Archive for the ‘Ableton’ Category

no more master clock, more topspin

September 20, 2021

Zwei gute Artikel aus den gestrigen Sonntagszeitungen passen bestens zu meinen momentanen Aufgaben:
1. die elektronische Schlagzeug-Ästhetik von der Orientierungsspur (Clicktrack, Master Clock) zu emanzipieren
2. Unter der Überschrift „Den (Preset) Rahmen erweitern“ suche ich Geschichten über jene „Game Changer“, Menschen und Produkte, die Moden entfachten und darüber neue Standards (oder gar zukünftige Klischees) im gängigen Drummer-Vokabular verankerten.

>>No more master clock!“ – „Nie wieder nach der Uhr der Herren!“ Irgendwann inmitten einer Lärmkaskade auf ihrem neuen Album „Black Encyclopedia of the Air“ schreit die US-amerikanische Dichterin und Musikerin Moor Mother, bürgerlich Camae Defstar, diesen Slogan ins Mikrofon. Es ist die ultimative Ermächtigungsgeste. Kon­trolle über die Zeit zu besitzen, das ist eine klassische Forderung emanzipatorischer Bewegungen.
Die Revolutionäre der Pariser Commune schossen 1871 angeblich auf die Turm­uhren, ein Jahrhundert später traten die überwiegend Schwarzen Ford-Arbeiter:innen in Lordstown im US-Bundesstaat Ohio in den Streik wegen der Taktung des Fließbands. […]
Aber „Master Clock“ hat noch eine zweite Bedeutung. Der Titel spielt auch den unerbittlichen Tempomat eines elektronischen Aufnahmestudios an, nach dessen Geschwindigkeit sich der Rest der Musikinstrumente zu richten hat. << Christian Werthschulte in der taz

Angefixt durch Winand von Petersdorffs Artikel DIE TOPSPIN REVOLUTION in der FAS fand ich das PDF „Technological Change and Obsolete Skills: Evidence from Men’s Professional Tennis“ von Ian Fillmore und Jonathan Hall:
>>Technological innovation can raise the returns to some skills while making others less valuable or even obsolete. We study the effects of such skill-altering technological change in the context of men’s professional tennis, which was unexpectedly transformed by the invention of composite racquets during the late 1970s. We explore the consequences of this innovation on player productivity, entry, and exit. We find that young players benefited at the expense of older players and that the disruptive effects of the new racquets persisted over two to four generations.<<

PS. der getriggerte Tennisschläger verankert diesen Beitrag noch unter einem anderen Aspekt im Blog

Rhythmus Feste

September 19, 2021

Während der vergangenen drei Drummer-Treffen gab’s einiges zu entdecken, deshalb nun hier der Nachtrag (fürs Publikum) und ein Inspirations-Notizzettel für mich.

Matthias Peukers Schätze vor dem Objekt klein a



Meine Grundidee für alle drei Veranstaltungen war, nicht nur zur Lieblingsmusik zu trommeln*, sondern dabei auch mal aktiv ins Playback einzugreifen (wie es ein DJ oder remixender Produzent tun würde).
Läuft meine Zuspielung durch ein kleines Mischpult kann ich am Equalizer drehen, um Frequenz-mäßig Platz zu schaffen (Bässe raus, mehr Spielraum für mein Kick-Pattern; Höhen raus ums Playback in den den Hintergrund zu schieben) oder ich ziehe den Lautstärkeregler für rhythmische Mutes in Betracht.
Diese Idee kann ich selbstverständlich auch digital abbilden. Dort kann ich darüberhinaus auch mit der Geschwindigkeit spielen und die Tracks in einen komplett anderen Kontext transformieren. Dazu gibt es hier einen Beitrag, respektive einen Ableton Song.
Zudem beschäftigte ich mich im Vorfeld mit der djay App, dank deren Neural Mix™ Option sich aus vollständigen Songs Beats, Vocals und Bässe extrahieren lassen. Damit erstellte ich ein paar Acappellas, die ich über andere Tracks schichten konnte (Mash-Up 2.0). Passenderweise verwendete Daniel Schild bei seinem Workshop eine ähnliche KI, nämlich die Moises App (die vor allem in der Freeware Ausgabe schon die Separation ermöglicht).

*Zur Lieblingsmusik-Schlagzeugspielen erlaubt im Vorfeld schon verschiedene Überlegungen, Übungen und Optionen: ich kann zunächst versuchen, die Rhythmus-Vorlage in puncto Pattern/Sound/Attitude zu extrahieren und im Wesentlichen live umzusetzen. Eine andere Möglichkeit – auch schön – wäre, sich einen Platz zu suchen, der das Vorhanden eben nicht doppelt, sondern musikalisch ergänzt. Und in einem weiteren Schritt wähle ich bewußt Titel aus, die im Original ohne (oder nur mit dezenter) Schlagzeugbegleitung auskommen, vielleicht gar was ganz sphärisches oder nur ein Acappella…

Hier jedenfalls mal meine verwendeten Songs:

Neben der zugespielten Musik hatte ich als Reminiszenz an die DJ-Culture noch zwei strombetriebene Kistchen dabei, das Roland-SPD:One Electro (für Handclap, Boom und Noise-Fahnen) und mein treues Boss Space Delay (zum Echodrums Thema habe ich tatsächlich ein ganzes Buch geschrieben. Wer also tiefer einsteigen möchte…) Klaro, die Überschrift lautete ja auch „den Rahmen erweitern„.

Die angedeute Grüntee Anekdote, bzw. wie der Beckensound der TR-808 entstanden ist, will ich gerne verlinken.

Und als Abschluss zum Thema (bzw. meinem Antrieb), jenseits der Bedienungsanleitung und gängigen Klischees zu forschen, hier noch das erfrischendes Experiment, auch mal die eigenen Parameter und Prinzipien auf den Kopf zu stellen. Ein andere Blickrichtung kann ebenfalls schön sein. Diesen Ansatz hat Henry Ford geschickt formuliert:
>>Wer immer nur tut, was er kann, bleibt immer das, was er schon ist.<<

Ansonsten gab’s viele motivierende „Hallos“ und gute Gespräche mit
Claudio Spieler
Anika Nilles über schon im Vorfeld anvisierte Notausgänge (was tun, wenn plötzlich die Technik zickt?)
Gergo Borlai übers musikalische Trommeln, besser gesagt: Musikmachen
Komfortrauschen (Tim Sarhans Trio) über ihre elektronische Vision und ihren Ansatz technoide zu komponieren
Yi1 – die Fotos von Philipp Schühles Badenudel-Piezo-Snare werden nachgereicht…
Daniel Schild zum Thema „Reverse Engineering“ damaliger Aufnahmepraktiken und sein Hinweis auf die Moises App
Hanno Busch (aus Jost Nickels toller Band) über sein Moogerfooger Setup
Gleb, er brachte Imogen Heap und ihre „Ableton Controlling Gloves“ ins Spiel
David „h0wdy“ Hodek – hatte ich leider verpasst, aber er hat mir netterweise sein Kick-Pedal geliehen!
Oliver Himmighofen: er berichtete von Songs, bei denen man offenbar das Snare-Gate schlampig eingestellt hatte, so dass die erste Hihat Achtel- oder Sechzehntelnote, die auf den Backbeat folgt lauter klingt als alle anderen. Daraus lässt sich eine eins a Akzentübung entwickelten, die ich fortan (anknüpfen an die Kompressormaske) „dirty gate“ nennen möchte.
9ms (Flo König, Simon Popp), deren ausgechecktes Setup eine elektronische Ästhetik ohne Computer und Clicktrack ermöglicht.(Supergut, das mittels Piezo abgenommene, ins Echo geschickte Beckensignal, dessen breiter Effekt durch Kick und Sidechain-Compressor im Zaum gehalten und rhythmisch-musikalisch verarbeitet wird.)
Max Gärtner – er beschäftigt sich zur Zeit mit Transducer, um damit Trommeln durch eine bestimmten Frequenz zum Schwingen anzuregen.
Und die Reisetrommelkoffer Idee von Matthais Peukers „Drumsonite“ ist immer wieder gut und schön anzusehen!

Simon hat übrigens schon wieder ein neues Solo-Album mit dem Titel „Devi“ am Start. Wow! Hieraus der Track „Jilu“ mit kurzem Stereo-Delay und hohem Feedback auf der Calabash:

Es war wieder mal intensiv, vor allem weil wechselseitiger Austausch. Und wird bestimmt noch angenehm nachwirken (nicht zu letzt dank des sonnengelben Peter „Tony“ Erskine Tama Sets, das mir Stephan Hänisch freundlicherweise geschickt hatte!)

farbige Klebepunkte, bunter Sound

September 9, 2021

Da ich bei der Laupheimer Drummerparty (neben einem selten zu hörenden Duo-Set mit Hellmut Hattler) auch den Soundtrack zur Graffiti-Aktion von Philip Walch gestalte, habe ich mal wieder den Bildband „Hip Hop Files“ von Martha Cooper hervorgekramt, aber auch ein Ableton-File konzpiert, dank dem sich jeglicher, „auswärtiger“ Audio-Player durch die Software routen lässt, dort dann DJ-typische Effekte beim Trommeln zur Lieblingsmusik erzeugt werden können.
Sprich, ich setze aufs typische Proberaum-Setting (wo ich gerne zu vertrauter Musik spiele) eine zusätzliche Kreativebene drauf. Jetzt kann ich auch die Zuspielung ganz einfach dekonstruieren und neue Drumgrooves darüber schichten. Also, den eigenen Remix trommelnder Weise entstehen lassen!

Ich brauche die „Blackhole“ Freeware fürs Computer-interne Audio-Routing und zack kann ich Musik aus YouTube, Spotify und co. oder elegante DJ-Mixe aus djay Pro durch die Ableton Software schicken. Dort habe ich ganz traditionell einen spürbarbaren Low-Cut (auf die Taste Q), einen Send in den Hallraum (Taste R), sowie einen Send ins Delay (Taste D) vorbereitet. Beim Jammen tappe ich (mit Taste T) Abletons Songtempo für die gewünschte Echo-Subdivision.

Macht großen Spaß!
Checks aus (hier der passende Ableton Song) und/oder komm‘ am Freitag vorbei und tanz mit.

DiscJamming 2.0

Publison DHM89 & Pitchloop89

September 8, 2021

Oh yes. Robert Henke transportiert ein 40 Jahre altes Pitchshifting-Delay in Form eines M4L Plugins in die Ableton-Jetztzeit.

>>1979 veröffentlichte Publison das DHM 89. Er besaß zwei Delay-Sektionen, die kurze Audioschnipsel festhalten konnten. Deren Länge war von der gewählten Bandbreite abhängig. Das Audiosignal ließ sich einfrieren, in Segmente zerteilen und mit einer prä-granularen Methode weiter bearbeiten, um die harmonischen Komponenten zu betonen und neue hinzuzufügen.<< 

Den ganzen Artikel „PitchLoop89: Wie man in den Wald hineinruft“ gibt’s hier.

>>Eines der berühmtesten Beispiele für den experimentellen Charakter des DHM 89 ist das zwischen 1982 und 84 entstandene Stück La Création du Monde des französischen Elektroakustik-Produzenten Bernard Parmegiani:<<

>>PitchLoop89 ist zwar kein Hall-Effekt, doch über zufallsbasierte Modulationen der Abspielposition und das Experimentieren mit den Feedback-Einstellungen und Routings lassen sich einzigartige Reverb-Klänge erzeugen: „Ähnlich wie ein zerbrochener Spiegel, dann noch einer und noch einer“, beschreibt Henke das klangliche Ergebnis mit einem bildlichen Vergleich. „So etwas ist mit anderen Effekten kaum hinzubekommen. Das ist definitiv ein Highlight für mich – perfekt für Vocals, aber auch für Drums.“<<

Frankfurter Ostend

August 27, 2021

Diese Woche, zweimal Ostend und viel erfahren…

beispielsweise, dass im Abbey Roads Institute eine fette SSL 4000 Konsole ihren Dienst verrichtet.
(Dort wurde nämlich für die morgige Prämiere des Kabuki Ensembles geprobt, einem Powertrio mit Modularsynth, Vibraphon und Schlagzeug, das sich irgendwo zwischen Minimal, Krautrock und Hiphop verorten lässt. See you @ El Barrio Festival in Frankfurt, um die Ecke der tinyBe-Ausstellung – beides for free!)

beispielsweise, dass mein Macbook mehrere Bluetooth Lautsprecher auf eigenen Ausgangswegen bespielen kann: Audio Midi Setup —> neues „Hauptgerät“ erstellen, dieses in der DAW auswählen
(gelernt im Rahmen eines Workshops von Megumi Kasakawa aus dem Ensemble Modern).

beispielsweise – lesend – dass: >>Wie immer sagt die Interpretation mehr über den Interpretierenden aus als über das Interpretierte<< (Ayad Akhtar „Homeland Elegien“ Seite 52)

beispielsweise, dass ich gerne mal wieder mit Levi in den Hafenpark gehen würde 🙂

… dafür aber leider vergessen habe, dass ich ja gerade gar keinen Hocker im Proberaum habe, egal…

Pinar

August 3, 2021

Der Pinienwald der Insel El Hierro hat mich beeindruckt; nicht nur seine aromatische Luft und der erstaunliche Umstand, dass die dortigen Bäume feuerbeständig sind, sondern sein direkter Auftrag zum Musikmachen – hurra, endlich wieder mal Instrumente, die auf Bäumen wachsen!

Das war, bis auf eine kleine Joni Mitchell Hörrunde, tatsächlich die einzige Musik während der letzten 15 Tage.
Auch mal gut, sich leer zu machen!
Dafür wurde (dank des sympathischen Karsten Mohr) entspannt, bewußt geatmet, abgetaucht.

In Frankfurt regnet’s – auch schön
>>Das Geräusch der Scheibenwischer erfüllte den Wagen, ein feuchtes quälendes Reiben, ein benommen machender, hypnotisierender Refrain<< (Delphine De Vegan „Loyalitäten“)
und so höre ich wieder freudig gute Refrains und liste ich mal nach, was ich in den letzten zwei Wochen verpasst hatte:

  • diese Play-A-Long Scheibe – music minus one drummer – von Jim Chapin. Man beachte den (open handed?) Aufbau mit zweitem Jo Jones Standtom! (Dazu muss ich mal Claus Hessler befragen)

Echtzeitkunst mit konkretem Anspruch

Juni 29, 2021

Traumhafte Kulisse, spannender Plot, Corona-konform!

Vom 1. bis 11. Juli werden im Frankfurter Ono2 die Ergebnisse des Moment:an Versuchs präsentiert, bei dem die Zeichnerin Kamü und das Musiker Duo Rubow & Leicht intermedial improvisieren, um schöne Bilder und einen stimmigen elektro-akustischen Sound zu erzeugen.
Es gibt einen 15 minütigen Film fürs Schaufenster (und hier), Galleriezeiten (täglich 19-21h) sowie drei Live-Happenings (am 01./08./11. Juli jeweils ab 21h) vor dem Frankfurter Ono2 (Walter-Kolbstr. 16).

Gestartet wird in völliger Freiheit. Um den Moment zu strukturieren helfen große Ohren, offene Augen und ein kleines Regelwerk, ein dezentes „wenn – dann“ Verständnis, das angewendet werden darf, aber nicht muss, sowie subtile klangliche Verstrickungen:
Denn es wird nicht nur auf Trommelfellen und Becken geräuschvoll gezeichnet, die (mittels Drum-Pickup abgenommen) Fell-Klänge bzw. die mit einem Mikrofon bemalten Becken und radierten Vorlagen können ebenso das Klangergebnis beeinflussen…

Neustart Kultur!

Moment:an

Juni 14, 2021

Und noch ein Neustart (Kultur)!
Wir proben gerade für Moment:an, ein intermediales Zusammenspiel von Zeichnung und Musik, wobei die kollektive Improvisation nicht nur den Übergang vom Analogen zum Elektronisch-Digitalen markiert, sondern vor allem die Stärke des Moments betont, der immer wieder zu neuen Ergebnissen führt.

KAMÜ zeichnet, das Musikerduo Rubow & Leicht erschafft elektro-akustische Musik und dank einer gemeinsam erarbeiteten audio-visuellen Sprache kanalisieren sie sowohl Zufall als auch den Augenblick zu immer wieder bewegenden Gesamtkunstwerken. Moment-Kunst für (fast alle) Sinne!

Vom 1. bis 11. Juli im Kunstraum ono2 (Walter-Kolb-Straße 16, Frankfurt am Main).

Schaufensterkonzert mit Zeichenperformance und Ausstellung am 01.07. / 08.07 / 11.07. ab 21 Uhr
Und vom 02.07. bis 10.07. ist die Ausstellung mit den entstandenen Werken täglich (unter Beachtung der geltendenden Hygieneregeln) von 19-21 Uhr geöffnet.

Zwei Kunstfotos dazu – einmal mit Farbe am Schlagzeug-Platz, sowie die schwebende Overhead-Snare-Kamera für die Trommelbemalerin:

immer wieder im Fokus, die Latenz

Juni 5, 2021

Hey, interessant! Mein RME Fireface UCX und der Ruhezustand eines noch leeren Ableton-Songs, einmal via Firewire (5,08ms), einmal durch USB (4,2ms) verbunden:

Und warum liest sich die globale Latenz im ähnlich leeren Logic Song noch einen Ticken besser (Firewire: 4,4 ms, USB: 3,5 ms)?
Zumindest verschafft dieser Amazona-Bericht Übersicht in puncto Schnittstelle.

How to make Ableton Live follow your tempo!

Februar 22, 2021

Ableton 11 steht in den Startlöchern (VÖ 23.02) und Abletondrummer Tobi hat schon ein PDF in Bezug auf die vielversprechende FOLLOW TEMPO Funktion verfasst (sowie eine stattliche Anzahl an passenden M4L PlugIns gebastelt). Yeah!

Den Infotext gibt’s hier: https://gum.co/TempoFollowGuide