Archive for the ‘Read!’ Category

to be connected with the rhythm section

Januar 25, 2023

Und so geht Alltag: man will einen kleinen exotischen Schnipsel posten, indem fachfremd gewerkelt wird – in dem Fall: die Saxofon Ikone spricht über Time und setzt sich illustrierend dazu seit langem mal wieder hinters Schlagzeug.

Zack, führt mich YouTube von Michael Brecker zu Jaco bzw. beide zu Joni Mitchell. Ich entdecke mein Lieblingstrack mit Vinnie „Win Win“ Colaiuta, Larry Klein und Michael Landau („You’re so Square„) in einer Live-Version – oh, toll – direkt auch noch einen kompletten Konzertmitschnitt dieser Besetzung.
Und der Tag sollte wieder 27 Stunden haben…

Anyway: nostaligisch, lehrreich und wohltuend war’s dennoch! In den Lektionen von Ian McEwan finde ich den dazu passenden Satz: >>Er liebte das Gefühl, keine Wahl zu haben. Er ließ alles hinter sich. Wunderbar.<<

Ach ja: an der Frankfurter HfMDK beginnt heute das viertägige Jazzfest. Keine Angst, ich komme!!

eine Handvoll

Januar 24, 2023

Viele Fotos besitze ich nicht, dennoch gut, dass die wenigen nicht einem Reduktions-Anfall zum Opfer fielen. So kann ich dieses schicke Polaroid – eindeutig ein Still-Leben mit Playback-Becken und Fotografin (Andrea) – aus dem Sommer 2000 posten, aufgenommen im Backstage eines Viva-Festivals auf dem Stuttgarter Wasen.

>>Bücher aufzuräumen ist nicht einfach. Sie lassen sich schwer wegwerfen. Sie widerstehen. Für die aussortierten, die in einen Secondhandladen wandern würden, stellte er einen Karton hin. Nach einer Stunde enthielt er zwei veraltete Reiseführer. In manchen Büchern steckten Zettel oder Briefe, die gelesen werden mussten, ehe sie zurück ins Regal wanderten; in anderen fand er liebevolle Widmungen. Manche Bände waren alte Bekannte, die man nicht einfach aus dem Regal ziehen konnte, ohne sie aufzu-schlagen und noch einmal zu kosten – einige Zeilen der ersten Seite oder irgendwo aus der Mitte. Bei einer Handvoll handelte es sich um Erstausgaben, die verlangten, bewundert zu werden. Er war kein Sammler – dies waren Geschenke oder Zufallskäufe.<<
(Ian McEwanLektionen„, Seite 165)

Außerdem kann ich noch den Release der Lars Bartkuhn 12″ vermelden, auf deren beiden Seiten „Melancholia“/“Icarus Ascending“ meine Proberaum-Drums zu hören sind. VÖ ist der 27. Januar (hey, Luans Geburtstag!).

Zum niederländischen Rush Hour Label gibt’s auch eine besondere Geschichte, dort fand 2017 im Rahmen des Amsterdamer ADE nämlich nicht nur unser erster Duo-Gig unter der Lars Bartkuhn Flagge statt, aufgrund eines Fußball-Stolperers und Meniskusriss kurz vor Abfahrt wurde die Reise zu einem intensiven Wechselbad verschiedenster Gefühle (Schmerzen, Angst, Vorfreude, tatsächliche Spielfreude, breitbandige Inspiration durch die anderen DJs und Performer).

1, 2, 300

Dezember 22, 2022

Ein Gedanke:
>>Im Vergleich zu all unseren Entwicklungen in der Mechanik könnte ein Werkzeug wie eine Zange einfach scheinen. Ich habe den Geist, der sie erfunden hat, immer bestaunt. Um das Problem, das dieser Erfinder zu bewältigen hatte, zu verstehen, muß man sich den Stand der Mechanik vor Erfindung der Zange vorstellen. Der Gedanke, den Kreuzungspunkt der beiden gekrümmten Arme so zu fixieren, daß die zwei kleineren Stücke vorn sich entgegengesetzt zu den beiden größeren Stücken hinten bewegen und damit die Kraft des Mannes, der sie zusammendrückt, derartig vervielfachen, daß er den Draht durchzuzwicken vermag – dieser
Gedanke kann nur von einem Genie ersonnen worden sein. Gewiß gibt es heutzutage kompliziertere und bessere Werkzeuge, und es mag eine Zeit kommen, in der der Gebrauch der Zange und anderer ähnlicher Werkzeuge entbehrlich wird. Das Werkzeug selber mag außer Gebrauch kommen, aber der Gedanke dahinter kann niemals veralten. Und darin liegt der Unterschied zwischen einem bloßen Stil und einem wirklichen Gedanken.
Ein Gedanke kann niemals vergehen.<<
Arnold Schönberg „Stil und Gedanke“ (1950)

Zwei mal Mouthpercussion:
Moodymann „Your Sweet Lovin“ (2000)

The Specials „Gangsters“ (1979)

Sowie 300 Bucks minimum…wenn sich an die Richtlinie von der Deutschen Jazz Union zur Vergütung von Jazzmusiker*innen gehalten wird!

Viel Schönes also. Es darf geklatscht und getanzt werden.
Dazu ein vertrackter, aber schöner Pat Metheny Clap-Loop („First Circle“)

Danach, ab in den Club:

Perspektive wählen

Dezember 3, 2022

Hey, der Dezember ist gemütlich. Denn entweder liege ich im Bett (lese oder schlafe) oder befinde mich im Schlafsack mit dem Rechner auf dem Schoß (fussballgucken oder was zum neuen Buch tippen). Gut, zwischendurch sitze ich auch mal kurz am Tisch, am liebsten mit der Kombi aus Ingwer und Milchkaffee und einer Zeitung für den Weitblick.

Dort empfiehlt mir beispielsweise Marvin Wenzel das Album von DJ Piper:
>>Welcher HipHop-Fan träumt nicht davon, in eine Zeitmaschine zu steigen und in die neunziger Jahre zu reisen? Den passenden Soundtrack für einen Ausflug in diese goldene Rap-Ära liefert das Album „A Dream in a Dream“.
Auf seinem Debüt erzählt der unter dem Künstlernamen DJ Piper tätige Berliner Produzent Felix Wagner in zwölf Instrumentals die Geschichte eines Jungen, der sich seine Teenager-Träume erfüllt: Er reist um die Welt, schließt Freundschaften, lernt neue Kulturen kennen und verliebt sich.<<

Tilman Baumgärtel macht sich Gedanken zur Archivierung all der Weblogs, die zu Zeiten des Web 2.0 als Vorform der soziale Medien wichtige Nischen besetzten.

Ob das Glas nun halb voll oder leer ist beantwortet Johann Scheerer mit einer zukunftsorientierten Geste. Und Jens Uthoff klärt über das schöne Kunstwort „Freudenfreude“ auf. Endlich ein Ausgleich für die Schadenfreude!

Schließlich tippe ich noch zwei schöne Sätze aus dem „Über Menschen“ Roman ab:

>>Sie weiß noch, wie leicht es war, den Schalter im Kopf umzulegen. Eine kleine Anstrengung, und die Wirklichkeit folgt neuen Gesetzen. Einfach eine neue Perspektive wählen.<<

>>Das Zauberwort heißt »trotzdem«. Trotzdem weitermachen, trotzdem da sein.<<

Schlafen, nett sein und immer wieder Mauern

Dezember 1, 2022

So etwas liest ein Vielschläfer wie ich doch sehr gerne:

>>Dora beneidet die Hündin um ihre Fähigkeit, iederzeit überall einzuschlafen. Manchmal denkt sie, dass Schlafen die wichtigste Fähigkeit von allen ist. Wer nicht schlafen kann, hat schon verloren. Wer es beherrscht, ist in Sicherheit. Was soll einem schon passieren, wenn man sich jeden Abend einfach hinlegt und verschwindet? Wenn jeder Morgen einen frischen neuen Tag serviert?<<

Der Abschnitt stammt aus Juli Zehs Roman „Über Menschen“. Wie auch der folgende, der sich der Berufsbeschreibung des Astronauten widmet (was zu 100% auch auf „Bandmusiker“ zutrifft):

>>Im Radio hat sie gehört, dass Astronauten die nettesten Menschen der Welt seien. Nicht aus Zufall. Auch nicht, weil ihr Job sie dazu macht. Sondern weil sie danach ausgewählt werden. Sie müssen es aushalten, monatelang mit einer Handvoll Kollegen auf engstem Raum zusammengesperrt zu sein. Weltraumquarantäne. Das geht nur, wenn alle Beteiligten echte Nettigkeitsprofis sind.<<

Um ähnlich positiv weiter zu tippen assoziiere ich mit der Ziegelmauer (die im Roman auch eine Rolle spielt) geschützten Raum und Stabilität, erinnere beeindruckende Architektur und Paul Austers Roman“Die Musik des Zufalls“. Sowie typische Fotomotive und nüchterne Club-Atmosphäre.

Aber hey, ob nun neulich in Moldau, 1986 vor der Schorndorfer Manufaktur oder eben auch im Fußball:
ohne Mauer keine Kunst!

rund und

November 13, 2022

Ich habe in der Hochschule mal wieder das schicke „Simmons“ Frontfell aufgezogen. Klare Ansage für den „Fokus Drums Abend„: schick, stromverbunden und irgendwie einen Tick anders.

Anschließend gings für ein ausverkauftes DePhazz Konzert nach Budapest. Ein schöner Abend trotz widrigster Umstände. Denn nach dem ersten Drittel tauchte ein großes Problem auf: das komplette Monitorsystem kam und ging, immer wieder plötzlich krachend, digital verzerrend, laut und unschön, gefolgt von überraschneder Stille, ein krasses, unberechenbares Hin-und Her, bis wir die Leitungen eigenmächtig kappten und einfach komplett ohne Boxen und InEar-Signale weiterspielten. Die Rettung war, dass Bassist Bernd und ich (immer schon) die Computer-Tracks und Clicks intern auf unsere InEar Mixer schicken, dass Ulfs Rhodes von einem Fender Amp verstärkt wird und dass die erste Reihe, sprich Pat, Karl und der aushelfende Oli Leicht am Saxofon sich heldenhaft, dennoch eins a intonierend, am FOH Sound orientierten…

Drumherum: goldner November, Riesenrad, Bauhaus-Anleihen, Wiener Jugenstil und immer wieder guter Kaffee (dank der European Coffee Trip App). Last but not least, ein schöner Abschnitt aus dem SZ-Magazin Interview mit Patti Smith:

>>Angeblich haben Sie ihm gesagt: »Ich habe mich in das Leben meiner Helden eingewickelt.«
Mit Victor Bockris habe ich nur einmal gesprochen, 1972. Danach nie wieder. Vielleicht habe ich das damals wirklich gesagt, als ich 26 war. Heute würde ich eher von Künstlern und Dichtern sprechen oder meinen Freunden statt von Helden. In jedem Fall liebe ich die Arbeit anderer Leute. Ich bin jeden Tag denjenigen sehr dankbar, die Filme machen, Bücher schreiben und großartige Schauspielerinnen und Schauspieler sind, auch Ärzten und Leuten, die Brücken bauen, eine Spüle reparieren oder guten Kaffee kochen. Und ich bin dankbar für meine Arbeit.<<

PS. Das tolle Windkraft-Foto hat Ulf Kleiner auf dem Hinflug gemacht, die Wattewölkchen im Floortom – der wohl schönste mechanische Gate-Effekt – wurden von Oli Leicht geknipst.

Ingwer zum Kaffee

November 9, 2022

Toll, mal wieder für ein paar Tage in Frankfurt zu sein; Familie, Proberaum, taz zum Frühstück… zack hagelt es Perlen.
Beispielsweise die entspannt zügelnde Schwanenfamilie auf der Nidda, die meine nächtliche Radfahrt vom Übungsbunker nach Hause einen kleinen Kilometer lang begleitete, ein Stückchen rohen Ingwer zum (bzw. vor dem Genuss von) Milchkaffee oder die folgenden Abschnitte aus der begeisterten Rückblende zum 59. Berliner Jazzfest:

>>Fünfzehn Per­for­me­r*in­nen mit Feuerlöschern stehen sich im Haus der Berliner Festspiele auf zwei Bühnenpodesten gegenüber. Der 79-jährige Schlagzeuger und Aktionskünstler Sven-Åke Johansson betritt die Bühne und dirigiert diese in den folgenden zehn Minuten durch seine Komposition „MM schäumend – Ouvertüre für 15 Handfeuerlöscher“.<<

>>Es gab eine funkensprühende Performance von der Saxofonistin Matana Roberts und ihrem Ensemble. Die 51-jährige US-Künstlerin schafft es, die afroamerikanische Geschichte und feministisches Empowerment in ihren „Coin Coin“-Suiten so stringent zu verdichten wie niemand sonst. Während ihr Schlagzeuger die Maultrommel spielte, mischte Roberts ihre Tarot-Karten auf der Bühne, um anhand dieser die weitere Dramaturgie des Konzerts festzulegen, bevor sie wieder ins Saxofon blies!<<

Hey und beim Üben bin ich gerade richtig zufrieden, dank eines relativ simplen Hybrid-Settings, das einfach nur Spaß macht:
es lässt sich bewusst steuern, triggert durch seine elektronischen Antworten wiederum neue Ideen!
Die akustische Basis ist simple wie eh und je: Kick, Snare, Hihat und ein, zwei Becken. Dazu gesellen sich ein Snaremikrofon (für die Echodrums) und ein elektronisches Kickpedal:
Der Signalweg sieht dann folgendermaßen aus.
(1) Die Snaredrum wird (via A/B Box) ins Boss RE-20 Delay geschickt von dort weiter durch einen Whammy Pitch-Shifter zum Amp.
(2) Das e-Pedal versetzt ein Vermona Kick Lancet in Schwingungen, die wiederum mittels diverser Potis am Gerät selbst und durch einen Boss EQ gefiltert und gestaltet werden, schließlich mittels Eventide Blackhole Hall veredelt werden können. Dank des EHX Chill Switch Kästchens kann der Synthsound zusätzlich durchs Echo geschickt werden.

Und als ich dann noch den wunderbaren Zusammenklang von 20″ Meinl Thin Crash und Waterfall entdeckte, gab’s in puncto Jubeln kein Halten mehr!


Live zu sehen und hören beim Fokus Drumset Event am 10.11. in der Frankfurter HfMDK.

DIY Oase

November 5, 2022

Wegen eines Wasserschadens, kann die Sauna leider nicht besucht werden, teilte uns die Rezeptionistin im Leverkusener Hotel mit. Gut, dann wird halt im Badezimmer improvisiert. Ich entschied mich für die Abwechslung von sehr heißer Badewanne (nebst am Beckenrand geöffnetem Tigerbalsam-Tiegel fürs typischen Aufguss-Aroma) und klassischem Kneippschen Armbad.
Danach ins Bett, gemütlich lesen und idealerweise die drei Stationen gleich nochmals von vorne durchziehen.
Was für ein wohltuender Energieschub!

Das Badewasser durfte während Soundcheck und Gig abkühlen und diente schließlich bei meiner Rückkehr als „Eistonne“ für den beanspruchten Körper.
Auch toll! Nur habe ich nun nicht mehr unbedingt den Drang, dringend einzuschlafen. Also wird wieder das aktuelle Buch („Kapitalismus und Hautkrankheiten„) bemüht, bis mir ein idealer Einschlafvorschlag – schöne Passage zum gedanklichen Weiterführen oder schwere Augenlider – unterkommt…

Rüssel Rhythmus

November 4, 2022

Als ob der Elefant das Buch von Prof. Stefan Kölsch gelesen hat und sich dazu äußern will:

>>Musik erfordert die einfachste mentale Funktion, die den Menschen gerade eben von Tieren unterscheidet: Menschen können in einer Gruppe einen Takt halten, gemeinsam einen Takt klatschen, schneller oder langsamer, ja sogar gemeinsam schneller werden. Was uns simpel und trivial erscheint, kann keine andere Spezies. Wir können auch gemeinsam tanzen, singen oder Instrumente spielen.<<
(Prof. Stefan Kölsch Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik“ 2019)

Zeitumstellung

Oktober 29, 2022

Beim Konzert im Mannheimer Ella & Louis feierte Fola ihren Geburtstag. Erstaunlicherweise waren danach auch meine Taschen schwerer und voller schöner Sachen. Farbenfroh leuchtet die DePhazz Doppel-Vinyl heraus, igelig entspannend zeichnen sich die 6210 Spitzen der Shakti-Akkupressurmatte ab und aus dem „Raserei“ Roman von Sascha Reh tippe ich diesen Satz ab:

>>Sie nimmt alles, wie es ist. Sie urteilt nicht, es sei denn, sie ist begeistert. Das ist es, was ihn immer wieder an ihr erstaunt, hinreißt, überfordert: dass sie ihre Erlebnisse als Geschenk empfindet und dabei trotzdem nicht zu einer Klischeefigur aus einem Achtsamkeitsratgeber wird.<<

Derart gewappnet darf jetzt gerne auch die Winterzeit kommen…