Archive for the ‘Read!’ Category

Klopfgeräusche & Schwingungen

November 30, 2020

Wachte neulich nachts auf und hörte ein schnelles Ticken. Hörte sich nach mechanischer Uhr an, doch im Schlafzimmer gab es keinen Zeitmesser. Ich ging in die Studiobesenkammer, um das alte TAMA Metronom zu überprüfen – es war wie zu erwarten stumm – hörte an der Küchenuhr, deren Quarzwerk aber nur für 60 Schläge in der Minute sorgt. OK, dann muss es wohl die Armbanduhr sein, denn ihr Groove passt zum Geräusch, Zweiundreißigstel im Tempo 60, sprich achtmal so schnell wie der Sony-Wecker, oder im Uhrmachersprech: 28.800 A/h. Zwar lag die Uhr zwei Zimmer entfernt, aber vielleicht wurde ihr Ticken via Holzregal und -boden durch die Wohnung geleitet?
Zwei Nächte später hörte ich erneut den Schlafzimmerrhythmus, die Armbanduhr war jedoch mittlerweile stehen geblieben…
Ein großes Rätsel, das letztlich dank top Kinderohren gelöst wurde: Levi identifizierte das 5V Ladegerät als Impulsgeber! Verrückt, zumal der USB-Charger bei genauer Überprüfung mit fünf Schlägen pro Sekunde (Quintolen bei 60bpm) rattert.
Und ich dachte immer: 50Hz sind 50 Schwingungen pro Sekunde und bei Problemen brummt’s?

Eine andere Geschichte zu Klopfgeräuschen gibt es heute in der taz zu lesen: >>Zwischen dem Klackern der S-Bahnschienen hört er ein leises Hämmern: Ein „Mauerspecht“ macht sich an den Resten zu schaffen, um ein kleines Stück Weltgeschichte mit nach Hause zu nehmen. „Den Klopfgeräuschen bin ich immer nachgegangen“, sagt [Franz] John, der heute als Medien- und Konzeptkünstler in Berlin arbeitet. 1990 machte er sich mit seinem Fahrrad auf den Weg, die Berliner Grenzanlagen kurz vor dem Abriss aus ihrem Inneren zu dokumentieren.<<

Katzenjammer

November 29, 2020

Von Winterkunst zu Design: meine lieblings Karlssonwilker haben sich mit Katzen – endlich mal Katzen hier! – ablichten lassen.
Was für ein tolles Bandfoto.

Und weil erster erster Advent ist, gibt’s obendrein ein paar Echodrums-Dekosterne (auf einem von Soundgas entkernten Roland Space Echo Gehäuse):

PS. Damit sich der Kreis bzw. Adventskranz formschön schließt zitiere ich aus dem Echodrums Buch: >>Eine Klang-Katze die sich in den eigenen Schwanz beißt und selbst füttert, nennt man auch Spin Echo, ihr Sound-Resultat nur manchmal: Katzenjammer… <<

PPS. Vermutlich, weil ich mich leidenschaftlich viel mit Strom und dem Schlagzeug beschäftige, wurde ich auch dieses Jahr wieder bei den 2020 digitalDrummer Readers‘ Choice Awards in der Kategorie „E-drummer of the Year“ nominiert.

Viola Smith

Oktober 27, 2020

>>Nette Anekdote am Rande, die ich gerade von Angela Smith gelesen hab, die Autorin des Buches „Women Drummers“, welches ich auch daheim hab: Viola hatte das Buch in den letzen Tagen vor ihrem Ableben immer bei sich und die Leute um sie gebeten, ihr daraus vorzulesen, weil sie schon zu schwach war, es selbst zu lesen.<< drummerforum.de

>>Eine Ikone für weibliche Drummer, eine Legende! 
Sie war nicht nur eine der ersten professionellen Schlagzeugerinnen, sondern vermutlich auch eine der ältesten – am 29.11. dieses Jahr wäre sie stolze 108 (einhundertacht!) Jahre alt geworden, hat über 80 Jahre lang Schlagzeug gespielt und zumindest voriges Jahr immer noch ab und zu in 2 (lokalen) Bands in Costa Mesa getrommelt, bezeichnenderweise hieß eine davon „Forever young Band“. 
Früher war sie auch bekannt als „America‘s fastest girl drummer“.
Vor zwei Tagen ist sie friedlich eingeschlafen.
Im übrigens war sie die langjährigste Zildjian Endorserin (nicht nur unter den Endorserinnen, es gibt auch keine männlichen Endorser, die schon länger Zildjian endorsen).<< drummerforum.de

Warten auf Godot?

Oktober 26, 2020

Egal, ob Theater, Pandemie oder moderner Design-Ansatz,

ich hätte zwei schöne Schlagzeug-freie (aktuelle) Alben, die sich hervorragend eigenen, um dazu zu spielen, um erweitert zu werden…
Lionel Loueke „HH“
Martin Wind „White Noise“

Zudem noch – als potentielle Inspirationsquelle – die Duo-Platte von Dino Saluzzi und Jon Christensen (ECM, 2005)

Effekt-Trommelei aus der Steinzeit

Oktober 17, 2020

Schon die frühsten RhythmusmacherInnen spielten offenbar lieber mit effektiertem Sound, wie ich eben auf Seite 95 in Mickey Harts „magischer Trommel“ erfahre:

>>[Joseph] Campbell nahm an, daß die Höhle bei religiösen Zeremonien selbst als eine Art Trommel fungierte. Er glaubte, daß die frühen Perkussionisten an einem bestimmten Punkt des Rituals an die Stalaktiten schlugen und so ein dröhnendes Boooong hervorriefen, das sich an den Felswänden brach und effektvoll verzerrt wurde. […]
Joe erzählte mir, er habe diese Hypothese bei einem seiner Besuche in den frühsteinzeitlichen Höhlen Europas überprüft und die Wirkung überzeugend gefunden. Ein archäologischer Fund in Südrussland unterstützt Joes Theorie, daß die Höhle selbst als Resonanzkörper benutzt wurde.<<

Auch auf Seite 96 lese ich etwas Schönes – mittlerweile blättere ich durch die Ausgabe 6/2020 des drums & percussion Magazins – nämlich die sehr gute Rezension meines ECHODRUMS Buchs von Brigitte Volkerts, die folgendermaßen schließt:
>>Man darf sich vom handlichen Format des Büchleins nicht täuschen lassen. Es steckt eine Riesenmenge Menge an Material drin. Sehr inspirierend!<<
Danke, danke!

internationales Lüftchen

September 30, 2020

Ich bin ein Instagram-Kauz: schreibe konsequent auf deutsch (weil für mich authentisch), kümmere mich nicht um die Möglichkeiten und Aktionen zur Steigerung der Gefolgschaft und dümple deswegen mit meinen 1600 Followern eher im Moosbereich des Bilderwalds herum. Umso mehr erfreuen mich dann die Daumen und Herzen aus dem Ausland: letzte Woche gab es Schulterklopfen von Bugge Wesseltoft, Zoot Woman und Groove Armada (allesamt Künstler, auf die ich wirklich stehe), heute der Hinweis auf eine Buchankündigung im „digitalDrummer“ Mag.
Hey, ein auf deutsch verfasstes Fachbuch in Australien – geht doch eigentlich nur bei Mode oder Kunst?!
Und so weht kurzerhand ein internationales Lüftchen aus meinem Laptop! Zwar nur ein sozialmediales Strohfeuer, dennoch wärmend.

Regenerate

September 27, 2020

Da die Konzerte nach wie vor rar und in löchrigem Abstand zueinander gesäht sind, könnte man am Spielort durchaus länger verweilen, ihm über’s Musikvergnügen hinaus noch urlaubsähnliche Qualitäten abgewinnen. Früher anreisen ging natürlich auch.
Hätte ich also gewusst, dass auch Bayreuth am Main liegt (mit Erdkunde und Orientierung habe ich’s leider, leider nicht so), wäre eine Anreise per Boot theoretisch möglich gewesen. Halt etwas zeitiger los…
OK, die Zugfahrt stellte mit knapp fünf Stunden auch gut Zeit zum Rausschauen und Lesen. Eins a Marcel Beyer Geschichten, Instagram-Beiträge von kreativen Trommlern (wie zum Beispiel dem Bremer Trommelwerker Max Gebhardt) oder die Wochenend-taz mit tollem Bildband-Tipp („Übermorgen Schnee“ von Sonja Trabandt) und den angenehm anstoßenden Gedanken von Philosoph Markus Gabriel.
Beispielsweise die Erklärung seiner Angst vor Twitter und Konsorten:

>>taz: Die Simulation der Handlung hat die Handlung ersetzt, der Moralausstoß ist wie ein kleiner Rülpser, nach dem man selbst sich besser fühlt, sich in der Wirklichkeit aber nichts geändert hat.
MG: Das ist das Problem.
Die Lösung ist: Erstmal Reduktion der Simulation von Wirklichkeit. Wobei die Simulation natürlich auch eine Wirklichkeit ist, aber nur eine zweiter Stufe. Jede Minute, die ich nicht in der Basiswirklichkeit etwas tue, sondern glaube, mich auf Twitter zu erregen, bin ich Algorithmen ausgesetzt und produziere etwas für amerikanische Unternehmen. Mal abgesehen davon, dass die Server ordentlich zur Erderwärmung beitragen. Wer sich online erregt, glaubt gerne, er täte das Gute, indem er sich über das Nichtgute beschwert, wobei man dann schon etwas Nichtgutes tut, indem man zur Erderwärmung beiträgt und außerdem vollständig transparent und beobachtbar für die eigentlichen Gegner des Guten ist. Dagegen setze ich auf eine neue Aufklärung, die in wirklichen Institutionen wirksam wird.<<

Letztlich bin ich weder per Schiff nach Bayreuth gereist, noch länger geblieben.
Aber ich komme wieder! Habe schon jede Menge Tipps (top Badestellen, das beste Bier der Welt) und spiele auch gerne wieder fürs herzlich kuratierte Jazzforum.

Dass ich sogar ein Päckchen Spaghetti bei meinem Kurztrip dabei gehabt hatte, war ein Versehen (das die Idee des Verweilens jedoch eindeutig unterstützte).

Ach ja, Muße und Zeit, Neues zu hören, gab’s selbstverständlich auch: Mister Barrington (mit Zach Danziger) hat ein neues (Motto?) Album veröffentlicht: „Regenerate“

Putins Briefkasten oder von der Kindheit lernen

September 19, 2020

Unter Andreas schicker neuer (alter) Staff-Leuchte lese ich „Putins Briefkasten“ und schreibe direkt zwei tolle Gedankengänge von Marcel Beyer ab:
Seite 27f
>>Soweit ich weiß, spielen alle Kinder, egal in welcher Kultur, in welcher Sprachumgebung sie aufwachsen, in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung ein Spiel, das man im Deutschen ›Fort – Da‹ nennt. Die unbändige, manchen Erwachsenen unverständliche Freude eines Kleinkindes, das noch nicht sprechen kann, wenn es einen geliebten Gegenstand fortwirft, aus seinem Gesichtskreis verschwinden läßt, um ihn sogleich wieder aus der Tiefe der Welt zurückzuholen. ›Fort – Da‹: Ich übe Macht über Dinge und Menschen aus, ich greife in die Welt der Dinge ein, lasse Gegenstände vom Erdboden verschwinden und zaubere sie zurück, ich lote den Weltraum aus.
Später, wenn das Kind zu sprechen beginnt, braucht es nicht mehr mit Gegenständen zu werfen, es lernt die Macht der Sprache kennen, mit deren Hilfe es wirkliche Menschen herbeirufen und unwirkliche Gegenstände in der Imagination aufrufen kann.
›Fort – Da‹: ein Bild für den Wechsel zwischen Abwesenheit und Anwesenheit, wie man es im Deutschen nicht knapper fassen könnte. Aber hier verbirgt sich auch ein fremdsprachiges Wort: »Da« – das große, die gesamte Welt umspannende »Ja«.

Seite 32
>>… ein Taumel, der einige Ähnlichkeit mit jenem aus der Kindheit bekannten Gefühl hat, wie man es sich verschafft, wenn man auf einer Schaukel sitzt. Etwas in der Magengegend, schwer zu beschreiben, und, für das Kind, auch etwas, das keine Worte braucht. Damals, könnte man sagen, habe ich die Zeit entdeckt. Man weiß nicht recht, ist man erregt, wird einem übel. Da man sich in den Himmel schwingen lässt, weiß man mit Sicherheit nur: In meinem Rücken liegt die Erde, dahin kehre ich zurück. Die eigene Kraft im Wechselspiel mit den Kräften der Gravitation, man spürt, ich habe die Macht, mich selber in eine Zeitschwingung zu versetzen, jetzt bin ich oben, jetzt bin ich unten, und jetzt wieder oben. Eine unendliche Abfolge von ›Jetzt‹, die man vielleicht nur darum erträgt, weil die Dimension des Raumes unangetastet bleibt.<<

Nur so am Rande: Die von mir bold hervorgehobenen Textstellen passen übrigens hervorragend zum Thema „Echodrums“…

Change things, but make it right

September 14, 2020

Das die Zugfahrt von Frankfurt in die Heimat derzeit doppelt so lange braucht, hat auch eine gute Seite: nämlich gemütlich lesen und hören zu können.
Und so bekam ich am Wochenende dank des 87er Modern Drummer Interviews Einsicht in die elektronische Welt von John Robinson (>>triggering a Yamaha electronic setup as well as a couple of Simmons brains, an SP-12,  and various effects racks<<), sowie seine Maxime beim Covern:
>>Every time I did a Top 40 gig, my rule of thumb was, “Change things, but make it right.”<<

Joo Kraus hingegen erinnerte mich ans Chuck Mangione Album „Tarantella“ mit dem Gadd-Classic „XIst Commandment“ das ich nur aus dem Steve Gadd Book von Hans Fagt kannte:

Von Axel Mikolajzcak hatte ich noch ein tolle Liste zu Steve Ferrone und Robbie McIntosh, aus Besprechungen im aktuellen Jazz Thing reizte mich die neue Platte von Bebel Gilberto (wieder mal mit einem Elektronik afinen Keyboarder/Produzenten, Thomas Bartlett), sowie das Duo Album von Nils Petter Molvaer und Mino Cinelu („SulaMadiana„).

PS. die Beitragsüberschrift passt auch bestens zur Kastellsommer-Veranstaltungsreihe in Stuttgart – der Grund meiner Reise. Denn mit dem Vorplatz der Phoenixhalle (des Römerkastells) wurde seit Anfang Juli ein (neuer Kultur-) Platz gefunden und intensiv bespielt – trotz Corona, viel (und unterschiedlichste) Musik, Theater, Kino.

Hier zwei schöne Erinnerungen von Re Heller:

üben, Brote rösten, Fußballdenke

September 7, 2020

Wochenstart & Frühstück. >>Dazu gab es Scheiben von knusprig angebratenem Brot, das beim Hineinbeißen so ein Geräusch machte, als breche jemand durch einen Bühnenboden ins echte Leben.<<
Sowie zwei weitere Gedankenanstöße aus Heinrich Steinfests „Chauffeur„:
In einer Welt der Schwerkraft ist alles eine Frage der Balance
Die Schönheit der Überlappung… 


Beim anschließenden Socialmedia-Rundgang drängte sich mir dann folgende Erkenntnis auf:

Wow, allenortes wird fleißig geübt, perfektioniert, selbstoptimiert. Klasse! Denn je größer das Vokabular, desto vielfältiger kannst Du erzählen.

Weil mir jedoch das disziplinierte und langwierige Üben eher schwerfällt, kann ich von der anderen Abteilung schwärmen, die mich ungemein inspiriert, mir neuen Stoff (zum Erzählen), andere Zusammenhänge, vor allem eine erweiterte Sichtweise offenbart: die Kunst im Allgemeinen (Bücher, Museen, Tonträger, Bauwerke) und das Leben selbst.
Deswegen mein kleiner Tipp, den man im Fußball vielleicht unter der Rubrik „Übersicht“ einordnen könnte:
Verorte in Deinem Übungsplan nicht nur die Zeit am Instrument…

Und so winke ich jetzt mal rüber zur Paul Hindemith Anlage und denke an Kraftwerk!