Archive for the ‘Read!’ Category

Strahlkräfte

Januar 20, 2019

Was Schönes, das Schönste, eine Seuche und darauf dann unbedingt nochmal was Schönes – zur Einstimmung auf den Supermond:

(1) >>Das Schöne an einem Facebook-Post ist, dass er etwas Belanglosem gerade die Strahlkraft verleihen kann, die es nicht verdient.<<
[…]
(2) >>Was zum Schönsten gehört: die Selbstverständlichkeit, mit der man sich über das wundert, was man liebt. Oder auch: die Kroketten, die es bei meinen Kindheitsfreunden stets zum Abendessen gab. Erkennen, dass deine Freunde und du sich unterscheiden: anders geformte Nagelbetten, andere Ellenbogen, Ohrläppchen, nicht einmal der Haargummiknick im geöffneten Haar ist ein ähnlicher.<<
aus Enis Maci „Eiscafé Europa“ Seite 49

(3) Der Kommentar „Die Seuche des Nationalismus“ von Klaus Hillenbrand zum griechisch-mazedonischen Namensstreit.

(4) August Greene „Let Go“ (mit Drummer Karriem Riggins)

(Diesen Song habe ich übrigens auf Uwe Breunigs Spotify Playlist zum Thema „Groove, Phrasierung und Inbetween Feel“ entdeckt).

Ich sammle popkulturelle Schätze

Januar 14, 2019

>>Ich sammle popkulturelle Schätze. Wenn ich ins Studio gehe, stehen da nicht nur alte Orgeln und ein Schlagzeug, sondern auch Schallplatten. An der Wand hängen Bilder, die ich auf Flohmärkten gefunden habe. Das Bücherregal ist voll mit Werken zu den abseitigsten Popfiguren. Durch diese Materialfülle löst sich dann das Referenzmoment auf und wird zur amorphen Masse. Ich war in der Jugend Mod, das Geschmackvolle bedeutet mir noch was. Bestimmte analoge Aufnahmetechniken sind mir wichtig. Lieber eine Flöte spielen, als eine Midi-Flöte zu benutzen. Es geht ja immer darum, was geschieht, wenn ein Ton physisch erzeugt und durch ein Mikrofon aufgenommen wird. Das gefällt mir besser, als wenn er am Bildschirm berechnet wird.<<

Ich genieße das taz Interview mit Carsten Meyer aka Erobique, erinnere mich an ein gemeinsame spontane Trio-Session mit Hans Nieswandt (vor 14 Jahren in der Muna…) und höre dazu „Urlaub in Italien“.

Und mit Erobiques Einstellung „from nothing to something“ starte ich in die Woche!

Neujahr

Januar 14, 2019

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>>Das Echo verwandelt seine Stimme in ein fremdes Wesen.<<

>>Es tut gut zu schreien, und das Echo macht sogar ein bisschen Spaß.<<

Juli Zeh „Neujahr“, Seite 171

„War nur kurz im Koma, Text kommt!“

Januar 10, 2019

Das war ein sehr schöner Konzert-Jahreseinstieg gestern. Duo-Impro mit Lars Bartkuhn. In Aalen. Mit viel Schnee und sonstigem Drum und dran…
Klar, dass bei so viel „Weiss“ auch die Bahnen gemütlicher unterwegs sind, aber darauf war ich irgendwie instinktiv vorbereitet. Und so konnte ich auf der Rückfahrt schön lesen und gemütlich das Kabel meines HD-25 wechseln.

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Als heutige Highlights möchte ich die Thomas Glavinic Ausreden und die beiden CD-Besprechungen von Fatma Aydemir und Marcus Staiger aus dem allerletzten gedruckten SPEX Magazin aufs Podest stellen. Eiscafé eh immer ganz vorne. Und auf den Ohren lief dann  (ohne Wackel-Stereo) John Scofields „Works for me“.
Was ich alles mit den neuen alten Signaturschablonen besprühen werde, überlege ich dann morgen…

THE BRITISH PRESS WANTS YOU!!

Januar 7, 2019

Ich muss gestehen: trotz bester Ferienstimmung fehlt’s mir an Zeit.
Erst die dreistündige DLF Sendung über das Schlagzeug, jetzt noch die Basic Channel Story
Egal muss – sein – denn der Einfluss von Mark Ernestus und Moritz von Oswald ist massiv, auf mich: prägend! Und wenn die Dubtechno-Erfinder in der taz leidenschaftlich als „See aus Rhythmus und Sound“ beschrieben werden und das große Portrait-Gespräch im RA mit diesem Fax von Mad Mike beginnt, müssen die anderen Sachen halt warten.

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>…and then I realised the sequence is the thing of the track. Forget all drums.<<
René Löwe aka Vainqueur

Deutschlandfunks „Lange Nacht über das Schlagzeug“

Januar 7, 2019

>>Vom Herzschlag zum Schlagzeug – dieser Sprung liegt nicht allzu fern, denn rhythmisierte Schläge sind untrennbar mit der Entstehung des Lebens verbunden. Herz- und Pulsschlag markieren den Urrhythmus allen tierischen und menschlichen Lebens. Auch Pflanzen sind in ihrem Wachstum, ihrer Existenz, bestimmten Zyklen und Rhythmen unterworfen. Und sie sind keineswegs lautlos…<<
So beginnt Egbert Hillers „Lange Nacht über das Schlagzeug

Die fast dreistündige Sendung des Deutschlandfunks ist hier noch bis zum 13. 1. les-, anhör-und downdloadbar.

Ferien auf Ebeatsa

Januar 6, 2019

Der kalifornische Intellektuelle Hans Ulrich Gumbrecht formt im Trump-Gespräch ein einige tolle Gedanken, vor allem folgenden zwei, die sich dank minimaler Kürzung auch zur persönlichen Überprüfung eignen:

>>Man sollte sich nicht in eine Überzeugung von Trumps Unschlagbarkeit hineinsteigern – sonst wird sie zu einer jener Prophezeiungen, die ihr eigenes Wirklichwerden befördern.<<

>>Die Politik im Zeitalter von Twitter spielt sich zwischen subjektiven Impulsen und der Sehnsucht nach kollektiver Resonanzverstärkung ab. Vielleicht ist es ein Symptom dieser Zeit, keine langfristigen Perspektiven mehr zu haben.<<

-> OK: ich muss/will wieder ein Buch schreiben!


Andererseits sind ja gerade Ferien – Hurra! Sprich: sich treiben lassen, hier was lesen, da was hören, steht weit vor einem „das sollte gemacht werden“.

Also schaue ich mir die beiden Kurzfilme der französischen Cousins Guillaume und Jonathan Alric (aka The Blaze) an und mogle mich danach wieder in Das Leben des Vernon Subutex 3 rein.

Habe heute ansonsten verschiedenste Tipps und Shazam-Schnippsel vertieft – Tracks auf japanisch, lettisch, italienisch, brasilianisch (mit Jeff Pocaro – von Stephan Emigs liebstem Sergio Mendes Album) und schließlich noch „Miles Davis Quintet Freedom Jazz Dance: The Bootleg Series, Vol. 5“ – quasi Hörspiel mit Lerneffekt (wie Tony Williams Blakey-Triolen und Elvin-Triolen anbietet)…

Und dann gibt es ja noch das Forschungsprojekt: Beats without Cymbals
Mittlerweile habe ich zwei Vintage Superstar Floortoms (16″x16″ und 16″x16 Gongtom mit 18″ Fell) „aus dem Keller geholt und den Coron RDS durch das Bassmonster Jomox M-Base11 ersetzt.

eine Art Neujahrs-Bleigießen

Januar 1, 2019

Einer meiner Vorsätze für 2019: weniger Zeit mit den sozialen Medien verschwenden.
Und als ich mich prompt beim morgentlichen Facebook-Besuch ertappte, schwärzte ich zack den Handy-Screen und fischte anstelle der beleuchteten Schrift ein Buch aus dem Regal, es war „Last Night a DJ saved my life“  von Bill Brewster und Frank Broughton.
Ob dieser Zug unbewusster Weise dem hilfeversprechenden Titel des Werks entsprungen ist oder durch den zuletzt gelesenen FB-Eintrag, einer eleganten Miniaturgeschichte von Hans Nieswandt, motiviert wurde – no idea!).

Jedenfalls habe ich den DJ-Wälzer blind dreimal aufgeschlagen und tatsächlich auf allen Doppelseiten teilwürdige Musikgeschichts-Schnippsel gefunden, die sich zudem über die gemeinsame Klammer „elektronische Rhythmusmaschine“ perfekt im Blog ablegen lassen.

(1) Grandmasterflash und  der Vox V829 Percussion King (->)
(2) 20$ für die Beatprogrammierung eines Welthits und Genre-Startschusses*
(3) ‚Fairley’s Foot‘ – Tracks für den Dancefloor pimpen**

Übrigens, wer sich noch im Bleigieß-Deutungs-Modus befindet, kann bestimmt jede Anekdote für sich ins Heute übertragen.

Hey, und da mir solche Zufallsspielchen ganz gut gefallen, habe ich mir anschließend gleich überlegt, mit welchem Tonträger sich auf dem CD-Player ein (naja, mittel einfallsreiches) 2019 schreiben lässt.
Letztlich funktionierte das Vorhaben mit des Prinzen „Lovesexy“ Album, welches bekanntermaßen ohne separate Track IDs für die einzelnen Songs- DJ alike – am Stück durchläuft. Bei 20 Minuten und 19 Sekunden erklingt dann der Song „Anna Stesia„.

a. yeah! b. habe ich ewig nicht mehr gehört, bzw. c. überhaupt nicht mehr auf dem Schirm (weil ja früher immer direkt zu „Dance On“ (der Nummer danach) gespult wurde…)

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* PS: Der Name des Programmieres, an den Arthur Baker sich damals nicht mehr erinnern konnte: Jay Dorfmann

**PPS: Eine der Platten von  Farley Jackmaster Flex heisst „Funkin with the Drums“ (wäre auch ein gutes Motto für 2019) und ist (fast) ein komplettes Drumcomputer-Solo-Werk…

Crashing Ninja Style oder gar nicht!

Dezember 29, 2018

Hätte schon mal zwei (Proberaum-) Wünsche für 2019:
Mal die Becken hinter mir aufstellen, so wie es Jonathan „Sugarfoot“ Moffett (bei 1.26′) macht, um dann Ninja-gleich die „eins“ zu markieren!

Und: neue Felle aufziehen (schon gemacht) und dann mal eine weile Becken-freie Grooves entwickeln.

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Ideengeber dafür sind zum einen all die Trommler, die in den 1980er Jahren ihr nagelneues Drumsynthmodul verkabelt ausgepackt haben (die ja bis auf wenige Ausnahmen ohne Cymbal-Channels ausgelegt waren), zum anderen das aktuelle Sticks (01-02-2019) Interview von Pat Fa, in dem der Rea Garvey Drummer folgendes erzählt:

>>Dann bin ich zu Aufnahmen zur Rea-Platte „Pride“ nach Island geflogen und der Producer im „Sundlaughin Studio“ wollte, dass ich die Tracks ohne Becken spiele, damit er die Raummikros aufreißen kann.<< […] Bei den Overdubs benutzten wir zum Vergleich Paiste sowie auch Cymbals verschiedener anderer Hersteller und konnten in der Regie die Becken-Sounds parallel checken. In diesem Studio klangen die Paiste Cymbals einfach am geilsten. Das fand ich sehr interessant, denn sie klangen nicht am geilsten im Studioraum am Set. Dabei fand ich die Auffassungsgabe des Producers inspirierend als er sagte: „Mics hear!“ bei uns in Deutschland sagt man ja immer Mikrofone zeichnen auf. Aber die Amis gehen von der Hörcharakteristik eines Mikrofons aus.<<

PS. Hier noch meine Spotify-Liste mit Drumgrooves die (fast) ohne Hihats oder Becken auskommen. Nicht ganz so streng und mit anderen schönen Beispielen bestückt ist der Artikel „How To Groove Without Cymbals With These 42 Examples„. Ansonsten fällt mir noch ein, dass Keith Moon, Brian Chippendale (Lightning Bolt) und  der Jazzdrummer Leon Parker auch öfters mal ohne Hihat auskamen/kommen.

Regenschirm für einen Tag

Dezember 15, 2018

Als ich unsere neue Stadt Frankfurt auch literarisch erkunden wollte, habe ich nicht nur Bodo Kirchhoff wiederentdeckt, sondern mir auch zwei Bücher von Wilhelm Genazino besorgt: „Abschaffel“, dessen Titel mich an Hans Nieswandt und das triolische Feel im Club erinnert, sowie „Ein Regenschirm für diesen Tag“ aufgrund des Klappentextes – jetzt werden sie gelesen.

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