Archive for the ‘Timeline’ Category

mehr Klangkünstler als Toningenieur

Mai 9, 2019

Arte Doku über Conny Plank.

Und auf der anderen Seite des Netzes erzählt Hans Martin Buff von den Anfängen der DAW.

 

Postkolonialismus, kulturelle Aneignung und Crate Digging

Mai 5, 2019

Der Berliner Labelmacher und DJ Jannis Stürtz veröffentlicht auf seiner kleinen Plattenfirma Habibi Funk alte arabische Musik neu und erzählt im taz Gespräch interessante Dinge darüber, beispielsweise:

>>wenn man ein Album gefunden hat, das wenige andere kennen, dann gibt es in der Plattensammlerszene das Wording, sie „entdeckt“ zu haben. Eine Freundin meinte zu mir, dass es in diesem Kontext problematisch ist, dass man dieses Album de facto nicht discovered hat, sondern davon gibt es einige Hunderte Kopien, die irgendwo rumliegen. Das hat so eine gewisse Parallele, gerade wenn es über Kulturen hinweggeht, zu Christoph Kolumbus, der Amerika entdeckt hat. Das machte für mich Sinn, ich habe aufgehört, dieses Wort zu benutzen.<<

Der Motorik

April 27, 2019

Ein schöner neuer Fachbegriff aus dem Krautrock-Fundus. Zur Wortklärung zitiere ich einen Satz aus dem schönen taz Loblied über die unbekannteste aller deutschen Musiklegenden, Michael Rother (Kraftwerk, Neu!, Harmonia), dessen Soloschaffen gerade mit einer Retrospektive auf Grönland Records beleuchtet wird:
>>Während Dinger den klassischsten aller Krautrock-Beats, den Motorik, erfand, umspielte Rother auf Songs wie „HalloGallo“ oder „Negativland“ diesen mit verzerrten Gitarrenhooks. „Ich wollte mich vom Blues abwenden. Es ging darum, etwas Neues zu erschaffen“<<

Ich höre mir jetzt erstmal etwas „Fernwärme“ zum Frühstück, später dann den electronic beats Podcast (nach der Werbung ab 2.50′) an:

Klangbehandlung mit Luft

März 26, 2019

>>Put some reality in the sound, which basically means: space!<<
Prince Fatty über Reamping (6.46′)

Mein Freund Uwe Schenk sagte damals (2003) beim Mix der „Organic Electro Beats“ CD: „Die rein elektronischen Sounds wirken gegenüber den akustischen Signalen trotz eines gemeinsamen Reverb-Busses immer noch unnatürlich, zu direkt.“ Er stellte zwei PA-Boxen in den Aufnahmeraum und ein Paar Stereo-Mikrofone in maximal möglicher Entfernung gegenüber, zog den Telefonstecker aus der Wand und erklärte, dass es wegen des „Luftmasterings“ die nächste Stunde lang nichts zu tun gäbe…

Caroline

Januar 21, 2019

Herr Vogelmann erzählt im FB die Geschichte der „Caroline“ Fußmaschine (deren bestes Detail für mich der Lederlappen zum Festnageln war).

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THE BRITISH PRESS WANTS YOU!!

Januar 7, 2019

Ich muss gestehen: trotz bester Ferienstimmung fehlt’s mir an Zeit.
Erst die dreistündige DLF Sendung über das Schlagzeug, jetzt noch die Basic Channel Story
Egal muss – sein – denn der Einfluss von Mark Ernestus und Moritz von Oswald ist massiv, auf mich: prägend! Und wenn die Dubtechno-Erfinder in der taz leidenschaftlich als „See aus Rhythmus und Sound“ beschrieben werden und das große Portrait-Gespräch im RA mit diesem Fax von Mad Mike beginnt, müssen die anderen Sachen halt warten.

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>…and then I realised the sequence is the thing of the track. Forget all drums.<<
René Löwe aka Vainqueur

Deutschlandfunks „Lange Nacht über das Schlagzeug“

Januar 7, 2019

>>Vom Herzschlag zum Schlagzeug – dieser Sprung liegt nicht allzu fern, denn rhythmisierte Schläge sind untrennbar mit der Entstehung des Lebens verbunden. Herz- und Pulsschlag markieren den Urrhythmus allen tierischen und menschlichen Lebens. Auch Pflanzen sind in ihrem Wachstum, ihrer Existenz, bestimmten Zyklen und Rhythmen unterworfen. Und sie sind keineswegs lautlos…<<
So beginnt Egbert Hillers „Lange Nacht über das Schlagzeug

Die fast dreistündige Sendung des Deutschlandfunks ist hier noch bis zum 13. 1. les-, anhör-und downdloadbar.

Louis Armstrong und die Fliege

Dezember 10, 2018

Eine schöne kleine Trompetengeschichte, die einerseits den Nils Wülker Tourabschluss nahtlos abrundet, sich zudem bestens als Motivationsschub für meine nun beginnende Weihnachts-Freizeit (HfMDK, ein paar Geschenke, Bass???) eignet:

>>Am Abend dann, als die Band glücklich und erschöpft in die Anstalt zurückhehrt und alle anderen ihre Instrumente schon wieder im Musikraum abgegeben haben, nicht sich Louis Armstrong noch einmal die Trompete, fragend blickt er seinen Lehrer an. »Na gut« brummt Peter Davis, »ausnahmsweise.« Es ist warm in seinem Mehrbettzimmer, die anderen sind noch draußen und rauchen in der heißen Sommernacht, träumen von der Sportlehrerin, von Ferne wehen aus der Stadt die Klänge der Feiern des Odd Fellows‘ Day herüber. Armstrong zieht die alte Polizistenuniform aus. Und während er allein auf seinem Bett sitzt und eine Fliege durch das Zimmer fliegt, versucht er ihren Flug mit seinen Tönen nachzuahmen, er folgt ihr nach, brummend, stoppend, brummend. Und als die Fliege den Weg aus dem Fenster hinausgefunden hat, da spielt er einfach weiter. Und hört nie wieder. Louis Armstrong wird zum größten Jazz-Trompeter der Geschichte.<<

aus Florian Illies „1913“, Kapitel September

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PS. schön, das ist nach Pit Baumgartners „Fliegenklatsche mit Chance“ und der Patentschrift zum Schlagzeugbesen nun der dritte Fliegen-freundliche Beitrag…

50+25 Crucial Jazz Drumming Recordings

Oktober 29, 2018

Ich habe gerade die kommentierte Modern Drummer Liste 50 Crucial Jazz Drumming Recordings entdeckt und steige mit der Ordnungsnummer 16 ein:

16. Miles Davis Milestones (Philly Joe Jones, 1958)
“Tony Williams supposedly said that you could learn everything you need to know about jazz from this record,” Paul Wells shares. “And I know that trumpeter Wallace Roney said that Tony could sing every solo and bass line on it. It’s a perfect jazz record, and Philly just slays on it. Interestingly, he plays the entire record with just one tom-tom.”

Und dort gibt es dann die zweite Liste, 50 Crucial Jazz Drumming Recordings Part 2.

 

100 Jahre Schlagzeug?

Juni 17, 2018

Gestern las ich in der Welt über den Friedenspreis, vor allem über das Werk von Jan und Aleida Assmann. Unter anderem ging es dabei um kulturelles Erinnern. Und zack sind meine Gedanken bei der Überschrift „100 Jahre Schlagzeug“, einem Thema, das mir in letzter Zeit mehrfach begegnete.
Würde ich das Wort „Schlagzeug“ unbeteiligt und nüchtern als Begriff deuten müssen, käme ich als allererstes auf das Herz, jenen Hohlmuskel, der mit rhythmischen Kontraktionen hörbar Blut durch den Körper pumpt und ich käme auf die menschliche Stimme und Sprache, beide ebenfalls „Zeugs“ zum Schlagen und Formen von Klängen, Werkzeuge zum kontrollierten Rhythmusgestalten.
Eulen in Athen also, dass Trommeln die Menschheit seit Urzeiten begleiten, vom Kommunikationsmittel bis zur Therapieform. Sprich, wenn es um 100 Jahre Schlagzeug geht, dann denken wir über das zusammengesetzte Instrument nach, ein Setup, welches trommelbare Dinge aus unterschiedlichen Kontinenten und Zusammenhängen vereint, allesamt Einzelteile, die traditionell von mehreren Personen gespielt wurden. Und dabei kommt der Ludwig-Katalog aus dem Jahre 1918 ins Spiel , der mit dem Jazz-Er-Up erstmals ein Gebinde von Bassdrum, Snare und Becken abbildet bzw. anbietet.
Das alles lässt sich (deutlich umfangreicher) in Fritz Stegers Artikel (drums&percussion 7/8-2018) nachzulesen, der vor allem anmerkt: >>Es ist jedoch sicher, dass solche Kombinationen mindestens 30 Jahre davor existierten.<<

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Damit wären wir wieder bei den Eingangs erwähnten Mechanismen und Möglichkeiten der kulturellen Erinnerung. Und da ich mich – in bester DJ-Culture-Tradition – ohnehin nicht für den Aufbauvorschlag der Industriekataloge interessiere, bleibe ich bei Herz und Sprache und hänge einen Text aus der Schublade dran, der eh schon längst heraus möchte:

Wenn der Herzschlag unser Ur-Rhythmus ist, dann lehrt uns die Sprache das Musikmachen. Oder weniger drastisch formuliert: Das uns selbstverständliche Sprechen lässt sich als ein „Spickzettel“ verwenden, mit dem es sich ganz einfach an Potential und Möglichkeiten erinnern lässt.

Ich denke dabei an die Bedeutung von unterschiedlichen Lauten und Tonhöhe, an verschiedenartigsten Satzbau, an akzentuierte Aussagen oder lokale Besonderheiten, selbstverständlich auch an den ganz persönlichen Duktus.
Wird ein Inhalt mittels Tempo, Kunstpause und wechselnder Dynamik strukturiert oder eintönig und monoton gestaltet?
Entwickeln sich nebenbei gar Metaebenen (Spannung, Humor, körperliche Reaktionen)? Verketten sich die Parameter zu einer Geschichte?
Welche Form der Interaktion geschieht: Fragen und Antworten oder ein offenes Gespräch?
An welchen Fremdsprachen bin ich interessiert und wie helfe ich mir im Problemfall?

Mittels Sprache können wir uns austauschen, Bedürfnisse äussern und Ansichten, Ideen und Konzepte teilen.
Wir hören zu oder lesen etwas und erweitern dadurch en passant unseren Horizont, vergrößern unseren eigenen Wortschatz. Unser Vokabular wächst und wir lernen stetig, uns besser auszudrücken. Die Sätze nehmen Gestalt an und werden immer flüssiger vorgetragen. Wir können berichten und erfinden. Dank der Fantasie werden auch unvorhersehbare Erzählungen möglich, die im Austausch mit anderen Menschen wiederum für Überraschung sorgen.
Interesse und Neugierde werden geweckt – wir sind mitten im Spiel!

Rhythmusmachen funktioniert eigentlich genau so: wir müssen einerseits handwerkliche Fähigkeiten trainieren, unsere Werkzeuge optimal parat haben. Und wir kümmern uns ums Vokabular. Schließlich wollen wir später spannende Geschichten entwickeln.

Wir können alleine erzählen, Solo, aber auch gemeinsam: das ist bei klassischer oder komplett ausnotierter Musik eine Art Geschicklichkeitsspiel, beim freien Musizieren pure Demokratie.

Im Idealfall sind wir und unsere Ohren offen, damit wir interaktiv einen Sog erschaffen können, der das Publikum mitreisst bzw. mitreisen lässt.

Auch sollten wir locker sein, um uns treiben lassen zu können, um im Fluss, um in der Balance zu bleiben.
Wir erschaffen dabei jedesmal Neues und das ist toll! Diesbezüglich noch ein motivierendens Abschluss-zitat von Ludwig Wittgenstein:
>>Was sich beschreiben läßt, das kann auch geschehen<<

siehe auch:

https://87bpm.wordpress.com/2016/12/08/das-mehrdimensionale-spiel-mit-der-sprache/
https://87bpm.wordpress.com/2015/11/25/der-klang-der-sprache/
https://87bpm.wordpress.com/2013/10/27/die-eigene-sprache/
https://87bpm.wordpress.com/2012/03/07/sound-durch-korpersprache-verstarken/
https://87bpm.wordpress.com/2018/06/14/takataka-goooooooooooal/
https://87bpm.wordpress.com/2018/05/22/i-interplay-the-drums/
https://87bpm.wordpress.com/2016/12/21/die-zunge/
https://87bpm.wordpress.com/2016/12/08/buch-als-begleitgeraeusch/
https://87bpm.wordpress.com/2016/05/30/paradiddles-with-alternating-pitches-instead-of-alternating-drum-sticking/
https://87bpm.wordpress.com/2009/04/08/onomatopoesie/