Archive for the ‘Read!’ Category

Honorarstandards

August 16, 2017

Interessante Auflistung des Tonkünstlerverbandes: Honorarstandards in Baden-Württemberg.
Das ist mal eine ausgesprochene Diskussionsgrundlage!
[via Offbeat Magazin]

Stil, Intensität, Formbewusstsein

August 1, 2017

Letzten Sonntag hat mir der Zufall über den Tag verteilt, drei schöne Gedankenanstöße zugespielt, die ich in bester Urlaubslaune und leicht aus dem Zusammenhang gerissen, nun aufschreibe:

>>… wenn ich an Stil denke (der Gnade ist, ein Sichwiegen im Gleichklang mit dem allgemeinen Gewoge der Welt, ein Schweben unterhalb des Stromes, ohne Oppositionsmoment, dem Mäandern der Fülle und der Leere folgend), gerät mir immer das gleiche Bild in den Sinn: die langen Algen, wie sie der Strömung auf und nieder schweben, sie biegen sich, werden dünn und verdicken sich wieder im grünen gelatinösen Wasser auf dem Meeresgrund.
Um Stil zu haben, kann man nichts tun. Denn Stil hat man nicht, man ist es. Der ist in die Funktionszusammenhänge der Wirbel in deiner Wirbelsäule eingeschrieben, in die Dynamik deiner Körpersäfte, in den Lichtfleck auf deiner sanften Pupille. In die Klugheit deines Verstandes, die voranschreitet, wenn das Universum voranschreitet und sich zurückzieht, wenn das Universum sich zurückzieht.<<
Mircea Cartarescu „Warum wir die Frauen lieben“ Erzählung: „Die kleine Negerin“ (Suhrkamp, 2008)

>>In meinem Buch skizziere ich drei Figuren der Intensität. Die erste ist eine aristokratische Figur aus dem 18. Jahrhundert, bei der Intensität mit der Elektrifizierung verbunden wird. De Sade und viele freidenkerische Pariser Autoren waren damals von der Elektrizität fasziniert. Im 19. Jahrhundert gibt es eine bourgeoise Figur, den romantischen Dicher. Er erlebt die Intensität durch die Natur, etwas ein Gewitter und die Kunst des Dichters. Im 20. Jahrhundert war der Teenager mit E-Gitarre die dominante Figur der Intensität – eine demokratische Figur. Und sie ist auch die letzte dieser Figuren. Sie alle stellten eine Avantgarde des intensiven Lebens dar. Aber jetzt ist die Idee der Intensität demokratisiert und die Intensität ist die ethik der Mehrheit geworden. Der moralische Inhalt dessen, was du tust, ist egal. Aber tue es aus vollem Herzen<<
Tristan Garcia („Das intensive Leben. Eine moderne Obsession“) im Sonntaz-Gespräch mit Christian Werthschulte

Darüberhinaus beherzige ich den Ratschlag eines befreundeten Osteopathen – jeden Bissen 32 mal kauen – und denke dabei , dass ich damit bestimmt meinen Organismus unterstütze und zudem mein Formbewusstsein (A A B A ?) stärke…

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sprengen (im Guten)

Juli 26, 2017

Schön, dass man ja auch als Musiker irgendwie Geschichten erzählt:
>>Ein Schriftsteller […] ist immer bestrebt, Illusionen, ob durch Kaninchen aus dem Hut oder als Schlager, zu sprengen und die Welt in das Gesprengte strömen zu lassen, was auf See so gilt wie auf Land. Wer meine Lesungen an Bord besucht, wäre vor der Welt nicht sicher, wie weit das Schiff auch auf dem Meer ist.<<
Bodo Kirchhoff „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“ (2017 FVA, Seite 32f)

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ab sofort nenne ich das hier: Journal

Juni 27, 2017

Das war ein Literatur-Dienstag heute: vormittags Sprachaufnahmen, abends dann die inspirierende Gesprächs-Lesung von Jürgen Becker (>>Die Erinnerung gibt es nicht, man muss sie herstellen<<) und Marcel Beyer (>>Der Preis der Detailwahrnehmung ist das Fehlen der Übersicht – das Gesamtbild können immer nur andere liefern<<).
Und jetzt: nichts wie ab ins Bett – weiterlesen! (Die Einzelsamples zum 25 jährigen Jubiliäum von Gang Starrs ‚Daily Operation‘ müssen warten.)

PS. In Anlehnung an Herrn Becker letzte Bücher schreibe ich meine Erinnerungen fortan nicht mehr in meinen Blog, sondern ins Journal!

an der Stelle, wo es am allerschönsten ist

Juni 27, 2017

Von der Endlosrille zum perfekten Nadelsprung:

Danke für diesen Tipp, lieber Arno Frank! Auch für den Ralf Hütter MEKANIK Artikel und die Geschichte über Sly Dunbars Anrufbeantworter.

unsere Vereinbarung: das ist die Zeit, die die Uhr anzeigt

Juni 27, 2017

Hier ein Timing-Gruß aus meiner Kindheit, quasi Stuttgarter Endlosrille mit 24 Stunden pro Tag…

… und ein Gedankenanstoß von Cyborg Neil Harbisson (aus der Sonntaz vom 25.06.):
>>Farbe und Zeit haben einiges gemeinsam, sie sind beide in einer Weise mysteriös. Dass wir die Farbe des Teppichs hier Blau nennen, das ist nur eine Vereinbarung. Wenn hier noch eine dritte Person wäre, würden wir wahrscheinlich alle sagen, ja, er ist blau. Aber wir würden doch ganz unterschiedliche Farben wahrnehmen. Genauso ist es mit Zeit: Wir haben eine Vereinbarung, das ist die Zeit, die die Uhr anzeigt. Aber alles, was dazwischen liegt, dehnt sich aus oder eilt voran, ganz individuell.<<

Survival of the Fittest

Juni 25, 2017

Eigentlich wollte ich über meinen Muskelfaserriss schreiben, der mich gestern während eines gemütlich gepflegten Rasenkicks beim Klassenfest der 3D überrumpelte – ein komisches Gefühl, als ob das gespannte Gummi einer Steinschleuder im Oberschenkel wegschnalzte – ich wollte von der PECH Faustregel erzählen und der mahnenden Erkenntnis, dass ich mich zukünftig konsequenter warmmachen muss.
Dann jedoch erinnert mich eine ältere Süddeutsche daran, dass der New Yorker Rapper Albert Johnson alias Prodigy des Duos Mobb Deep letzte Woche verstorben ist und ich folge ihrer Empfehlung und >>höre nun zu Ehren Prodigys also nur noch einmal so fabelhaft schroff-verschleppte Songs wie „Survival of the Fittest“<< Oder gleich das ganze ’95er Album „The Infamous“, ein >>herausragendes Werk des Ostküsten-Raps der Neunzigerjahre<<, >>one of the cornerstones of the New York hardcore movement<<.

Ah, schön – auch mal in einem Hiphop Track eine „verschleierte Eins“ und den Moment des „turn the beat around“ zu spüren: der S.O.T.F. Piano-Hooks sei Dank.
Und dann noch das grandiose Loop-Fundament von „Temperatur’s Rising“ – da freut sich das Jazz-Kind über den Patrice Rushen Zweitakter.

PS. so eine Adduktoren Zerrung ist unangenehm, aber dem Schlagzeugspielen stellt sie sich nicht in den Weg; jedenfalls mein linkes Bein machte gestern Abend in Gmünd tapfer und schmerzfrei mit…

Ouï, we can!

Juni 23, 2017

Endlich wieder Zeitung lesen. Nachdem ich die Süddeutsche aus versehen liegen hab lassen, das Zeitmagazin blöderweise für Werbung gehalten und entsorgt, den restlichen Zeit-Ziegel einmal ungelesen um die Welt geschleppt habe, dehne ich jetzt mein ausgeschlafenes Frühstück maximal aus und freue mich über schicke Sätze, neue Wörter und Musiktipps:

>>Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.<< Friedrich Schiller

Das französische ouïr bedeuted genau hinhören und „Ouï“ ist der Titel des vielversprechenden Camille („Nouvelle Vague„) Albums. Yes!
… und bitte noch einen café au lait

Die hochgelobte Compilation „Saigon Supersound“ durfte ich schon hören, aber dank dieses Artikels muss ich sie unbedingt auch hier im Blog verankern. Toll, Jan!

Und Diedrich Diederichsen begeistert sich mächtig für den aus Nizza stammende, halbamerikanische Tenorsaxofonist Barney Wilen: >>Vielleicht der einzige Jazzer von Rang, der sich weniger auf seine Konstanz, seine Essenz, seine Persönlichkeit verlässt, sondern ständig dabei ist, wenn neue Moden das Bewusstsein sprengen, die Musik knacken oder die Weltrevolution bringen wollen.<<
Hier die beiden Neuveröffentlichungen:
Thelonious Monk (mit Barney Wilen)Les liaisons dangereuses 1960″ (SAM/PIAS/Rough Trade)
Barney Wilen „Moshi“ (Le SouffleContinu)

>>And if you want to know more, spend 55 minutes watching The Rest of Your Life, Stephane Sinde’s terrific biographical film, made in 2005<<

that was sick, man!

Juni 22, 2017

So lautet die begeisterte Verabschiedung des Aufnahmenmenschen, könnte aber auch die Beurteilung meines CO2 Fussabdrucks sein: Montag früh ab nach Rio De Janeiro, Mittwochs wieder zurück ins tropenähnliche Frankfurt!
Und dazwischen etwas Sand in den Schuhen, die Info das der brasilianische Pass aufgrund der optischen Vielfalt seiner Nation der teuerste auf dem Schwarzmark sei und selbstverständlich der eigentliche Reisegrund, das einstündige Jazzanova Set für den Boiler Room, mit mächtig viel Energie und Club-Schweiss:

Für die kunstvolle Ruheecke des Backstage blieb leider keine Zeit…

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…auch dieses Postkartenidyll musste Aldo Colombo für mich knipsen – sprich, ich möchte da dringend nochmals (mit viel Zeit) hin!

PS. Dass für Stefan Zweig Brasilien das „Land der Zukunft“ war, lernte ich noch nebenbei im Flugzeugkino, auch den folgenden Satz des Autors konnte ich mir glücklicherweise noch merken, bevor meine Batterie dann entgültig ausging:
>>Jede Widerstandsgeste, die kein Risiko in sich birgt und keine Wirkung hat, ist nichts als geltungssüchtig.<<

 

 

vom RAD zum RDS

Juni 12, 2017

Dank des 200 Fahrradgeburtstags (gut!) höre ich jetzt mal in das „Build me a House“ Album von Sophia Kennedy rein, direkt ins >>barock-psychedelische „Kimono Hill“, in dem es um ein „Tennismädchen“ geht, das die ganze Nacht mit einem Fahrrad fährt, so lange, bis sogar das Wetter zum „Fahrradwetter“ wird<<.

Und dann wende ich mich ähnlich Nostaligischem zu, meinem vielversprechenden Drumsynthesizer-Neuerwerb (Coron Drum Synthe RDS), dieser farbenfrohen, zweikanalige Schönheit:

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Dass die Abkürzung RDS im Medizinerjargon für Reizdarmsyndrom steht, kann uns als Merkhilfe für die eins a Boom-Bässe und Club-Kicks des „großen Corons“ dienen.
Sehr reizvoll finde ich auch die Noise-Abteilung des Geräts: Rauschfahnen, die angenehm lange klingen können, sich aber auch via Button (dem roten Knopf mit der Aufschrift ON/OFF OUTPUT SIGNAL) oder mittel Fußschalter „cutten“ lassen.
Typische Piuu-Sounds und achtzigerjahre Snares sind selbstverständlich gar kein Problem.
Zu dem raren Kasten lassen sich kaum vernünftige Informationen sammeln. Immerhin steht auf seiner Rückseite was zur Herkunft: Made in Japan.

PS. in diesem Zusammenhang möchte ich auf das „Love the Machines“ Download-Bundle hinweisen: 126 Oden an ältere elektronische Klangerzeuger (u.a. auch an den Coron DS-7) für 8,90€.