Archive for the ‘Read!’ Category

„Greift einfach zu Maschinen – oder spielt mit ihnen, dann klappt es auch mit dem richtigen Sound“

Mai 5, 2017

Philipp Rhensius bringt es in der taz-Ankündigung des SYN/CUSSION Festivals auf den Punkt und erklärt damit indirekt, warum die Verbindung von Trommeln und elektronischen Klangerzeugern so perfekt zukunftsweisend funktioniert:

>>Ein Beat ist nie einfach nur ein Beat. Eine Erkenntnis, die angehende SchlagzeugerInnen spätestens dann machen, wenn sie versuchen, einen bestimmten Song oder Track nachzuahmen – und daran verzweifeln. Ist es doch genau der gleiche verdammte Rhythmus, den sie da über Tage, Monate, vielleicht Jahre eingeübt haben.

Das Problem jedoch – und das ist die nächste frustrierende Erfahrung – ist der Klang selbst. Wenn er nicht stimmt, kann der Groove noch so perfekt sein: ein rostiges Akustikschlagzeug in einem alten Proberaum klingt nie so wunderschön wummernd wie die Drums in einem Rap-Song von Devin The Dude oder einem überdrehten, magen­erschütternden Jungle-Track wie „Original Nuttah“ von UK Apache & Shy FX. In Sachen Sound sind Maschinen den Menschen überlegen.

Dass dieselben musikalischen Ereignisse auf dem Notenblatt gleich sind, aber dann ganz anders klingen, hat wahrnehmungspsychologische Gründe. Rhythmen werden nie nur in einer zeitlichen Dimension wahrgenommen, wie findige Musikpsychologen einst herausgefunden haben.

Klänge mit einer ähnlichen Tonhöhe werden vom Gehör automatisch „gruppiert“, während weiter auseinander liegende Klänge als einzeln wahrgenommen werden. Im besagten Jungle-Track etwa addiert das Ohr die Bassmelodie einfach zur Bassdrum hinzu. Das schafft einen völlig anderen Gesamtklang, eine ganz andere Atmosphäre und damit: eine ganz neue Musikwelt.<<

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„Alles hat Einfluss darauf, welche Ideen ich gleich haben werde“

April 26, 2017

Ausgestattet mit zwei vielversprechenden Klavierspielergeschichten – das ZEITmagazin-Interview mit Michael Wollny „Ich tue zu wenig für meine Hände“ (daraus stammt auch die Überschrift) und Julian Barnes‘ Schostakowitsch Roman „Der Lärm der Zeit“ – sowie etwas Wohlklang, wäre ich eigentlich jetzt schon bereit für das lange Wochenende…

Tracklist:
Allan Holdsworth „Kinder“ 1976
Hellmut Hattler „While I Play The Blues“ 2017
Joy Denalane „Was auch immer“ 2002
Camille Bertault „Infant Eyes“ 2016
Studnitzky „Quiet“ 2011
Daymé Arocena „Cómo“ 2017
Bob Sinclair „I Feel For You“ 2000
Siriusmo „Urlaub in Berlin “ 2011
Blowbeat „Saturday“ 1989
Herbert „You Saw It All“ 2001
Echo Park „Fiber Optic“ 2011
Roberta Flack „Back Together Again (feat. Donny Hathaway)“ 1979

Die Musik … fasst mich an, das ist alles

April 21, 2017

>>Während wir warten, frage ich Frau Stolte, was sie damit meint, dass Musik »sie anfasst«.
»Gute Frage!« sagt sie und neigt dabei den Kopf, als wäre sie noch Lehrerin und ich ein Grundschulkind. » Schwer zu sagen, was es ist. Was hörst du denn gerne?
[…DEINE Antwort einsetzen…]
Frau Stolte neigte den Kopf noch weiter. »Dann kennst du vielleicht das Gefühl, dass dich ein Klang anweht wie aus einer anderen, einer höheren Welt. Das kann die Melodie sein, das kann aber auch der Text dazu sein. Wenn beides zusammenkommt, ist es magisch. Ganz ohne Musik geht es aber nicht. Musik muss sein. Wenn Schubert spielt, dann mag ich nicht nur die Musik. Ich habe das Gefühl, dass die Musik auch mich mag und mich alleine meint in diesem Moment, verstehst du? Dann fasst sie mich an. Das ist eine Berührung. Dann bin ich fröhlich und traurig zugleich. Glücklich.«<< (Seite 270) >>Das ist Jeany, sie hat mir den Kopfhörer vom Ohr gehoben und schaut mich besorgt an.
[…]
»Ich weine doch nicht! Ich bin glücklich!«
»Und ob du weinst, ich seh’s doch! Was ist denn los?«
»Die Musik … fasst mich an, das ist alles.«
Es ist, als würde in mir etwas Lebendiges wachsen, direkt hinter dem Gitter der Rippen, leicht oberhalb des Magens. Und ich muss nur auf PLAY drücken, um es zu genießen.<<

Arno Frank „So, und jetzt kommst du“ (Tropen 2017, Seite 276)

PS. Selten hat ein Roman bei mir das Bedürfnis erweckt, den Schreiber dahinter kennenzulernen. Mitreissend & heftig, ein tolles Buch, dessen komprimierte Vorform hier als Dummy-Abenteuergeschichte nachzulesen ist (am besten aber erst im Anschluss an die 352 gedruckten Seiten).

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[Picto by Luis Prado from Noun Project]

Oli trifft…Matteo Scrimali

April 20, 2017

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In der Mai/Juni Ausgabe des „drums & percussion“ Magazins (ab dem 26.04. am Kiosk) gibt es die zweite Folge meiner „Oli Rubow trifft…“ Reihe, diesmal mit dem hochmusikalischen Matteo Scrimali!

lokal?

März 27, 2017

In den letzten Tagen kam – unausgesprochen, dreifach – das Thema Verortung auf.

Im Carsharingauto war DLF eingestellt und so hörte ich den Beitrag „Räume für das denkende Ohr“ über die Zukunft des Konzertsaals. Dabei erfuhr ich, dass der Begriff der „soundhouses“ Francis Bacons berühmtem „Nova Atlantis“ (aus dem Jahre 1627!) entstammt und sie  >>Tummelplätze eines Musizierens [sind], das zwischen Ausführen und Experimentieren noch nicht trennt.<<

Auf der Ableton Webseite wird in einer Nachschau zum letztjährigen Loop-Festival folgender Frage nachgegangen: >>Welche Rolle kann unsere örtliche Umgebung oder Region beim Musikmachen noch spielen, wenn unser soziale Interaktion und Musikrezeption größtenteils online stattfindet?<< Sehr spannend!
Was ist „lokal“? Musikmachen in einer hypervernetzten Welt

Gestern kam es zum exotischen Ausflug (im wörtlichen Sinn), in einem Piper 28 „Archer III“ Leichtflugzeug. Eine postiv-aufwühlende Erfahrung, dem Tauchen nicht unähnlich: anstelle der Sauerstoffflasche und dem Neoprenanzug hat man es beim Sportflugzeug mit einem kleinen Motor und leichter Aluminiumhülle zu tun, aber in beiden Fällen bewegt man sich anschließend – merkbar – in Gefilden, für die der Mensch eigentlich nicht gemacht ist. Sprich: man befindet sich am „falschen Ort“ und dennoch ist es wahnsinnig schön…

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(mit Norbert Saemann und Micha Buchner ÜBER der Firma Meinl)

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März 20, 2017

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Ich bin begeistert: das Teil (1) wiegt inklusive Netzteil gerade mal 444g, nicht wesentlich mehr als das passende Buch das ich gerade lese. Und spart mir dank kleinerer Umstrukturierungen/-bauten das Mitschleppen einer weiteren Kiste (eine meiner Playstations zum Feeden & Muten).
Ich sag mal laut DANKE an Greg Sütterlin aka DJ Rampa und sein Team! (Beziehungsweise an Max für die Erstvorstellung)

Starte jetzt einen ersten Annäherungsversuch  – ist ja nach zwei Langzeitbeziehungen (Line6 DL4 und Boss RE-20) und mehrerer dicker Freundschaften (Diamond Memory Lane, Boss DD-7, Eventide TimeFactor) gar nicht so einfach, zumal ein Resüme lauten müsste: jedes Tap-Echogerät ist so anders und eigen, dass seine Schwächen und Stärken im Kontext entdeckt werden müssen.

In einer ersten Runden verbinde ich also zwei verschiedene Kanäle aus dem Computer (Drums und Stimme) mit Teil1 und höre die beiden Ausgänge an einem Mischpult ab. So lässt sich die Umbau-Wunschliste abhaken und etwas herumspielen:
Ich bin von meiner gewohnten Arbeitsweise mit dem Boss RE20 ausgegangen, einem Stereodelay, das ich gerne als zwei getrennte Mono-Einheiten einsetze:  im linken Kanal dubbe ich mein Schlagzeug, im rechten die Leadvocals, ein anderes Instrument oder meinen Rechner. Wichtig ist also, dass das Gerät die beiden Seiten perfekt trennt, so dass ich auch zwei separate Outpus habe, um sowohl Echodrums als auch die „anderen Dubs“ getrennt zum FOH schicken zu können.
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Im Schlagzeugkontext schicke ich mein Snare bzw. das Effektmikro erst durch eine A/B-Box, die ich mit der Ferse des linken Fusses bediene. Die A/B Box fungiert quasi  als Aux-Send On/Off Schalter. Dadurch kann ich entweder kurze Schnippsel Dub-typisch ins Delay jagen und dort verbiegen, oder ich schaffe Loop ähnliche Layer, indem die A/B Box dauerhaft geöffnet ist. Das wollte ich auch weiterhin so handhaben. Andere Signale (wie Instrumente, Vocals, Zuspielungen) werden aber mittels externem „Momentary Button“ mit der linken Hand ins Echogerät geschickt. Dafür hatte ich bisher eine DIY Box, den SS1 Superswitcher oder den Eventide MixingLink.
Im Teil1 sollte nun der MOM Button ausschließlich auf den rechten Eingang Bezug nehmen. Wenn möglich in grün 🙂
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Anstelle des On/Off Schalters, hätte ich lieber einen ONF Taster, mit dem sich der Output des Geräts (momentary, dadurch auch rhythmisch) muten lässt. Als zusätzliche Eselsbrücke am liebsten in der Farbe rot.
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also:
– INPUT L: immer offen
– INPUT R: offen, wenn Kippschalter links / nur durch MOM Taster zu öffnen, wenn Kippschalter rechts
– Drücken des ONF Tasters schaltet den Ausgang vorübergehend stumm (und die alte Delayfahne kommt ggf. wieder, wenn ONF wieder freigegeben wurde)
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Toll! Alles funktioniert nach Plan und das Delay spielt sich ganz selbstverständlich angenehm – vielleicht, weil die Basis das vertraute Boss DD-7 ist?
Macht auf jeden Fall großen Spaß,
– weil der Tap-Button hervorragend funktioniert, nämlich leichtgängig und präzise.
– weil ich durch die farbliche Trennung, auch im Eifer des Gefechts die Übersicht behalten werde.
– weil sich innerhalb der vier „Zahlenbereiche“ (400, 800, 1600, 3200) durch Umschalten Musik mit verschiedenen Subdivisions machen lässt.
– weil sich im FAST-Modus bei vollem Feedback Töne mit dem TIME-Poti durch den Raum schieben lassen als wäre es ein monophoner Synth
– weil weder MUTE- noch MOM-Button knacksen! Auch der MIX-WET-Schieberegler lässt sich zu Jederzeit geräuschlos bewegen.
– weil der LOOP-Modus wortwörtlich einfach funktioniert. Und deswegen bestimmt auch in meinen Gefilden zum Einsatz kommen wird. (Was bisher noch kein externer Looper geschafft hat…)
Interessant sind auch die beiden Klangwelten ANALOG und DIGITAL, die beide heftige Selbstoszillationen vermeiden.

Jetzt schau ich noch dem Greg zu, wie er sein Teil einsetzt…

und zum Wochenstart gibt’s Morgen dann einen ersten gemeinsamen Ausflug in den Proberaum….

social Media

März 17, 2017

Ah, gecheckt! Social Media funktioniert im besten Wortsinn folgendermaßen:

Beim Schreiben des kommenden Artikels meiner drums & percussion Reihe „Oli trifft…“ geht es an einer Stelle um die Erinnerung an das schwarz-weisse Falco-Tourset von Curt Cress. Um das Bild im Kopf aufzufrischen – es ist ja um die 30 Jahre alt – suche ich im Netz nach Fotos, finde auf die Schnelle aber nur was im eigenen Blog, leider nichts zum damaligen Interview im drums & percussion Magazin. Dafür gibt es ein passendes YouTube Video von der 1986er Tour mit dem gewünschten SW-Set. Scharf ist anders…Und es gibt ein weiteres, etwas älteres Video, deutlich schärfer und  schlagzeugelektronisch interessant, das mich zu diesem Beitrag (Linn ’n Concert) animiert, der wiederum in der folgenden FB-Diskussion ein Post des drums & percussion Titels 1/87 hervorruft. Dass mir Mitch Thompson sein Heftexemplar gleich noch in die Post steckt und es sich auch noch um die Jubiläumsausgabe handelt schließt den Kreis – denn „Oli trifft…Matteo Scrimali“ erscheint ebenfalls in der Feier- (und Messe-) Ausgabe!

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PS. als ich das Heft gestern aus dem Briefkasten holte, hatte ich ein schönes Deja Vu. Und jede einzelne Seite kam mir sehr bekannt vor. Neben der C.C. Story ist auch das Interview mit Sly Dunbar ganz groß (und Blog-relevant: >>…so weist sein Drumset heute neben einer akustischen Snare und den (natürlich akustischen Becken) ausschließlich elektronische Instrumente auf. Da zählt ein Simmons SDS V (mit den alten, harten Pads – „die neuen sind mir zu weich“) ebenso zum Kit wie eine gesampelte „ddrum“ Bassdrum oder eine Drummaschine für die Claps.<<)

PPS. ein paar Informationen ordne ich heute ganz anders ein, denn was ich damals vermutlich überlas, beeindruckt mich jetzt dann doch: zum Beispiel die Info das bei der Falco-Tour eine 8-Spurmaschine mit Backingtracks mitlief (und der Orientierungsclick für Curtie aus den Monitoren hämmerte), oder der „Trick 17“ zum Boss Dr. Rhythm Digital DR-220 (was tatsächlich dann etwas später auch mein erster Drumcomputer werden sollte).

Subjektiv statt steif, prozess- statt ergebnisorientiert

März 14, 2017

Was wie ein guter Ratschlag für die künstlerische Weiterentwicklung klingt, ist Teil einer taz-Überschrift über innovative Hörformate aus den USA. Auch spannend.

Neues entdecken

Februar 26, 2017

Give and take!
Im aktuellen Fall: ich erzähle Helge was für seine Bachelor-Arbeit, er fährt mich nach Hause und sendet Spitzeninspiration per Mail – so viel, dass ich mich nun getrost für die anstehende DePhazz (UA, MOL, BY) Tour hier mal rausziehen kann.

  1. Beginnend mit einem Großkaliber, hier der Instagram-Videobeitrag von ?uestlove, in dem er über die Angst und ihre Bewältigung spricht, ein neues Programm (in diesem Fall: Ableton Live) zu erlernen.
  2. Der Berner Trommler Julian Sartorius (*1981) ist organischer Sammler, Macher, Klang.


    In der halbstündigen Jazzahead Performance erkenne ich ähnliche Leidenschaften (z.B. für den VicFirth 5A Dual Tone), schreib mir aber auch einiges auf (Mini-Vibratoren, Meinl Helix Bowl auf Glockenspiel-Plättchen, Einhand-Harmonium, Wah-Wah-Tube, DIY-Superball Mallet, mehrere Metallophon-Stäbe). Also viel Futter für meine Klangsuchmaschine.
    Und wenn mal wieder Geld reinkommt werde ich mir das Beat-Diary-Box-Set (365 Aufnahmen und Bilder) kaufen:

    Toll auch, dass JS am liebsten mit dem Zug reist (Stichwort „Matrioschka Schlagzeug“), gerne liest, mit Spielregeln spielt, sich Grenzen setzt und Musik mit Bildern verbindet bzw. sich vom Bild inspirieren lässt.

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  3. Zwischendurch schreibe ich mir auf, dass Elektro Guzzi Drummer Bernhard Breuer seine Jomox MBase nicht mit einem klassischen Triggerpickup, sondern mit einem in die Kick gelegeten dynamischen Mikrofon triggert, da: weniger Fehltrigger!), ich lese über das Verbzilla und lande letztlich – interessiert – beim Hold-Reverb von Z.cat.
  4. Jetzt zum in Amsterdam lebenden Österreicher  Gerri Jäger (*1979). Drums und handbediente Elektronik: Alleine…


    … oder im Duo (Knalpot)

  5. Zum bunten Abschluß noch „The Periodic Table of Guitar Effects Pedals“periodic-table-of-fx
    © The Sixty Five

das Hurra

Januar 30, 2017

>>Als Vogel ohne Uhr erkennt man die Tageszeit ja nicht nur am Stand der Sonne und der Farbe des Lichts, sondern man ahnt das »Alter« des Tages. Frühmorgens ist der Tag oft wie ein junger Hund, geradezu blödsinnig vor Lebensfreude und Bewegungslust. Der Nachmittag hingegen verströmt eine beträchtliche Melancholie, etwas Schmerzliches. Der Nachmittag – auch im Sommer, auch im Frühling hat etwas von Herbst. Der Nachmittag ist immer ein fallendes Blatt und zeigt immer eine Verfärbung. Bevor dann der Abend zurückführt zu einer gewissen Ausgelassenheit, die alkoholisch anmutet. Der Abend verfügt über die Schlieren, die sich beim Schwenken eines Weinglases bilden. Der Nachmittag ist der Tod, der Abend das Hurra im Jenseits.<<
Heinrich Steinfest „Das Leben und Sterben der Flugzeuge“ (Piper 2016, S.393f)

Ab sofort wird nachmittags Kuchen genossen, das Hurra noch weiter ausgedehnt!
Und was das »Alter« angeht: ich fühle mich wie eine zeitlose Endlosrille, wie ein »locked groove« auf 45rpm… t-tschaka, t-tschaka, t-tschaka

(Der passenden Soundtrack lässt sich hier auf intoinfinity.org selbst gestalten; mit 276 Acht-Sekunden-Loops zum freien Download).

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…oder, um es mit Serena Williams auszudrücken: Forty Fun!