Archive for the ‘Architecture’ Category

Die Luft

Juni 9, 2022

Am offenen Fenster tippend, lasse ich mich von den Ideen des Architekten Hans-Walter Müller begeistern, erinnere die Wichtigkeit der gesampelten Luft in den Beats von J Dilla, den Air-Begriff im Frequenz-Wesen und schmunzle über’s Luftmastering

Ambassador des Gesamtklangs

Mai 30, 2022

Kaum ist man wiedermal unterwegs, türmen sich spannende Themen in der Smartphone-Fotoecke auf. (Jeglicher Inspirationsfetzen wird abfotografiert; Social Media Beiträge, Buchseiten, Spotify-Highlights…)

Jost Nickel fragte seine IG-Blase nach Songs mit Tom-Grooves, ich habe daraus gleich eine Spotify-Playlist gestrickt (weil mir das Thema auch am Herzen liegt, siehe The Four Tom 🙂


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Ich spreche gerne über die Notwendigkeit unserer (Lautstärke- und Feel-) Balance hinterm Kit, über das Blending der verschiedenen Instrumente. Russ Miller nennt es „our mix“:

Zur besten Überprüfung: Kunstkopfmikros in die Ohren oder ein Stereopärchen in ähnlicher Position aufstellen – aufnehmen. Das bringt’s bzw bringt mich einem meiner Ziele immer wieder näher, irgendwann den Credit „Ambassador des Gesamtklangs“ mitzuführen…

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Während meiner Zugfahrten bin ich in den dicken Ziegel „Dilla Time“ eingetaucht.
Toll, zum Buch gibt es eine begleitende Playlist. Noch toller, der Inhalt mit so vielen (mir neuen) Details und Zusammenhängen. Große Inspiration!

Weil nicht in obiger Liste vorhanden, hier die erste VÖ des Meisters, 1st Down „Front Street“ (1995)

>>James loved making music on machines, but he understood by now that music lost something when the machines took over: the unpredictability of a human playing an instrument that told you it was a human being playing it. It was, after all, why producers looped breakbeats: to bring the ghosts of real drummers into their machines. There was no way a drum machine could re-create the subtle playing of Clyde Stubblefield’s performance on „Funky Drummer“<<
Übrigens, bevor sich J Dilla schöpferisch hinter die Maschinen (Sp-1200, Akai MPC) konnte, war das sogenannte „pause tape“ ein erschwingliches DIY-creative-tool und auch seine Wahl Beats zu bauen.

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Obwohl ich letzte Woche einiges vorzubereiten hatte – die Nils Wülker Best Of Show mit vielen Gästen und das Luminos W Konzert mit Gästen – bin ich endlich mal zum Ernst May Musterhaus geradelt. Quasi um die Ecke meines Proberaum, war es längst an der Zeit. Und auch hier wirkte die (100 Jahre alte) Klar- und Kompaktheit des Wohnungsbauprogramms „Neues Frankfurt“ äußerst inspirierend. Nicht zu Letzt die dafür geschaffene legendäre Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky. Die grundlegende Idee dieses Arbeitsraum kann übrigens eins zu eins auf Drum Setup übertragen werden: kurze Wege, die die Energie des Schaffenden fürs Wesentliche erhalten, blau-grüner Anstrich, um Fliegen zu vermeiden…

Und ähnlich bunt wie die Farbgestaltung im Ernst May Haus, wird mein Juni 🤩

02.06.22 „Der temporäre elektronische Salon feat. Hans Glawischnig“ Frankfurt, Yachtklub
03.06.22 „Netzer“ Stuttgart, Bix
04.06.22 „the beat goes on“ mit DJ Michael Rütten“ Offenbach, Filmklubb
09.-11.06.22 Backbeat Drum Festival, Vogtsburg im Kaiserstuhl
16.06.22 „DePhazz“ Frankfurt, Fortuna Irgendwo
17.06.22 „DePhazz“ Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
19.06.22 „Gregor Praml trifft Oli Rubow“ Frankfurt, Mousonturm
26.06.22 „Fola Dada“ Kirchheim u. Teck, Bastion
30.06.22 “Der temporäre elektronische Salon“ Frankfurt, Ono2

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>>Die Zukunft, die wir wollen,
muss erfundenwerden.
Sonst bekommen wir eine,
die wir nicht wollen.<<
Joseph Beuys

Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow

Mai 14, 2022

Gestern las ich im IG einen beruhigenden Satz, der geschmackvoll aufdeckt, dass Unschärfen ebenso zum gesunden Menschenverstand gehören, wie das Eindeutige und wissenschaftlich Verbriefte:
„Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow“.

Wenige Posts später fand ich den passenden Gelbton dazu. Nämlich die Farbe des Sony-Sports Walkman, die offenbar nicht nur dem tragbaren Abspielgerät den Anstrich besorgte, sondern auch seinen Geschwister, den Heimstudioboxen „Studiolabo“ von Sony, die es in zwei verschiedenen Größen gab.


Sie werden wohl in der nächsten Zeit während der Einschlafphase meine Pförtnerhaus-Fantasie ersetzen…

aus der Leerstelle schöpfen

Mai 5, 2022

>>Er spaltete, schnitt, durchlöcherte Gebäude. Nicht so sehr mit einem zerstörerischen Impetus, sondern um etwas freizulegen. [Gordon] Matta-Clark schöpfte aus der Leerstelle.<< [Quelle]

Und so schau ich mir im Anschluss an unsere Paris-Reise nochmals die Doku des Künstlers zur Aktion „Conical Intersect“ an.
1975. >>Im 4. Arrondissement werden Stadthäuser aus dem siebzehnten Jahrhundert plattgemacht, dass ganze Viertel wird umgekrempelt, in direkter Nachbarschaft zu den Abbruchhäusern entsteht gerade das Centre Pompidou. Der New Yorker Anarch ist nebst einer Handvoll Helfern eingeladen, seine händische Demontagekunst parallel zu den monströsen Abrissbaggern zu zeigen. Matta-Clark rückt den ausgeweideten Gehäusen mit Muskelkraft, Hammer, Brechstange und Bandsäge zu Leibe.
Man sieht eine Fassade, in der sich plötzlich ein Loch auftut, ein Fäustel erscheint, eine Hand im weißen Lederhandschuh winkt, dann wächst sich der Durchbruch zu einem konischen Ausschnitt aus, der einen Blick ins Innere des Gebäudes freigibt, als schaue man ihn eine Blutbahn. Aus der Distanz kann man auch an das Rundbogenfenster einer Kathedrale denken.<< [Quelle]

April in Paris

April 20, 2022

… ist großartig.

Die Stadt schmeckt wunderbar (1) und fühlt sich entspannt an (2) – dank ihrer Größe (3), wie ein sicherer Hafen, dank der Sonne und Metro-Surfen wie Urlaub am Meer.
Und so viel Kunst, Architektur und gute Gedanken (sprich Inspiration).
Oh man, wie konnte ich nur so lange Paris-abstinent sein?

Gestern las ich folgende Stelle in „Die Erfindung des Countdowns“ (Seite 110)
>>Einmal hatte einer einen anderen verpetzt, als der während der Klassenarbeit heimlich in sein Buch geschaut hatte. Hermann hatte nicht eingegriffen. Es komme nicht darauf an, wie viel Wissen einer herumschleppe, sondern was man damit anfangen könne, hatte er gesagt. Er selbst habe früher als Schüler oft Fragen zu historischen Jahreszahlen nicht beantworten können und dann habe es Schläge mit dem Rohrstock gesetzt. Und was habe ihm das gebracht? Nichts außer ein paar blauer Striemen. Seinetwegen könne jeder gerne seine Bücher benutzen, hatte er erklärt und sofort hatten die
Schüler in ihren Taschen gekramt.<<
und dachte dabei, dass mir Wissen dabei hilft, mich zu positionieren bzw. meine „Reiseroute“ zu entwickeln. Vor allem, dass mich das selbsttätig katalogisierte Wissen weiterbringt, sprich: persönliche Bestenlisten.

In diesem Sinn reihe ich einfach mal die tollen Entdeckungen aneinander, für mein nächstes mal oder für Dich:
(1) das siebtbeste Croissant (Carton, am Gare Du Nord), der Caramel-Eclair von Stohrer, die DePhazz-Gedächtnis Île Flottante (leider verpasst), European Coffee Trip (eh klar) und Haribo Orangina PIK…
(2) Rodin Museum (Außenbereich), 5 Freiheitsstatuen, der schönste Basketballplatz der Welt
(3) von hier aus gut zu ermessen: Sacré-Cœur, Eiffelturm Top Floor, Centre Pompidou Rolltreppe
(4) leider nicht genug Platz für Details…

Nach diesem schöne Foto von Andreas Neubauer, nächstes unbedingt dann auch in die Baguetterie!

Kunststoff Häuser

Januar 29, 2021

Die Ausstellung „a plastic utopia“ habe ich natürlich verpasst. Fand halt auch etwas weiter entfernt statt. Aber es gibt ja das Netz und so träume ich mich in diverse Alternativen zu meinen Pförtnerhäuschen und verlassenen Grenzposten hinein.

Ich beginne mit dem Hexacube von Anja Blomstedt und George Candilis. Mein Jahrgang!

wirklich gut

November 27, 2020

Mein Baujahr und äusserst reizvoll, der Nakagin Capsule Tower und dessen ausgecheckte 10qm Schalen.

Ebenfalls schön und wirklich hilfreich, das Mitte August gestartete Corona-Hilfspaket Klangspektrum BW für Musiker*innen.
Die Preisträger*innen in den fünf Kategorien Klassik, Jazz, Populäre Musikstile, Cultural Diversity sowie Blas- und Volksmusik wurden nun Corona bedingt in einer Online-Sendung bekannt gegeben. Zudem streamt der SWR gerade das 67,5 Stunden erklingende Mash-Up aus allen 1000 Einreichungen.
400 davon kenne ich schon 🙂

üben, Brote rösten, Fußballdenke

September 7, 2020

Wochenstart & Frühstück. >>Dazu gab es Scheiben von knusprig angebratenem Brot, das beim Hineinbeißen so ein Geräusch machte, als breche jemand durch einen Bühnenboden ins echte Leben.<<
Sowie zwei weitere Gedankenanstöße aus Heinrich Steinfests „Chauffeur„:
In einer Welt der Schwerkraft ist alles eine Frage der Balance
Die Schönheit der Überlappung… 


Beim anschließenden Socialmedia-Rundgang drängte sich mir dann folgende Erkenntnis auf:

Wow, allenortes wird fleißig geübt, perfektioniert, selbstoptimiert. Klasse! Denn je größer das Vokabular, desto vielfältiger kannst Du erzählen.

Weil mir jedoch das disziplinierte und langwierige Üben eher schwerfällt, kann ich von der anderen Abteilung schwärmen, die mich ungemein inspiriert, mir neuen Stoff (zum Erzählen), andere Zusammenhänge, vor allem eine erweiterte Sichtweise offenbart: die Kunst im Allgemeinen (Bücher, Museen, Tonträger, Bauwerke) und das Leben selbst.
Deswegen mein kleiner Tipp, den man im Fußball vielleicht unter der Rubrik „Übersicht“ einordnen könnte:
Verorte in Deinem Übungsplan nicht nur die Zeit am Instrument…

Und so winke ich jetzt mal rüber zur Paul Hindemith Anlage und denke an Kraftwerk!

Hi, I am Clint

Februar 16, 2020

Dafür, dass ich mich am Mittwoch Mittag eigentlich mental in gemütliche Semesterferien geschickt hatte, entwickelte sich die Woche dann doch ziemlich intensiv.
Zunächst ein grandios locker aufspielender Kendrick Scott (mit zwei top genieteten Hihat Pärchen und Fuß-Schnarre links von der Hihat) in Stuttgart, dann auf der Heimreise Philos Anruf, ob ich zufällig kurzfristig bei Fatoni einspringen könnte…
Wiedermal* das einzigartige Gefühlskarussell bei dem der Zeitfaktor – schaffe ich das alles? – tunlichst ausgeblendet bzw. in tunnelartigen Aktionismus transformiert werden muss. Sprich: Live-Mitschnitte und Originals checken, Beats transkribieren, Technik zum Laufen bringen, die angedachte Spiellogistik dann möglichst noch ausprobieren.
Und dann das Nötigste in den Koffer und ab in den Zug nach Augsburg…

Dort optimaler Empfang zum anstehenden Brecht-Festival: Ein wunderbares Fatoni Team, eine architektonisch reizvolle Umgebung (Brutalismus-Kongresshalle und ein entfernt an Burj Khalifa erinnernder Hotelturm), sowie ein stimulierendes Notwist Set (mit dem tollen Andi Haberl) vor dem eigentlichen Gig.
Dank Powernap, Wechselduschen und rohen Ingwerscheiben war die Konzentration zur rechten Zeit parat. Dank bunt markierten Sheets (sowie einer hilfreichen IKEA Leselampe aus dem Merchandise Fundus), buntmarkierten Rechner Shortcuts für die Ableton Session, sowie Erinnerungsaufklebern auf dem SPD-SX, gab es einen konkreten Fahrplan, der es ermöglichte die geschmackvollen Dexter-Beatvorlagen mit Spaß zu trommeln.
Anbrennen konnte eh nichts, denn ich hatte den 15ten Nothelfer auf dem Drumriser, einen Reisebegleiter von Levi, der das Wesentliche aufgemalt hatte:
1. Schlagzeugspielen ist eindeutig eine Herzensangelegenheit – richtig oder falsch ist allenfalls zweitrangig. Also: Liebe, Groove und Energie fürs Publikum.
(ist machbar)
2. Man vergleicht eine solche Aktion gerne mit einem Feuerwehreinsatz, aber hey, auf dem Bild wurde ich treffend als Oli mit Astronautenhelm skizziert, als jemand, der sich raketenartig in andere Sphären katapultieren darf und von dort eine tolle Aussicht auf die Musikwelt, ach: das schöne Leben an sich, genießen darf.
(toll!)
3. „Hi, I am Oli“. Nicht mehr, nicht weniger. Plötzliche Wunder zu vollbringen ist nicht drin, das beste aus einer Situation zu machen jedoch immer.
Sprich, potentielle spieltechnische Überforderungen werden einfach eigenmächtig ausgeklammert und durch persönliche Alternativen ersetzt. Nimmt druck raus und vermeidet die Frustspirale des eingetroffenen (und eigentlich auch schon erwarteten) Fehlers…
(geschickt)
4. Musik machen ist das Beste auf der Welt, die Liebe zum kleinen Familienmitglied: überirdisch!

Schließlich; riesen Freude, dass alles geklappt hat und wohlige Erschöpfung.
Oder um es mit Fatonis Worten zu sagen:
Lassen Sie mich Künstler ich bin durch.

Oder um es mit dem schönen Albumcover des anderen Revolverhelden Klaus Voormann zu illustrieren:
Voller Kopf, jetzt wieder frei.

Fatoni_Klaus-Voormann_Andorra

* u.a. Mein schönstes Ferienerlebnis (Cro) – Keine Notenständer mehr (Jazzanova) – Kopfarbeit, die gute (Matthias Schweighöfer) – Freundeskreise (Freundeskreis) – On (Nils Wülker)

wie gemalt

Dezember 19, 2019

Erneut ein Gruß und Kuss aus Vilnius!
Bin bestgelaunt – weil die AirBaltic Reise völlig unkompliziert funktionierte (dank ausgefuchster 8Kg schmaler Handgepäck-Beckentasche, in der ich immerhin vier Meinl Klangebenen unterbringe:14“ Jazz Hihats, 18“ Sand Crash, 18“ Byzance Medium Thin Crash, 20“ Club Ride), weil ein schöner Sonnen-Spaziergang mich am Brutalismus-Sportpalast vorbeiführte und die Googlekarte der „Third Wave Coffee Places“ wieder mal ins leckere Schwarze traf.

Auch im Venue blieb, durch diesen einmaligen Effektisch, die Sowjet-Romantik erhalten. Nicht nur „eine Harfe aus Beton“ (Pat Appleton), sondern auch Stahlblumen als Echoträger…

Und jetzt wo ich wieder daheim und im Freizeitmodus bin, mag ich gerne noch drei Geschenktipps in den Raum stellen:
– Ein Kendama ist 2019 mein Präsent No.1 (Geschicklichkeit, Beruhigung).
– Der Buchtipp Alex Graham „Drumfax 4: A Guide To Electronic Drum Kits (1973-1989) von Markus Einheuser wird überprüft, verbrieft empfehlen kann ich das Pedal Crush Buch. (Herzrasen!)
– selbstgemaltes = immer OK! Und so folge ich dem Aufruf des Galleristen, der ab 23. Januar nicht nur die Bilder von Hellmut Hattler austellen wird, sondern auch drei Ausmalvorlagen in den Ring wirft, die gestaltet und eingeschickt werden können.
Also: Kunst für die Freunde und/oder den Kenner!

Bildschirmfoto 2019-12-19 um 22.38.45

Ich wähle das Motiv „Bassjagd„, hole Stöcke und Levis Wasserfarben raus und trommle ein paar schöne Noten ins Ziel…

Nachtrag: Zusammen mit Levi und Yves wurde jetzt noch das Ausmalbild „Silent Surveyor 2“ zum Loop transformiert.

Dass die Musik zum Titel mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel hat, finde ich leicht krass…