Archive for the ‘Rhythmusmacher’ Category

aufgehende Halbmonde

Januar 16, 2023

Neue Impulse durch frische Farben, auf ein buntes Neues!

Um gestärkt die Auflistung der während des Urlaubs und in der letzten Wochen entdeckten Schönheiten anzugehen, lese ich mir erstmal den aktuellen Paris-Rundgang von Verena C. Mayer durch („Aufgehende Halbmonde„), ihre Suche nach dem besten Croissant:
>>Außen sollte es goldbraun und knusprig gebacken sein (sodass es eine nach Karamell schmeckende Kruste bekommt, die beim Reinbeißen aufs T-Shirt bröselt), innen luftig, weich und buttrig (als würde es im Mund schmelzen), keinesfalls aber speckig. Und das Wichtigste: möglichst viele hauchdünne Schichten, die so durchsichtig wie Seidenpapier und elastisch wie Kaugummi sind.<<

Jetzt schnell noch die passende Playlist erstellen und los…

Aus der „Verrückten Geschichte“ kopiere ich den Beitrag zu meinem (gleichaltrigen) Lieblings-Zähler:
>>1972: Graf Zahl (im engl. Count von Count) hat seinen ersten Auftritt in der Sesamstraße. Seine Zählwut ist
keine Erfindung der Show, sondern beruht auf europäischer Folklore. Demnach waren Vampire oft Arithmomanen, die alles zwanghaft zählen mussten.<<
Ebenfalls auf Twitter, DailyMann, Auszüge aus Thomas Manns Tagebüchern.
>>Hier twittert Katia Mann, weil Thomas‘ Tür zu ist. Erika ordnet.<<

Lesens- und überdenkenswerte Gedanken des Soziologen Philipp Staab:
>>Die Anpassung an das, was für die Selbsterhaltung der Gesellschaft nötig ist. Den Verlust zu betrauern, reicht nicht. Das große Menetekel ist der Klimawandel. Auch die Pandemie hat gezeigt, dass die moderne Gesellschaft ihre Steuerungsfähigkeiten überschätzt hat. Deswegen sollten wir aufhören, uns vorzugaukeln, wir würden noch in der Ära des Fortschritts leben. Das tun wir nicht. Wir leben in der Ära der Anpassung. Diese Anpassung ist nicht passiv, sie erfordert Handlungsfähigkeit. Psychoanalytisch ausgedrückt geht es darum, nach der Trauer das Realitätsprinzip zu akzeptieren und die Stärken des Ichs zu entfalten.<<
Zufällig hatte ich neulich in Jakob Arjounis „Magic Hoffmann“ folgenden Satz markiert:
>>Im Anpassen an veränderte Umstände war Fred fast noch besser als im Schmieden unumstößlicher Pläne.<<

Oh weh, und immer wieder Todesnachrichten von musikalischen Ikonen. Doch die vielen sozial-medialen Abschiedsbekundungen ähneln dem Leichenschmaus und helfen beim Verdauen der schrecklichen Überraschungen.
Darüber entdecke ich beispielsweise ein Schlagzeug-Solo von Fred White mit Echo (1979 aus dem Essener Rockpalast) oder Questloves Lieblings-Jeff-Beck-Break („Come Dancing„) sowie folgendes Vivienne Westwood Zitat aus dem Interview des SZ-Magazins:
>>Dieses Gewese um Schönheit wird immer unerträglicher.
Die Menschen sollten sich mehr anstrengen, weniger dumm zu sein, denn das würde sie am besten kleiden. Das empfehlenswerteste Accessoire ist ein Buch.<<

Apropos Jeff Beck: sein Vermächtnis des virtuosen Regelbrechens möchte ich hier nochmals gesondert erwähnen. Sei es das gefühlvolle Intonieren mit Fingern und Hebel, manuell eingeblendete Sounds („violining“), fragile Flageoletts oder Rock’N Roll (er) mit begnadeten Fusion-Virtuosen (seine Mitspieler).
>>Ich schere mich nicht um die Regeln. Vielmehr ist es so, dass wenn ich nicht in jedem Song mindestens zehnmal die Regeln breche, ich meinen Job nicht richtig mache.<<


Und hier noch ein Clip aus der „Guitar Shop“ Zeit mit stylisch-aktivem Terry Bozzio:

Schließlich noch etwas Gear-Talk:

Dan Mayo hat sich ein neues (kleineres) Reise-Effektbrett zusammen gestellt*, Ralf C. Mayer liebt das Vertigo VSE-4 PlugIn und Soungas vertreibt einen Klon des (durch King Tubby berühmt gewordenen) Altec 9069B High Pass Filters (Audio Merge KTBK-1B).

* Eria Synth Acidbox III und Fusionbox, Chase Bliss Generation Loss und Blooper, EHX POG2, Mattoverse TremStortion

keinerlei Erwartungsdruck, Freude pur

Dezember 16, 2022

Der tanzende Salon war ein wunderbarer Saisonabschluß! Da kam alles Gute zusammen, Improvisation, Interaktion, DJ Culture und ein tanzendes Publikum.


Ich hatte mir heute nach dem Aufwachen die Frage gestellt, warum ich so gerne mit einem DJ jamme, also zu ausgesuchten Tonträgern schlagzeuge, die eigentlich vollständig sind, jeder einzelne auf seine Art sogar der Idealzustand…
Der Schlüssel liegt vermutlich im Umstand des völlig Unbekannten, das keinerlei Erwartungshaltung zulässt. 
Sobald jedoch Vorboten der eigenen Interessen erklingen (sei es ein angenehmes Tempo, ein geliebtes Genre oder sogar was Vertrautes, schon Bekanntes), stellt sich beste Laune ein. Im folgenden wird die weitere Entwicklung neugierig und konzentriert mitgehört, einzuordnen versucht: dabei werden Riffs und Links gescannt, gar geschwind auswendig gelernt, Spannungsverläufe registriert, um sie in der Wiederholung zu unterstützen, auf Breakdowns und Kick Drops so schnell wie möglich reagiert… Selbstvertrauen stellt sich ein, mehr und mehr vergrößert man die eigene Risikobereitschaft, macht Beats klar, wo das Playback noch in diffusen Rhythmusfragmenten schwebt, versucht Wendungen zu antizipieren und vorzubereiten, übernimmt kurzerhand durch bloße Lautstärke, Rhythmusdichte oder sonstige Energie mal das Steuerrad für den Dancefloor…
Ich könnte noch 1000 weitere Gründe aufzählen, doch eigentlich verhält es sich äußerst simpel: für mich gleicht anregende Musik einer Einladung direkt mitzumachen, mein Hochgefühl eins zu eins in (getrommelte) Energie umzusetzen. Im Idealfall springen dabei Funken ins Publikum und füllen den Tanzboden, transportieren letztlich kleine Glückhäppchen, die bei der einen oder dem anderen wirken (wie Eiskonfekt bei mir).
Der Jam mit dem DJ ist großartig, meine Königsklasse jedoch ist der improvisierende Verbund von DJ und Band. Plötzlich sind nämlich mehrere Bälle gleichzeitig im Spiel, die allesamt nicht nur in der Luft gehalten werden sollen, sondern bitte formschön, elegant und inhaltlich stringent zu einer Super-Choreografie verbunden werden wollen. Eine Art Simultanschach mit Tönen und Beats. Und im Minutentakt entsteht Neues. Gehen darüberhinaus ab und an die Hände in die Höhe oder schalt ein „yeah!“ durch den Raum, dann hüpft mein Herz mit vermutlich 126bpm…

Passend dazu schreibt Antonio Sanchez zeitgleich im IG: >>Playing in a band is one of the best exercises in democracy. It encourages individualism/self expression but you’re all working towards a bigger goal. The exercise also fails if you’re not constantly looking out for one other. Everybody should try it at some point in life.<<

Stevie &

Dezember 5, 2022

Ich sehe was…
Holzlatten-Riser unter, fetter Backstein vor der Kickdrum und ein MD421 mittendrin.
Zwei Coles über Kopf sowie SM57er für die Toms.
Keine Resonanzfelle.
Beste Stimmung!

Der dabei entstande Song Ebony & Ivory (1981) is a weng cheesy, aber die Handclaps klingen hervorragend und der Lead-Sound aus dem Yamaha CS-80 erst recht. Dieses panzerschwere Modell (100kg) spielte Herr Wonder übrigens auch auf diesen zwei Quincy Jones Produktionen des Jahres 1981:


Plätzchen

Dezember 1, 2022

Passender Song zum (ersten) Dezember. Was tun „when the cookie jar is empty“?

Einfach den gleichnamigen Song von Michael Franks aus dem Jahr 1978 auflegen und Steve Gadds geschmackvolle Rhythmusarchitektur transkribieren. Anschließend das Rim-Pattern auf der leeren Keksdose mittrommeln.

Miles Davis’ Approach to the Jazz Standards

November 28, 2022

Rauskopiert aus der Webseite von David Liebman:

>>Miles Davis brought something completely new to interpreting standards. In musical circles, we would say that he was the rare musician who could abstract a melody on a classic tune and play some of the “wrongest” notes, yet make them sound right. This was because of his phrasing, particularly his timing, sound (especially with the mute) and most of all, placement of notes and the inevitable logic of the melodic line he pursued. Miles created an atmosphere around a tune, not just a reading of it. The material became in a sense his own tunes and of course when Miles played a standard, it became THE way to play that tune forever-or at least an artist had to deal with Miles’ interpretation.

The way Miles played standards became inextricably associated with the sound and organization of his various groups up until the fusion era. From the early quintet with Coltrane through the ’60s group with Wayne Shorter, his way of leading the band was bound up with interpreting standards. There was a format that each group followed that became once again, the standard bearer for jazz groups everywhere. Particularly with the later pianists, Herbie Hancock and Chick Corea, the very modern harmonies that reframed classic tunes like Green Dolphin, Autumn Leaves, Yesterdays, etc., shed a completely new light on the original structures of the tunes themselves. In a sense they were rewritten by these groups of the ’60s.

(1958, mit Art Blakey)
(1965, mit Tony Williams)

Finally, playing standards for so many years is what put Miles in front of the public eye, for it is inevitably true that for the most part familiar material, when handled artistically is a necessary component for communicating with the mass audience. being as smart and perceptive as he was, Miles knew that very well. But what is also interesting is that once he turned his back on standards in the late ’60s, he never went back, not even for a “reunion” tour or recording (not counting his final Montreux appearance with Quincy Jones.)
All musicians everywhere have to know about Miles Davis and his way of playing standards. It is basic to modern jazz history.<<

aktuelle Schlagzeugermusik

November 28, 2022

Mit „Moonwalker“ steige ich ins frische Soloalbum von Noah Fürbringer ein, „Pilot“ wähle ich vom Domi & JD Beck Werk, „LDN“ von Alexander Flood.
Von Louis Cole gibt es „Quality over Opinion“ und Brody Simpson schau ich lesenderweise über die Schultern.
Auch der umtriebige Simon Popp hat mit „Blizz“ sein drittes Solo-Album rausgehauen. Yeah!
Und sollten mich Brasilien gegen die Schweiz nicht überzeugen, so wechsle ich zum ARTE Konzertmitschnitt von Loyle Carner (mit Richard Spaven hinter den Drums).

siehe auch Magro „II“

drones and the space between

November 27, 2022

Ich experimentiere zur Zeit mit dem Drone Rainger, einem simplen Oszillator, dessen Tonhöhe sich jedoch sehr angenehm und Bühnentauglich mittels gerastertem Drehpoti anwählen lässt. Als perfektes Partnerpedal finde ich den alten Boss SL-20 Slicer.
Hier zwei Anwendungen, einmal ist der Particle II zwischen Drone und Slicer, einmal das Whammy II:

Per Zufall entdecke ich den australischen Drummer Alexander Flood, der ebenfalls gerne einhändige Beats zockt und mit der freien, linken die Elektronik zu steuern. Beispielsweise Effektgeräte oder, wie in diesem schönen Fall, One-Finger-Chords via Akai MPX16
Sein zweites Solo-Album „The Space Between“ wird direkt hinterhergehört:

Civil War Fills

November 17, 2022

Ich freue mich immer über Geschichten, in denen das furchterregende Wort „Krieg“ einen positiven, musikalischen Dreh erfährt.
Die Formulierung entsprang aus Louis Coles Mund, als er dazu ansetzte über seine Drummer Helden zu sprechen und mit Buddy Rich begann.
Bin gespannt, was da noch alles kommt…

Luftholen

Oktober 24, 2022

Sasha Marianna Salzmann schreibt mit dem Untertitel „Wie geht Menschlichkeit in der Poesie? Und was heißt es, menschlich zu sein im Krieg?“ eine lesenswerte Laudatio auf Serhij Zhadan, Träger des diesjährigen Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Sie endet wie folgt:

>>Was Prosa, Poesie – Kunst überhaupt – nicht kann, ist, die Welt zu retten. Sie gewinnt keine Kriege. Sie liefert, wenn es ihr ernst ist, keine Heilsversprechen. Aber was sie kann, ist, den Augenblick herstellen, in dem man erleichtert, erstaunt oder verzückt aufatmet. Und dieses kurze Luftholen mag einen Moment des Friedens enthalten. Denn Luft holen ist immer auch ein Zeichen der Hoffnung.<<

Und im Hintergrund wechseln sich zwei tolle Joni Mitchell Alben ab („Court ans Spark“ und „The Hissing of Summer Lawns„)

mit John Guerin on drums

Feiern in Salzgitter

September 30, 2022

Mein Papa wird heute 82, DePhazz feiert den Album Release von „Jelly Banquet“, damit seinen 25. Geburtstag und ich so:
Salzgitter

Und Salzgitter war ebenfalls ein Fest! Hier meine Erinnerungsstützen:
Snom = eine Trommel, die sowohl Snare als auch Tom sein kann.
Warum gibt es eigentlich die tollen Shaker Mallets von VicFirth (Rattle Mallets,Maraca Mallets) nicht mehr? Die wurden von Michael Küttner wohlklingend integriert. Ansonsten singt Kütti beim Üben (Konnakol) und beim Trommeln (welche Sprache eigentlich?), tänzelt und versprüht Energie und beste Laune.
Für Adam Deitch ist wichtig:
Dancing and Speaking, Playing the Room (dem Veranstaltungsort angepasste Schlagzeuglautstärke). Vor allem: den Bassisten glücklich zu machen!
Martina Barakoska liebt: Journaling während des Übeprozesses (Drum Diary) und spricht von Akkorden, wenn auf derselben Zählzeit mehrere Instrumente des Drumsets gespielt werden.
Richard Spaven verwendet das Wort „embellishments“ (Verzierungen) für Fill-Ins oder Mutes (die er wiederum „breaks“ nennt). Break 1 entspricht demnach folgender Quartett-Karte:

Ansonsten, wie gewohnt: geschmackvolle Beats aus der Zukunft. Der Groove des Tracks „Nova“ beispielsweise basiert übrigens auf einer ausgelassenen 32tel Note zu Beginn der rhythmischen Phrase.

Bertram Engel hat unglaubliche Geschichten erzählt, u.a. über die Treffen und Arbeit mit Robert Palmer, Double Drums mit Levon Helm, Kopfnüsse bei Jimmy Barnes und einen vermeintlichen Playback Gig mit Springsteen in Berlin, vor allem aber mit einer Klarheit und Intensität Beats ausgehämmert, auf dass keine Fragen offen bleiben… der Kapitän halt!

Zur Workshopzeit von Claus Hessler sitze ich leider schon wieder im Zug: dafür hat er mir aber noch in der Garderobe eine schön komplizierte französische Tagwacht vorgetrommelt.
(Den Stream des Flux Konzertes gibt es dort zu sehen)
Von Lui Ludwig gab’s obendrein eins a Aufwärm-Tipps, gegen Unterzuckerung fotografierte ich die Erchinger Banane:

Mein persönliches Highlight war die spontane Session mit Frank Itt, Musik machen halt!