Archive for the ‘Read!’ Category

walking down

September 21, 2022

Heute, nach einem schönen Mainspaziergang mit Thomas Stieger und Wolfgang Haffner, standen wir plötzlich in der Tür des MOMEM-Museums. Drinnen lief „The Hunter“

Später schnappte ich mir das „Rave“ Buch von Rainald Goetz und schlug es blindlings auf. Erstaunlicherweise passte der Abschnitt von Seite 127 perfekt dazu:
>>Nun gut.
Die anderen sind dann aufgestanden, und an den Pool gekommen, und machen da jetzt bißchen Krach, springen rein, und spritzen rum. Davon bin ich aufgewacht. Ich springe auch ins Wasser, und fühle mich fast völlig nüchtern plötzlich, nur durch dieses bißchen Schlaf am Rand des Pools.
Die Villa gehört den Frankfurtern, die haben uns eingeladen hierher, in die Berge, irgendwo im Nirgendwo auf dieser wunderschönen Insel. Gestern abend, das heißt: heute morgen, nach der Vollmondparty am Strand, nach dem Ende, wann war das?, so um acht etwa oder neun, danach.
Am Schluß hatte Löffel ›Walking Down Madison‹ gespielt, und ›Andromeda‹, immer wieder, immer wieder hat er, weil es die letzte Nummer sein mußte, weil die Barbesitzer schon drohend da standen, und es schließlich geheißen hatte: eine noch, nur EINE Nummer noch – dann also diese eine letzte Nummer endlos verlängert, indem er immer wieder den Tonabnehmer vom Ende nach vorne setzte, das kriegten die Tagchefs gar nicht mit, schon gar nicht bei dieser, endlos sich wiegenden und wogenden Nummer. Wie habe ich ihn da verehrt dafür. Den großen, schweren, bösen Löffel.
Und irgendwann war es dann doch endgültig aus und zuende und Schluß, und ich saß auf diesem kleinen Mäuerchen, neben den Plattenspielern und der Anlage, und schaute beim Abbauen zu, wie der Löffel und Sven ihre Platten in ihre Kisten klopften, das magische Material, wie nebenher geredet und geraucht und dies und das erledigt wurde, perfectly in tune mit all den letzten Stunden dieser Nacht, der Party, den vielen großen Reisen, auf denen viele da gewesen waren, und dieser morgendlichen Stunde jetzt. Wo die Narren abziehen. Und die Herren des Tages und der täglichen Geschäfte zurückkehren und, gut so, wieder die Regentschaft übernehmen.
Wie ich Sven da zum erstenmal sehe, das Sven-Ding verstehe. Wie der so ist. Wie ich schlicht und einfach bezaubert bin sofort, hingerissen. Und wieder finde, finden muß, wie schon so oft: daß die, die gerüchtemäßig und öffentlich als irgendwie toll gelten, es in echt noch tausendmal mehr wirklich SIND: toll. Daß das Gerücht immer stimmt, der Ruf, das sogenannte Image, das öffentliche Bild.
Sven Väth, Maniac Love.
Genau, genau, genau genau genau.<<

auf ein Kaleidoskop von medialen Kanälen

September 20, 2022

Ich lese morgens gern und regelmäßig die taz, aber die heutige Ausgabe hat es mir besonders angetan. Ich wollte schon tippen: eine der spannendsten Ausgaben überhaupt – aber vielleicht hatte ich heute auch nur die Zeit und Muße tiefer einzutauchen als sonst…

Neben schillernd Buntem (die illustre Kirchengemeinde bei der Queen-Trauerfeier, die Stiftung der Patagonia Firma, die deutschen Siedler Bessarabiens), wähle ich für den Blog den Artikel „Social Media essen Diskurs auf“ über das neue Buch bzw. die aktuellen Gedanken von Habermas.
Hier ein paar Teaser:
>>In den alten analogen Zeiten gab es ein Kaleidoskop von medialen Kanälen: Zeitungen, Litfaßsäulen, Möbeleinrichter, Galerien, Illustrierte, Fernsehen, Radio und so weiter. Tausende analoge Influencer kommentierten die Welt über ihren Kanal und versuchten, die Menschen von Ansichten, Trends und Angeboten zu überzeugen. Das ist Habermas’ „Öffentlichkeit“.
Heute gibt es weniger als eine Handvoll digitale Plattformen, deren geheim gehaltene Algorithmen nur ein einziges Ziel verfolgen, nämlich das beschönigend so genannte „Engagement“ der User zu steigern. Das heißt: die Verweildauer und Aktivität auf der jeweiligen Plattform. Aus diesem Grund belohnen die Algorithmen Emotionalisierung, und das bedeutet vor allem negative Emotionen. Denn sie bringen Eskalation.
[…]
US-Netz-Vordenker Jaron Lanier fordert, anstelle des Euphemismus „Engagement“ die Begriffe „Sucht­erzeugung“ und „Verhaltensmanipulation“ zu verwenden.
[…]
Immer schon prägen Technologie und Ökonomie die ­Kul­tur. Die Instagram-Attitude des Ich-bin-so-hübsch-und-doch-so-traurig, die Twitter-­Polarisierung in Wutbürger und Moralapostel, der Realitätsverlust in den Echokammern von Face­book sind allesamt Effekte der Plattformökonomie. Die Technologie formatiert Kultur und Gesellschaft, das hatten schon Friedrich Nietzsche und Marshall McLuhan festgestellt: Nicht nur wir Menschen formen die Maschinen und die Medien, sondern umgekehrt auch sie uns.
[…]
Solange die Aufmerksamkeitsökonomie den Krawall anheizt, wird sich nie ein Diskurs er­geben, in dem nach Habermas der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ herrscht. Genau das ist seine Sorge, wenn er vom „Versiegen“ der „Deliberation“ spricht, der „rationalisierenden Kraft der öffentlichen Auseinandersetzungen“, ohne die die Demokratie nicht auskommt.<<

Für mein weiteres Tagesprogramm ist der Artikel „Weg von einem unterkomplexen Begriff von Nachhaltigkeit“ verantwortlich und wird mich ins Frankfurter Architekturmuseum führen, deren Ausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand“ ein Plädoyer für die Alternative zum Abriss formt.
Passt bestens zum eben beendeten Bauhaus-Roman von Theresia Enzensberger, das Buch mit der lebensfrohen (originalen, nachkolorierten) Fotografie auf dem Deckel:

lot of calls

September 15, 2022

Gestern folgte ich dem „House of Calls“ in die Alte Oper, lauschte und schaute und versuchte all die akustischen und elektronischen Versatzteile den SpielerInnen zuordnen zu zu können.
Es war bunt, ganz schön tight, kurzweilig und inspirierend.
Ein Hoch auf das Ensemble Modern und den Komponisten Heiner Goebbels.
Mein Lieblingsstelle, ein unglaublich poppiger Streicher-Part findet sich im Song „Grain De La Voix: I Nu Stiri„. Auch toll, die Windgeräusche der Waldhörner – pure Luft!

In der taz lese ich erstaunliche Sätze: >>alles Private ist politisch<< (im Zusammenhang des assistierten Suizids von Godard), sowie diese Passagen von Mai Thi Nguyen-Kim:

>>Ich verstehe Wissenschaftsvermittlung lieber als eine Zwiebel. […]Die äußerste Schicht wären Videos auf Instagram oder Tiktok: eine Minute Zeit, ein Bild, sehr oberflächlich, aber breit zugänglich. Im Innersten der Zwiebel ist die originale, wissenschaftliche Veröffentlichung, the real thing sozusagen, aber nur ganz wenigen Leuten zugänglich. Jede Schicht der Zwiebel hat ihre Berechtigung und medial sollte alles vertreten sein. Da ich von Haus aus Wissenschaftlerin bin, ist es mein Ziel, Leute möglichst tief in die Zwiebel hineinzuziehen. Aber natürlich kann ich nicht erwarten, dass jemand sich gleich mühsam zum Kern durchbohrt. Die oberflächlichere Vermittlung ist absolut essenziell, um Menschen überhaupt erst mal zu erreichen und erstes Interesse zu wecken.<<

>>„Unkrautargument“. Was ist das? Ein Argument, das sehr viele emotionale Reaktionen hervorruft, deswegen viel Aufmerksamkeit bekommt und die komplette öffentliche Diskussion überwuchert – sodass man am Ende fast gar nichts mehr sieht. Das Argument bringt uns aber nicht weiter, weil es zum Beispiel eine Debatte aufmacht, die längst geklärt ist.<<

So, jetzt nichts wie weg, zum Yachtklub, dort die Sommersaison des „Temporären Elektronischen Salons“ beenden. (Mit Kabuki und Oliver Leicht, 21h bei freiem Eintritt)


Art of September

September 10, 2022

Ich war gestern zusammen mit Marc Inti im schönen Art of June Studio. Dortige Erkenntnis:
ein Rode NT-1000 fürs Standtom klingt ungemein fett (OK, das alte Superstar 16er liefert aber auch eine hervorragende Grundlage), die schwedischen Milab VM-44 Kondensor-Stäbchen sind eine ernstzunehmende Neumann KM-184 Alternative und sollten mal in Ruhe geprüft werden.
Und im dort ausgelegten Buch „Sound of the Cities“ fand ich im Bristol-Kapitel folgenden Satz:
>>Geht es aber um die Musikgeschichte seiner Heimatstadt, wird er ernst. »Manchmal kommt die beste Musik aus den deprimierendsten Städten. In den 70ern gab es für uns als Teenager absolut nichts. Und weil es nichts gab und es nichts zu tun gab, träumten wir, woanders zu sein. Und wenn man beginnt zu träumen, beginnt man, kreativ zu werden«, sagt [Mark] Stewart.<<

Heute gibt’s den Party-Doppelpack mit dem Kabuki-Ensemble beim Blockparty-Festival (Frankfurt, Gastätte zur Insel, 21h) und anschließend ein Jam mit DJ Michael Rütten (Offenbach, Filmklubb ab 22.30).
Optimale Einstimmung dafür die Soulsearching Radiosendung vom 08.09.2022 – die direkt mit dem Dilla Remix von Brand New Heavies‘ „Sometimes“ in die Vollen geht – inklusive Nadelsprung 🙂

Brand New Heavies + J Dilla + Rütten & Rubow

Am Sonntag um 16 Uhr dann ein Improvisations-Special mit Peter Lehel und Ull Möck in Karlsruhe (KIT Werkstattpalast am Rheinhafen). Beziehungsweise eine Wiederaufnahme des Lubber-Blue-Jazz-Fadens aus dem Jahr 1994/95…. Hurra!

zwei Kopfhörer

September 8, 2022

Zum 92. Geburtstag von Sonny Rollins empfahl mir Oli Leicht das harmonieinstrumentlose „Way Out West“ Album aus dem Jahr 1957 (mit Shelly Manne am Schlagzeug).
Drummers, checkt den Woodblock-Track „I’m an old cowhand“
Und Heinrich Steinfest preist in „Der betrunkene Berg“ das von Evelyne Crochet gespielte Wohltemeperierte Klavier. Vor allem das Präludium zu Nummer 3*.

Und da man diese schöne Musik idealerweise unterm Kopfhörer genießen könnte, komme ich zum Punkt:
Ich möchte zwei meiner alten (nach wie vor funktionstüchtigen) Kopfhörer abgeben. Eigentlich ohne Gegenleistung, doch in diesen Zeiten würde ich um eine Miniaturspende an die Ärzte ohne Grenzen bitten. Abholung in Frankfurt oder Übergabe bei einem Konzert.
Einmal mein treuer Technics RP DJ1200, der mich Anfang der 2000er live unterstützt hatte, bis er durch ein HD-25 Endorsement abgelöst wurde. Offensichtlich schon etwas ramponiert (ein Muschelgelenk hält nur dank Klebeband, der metallene Klinkenstecker rutscht leicht aus der Plastikhalterung).
Und dann noch der UrbanEars „Zinken“ Kopfhörer meiner Frau. Weil das originale Verbindungskabel kaputt ging lag er einige Jahre herum. Geschickterweise hat der Hörer sowohl zwei Stereo-Klinkenbuchsen (3,5mm und 6,3mm), so dass er dank eines symmetrischen Klinkenkabels wieder abspielbereit ist. Lediglich der Kunststoff hat gelitten: die Optik ist rau…

* >>Und doch vernahm er jetzt den wunderbaren Klang dieser Komposition von Bach, die Nummer Drei aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers. Cis-Dur, nicht wahr? Und es stimmte ja, dass er diese gehasste Musik auch geliebt hatte, exakt dieses Stück, und sich schon damals gedacht hatte, dass, wenn er einmal sterben würde, er dann diese eine Musik hören wollte, natürlich nicht in der eigenen, die Finger abbrechenden Interpretation, sondern in der von … eventuell von Evelyne Crochet.
Schon wegen ihres schönen Namens, na ja, und auch des schönen Anschlags. Einfach nur den Anfang des Stücks, das Präludium, immer wieder das Präludium, Präludium, in einer in den Tod führenden Dauerschleife.<< (Seite 218f)

der DJ1200 anno 2000 mit „Marque“ in Köln, Prime Club

Nachlese(n)

September 5, 2022

Eine chinesische Geschichte, die Italo Calvino in einer seiner Harvard Vorlesungen (bzw. im Buch „Sechs Vorschläge für das neue Jahrtausend“ auf Seite 78f) erzählte:
>>Zu den vielen Fähigkeiten von Chuang-T zu gehörte seine Gewandtheit im Zeichnen. Der Kaiser bat ihn, einen Krebs zu zeichnen. Chuang-Tzu sagte, er brauche dafür fünf Jahre Zeit und eine Villa mit zwölf Bediensteten. Nach fünf Jahren war die Zeichnung noch nicht begonnen. »Ich brauche noch weitere fünf Jahren, sagte Chuang-Tzu. Der Kaiser gewährte sie ihm. Nach Ablauf der zehn Jahre nahm Chuang-Tzu die Feder, und in einem Augenblick, mit einer einzigen Handbewegung, zeichnete er einen Krebs, den perfektesten Krebs, den man je gesehen hatte.<<

Von Juli Zeh nehme ich die Erkenntnis mit,
>>dass Schönheit nicht im Extrem, sondern in der Balance zu suchen ist.<<
(„Nullzeit“, 2012)

Schließlich noch ein schöner gedanke aus dem aktuelllen Roman von Heinrich Steinfest („Der betrunkene Berg“ 2022):
>>Warum bloß war ein Verzicht, der einfache Umstand, etwas Bestimmtes nicht zu tun, so schwierig?<<

grün und blau

September 1, 2022

Danke Ulf, für die sonnige Jurmala Erinnerung! Die wurde zum Anlass genommen, direkt nochmals zu verreisen. Im Gepäck: Levi und sein Freund Arthur, „Alles gesagt mit Olafur Eliasson“ und die Dave Grohl Autobiografie („Der Storyteller„).
Wasser ist mein Element. Ferien sind eins a! Gemeinsam Sachen machen = bestes

Die Akkus sind wieder voll (gut so*) und im Nachklang spült die „Best of Foo Fighters“ all meine Dave Grohl Geschichten hoch:
1. Als ich meinen Zivildienst im Oktober 1991 in der Villa Roller antrat wurde mir als erstes berichtet, dass im Vorjahr dem Club ein Nirvana Konzert für 800 Mark angeboten, dieses aber abgelehnt wurde, weil doch schon genug USA Bands für den Herbst gebucht worden waren… (und wer konnte schon wissen, dass genau dieses Trio aus Seattle wenig später mit „Nevermind“ den Punkrock im Mainstream verankern würden?)
2. 2005. DePhazz machte sich auf, um in Odessa, auf der Krim und schließlich das Frequency-Festival zu bespielen. Doch in dieser Rutsche lagen einige ungemütliche Steine…
In Kiew wurde gleich mal der Anschlussflug verpasst, so dass auf (m)einen (ersten) Nachtzug ausgewichen werden musste. So waren wir zwar pünktlich in Odessa, das Konzert im dortigen Ibiza Club jedoch gehört zu meinen schlimmsten Erfahrungen (dank schlechtem Strom gab es multiple Ausfälle: mal mein Monitorpult mit der Orientierungsspur, mal das Audiointerface, gerne auch mal beide). Koktebel wiederum war gut, schließlich auch die Vorfreude auf das große Festival in Österreich groß.
Die anstrengende Anreise sollte mit Publikum und einem Besuch der Foo Fighters Show belohnt werden. Schöne Aussichten, die leider wieder wegen eines Energieproblems ins Wasser fallen sollten: wir spielten keine zwei Minuten, da war kein Ton mehr aus den Boxen zu hören – Abbruch. Notstromaggregat. Neustart – ein paar Takte laute Musik und wieder Stille. Nachdem auch die dritte Runde nicht wirklich länger dauerte, blies die Tourmanangerin zur Abreise. Tausende von Kilometer gereist, um insgesamt vier Minuten zu performen und unverrichteter Dinge direkt abzureisen. Ein ganz schreckliches Gefühl. Und die Foo Fighters konnten ebenfalls nicht bestaunt werden. Oh man!
3. Im anschließenden Urlaub kaufte ich mir in Kuala Lumpur zum Trost meine einzige Foo Fighters CD, „In Your Honor“ als Raubkopie mit Beleg.
4. Auf einer späteren DePhazz Tour wurde mir der tolle Sound City Film zugeschoben, Daves Regiedebut und Liebeserklärung an eine Neve-Konsole.
5. Mit „Netzer“ geben wir gerne unsere Version von „In Bloom“ zum Besten.
6. Der Tod von Taylor Hawkins war ein großer Schock. Am kommenden Wochenende findet das erste von zwei Tribute-Konzerten in London statt. Und der YouTube Channel von MTV überträgt das Konzert ab 17.30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) hier in voller Länge. 

*
10.09.22 „Kabuki“ (Albumrelease) Frankfurt „Gaststätte zur Insel“
10.09.22 „Rütten & Rubow“ Offenbach, Filmklub
11.09.22 „Peter Lehel & Ull Möck“ Karlsruhe, KIT Werkstattpalast am Rheinhafen
15.09.22 „Der Temporäre Elektronische Salon“ Frankfurt, Yachtklub
18.09.22 „DePhazz“ Swinging Hannover, Trammplatz 14.30h
28.09.22 „Nils Wülker“ CH-Basel
29.09.22 „Netzer“ Frankfurt, Lindley Lindenberg
01.-03.10.22 International Drum Meeting Salzgitter
06.10.22 „Hattler“ Ulm, Roxy
07.10.22 „Hattler“ Wangen, Jazzpoint
08.10.22 „Hattler“ Stuttgart, Merlin
11.10.22 „Hattler“ Schwäbisch Hall, Jazzclub
12.10.22 „Hattler“ Glems, Hirsch
13.10.22 „Hattler“ Rüsselsheim, Rind
14.10.22 „Hattler“ Münster, Hot Jazz Club
15.10.22 „Hattler“ Bebra, Lockschuppen
19.10.22. „Hattler“ RO-Iasi
20.10.22 „Hattler“ MD-Chisinau
21.10.22 „Hattler“ RO-Bukarest
26.10.22 „Hattler“ Pforzheim, Osterfeld
27.10.22 „Hattler“ Mannheim, Ella & Louis
28.10.22 „Hattler“ Idstein, Scheuer
29.10.22 „Hattler“ Westhofen, Gut Leben
02.11.22 „Hattler“ Wetzlar, Franzis
03.11.22 „Hattler“ Bonn, Harmonie
04.11.22 „Hattler“ Leverkusen, Scala
05.11.22 „Hattler“ Minden, Jazzclub 
06.11.22 „Hattler“ Kassel, Theaterstübchen
12.11.22 „DePhazz“ HU-Budapest

Neuentdeckungen

August 27, 2022

Irgendwie wieder schon viel los…
toll!
– habe neulich im (eigenen) Bücherreagal einen Architekturführer für Frankfurt und darin das Haus des Buches (ein 1956 von Otto Apel geplantes Gebäude) entdeckt. Zu finden in der Berliner Straße 25.
Direkt gegenüber war am Wochenende auch eine dreitägige peng-Ausstellung. Kompakt und nice!
Und drei Schritte weiter (in der Ziegelgasse 7) das typisch chinesisches Bistro „Jianbing Plus“ – lecker!
– ebenfalls im Regal, Dave Grohls Autobiografie. Gestern lese ich dort die krasse Geschichte des Beinbruchs währende eines Stadion-Gigs in Schweden, heute ein dazu passendes Bob Marley Zitat:
>>One good thing about music: When it hits you, you feel no pain<<
– meine Nichte Alma wurde eingeschult. Hey, großer Tag!
– In den Abbey Roads Studios zu proben ist an sich schon optimal. Dass ich darüberhinaus nebenbei fachkundig angelernt wurde, ein Kabel endlich mal richtig aufwickeln zu können (roadie wrap), fühlt sich doppelt gut an: weil endlich (Material schonende) Ordnung im Kabelkoffer, weil erfolgreiches Lernen einen immer nochmals einen kleinen Zentimeter wachsen lässt.
Ulf hat mich auf die beiden Neustart Kultur Stipendien hingewiesen: einmal Musikfonds (Bewerbung bis 01.09.), einmal Deutscher Musikrat (Bewerbung 01.09. bis 22.09.)
– es gibt tolle neue Drummer-Alben von Magro („II“), JD Beck (DOMi & JD Beck „Not Tight“) und Louis Cole („I am Tight“)
– am Sonntag dann um 19 Uhr: Kamaal Williams auf dem El Barrio Festival in Frankfurt
– eine schicke Momentaufnahme von Oli Leicht aus Jurmala mit der wichtigen Erinnerung: Forschen bringt’s!

blöd
Joey DeFrancesco ist gestorben.

PS. für die Studierenden unter euch: vergleicht mal den obigen Trio-Gig mit diesem aus dem Jahr 1994, den Dennis Chambers trommelt…

Leiter hoch und fliegen

August 22, 2022


Eigentlich kenne ich dieses Reisevergnügen nur aus Steffen Kopetzkys Roman „Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication“ und von unseren DePhazz Tourneen durch die Länder der ehemaligen Sowjetunion – abgespeichert habe ich das Konzept Nachtzug jedenfalls unter Transib, höchst entschleunigt und dennoch abenteuerlich. Dass dieses typische Nightliner-Feel aber auch durchaus familienkompatibel ist, darf ich jetzt freudig abnicken.
Also: gerne weniger Flugzeug, dafür mit der weltbesten Instantkaffeemischung (für die ich jeglichen Siebträger-Weltmeister links liegen lassen würde) vom Schlafwagenschnaffer geweckt werden.
Und geflogen wird im (Hochbett)-Traum oder am Zielort.

Da ich seit Covid, bei den Auslandshows nur noch mit Handgepäck aus dem Haus gehe, wurde auch dieser Ansatz auf den Familienurlaub übertragen. Sprich, zwei federleichte Wochen dank bloßem Tagesrucksack… in welchem selbstverständlich immer noch richtige Schätze neben dem Notwendigen Platz finden: wie Taucherbrille & Schnorchel, ein zufällig aus der alten Bücherkiste im Elternhaus gefischter Roman (Lion Feuchtwanger „Die Jüdin von Toledo“, engdruck, vor 30 Jahren gekauft, nie gelesen) und der inspirierende Podcast-Tipp von Andrea („Alles gesagt“ mit Thomas Zurbuchen).
Ach ja, etwas Musik, einen Drummer-Track, hatte ich auch eingepackt, „Shades“ von Silvan Strauss:

🤙

Schnelligkeit

August 1, 2022

Wie schon angekündigt muss jetzt mal über meine Fila Sprinterhose geschrieben werden, die doch seit Jahren (wie kein anderes meiner Equipment-Schätzchen) verlässlich Aufmerksamkeit erregt, bzw. ein reges Kommentieren bewirkt.

Es ist nun mal so, dass ich kurze Hosen überhaupt nicht mag, tatsächlich bis auf die abgebildete auch keine weitere besitze. Weswegen ich mich durch diverse Wüsten, Dschungels und sonstige Hotspots immer tapfer (nichtmal unwohl) mit langbeinigem Stoff bewegt habe. Der Fila Erwerb passierte erst nachdem ich wieder Lust aufs sommerliche Fußballspiel bekam. Ich erinnerte meine jugendlichen Kleidungstücke, von denen mir die Sprinterhose nach wie vor am besten gefiel und schaute im Ebay direkt nach den damaligen Adidas-Klassikern. Aus welchen Nostalgie- oder Fetischgründen auch immer, sie waren leider sündhaft teuer. Doch der Suchbegriff Racing-Shorts spülte mir auch den italienischen Ladenhüter entgegen, ein nagelneues (hässliches?) Entlein für 9 Euro. Der optimale Preis für einen Schwaben und Shorts-Verneiner.
Dass die Hose dann doch auch hin-und wieder in meinem Alltag aufblitzte schafft die Grundlage dieses Beitrags. Kaum leuchtete meine Körpermitte blau-orange auf wurde der Diskurs entfacht. Es hagelte Kommentare, in der Regel einhelliges Kopfschütteln hinsichtlich einer derartigen Geschmacksverirrung, bis hin zu eindeutigen Verboten der Familien, dieses Monstrum in den Reisekoffer zu packen, geschweige denn bei gemeinsamen Unternehmungen öffentlich zu tragen.
Ich hingegen freundete mich immer mehr mit diesem luftig-leichten Kleidungsstück an: es hat eine kleine Innentasche für Geld und Schlüssel, lässt sich auch als Badehose verwenden und ist erstaunlich robust (diverse Stürze wurde nahezu unbeschadet ignoriert).
2018 kam die Wende. Ich spielte ein paar schöne, sehr heiße Sommerfestivals mit Freundeskreis und erntete plötzlich überschwengliches Lob, gar konkrete Gebote für den Fetzen…
Mit neuem Selbstbewusstsein wurde – zack – auch mal die ein oder andere Sommerveranstaltung getrommelt. In bester Stewart Copeland Manier!
(Ob sich das modisch-stilistische Empfinden tatsächlich alle 35 Jahre ähnelt muss aber noch empirisch nachgeprüft werden.)

Doch zurück zur „Schnelligkeit“. Da dieser Begriff auch einer von Italo Calvinos sechs Vorschlägen ist, gibt es aus diesem klugen Buch noch ein Zitat (das sowohl zu Racing Shorts, als auch zum musikalischen Improvisieren und Interagieren passt):
>>Eine schnelle Schlußfolgerung ist nicht unbedingt besser als eine bedächtige, im Gegenteil; aber sie teilt etwas Besonderes mit, das gerade in ihrer Schnelligkeit liegt.<<

Allright, genug der Worte. Jetzt wird das orangene Leichtgewicht in den Handgepäckbeutel gestopft, denn morgen geht’s für ein paar Tage ans Meer. Freue mich auf den Strand von Jurmala – nach dem Jazzanova-Ausflug zum Plattensee, direkt die nächste riesige Naturbadewanne.


Musikalisch werde ich den Trip durch ein paar Fila Brazillia Klassiker und diverse Mixtapes von DJ Amir umrahmen. (Sein Set in Zamardi hat mir total gut gefallen, wie auch sein Engagement hinsichtlich der Wiederbelebung des Strata Backkatalogs.)