Archive for the ‘Ableton’ Category

Equipment Talk(s) – ein 19 Zoll Gespräch der fantastischen Art. Oder halt: Ode an das Boss Space Echo

September 2, 2020

Ich glaube es war der Instagram Post von Stewart Copeland, ein kurzer Konzertausschnitt mit ihm und Stanley Clarke, der mich an das Album „If this bass could only talk“ erinnern ließ. Jene CD, die in den Neunziger gefühlt von jedem zweiten Tontechniker zur Einstellung der PA eingelegt wurde. Normalerweise krame ich nach einem solchem Wink direkt das erwähnte Werk hervor und erfreue mich an gehörter Nostalgie und schönen Erinnerungen. Erst recht, wenn der einzige Albumtitel mit dem Police Drummer „Stories to tell“ heißt und Allan Holdsworth darüber soliert. Doch diesmal war der bloße Titel stärker und ließ meine Gedanken in völliger Stille über Clarkes gehegtem Wunsch kreisen.
„If this instrument could only talk“.
Gut, ich beschäftigte mich an diesem Abend ohnehin schon mental mit „special gear“, denn das Internet spülte mir zufällig den zum Verkauf angebotenen DX-7 von Prince entgegen für das Echodrums Buch mussten eben noch jene Passage korrigiert werden, in der ich insgeheim meinen verflossenen Delaymaschinen nachtrauerte. Prompt gingen mir all jene Geschichten durch den Kopf, die in diesem Abschnitt keinen Platz mehr fanden: Was war der eigentliche Kaufgrund für dieses oder jenes Gerät, aber warum musste es, bzw. wohin durfte es ziehen? Aus welchem Grund hingegen durfte ein anderer Effekt bleiben? (Konnten wir vielleicht „besser miteinander sprechen““??)


Rückblickend lässt sich doch in jedem Pedal das Besondere finden, einen überraschenden, gar überzeugenden „Ghost in the Machine“ entdecken. Manches Equipment hat aufgrund seines hohen Alters oder seiner speziellen Herkunft musikgeschichtliche Relevanz, entlockt durch seinen Musikhaus-Sticker mit vierstelliger Postleitzahl ein Lächeln oder wühlt eine ganz persönliche Beziehungsgeschichte wieder auf. Gelegentlich sind noch die vom Vorbesitzer mehr oder weniger liebevoll gestalteten Einstellhilfen sichtbar, bunte Klebepunkte, klebrige Gaffa-Reste oder permanent markierte Striche für den persönlichen Best-Sound, fürs Optimum. In seltenen Fällen findet man gar im Inneren einer Maschine eine versteckte Botschaft, einen leidenschaftlichen Gruß an all diejenigen, die tief genug graben. Wie beispielsweise im Reverbtank des Roland Space Echo, wo auf dem Labelsticker zu lesen ist »Manufactured by beautiful girls in Milton, Wis. Under controlled atmosphere conditions«. 

Anyway, man behält nicht alles – Präferenzen werden abgewogen, Entscheidungen getroffen. An besagtem Abend entstand jedenfalls die traumhafte Vorstellung, dass eine ehemalige Instrumenten-Bekanntschaft über sein bewegtes Leben berichten könnte und noch einmal, inklusive seines derzeitigen Herrchens, zum gemeinsamen Jam zurückkehren würde.

Oh yeah! In meinem Fall müsste sich Blixa Bargeld mit meinem (alten) Lexicon JamMan Looper einfinden, der fantastische And.Ypsilon könnte mit dem Korg SDD-1000 dubben und Henrik Schwarz durch den Electrix MO-FX einen clubtauglichen Spannungsbogen formen. Ich würde dazu auf dem aquamarinblauen Tama Superstar 50 +1 Schlagzeug spielen – mein bisher schönstes Drumkit, das ich aber wegen eines monetären Engpasses aufgrund einer Tourabsage an den ursprünglichen Besitzer zurückverkauft hatte. Selbstverständlich würden komplett alle Kessel aufgebaut werden: 22, 12, 13, 14, 16, 18. Meine Wenigkeit, wie Lenny White mit Hut, stolz dahinter sitzen. Für diesen einmaligen Anlass hätte ich zudem all meinen Mut zusammengenommen und Neil Fraser kontaktiert, ob der Mad Professor vorbeikommen und meine Drumtracks mit seinem Roland SDE-3000 veredeln könnte – schließlich hatte ich diesen 19 Zoll Streifen einst angeschafft, weil es das ausgesprochene Lieblingsgerät des Dubmeisters ist. Spätestens dann wäre auch Pit Baumgartner (das DePhazz Oberhaupt) mit dem Vestax FDG-1 Kill Equalizer zur Stelle. Bestimmt auch Don Philippe vom Freundeskreis, um mal wieder sein altes Simmons SDS-V aus der Reserve zu locken. Zu guter Letzt würde ich den Krautrock Phaser (Schulte Compact Phasing A) von Dieter Seelow aufstellen – dessen Anwesenheit allein schon wegen der schicken roten Kontrollleuchte und der verströmten Studiowärme Sinn macht. 
Im Anschluß an die Session dürften meine Neumannstäbchen (KM85) und das Acousta-Pult (P100B) noch etwas aus dem Nähkästchen ihrer Fernsehvergangenheit plaudern (sie kamen ja vom ZDF bzw. aus dem ORF) und wenn all die Gäste schließlich ihren Heimweg angetreten hätten, gäbe es noch einen kurzen Anruf im Ludwigsburger Trommelmuseum, um sich nach dem Befinden von E-MU SP-1200 und Dr. Pad zu erkundigen. 

Schwer, sich aus solch angenehmen Nostalgiebad zu erheben, doppelt schwer, sich erneut von den ehemaligen klangmachenden Mitbewohnern zu verabschieden – seufz – aber hey, ursprünglich waren ja die liebgewonnen Delaymaschinen der Ausgangspunkt für diese Träumerei. Also soll auch dieser Erzählstrang zu Ende gebracht werden. 

Es kamen und gingen die Boutiquepedale, Top-Produkte gaben sich die Klinke in die Hand, nicht selten wurde (vermeintlich) heiligen Gralen hinterhergejagt, die dann um die halbe Welt geschippert werden mussten, dafür aber komplett (mit nach Keller riechender Originalverpackung) ausgestattet bei mir ankamen und dennoch oftmals meine in sie projizierten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Neben all diesem Hin- und Her, einer Mischung aus rastlos neugierigem Testen und etwas aus dem Ruder gelaufener Gear-Mania, konnten sich tatsächlich zwei Kandidaten von der Stange behaupten, die mich nun seit einer gefühlten Ewigkeit begleiten – genau so, wie es sich für „das richtige Instrument“ gehört. 
Da wäre einmal das grasgrüne DL4 von Line 6, das ich zur Jahrtausendwende auf dem Schlagzeugteppich begrüßte. Eine große Digital-Kiste, randvoll mit geschmackvollen Presets (die alle gängigen Echotypen simulieren), drei hilfreichen Speicherplätzen und sehr musikalischer Interaktion von Delay-Time Poti und Wiederholungsregler. Zudem lassen sich die beiden Ein- und Ausgänge des Pedals als separate Mono-Kanäle verwenden, was mir den gleichzeitigen Live-Dub meines Schlagzeugs und einer weiteren Schallquelle, beispielsweise der Sängerin, ermöglichte. Mein „Delay Modeler“ wurde mehrfach modifiziert (Volume and Tone Mod, 2nd Preset Mod, High End Switch Mod), öfters auch professionell repariert (da vor allem der wichtige Tap Tempo Taster meiner Beanspruchung nicht dauerhaft stand hielt). 

Ein solcher Kuraufenthalt war der Anlass, dass ich mich im Jahr 2007 nach Alternativen umschauen wollte, daraufhin ein Boss RE-20 ins Haus holte, jenen digitalen Klon des gefeierten Roland Bandechos (Space Echo RE-201). 
Letztlich eine folgenschwere Aktion, denn dieses Pedal sollte sich über die Jahre zu meiner Nummer 1 entwickeln. Seit 2014 ist es tatsächlichlich, zusammen mit einem klemmbaren Sennheiser e604 Mikro und der Boss AB2 Box, gesetztes Handgepäckstück und bei jeder musikalischen Unternehmung mit dabei. 
Dabei gestaltete sich unser gemeinsamer Start äußerst zäh und holprig. Die Rahmenbedingungen waren eigentlich optimal – das Boss Pedal kann ebenso mit einer perfekten „2x Mono-Verkabelung“ punkten, auf Wunsch gar zwei getrennte Eingangssignale in einem einzigen, monophonen Ausgang vereinen, hat einen unkaputtbaren und tight übermittelnden Tap Taster, zusätzlich EQ und Hall mit an Board -, aber anfänglich kam ich mit der dem Original geschuldeten Gemütlichkeit bei Delaytempo-Verdrehungen überhaupt nicht zurecht – sie gestalteten sich komplett anders im Vergleich zum gewohnten DL4 und dämpften meine Euphorie gehörig. Nüchtern betrachtet ist dieser Umstand nicht verwunderlich, denn die beiden Tretminen bedienen unterschiedliche Konzepte. Die Line6 Stompbox will als Allrounder digitale, analoge und mechanische Echogeräte abdecken, wohingegen sich das RE-20 nur dem letztgenannten Delaytyp, dem Bandecho verschreibt, sich dabei auf ein konkretes Vorbild spezialisiert. Dennoch wurden immer wieder neue Anläufe mit den gewohnten Workflows gestartet und immer wieder mit leichter Enttäuschung quittiert, bis ich irgendwann endlich kapiert hatte, einen anderen Zugang zu der Maschine finden zu müssen. Auch wenn die krass verdrehten und zurückgetappten Rave-Signale des grünen Echos letztlich nie kopiert werden konnten, entdeckte ich diverse Besonderheiten und Vorzüge des kompakten Space Echos: Beispielsweise den simulierten Federhall, der sich ganz einfach zum Echosignal dazu drehen lässt, aber auch einzeln einsetzen lässt, bei viel Input-Gain zudem ein Sonar-Sound erzeugt, der dich direkt ins Triphop Bristol der Neunziger Jahre katapultiert. Desweiteren ein immer griffbereiter 2-Band Entzerrer (Equalizer), dank dem ich, trotz nur einem an der Snare befestigten FX-Mikrofons, wahlweise den Echoschwerpunkt auf Hihat, Snare oder Kickdrum ausrichten kann. Es gibt die „Twist“ Option, ein Gimmick, das man vielleicht nicht überstrapazieren sollte, das mir aber ab und an als One-Touch-Knob hilfreich entgegenkommt – bei gehaltener Tap Taste wird automatisch die Intensität des Feedbacks erhöht, gleichzeitig die Delaygeschwindigkeit verändert und die Ausgangslautstärke etwas heruntergeregelt. Und es gibt den Mode Selector, der sich durch gezieltes Verdrehen ebenfalls zum Musikmachen eignet. Die Boss-Kiste ist unglaublich robust – hier war noch keine Wartung nötig – und selbst wenn das passende Netzteil (öfter) mal die Anreise nicht überlebte, war dank der Batteriebetrieb-Option kein einziger Konzertabend in Gefahr. 

Um an dieser Stelle die letzten verbleibenden Skeptiker zu überzeugen: Jenseits des Musikalischen überzeugt das Pedal mit einem einzigartigen gestalterischen Kunstgriff, dem zentral eingebautem, immer freundlich leuchtenden Lächeln. Diese simple wie wohltuende Anordnung der roten Kontrollleuchten dürfte meiner Meinung nach gerne kopiert werden, denn positiver kann eine Beziehung kaum beginnen 🙂

Ach ja, wer sich jetzt noch wundert, dass hier ein Drummer so leidenschaftlich über Delayeffekte und Tretminen ins Schwärmen gerät, über Geräte schreibt, die doch eigentlich dem Gitarren-Sektor oder Mixprozessen im Tonstudio zuzuordnen sind, den kann ich direkt beruhigen.
Beim aktiven „Echodrumming“ geht es um die Entdeckung einer neuen Komfortzone, die sich spielerisch erschließen lässt. Denn so ein elektronisches Effektgerät ist gar nicht weit von typischen „Drum Add Ons“ (wie Splashbecken, Drummer Timbale oder Samplepad) entfernt. Es ist einfach ein weiteres Zusatzteil, das sich ebenso symbiotisch integrieren lässt, aber sowohl Sound als auch Pattern des Rhythmusmachers bereichern wird. Wir Schlagzeuger brauchen auch nur drei Teile – Mikro, Delaypedal und eine verstärkte Lautsprecherbox – zum Echoglück. Und zack, agieren wir frisch und vielschichtig über den Trommelrand hinaus. 
Ich kann es immer wieder nur empfehlen, leiht euch ein Delaypedal (idealerweise mit Tap Tempo Funktion) aus und experimentiert damit.
Wer anschließend tiefer einsteigen möchte, wirft mal einen Blick ins Buch „Echodrums – Anders trommeln dank Strom & Effekten“ (Leu-Verlag, 116 Seiten, ISBN 978-3-89775-184-2). Und bestellt’s im Idealfall direkt bei mir inklusive einer Tap-Tempo-Postkarte und den besten Wünschen (25 €, auf Rechnung).

PS. Wie unter Menschen gibt es auch bei den Effektpedalen die Liebe auf den ersten Blick, meistens jedoch braucht ein neues Gerät viel miteinander verbrachte Zeit, um all die in ihm schlummernden Edelsteine freizulegen und im musikalischen Kontext funkeln zu lassen…

Doch irgendwann hat man seine(n) idealen Partner gefunden, quasi erweiterte Sprachrohre, verdichtende Klangspiegel, beflügelnde Gegenpole, die – wie in meinem Fall das Boss Space Echo – direkt mit der Person und dem Schlagzeug verschmelzen und den musikalischen Ausdruck mitgestalten. Dann löst sich der wehmütige Rückblick aufs verflossene Instrumentarium in angenehmer Erinnerung an die Reisebegleitung auf und man stellt zufrieden fest: 
bin teilweise angekommen!

kurz grandios

August 9, 2020

Kurzerhand eingetaucht in ein dreitägiges Paralleluniversum, erfreuen mich dicke Subwoofer und Konzerte vor echten Menschen, die Sommerhitze und jede weitere Badestelle (egal ob Burggraben oder Baggersee mit Mähdrescherromantik). Nebenan feiert die TR-808 ihren Vierzigsten. Und auf der Rückreise grüßt hupend die niedersächsische METRONOM Bahn…

On top schreibt mir der LEU-Verlag, dass mein Buch nun gedruckt (und vorbestellbar) sei und bei Ocean Vuong entdecke ich  ein Erklärungsmodell für die Schlagzeug-Echo-Liebe:
>>Ich habe gelesen, dass Schönheit seit jeher Nachbildung hervorgerufen hat. Wir machen mehr aus allem, was wir ästhetisch ansprechend finden, egal ob eine Vase, ein Gemälde, ein Kelch, ein Gedicht. Wir reproduzieren sie, um sie zu bewahren, durch Raum und Zeit auszudehnen.<<
Auf Erden sind wir kurz grandios“ (Seite 156)

Hey, fühlt sich weitaus mehr als kurz grandios an!

Hotline-Foto von @thezitterman

 

 

#onething

Juli 29, 2020

Lucky Paul hat nicht nur ein traumhaftes mobiles Studio, sondern auch den lässigsten DIY-Foot-Controller für seine DAW:

Bildschirmfoto 2020-07-29 um 17.28.11

Eigentlich wollte ich eine Lanze für asynchrone Loops brechen, aber hey diese Ableton-Einminüter (#onething) verführen zum Dranbleiben…

PS. mein Ableton OneThing wäre wohl deren Vocoder für die Echodrums, der mich ruckzuck harmonisch mitmischen lässt:
Also Snare FX-Mic ins Ableton, ein Trägerakkord aus dem Sampler wird mittels Tastatur entsprechend transponiert, im Vocoder-Plugin werden die beiden Welten miteinander verschmolzen, anschließend ab ins Echogerät…

Full Vid

Wo ist der Bass?

Juli 26, 2020

Meine Trommel döst…

VW Bus – Schlauchboot – Bücher, und ab und zu die beste Schokobanane der Welt.
Fühlt sich sehr urlaubsmäßig an, funktioniert vor allem auch überall ab vom Schuss.
Dass sich darüberhinaus diverse Schätze und Steilvorlagen zum Träumen bergen lassen, hebt die Laune (und bringt Futter für den Blog).

Ein toller Ausgangspunkt zum Entdecken und Weiterforschen ist Karl Bruckmaiers „The Story of Pop“. Die Trommel spricht!

Beim Nachhören des Tropicalia Hits „Bat Macumba“ (1969) fasziniert mich das angezerrte rhythmische Stottern des Mixes (eigentlich ist es ja nur die Gitarre von Sergio Dias). Gleich das erste Suchergebnis dazu liefert noch eine eins a Anekdote:
>>I read about the tremolo fuzz in „Bat Macumba“ being a sewing machine motor attached to the volume knob of a fuzz, so that when it ran, you could control the speed of the trem with the footpedal of the sewing machine.<<
Und ich stelle mir direkt vor, dass am trommelnden Handgelenk eine Schnur befestigt ist (hallo, Augsburger Puppenkiste!), die einen Poti/Parameter meines Echogeräts fernsteuern bzw. rhythmisieren könnte.
Riesiger Aufwand und dennoch eine interessante Spielerei jenseits der einfach verfügbaren digitalen Umsetzung via Ableton & co.

Bildschirmfoto 2020-07-26 um 21.05.35

An anderer Stelle erfahre ich, dass Carl Spitzweg freizügig und gerne seinen Signaturstempel weitergab. Darüber entdecke ich den gemalten Dialekt-Witz „Wo ist der Pass?“ (fränkisch gefragt, ehrlich beantwortet):

Wo_ist_der_Pass_(Carl_Spitzweg)

Ich höre John Fayeh und interessiere mich für John Hammond, feiere Emil Berliner und schreibe mir auf den Zettel, dass 1943 der erste Second-Hand-Plattenladen in New York eröffnet wurde.

Aus einem anderen Buch, Ari Turunens Geschichte der Arroganz „Kann mir bitte jemand das Wasser reichen“ kopiere ich folgenden Satz:
>>Als die Missionare die Einwohner von Papa-Neuguinea für das Fußballspiel zu begeistern versuchten, legten die Mannschaften keinen Wert auf den Sieg, sondern spielten bis zum Gleichstand. Auch die Aborigines hassten die Vorstellung, andere zu besiegen.<< (Seite 39)

Dann wieder Bruckmaier und der >>Reiz der Mischkalkulation. Musiker verzichten auf den letzten Schritt der Selbstaufopferung hin zum Star alter Prägung, bleiben […] ganz bewusst auf einer Ebene, die ihren Gewinn in Lebensqualität und Selbstbestimmtheit auszahlt und nicht in Dollar und Euro.<< (Seite 329)

Zum Abschluss noch der Link zum Korg-Kochbuch (gegessen werden muss ja auch), eine Formel für Pop und (natürlich!) eine Prise Echo:
>>die worte sind sehr einfach gehalten; meist wird die titelzeile vielmals wiederholt, ghostriderghostriderghostrider, girl girl girl und dazwischen faucht und kreischt und stöhnt es in allen tonarten, elektronisch verzerrt und mit echo-effekten.<<
(Bob Fischer in „The Story of Pop“)

PS. eine grandiose Strophe habe ich ja auch noch gefunden (in XTC „This is Pop? aus dem Jahr 1978):

Latenzkompensation

Juni 17, 2020

Der tolle Stephan Emig beschreibt hier eine Lösung, wie er beim Onlineunterricht per Zoom oder Skype seine Schüler zu einem Playback spielen lassen kann.
Dabei hört er nicht jene Audiosumme ab, die er seinem Gegegenüber zukommen lässt, sondern routet diese zusätzlich auf einen weiteren Bus, in welchem dann mittels Spurdelay (oder einem Delay PlugIn) die jeweils entstandene Latenz ausgeglichen wird.

Bildschirmfoto 2020-06-17 um 22.52.34

>>Zu Beginn der Online-Lesson lasse ich eine Metronom-Schleife laufen und den Schüler dazu klatschen bzw. die Sticks aufeinander schlagen. 🥁👏🏻 Ich stelle die Delay-Time so ein, dass mein Monitor-Signal und das Klatschen synchron klingen (bisher meistens zwischen 400 und 450ms). 🎤⏱🎶🔊Danach kann ich Songs starten und höre mein Gegenüber synchron dazu spielen 😀<<

Übrigens, lässt sich auf diese Weise auch ein Synchronisations-Versatz bei der Nutzung von Link ausgleichen.

Jenseits der Echokammer

Juni 3, 2020

>>… das gute alte Delay? Es lässt Sounds vielschichtiger und luftiger klingen, erweitert Rhythmen und füllt leere Räume – unzählige Möglichkeiten für die Klangforschung.<<

So beginnt das Ableton Tutorial „Jenseits der Echokammer: Raffinierte Anwendungen für Lives Delay-Effekte“ von ELPHNT mit sechs Ideen (und den entsprechenden Effekt-Racks), die über die Standard-Einstellung von Delaygeschwindkeit und Anzahl der Feedbacks hinausgehen.

File under: Stereo-Breite, Haas Effekt, Modulation (Chorus, Flanger), Grain/Pitch Delay

Tipp 7 aus der selben Schmiede direkt hinterher, „use the noise section of Live 10’s new Echo device to create interesting drum patterns„:

immenser Nachhall

Mai 29, 2020

Das Valhalla Supermassive PlugIn ist nicht nur gratis downloadbar, sondern auch wunderschön beschrieben:
>>Luscious clouds of reverb, otherworldly delays, swelling waves of feedback unlike any you’ve heard before.<<

Passt perfekt zu dieser schönen Woche, in der ich mal wieder über das „längste Echo der Welt“ gestolpert bin (welches natürlich ein immenser Nachhall ist, der sich aber auch digital und ebenfalls gratis in der Ableton-Welt verwenden lässt) und dadurch den weltgrößten Federhall entdeckt habe, der mich wiederum an Slinky, den Treppenläufer erinnerte…

Passt perfekt zu dieser unschönen Woche, in der die fürchterliche Tötung von George Floyd passierte und erneut einen gewalttätigen, alltäglichen und im System verankerten Rassismus offenbarte. Ich hoffe, dass der Nachhall dieser verstörenden Bilder, sowie der vielen Solidaritätsbekundungen, Augen und Herzen zu öffnen vermag!

Computer Liebe

Mai 8, 2020

Hach, wie schön: Erst mehrere Nächte zusammen Musik machen, Ideen entwickeln, dann daraus einen Gig improvisieren.
Freude en masse und ein Lampenfieber jenseits der Thermometerskala, ähnlich hoch wie vor dem ersten Konzert der Schulband.

hr-Video

Letztlich durften wir sogar als Trio performen (da Kamü ihren Zeichentisch mit großem Absatnd aufbauen konnte) und so stand wieder mal ein „Temporärer Elektronischer Salon“ auf dem Holzboden. In musikalischer Hinsicht hatte ich mir folgendes überlegt: Ein dezent präpariertes* akustisches Schlagzeug sollte die Basis sein, mit Kick, zwei Snares und einem Standtom, umrahmt von drei umfangreichen Becken**.
Darin subtil verwoben: diverse Strippen zur Elektrifizierung des Trommelzeugs, aber auch zur elektronischen Verbindung mit Oli Leicht.
Echodrums: die 14″ Snare kann via A/B-Box ins Boss RE-20 Space Echo geschickt werden.
Reverb Shots: die kleine 8″ Meinl Snare/Timbale hat einen Roland RT-10 Trigger Pickup aufgesetzt bekommen, der zum RME Babyface und von dort in Ableton Programm führt. Dort regelt ein Noisegate ab welcher Schlagstärke das Signal in einen langen Hallraum rutscht.
Electronic Handclap: mit dem Roland SPD-One Electro wird ein heruntergestimmte Clap Sample getrommelt. Mal eher trocken, oft stark verhallt.
Four On The Floor: obwohl ich die elektronische Kick zur Zeit gern mit dem linken Fuß selbst spiele, wollte ich mal versuchen, ob sich nicht meine Acidlab Bassline (eine TB-303 Kopie) um eine Mischung aus Bassdrum und Synthbass kümmern könnte. Sie wird vom RME mit der MIDI Clock versogt.
Samples kommen vom Ableton Song (das ich mit Kurzbefehlen auf der Laptoptastatur verwalte):  Beispielsweise diverse Sprachausschnitte (von Herbert Eimert, Mariah Carey, Sasa Stanisic und Kraftwerk), ein Trommelschnitt vom Stran in Sansibar, ein Garnier-Synthloop und ein kleiner Minimal-Beat.
Die beiden Abletonrechner der Olis spielen via Link im selben Takt.
– weitere Verknüpfen zwischen Schlagzeug und Klarinette/Saxofon: per Knopfdruck auf den gelben Send Button rutscht auch das Gebläse in mein Echogerät.
In meiner Kick liegt ein extra Mikrofon, das zur Sidechain-Steuerung in Herrn Leichts Ableton Session aktiviert werden kann. Um seine Signale entweder pumpen zu lassen oder überhaupt erst hörbar zu machen.

Trotz der großen Spielfreude gab’s aber auch einen Adrenalinstoß, als sich 20 Minuten vor der Sendung mein Rechner mit seltsamer Grafik verabschiedete. Blöderweise trat dieses Phänomen diese Woche schon mehrmals auf, offenbar ohne Reparaturwirkung…
OK – dann halt Neustart, Festplattendienstprogramm und viel Computer Liebe.
Hat gereicht, danke Florian!

* Muffkopf (Kick), Mini Muff (Snare), Big Fat Snare Drum Donut (Tom), Meinl Kessing (mal auf Snare, mal auf Tom), VicFirth Dualsticks
** Meinl Bycanze 15″ Jazz Hihats, 20″ Clubride, 20″ Jazz Thin Ride, 18″ Vintage Crash
*** Meinl Waterfall, präparierter Rawhide Shaker, Luis Conte Shaker, special Jam Block, Jingle Stick / One Hand Triangle, Almas Regenmacher

 

SPD-SX als 4-Kanal-Interface für Ableton

März 16, 2020

Der Abletondrummer Tobi erklärt, wie sich das Roland SPD-SX im Verbund mit einem Ableton-Rechner so nutzen lässt, dass durch das Multipad die Stereosumme zur PA geschickt wird und Du im Kopferausgang (zusätzlich) einen Clicktrack hören kannst.

ich wünschte Andi Haberl

März 8, 2020

Letzten Donnerstag war ich dann prompt wieder im Museum und hörte mir begeistert die Premiere von Andi Haberls Solo Performance an – einer kreative Klangreise mit akustischem Schlagwerk und diversen elektrischen Klangerzeugern.
Als Rahmen fungierten Haberl-Songs, die improvisatorisch und in Echtzeit ge-remixt wurden und zu einem fließenden Ereignis verwoben wurden.
Neulich, beim Notwist Gig in Augsburg,  weckte Andis Spiel bei mir Gedanken an  Krautrock und Motorik-Beats, diesmal hüpften meine Assoziationen mal zu Fourtet, mal zu Tortoise. Und dennoch steht seine Art zu trommeln über all den gedachten Referenzen, ist unverkennbar eigen und stark.

vss30

Hey, und endlich mal ein persönlicher, sinnvoller und zukunftsweisender Einsatz der Sunhouse Trigger – dazu kunstvolles, meist einhändiges Klaviatur-Spiel (auf Ableton, Organelle oder dem legendären Yamaha VSS-30) und wunderbar getrommelte Natursounds (u.a. Gongs aus aller Welt, Nussrassel, Peg Chimes, und natürlich das „Jazz Montez Swinger Kit„).
Diesen Act wünschte ich mir auf die einschlägigen Drumfestivals hierzulande!

Später erzählte mir Andi von Eli Keszler (ein ebenfalls kreativer Sunhouse-triggernder Soloschlagzeuger) und wir erfreuten uns an der Sample-Ästhetik von Deantoni Parks.

Mensch, ich hoffe, dass die Liveaufnahmen der Show gut im Kasten gelandet sind und wir hier bald mal gemeinsam reinhören können.
Außerdem halte ich Ausschau nach Konzerten und Veröffentlichungen von Andi Haberls „Sun“.

Nachtrag: Hey, von Berta Berlin wurde ein Andi Haberl Solo Set hochgeladen: