Archive for the ‘Ideas’ Category

Klassischer Sommer

Juli 14, 2019

In den letzten drei Wochen bestimmte die klassische Art Musik zu machen große Teile meines Alltags (und meiner Gedanken).
Es begann mit den Aufnahmeprüfungen der Musikhochschule, die bei mir öfters generelle Fragestellungen jenseits der eigentlichen Darbietung aufwerfen. Wie zum Beispiel:
– Warum bestäuben Paukenspieler nicht jene Finger, die auch zum Dämpfen verwendet werden, (wie ein Reckturner) mit Magnesia Pulver, bzw. einen kleinen Bereich des Paukenfells (wie der Tablaspieler seine Trommeln) mit Pulver, auf dass der eigentliche Vorgang der Tonbeschneidung lautlos verläuft und nicht durch schmatzende, durchaus (a)rhythmische Ablösegeräusche der schwitzenden Hand beeinträchtigt wird?
– Warum werden bei Snaredrum Stücken die leisen Noten immer am Rand ausgeführt, einer Trommelregion, die im Gegensatz zum Fellzentrum deutlich reicher an hohen (somit durchsetzungsfreudigen) Frequenzen ist?

Es folgten eine Probe und ein Konzert mit der Musik von Sebastian Studnitzky, arrangiert für Jazz-Trio und Kammerorchester.

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Dank bestehender Mitschnitte konnte ich mir zwar im Vorfeld ein klares Bild machen (bzw. transkribieren), die Schwierigkeit für mich als „Nicht-Klassisker“ besteht jedoch später, wenn ich Teil des Schiffes bin, darin, die Gesten des Dirigenten perfekt zu deuten: Wo genau liegt dessen Puls beim Einzählen (bei Ritardandi), wo die „eins“ für meinen Einsatz oder den gemeinsamen Schlussakzent?
Diesbezüglich helfen mir konkrete Fragen direkt bei Probenbeginn an den Dirigenten, aber auch an einen Mitmusiker, der den visuell abgenommen Puls einfach mal auf meiner Schulter mitklopfen soll. (Mindert meinen Stress und spart Zeit für alle.)
Unangenehm schwierig wird es für mich vor allem dann, wenn das beim Dirigenten gesehene und das vom Orchester gehörte stark von einander abweichen, aber kurz darauf punktgenau eingestiegen werden soll – eine solche Situation kann ich oftmals (nur eigenmächtig) mit einem deutlichen Pickup retten, der im besten Fall Klarheit für alle bedeutet, zumindest aber für einen konkreten Anschnitt sorgt. Oder man bespricht im Vorfeld noch einen weiteren für alle überdeutlichen Vorzähler des Dirigenten.
Toll, dass ich bisher ausschließlich verständnisvolle und hilfsbereite Dirigenten erlebt habe!

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Jetzt bin ich gerade zurückgekommen von einer erfüllten Woche, in der wir mit DePhazz und der (ungeheuer sympathischen) STÜBAPhilharmonie sowohl ein Konzertprogramm erarbeitet, als auch Aufnahmen für den begleitenden Tonträger gemacht haben.
Auch hier musste ich mir einen Workflow zurecht legen, der den Anspruch einer tighten und stabilen Groovegrundlage einerseits, sowie der homogenen Verschmelzung von Band- und Orchesterklang gerecht wird.
Letztlich habe ich mich oftmals dazu entschlossen, mein Metronom zur Hilfe zu nehmen.
Mir wurde klar, dass ich im Clicktrack-freien Combo-Kontext öfters vermittelnd trommle, sprich, auf unterschiedliche Tempo-Gestaltungen dezent eingehe, um ein harmonisches Rhythmusgerüst zu bewahren. (Das darf dann durchaus leicht schwanken, wie es auch ein Wolkenkratzer nicht anders kann.)
Sich als Pop-Trommler im Orchester-Kontext jedoch auf das Gehörte zu verlassen, kann mächtig nach hinten losgehen. Je nachdem wo das Drumset aufgebaut ist, kommen manche Instrumentengruppen allein rein physikalisch zu spät an meinem Ohr an, andere wiederum interpretieren geschriebene Noten auf bestimmte Weisen. Es hilft also wiedermal nur der Blick zum Dirigenten und mir für die eigene Stabilität ein mit dessen Einsatz eingestartetes Metronom. In schwierigen Fällen hilft der aufgesetzte Kopfhörer – zum Abschotten und Tempohalten.
Vorort gab es auch eine Soundbrenner Metronom Uhr, die den Puls ähnlich wie ein vibrierendes Smartphone an den Körper übermittelt. Konnte ich leider bisher nur trocken und noch nicht während des Spiels ausprobieren. Auf jeden Fall: spannend.

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(Luftpolsterfolie, Hantelgewichte und DIY Molton-Absorber für einen kompakten Sound)

Und jenseits allem Ungewohnten, bisweilen Stressigem ist das Ergebnis grandios: eine immense Steigerung der Klangvielfalt und gestalterischen Möglichkeiten (Dynamik, Agogik, „Anzahl der Layer“), die ganz andere Spannungsbögen ermöglichen.

Zum Ausgleich reite ich jetzt mental die Wellen der Sommerferien – lesenderweise (da…) –  und freue mich auf’s nächste Soundbad:
>>Doch Wellen tanzen zu einer endlos komplexeren Melodie. Und tatsächlich kann sich das Problem einem Surfer, der im Line-Up sitzt und versucht, die Strukturen eines Swells zu entziffern, als musikalische Fragestellung präsentieren. Nähern sich diese Wellen vielleicht im 13/8-Takt, mit sieben Sets pro Stunde, bei denen jede dritte Welle im Set eines von Gottes Jazzsolos, dessen Struktur unser Fassungsvermögen übersteigt?<<
>>Bei der Musik wie bei Wellen, sagte er, müsse man sich »einer Kraft überlassen, die größer ist als man selbst«. Damit, fand ich, hatte er völlig recht.<<
William Finnegan „Barbarentage“ (Suhrkamp 2018, Seite 424f, Seite 528)

Virale

Februar 23, 2018

Höre Musik-Tipps von FB-Freunden nach und notiere:

1. Klingen klasse, Manfred Mildenbergers Concert-Toms mit schlaffem Fell (Danke, Christoph Buhse):

2. Super Idee: zwei Drummer hinter einem großen Set – OK ein/e Linkshänder/in bzw. Opend-Handed Spieler/in wird gebraucht (Danke, Axel Mikolajczak)

3. und selbst bin ich noch im Bigbeat-Fieber. Selten, dass ich soo viel aufbaue

 

die andere, solierende Snare

Februar 8, 2018

Neulich stand ich einem TC Helicon Voicelive Touch gegenüber und war begeistert von seiner simplen, wie bühnentauglichen Mikrofonständer-Halterung. Leider ist das Teil (momentan?) nicht mehr erhältlich (vielleicht der Grund, warum ich keine aussagekräftigen Fotos des Halters finden kann), aber auch die alternative Klammer seiner jüngeren Schwester macht Sinn.
Und dann habe ich auf der Webseite ja noch diese drei schicken EFX-Piktogramme entdeckt:

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Einen ganz anderen Echodrums-Bezug gab es später in der Instagram-Timeline von Dan Mayo, wie dieser Gesprächsfetzen schön belegt:

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Und wenn ich schon bei DM gelandet bin, möchte ich unbedingt auf die spannende Kollektion aus dem Hause Morfbeats hinweisen!

stabil!

Dezember 19, 2017

Über die kreative Vielseitigkeit des Trommel-Künstlers / Kunst-Trommlers Raphael Sbrzesny wurde hier schon öfters berichtet, jetzt hat der umtriebige Performer eine Werkschau in Buchform  herausgebracht, einen fetten Ziegel voller schöner Bilder und Ideen. Klar, nach dem vielversprechenden Klappentext über den „emanzipierten Interpreten“…

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frische Tulpen aus Amsterdam

November 23, 2017

Der immer Dienstags kreative Han Kerkhof trommelt diese Woche auf allerlei Guiro-Artigem: >Instagram Video Link (klingt besser)

Overtime, Schere (und viel auf dem) Papier

August 30, 2017

Ne Menge an Inspiration für die laufende Woche:

Knower proben im Wohnungsflur: tighte 21-Century-Fusion & trashiger Humor:

Han Kerkhof integriert die Schere (und drehende Becken) ins Setup:

Dave aus der Jazzdrummerworld führt das Tama Jam Cocktail Kit mit und ohne Sound Focus Pad vor und dabei denke ich wieder mal über das manuelle Filtern einer akustischen Kickdrum nach (quasi: Bettdecke 2.0).
Und ich überlege, ob ich nicht mal die Meinl Bassbox und Snarebox ausprobieren sollte, schauen was sich über den rein akustischen Klang hinaus, noch mit Mikrofonen und Klebetriggern erreichen lässt…

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Und zu guter Letzt hatte ich am Abend meine Acidlab Bassline mit einem alten Boss VT-1 Voicetransformer verbunden und bin begeistert!

Apparative Kunst

August 25, 2017

Tilman Baumgärtel erinnert heute in der taz an das Ur-Gadget, >>das erste, tragbare , megahippe Medienmaschinchen der Menschheitsgeschichte<<, das Kaleidoskop, das vor zweihundert Jahren erfunden wurde und im Idealfall den kreativen Antrieb technisch unterstützt.
So erinnert mich dieser Satz sofort ans Trommelspiel mit einem Echoeffekt (wenn ich ihn minimal korrigiere):
>>Das Kaleidoskop Echogerät ist ein zutiefst interaktives Medium: Was es zeigt, entsteht aus einer Zusammenarbeit von Mensch und Apparat, und sein Nutzer ist immer zugleich Konsument und Produzent von Bildern Musik<<

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Die Bilder wurden mit „Make Your Own Kaleidoscope“ erstellt

 

Frankfurter Küchen

August 24, 2017

Unsere Küche ist seit geraumer Zeit – renovierungstechnisch bedingt – nur teilweise nutzbar. Da sich die Camping-Vibes im Sommer aber nicht so falsch anfühlen, bereitet der Umstand keine wirklichen Probleme. Zudem bieten Chaos und anschließende Neordnung ja auch Chancen.
Und so beugte ich mich für eine kleine Inspirationsspritze gestern über die Idee der Frankfurter Küche (aus dem Dumont Reisetaschenbuch „Frankfurt am Main“):

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Die Ideen der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky gefallen mir gut: erstmal mit der Stoppuhr in die Küche (um die Laufwege des Kochs optimieren zu können), anschließend das auf 6,5 Quadratmeter ideal angeordnete Mobiliar fliegenfeindlich blaugrün tünchen.

Fazit: Mein Schlagzeughocker hat ab sofort einen neuen Abstellplatz. Und zukünftig wird auf Freiluftkonzerten nur noch mit dem türkisfarbenen Lenny-White-Superstar-Set getrommelt. (Dass ich mich für die Stoppuhr – für genau bemessenen 25s Espressoauslauf – nicht mehr schämen muss erwähne ich mal in Klammern).

Sustoner

Juni 12, 2017

So schön ein vollmundiges Becken auch ist, gibt es doch öfters Situationen (Musikstile, Venues, Handlungsbedarf im Studio) in denen man den Klang des Metalls kontrollieren möchte/muss. Dabei geht es in der Regel um die Parameter Lautstärke, Nachklangdauer (Sustain) und störende Frequenzen.
Hier im Blog wurde diesbezüglich schon an verschiedene Stellen über die Problematik nachgedacht und über gelochte Geschirrtücher, DJ Slipmates, Gaffer-Grafiken und die ein oder andere Idee der Industrie (MuffstickMeinl Cymbal Tuners, Cympad, Zildjan Gen/L80) berichtet.

Jetzt kommt Veith Kloeters mit seinem Sustoner um die Ecke, einem Helferlein für’s Ridecymbal, welches aus einem Lineal-ähnlichen Holzbrettchen besteht, das mit Schaumstoffquadern beklettet und vom Beckenständer gehalten wird, um schließlich unter dem Becken seinen dämpfenden Dienst zu verrichten.
Max Gebhard hat das Tool für bonedo getestet:

Anakoluth

Juni 9, 2017

Nachts beim Lesen stolperte ich in der phantastischen „Anthrax“ Geschichte von Mircea Cartarescu über ein mir unbekanntes Stilmittel:
>>Als Anakoluth bezeichnet man einen Bruch des Satzbaus oder auch Abbruch bei einem einmal begonnenen Satz. Man fängt einen Satz an, besinnt sich neu und fährt in einer Weise fort, die dem begonnenen Satz nicht entspricht, oder bricht ihn auch ab.<<

Cool. Das muss ich bei der nächsten Beat-Story unbedingt mal ausprobieren. Muss auch nicht zwangsläufig krass oder ruppig ausfallen, funktioniert auch zackig-elegant à la Morgenstern!

>>Korf erfindet eine Mittagszeitung, / welche, wenn man sie gelesen hat, / ist man satt.<<