwer gespannt auf die „dynamische Tempoanpassung“ von Ableton Live 11.

>>Wenn Sie wollen, passt Live automatisch das Tempo dem eingehenden Audiosignal an. So ist die Software ein dynamisches Bandmitglied und nicht der Taktgeber, dem alle folgen müssen. Beim DJing können Sie Live als BPM-synchrones Effektgerät nutzen.<<

Siehe auch B-Keeper und M4L PlugIn BeatSeeker.

Englisch-Deutsch

November 8, 2020

Ist gerade Englisch-Lernwoche?
Gestern noch die vielschichtigen Übersetzungsvarianten des „kick“ Worts – von der geliebten Basstrommel, über das geflügelte „einem den Laufpass geben“, hin zum (Neu-) Anstoß – war das tagespolitische Musik und geloopter Fußballspaß!

Jetzt wieder „stream„: nach der jazzed Übertragung aus dem Bayrischen Hof, spielen wir mit Nils Wülker heute im Rahmen der Leverkusener Jazztage – coronakonform nur für digitale Endgeräte – im WDR Stream ab 21 Uhr.


Ich hätte in Anbetracht der Lage gerne noch den „Strömungswechsel“ übersetzt, aber dieses – offenbar mein – Fantasiewort findet nicht mal der Duden im Deutschen…
Dafür gucke ich „incumbent“ nach, um die Titelseite der NY Times richtig zu lesen. Ahh, Amtsinhaber!

Die Erwartung

November 1, 2020

Gleichermaßen Einstand (neues Programm, frische Besetzung), aber auch das vorerst letzte Konzert vor Menschen. Wiedermal mit Nils Wülker, diesmal aber schon im zeitgemäßen Zwei-Set-Setting, zudem im Doppelpack mit einer weiteren Band – Rymden.
Quasi ein kleines Festival, auf jeden Fall eine Art Fest!

Und wie toll, mal wieder Magnus Öströms Effektgerät-Ebenen (und seine Beckenwand) im Einsatz zu hören – hey, zwei Bands, zwei Echodrummer! – Dan Berglund mit Kontrabass und Ampeg zu spüren, Bugge Wesseltoft zwischen abgedecktem Rhodes, MS-20 und Flügel wirbeln zu sehen, überhaupt, einem grandios eingespielten Trio in ihrer Interaktion zu folgen.


Heute vor der Abreise dann noch ein weiteres Halberstadt Highlight, der Besuch von John Cages Live Performance „ORGAN2/ASLSP„. Die Tempovorschrift „As SLow aS Possible“ der auf 639 Jahre geplanten Umsetzungsdauer scheint eine optimale Lehrmeisterin in puncto Geduld (und damit genau richtig für die kommende Zeit) zu sein!
Der stehende Klang selbst ist pure Beruhigung. Erst wenn man sich selbst um das Objekt herum bewegt (wiedermal wird man zum Effektgerät, diesmal eine Mischung aus Filter und Leslie), moduliert der Klang ganz subtil. Schön!!

PS. >>[Für Augustinus gibt es] „drei Zeiten, die Gegenwart des Vergangenen, die Gegenwart des Gegenwärtigen und die Gegenwart der Zukunft.“ Und die Gegenwart des Zukünftigen ist für ihn die Erwartung.<<
schreibt Rainer O. Neugebauer (Kuratoriumsvorsitzender der John-Cage-Orgel-Stiftung und unser heutiger Ausstellungsführer) im Artikel „Es wird einmal gewesen sein“/Inspriation-Heft 3.20 Künste

it’s Jazz!

Oktober 24, 2020

Immer wieder gut: sich auf’s Unübliche einlassen. Wieder mal Jazz und Standards spielen, auch mit Trommel-Soli, das Jazzkeller Kit mit zwei hochgestimmten Toms auf keinen Fall den sonstigen Vorlieben anpassen (tunen oder gar umbauen), das Echogerät zu Hause lassen, dafür direkt die neuen VicFirth Remix Brushes ausprobieren, vor allem aber die Idee des Grenzzaun-Überspringens in allen Bereichen anwenden:

Meine beiden Lieblingstracks (inkl. Drumsolo), „Unit Seven“ (ab 1:54:36 mit Freejazz-Einlage) und „Doxy“ (2:04:00 mit VF Remix-Brushes).