Archive for the ‘Dub’ Category

Duck the Master

Oktober 28, 2020

Apropos Ducking: Ich experimentiere gerade – sowohl mit Peter Wölpl (und „Luminos W“), als auch mit Oli Leicht („Der temporäre elektronischen Salon“) mit meinem BopPad, das jedoch am Rechner meines Gegenübers angeschlossen ist.
Dort triggere ich ein Drumrack mit gewarpten Whitenoises in unterschiedlicher Länge (1/4, 1/2, 1/8) – nach aussen hin stumm, intern füttert es den Sidechain des Ableton Gates. So kann ich beim Jammen per Stockschlag Hiphop-typisch in den Output eingreifen: mal partiell muten, oder die Partner-Elektronik für längere Zeit (bzw. solange ich durchgängige 16tel auf meinem Pad schlage) komplett stummschalten…

Ich hatte mir immer ein Gate gewünscht, welches Anstelle des Hold-Parameters verschiedene Subdivisionen anbietet – leider bisher nichts gefunden – aber dadurch, dass ich nun mehrere Whitenoise Samples mit definierten Längen geschnitten habe und diese als gewarpte Sounds im Drumrack abgerufen werden, entsteht in Zusammenarbeit mit dem Sidechain ein funktionierender Workaround.

Wem der Cut/Drop Out zu hart ist, der schiebt etwas vom weggedrückten Signal mittels „Floor“ Regler nach.
Und um mein „Silent Tool“ zu deaktivieren, deaktiviere ich einfach dessen Kanal, bzw. dessen Spur-Viereck [1] (funktioniert, wenn in den Sidechain-Einstellungen „Post Mixer“ aktiviert wurde).

Wieder mal eine schöne Möglichkeit, um Zuspieler oder Mitmusiker on the fly dekonstruieren zu können.

zeitgenössische Dub-Technik?

Oktober 27, 2020

Habe durch einen zufälligen Radio-Schnippsel den Komponisten Ricardo Eizirik und sein Werk „Steps“ entdeckt.
Ein Track ganz nach meinen Vorlieben, mit fünf mikrofonisch abgenommenen Stimmen und einem „Performer“, der erst durch Drücken seiner 5-Tasten Apparatur die Beteiligten verstärkt und hörbar macht (Aux Send!). Dieser Effekt wird darüberhinaus mittels Kontrolllampe vor jedem Vokalisten visuell transportiert.

Beat-Literatur, Hallexplosionen und der Geist des Lötkolbens

September 25, 2020

Ich lese nach wie vor Marcel Beyer, lege aber mal geschwind Putins Briefkasten zur Seite und suche nach seiner Lobrede „Der achtigste Geburtstag“. Denn Michel Baumann hat mir von der Verbindung zwischen dem legendären Schriftsteller der Beat-Generation William S. Burroughs und King Tubby berichtet. Und so finde ich unter der Überschrift „Der Geist des Lötkolbens“ zunächst folgenden taz-Schnippsel:

>>In seinem Ständchen zum 80. Geburtstag von William S. Burroughs wies Marcel Beyer 1994 auf einige unerklärliche Ähnlichkeiten hin, die zwischen Dub-Reggae und den Techniken und Ideen des Schriftstellers bestehen. Auf der Grundlage wilder Theorien über Burroughsche Jamaika-Aufenthalte, bewies Beyer im Erich-von- Däniken-Stil, daß die jamaikanischen Musiker des Dub-Umfelds offensichtlich dessen Vorlesungen gehört haben mußten. Verblüffend, aber der Mann hatte recht: War Tubby nicht mit dem Schraubenzieher unterwegs, zu schauen, welcher Geist in den Maschinen wohnt. Veränderte Tubby nicht deren Code, so wie Burroughs es tat, als er sich als Tonbandreparateur filmen ließ? Hatte Tubby nicht damit begonnen, den Baß in den Vordergrund der Musik zu mischen und gleichzeitig dessen Klang zu Volumina anzudicken, die Toningenieuren bis heute Rätsel aufgeben. Burroughs philosophierte auf der anderen Seite in einem Interview über die Folgen von Infraschall, also Schallwellen unterhalb des nicht mehr hör-, aber körperlich spürbaren 20-Hertz- Bereichs? Und ähnelte der zu Partikeln zerhackte Gesang des Dub nicht den Ideen zu Klangmanipulationen, die Burroughs in „Die elektronische Revolution“ beschreibt?
Wie auch immer: Tubby schmiß einen Stein in den Teich, dessen Wellen sich bis heute nicht beruhigt haben. <<

Erinnert mich auch etwas an Austin Kleon. (Bild von seiner Webseite)

Und da im gestrigen Artikel über Mad Professor das schicke Wort „reverb explosion“ (einen typischen Dub-Kunstgriff, den ich bisher nur unter Room Shot oder Reverb Shot kannte), liefere ich einen artverwandten Vorfahren nach:
Im Refrain der Simon & Garfunkel Single „The Boxer“ (1969) gibt es immer wieder einen Kanonenschlag-artigen Akzent zu hören, ein krasser Gegensatz zum eher braven Vers eines gefälligen Folk-Songs. Hal Blaine machte sich Gedanken, wie er den süßlichen Titel, den er eher wie ein Schlaflied empfand, auf gute Art rhythmisch begleiten könnte. Der Kanonschlag jedenfalls war seine Snaredrum, die in/vor einem leeren Fahrstuhlschacht der Columbia Studios aufgebaut wurde.
Auch die restliche Rhythmusgestaltung beweist Geschmack: erstmal nichts – dann nur die bouncende Kickdrum (aber auch die nur auf der rechten Seite des Panoramas). Im Refrain dann die volle Wucht (a “cannonball-like” sound) plus einem leisen, dafür angezerrten Tomloop, auf der linken Seite. Für die Verse wird dieses, einem Standardtanz einer Beatbox nicht unähnlichen Pattern, von seinem Klangschmutz befreit und hoppelt clean und unfällig mit.


my echo is always on Send 1

September 24, 2020

Lese ein erquickendes Interview (aus dem „Electronic Sound Maker“, May 1985) mit einem meinem Lieblings-Dubmeister, Mad Professor.
Und so erfahre ich vom Konzept, wie sich mit zwei Gates Ping-Pong-Strukturen erzeugen lassen:
>>Also I use the gates to get automatic panning, using a decay on the threshold in conjunction with a delay or drum machine rhythm. One comes on and then when it shuts off the other one comes on. Then by setting the pan controls on the auxiliary channels correctly you can get it to go left-right-left-right (bangs a rhythm on the desk), according to the rhythm of the delay or the drum machine.<<

Hey, und wenn der Professor erst von der Sequential Drumtraks schwärmt und dann noch von der Peter Culture LP „Facing The Fight“ erzählt, bei der er Drumtan Ward ausschließlich (?) auf Simmons-Waben trommeln ließ, muss der Umstand umgehend geprüft werden.

Und da der neu entdeckte Drumtan Ward auch ein Freund der Doppel-Hihat ist, zudem einen Killer Rimclick Sound (bzw. zwei verschiedene) hat, hier noch:

Tony Allens Verhältnis zur Elektronik

Juni 12, 2020

… war gespalten, wie es sich dem Buch „Tony Allen An Autobiography of the Master Drummer of Afrobeat“ (Duke, 2013) entnehmen lässt. Die Mitentwicklung eines komplett neuen Genres war eine erste selbstverständliche Entwicklung, die Vermischung mit anderen Stilen jedoch eine Aufgabe.
Von der Integration des Dub Gedankens, über die gar nicht goutierte Elektrifizierung durch Trigger, hin zur „electronic on top“ und zu einem Crossover-Gedanken, der Tony Allen Beats für andere freigab („The Allenko Brotherhood Ensemble„) oder Tony Allen auf irgendwelche Musik reagieren ließ (siehe Zusammenarbeit mit Damon Albarn, Air, Jeff Mills u.v.m.)

Hier die passenden Stellen aus der Autobiografie:

tony-allen-und-die-elektronik

 

Mit N.E.P.A. (1984) kommen Afrobeat und Dub zusammen:

Tony Allen „Too many Prisoners“ (1987)

Tony Allen „Yebre“ (vom Album „Afrobeat Express“ aus dem Jahr 1989)

Das von Doctor L. produzierte „Black Voices“ Album von 1999 war tatsächlich auch meine erste bewusste Begegnung mit Mr. Allen.

You must have a good groove to make good dub

Juni 12, 2020

Gegen Ende der Tony Allen Autobiografie lese ich auf Seite 169 den schönen Satz:
>>You know, you must have a good groove to make good dub.<<
Gesagt getan. Der Meister Benny Greb hat gerade eh einen Beat zur Kollaboration freigegeben. Optimale Voraussetzung, also los. Direkt vom Bett an die Maschinen…

Dafür habe ich seit langem mal wieder mein Korg Bandecho (Stage Echo SE-300) angeworfen – super, man wird direkt mit Studiowärme im doppelten Sinn beglückt – und gleich ein neues Switcherpedal (EHX Chillswitch) ausprobiert. Wenn ich diesen momentary Switch drücke, rutscht das eingehende Signal nur bzw. auch in einen weiteren Effektloop (in dem ich mein vermutlich langjährigsten Echopartner, das analoge Boss DM-100 Eimerkettendelay untergebracht habe).
Am Ende hilft der Vermona DAF-1 Filter dabei, die überstehende Echowolke elegant zu einem klaren Ending zu morphen.

Toll am SE-300: nicht nur dessen Tape-Delays, sondern auch die (Verschaltungs-) Möglichkeiten des Federhalls:

Korg-SE-300-Reverb

Bildschirmfoto 2020-06-12 um 16.07.06

Bildschirmfoto 2020-06-12 um 16.09.00

Sonia Pottinger, Jamaica’s first female producer in reggae history

April 30, 2020

Tune in! Super Tipp von Moritz:
>>Sonia Pottinger, Jamaica’s first female producer in reggae history, opened her Tip Top Records shop in 1965 and began recording artists in 1966. She excelled in an extremely competitive realm dominated by men through a unique approach to record production, leaving a vast back catalogue of the most eminent quality. This show pulls together some of her finest moments.<<

Habe direkt ein wunderschönes Rim-Echo entdeckt. Von Duke Reid produziert, von Phillis Dillon vorgetragen: „The Love That A Woman Should Give To A Man“ (Dub Version)

Und die „Midnight Confessions“ finde ich auch super. Nicht nur wegen der langen Delays auf Gebläse und Stimme, dem Federhall für den Snarerim, sondern weil die Komposition an sich schon erfrischend anders klingt.

Schließlich bleibe ich bei Arthur Duke Reids „Treasure Dub“ hängen.

Dub a Drummer

April 27, 2020

Mein Echodrums Buch steht kurz vor dem Abschluß und um die Idee zu streuen bzw. dem potentiellen Leser zu erklären, wie schön die Synergie von Getrommel und Effektgerät sein kann, dachte ich mir folgendes:
Ich lass‘ mir von meinen befreundeten IG-Star-Drummern einen Rhythmus vorspielen, „dubbe“ diesen anschließend und erzähle was Kleines dazu. Zum Beispiel, dass mit dem Verb „dubben“ jene Blaupause von Remix gemeint ist, die in Jamaika ihren Anfang nahm (Dub Reggae) und das leidenschaftlich-verspielte Ausproduzieren im Studio meint, mit allem was an tontechnischen Möglichkeiten so vor Ort ist, in meinem Fall:
Laut/leise, Hall und Echo.

Dazu stöpselte ich mein Telefon – heute mit Philo Tsoungis IG Drumshare – in den Lehle P-Split und verteilte ihren Beat
– einmal auf den Superswitcher SS-1 (zum Muten). Von dort dann weiter zum analogen Boss Delay (DM-300), dessen Effektbeteiligung durch den Echo Volume Regler bestimmt wird (OK, auch durchs leichte Übersteuern des Input Gains). Und dann ins Mischpult.
– einmal auf den Vermona Federhall (VSR3), dessen Mixregler auf 100% Effekt gestellt wurde, der aber nur durch Drücken des externen Taster hörbar gemacht und zum Mixer geschickt wird. Musik entseht hier nicht nur durch die Hallspirale, sondern vor allem dank des Tone Potis.
Schließlich wurde die Mono-Summe des Mischpults im Rechner aufgenommen.
Und wir sehen und hören eine Interaktion von Drummer und Dubmixer.

Dass wir Trommler derartige Soundwelten aber auch locker alleine erschaffen können – ähnlich wie ein Gitarrist, der sein Instrument ins Effektboard steckt – das wird gemütlich nachzulesen sein, ganz entspannt „from scratch“.
Ums mit Hattlers Worten kurz zu fassen: einfach Klinkenstecker rein und los!

MOV und POW!

März 2, 2020

Als wir am Samstag Wolfgang Schmids neuen Song „POW“ anprobten, dachte ich ganz verträumt an Roy Lichtenstein. Erst während Peters Ansage beim Konzert erreichte mich der wachrüttelnde Kinnhaken – nun hatte auch ich verstanden, dass der Titel einfach eine Abkürzung für Peter, Oli und Wolfgang ist.
Keine 24 Stunden später will ich das grüne Eintrittsband entfernen, entdecke dabei den Aufdruck MVO und denke direkt an Matthias Vogt und unser anstehendes Konzert im Museum für angewandte Kunst – dabei kam ich eben von dort, vom Besuch des Moritz von Oswald Sets…

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Weniger verpeilt nun die Ankündigung einiger interessanter März-Konzerte in Frankfurt.
Ich selbst trommle bei folgenden:
DI 03.03.20 Der Temporäre Elektronische Salon (Bartkuhn, Leicht, Rubow) @ ono2 / 21h
MI 04.03.20 A Coral Room (Vogt, Leicht, Rubow) @ MAK / 18h
FR 13.03.20 Kopffarben, Abelein & Rubow @HfMDK / 20h
SA 14.03.20 Kopffarben, Abelein & Rubow @HfMDK / 20h
SO 15.03.20 A Coral Room (Vogt, Leicht, Rubow) @ Rind, Rüsselsheim

Dann möchte ich auf meine persönlichen Highlights der von „El Barrio“ präsentierten Konzerte (im Rahmen der „Ich wünschte“ Ausstellung des MAK) hinweisen:
SA 29.02.20 Kabuki (unser Buddy aus dem Temporären Elektronischen Salon)
SO 01.03.20 Moritz von Oswald – war scho(e)n und sehr inspirierend!
DO 05.03.20 Andi Haberl Solo (Schlagzeug mit elektrischen Sensoren) / 18h
SO 08.03.20 Melt Trio (mit Moritz Baumgärtner am Schlagzeug) / 19h
SO 08.03.20 Ensemble Modern mit Jan Bang (und dessen legendärem Live-Sampling via Akai RMX-16) / 21h

Hey, und Adam Deitch kommt auch noch, am
SA 07.03.20 Lettuce @ Nachtleben / 19.30h

muffig?

Dezember 4, 2019

Nicht nur Effektmacher, sondern auch ’ne Art Mitbewohner.
Doch mein Ibanez GE10 will weiterziehen…

Im Hintergrund läuft dazu das 81er Rockpalast Konzert von Black Uhuru, bei dem Sly Dunbars Drumset gerne durch das ein oder andere analoge Echogerät geschickt wird (und die Effekte angenehm, muffig weich, erklingen, als ob im Equalizer die Höhe herausgezogen wären…)