Archive for the ‘Rhythmusmacher’ Category

Einmal Drums mit alles

Januar 9, 2021

Bo Borgmann kenne ich bisher nur vom Sehen (im wahren Leben einmal, nämlich letzen Januar beim jährlichen Meinl Come Together, online schon deutlich öfter) und von seiner Schreibe. Dank seiner geradlinigen Art (auch unbequeme) Sachverhalte deutlich, aber empathisch anzusprechen und weil er mich in puncto Namen und Statur an meinen Bass-Freund aus Stuttgart erinnert, hat er schon ein Stein im Brett.
Während des ersten Lockdowns erzählte mir Stephan Emig von „Bos Kaffeekränzchen„, einer super Idee, ganz nach meinem Geschmack, jedoch leider mit der falschen Uhrzeit. Morgens um 9 Uhr bin ich noch nicht mal zum bloßen Kaffeetrinken fähig, insofern gab es dort keine Einstiegschancen.
Um so mehr freute ich mich über die neue Podcast-Reihe „Einmal Drums mit alles„, die selbstredend jederzeit gehört werden kann.
Nachdem ich die beiden Folgen mit Simon Gattringer und Christin Neddens angehört hatte schrieb ich ihm:

Es folgt eine schöne Antwort. Und selbstverständlich würde ich mich gerne bei diesem Imbiß in die Schlange stellen, dabei Rede und Antwort stehen, aber hey, das hätte jetzt doch den Beigeschmack einer Selbsteinladung.
Zudem habe ich schon zwei anderen Podcast-Gesprächen zugesagt und obwohl ich einiges zu erzählen wüsste, will ich auf keinen Fall durch Omnipräsenz ein „och ne, noch ein Podcast mit dem“ provozieren.

In diesem Fall wird’s wohl eher eine kurze Selbsteinwechslung – als Teil von Netzer trage offenbar auch ich ein solches Gen in mir – die sich um den rätselartigen Frageblock am Ende von Bos Sendung kümmert.

A >>Die schönste und die schrecklichste Erfahrung<<
Oh yes 🙂
Sauerstoff an der Grenze zum Kollaps – mit DePhazz 2007 auf dem Clubschiff in Budapest
Oh weh 😦
Ich durfte 2011 wieder mal bei den „Fantastischen Vier“ aushelfen und hatte einen suboptimalen Kopfhörermix. Hörte prompt den Einzähler bei „Mehr nehmen“ angeschnitten, sprich, zu spät und zack waren meine Sinne von der Offbeat basierten Synth-Sequenz auswegslos eingenommen. Natürlich merkte ich, dass was nicht stimmt, wusste aber nicht nicht genau „was“, konnte folglich auch nicht guten Gewissens irgendwo einsteigen. Trommle also nicht, Nummer wird abgebrochen… (dort wird die Geschichte dennoch gut, weil lösungsorientiert, zu Ende erzählt)

B >>Wer hat’s getrommelt?<<
Hierzu spielt Bo einen Track ein, den ich nur in der Sendung mit Christin („I keep forgettin‘„) gekannt hatte, dabei direkt an Wolfgang Haffners Buchtipp denken musste. Denn die Lukather Autobiografie ist voller Porcaro Geschichten.
Für Simon gab es den „Pina Colada Song“ mit Steve Jordan, für Ralf Gustke – habe ich ebn noch nachgeholt – Vinnie mit Megadeth 🙂

C >>Was wäre wenn?<<
1. Reise in die Vergangenheit
So schön ich viele unterschiedliche Epochen auch finde, ich möchte eigentlich genau im Hier und Jetzt bleiben. Einfach jetzt und in der nahen Zukunft all das machen, was ich toll finde bzw. aus der Vergangheit heraus traumhaft finde.
Passend dazu gab es heute einen schönen Gastbeitrag auf der IG Seite des Designers Stefan Sagmeister:


2. Der einzige verbleibende Song
Schwer!! Nach kurzem Mitüberlegen während der gehörten Sendung kam ich auf „Part I“ von Keith Jarretts „Creation“ Album aus dem Jahr 2015. Ein harmonischer Wonneproppen, episch und Schlagzeug-frei.

D >>Fünf Quickies mit Bo<<
1. DAS Drumbook
Moses Schneider „Das etwas andere Handbuch oder How to pimp my Übungsraum
2. DIE Trommel
meine alte Tama Superstar Snare. 14 x 6,5 mit dem besten Innendämpfersystem.


3. DAS Tool
Easy! Ein Delaypedal mit Tap-Tempo Funktion, beispielsweise das Boss RE-20
4. DER Lieblingsdrummer
Billy Cobham
5. EINE Empfehlung
Popkurs in Hamburg

Ich freue mich schon auf die kommenden Folgen (und werde weiterhin tapfer mitraten).

im Looping verzettelt

Januar 4, 2021

Wie oft habe ich schon gedacht, gesagt: Hey, bleib doch mal konzentriert an der einen Sache dran, die Du gerade begonnen hast. Verzettel dich nicht. Sonst endest du mit vielen halben Sachen, aber nichts Ganzem…

Heute durfte ich zweimal intensiv erfahren, wie schön es ist mehrere Dinge zu beginnen, abzudriften und noch eine weitere Abteilung zu eröffnen.
Man liest nicht nur brav eine Geschichte, sondern mehrere, verschiedene.
Kocht nicht nur auf einer Flamme, sondern auf vier.
Wohlwissend, dass, während man sich einer schönen Sache widmet, andere Highlights schon wartend bereitliegend. Ich spür’s deutlich, das ist nicht Überfluss, sondern viel Fahrwasser für einen smoothen Flow.
Und in genau dem unterbreche ich ein spannendes Gespräch mit Steve Reich und tippe ich die Zufälle und Erkenntnisse des Tages herunter:

Am Nachmittag wollte ich eigentlich nur geschwind den von Jojo Vogt vorbereiteten Gastbeitrag einpflegen, stolperte aber direkt im ersten Videolink (die EMT Hallplatte und der Schlagzeugsound der „Black Keys“) über einen Nebensatz von Drummer Patrick Carney:
>>I am a big lover of the mono overhead<<
und hörte erstmal in das Album „Brothers“ aus dem Jahr 2010 rein – Schlagzeugsound in Mono! – bevor ich mich der eigentlichen Besonderheit zu wandte, nämlich jenem tontechnischen Trick, den großen Plattenhall als Drum-Mikro einzusetzen.

Dann las ich von F. M. Einheit, wollte nur mal kurz dessen Diskografie checken, bevor ich in sein spezielles Instrumentarium aus Riesenfedern, Stahlblechen und Steinen eintauche und die nicht vorhandene Stocktasche verstehe.
Diesmal wurde mir der wunderschöne Titel „Echohce“ zum Verhängnis. Als leidenschaftlicher Echodrummer und Delay-Forscher MUSS ich ja wissen, ob dieses Album von gleichnamigen Geräte geprägt wurde – immerhin gibt es von Hellmut Hattler auch ein Solo mit Palindrom-Namen („Enimo Mine„), das sogar zwei Echogeräte benötigt…
Aber der Echo-Kontext war ein anderer: >>ECHOHCE is a project for a singer, musicians and a machine generating text. The singer speaks the title of the next song into the microphone to announce it to the audience. The song does not yet exist. The computer answers by generating a stream of associations related to the topic. The lyrics are printed on eight needle printers above the stage as they evolve. The singer selects text that seems meaningful to him and performs it together with the musicians. The text generator Poetry Machine used in this project is based on semantic networks. The program only contains routines to process text, no hardcoded datasets. It digests documents of human authors and extracts their associative interconnections. Its main source of information are the masses of text in the internet. Poetry Machine is part of the permanent collection of the Centre for Art and Mediatechnology (ZKM), Karlsruhe.<< (Quelle)

Ein spannender Ansatz und ein großartiger Jamie Lidell! Sein Gesang fand ich immer schon beeindruckend, seinen zeitweiligen Drummer Brian „Willie B.“ Wilson außergewöhnlich (weil er mit dem linken Fuß einen Bassisten in der Liveband ersetzte) und im weiteren Verlauf fand ich noch dieses Soundcheckdokument, das Herrn Lidell als geschmackvollen Live-Looper zeigt:

In diesem Augenblick gingen weitere Fenster in meinem Kopf auf, unbedingt mal all die frühen Looping-Artists (siehe Matthew Herbert neulich dort) in einem Beitrag zusammen zu fassen…

Jetzt aber hielt ich inne. Und brachte die ursprüngliche Aufgabe, den Artikel Jojos DIY Plate Reverb zu Ende.

Dann wieder zum sich selbst loopenden Jamie Lidell. Dieses spätere Video zeigt eine Equipveränderung, sowie eine deutliche Referenz zur „Flow Machine“ von Tim Exile. Na klar, auch er ist ein meisterhafter Solo-Looper. Und zack formt sich mittels des Artikels „Is Live Looping 2.0 the beginning of Music 2.0?“ der nächste Schneeball wie von selbst:
>>Live looping has been coming in and out of modern music’s favour since the 60s. It’s been adopted by composers like Steve Reich, beatboxers like Beardyman and singer/songwriters like KT Tunstall.
It’s had another renaissance recently with Ed Sheeran and Marc Ribellet. Whatever you feel about their music, it’s a fascinating development. Live looping 1.0 was about technology and magic; wowing the audience with the ability to turn one musician into many. Like all tricks, it was time-limited. The magic is over once the third rabbit emerges from the hat.<<
Hier unterbreche ich die kluge Lektüre und unterfüttere ihre Verweise mit den bereitgestellten Links.

Beardyman is livestreaming improvised live looping and even doing community assisted production streams — getting feedback and suggestions on unreleased material as it’s made.

Lesson: Looping Basics Using KT Tunstall’s Method (mit Akai E2 Headrush Pedal)

Ed Sheeran Gear Guide (guitars and looping tech — a big fancy custom pedal but at its core a free VST)
vom Boss RC-30 zu den Chewie Monsta 1 und 2

Schließlich und endlich lande ich wieder bei Steve Reich, der übrigens als Drummer mit dem Musikmachen begonnen hatte. Alle Kreise geschlossen! Doppelter Looping, mindestens…

Morgen verlinke ich dann Binkbeats, Rico Loop, Amulets, Jonny Greenwood und Ed O’Brien und all die anderen Frippertronics.

Jojos DIY Plate Reverb

Januar 3, 2021

Bei meinen IG Streifzügen sah ich Jojo Vogt mit Metallplatten und Piezos experimentieren.
Da ich selbst kürzlich – dank Bernard Purdie und Quincy Jones in Rudy van Gelders heiligen Hallen – in die reizvollen Klangwelten des Plate Reverbs eingetaucht bin, der Halleffekt im weiteren Sinne eindeutig zur Werkzeugkiste der Echodrums gehört und DIY mich ohnehin immer aufhorchen lässt, fragte ich Jojo kurzerhand, ob er sich vorstellen könnte, seine Erfahrungswerte auf dem Blog zu teilen. Here you are 🙂

>>Das erste Mal kam ich mit Blechen bei dem Video vom Aaron Sterling in Berührung und fand das sehr inspirierend. Ich teile mir mit einigen Kollegen mein Studio und glatt war ein Blech da, ca. in der Größe 60cm x 100cm, mit dem ich dann gleich einige Songs aufgenommen habe und es gerade als Layer mit stark komprimierten Räumen verwendet habe, was super interessante Sounds ergibt. (Siehe Aaron Sterling).
Dabei habe ich aber nur auf das Blech mit Sticks oder Mallets geschlagen und habe es mir den Room Mics abgenommen, also kein KontaktMic verwendet.

Als ich dann vor kurzem auf YouTube zufällig auf ein Video über den Drumsound/Mikrofonie der Black Keys gestolpert bin, erklärt Engineer Marc Whitmore (ab 2:27), dass er seinen EMT 140, der in der Aufnahme steht, als große Membran verwendet und nur den Sound aufnimmt, der durch den Schall im Aufnahmeraum an der großen Hall Platte entsteht (ab 4:52).
Super interessant, dachte nie, dass das funktioniert… bin halt ein Amateur… aber war getriggert…

Ich musste dann ein paar Tage darauf zum Spengler um Bleche für unser neues Gartenhaus machen zu lassen. Als ich in die Halle gekommen bin war ich natürlich im Candyland… überall Riesige Bleche.. und habe dann nach drei Bier und einem sehr netten Gespräch nicht nur die Bleche fürs Gartenhaus mitgenommen, sondern auch ein großes Blech, ca. 120cm x 100cm in 0,6mm Stärke aus Edelstahl und einige Abschnitte.
Der erste Schritt war damit getan.

2006- 2007 hatte ich einige Konzerte mit Funkstörung gespielt und bei einem dieser Konzerte haben wir mit FM Einheit (ehemaliges Mitglied der „Einstürzende Neubauten“) zusammen gespielt. Das war ein Erlebnis was mich nachhaltig geprägt hat. Er hatte zwei lange Stahlfedern, wie bei Garagentoren, die an den Traversen über der Bühne aufgehängt wurden. Eine war ca. 1m lang und die andere ca. 3m die er dann mit unterschiedlichsten Dingen, wie Hammer, Bohrmaschine und keine Ahnung was noch, bearbeitet hat und diesen Dingern unfassbar interessante Sounds entlockt hat. Abgenommen mit einem Piezo.
An dieses Erlebnis musste ich im Zusammenhang mit diesen Blech wieder denken und habe mir einige Videos auf YouTube von Ihm angeschaut und war total inspiriert das mit den Piezos mal auszuprobieren. Er hat auch ein großes Blech, auf dem er vor allem mit Steinen tolle Soundgebilde kreiert.

Das habe ich gefunden… sollte man sich unbedingt reinziehen!

Im Studio angekommen, habe ich das Blech in den Aufnahmeraum gestellt und ein AKG Kontaktmikrofon ziemlich mittig im unteren Drittel angeklebt und das Signal über einen Mic Preamp verstärkt. Ich war nicht sehr überzeugt, dass das besonders gut funktionieren kann, aber war dann ganz überrascht, wie gut das klappt und wie stark die Platte durch meine Drums angeregt wird. Die doch recht lange Nachhallzeit habe ich mit meinem Pulli verkürzt indem ich ihn einfach lässig über das Blech gelegt habe. An diesem Tag waren leise gespielte 70s Drums auf dem Plan, da hat es toll funktioniert.

Man kann den Unterschied zwischen Dry/Wet sehr gut hören:
a. Wet

b. Dry

c. Plate SOLO

Ich denke wenn man laut spielt und mit stark komprimierten Räumen arbeitet, würde das Blech durch den eigenen Klag stark mit einstreuen, wenn es im gleichen Raum steht, wie das Schlagzeug und die Mikrofonie. Fraglich, ob es dann gut zu verwerten wäre. Ich werde es testen.
Man findet übrigens super Anleitungen im Netz für den DIY Plate Reverb. Ich plane auch einen Stahlrahmen zu schweißen und dann einen Hall zu bauen, den ich vielfältig einsetzen kann.
Dann aber mit Stereo Abnahme durch Piezo und Oberflächen Transducer, um auch Sound aus der DAW in den Hall schicken zu können. Das könnte dann auch eine Lösung sein, wenn es mal wieder lauter sein muss…

Übrigens eignet sich das Blech auch toll als Instrument indem man es mit Schlägeln aller Art bearbeitet. Das habe ich auch gemacht und man hört es im Snippet „Zombie“.
Alle Sounds die einem Angst machen kommen aus dem Blech 🙂

Ich persönlich finde das ganze Thema sehr spannend und hoffe, dass ich Euch ein paar Einblicke geben konnte. Auf jedem Fall werde ich das weiter testen und in meinen Recording-Alltag als feste Option etablieren.<<

PS. Die Verbindung von Delay und (dem deutlich kompakteren) Federhall könnte als alternative Einstiegsdroge funktionieren…

Kagh! Douuong Pag!

Dezember 30, 2020

Inspirierendes Videotelefonat mit Trilok Gurtu; seine Geschichte, seine Einstellung, sein System.

Ich habe mir zudem ein Mini-Hörspiel über den Snaresound extrahiert.

Sowie diesen Tipp ausgeschnitten, der meinen Gewohnheiten sehr entgegen kommt:
„If it’s not working, put 4 on the floor!“

only shaped drums

Dezember 29, 2020

Die holländische PlugIn Schmiede Denise erklären Plate Reverb, Hainbach das aktuelle analoge Multieffektgerät „Dust Collector“ von Finegear: Effektierter Groove (aus der TR-606) ab 6:02

Jetzt zeigt sich zwar doch auch noch ein toller Drummer (Derrick McKenzie) in diesem Beitrag, aber der legt auf…

… warmtanzen für den 80sten von Lonnie Liston Smith (der seine Begleitband der Jahre 1973-76 liebevoll „The Cosmic Echoes“ taufte).

Pffffhhh

Dezember 25, 2020

Im Anschluss klicke ich mich durch die Drumsets von Carlton Barrett – sein Snare-Highlight ist dasselbe wie John Bonhams, die sechseinhalber Supraphonic LM402 – und höre mir dessen liebstes Bob Marley Album „Kaya“ an.

Meine spannendste Entdeckungen:
1. Carlton Barrett mit Simmons Toms! (1987)

2. Echodrums im Outro, nachdem der Meister von der Bühne gegangen ist.

Die beiden Clocktower Alben Carlton Barrett & Family Man „The Sound Of Macka Dub Vol. 1“ (1980) und Clocktower Dub.

The Wailers „Tribute to Carly Barrett“ (1987) mixed by Mad Professor!

Check: „How Do You Think I Dub

Stromverbunden!

Dezember 19, 2020

Vier grandiose Fänge im Netz.
Für den 4. Advent oder eher das ganze Wochenende!
1. Michel Baumann (aka Jackmate, Soulphiction) erinnert sich an einen Gig mit Matthew Herbert im Unbekannten Tier in Stuttgart 1996. Glücklicherweise existiert ein (späteres) Filmdokument mit Herberts Live-Sampling. Die damalige Chipstüte wurde durch eine Packung mit Frühstücksflocken ersetzt.

2. Fila Brazillias Steve Cobby forscht bezüglich des ersten Drum Tape Loops:

Hier kommt erstaunliches Wissen und viel Musik zusammen. Ausgehend vom Bee Gees Loop (ein Bernard Purdie Schnippsel) für „Stayin‘ Alive“ (1977) und von Marvin Gayes (selbstgetrommeltem) „T plays it cool“ (1972), über „Cecilia“ von Simon & Garfunkel (1969 aufgenommener Loop mit passendem Hallrückwurf!) zum alternativen Beatles Take von „Tomorrow Never Knows“ (1966).
Aber auch Kool DJ Herc, Delia Derbyshire und Arseny Avraamov werden erwähnt.
Welch mega Diskussion!!

>>By knowing the way to record the most complex sound textures by means of a phonograph, after analysis of the curve structure of the sound groove, directing the needle of the resonating membrane, one can create synthetically any, even the most fantastic sound by making a groove with a proper shape, structure and depth.<< Arseny Avraamov (1916)

>>And if you listen to it closely now, what you’ll notice is that it’s a loop. The drum – the drum is a drum loop. Now back in ’72 there were no samplers. What they did was they took a piece of tape and they had the two track tape machine, and they made that pattern that made a loop like a figure eight around the tip – rim, which I’d never seen before.<< Saxophonist Trevor Lawrence auf „T plays it cool“

Nebenbei noch vergnügliche Anekdoten. Beispielsweise über „Andy Newmark playing live over a Maestro Rhythm King drum machine [MRK-2]“ für Sly Stone und eben jene Rhythmusmaschinen-Aufnahme, die später von Fila Brazillia für „Chemistry“ gesampelt wurde. Oder über die Go Go Band (mit Ju Ju House) die für Grace Jones‘ „Slave to the Rhythm“ (1985) eingeflogen wurde:
>>My friend Steve D’Agostino was the drum programmer on Slave, working for Steve Lipson. He spent the bulk of six months just working on the drums to that one song. It was a combination of programmed and live drums, played by the guy from the Blockheads [Charlie Charles], all assembled and edited in a Fairlight. Not only was he getting paid a fortune, it was done at Sarm West, so the final costs ran over a £million. Trevor Horn was convinced he was going to produce something that would compare with The Beatles – that was his aim with this song<< Paul Greendale

3. Sasa Stanisic bedankt sich für den Weilheimer Literatur Preis und redet toll über Strom.

4. Fuck. Ein neues Hattler Recording wurde geleakt. Attitude und Energie stimmen zwar (keine Snare, dafür beidhändig betrommelte Hihat Becken), aber man sieht dabei den Trommler mit unanständig viel Spaß bei der Arbeit.

>>It must have a beat and it got to have soul!<<

pre SpongeBob

Dezember 17, 2020

Eindeutig Ferien: kaufe im italienischen Großmark mit Jovanottis „Serenata Rap“ ein, spüre (von DJ Premier!) programmierte Swing-Drums auf – Buckshot LeFonque „The Blackwidow Blues“ – und lege mich zu den isolierten Tracks von Carlton Barrett in die Bassbadewanne:

Zum Abschluß noch Billy Cobham im Pre-SpongeBob Shirt.

Und Augenblicke aus London, die teilweise ins Shabazz Live-Album flossen.
Übrigens, sensationelles Moog-Solo-Ende von Milcho Leviev ab 10:18! Und ein mir leider unbekannter, mit Gaffa Tape befestigter Effekt-Bollide.

Als Highlight des Tages jedoch blitze ein Roland Space Echo RE-201 hinter Mr. Cobham auf, als er mit George Duke 1976 beim Jazzfestival Montreux auftrat.
Das Delay ist auch kurz zu hören, nämlich im Intro Groove von „Almustafa The Beloved“ (22:14).
Auf dem passenden 76er Live-Album „The Billy Cobham – George Duke Band „Live On Tour In Europe“ gibt es dann noch ein (von B. C. gemischtes) Solo mit Delay: „Frankenstein Goes To The Disco“

Von derselben Besetzung (mit Alphonso Johnson und John Scofield) entdecke ich noch ein weiteres Live-Recording, das unter den beiden Titeln Billy Cobham „Live 1976 From New York Hofstra Playhouse“ oder Billy Cobham & The George Duke Band „Live 1976“ später digital veröffentlich wurde. Zu Beginn von „Uncle Remus“ gibt’s dort ebenfalls Cobham-Echodrums zu hören 🙂

Mir wird klar diese Besetzung hat ihre Setliste unterschiedlich dargeboten, ich bleibe also an den Bootlegs aus dieser Zeit dran und tatsächlich entdecke ich ein Echodrums-Solo bei der Show in New Orleans vom 18. Februar 1976!!!
Mein Highlight des Jahres 🙂

Wie wir spielen, wie wir leben

Dezember 4, 2020

Bevor mein inneres Trommelfeuer entfacht wurde, habe ich eigentlich auf dem Sportplatz gelebt:
Schöner Fußball bis zum Umfallen!


Das spätere Vereinswesen jedoch hat mich schnell abgestoßen, der große Fußballzirkus mit Bundesliga und Fandom bald überhaupt nicht mehr interessiert, bei internationalen Spielen dann eher die Exoten, vor allem aber angetan haben es mir die eleganten Spielzüge, die besonderen Kicker mit Übersicht und Konzepten jenseits der Box. Völlig egal wo, ob im Park, Käfig oder Fernseher.
Körperliche Härte war mir jedenfalls immer ein Gräuel. (Und lange Zeit auch der Grund, warum ich kaum noch gespielt hatte). Heute las ich den taz-Artikel „Wie wir kicken, wie wir leben“ von Ilker Gündogan und habe dabei erstmals einen spannenden archaischen Zusammenhang zwischen Fußball- und Schlagzeugspielen gesehen – nämlich die militärische Komponente – sowie mich, aus der Vogelperspektive, wie mir genau dieser Bezug bei beiden geliebten Hobbies immer eher missfallen hat. Sprich, Rudiments und verbissene Wettkämpfe, hierarchische Strukturen und die vermeintlich notwendige Bewertung. Für mich geht’s überhaupt nicht darum, am Ende jemand anderes besiegt zu haben, sondern um die besonderen Momente, die während des Spiels entstehen können. Nur ihretwegen schlafe ich gut!

Weil Corona-Freitag ist, ich also einen freien Abend habe, folgt noch eine weitere Geschichte. Ein kleiner Schwank von Roland Baisch:

Ansonsten hätte ich noch etwas Musik im Ärmel: ein weiteres Looper-Video von Tom Misch (aus seine Quarantäne Sessions) oder das Technoself Live-Album von Drummer Deantoni Parks (eins von Dreien dieses Jahr!). Jetzt gerade, zum Tippen, lief Oliver Nelsons „The Blues and the Abstract Truth“, auch toll.

Soloperformance „Echo-Kammer“

Dezember 3, 2020

Heute Abend um 20 Uhr performt Flo König bei den „tiny room sessions” im Musikraum der Kunststiftung Baden-Württemberg.


In seiner Soloperformance „Echo-Kammer“ wird bewusst auf die Zuhilfenahme digitaler Synchronisation, beispielsweise durch einen Computer, verzichtet. Stattdessen bedient er sich analoger Sensoren und Schallwandlern um aus seinen Bewegungen intuitiv Tempo- und Abstandsinformationen zur Klangformung abzuleiten. Dadurch bleibt die Improvisation,  im unmittelbaren Zusammenspiel mit der Maschine, Mittel- und Reibungspunkt seiner Performance.  

Übrigens: genau diese, in den Filmstills zu sehende, Korg SE-300 Echomaschine wurde früher vom Schorndorfer Saxofonisten Dieter Seelow verwendet und sorgte vermutlich für meine ersten persönlichen Echodrums-Erfahrungen. Zunächst nur zufällig und passiv, weil meine Schlagzeugklänge, ob ihrer Lautstärke halt ebenfalls mit ins Saxofon-Mikro und dadurch durchs Dieter-Delay rutschten, aber hey: das Klangresultat sprach eindeutig für sich und wurde später zum Antrieb 🙂