Archive for the ‘Techno’ Category

Dance Hats

März 29, 2021

Ich begab mich neulich mal auf die Suche nach dem Erfinder des Ridecup-Offbeat-Patterns, jetzt lobe ich Earl Young für seinen Prototyp DER Dance-Hats (geöffnete Offbeat-Hihats).

The Fantastic Johnny C. „Waitin‘ for the Rain“ und Harold Melvin & The Blue Notes „The Love I lost“ (beide 1973)

>>The song began life as a ballad, but the session wasn’t working until producer Kenny Gamble told the musicians to let rip and crank up the tempo. [Drummer Earl] Young unleashed a war dance on the kick drum with a shuffle on the snare, but instead of echo- ing this pattern on the cymbals, he used a trick he had first used a few months earlier on an obscure record by Fantastic Johnny C, ›Waitin’ for the Rain‹. Picking up a thing or two from jazz drummer Max Roach, Young accented the off-beats using the open hi-hat. The result was the hissing hi-hat sound that has dominated dance music ever since this record was first released in 1973.<<
Peter Shapiro „Turn The Beat Around. The Secret History of Disco“

„The Beauty of Electrified and Programmed Drum Grooves“ Playlist

März 16, 2021

Neulich rief Norbert Saemann an und fragte, ob ich nicht Lust hätte für die Abonnenten des Meinl Newsletters eine exklusive Spotify-Playlist zusammenzustellen.
KLAR! Thema? Wäre mir überlassen. STEILVORLAGE!

Und so habe ich unter der Überschrift The Beauty of Electrified and Programmed Drum Grooves einen kleinen Funkturm errichtet, »not a timeline-based history of DJ culture, but a colorful mix to give kudos to all the engineers and researchers in music production, to all the bedroom producers and bricoleurs who find and develop new percussive sounds, textures and aesthetics, to all the visionaries and brave drummers who know that there is always more to discover.«

Für den Meinl Newsletter kannst Du Dich hier anmelden, anschließend werden Dir wohl Mitte der Woche der Link und meine Gedanken zur Playlist zugestellt (bestimmt mit dem oben abgebildeten Kurierfahrzeug).

Kannst jedenfalls schon gespannt sein: hier klopft der Gangsta-Rapper einem Peter Erskine oder Danny Gottlieb hinterm Simmons-Set anerkennend auf die Schulter, Sly Dunbar raucht einen mit der Bedroom Produzentin aus Offenbach, Jeff Porcaro programmiert die Linndrum, Jojo Mayer hebt ab, J Dilla fließt, Herbert betrommelt den Körper seiner Freundin, D’Angelo wackelt, Theo Parrish ebenso, Squarepusher beept mit Missy Elliot, Goldie grinst, Portishead weint, wer lötet eigentlich dahinten in der Ecke?? Egal, Phil Collins trommelt für den Dancefloor – ich tanze dazu und schau mir all die stromgeladenen Rhythmusmaschinen und Protagonisten im Netz an –
und so weiter und so fort: knappe acht Stunden Spitzenqualität!

steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude

März 4, 2021

Neulich wurde ich zu meinen Übe-Konzepten befragt. Ich erklärte meinen Weg der Selbstmotivation – sich schöne Aufgaben zu stellen -, vergaß in der Kürze der Zeit aber einen anderen wichtigen Pfeiler: das Machen im Kontext, Wagnisse vor Publikum.

Selbstverständlich habe ich mir durch klassisches Training über die Jahre ein gewisses Repertoire an Grooves und Lösungen erarbeitet, aber die Überprüfung und Sortierung der Optionen (was funktioniert tatsächlich gut?) passierte ausschließlich in der Konzertsituation.

Meine bewusste und pragmatische Entscheidung (Minimalismus, sich aufs Wesentliche konzentrieren, Flow- und Groove Schwerpunkt, Unlust Instrumente durch die Gegend zu wuchten) mit nur Kick-Snare-Hihat und einem Becken zum Gig zu reisen, hat mir erst in der konkreten Konzertsituation gezeigt, an welchen Stellen die Stolperfallen liegen, wofür ich neue Workarounds brauche.
Beispielsweise: Mir fehlten die Toms für typische Fill-Ins. Was tun?
Ich kultivierte Mutes.
Mir gingen bei so viel Übersichtlichkeit schnell die Farben aus.
Ich integrierte diverse Schüttelperkussion, gerne auch zusätzlich zum Stock in der Hand, dann entdeckte ich die Vielfalt des Echogeräts und den Kosmos der elektronischen Zuspielungen.

Mein Interesse für die Ästhetik von elektronischen und/oder produzierten Beats konnte ich zwar zum großen Teil analytisch angehen und so auch auf meine Setups und Spieltechniken übertragen, am meisten gelernt habe ich jedoch durchs stundenlangen Jammen (Mit-Trommeln) mit einem DJ – im Club. Dabei verstand ich zunehmend besser, wie Spannungsbögen erstellt werden, auf was der Dancefloor abfährt/reagiert, wie sich das Publikum lesen lässt, auf was es inhaltlich (Beat-technisch) ankommt…

Nach der Turntablerocker Tour (2001) wusste ich, wie eine Band als dritter Plattenspieler agieren und sich um die Instrumentals kümmern kann, so dass die beiden DJs Michi Beck und Thomilla sich auf Acapellas, Classic Breaks und die Ganitur konzentrieren konnten. Kaum war mein Soloalbum („Organic Electro Beats„, 2003) in der Welt, schrieb ich viele DJs an, ob sie nicht Lust auf einen „interaktiven dritten Plattenspieler“ hätten, Dhoerste reagierte und nahm mich einfach mit – in eine komplett neue Welt, die ich nur vom Hörensagen kannte. Und ich trommelte auf unterschiedlichen Hybrid-Kits in DB verträglichem Format einfach zu seinem aufgelegten Set (gerne auch noch einen ausgedehnten Übergang mit dem vorigen bzw. folgenden Künstler)…

Steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude!

Ich hatte eine neue Hobby-Perle gefunden, die nicht wirklich oft, dafür immer wieder aus neuem Gewand kräftig rausleuchtet. Zuletzt im Rahmen der Ludwigsburger Trommeltage mit DJ Friction und – hey! – nächste Woche mit Michel Baumann aka SoulPhiction/Jackmate im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis.

Ich kenne kaum jemanden, der Hiphop, House und Techno mit so viel Feingefühl und Soulfullness formt. Immer entsteht Musik, die einen im doppelten Wortsinn bewegt: man möchte sofort tanzen, kann sich aber auch zurücklehnen und einfach zuschauen, zuhören.
Insofern beste Voraussetzung für ein gestreamtes Unikat!
Und da SoulPhiction viel mehr Live-Act als DJ ist, wird Improvisation und Interaktion groß geschrieben – so dass ein Jazzclub als Austragungsort nicht besser gewählt werden könnte!
Tickets für unseren Gig am 12.03.21 können hier gekauft werden.

Über Michel zu schreiben wären nach Athen getragene Eulen. Er formt seit 1996 beständig den Clubsound, veröffentlich auf den renommiertesten Labels (ich wähle mal die „P“ beginnenden: Pampa, Perlon, Playhouse, PokerFlat), aber auch auf dem eigenen (Philpot Records).
So viel ließe sich berichten (aber auch einfach nachlesen – so auch unsere gemeinsame Geschichte, die vor über 20 Jahren mit Pauls Musique begann und 2018 finally zum ersten Duo-Gig führte), also lege ich am besten mal ein Mixtape ein:

Clickt euch rein am 12. und tanzt mit!



die Mächtigen demaskieren, fixierte Identitäten zum Einsturz bringen und hinter Fassaden neue Wahrheiten zum Vorschein bringen

Juni 26, 2020

Klaus Walter schreibt im taz Artikel „Der Sieg der puren Vernunft und seine Folgen„:

>>„Es gab um die Pest eine ganze Literatur, die ein Fest erträumte: die Aufhebung der Gesetze und Verbote; das Rasen der Zeit; die respektlose Vermischung der Körper; das Fallen der Masken und der Einsturz der festgelegten Identitäten, unter denen eine ganz andere Wahrheit der Individuen zum Vorschein kommt.“ Schreibt Foucault 1975 in „Überwachen und Strafen“. Vom Übertreten von Verboten, vom Rasen und von der Vermischung der Körper handelt Pop seit eh und je. Pop will die Mächtigen demaskieren, fixierte Identitäten zum Einsturz bringen und hinter Fassaden neue Wahrheiten zum Vorschein bringen. „Let’s go crazy“ forderte Prince, Be­yon­cé war „Crazy in love“, „Break on through to the other side“ sangen die Doors, „Express yourself“ und „Fuck the pain away“ empfahlen Madonna und Peaches. Ein Detroiter Kollektiv mit dem sprechendem Namen Underground Resistance erschütterte die Welt mit einer neuen Musik: Techno. Underground Resistance verstand sich auch als Widerhall von Underground Railroad, das klandestine Schleusernetzwerk verhalf Sklav:innen zur Flucht aus den Südstaaten in den Norden.<<

Ich würde sagen: Auf geht’s!

Musik für Feiertage

Juni 11, 2020

Ich würde mit einem Wohlfühl-Set von Natasha Diggs einsteigen:

Dann etwas Weiterbildung im Rhythmus-Sektor, ein Mix der die Trommelkunst von Dennis Davis vorstellt.

Eine weitere Doku aus dem Jahre 2008, die direkt schwergewichtig einsteigt:
>>“We call it Techno“ tells of it evolving face of the first pop culture that primarily arose in Germany<< (1:40′)

Den Satz schreibe ich auch gleich mal ab: The basic principle of Techno stands for experimenting, crossing borders and DIY.

Und jetzt bräuchte es nur noch das Set für die Nacht…

the drop

April 1, 2020

>>Breakbeats würde es, so viel Historie muss sein, gar nicht geben, wenn die Blaupause, der sogenannte „Amen Break“, ein kurzes Sample aus dem Instrumentalteil des Songs „Amen, Brother“ der US-Soulband The Winstons von 1969, nicht im Oldschool-HipHop der 1980er das Licht der Tanzfläche erblickt hätte. Bis heute wird der Amen-Break immer wieder neu interpretiert und ist derzeit auf dem besten Weg, en vogue zu werden. So werden immer öfter auch Techno und House, also jene Stile, die derzeit die Clubs dieser Welt dominieren, von gebrochenen Beats unterwandert.<<

Welch perfekte Überleitung von Erchingers Amen-Challenge hin zum Sommermester. Der taz-Artikel von Philipp Rhensius nimmt dich mit auf den Dancefloor der gebrochenen Rhythmen und erklärt die stimulierende Magie des Drops bzw. warum dieser den Clubnächten eine völlig andere Dramaturgie verleiht , als es im Techno oder House die Regel ist.

gut zu Mitmenschen und zum ­Planeten

September 23, 2019

>>Detroit-Techno, wo ich ursprünglich herkomme, hat immer eine positive Zukunft verhandelt. Die Apokalypse war im bankrotten Detroit ja bereits eingetreten, es gab keine Infrastruktur mehr. Wir mussten vorwärts schauen, um es für uns erträglich zu gestalten. Diesen Optimismus will ich weitergeben. Ich bin kein Hippie, aber: Gut zu den Mitmenschen und zum ­Planeten sein, kostet keine Energie.<<
Richie Hawtin in der Klima-taz vom 20.09.19

THE BRITISH PRESS WANTS YOU!!

Januar 7, 2019

Ich muss gestehen: trotz bester Ferienstimmung fehlt’s mir an Zeit.
Erst die dreistündige DLF Sendung über das Schlagzeug, jetzt noch die Basic Channel Story
Egal muss – sein – denn der Einfluss von Mark Ernestus und Moritz von Oswald ist massiv, auf mich: prägend! Und wenn die Dubtechno-Erfinder in der taz leidenschaftlich als „See aus Rhythmus und Sound“ beschrieben werden und das große Portrait-Gespräch im RA mit diesem Fax von Mad Mike beginnt, müssen die anderen Sachen halt warten.

basic-channel-fax-mad-mike

>…and then I realised the sequence is the thing of the track. Forget all drums.<<
René Löwe aka Vainqueur

2018’s Best Mixes

Dezember 14, 2018

Hier der Jahresrück- bzw. Überblick des Resident Advisor, 2018’s Best Mixes
Bunt und viel. Aber immerhin direkt schon eine Perle darin gefunden:

double bassdrum!

August 26, 2018

Bisher hatte ich bei den clubbigeren Gigs des „Temporären elektronischen Salons“ rechts neben dem Camco-Pedal ein Roland KT-10 aufgestellt. So (und mit dem angebundenen Vermona Kick Lancet Modul) liessen sich nicht nur typische Four-On-The-Floor Klischees stilecht bedienen, sondern – wenn man den linken Fuss zudem auf dem Bassdrumpedal abstellte – auch ungewöhnliche Patterns mit zwei Basstrommeltönen erzeugen. Klang spannend, mutete aber rein optisch etwas seltsam an…
Jetzt habe ich das KT-10 links von der Hihatmaschine positioniert und freue mich, dass ich mit dem linken Fuss ganz locker (parallel zu jeglichem Beat aus dem Fundus) ein elektronisches Viertelfundament legen kann – mal laut/fett/dominant, mal dezent/dünn.
Aber auch andere getretene Hihat-Klischees, wie beispielsweise jazzige 2 und 4, funktionieren prächtig.
Jetzt muss ich mir wohl noch ein Drop-Clutch besorgen: hello e&a double bassdrum!

Oder ich verwende eine geschlossene Zweit-Hihat; beispielsweise die Kallas X-Hat oder halt die interessante Bastelleihgabe von Olaf Cremer, die er mir zufällig just zu eben dieser Links-Fuss-Kick Premiere beim Museumsuferfest mitgebracht hat:
eine geschlossene 6″ Zoll Miniatur-Hihat, die sich an einer Stimmschraube an Snare oder Tom festmachen lässt…

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