Archive for the ‘Rhythmusmacher’ Category

die Grenze vom Geräusch zum Rausch

September 26, 2022

Zum Tod von Pharao Sanders rasseln wunderbare Sätze durchs Feuilleton. Spiegel-Autor Tobi Müller erzeugt mit seiner Überschrift eine Miniatur-Bio, die Lust macht, tief ins Repertoire einzutauchen :
>>Wo John Coltrane noch intellektuell schraubte, fand Pharoah Sanders am Tenorsaxofon den Absprung ins Gleiten: Seine spirituelle Musik ließ selbst den Free Jazz hinter sich und fand auch ein junges Publikum.<<
Und Peter Kempe von FAZ liefert eine Formulierung, die ich direkt als eigene Zielsetzung übernehmen möchte, nämlich die Fähigkeit, die Grenze vom Geräusch zum Rausch zu überschreiten. 
Ich lege „The Creator has a Master Plan“ vom Karma-Album (1969) auf. Billy Hart trommelt:

Jetzt noch zwei schöne Nachrichten aus Amerika, über zwei großartige deutsche Trommlerinnen, die dort derzeit kräftig aufschlagen: Anika Nilles ist (wieder) mit Jeff Beck auf Tour und Philo Tsoungui (ganz frisch) die aktuelle Drummerin von The Mars Volta. Wohoo!

der manuelle Leslie-Effekt

September 5, 2022

Arthur Dubois zeigt uns im IG den manuellen Leslie-Effekt:
einfach ein dynamische Mikrofon über das ausklingende Instrument schwenken.

Und Silvan Strauss antwortet kreativ:

Siehe passend dazu auch
– den Videoclip von Ulf Stricker, in dem er das Effekt-Mikro als Trommelstock zweckentfremdet
– die Paiste Rotosound Konstruktion, die ich erstmals bei Rene Creemers erlebt hatte (leider nicht mehr im Programm)

grün und blau

September 1, 2022

Danke Ulf, für die sonnige Jurmala Erinnerung! Die wurde zum Anlass genommen, direkt nochmals zu verreisen. Im Gepäck: Levi und sein Freund Arthur, „Alles gesagt mit Olafur Eliasson“ und die Dave Grohl Autobiografie („Der Storyteller„).
Wasser ist mein Element. Ferien sind eins a! Gemeinsam Sachen machen = bestes

Die Akkus sind wieder voll (gut so*) und im Nachklang spült die „Best of Foo Fighters“ all meine Dave Grohl Geschichten hoch:
1. Als ich meinen Zivildienst im Oktober 1991 in der Villa Roller antrat wurde mir als erstes berichtet, dass im Vorjahr dem Club ein Nirvana Konzert für 800 Mark angeboten, dieses aber abgelehnt wurde, weil doch schon genug USA Bands für den Herbst gebucht worden waren… (und wer konnte schon wissen, dass genau dieses Trio aus Seattle wenig später mit „Nevermind“ den Punkrock im Mainstream verankern würden?)
2. 2005. DePhazz machte sich auf, um in Odessa, auf der Krim und schließlich das Frequency-Festival zu bespielen. Doch in dieser Rutsche lagen einige ungemütliche Steine…
In Kiew wurde gleich mal der Anschlussflug verpasst, so dass auf (m)einen (ersten) Nachtzug ausgewichen werden musste. So waren wir zwar pünktlich in Odessa, das Konzert im dortigen Ibiza Club jedoch gehört zu meinen schlimmsten Erfahrungen (dank schlechtem Strom gab es multiple Ausfälle: mal mein Monitorpult mit der Orientierungsspur, mal das Audiointerface, gerne auch mal beide). Koktebel wiederum war gut, schließlich auch die Vorfreude auf das große Festival in Österreich groß.
Die anstrengende Anreise sollte mit Publikum und einem Besuch der Foo Fighters Show belohnt werden. Schöne Aussichten, die leider wieder wegen eines Energieproblems ins Wasser fallen sollten: wir spielten keine zwei Minuten, da war kein Ton mehr aus den Boxen zu hören – Abbruch. Notstromaggregat. Neustart – ein paar Takte laute Musik und wieder Stille. Nachdem auch die dritte Runde nicht wirklich länger dauerte, blies die Tourmanangerin zur Abreise. Tausende von Kilometer gereist, um insgesamt vier Minuten zu performen und unverrichteter Dinge direkt abzureisen. Ein ganz schreckliches Gefühl. Und die Foo Fighters konnten ebenfalls nicht bestaunt werden. Oh man!
3. Im anschließenden Urlaub kaufte ich mir in Kuala Lumpur zum Trost meine einzige Foo Fighters CD, „In Your Honor“ als Raubkopie mit Beleg.
4. Auf einer späteren DePhazz Tour wurde mir der tolle Sound City Film zugeschoben, Daves Regiedebut und Liebeserklärung an eine Neve-Konsole.
5. Mit „Netzer“ geben wir gerne unsere Version von „In Bloom“ zum Besten.
6. Der Tod von Taylor Hawkins war ein großer Schock. Am kommenden Wochenende findet das erste von zwei Tribute-Konzerten in London statt. Und der YouTube Channel von MTV überträgt das Konzert ab 17.30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) hier in voller Länge. 

*
10.09.22 „Kabuki“ (Albumrelease) Frankfurt „Gaststätte zur Insel“
10.09.22 „Rütten & Rubow“ Offenbach, Filmklub
11.09.22 „Peter Lehel & Ull Möck“ Karlsruhe, KIT Werkstattpalast am Rheinhafen
15.09.22 „Der Temporäre Elektronische Salon“ Frankfurt, Yachtklub
18.09.22 „DePhazz“ Swinging Hannover, Trammplatz 14.30h
28.09.22 „Nils Wülker“ CH-Basel
29.09.22 „Netzer“ Frankfurt, Lindley Lindenberg
01.-03.10.22 International Drum Meeting Salzgitter
06.10.22 „Hattler“ Ulm, Roxy
07.10.22 „Hattler“ Wangen, Jazzpoint
08.10.22 „Hattler“ Stuttgart, Merlin
11.10.22 „Hattler“ Schwäbisch Hall, Jazzclub
12.10.22 „Hattler“ Glems, Hirsch
13.10.22 „Hattler“ Rüsselsheim, Rind
14.10.22 „Hattler“ Münster, Hot Jazz Club
15.10.22 „Hattler“ Bebra, Lockschuppen
19.10.22. „Hattler“ RO-Iasi
20.10.22 „Hattler“ MD-Chisinau
21.10.22 „Hattler“ RO-Bukarest
26.10.22 „Hattler“ Pforzheim, Osterfeld
27.10.22 „Hattler“ Mannheim, Ella & Louis
28.10.22 „Hattler“ Idstein, Scheuer
29.10.22 „Hattler“ Westhofen, Gut Leben
02.11.22 „Hattler“ Wetzlar, Franzis
03.11.22 „Hattler“ Bonn, Harmonie
04.11.22 „Hattler“ Leverkusen, Scala
05.11.22 „Hattler“ Minden, Jazzclub 
06.11.22 „Hattler“ Kassel, Theaterstübchen
12.11.22 „DePhazz“ HU-Budapest

Studer

August 23, 2022

Zur Todesnachricht von Fredy Studer lege ich die „Percussion Profiles“ (Fredy Studer, Jack DeJohnette, Pierre Favre, David Friedman, Dom Um Romao, George Gruntz) aus dem Jahr 1978 auf.

Movement 1, 2, 3, 4, 5, 6

Und stellvertretend für das 1984er „Singing Drums“ Album (mit Pierre Favre, Nana Vasconcelos und Paul Motion) ein Duo mit Pierre:

Lehrer!

Juli 17, 2022

Durch Zufall heute John Maedas „Simplicity“ aufgeschlagen und bei dieser Kurzgeschichte gelandet:

Die Lehrer-Story passt bestens zu meinem Freitag-Vormittag-Kaffee mit Wolfgang Haffner. Über Volker Kriegel sind wir nämlich bei Wolfgangs Wurzeln gelandet, bei den Trommlern Evert Fraterman (Lehrer #2, mehr Pop) und Harald Pompl (Lehrer #1, mehr Jazz, eigentlich ein Doppelkünstler: >>der Mann ist Bildhauer*, auch am Schlagzeug<<), natürlich auch bei Mentor Albert Mangelsdorff (>>Glaub nicht, dass Du was Besseres bist als der Handwerker nebenan<<).


Im direkten Anschluss dann mit der Bahn ins Waldstadion, Lehrstunde in puncto Megakonzert-Drumming von Flo Dauner! Klar , geradlinig, kompakt – mit ausgewählten Energieausbrüchen!

+++

Wenn im Interview mit einem Field-Recording-Artist Sätze fallen wie dieser –
>>Ich habe das Gefühl, dass die Grundprinzipien des Westens animalisch sind und auf dem Konzept von Rebellion und Eroberung bauen. Es wird viel Druck auf Leute aus dem Medienbereich ausgeübt, so wie DAWs Druck auf Sound ausüben.<<
dann habe ich Lust, mitzudenken und einzutauchen. Auch so darf gelernt werden…
Alles weitere im Ableton Künstler-Portrait „SUGAI KEN: Stille, Natur und Tradition in Field-Recordings„. 

In Instagram folge ich nach mehreren überraschenden Stolper-Quadraten den vintage.drum.catalogs. Hey, ich hatte mich immer schon gefragt, ob es je eine gefertigte Concert-Kick gab. Und ja, gab es, sogar mit einem verchromten Ring für den eleganten Abschluss.
Das Slingerland „Pop“ Outfit aus dem Jahr 1977.
Wieder Wissen!

Wer sich für die implementierte KI des Ozone 9 Mastering PlugIns interessiert, kann sich dort einlesen.
Und wer sich mehr für „The Philosophy of Bass“ erwärmen mag, schaut hier:

* a propos, Pompl, der Bildhauer. Hier noch ein schönes Zitat aus einer anderen Ableton-Folge:
>>Sound ist ein Block Lehm, und der EQ ist der Bildhauer.<<

Solo bis die Meute jauchzt

Juli 7, 2022

Unter der Rubrik Drumsolo of the Day hier ein Energiepaket des damals 85 jährigen Roy Haynes.
Oder das einzige Crashbecken-Solo, das ich gut finde…
Es beschließt den Song (beginnt ab 9:23), aber wir müssen zumindest beim Kenny Garrett Ausflug einsteigen (ebenfalls eine positive Bombe):

Super auch, die wortwörtliche „Rückendeckung“ der Mitmusiker! Einheit, trotz Solospiel!

Hier die ursprüngliche „Steps – what was“ Aufnahme aus dem Jahr 1968, von Chick Coreas zweitem Album „Now he sings, now he sobs„.

Vision, Geduld und Technik

Juni 28, 2022

Als Drummer zu den Gigs mit Bahn und Klapprad? Geht! Immer besser.
Ist dazu klimafreundlich und auch immer leicht abenteuerlich.
OK, ein wenig Selbstbeschränkung beim Packen (und der spielerischen Ausrichtung) muss sein, Absprachen im Vorfeld mit dem Veranstalter bzw. den dir gewogenen Endorsement-Partnern ebenfalls –
aber dann steht einer gemütlichen Fahrt (mit Zeit zum Lesen, Hören, Ausruhen) bzw. erfrischendem Fahrtwind im Gesicht, eigentlich nichts mehr im Wege.
Ein Hoch aufs Kwiggle, ein großer Dank an Tama (und Stephan Hänisch) für 25 Jahre voller bester Unterstützung!

So versüßte mir Stefan Zweigs „Schachnovelle„* die Gedanken während der Anreise, auf der Bühne entdeckte ich bei Julian Feuchter – hey, Drumset-Sharing zweier Kapellen auch gut – diesen Ablage-Trick, bei dem eine König & Meyer Ablage einfach ans Standtombein geklemmt wird. Super!

* Die Schachnovelle, die folgendermaßen beginnt:
>>Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde. Gäste vom Land drängten durcheinander, um ihren Freunden das Geleit zu geben, Telegraphenboys mit schiefen Mützen schossen Namen ausrufend durch die Gesellschaftsräume, Koffer und Blumen wurden geschleppt, Kinder liefen neugierig treppauf und treppab, während das Orchester unerschütterlich zur Deck-show spielte.
Ich stand im Gespräch mit einem Bekannten etwas abseits von diesem Getümmel auf dem Promenaden-deck, als neben uns zwei- oder dreimal Blitzlicht scharf aufsprühte – anscheinend war irgendein Prominenter knapp vor der Abfahrt noch rasch von Reportern interviewt und photographiert worden. Mein Freund blickte hin und lächelte. »Sie haben da einen raren Vogel an Bord, den Czentovic.« Und da ich offenbar ein ziemlich verständnisloses Gesicht zu dieser Mitteilung machte, fügte er erklärend bei: » Mirko Czentovic, der Weltschachmeister. Er hat ganz Amerika von Ost nach West mit Turnierspielen abgeklappert und fährt jetzt zu neuen Triumphen nach Argentinien.«<<

Auf der Rückfahrt erfreute mich der Kenny Dope Mini-Edit von „Red Clay“ und von Marcel Römers Playlist, der erstaunliche Trommeltrack „Sangandongo“ aus dem Jahr 1970, u.a. mit Klaus Weiss, Keith Forsey und Udo Lindenberg hinter den Schlagzeugen:

PS. die Überschrift stammt ebenfalls von Stefan Zweig.

Ball Pompös

Juni 1, 2022

Wie konnte mir Johnny Controlletti nur als top Echodrums-Beispiel durchrutschen? Einmal den kompletten Groove durchs Slpaback Delay, bitte. Anno 1974 in Deutschland…

Dafür musste ich wohl gestern die Einladung zum Lindenberg Konzert in der Festhalle annehmen, mich von Bertram Engels gnadenlosen Viertel-Hihat-Grooves und seinen so geschmackvollen Fill-Ins begeistern lassen – die sogar meine anschließenden Träume bestimmten (hey, ich als fast Tom-loser Schlagzeuger spiele in der Traumnacht über mindestens drei drei Tom-Toms…) – und heute direkt jenes Deutschrock-Album auflegen, das meine Kindheit vertont hatte, „Ball Pompös„.

Kay!

Mai 31, 2022

Es ist immer wieder speziell, an den Ort seiner musikalischen Sozialisation zurückzukehren – in meinem Fall in die Schorndorfer Manufaktur. Das Konzert bei den Gitarrentage war intensiv, die anschließenden Begegnungen ein bunter Nostalgiestrauß, ganz toll, aber, das Wiedersehen (und -hören) von Kay Richter (dem einzigartigen Rhythmusarchitekten und Trommelhelden aus meiner Heimatstadt) – mein Highlight!

Das Foto hat Joe Saling geknipst (eine andere Schorndorfer Instanz)


15 minutes of Cloud Rap

Mai 12, 2022

Bin am Dienstagabend eine Stunde geradelt, um 15 Minuten vom Konzert des Cloud Rappers Denzel Curry zu erleben. Hat sich gelohnt!

1. Mich interessierte vor allem der Sound: wie mischt der Tonmensch einer amerikanischen Produktion heute ein Rap-Clubshow?
Ich fand es angenehm bassig, mit der Stimme klar im Vordergrund. Erstaunlicherweise wurde das hochfrequente Trap-Geklapper in den Hintergrund verbannt.

2. Deswegen habe ich mich vom Platz des FOH Mischers entfernt, ah und plötzlich hörte ich die typischen, schnellen Subdivision Variationen immer deutlicher???
Letztlich kam sie von einem motivierten Dude hinter der Theke. Zwei Messer können klanglich ganz schön durchschneiden, zumindest sich in der rechten Hälfte der Frankfurter Union-Halle bemerkbar machen…

3. Für den Übertrag eines live-tauglichen Bassdrum-Konzepts merke ich mir: lange, boomige 808 Kicks sollte nicht polyphon getriggert werden und gehören in die Mute-(oder Sidechain-) Group mit der Snare (also von deren Akzenten stummgeschaltet). So wird der Matsch elegant umfahren.

4. Die Masse hüpfte, schwitzte und war glücklich. Konzertziel eindeutig erreicht. Dennoch finde ich persönlich das Gebinde Rapper plus DJ für den Konzertrahmen nach wie vor dürftig und ganz schön langweilig. Wenn dann der DJ auch noch in jedem Track den immer gleichen (zudem schmerzhaft lauten) Pistolenschuß abfeuert, bin ich dreifach genervt: das ist nicht nur unkreativ und unmusikalisch, der Aufmerksamkeit generierende Effekt nutzt sich auf diese Weise rasant ab. Hey, und warum immer: Waffen?

wieder mal Juicy Fruit Vibe… aber eins a Hook Gesang, super Outro Move – finde ich ich

Zum Abschluß noch der Top-Steve-Gadd-Break aus Mark Colbys „Serpetine Fire“ (1978)