Archive for the ‘Read!’ Category

schlechter Tag?

Januar 18, 2022

Jerry Saltz zitiert in seinem Buch „How to be an Artist“ (2020) den Maler Stanley Whitney:

>>A bad day is a good day,
because a bad day is
when you’re trying to take it to a different level.<<

Perspektive wechseln, Situation drehen. Geht!

Und dann (bzw. falls nicht): Marokkanischer Minztee 🙂

die Sonne scheint aus unseren Schlitztrommeln

Januar 12, 2022

Toller Albumtipp und toller Artikel über das Papercup Label und seine beiden Macher Keshav Purushotam und (Drummer) Steffen Wilmking.

das schönste YEAH seit langem

Dezember 6, 2021

In der heutigen taz stellt Lars Fleischmann das musikethnologische FLEE Projekt vor, das von drei Nachfahren im Geiste von Alan Lomax vollmundig kuratiert wird. In dem lesenswerten Artikel wird nicht nur die Beziehung von Taranteln und Tarantella in Süditalien beleuchtet, sondern auch das klangliche Vermächtnis der Perlentaucher am Persischen Golf.
In puncto kultureller Aneignung fällt folgendes Statement:
>>Wir denken immer mit, dass wir Fremde und Außenstehende im jeweiligen Forschungsfeld sind. Es muss mit dem nötigen Respekt aber möglich sein, über musikkulturelle Phänomene zu reden, selbst wenn man aus nichtmusikalischen Feldern und anderen Weltgegenden stammt.<<

Hurra, Sundae!

Dezember 5, 2021

Es ist nicht nur Sonntag, sondern auch der zweite Advent. Eine Steilvorlage, zwei Sundae-Becher wegzuatmen und im doppelten Kerzenschein Ernst Jandls Frankfurter Poetikvorlesungen aus den Jahren 1984/1985 zu lauschen:

tiefes Hören, tiefes Eintauchen

Dezember 4, 2021

Gerade musste ich der Kontext Wochenzeitung entnehmen, dass Hermann Bausinger, der „Tarzan-Professor“ am 24.11.21 mit 95 Jahren gestorben ist. Ihm, dem es >>stets gelungen sei, auf der „dialektischen Argumentationsschaukel noch jedes Ungleichgewicht“ ins Lot zu bringen<< durfte ich während meines einzigen Studium-Semesters all wöchentlich zuhören, damals 1993 während der Einführungsvorlesungen in die empirische Kulturwissenschaft.

Foto: Manfred Grohe


Dazu läuft im Hintergrund (obschon genau so nicht angedacht) das „Deep Listening“ Album von Pauline Oliveros:
>>Ich unterscheide zwischen Hören und Zuhören […] Hören ist das physische Mittel, das die Wahrnehmung ermöglicht. Zuhören bedeutet, dem Wahrgenommenen Aufmerksamkeit zu schenken, sowohl akustisch als auch psychologisch.<< (Quelle)
Gut – versprochen, ich werde später mein Handy verlegen und mich einem Lieblingsalbum widmen (so wie Randall Roberts letzten März vorgeschlagen hat)!

Denn jetzt möchte ich nochmals zurück zur Empirie und zu meinen Versuchen, das Schlagzeugspiel durch zusätzliche Elektronik ästhetisch aufzuhübschen, ohne eine heimliche Orientierungsspur (Clicktrack) zu verwenden. Denn diesbezüglich bin ich gestern Abend – mittels Ausprobieren – einen großen Schritt weitergekommen:
Im Echodrums-Konzept nimmt die „Tap Tempo Taste“ eine Schlüsselposition ein – ich kann nämlich völlig frei lostrommeln und dank dieser Funktion den Effekt „mitziehen“, und zwar ähnlich einfach wie ich mich für einen zusätzlichen Schlag z.B. auf ein Tom Tom entscheiden würde.
Mit der Arturia Drumbrute Impact Rhythmusmaschine, die ebenfalls über „Tap Tempo“ verfügt, gelang es mir nun, nicht nur einen elektonischen Drumloop mituziehen, sondern zusätzlich auch die Geschwindigkeit meines Echos (via Time Bandit und external tap Input im EHX Memory Man Delay) und des LFO des Erica Synth Filters (Acidbox II) fernzusteuern. Eine Tap Tempo Taste für drei unterschiedlich bereichernde Geräte: wow! Die Möglichkeiten häufen sich (nachdem sich ja neulich schon der tap-bare Boss Phaser PH-3 seinen Platz auf dem Pedaltrain verdient hatte).
Stay tuned!

Under the Conditions

November 30, 2021

Neuentdeckungen.
Beim Reisen gibt’s immer viel Zeit. Also lese (und gegenhöre) ich den taz Artikel von Julian Weber über Musikduos als demokratische Bastionen „Aller guten Dinge sind zwei Das Duo ist die kleinste Gemeinschaft, um zusammen Musik zu machen. Vier packende neue Duo-Alben, vier unterschiedliche Modelle der Arbeitsteilung„.
In Tiflis lief deshalb bald nur noch das „Natten“ Album des Kopenhagener Duos Bremer/McCoy im Kreis, gerade erklingen LeRon Carson und Theo Parrish („Under the Conditions“).

Im Instagram entdecke ich Gunnar Olsen (@gunbuns) aus Brooklyn, der wohl ebenfalls gerne seine Drums elektrifiziert.

Mit Max Gebhardt (@maxbeatwerk) gibt es ein sehr charmantes Interview in der Reihe „9 Odd Questions for Music Gear Junkies“.

Ansonsten habe ich noch zwei von Drummern geschriebene Bücher auf der Liste:
Unter dem Pseudonym Maximilian Taler hat ein (von mir hochgeschätzter) Backliner einen 380 Seiten starken Roman veröffentlicht „McBrain – Ra(s)tlos durch die Welt„.
Und Martell Beigang haut sein viertes Werk raus: „Musik ist King“.
Chapeau!

PS. noch ein schönes Stilleben vom Fotografen Olaf Unverzart.
Motto: >>Ingenious people begin great works, industrious people complete them.<<
( Leonardo da Vinci)

The Orchestra

November 28, 2021

Jetzt wird DAS Orchester gelobt, beziehungsweise ein Trinkspruch auf das „Tbilisi Symphony Orchestra“ ausgesprochen, das unter der Leitung des einmaligen Vakhtang „Vato“ Kakhidze gestern in Georgiens Hauptstadt die zweite Version des DeCapo Materials (also: DePhazz mit vielen Instrumenten) realisierte.
Es war großartig (nach meinem Schüleraustausch 1990 und dem DePhazz Konzert 2015) mal wieder in dieses wundbare Land zu reisen. Ein kurzer Ausflug in etwas schrägen Zeiten, aber ungeheuer erfüllend (musikalisch wie kulinarisch) und wohltuend! (Quasi der direkte Beweis zu meiner Reiselektüre: Prof. Stefan Kölsch „Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik“).
Für einen stimmigen Drumsound im Konzertsaal habe ich wieder mein leisestes Beckenset, sowie alle vorhandenen Muffins und einen Donut für die Trommeln in den Koffer gepackt und die Stöcke sehr weit vorne angefasst 🙂

Im Flugzeug lief übrigens der fünfzehnminütige Kurzfilm „The Orchestra“ – auch er/es wird gelobt!

PS. während die Band in Tiflis probte hat Mastermind Pit ein neues Album, nämlich DePhazz „The Instrumental Versions“ in den digitalen Hörraum gestellt und es mit #extremelounge ge-tagt:

Blink? Wink!

November 14, 2021

Ich lese gerade ein spannendes Buch – Tipp von Arne – Malcom Gladwells „Blink! Die Macht des Moments“ (Piper 2007).
Es widmet sich der Intuition, dem Bauchgefühl und versucht dem Leser anschaulich das adaptive Unbewusste zu erklären.

Gestern hatte ich mein Drumset gemütlich und gewissenhaft aufgebaut (eh klar, für ne Fernsehaufzeichnung schaut man besser nochmals nach, ob alle Schrauben gut zugedreht sind), Soundcheck gemacht – alles gut. Dennoch habe ich anschließend den hinteren Bühnenbereich nach einer zweiten Fußmaschine gescannt, tatsächlich hinter Bergen von Cases auch eine gefunden und diese sichtbar in den Gang gestellt – einfach so und ohne wirklichen Grund, denn ich habe ein relativ neues, smooth laufendes Tama HP50 Classic Pedal an der Kick. Dass man bei diesem Pedal den Filzkopf wechseln kann, da er einfach von einer schraubbaren Mutter gehalten wird, wusste ich nicht, dass sich auch diese Schraube im Laufe der Touren (und Busgerüttel) selbstständig lösen kann wusste ich ebenfalls nicht, habe es dafür im fünften Stück des Abends erfahren, als sich der Klöppel mitten im energetischen Gitarrensolo verabschiedete. Ich kickte den bloßen Metallstab selbstverständlich weiter gegen die Basstrommel – funktioniert sogar hörbar – und begann um Hilfe zu winken – wusste ja, dass es Ersatz gab 🙂

PS. jede Bassdrum (Geschichte) hat zwei Seiten. Für den makellosen Gegenpart steht das neue Frontfell mit dem GO Motiv des aktuellen Wülker Albums, das mir Volker Träuptmann (Drumsigns) expresshaft und punktgenau nach Leverkusen geliefert hat.

PPS. der Gig war dennoch toll, Kenny Garrett im Anschluß und mit Tama Kollege Ronald Bruner Jr. ebenso!
Lässt sich bestimmt irgendwo auf WDR nachsehen.

PPPS. heute Offday, daheim  🤙

Bus, Begeisterung, Bett

November 13, 2021

Die Tourtage sind lang, meist ähnlich (gemäß der oben genannten 3 B) strukturiert. Viel Gemeinschaft und immer wieder schöne kleine Überraschungen:
Wie beispielsweise die die zufällige Nachtlektüre, die mir die Hotelbibliothek zuspielt. Rilke in Worpswede, Herrndorf in Hannover.

Oder Albins Tech Talk Tipps: X-O Sample-Regal in Milchstraßen-Optik, Samples from Mars, Softube Curve Bender, sowie der Pawnshop Fund (HD25 für 39€) und der Musikbrunnen (wo es noch alte Tama Superstar Trommeln neu zu kaufen gibt!)

Jetzt läuft Miles‘ „Human Nature“ (vom Around the World Album) zur Einstimmung auf die heutigen Leverkusener Jazztage (im Doppelpack mit Kenny Garrett). So lässt’s sich tippen:

>>Und da lagen nun vor den jungen Leuten, die gekommen waren, um sich zu finden, die vielen Rätsel dieses Landes. Die Birkenbäume, die Moorhütten, die Heideflächen, die Menschen, die Abende und die Tage, von denen nicht zwei einander gleich sind, und in denen auch nicht zwei Stunden sind, die man verwechseln könnte.
Und da gingen sie nun daran, diese Rätsel zu lieben.<<
Rainer Maria Rilke, 1902

>>Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt. Der Hausmeister hat in den Ferien die Schlösser an der Halle ausgetauscht, und ein Dutzend 70-Jähriger steigt hinten über den Zaun und marschiert und marschiert durch den halbmetertiefen Schnee auf dem Sportplatz zum Hintereingang, um mit der Begeisterung (und teilweise auch den Fähigkeiten) von Fünfjährigen eine Stunde zu kicken. So hatte ich mir mein Alter auch immer vorgestellt.<<
Wolfgang Herrndorf 27.12.2010

Streuobst

Oktober 10, 2021

Schwäbische Spießigkeit, geschenkt! Ich lieg hier mit leichtem Mundraub vom Hotel-Frühstück und einer original El Hierro Maracuja (die mir Torsten netterweise importiert hat) auf der Streuobstwiese und träume von Amsterdam.
Beziehungsweise tippe mal wieder eine gute Steinfest-Zeile ab:
>>Doch so displiziniert seine Wanderungen […] auch begannen, kippten sie spätestens am Nachmittag ins Chaotische. Paulsen ließ sich dann von seinem Gefühl im wahrsten Sinne ablenken, verlor bald die Übersicht, kam an eine Stelle, die er bereits kannte, unterließ es aber, auf dem Plan nachzusehen und Ordnung in sein Getriebensein zu bringen. Als wollte er der Intuition die gleiche Chance geben wie dem System.<<
Heinrich Steinfest „Amsterdamer Novelle“ (Piper 2021, Seite 29)

War mal wieder ein schöner Stuttgart Kurzurlaub (ein eins a Gig im Bix, eh). Hach!