Archive for the ‘Art Abuse’ Category

Hip Piece

Dezember 4, 2022

Gestern gingen wir in den Mousonturm zum Tanztheater. Im einstündigen „Hip Piece“ erforschte eine Gruppe von fünf TänzerInnen den Tanz als Möglichkeit, sich von Zuschreibungen (zuvor erlernter Bewegungen aus der vielfältigen Welt des Hüftschwungs) freizumachen und mehr und anderes zu werden, als sie auf den ersten Blick sind.
Es war großartig, inspirierend und (Gesprächs-) anregend!
Und zack, wieder mal mitten drin in der Auseinandersetzung in Bezug auf Aneignungen und Besitzansprüche, Kunst- und Kulturbegriff, Globalisierung und Universalismus. Gedanken über die Schönheit des Lernens, über die Neugierde und hemmungsloses Ausprobieren, über die Überraschungen im Neuland, über den persönlichen Stil bzw. Identitätsbildung…

OK, dann dort


Am Ende des ausgelegten Programmhefts wurde ein Ausschnitt aus dem Essay „Heterautonomien“ von Werner Hamacher abgedruckt (Seite 128f), der spannend beginnt:

>>Nicht nur die Kultur, auch die Multiplizität der Kulturen ist nicht eine Funktion derer, die sie haben, sondern derer, die sie erst noch vorhaben und sie in der Transformation des Überlieferten immer wieder aufs Neue und immer wieder anders entwerfen<< 

Im weiteren Verlauf geht es um Kulturen als Multiplikationen („Multikulturationen“), um den Begriff der „Akkulturation“ (mit  dem  Soziologen  und  Ethnologen  seit  dem  ausgehenden  19. Jahrhundert die Aufnahme von Elementen einer Kultur in eine andere bezeichnen)

>>keine Kultur reagiert auf eine  andere  bloß  passiv  durch  Assimilation,  sondern  wählt  aus  jeder  anderen  aus, hemmt und verwandelt sie und sich selbst, spaltet und diversifiziert, multipliziert sie und sich und trägt so dazu bei, nicht nur eine, sondern eine Vielheit von  jeweils  neuen  Kulturen  zu  erzeugen.<<

>>Akkulturationen,  Multikulturationen  sind Übergangs- und Übertragungsbewegungen, in denen sich ihre Elemente erst herausbilden.<<

Es geht um die Eröffnung einer
>>Chance, das Andere nicht als  das  schon  bekannte  und  sowohl  kognitiv  wie  praktisch  beherrschte,  nicht  als das schon homogenisierte Andere, sondern als das Andere in seiner Singularität,  seiner  Inkommensurabilität  und  […| in  seiner Würde zu sehen: die anderen Kulturen nicht in den repressiven Idealen, denen sie sich unterwerfen, sondern in den Ablösungsbewegungen, die sie vom Druck der Typisierung und Selbsttypisierung befreien.<<

What is Hip? mit Ron E. Beck on drums

Florence Foster Jenkins

Januar 4, 2018

Mit dissonanten Gefühlen teile ich den eben in der Arte Mediathek geschauten Dokumentarfilm „Die Florence Foster Jenkins Story“ (D 2015, 53 Minuten, noch bis 13.01. online), eine tragische Kombination von Geld, Musikliebe und verrutschter Selbstwahrnehmung, die bei mir gerade drei Schlussfolgerungen hinterlässt:
– es gibt außergewöhnliche Tondokumente

– >>Fremdschämen und Lachen über große Egos gab es schon immer….<< so der YouTube Kommentar von Chagall1985 zu eben diesem Video.
– diese Art Kunst ist Camp!

The impossible image

Oktober 14, 2014

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Es bisher noch nie vorgekommen, dass ich ob der Begeisterung für eine Fotografie, tief in der Nacht versuche, directement das aufgeschlagene Magazin in seiner Gänze an die Wand zu wuchten (was aufgrund der Skrupel zu hämmern letztlich auch nur in ausgedünnter Form gelungen ist).
Das inhaltliche Drumherum wurde dann erst heute nachgelesen, was die Wirkung nochmals verstärkt hat.

„The impossible image“ trifft die Ambivalenz auf den Punkt. Die Fimaufnahmen/Installation des irischen Künstlers Richard Mosse, sind für mich das aufwühlendste, aber auch schönste, Kunstprojekt der letzten Zeit.
Dabei taucht der verwendete Infrarotfilm (Kodak Aerochrome) lebende Pflanze in pink, was bei der Naturgewalt im Ostkongo in einer unfassbar paradiesisch-kitschigen Farbkomposition mündet – doch in dieser Kulisse herrscht brutalster Bürgerkrieg…krasseste Gegensätze, doch ebenso klar: unser Leben. Puh.

In Frankfurt gibt es übrigens bis zum 22.11.14 einen kleinen Ausschnitt zu sehen: Art-Foyer der DZ-Bank, Frankfurt, Platz der Republik. Di bis Sa 11–19 Uhr, Eintritt frei.