Archive for the ‘Design’ Category

Perfect Balance, Einstein & Coltrane

April 12, 2017

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Derartige Koinzidenzen gefallen mir ja sehr gut, auch wenn ich sie wie in diesem Fall nicht einmal nachvollziehen kann: Nämlich, dass der Coltrane-Circle (ein vom Meister gemaltes Bildgeschenk für Yusef Lateef, welches seinen personalisierten Quintenzirkel darstellt) dem gleichen geometrischen Prinzip folgt, das Albert Einstein zu seiner Quantentheorie motivierte.
Dazu verlinke auch gerne den Artikel „The Secret Link Between Jazz and Physics: How Einstein & Coltrane Shared Improvisation and Intuition in Common“ und verweise auf Stephon Alexander, der in beiden Welten zuhause ist, in der theoretischen Physik und im Jazz.

Steige selbst aber aus bzw. um und widme mich der etwas einfacher gehaltenen Überschrift „Rhythmus & Geometrie„. Da fällt mir gleich als erste Querverbindung die Vorlesung von Gerhard Kühne zum Thema „Groove based Design“ ein und dann versinke ich in der Freeware XronoMorph, die geometrische Formen in Rhythmus übersetzt. Etwas genauer:
>>Each rhythmic layer is visualized as a polygon inscribed in a circle, and each polygon can be constructed according to two different mathematical principles: perfect balance and well-formedness (aka MOS). These principles generalize polyrhythms, additive, and Euclidean rhythms. Furthermore, rhythms can be smoothly morphed between, and irrational rhythms with no regular pulse can also be easily constructed.<<

gelber Schnee, Tony Thompson, Sound Design

Januar 12, 2017

Guter Zappa Ratschlag von 1974: „Don’t eat the yellow snow

Und eine Ansage von Bernard Edwards gleich hinterher (damals, in den Anfangstagen von „Chic“  an Tony Thompson gerichtet):

>>Get rid of all that shit. Just keep a bass drum, snare, and hi-hat. When you master that, then maybe I’ll add another cymbal or drum.<<

Als Beweis natürlich noch einen T.T. Groove-Meilenstein mit ebendiesem „fast Nichts“:

>>I remember my drums were set up in the room, and there was a door that led to a hallway. The engineer, Jason Cosaro, took a tube the size of my bass drum and built this tunnel from my bass drum all the way out into the hall and up the stairs. It was this weird thing he hooked up. And it worked. The groove in the house was so thick, and what am I playing? A simple, Boom-Bop-Tish-Bop-Boom-Bop. It was unbelievable – I locked into that with everyone else swinging, and it brought the walls down.<<
[Die Zitate entstammen einem Modern Drummer Interview aus 2002]

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Lässig geschnittenes Intro (mit eingeschobenem 3/4 Takt) und der schiebende Mainloop (inklusive Kick-Echo).

frEQuenzbewusstes Groovedesign

Dezember 10, 2016

Hier mal die Bestandteile meines persönlichen Klang-Regenbogens, frequenzmäßig strukturiert und entlang des typischen Tonsprech nach Tiefen, Mitten, und Höhen gestaffelt.

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Durch die gezielte Auswahl und Stimmung unserer Instrumente lassen sich die Bestandteile des Drumsets derart schichten, dass jeder Klang seinen Platz hat.

Je mehr Beteiligte desto mehr mögliche Überschneidungen gibt es. Diese Problematik lässt sich zum Teil spielerisch* lösen – wann platziere ich welchen Sound oder welche Klangkombination – aber auch technisch:
Equalizer helfen beim Aufräumen, in dem störende Frequenzen abgeschwächt werden. Auch die Verteilung im Panorama kann Platz schaffen. Und schließlich können via Trigger oder Audio-to-Midi zusätzliche Samples fehlende Informationen beisteuern.

Um ein Gefühl für die typischen Frequenzbereiche von Kick, Snare, Toms, Hihat und Becken zu bekommen, finde ich es hilfreich in den Presets namhafter PlugIns nachzuschauen, was dort so gezogen und angehoben wird.
Es gibt zwar online diverse Tutorials für den ersten Überblick, aber keine klaren Richtlinien, so dass selbst schon die Einteilung der Frequenzbänder für Verwirrung sorgt (ich habe für meine Collage die Klangeigenschaften und Hz-Zahlen hier entnommen). Zudem gibt es zig Klangvarianten für jedes Instrument, für jedes Genre, so dass letztlich wieder mal nur unsere Ohren und unser Geschmack (egal, welche Regeln dadurch verletzt werden) zählen.

Frequenzbeweusstes-Groovedesign_.jpg

PS. in welchem Frequenzbereich sich DEIN Equipment tummelt, kannst Du z.B. mit dem Freeware PlugIn Voxengo Span ermitteln.

PPS. *spielerisch kann auch der umgekehrte Weg  – reverse engineering, eh klar – beschritten werden, indem Du z.B. versuchst einen Groove, so zu gestalten, als ob er durch einen Hochpassfilter (oder Tiefpassfilter) geschickt würde…

 

Specialist In All Styles

November 29, 2016

Habe heute das Orchestra Baobab Album mit obigen Titel aus dem „World“ Fach des Sachsenhausener Second Hand Stores gezogen. Weder Motto, noch Sound treffen meine Ideale voll und ganz, dafür aber das schmucke Cover!

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Den eigenen Vorstellungen eifere ich dafür aktiv (und aufschreibend) nach.
1. So hatte ich für letzten Samstag ein Taxi-taugliches Clubset zusammengestellt, dass mich eine einfache Stereosumme zum DJ-Mixer schicken lässt.
Es besteht aus einer elektronischen Vermona Kick – getriggert vom Roland KT-10 – sowie einem akustischer Klangapparat (12″ Tama Snare, 14″ Byzance Thin Hihat & 18″ Sand Crash), der mit einem einzigen Sennheiser e604 abgenommen und auf Wunsch mit Echo verbreitert wird.
Das Zentrum des Setup ist das Mackie-Mischpult, da es neben dem Drum-Mix mir auch den Output des DJ-Mixers direkt auf’s Ohr liefert.

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Am Donnerstag 1.12. wird dieses Reiseschlagzeug (nur drei Taschen!) im Frankfurter Tanzhaus West auf seine Flexibilität getestest, denn an diesem Abend geht es um Electronic UND Jazz, sprich: Flow UND Dynamik…
Und vielleicht reist es dann gleich weiter mit nach Stuttgart, um am 3.12. (zusammen mit Netzer und Laurenz Theinert) die letzte Wagenhallen Party zu bespielen?

2. Heute morgen dachte ich darüber nach, wie ich meinen momentan Lieblingseffekt – eine clubbige Whitenoise-Reverb-Fahne – mit vorhandenem Outboard realisieren würde.
Und kam auf so viele Möglichkeiten, so dass die Umsetzung (und Hörbeispiele) erst in naher Zukunft folgen werden…
Die Idee dabei ist, durch einen Schlag auf ein e-Pad einerseits Weisses Rauschen (1) auszulösen, dass in die Effektverkettung von langem Hallraum (2) und Hochpassfilter/EQ (3) strömt, anderseits mit dem Schlag ein Gate (4) kurz zu öffnen, so dass das dort anliegende Drum-Mic ebenfalls in die Effektkette rutscht.

Mögliche Mitspieler für die Positionen:
(1) Vermona DRM1 (via Button oder MIDI & SPD-S), Noise-Sample aus dem Roland SPD-S(X) oder OLDSCHOOL Simmons Claptrap (via Button oder Pad), Tama TS-305 (via Pad), Coron DS-8 (direkt)
(2+3) Vermona Federhall VRS-3, Eventide H9
(3) DJ-Mixer EQ, Vermona DAF-1 Filter, Moog 10 Band Graphic EQ
(4) Alesis Micro Gate

PS. mit einem Abletonrechner lässt sich das Unterfangen ebenfalls lösen: Dazu brauche ich ein Interface mit zwei Inputs (Drum Mic, e-Pad) und mit mindestens einem Ausgang.
Die komplette Rauschfahne wird in einem Return-Bus realisiert:
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Nach dem Schlag auf’s e-Pad löst ein akustischer Moment das Rauschen (NOISY und EFFECTRIX PlugIns) aus und rutscht dann in den Hallraum. Zur Längen-und Frequenzbehandlung habe ich mehrere Parameter auf einen Fader-Controller gelegt.

Jazzkreislauf geschlossen

Oktober 30, 2016

Dass ich dank der Kirchhoffschen „Kassetten Episode“ endlich eine sinnvolle Bestimmung für den eingelagerten Soundtrack meiner Jugend gefunden habe, wirkt befreiend. So dienten gestern Abend manche Tapes als Aufnahmeband, aus anderen wurde das Band herausgezogen und dieses zum dezenten Zischel-und Rauschwerkzeug umfunktioniert. Viele weitere Kassetten wurden einfach aufgefädelt, als satt-schwere Raschelalternative zu „Waterfall“ und „Birds“…
Somit wurde mein persönlicher Jazzkreislauf (auf dem Deutschen Jazzfest) angenehm und nachhaltig geschlossen…
Zudem bin ich jetzt auch offiziell, mit Herz und Seele in Frankfurt angekommen, siehe Beweisfotos vom hr (© hr/Sascha Rheker):

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PS. wie gerne hätte ich diesen Beitrag mit einem Font der Frankfurter™ Schriftfamilie getippt

PPS. danke für den schönen Abend! Für das wohlwollend mitreisende Publikum und für’s immense Vertrauen der Veranstalter, Musiker und Autor völlig frei interagieren und improvisieren zu lassen, so dass letztlich auf mehreren Ebenen Musik und Sprache – mittels Strom als Träger – zu einer homogenen Einstunden-Geschichte verflochten.

Wie gut, dass ich den Konzertmitschnitt anhören konnte, bevor mir die FAZ etwas von >>minimalistischen Klangmuster der „Frankfurt Organic Electro Experience“, die ohne Höhepunkte vor sich hin blubberten<< erzählt. Ansonsten wäre ich vermutlich schon etwas geknickt; so jedoch weiss ich gewiss: so mancher schaffte es, sich fallen und mitnehmen zulassen, andere halt nicht. So isches. Und: beides ist OK!

ach, wäre ich doch eine VHS-Kassette

Juli 11, 2016

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Ausschnitt aus einem Berliac Comic; abfotografiert aus Le Monde diplomatique / Juli 2016

why buy old sounds?

Juni 29, 2016

Ich hatte noch nie eine Visitenkarte, ein Umstand, der sich nach dieser eb-Ausgrabung verschiedener Business Cards von Sun Ra ändern könnte.

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The Gamble

April 15, 2016

Das Plattenhüllenmotiv spricht mich an – die Mischung aus panafrikanischen Farben (Dub) und Rummelplatz-Vibe verleitet zum Träumen. Also höre ich mir gleich das Nils Frahm Trio Nonkeen an (und entdecke darüberhinaus dabei die beiden (nicht nur) Schlagzeuger Frederic Gmeiner und Andrea Belfi).

imagine

April 1, 2016

Diese 2012er Lego-Anzeige von Jung Von Matt kommt mit nur einem Wort aus. Ein lapidares „imagine“ genügt als Spielanleitung, auf dass der Betrachter, mehrere minimalistische Turm-Ensembles bekannten Comic-Figuren zuordnet.

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Wenn ich einen opulent programmierten Beat live umsetzen möchte, arbeite ich wie die Lego-Bastler dieser Anzeige und suche nach der Essenz der Vorlage.
Egal, ob im Endeffekt der ein oder andere Layer fehlt, die elektronischen Klangvorlagen nur teilweise imitiert werden können, denn wenn ich den wesentlichen Kern finde, funktioniert die Illusion im Publikum – bei den Lego-Türmchen reichen zwei  Parameter aus, Farbanordnung und Proportion.

ein Bisschen

März 1, 2016

Heute frühstücke ich mal einen Apfel und glaube: es wird schon ein bisschen Frühling…

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[Foto von dieser Facebook Seite von René Pollesch entliehen]

Das dezente Wärmegefühl lässt sich mit „Don’t let the Sun Go Down“festigen,

oder mit einem Spaziergang zum Botanischen Garten – der vielleicht schönsten Parallelwelt Frankfurts.