Archive for the ‘Dub’ Category

When stuck on an idea for a song, we’d ask, „What would Lee Perry Do?“

Februar 23, 2021

Verlängerter Lockdown? No prob – hier liegen weitere 1,6 Kilogramm Pizza auf dem Nachttisch.

Perfekte Kombi: The Beastie Boys & Lee Scratch Perry

Gedenken, das

Februar 22, 2021

An das rassistische Verbrechen von Hanau und dessen Opfer (Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov) und ans Vermächtnis von U-Roy – >>the man who invented the modern DJ rap style by toasting on King Tubby’s sound system during the late ’60s<<.

U-Roy & King Tubby (1976)

U-Roy mit Mad Professor (1991)

die kulturelle Kraft von Dubreggae

Januar 8, 2021

Julian Weber schreibt in der taz über die Renaissance von Dubreggae: „Die Musik in der Hauptrolle – Steve McQueen zeigt es in der Filmreihe „Small Axe“, Fabienne Miranda und Junior Loves in ihrer Musik: Dubreggae klingt besser denn je“.
Viel Futter für den Lockdown!

Ich hänge noch meine zwei aktuellen Dub-Favorites dazu und verkrieche mich in die Bassbox.
Groundation „Dub Wars“ (2005, Tipp von Moritz)


Prince Fatty presents „Hollie Cook in Dub“ (2012)

transparente Elektrik

Dezember 6, 2020

>>Was aber geschieht mit Reggae, wenn der Strom abgedreht wird? Diese Frage ist bisher nicht gestellt worden. (…) [Reggae ist] (…) eine Musik, bei der die Künstlichkeit der Studiosituation nicht vertuscht werden muß, sondern die durch geschicktes Vorführen der Produktionsbedingungen noch größer wird. Vielleicht ist es kein Zufall, daß gerade Adrian Sherwood, der in seiner Mixer- und Produzentenpraxis wie nur wenige andere die Möglichkeiten der, nennen wir es: transparenten Elektrik erforscht hat, plötzlich jener Frage in Bezug auf Reggae hat nachgehen wollen. – Wobei dann auch gleich noch eine zweite Frage beantwortet worden ist, nämlich: Wie kann man Musik machen, die – so Bim Sherman – ‚very emotional‘ wirkt, ohne geradewegs in die Kitschfalle zu jagen?<<
Marcel Beyer in der DLF Produktion „Erdkunde und Menschenfleisch Zum Werk des Büchner-Preisträgers 2016“

Linton Kwesi JohnsonVictorious Dub“ (1980)

Augustos PabloKushites Dub“ (1995)

Duck the Master

Oktober 28, 2020

Apropos Ducking: Ich experimentiere gerade – sowohl mit Peter Wölpl (und „Luminos W“), als auch mit Oli Leicht („Der temporäre elektronischen Salon“) mit meinem BopPad, das jedoch am Rechner meines Gegenübers angeschlossen ist.
Dort triggere ich ein Drumrack mit gewarpten Whitenoises in unterschiedlicher Länge (1/4, 1/2, 1/8) – nach aussen hin stumm, intern füttert es den Sidechain des Ableton Gates. So kann ich beim Jammen per Stockschlag Hiphop-typisch in den Output eingreifen: mal partiell muten, oder die Partner-Elektronik für längere Zeit (bzw. solange ich durchgängige 16tel auf meinem Pad schlage) komplett stummschalten…

Ich hatte mir immer ein Gate gewünscht, welches Anstelle des Hold-Parameters verschiedene Subdivisionen anbietet – leider bisher nichts gefunden – aber dadurch, dass ich nun mehrere Whitenoise Samples mit definierten Längen geschnitten habe und diese als gewarpte Sounds im Drumrack abgerufen werden, entsteht in Zusammenarbeit mit dem Sidechain ein funktionierender Workaround.

Wem der Cut/Drop Out zu hart ist, der schiebt etwas vom weggedrückten Signal mittels „Floor“ Regler nach.
Und um mein „Silent Tool“ zu deaktivieren, deaktiviere ich einfach dessen Kanal, bzw. dessen Spur-Viereck [1] (funktioniert, wenn in den Sidechain-Einstellungen „Post Mixer“ aktiviert wurde).

Wieder mal eine schöne Möglichkeit, um Zuspieler oder Mitmusiker on the fly dekonstruieren zu können.

zeitgenössische Dub-Technik?

Oktober 27, 2020

Habe durch einen zufälligen Radio-Schnippsel den Komponisten Ricardo Eizirik und sein Werk „Steps“ entdeckt.
Ein Track ganz nach meinen Vorlieben, mit fünf mikrofonisch abgenommenen Stimmen und einem „Performer“, der erst durch Drücken seiner 5-Tasten Apparatur die Beteiligten verstärkt und hörbar macht (Aux Send!). Dieser Effekt wird darüberhinaus mittels Kontrolllampe vor jedem Vokalisten visuell transportiert.

Beat-Literatur, Hallexplosionen und der Geist des Lötkolbens

September 25, 2020

Ich lese nach wie vor Marcel Beyer, lege aber mal geschwind Putins Briefkasten zur Seite und suche nach seiner Lobrede „Der achtigste Geburtstag“. Denn Michel Baumann hat mir von der Verbindung zwischen dem legendären Schriftsteller der Beat-Generation William S. Burroughs und King Tubby berichtet. Und so finde ich unter der Überschrift „Der Geist des Lötkolbens“ zunächst folgenden taz-Schnippsel:

>>In seinem Ständchen zum 80. Geburtstag von William S. Burroughs wies Marcel Beyer 1994 auf einige unerklärliche Ähnlichkeiten hin, die zwischen Dub-Reggae und den Techniken und Ideen des Schriftstellers bestehen. Auf der Grundlage wilder Theorien über Burroughsche Jamaika-Aufenthalte, bewies Beyer im Erich-von- Däniken-Stil, daß die jamaikanischen Musiker des Dub-Umfelds offensichtlich dessen Vorlesungen gehört haben mußten. Verblüffend, aber der Mann hatte recht: War Tubby nicht mit dem Schraubenzieher unterwegs, zu schauen, welcher Geist in den Maschinen wohnt. Veränderte Tubby nicht deren Code, so wie Burroughs es tat, als er sich als Tonbandreparateur filmen ließ? Hatte Tubby nicht damit begonnen, den Baß in den Vordergrund der Musik zu mischen und gleichzeitig dessen Klang zu Volumina anzudicken, die Toningenieuren bis heute Rätsel aufgeben. Burroughs philosophierte auf der anderen Seite in einem Interview über die Folgen von Infraschall, also Schallwellen unterhalb des nicht mehr hör-, aber körperlich spürbaren 20-Hertz- Bereichs? Und ähnelte der zu Partikeln zerhackte Gesang des Dub nicht den Ideen zu Klangmanipulationen, die Burroughs in „Die elektronische Revolution“ beschreibt?
Wie auch immer: Tubby schmiß einen Stein in den Teich, dessen Wellen sich bis heute nicht beruhigt haben. <<

Erinnert mich auch etwas an Austin Kleon. (Bild von seiner Webseite)

Und da im gestrigen Artikel über Mad Professor das schicke Wort „reverb explosion“ (einen typischen Dub-Kunstgriff, den ich bisher nur unter Room Shot oder Reverb Shot kannte), liefere ich einen artverwandten Vorfahren nach:
Im Refrain der Simon & Garfunkel Single „The Boxer“ (1969) gibt es immer wieder einen Kanonenschlag-artigen Akzent zu hören, ein krasser Gegensatz zum eher braven Vers eines gefälligen Folk-Songs. Hal Blaine machte sich Gedanken, wie er den süßlichen Titel, den er eher wie ein Schlaflied empfand, auf gute Art rhythmisch begleiten könnte. Der Kanonschlag jedenfalls war seine Snaredrum, die in/vor einem leeren Fahrstuhlschacht der Columbia Studios aufgebaut wurde.
Auch die restliche Rhythmusgestaltung beweist Geschmack: erstmal nichts – dann nur die bouncende Kickdrum (aber auch die nur auf der rechten Seite des Panoramas). Im Refrain dann die volle Wucht (a “cannonball-like” sound) plus einem leisen, dafür angezerrten Tomloop, auf der linken Seite. Für die Verse wird dieses, einem Standardtanz einer Beatbox nicht unähnlichen Pattern, von seinem Klangschmutz befreit und hoppelt clean und unfällig mit.


my echo is always on Send 1

September 24, 2020

Lese ein erquickendes Interview (aus dem „Electronic Sound Maker“, May 1985) mit einem meinem Lieblings-Dubmeister, Mad Professor.
Und so erfahre ich vom Konzept, wie sich mit zwei Gates Ping-Pong-Strukturen erzeugen lassen:
>>Also I use the gates to get automatic panning, using a decay on the threshold in conjunction with a delay or drum machine rhythm. One comes on and then when it shuts off the other one comes on. Then by setting the pan controls on the auxiliary channels correctly you can get it to go left-right-left-right (bangs a rhythm on the desk), according to the rhythm of the delay or the drum machine.<<

Hey, und wenn der Professor erst von der Sequential Drumtraks schwärmt und dann noch von der Peter Culture LP „Facing The Fight“ erzählt, bei der er Drumtan Ward ausschließlich (?) auf Simmons-Waben trommeln ließ, muss der Umstand umgehend geprüft werden.

Und da der neu entdeckte Drumtan Ward auch ein Freund der Doppel-Hihat ist, zudem einen Killer Rimclick Sound (bzw. zwei verschiedene) hat, hier noch:

Tony Allens Verhältnis zur Elektronik

Juni 12, 2020

… war gespalten, wie es sich dem Buch „Tony Allen An Autobiography of the Master Drummer of Afrobeat“ (Duke, 2013) entnehmen lässt. Die Mitentwicklung eines komplett neuen Genres war eine erste selbstverständliche Entwicklung, die Vermischung mit anderen Stilen jedoch eine Aufgabe.
Von der Integration des Dub Gedankens, über die gar nicht goutierte Elektrifizierung durch Trigger, hin zur „electronic on top“ und zu einem Crossover-Gedanken, der Tony Allen Beats für andere freigab („The Allenko Brotherhood Ensemble„) oder Tony Allen auf irgendwelche Musik reagieren ließ (siehe Zusammenarbeit mit Damon Albarn, Air, Jeff Mills u.v.m.)

Hier die passenden Stellen aus der Autobiografie:

tony-allen-und-die-elektronik

 

Mit N.E.P.A. (1984) kommen Afrobeat und Dub zusammen:

Tony Allen „Too many Prisoners“ (1987)

Tony Allen „Yebre“ (vom Album „Afrobeat Express“ aus dem Jahr 1989)

Das von Doctor L. produzierte „Black Voices“ Album von 1999 war tatsächlich auch meine erste bewusste Begegnung mit Mr. Allen.

You must have a good groove to make good dub

Juni 12, 2020

Gegen Ende der Tony Allen Autobiografie lese ich auf Seite 169 den schönen Satz:
>>You know, you must have a good groove to make good dub.<<
Gesagt getan. Der Meister Benny Greb hat gerade eh einen Beat zur Kollaboration freigegeben. Optimale Voraussetzung, also los. Direkt vom Bett an die Maschinen…

Dafür habe ich seit langem mal wieder mein Korg Bandecho (Stage Echo SE-300) angeworfen – super, man wird direkt mit Studiowärme im doppelten Sinn beglückt – und gleich ein neues Switcherpedal (EHX Chillswitch) ausprobiert. Wenn ich diesen momentary Switch drücke, rutscht das eingehende Signal nur bzw. auch in einen weiteren Effektloop (in dem ich mein vermutlich langjährigsten Echopartner, das analoge Boss DM-100 Eimerkettendelay untergebracht habe).
Am Ende hilft der Vermona DAF-1 Filter dabei, die überstehende Echowolke elegant zu einem klaren Ending zu morphen.

Toll am SE-300: nicht nur dessen Tape-Delays, sondern auch die (Verschaltungs-) Möglichkeiten des Federhalls:

Korg-SE-300-Reverb

Bildschirmfoto 2020-06-12 um 16.07.06

Bildschirmfoto 2020-06-12 um 16.09.00