Archive for the ‘Timeline’ Category

Downtempo, das Echo des Wiener Sounds

Dezember 6, 2020

>>To get away from the – one track after the other – compilation concept [*], K+D checked in at HAVLIS – SUPER SOUND where their man Alex (don of the echo chambers) has a secret dub-laboratory. There K+D did a dub session on the selected tracks to inject some dynamics and life into it. They took two bottles of Highland park whisky and their old dub-echoes from the cellar and did a smoked-out dub echo-orgy. The new track and a slight headache was the result.«
Richard Dorfmeister 

>>Wir waren beeinflusst von Dub. In der klassischen Dubschule ist alles Sound. Ein Vocal trägt nichts zum Song bei, außer dass es in ein Delay gefetzt wird und dir um den Kopf herumfliegt. Das muss keiner singen. Die Sounds tragen dich weiter. [**] In der Einfachheit liegt auch die größte Schwierigkeit. Du bist auf wenige Spuren reduziert, um das ganze Sound- und Frequenzspektrum auszufüllen. Tracks vollräumen, das geht schnell.<<
Peter Kruder

[*] What is the flow? Stewart Copeland asks Daniel Levitin
[**] >>… an organically-flowing, complex yet subtle sound with only two Akai samplers, a Roland Space Delay and a dusty mixer.<<

Kruder & Dorfmeister „Useless“  (vom  >>Mix-Album „The K&D Sessions“ (1998) wurde in den Chill-Out-Lounges von Ibiza bis New York rauf- und runtergespielt. Das Album gilt als Klassiker des Genres. Es war der bahnbrechendste Sound aus Wien seit Arnold Schönberg und der größte kommerzielle Erfolg seit Falco.<<)

ORF Doku „Out of Vienna“ (2016)

Übrigens haben wir uns 2007 auch mit Netzer an einen Wiener Track gewagt und eine handgespielte Version mit französischem Gesang erstellt, ausgehend vom „Double Drums“ Remix, den DJ DSL (ebenfalls aus der Hauptstadt) einer Kruder Nummer verpasst hatte.

Baltikum, Provinz Antalya, Schwarzwald

Dezember 5, 2020

Zum morgigen Nikolaustag zwei schöne Bilder aus dem Fundus der @sovietvisuals:

Tag und Nacht im Batikum 1978. Das erste Foto, „Flight“ von Virgilijus Sonta, steht für die Schönheit des Sommers, alltäglichen Futurismus, sowie die immense Freude und Freiheit beim Wasserspringen.
Auch wenn utopisch, so würde ich bei der nächsten Litauen-reise leidenschaftlich gerne genau dieses Schwimmbad auffinden wollen.
Der Lada vor dem Hotel „Viru“ in Tallinn erinnert mich nicht nur angenehm an mein erstes Auto (aus eben dieser Lada-Baureihe, ein sandfarbener unverwüstlicher Kombi mit einem Lenkrad in Bassdrum-Größe), mir gefällt vor allem die Aufgeräumtheit der Straße – eindeutig eine Aufgabe für die Zukunft – und die sternhaften Lichtpunkte, dank denen ich dem Bild tatsächlich auch etwas Vorweihnachtliches abgewinnen kann.
Unter den IG Kommentaren findet man schließlich noch ein erstaunliches Kofferwort „microcrete“:
>>it [the hotel] had a floor devoted to KGB agents spying on its guests. The hotel had so many bugs that locals joked it was made of „microcrete,“ half concrete, half microphone.<<

Auch mir scheint ein Nachfahre des Bischofs von Myra schöne Post geschickt zu haben: zum einen – via Oli Leicht -das grandiose Filmdokument „Jazzin‘ the Black Forest“ über die Geschichte des MPS-Labels in Villingen-Schwenningen, zum anderen die aktuelle Ausgabe des Offbeat-Magazins vom Percussion Creativ Verein (auch aus dem Schwarzwald…) mit einer weiteren tollen Rezension meines Echodrums Buchs:

in the end you have to be able to speak to people with the drums

Dezember 1, 2020

In der Arte Mediathek läuft noch bis zum 21.12.20 die sehenswerte Doku „Drum Stories„. Sie endet mit dem schönen Satz:
>>Die Trommel erzählt Geschichten ohne Worte. Wir verstehen sie, selbst dann, wenn uns der andere fremd ist. Sie zieht uns körperlich und emotional in den Bann, intuitiv und irrtumslos.
Das kann nur die Trommel!<<

Auch von Manu Katché schreibe ich einen Ausspruch ab. Schlagzeugspielen ist für ihn: >>Technique, intuition and a feeling like a 14 year old.<<

Vor allem aber entdecke ich Wojtek Blecharz und sein super spannendes „Manifesto for Orchestra“ – nenne es „klassischen Jam“, Wimmelbild oder die perkussive Kollektivimpro mit dem Publikum…
… die sich irgendwann bei 120bpm findet:

Panorama Drums

Oktober 21, 2020

Lisa Bodenseh hat eine spannende Mix-Frage zum Thema Drumset-Panorama in den Raum gestellt, so dass ich jetzt darüber laut tippe.

Als erstes kommt mir mein ewiges Drehen des Kopfhöres in den Sinn, das Vertauschen der Muscheln, auf dass ich den Schlagzeug-Sound räumlich so wahrnehmen kann, als säße ich dahinter. Denn in der Regel werden die Drums so im Stereopanorama verteilt, als würde ein Konzertbesucher aufs Musikgeschehen blicken: Kick in der Mitte, die Hihat rechts davon, Ride-Becken und Floortom auf der linken Seite. (1. Frage: wie wurden beispielsweise die Deep Purple Trommeln des Linkshänders Ian Paice in Szene gesetzt, wurde nach Regelstandard gemischt oder für Fan und Insider die Seiten vertauscht?)

Die Technik der Sterefonie ist selbstverständlich die notwendige Seite der Medallie, doch erst die massenhafte Verfügbarkeit spezieller Abspielgeräte ist der Schlüssel zur Verbreitung der Idee. Für den zeitlichen Überblick hilft Wikipedia: >>Die ersten Schallplatten mit Stereo-Aufnahmen in Deutschland waren seit 1958 erhältlich. 1964 begann die Rundfunk-Übertragung mit Stereo-Ton auf FM/UKW, Anfang der 80er Jahre bekamen Fernsehsendungen auch Stereo-Ton.<<
Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich der Stereomarkt zunächst auf Testschallplatten (Teaser), Jazz (Experimente) und Klassik (Establishment) beschränkte und dass für einen ganz schön langen Zeitraum nicht nur monokompatible Mischungen produziert wurden, sondern parallel auch Tonträger im Mono und Stereo-Format erhältlich waren.
Im klassischen Sektor wollte man auf jeden Fall das Konzerterlebnis so natürlich wie möglich abbilden, der typische 1960er Jazz Mix interessierte sich hingegen überhaupt nicht für ein realistisches Stereobild, sondern nahm das Upgrade von einem auf zwei (trennbare) Audiokanäle als Steilvorlage für eine krasse Instrumenten Verteilung.
Hey hey, Rudy van Gelder!

Ich spiele mal „All the things you are“ vom Meilenstein „Sonny meets Hawk!“ (1963) ab. Und erinnere mich an unseren ersten Netzer Steady Gig in der Stuttgarter „Bar“, einem sehr schmalen, schlauchähnlichen Club im Stuttgarter Westen. Wenn wir nicht spielten, legte der damalige Betreiber als leidenschaftlicher Jazzfan gerne jene stark gepannten Blue Note Platten auf. Leider standen die Lautsprecherboxen der Stereoanlage an den äussersten Enden der ewig langen Theke. Und so hörte ein Teil der Besucherschaft hauptsächlich Bass und Schlagzeug, der andere eher das Klavier oder Saxophon… (der Jazz-Student fühlt sich vermutlich an die Aebersold-Play-Alongs erinnert)


Mono ist jedenfalls nach wie vor eine klare Aussage und gesichert „phat“.
Ich denke zunächst an Tracks, die für den Dancefloor gemischt wurden (check out Double Mono) bzw. an ältere Club-PAs, in denen vier Mono-Boxen die Tanzfläche umkreisten, dann an die Beatles in Mono.
>>[Alle Alben bis auf „Abbey Road“ und „Let It Be“] waren im Original von Martin und den Musikern im sorgfältigen Monomix vollendet worden. Erst danach durften sich irgendwelche Techniker der Stereofassung widmen. „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ benötigte drei Wochen, um in Mono so zu klingen, wie die Urheber es wünschten. Nach drei Tagen konnte es in Stereo gepresst werden. Es war ihnen egal.<< (Michael Pilz, 2014)

Googelt man heute nach Panorama Vorschlägen, dann liegen dort in der Regel Bass, Bassdrum (meist auch die Snare) und der Gesang im Zentrum.
Jetzt denke ich sofort an den typischen Klaus Scharff Livesound, bei dem Drums & Vocals nicht nur mittig, sondern auch in puncto Lautstärke dominierten. Die restlichen Klanginformationen als Garnitur…
Ich selbst baue mein Drumkit ohnehin schon sehr mono-kompatibel auf (die vier Teile werden im Club nur von Kick-Mic und SM-58 Overhead übertragen, das kleine Schwarze an der Snare dient nur den Echo-Konzepten), liebe für Schlagzeugaufnahmen tatsächlich auch das „1 Mikro Konzept“ (vor allem wenn das Neumann U47fet dafür verwendet wird) und „bounce“ tapfer all meine Drumsamples einkanalig.

Letztlich entscheiden – wie immer – Deine Ohren! Richtig ist, was Dir gefällt (und nach Drücken der Monotaste nicht völlig zusammensackt)…

Noch zwei gute Punkte vom SOS Magazin:
>>When you hear a drum kit from any typical (or safe!) listening distance, it actually presents very little stereo width at all. Certainly, in any unamplified concert scenario all parts of the kit will effectively appear to be coming from the same location. This weakens the argument for any obvious stereo panning of drum components on grounds of acoustic realism.<<

>>If you’re mixing a track to accompany visuals, then the argument for matching the on-screen drum positioning (ie. usually audience perspective) at the mix may be stronger.<<

Effekt-Trommelei aus der Steinzeit

Oktober 17, 2020

Schon die frühsten RhythmusmacherInnen spielten offenbar lieber mit effektiertem Sound, wie ich eben auf Seite 95 in Mickey Harts „magischer Trommel“ erfahre:

>>[Joseph] Campbell nahm an, daß die Höhle bei religiösen Zeremonien selbst als eine Art Trommel fungierte. Er glaubte, daß die frühen Perkussionisten an einem bestimmten Punkt des Rituals an die Stalaktiten schlugen und so ein dröhnendes Boooong hervorriefen, das sich an den Felswänden brach und effektvoll verzerrt wurde. […]
Joe erzählte mir, er habe diese Hypothese bei einem seiner Besuche in den frühsteinzeitlichen Höhlen Europas überprüft und die Wirkung überzeugend gefunden. Ein archäologischer Fund in Südrussland unterstützt Joes Theorie, daß die Höhle selbst als Resonanzkörper benutzt wurde.<<

Auch auf Seite 96 lese ich etwas Schönes – mittlerweile blättere ich durch die Ausgabe 6/2020 des drums & percussion Magazins – nämlich die sehr gute Rezension meines ECHODRUMS Buchs von Brigitte Volkerts, die folgendermaßen schließt:
>>Man darf sich vom handlichen Format des Büchleins nicht täuschen lassen. Es steckt eine Riesenmenge Menge an Material drin. Sehr inspirierend!<<
Danke, danke!

Happy 100

August 28, 2020

>>Die Frage, welche Musiker:innen Parker postum beeinflusst hat, beantwortet sich sofort: Es sind einfach alle. Welcher Komponist des 20. Jahrhunderts kann das schon von sich behaupten? In der Erzählung „Der Verfolger“ des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar (1958) grübelt der Kritiker über seine Sprache, die angesichts des musikalischen Genies von Johnny Carter – einem US-Musiker vom Autor nach Parkers Vorbild gezeichnet – zu versagen droht. Dem Verzagten lässt sich beim Hören von Charlie Parker nur beipflichten, als er schreibt: „Ich glaube zu verstehen, warum man beim Beten unwillkürlich auf die Knie fällt.“<<
(Franziska Buhre in der taz vom 28.08.20)

Bevor „Der temporäre elektronische Salon“ dem Meister Respekt zollt (heute live Abend im Frankfurter Palmengarten), erzählt noch Phil Woods seine Anekdote über vermeintliche Unzulänglichkeiten des eigenen Equipments und Charlie Parker:

 Und ich lese mir nochmals die Seite 75 in Volker Kriegels „Der Rock’n’Roll-König“ durch.

Gestern vor 60 Jahren

August 18, 2020

>>Johnnys Einkaufswagen war bis zum Rand mit Spumante und rotem Krimsekt vollgepackt. „Was los, Johnny?“, fragte ich: „Kein Toastbrot heut?“ „Ach Mensch“, erwiderte er nasal und mit dem leisen englischen Akzent: „Ich hab Party am Montag, Paule kommt auch schon heute Abend an.“ Geburtstag konnte es nicht sein… [hier auf taz.de Daniel Kretschmars Artikel zum 60. Namenstag der Beatles weiterlesen]<<

Wo ist der Bass?

Juli 26, 2020

Meine Trommel döst…

VW Bus – Schlauchboot – Bücher, und ab und zu die beste Schokobanane der Welt.
Fühlt sich sehr urlaubsmäßig an, funktioniert vor allem auch überall ab vom Schuss.
Dass sich darüberhinaus diverse Schätze und Steilvorlagen zum Träumen bergen lassen, hebt die Laune (und bringt Futter für den Blog).

Ein toller Ausgangspunkt zum Entdecken und Weiterforschen ist Karl Bruckmaiers „The Story of Pop“. Die Trommel spricht!

Beim Nachhören des Tropicalia Hits „Bat Macumba“ (1969) fasziniert mich das angezerrte rhythmische Stottern des Mixes (eigentlich ist es ja nur die Gitarre von Sergio Dias). Gleich das erste Suchergebnis dazu liefert noch eine eins a Anekdote:
>>I read about the tremolo fuzz in „Bat Macumba“ being a sewing machine motor attached to the volume knob of a fuzz, so that when it ran, you could control the speed of the trem with the footpedal of the sewing machine.<<
Und ich stelle mir direkt vor, dass am trommelnden Handgelenk eine Schnur befestigt ist (hallo, Augsburger Puppenkiste!), die einen Poti/Parameter meines Echogeräts fernsteuern bzw. rhythmisieren könnte.
Riesiger Aufwand und dennoch eine interessante Spielerei jenseits der einfach verfügbaren digitalen Umsetzung via Ableton & co.

Bildschirmfoto 2020-07-26 um 21.05.35

An anderer Stelle erfahre ich, dass Carl Spitzweg freizügig und gerne seinen Signaturstempel weitergab. Darüber entdecke ich den gemalten Dialekt-Witz „Wo ist der Pass?“ (fränkisch gefragt, ehrlich beantwortet):

Wo_ist_der_Pass_(Carl_Spitzweg)

Ich höre John Fayeh und interessiere mich für John Hammond, feiere Emil Berliner und schreibe mir auf den Zettel, dass 1943 der erste Second-Hand-Plattenladen in New York eröffnet wurde.

Aus einem anderen Buch, Ari Turunens Geschichte der Arroganz „Kann mir bitte jemand das Wasser reichen“ kopiere ich folgenden Satz:
>>Als die Missionare die Einwohner von Papa-Neuguinea für das Fußballspiel zu begeistern versuchten, legten die Mannschaften keinen Wert auf den Sieg, sondern spielten bis zum Gleichstand. Auch die Aborigines hassten die Vorstellung, andere zu besiegen.<< (Seite 39)

Dann wieder Bruckmaier und der >>Reiz der Mischkalkulation. Musiker verzichten auf den letzten Schritt der Selbstaufopferung hin zum Star alter Prägung, bleiben […] ganz bewusst auf einer Ebene, die ihren Gewinn in Lebensqualität und Selbstbestimmtheit auszahlt und nicht in Dollar und Euro.<< (Seite 329)

Zum Abschluss noch der Link zum Korg-Kochbuch (gegessen werden muss ja auch), eine Formel für Pop und (natürlich!) eine Prise Echo:
>>die worte sind sehr einfach gehalten; meist wird die titelzeile vielmals wiederholt, ghostriderghostriderghostrider, girl girl girl und dazwischen faucht und kreischt und stöhnt es in allen tonarten, elektronisch verzerrt und mit echo-effekten.<<
(Bob Fischer in „The Story of Pop“)

PS. eine grandiose Strophe habe ich ja auch noch gefunden (in XTC „This is Pop? aus dem Jahr 1978):

Musik für Feiertage

Juni 11, 2020

Ich würde mit einem Wohlfühl-Set von Natasha Diggs einsteigen:

Dann etwas Weiterbildung im Rhythmus-Sektor, ein Mix der die Trommelkunst von Dennis Davis vorstellt.

Eine weitere Doku aus dem Jahre 2008, die direkt schwergewichtig einsteigt:
>>“We call it Techno“ tells of it evolving face of the first pop culture that primarily arose in Germany<< (1:40′)

Den Satz schreibe ich auch gleich mal ab: The basic principle of Techno stands for experimenting, crossing borders and DIY.

Und jetzt bräuchte es nur noch das Set für die Nacht…

Freedomland

Juni 7, 2020

Im Jahr 2000 war ganz schön viel los.
Ich kam zur Band von El Houssaine Kili, durch die ich (vor allem dank Rhani Krijas Erklärkunst) in die Welt nordafrikanischer Rhythmen und der Gnawa Musik eingeführt wurde.

Hellmut Hattler startete sein neues Projekt, dessen Reise bis heute andauert.

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Und der österreichische Sänger und Multiinstrumentalist Marque (bei dem ich im Jahr zuvor für den tollen Kay Richter eingestiegen bin) veröffentlichte im Juni sein drittes Album „Freedomland“, das dank des Radiohits „One to make her happy“ viele Türen öffnete und mir im Popzirkus einige neue Facetten zeigte.
Eigentlich waren Attitude und Sound von Marque stark mit Prince verküpft. Bei den Shows im Ländle (Vorarlberg) gab es oftmals nach einem regulären Konzert, noch den geheimen Aftershow-Gig im Conrads-Ohm. Die Band mit Lillo Scrimali, Rolf Kersting (wir spielten seit 1998 intensiv für verschiedene Acts zusammen) und Thomas König (ab 2001 mit Markus Birkle an der Gitarre) war bestens eingespielt und die Lust zu spielen war immens.

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Der große Mehrwert des starken Airplays war, dass man permanent zusammen unterwegs war und spielte. Wobei das typische Konzert nur noch ein Bruchteil der Veranstaltungen ausmachte: Plötzlich fanden wir uns auf den Bühnen sogenannter Radio-Festivals wieder, also von Sendern ausgerichteten Live-Events, bei denen zum Playback gemimt werden sollte.

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Die ganzen Unterhaltungssendungen im Fernsehen waren ohnehin ausnahmslos auf Sicherheit bedacht, sprich Playback-Shows. Aber auch Musiksendungen wie Top of the Pops, oder die Formate von Viva und MTV zeigten sich nicht begeistert, wenn wir aufs Live spielen drängten. Obligatorisch damals für den aufstrebenden Pop-Act war das Musikvideo – ebenfalls spannend und neu für mich.(Letztlich wirkte ich bei folgenden drei mit: „One to make her Happy“, „Electronic Lady“, „Wonderman“)
Irgendwann spielten wir in ein paar Folgen der Vorabendserie „Verbotene Liebe“ mit, einfach uns als Band (Product Placement), jedoch ohne die eigenen Markenklamotten (unerlaubte Schleichwerbung) und ein paar Bravo Artikel gab’s obendrein…

Parallel zum Album-Release startete eine kleine Sommertour. Aber auch bei diesen Gigs, Umgewöhnung: Der Hit bzw. die Vermarktungsmaschinerie hatte das Publikum merkbar verändert, Teenies anstelle der Musikliebhaber aus dem Prince Umfeld. Die Konzerte begannen also schon um 19 Uhr und nicht selten musste „One to make her happy“ mehrfach am Abend gespielt und immer wieder zum Mitsingen verlängert werden. Die anderen Songs des Programms schienen oftmals eher im Weg zu stehen. Egal, wir waren unterwegs und freuten uns über jeden live performten Ton. Und glücklicherweise gab es auch die guten Plätze, wie beispielsweise den Rockpalast oder das New Pop Festival.

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Zudem nahmen nach der steilen Lernkurve und einer gewissen Beharrlichkeit die „klassischen Konzerte“ wieder zu. Darunter drei Touren als Support von Simple Minds, Vanessa Amorosi und DJ Bobo (der immerhin im Anschluß begeistert eine Live Band rekrutierte…).

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Hier noch ein typisches Foto von jener ersten Nightliner-Sommertour. Tagsüber im Eschenheimer Freibad (quasi mein Anbändeln mit Frankfurt), abends im Club meines heutigen Vermieters.

War eine intensive, lehrreiche und schöne Zeit und ich freue mich aufs Alters-Revival!
Ein Foto vom damaligen Schlagzeug-Aufbau hätte ich jedenfalls parat:

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Zum Abschluß noch vier klasse Tracks zu denen ich u.a. getrommelt habe:
„Two more people (Faith)“

„River“

„The Reason Why“

„Sorry, but I wonder“

Jetzt würde ich nur noch gerne die Übungskassette finden, mit der ich mich 1996 oder ’97 erstmals für ein Marque Konzert (Sounds of Frankfurt) einspringenderweise vorbereitet hatte. Oder auch den Mitschnitt des Prince-Tributes, der zum heutigen Geburtstags des Meisters bestens gepasst hätte…