Archive for the ‘Ableton’ Category

How to make Ableton Live follow your tempo!

Februar 22, 2021

Ableton 11 steht in den Startlöchern (VÖ 23.02) und Abletondrummer Tobi hat schon ein PDF in Bezug auf die vielversprechende FOLLOW TEMPO Funktion verfasst (sowie eine stattliche Anzahl an passenden M4L PlugIns gebastelt). Yeah!

Den Infotext gibt’s hier: https://gum.co/TempoFollowGuide

Patch Notes

Februar 5, 2021

Alex Höffken hat auf bonedo.de mit Merlin Ettore gesprochen.
Über seinen Weg, eine elektronische Ästhetik durch Real-Time-Tweaking der Mikrofonsignale (via Mixer, Modular Synths, Ableton) zu erzeugen.

e-Drummer of the Year 2020

Februar 2, 2021

Schön & erstaunlich, dass mich die Leserschaft des australischen Schlagzeugmagazins digitalDrummer zum e-Drummer des Jahres gekürt hat.

Ich revanchiere mich mit einem effektvollen Taschenspielertrick, bei dem ein simples, stromloses e-Pad zum trommelbaren Aux-Send umfunktioniert wird – funktioniert mit klassischem Outboard (Gate mit Sidechain) oder mittels DAW:

Kultivierung des Fehl(trigg)ers

Februar 1, 2021

Oh yes, Zach Danziger höre ich immer wieder gerne zu.

Während seiner Performance beim 2019er Tam Tam Festival in Sevilla erklärte er seine Vison, beim Trommeln auch den visuellen und melodischen Bereich abzudecken.

In Minute 22:14′ erfreut er sich am Fehler: lose übereinander gelegte Becken, sogenannte „Stacks“ tendieren dazu nach einem Anschlag mehrere Triggerimpulse auszulösen. Was in seinem Fall harmonische Reize (und eine weitere Beschleunigung im Round Robin System) verspricht 🙂

>>The old era was us playing along to computers, but the new era is computers playing along to us!<<, so gehört in dem YT-Beitrag „The Future of Electronic Drumming„.

im Looping verzettelt

Januar 4, 2021

Wie oft habe ich schon gedacht, gesagt: Hey, bleib doch mal konzentriert an der einen Sache dran, die Du gerade begonnen hast. Verzettel dich nicht. Sonst endest du mit vielen halben Sachen, aber nichts Ganzem…

Heute durfte ich zweimal intensiv erfahren, wie schön es ist mehrere Dinge zu beginnen, abzudriften und noch eine weitere Abteilung zu eröffnen.
Man liest nicht nur brav eine Geschichte, sondern mehrere, verschiedene.
Kocht nicht nur auf einer Flamme, sondern auf vier.
Wohlwissend, dass, während man sich einer schönen Sache widmet, andere Highlights schon wartend bereitliegend. Ich spür’s deutlich, das ist nicht Überfluss, sondern viel Fahrwasser für einen smoothen Flow.
Und in genau dem unterbreche ich ein spannendes Gespräch mit Steve Reich und tippe ich die Zufälle und Erkenntnisse des Tages herunter:

Am Nachmittag wollte ich eigentlich nur geschwind den von Jojo Vogt vorbereiteten Gastbeitrag einpflegen, stolperte aber direkt im ersten Videolink (die EMT Hallplatte und der Schlagzeugsound der „Black Keys“) über einen Nebensatz von Drummer Patrick Carney:
>>I am a big lover of the mono overhead<<
und hörte erstmal in das Album „Brothers“ aus dem Jahr 2010 rein – Schlagzeugsound in Mono! – bevor ich mich der eigentlichen Besonderheit zu wandte, nämlich jenem tontechnischen Trick, den großen Plattenhall als Drum-Mikro einzusetzen.

Dann las ich von F. M. Einheit, wollte nur mal kurz dessen Diskografie checken, bevor ich in sein spezielles Instrumentarium aus Riesenfedern, Stahlblechen und Steinen eintauche und die nicht vorhandene Stocktasche verstehe.
Diesmal wurde mir der wunderschöne Titel „Echohce“ zum Verhängnis. Als leidenschaftlicher Echodrummer und Delay-Forscher MUSS ich ja wissen, ob dieses Album von gleichnamigen Geräte geprägt wurde – immerhin gibt es von Hellmut Hattler auch ein Solo mit Palindrom-Namen („Enimo Mine„), das sogar zwei Echogeräte benötigt…
Aber der Echo-Kontext war ein anderer: >>ECHOHCE is a project for a singer, musicians and a machine generating text. The singer speaks the title of the next song into the microphone to announce it to the audience. The song does not yet exist. The computer answers by generating a stream of associations related to the topic. The lyrics are printed on eight needle printers above the stage as they evolve. The singer selects text that seems meaningful to him and performs it together with the musicians. The text generator Poetry Machine used in this project is based on semantic networks. The program only contains routines to process text, no hardcoded datasets. It digests documents of human authors and extracts their associative interconnections. Its main source of information are the masses of text in the internet. Poetry Machine is part of the permanent collection of the Centre for Art and Mediatechnology (ZKM), Karlsruhe.<< (Quelle)

Ein spannender Ansatz und ein großartiger Jamie Lidell! Sein Gesang fand ich immer schon beeindruckend, seinen zeitweiligen Drummer Brian „Willie B.“ Wilson außergewöhnlich (weil er mit dem linken Fuß einen Bassisten in der Liveband ersetzte) und im weiteren Verlauf fand ich noch dieses Soundcheckdokument, das Herrn Lidell als geschmackvollen Live-Looper zeigt:

In diesem Augenblick gingen weitere Fenster in meinem Kopf auf, unbedingt mal all die frühen Looping-Artists (siehe Matthew Herbert neulich dort) in einem Beitrag zusammen zu fassen…

Jetzt aber hielt ich inne. Und brachte die ursprüngliche Aufgabe, den Artikel Jojos DIY Plate Reverb zu Ende.

Dann wieder zum sich selbst loopenden Jamie Lidell. Dieses spätere Video zeigt eine Equipveränderung, sowie eine deutliche Referenz zur „Flow Machine“ von Tim Exile. Na klar, auch er ist ein meisterhafter Solo-Looper. Und zack formt sich mittels des Artikels „Is Live Looping 2.0 the beginning of Music 2.0?“ der nächste Schneeball wie von selbst:
>>Live looping has been coming in and out of modern music’s favour since the 60s. It’s been adopted by composers like Steve Reich, beatboxers like Beardyman and singer/songwriters like KT Tunstall.
It’s had another renaissance recently with Ed Sheeran and Marc Ribellet. Whatever you feel about their music, it’s a fascinating development. Live looping 1.0 was about technology and magic; wowing the audience with the ability to turn one musician into many. Like all tricks, it was time-limited. The magic is over once the third rabbit emerges from the hat.<<
Hier unterbreche ich die kluge Lektüre und unterfüttere ihre Verweise mit den bereitgestellten Links.

Beardyman is livestreaming improvised live looping and even doing community assisted production streams — getting feedback and suggestions on unreleased material as it’s made.

Lesson: Looping Basics Using KT Tunstall’s Method (mit Akai E2 Headrush Pedal)

Ed Sheeran Gear Guide (guitars and looping tech — a big fancy custom pedal but at its core a free VST)
vom Boss RC-30 zu den Chewie Monsta 1 und 2

Schließlich und endlich lande ich wieder bei Steve Reich, der übrigens als Drummer mit dem Musikmachen begonnen hatte. Alle Kreise geschlossen! Doppelter Looping, mindestens…

Morgen verlinke ich dann Binkbeats, Rico Loop, Amulets, Jonny Greenwood und Ed O’Brien und all die anderen Frippertronics.

music to unpack

November 13, 2020

Es ist soweit! DePhazz veröffentlicht eine Art Weihnachtsplatte (liest man, laut JazzThing Rezensent Rolf Thomas sogar jetzt schon „Weihnachtsplatte des Jahres“).
Aber nach dem Auflegen (heute Morgen getan) stellt man fest, dass es vielmehr ein schönes Winteralbum geworden ist. Dazu raschle ich kurz mit Jinglestick und Sleigh Bells und erfreue mich an der eleganten Überschrift „Music to unpack your Christmas present“ (nämlich auch) und der schicken Hülle:

Weniger feierlich, aber auch für heimelige Stunden geeignet, weil „almost like painting“, die folgenden Ableton Glitch Ideen mit Envelope Clips:

Die Schneekugel schließt sich, denn sollte das Album für Deine Ohren zu süßlich klingen, gibt es hiermit einen kreativen Workaround…

das elfte Leben

November 10, 2020

Bin schwer gespannt auf die „dynamische Tempoanpassung“ von Ableton Live 11.

>>Wenn Sie wollen, passt Live automatisch das Tempo dem eingehenden Audiosignal an. So ist die Software ein dynamisches Bandmitglied und nicht der Taktgeber, dem alle folgen müssen. Beim DJing können Sie Live als BPM-synchrones Effektgerät nutzen.<<

Siehe auch B-Keeper und M4L PlugIn BeatSeeker.

Duck the Master

Oktober 28, 2020

Apropos Ducking: Ich experimentiere gerade – sowohl mit Peter Wölpl (und „Luminos W“), als auch mit Oli Leicht („Der temporäre elektronischen Salon“) mit meinem BopPad, das jedoch am Rechner meines Gegenübers angeschlossen ist.
Dort triggere ich ein Drumrack mit gewarpten Whitenoises in unterschiedlicher Länge (1/4, 1/2, 1/8) – nach aussen hin stumm, intern füttert es den Sidechain des Ableton Gates. So kann ich beim Jammen per Stockschlag Hiphop-typisch in den Output eingreifen: mal partiell muten, oder die Partner-Elektronik für längere Zeit (bzw. solange ich durchgängige 16tel auf meinem Pad schlage) komplett stummschalten…

Ich hatte mir immer ein Gate gewünscht, welches Anstelle des Hold-Parameters verschiedene Subdivisionen anbietet – leider bisher nichts gefunden – aber dadurch, dass ich nun mehrere Whitenoise Samples mit definierten Längen geschnitten habe und diese als gewarpte Sounds im Drumrack abgerufen werden, entsteht in Zusammenarbeit mit dem Sidechain ein funktionierender Workaround.

Wem der Cut/Drop Out zu hart ist, der schiebt etwas vom weggedrückten Signal mittels „Floor“ Regler nach.
Und um mein „Silent Tool“ zu deaktivieren, deaktiviere ich einfach dessen Kanal, bzw. dessen Spur-Viereck [1] (funktioniert, wenn in den Sidechain-Einstellungen „Post Mixer“ aktiviert wurde).

Wieder mal eine schöne Möglichkeit, um Zuspieler oder Mitmusiker on the fly dekonstruieren zu können.

Equipment Talk(s) – ein 19 Zoll Gespräch der fantastischen Art. Oder halt: Ode an das Boss Space Echo

September 2, 2020

Ich glaube es war der Instagram Post von Stewart Copeland, ein kurzer Konzertausschnitt mit ihm und Stanley Clarke, der mich an das Album „If this bass could only talk“ erinnern ließ. Jene CD, die in den Neunziger gefühlt von jedem zweiten Tontechniker zur Einstellung der PA eingelegt wurde. Normalerweise krame ich nach einem solchem Wink direkt das erwähnte Werk hervor und erfreue mich an gehörter Nostalgie und schönen Erinnerungen. Erst recht, wenn der einzige Albumtitel mit dem Police Drummer „Stories to tell“ heißt und Allan Holdsworth darüber soliert. Doch diesmal war der bloße Titel stärker und ließ meine Gedanken in völliger Stille über Clarkes gehegtem Wunsch kreisen.
„If this instrument could only talk“.
Gut, ich beschäftigte mich an diesem Abend ohnehin schon mental mit „special gear“, denn das Internet spülte mir zufällig den zum Verkauf angebotenen DX-7 von Prince entgegen für das Echodrums Buch mussten eben noch jene Passage korrigiert werden, in der ich insgeheim meinen verflossenen Delaymaschinen nachtrauerte. Prompt gingen mir all jene Geschichten durch den Kopf, die in diesem Abschnitt keinen Platz mehr fanden: Was war der eigentliche Kaufgrund für dieses oder jenes Gerät, aber warum musste es, bzw. wohin durfte es ziehen? Aus welchem Grund hingegen durfte ein anderer Effekt bleiben? (Konnten wir vielleicht „besser miteinander sprechen““??)


Rückblickend lässt sich doch in jedem Pedal das Besondere finden, einen überraschenden, gar überzeugenden „Ghost in the Machine“ entdecken. Manches Equipment hat aufgrund seines hohen Alters oder seiner speziellen Herkunft musikgeschichtliche Relevanz, entlockt durch seinen Musikhaus-Sticker mit vierstelliger Postleitzahl ein Lächeln oder wühlt eine ganz persönliche Beziehungsgeschichte wieder auf. Gelegentlich sind noch die vom Vorbesitzer mehr oder weniger liebevoll gestalteten Einstellhilfen sichtbar, bunte Klebepunkte, klebrige Gaffa-Reste oder permanent markierte Striche für den persönlichen Best-Sound, fürs Optimum. In seltenen Fällen findet man gar im Inneren einer Maschine eine versteckte Botschaft, einen leidenschaftlichen Gruß an all diejenigen, die tief genug graben. Wie beispielsweise im Reverbtank des Roland Space Echo, wo auf dem Labelsticker zu lesen ist »Manufactured by beautiful girls in Milton, Wis. Under controlled atmosphere conditions«. 

Anyway, man behält nicht alles – Präferenzen werden abgewogen, Entscheidungen getroffen. An besagtem Abend entstand jedenfalls die traumhafte Vorstellung, dass eine ehemalige Instrumenten-Bekanntschaft über sein bewegtes Leben berichten könnte und noch einmal, inklusive seines derzeitigen Herrchens, zum gemeinsamen Jam zurückkehren würde.

Oh yeah! In meinem Fall müsste sich Blixa Bargeld mit meinem (alten) Lexicon JamMan Looper einfinden, der fantastische And.Ypsilon könnte mit dem Korg SDD-1000 dubben und Henrik Schwarz durch den Electrix MO-FX einen clubtauglichen Spannungsbogen formen. Ich würde dazu auf dem aquamarinblauen Tama Superstar 50 +1 Schlagzeug spielen – mein bisher schönstes Drumkit, das ich aber wegen eines monetären Engpasses aufgrund einer Tourabsage an den ursprünglichen Besitzer zurückverkauft hatte. Selbstverständlich würden komplett alle Kessel aufgebaut werden: 22, 12, 13, 14, 16, 18. Meine Wenigkeit, wie Lenny White mit Hut, stolz dahinter sitzen. Für diesen einmaligen Anlass hätte ich zudem all meinen Mut zusammengenommen und Neil Fraser kontaktiert, ob der Mad Professor vorbeikommen und meine Drumtracks mit seinem Roland SDE-3000 veredeln könnte – schließlich hatte ich diesen 19 Zoll Streifen einst angeschafft, weil es das ausgesprochene Lieblingsgerät des Dubmeisters ist. Spätestens dann wäre auch Pit Baumgartner (das DePhazz Oberhaupt) mit dem Vestax FDG-1 Kill Equalizer zur Stelle. Bestimmt auch Don Philippe vom Freundeskreis, um mal wieder sein altes Simmons SDS-V aus der Reserve zu locken. Zu guter Letzt würde ich den Krautrock Phaser (Schulte Compact Phasing A) von Dieter Seelow aufstellen – dessen Anwesenheit allein schon wegen der schicken roten Kontrollleuchte und der verströmten Studiowärme Sinn macht. 
Im Anschluß an die Session dürften meine Neumannstäbchen (KM85) und das Acousta-Pult (P100B) noch etwas aus dem Nähkästchen ihrer Fernsehvergangenheit plaudern (sie kamen ja vom ZDF bzw. aus dem ORF) und wenn all die Gäste schließlich ihren Heimweg angetreten hätten, gäbe es noch einen kurzen Anruf im Ludwigsburger Trommelmuseum, um sich nach dem Befinden von E-MU SP-1200 und Dr. Pad zu erkundigen. 

Schwer, sich aus solch angenehmen Nostalgiebad zu erheben, doppelt schwer, sich erneut von den ehemaligen klangmachenden Mitbewohnern zu verabschieden – seufz – aber hey, ursprünglich waren ja die liebgewonnen Delaymaschinen der Ausgangspunkt für diese Träumerei. Also soll auch dieser Erzählstrang zu Ende gebracht werden. 

Es kamen und gingen die Boutiquepedale, Top-Produkte gaben sich die Klinke in die Hand, nicht selten wurde (vermeintlich) heiligen Gralen hinterhergejagt, die dann um die halbe Welt geschippert werden mussten, dafür aber komplett (mit nach Keller riechender Originalverpackung) ausgestattet bei mir ankamen und dennoch oftmals meine in sie projizierten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Neben all diesem Hin- und Her, einer Mischung aus rastlos neugierigem Testen und etwas aus dem Ruder gelaufener Gear-Mania, konnten sich tatsächlich zwei Kandidaten von der Stange behaupten, die mich nun seit einer gefühlten Ewigkeit begleiten – genau so, wie es sich für „das richtige Instrument“ gehört. 
Da wäre einmal das grasgrüne DL4 von Line 6, das ich zur Jahrtausendwende auf dem Schlagzeugteppich begrüßte. Eine große Digital-Kiste, randvoll mit geschmackvollen Presets (die alle gängigen Echotypen simulieren), drei hilfreichen Speicherplätzen und sehr musikalischer Interaktion von Delay-Time Poti und Wiederholungsregler. Zudem lassen sich die beiden Ein- und Ausgänge des Pedals als separate Mono-Kanäle verwenden, was mir den gleichzeitigen Live-Dub meines Schlagzeugs und einer weiteren Schallquelle, beispielsweise der Sängerin, ermöglichte. Mein „Delay Modeler“ wurde mehrfach modifiziert (Volume and Tone Mod, 2nd Preset Mod, High End Switch Mod), öfters auch professionell repariert (da vor allem der wichtige Tap Tempo Taster meiner Beanspruchung nicht dauerhaft stand hielt). 

Ein solcher Kuraufenthalt war der Anlass, dass ich mich im Jahr 2007 nach Alternativen umschauen wollte, daraufhin ein Boss RE-20 ins Haus holte, jenen digitalen Klon des gefeierten Roland Bandechos (Space Echo RE-201). 
Letztlich eine folgenschwere Aktion, denn dieses Pedal sollte sich über die Jahre zu meiner Nummer 1 entwickeln. Seit 2014 ist es tatsächlichlich, zusammen mit einem klemmbaren Sennheiser e604 Mikro und der Boss AB2 Box, gesetztes Handgepäckstück und bei jeder musikalischen Unternehmung mit dabei. 
Dabei gestaltete sich unser gemeinsamer Start äußerst zäh und holprig. Die Rahmenbedingungen waren eigentlich optimal – das Boss Pedal kann ebenso mit einer perfekten „2x Mono-Verkabelung“ punkten, auf Wunsch gar zwei getrennte Eingangssignale in einem einzigen, monophonen Ausgang vereinen, hat einen unkaputtbaren und tight übermittelnden Tap Taster, zusätzlich EQ und Hall mit an Board -, aber anfänglich kam ich mit der dem Original geschuldeten Gemütlichkeit bei Delaytempo-Verdrehungen überhaupt nicht zurecht – sie gestalteten sich komplett anders im Vergleich zum gewohnten DL4 und dämpften meine Euphorie gehörig. Nüchtern betrachtet ist dieser Umstand nicht verwunderlich, denn die beiden Tretminen bedienen unterschiedliche Konzepte. Die Line6 Stompbox will als Allrounder digitale, analoge und mechanische Echogeräte abdecken, wohingegen sich das RE-20 nur dem letztgenannten Delaytyp, dem Bandecho verschreibt, sich dabei auf ein konkretes Vorbild spezialisiert. Dennoch wurden immer wieder neue Anläufe mit den gewohnten Workflows gestartet und immer wieder mit leichter Enttäuschung quittiert, bis ich irgendwann endlich kapiert hatte, einen anderen Zugang zu der Maschine finden zu müssen. Auch wenn die krass verdrehten und zurückgetappten Rave-Signale des grünen Echos letztlich nie kopiert werden konnten, entdeckte ich diverse Besonderheiten und Vorzüge des kompakten Space Echos: Beispielsweise den simulierten Federhall, der sich ganz einfach zum Echosignal dazu drehen lässt, aber auch einzeln einsetzen lässt, bei viel Input-Gain zudem ein Sonar-Sound erzeugt, der dich direkt ins Triphop Bristol der Neunziger Jahre katapultiert. Desweiteren ein immer griffbereiter 2-Band Entzerrer (Equalizer), dank dem ich, trotz nur einem an der Snare befestigten FX-Mikrofons, wahlweise den Echoschwerpunkt auf Hihat, Snare oder Kickdrum ausrichten kann. Es gibt die „Twist“ Option, ein Gimmick, das man vielleicht nicht überstrapazieren sollte, das mir aber ab und an als One-Touch-Knob hilfreich entgegenkommt – bei gehaltener Tap Taste wird automatisch die Intensität des Feedbacks erhöht, gleichzeitig die Delaygeschwindigkeit verändert und die Ausgangslautstärke etwas heruntergeregelt. Und es gibt den Mode Selector, der sich durch gezieltes Verdrehen ebenfalls zum Musikmachen eignet. Die Boss-Kiste ist unglaublich robust – hier war noch keine Wartung nötig – und selbst wenn das passende Netzteil (öfter) mal die Anreise nicht überlebte, war dank der Batteriebetrieb-Option kein einziger Konzertabend in Gefahr. 

Um an dieser Stelle die letzten verbleibenden Skeptiker zu überzeugen: Jenseits des Musikalischen überzeugt das Pedal mit einem einzigartigen gestalterischen Kunstgriff, dem zentral eingebautem, immer freundlich leuchtenden Lächeln. Diese simple wie wohltuende Anordnung der roten Kontrollleuchten dürfte meiner Meinung nach gerne kopiert werden, denn positiver kann eine Beziehung kaum beginnen 🙂

Ach ja, wer sich jetzt noch wundert, dass hier ein Drummer so leidenschaftlich über Delayeffekte und Tretminen ins Schwärmen gerät, über Geräte schreibt, die doch eigentlich dem Gitarren-Sektor oder Mixprozessen im Tonstudio zuzuordnen sind, den kann ich direkt beruhigen.
Beim aktiven „Echodrumming“ geht es um die Entdeckung einer neuen Komfortzone, die sich spielerisch erschließen lässt. Denn so ein elektronisches Effektgerät ist gar nicht weit von typischen „Drum Add Ons“ (wie Splashbecken, Drummer Timbale oder Samplepad) entfernt. Es ist einfach ein weiteres Zusatzteil, das sich ebenso symbiotisch integrieren lässt, aber sowohl Sound als auch Pattern des Rhythmusmachers bereichern wird. Wir Schlagzeuger brauchen auch nur drei Teile – Mikro, Delaypedal und eine verstärkte Lautsprecherbox – zum Echoglück. Und zack, agieren wir frisch und vielschichtig über den Trommelrand hinaus. 
Ich kann es immer wieder nur empfehlen, leiht euch ein Delaypedal (idealerweise mit Tap Tempo Funktion) aus und experimentiert damit.
Wer anschließend tiefer einsteigen möchte, wirft mal einen Blick ins Buch „Echodrums – Anders trommeln dank Strom & Effekten“ (Leu-Verlag, 116 Seiten, ISBN 978-3-89775-184-2). Und bestellt’s im Idealfall direkt bei mir inklusive einer Tap-Tempo-Postkarte und den besten Wünschen (25 €, auf Rechnung).

PS. Wie unter Menschen gibt es auch bei den Effektpedalen die Liebe auf den ersten Blick, meistens jedoch braucht ein neues Gerät viel miteinander verbrachte Zeit, um all die in ihm schlummernden Edelsteine freizulegen und im musikalischen Kontext funkeln zu lassen…

Doch irgendwann hat man seine(n) idealen Partner gefunden, quasi erweiterte Sprachrohre, verdichtende Klangspiegel, beflügelnde Gegenpole, die – wie in meinem Fall das Boss Space Echo – direkt mit der Person und dem Schlagzeug verschmelzen und den musikalischen Ausdruck mitgestalten. Dann löst sich der wehmütige Rückblick aufs verflossene Instrumentarium in angenehmer Erinnerung an die Reisebegleitung auf und man stellt zufrieden fest: 
bin teilweise angekommen!

kurz grandios

August 9, 2020

Kurzerhand eingetaucht in ein dreitägiges Paralleluniversum, erfreuen mich dicke Subwoofer und Konzerte vor echten Menschen, die Sommerhitze und jede weitere Badestelle (egal ob Burggraben oder Baggersee mit Mähdrescherromantik). Nebenan feiert die TR-808 ihren Vierzigsten. Und auf der Rückreise grüßt hupend die niedersächsische METRONOM Bahn…

On top schreibt mir der LEU-Verlag, dass mein Buch nun gedruckt (und vorbestellbar) sei und bei Ocean Vuong entdecke ich  ein Erklärungsmodell für die Schlagzeug-Echo-Liebe:
>>Ich habe gelesen, dass Schönheit seit jeher Nachbildung hervorgerufen hat. Wir machen mehr aus allem, was wir ästhetisch ansprechend finden, egal ob eine Vase, ein Gemälde, ein Kelch, ein Gedicht. Wir reproduzieren sie, um sie zu bewahren, durch Raum und Zeit auszudehnen.<<
Auf Erden sind wir kurz grandios“ (Seite 156)

Hey, fühlt sich weitaus mehr als kurz grandios an!

Hotline-Foto von @thezitterman