Archive for the ‘E-Drum’ Category

der Trigger

Januar 25, 2023

In unseren kleinen Schlagzeugwelt ist der Trigger ein aufs Fell gedrückter Piezo, der die getrommelten Impulse weiterleitet – beispielsweise zum Drumsynth, E-Drum-Modul oder in den Eingangskanal des Audiointerfaces – um dort einen zumischbaren, elektronischen Klang auszulösen.
Aus dem medialen Alltag kennen wir die Triggerwarnung. Dass jedoch der damit verbundene Trigger komplex, vor allem eine persönliche Problematik ist, die sich auf erlebte Traumata bezieht, erklärt Thomas Weber in der heutigen taz und deshalb fordert er einen präziseren Sprachgebrauch. Letztlich geht es mehr um Sensibilität und einen maßvollen Umgang, weniger um einen permanten alarmistischen Zustand.
(Und dabei entsteht dann doch ein ganz klare Parallele zu unserem gleichnamigen Musik-Werkzeug: der Sens-Regler bestimmt eine stabile Funktion. Ein Zuviel löst doppelt aus, zu wenig, führt zu Unklarheit. Die Art des gewählten Klangs, ein angemessenes Mischverhältnis sorgt für anhaltenden Wohlklang, wohingegen Alarm kurzfristig durchaus effektiv zu überraschen vermag, dauerhaft jedoch unangenehm nervt…)

sprechen statt spielen – auch toll

Januar 21, 2023

Anstelle des gemeinsamen Konzerts traf ich mich am Donnerstag Abend mit Kabuki – einfach nur zum Essen. Dabei streiften wir spannende Themen: verschiedene Mikrotonalitäten und Colliers „Moon River“, das lange nicht entdeckte „Shook Ones“ Sample, die unterschiedliche Räumlichkeit gepitchter Samples (siehe dazu auch Alex Hoeffkens „Varispeed“-Drumrecording), den morgigen Beginn des neuen Mondjahres bzw. das Jahr des Wasserhasen (das angeblich viel Raum für Kreativität und deutlich mehr Ruhe und Harmonie verspricht).

Vor dem Essen war ich seit langem mal wieder im Second Hand Plattenladen, kaufte dort u.a. eine Baden Powell MPS Compilation und hörte mir den „Dialogue of the Drums“ von Andrew Cyrilles und Milford Graves an.

Gewissermaßen als Nachspeise hänge ich noch „Akira Jimbo playing a disappearing drum set“ dran. Eigentlich gefiel mir Jimbos Art zu trommeln nie besonders – trotz seiner Affinität zur Elektronik. Die Idee zum Reduktions-Video hingegen finde ich eine gut.

Last but not least: auf meine todo-Liste kommt das Meinl Cymbal Pedal Mount, das ich gerne mit den Smack Stacks bestücken würde.

drumming and dubbing the master-output

Januar 18, 2023

Hier mal die Idee mit einem Stereoplayback (Kabukis Track „Medusa“ vom aktuellen Album):

Am Donnerstag eröffnen wir eine neue Saison des „Temporären Elektronischen Salons“.
Diesmal mit Hans Glawischnig (Bass und Looper), Kabuki (Modular Synth) und mir als Drummer und Dub-Mixer.
Ich hatte neulich für ein Werkstattkonzert in der Offenburger Hochschule meine sagenhafte Superswitcher-Box entstaubt und erstmals damit den Master-Output beeinflusst, sprich den Gesamtklang vor seinem Weg zur Anlage gedubbed.
Mittels der „momentary Arcade buttons“ kann ich sowohl die Summe temporär stummschlalten, damit auch rhythmisch unterbrechen, als auch (mittels als „send“ konfiguriertem Knopf) ins Echogerät schicken.
Und genau diesen Ansatz möchte ich nun auch im DTES ausprobieren.
Also: Donnerstag, 19.0.23 ab 20.30h im Frankfurter Ono2 (fällt leider aus, Personalmangel wegen Corona…)

Und der Audio Disease SS1-Superswitcher im Großformat.

Im inneren der Box lässt sich jeder der vier Taster ruckzuck entweder mit Mute- oder Send-Eigenschaft bestimmen, also ob ein anliegendes Signal angeschaltet wird (und somit aus dem Ausgang geschickt wird) oder ob ein durchgeschleiftes Signal ausgedrückt wird.
Leider wird die Box nicht mehr hergestellt. Als Alternative, auch als Tool für weichere Cuts bietet sich das klassische Volume-Pedal an. Mit ihm kann sowohl stumm-gefadet oder eingeblendet werden.

Zu Ehren des kürzlich verstorbenen YMO Drummers Yukihiro Takahashi (Tama Superstar E-Drum Pioneer) sollte ich eigentlich auch noch irgendeinen analogen Drumsynth zum Konzert mitnehmen – mein Coron Drum Synce scheint mir sowohl klanglich passend, als auch Taxi-reisefreundlich.
Ich verlinke die 1980er Budokan Show des Yellow Magic Orchestras, an eine Stelle, bei der ein stattlicher Syndrum-Piuu zu meinen beiden Lieblingstracks („Nice Age“ und „Rydeen“) übereitet:

und noch ein Video seines Duos mit Steve Jansen (bei dem zufällig auch noch mein Fusion-Gitarren-Held Jimi Tunnell mitspielt):

a toy?

Dezember 28, 2022

>>A parallel can almost be drawn between the synth drum and a chinese cymbal. Struck once or twice at just the right point during a number, it can bring a different „colour“ to a passage or tune. Played incessantly (or worse, incorrectly) it is just tedious.<<

>>As far as electronics go, I just did a bunch of records using the Syndrum. I was one of the first guys to see the prototype of that. Jim Keltner, Hal Blaine and myself were using those in recording when the prototypes came out. Now, everybody is using them. That Carly Simon tune, Nobody Does It Better [1977], was one of the things I did using the Syndrum.<<
Jeff Porcaro in Modern Drummer July 1978

>>When I first got Syndrums, I used them on four records: a Boz Scaggs record [Down Two, Then Left], a Diana Ross record, a Leo Sayer record [Thunder In My Heart], and Carly Simon’s „Nobody Does It Better,“ which was the first record out with Syndrums on it. I did those four records in a one-month period. Right after that I saw a Ford commercial with Syndrums, and I threw up my hands and said, „Okay, that’s it.“ As soon as you hear something on a TV commercial, it’s Mattel. It’s a toy.<<
Jeff Porcaro in Modern Drummer November 1988

start smart

Oktober 10, 2022

Schöner Wochenstart mit einem neuen Luminos W Video (und dem neuen Track „All In No Out“, der damals noch unter dem Arbeitstitel „Start Smart“ auf der Setliste stand).
Peter in Höchstform, tolle Gäste (Wolfgang Schmid und Max Gerwien) und ich in Floortom-Laune (war halt das Festival-Drumset…)
Alles in allem (wieder mal) ein schönes Dokument von WahWah TV!

Meinl Percussion Digital Stomp Boxes

Oktober 4, 2022

Oh wie spannend: Meinl wirft die kompakte (350 Gramm leichte) elektronische Zigarettenschachtel auf den Markt, bzw. links neben mein Hihat-Pedal, mit vier unterschiedlichen Geschmäckern (von denen mich der Clap und Kickdrum Sound tatsächlich am meisten interessieren).
Denn dass sich die Ferse des Hihat-Fußes optimal dafür eignet, zusätzliche Klänge zu treten oder weitere Sound-Layers zu overdubben, entdecken wir bei immer mehr top Drummern aus den unterschiedlichsten Genres: ich denke dabei an die Spider-Technik von Jan Stix Pfennig (Drum’N Bass), an die beiden unterschiedlich bestückten Hihatmaschinen von Marcus Gilmore (Jazz), an die zweite, „boomy“ Kick von Carter McLean (Jazz) oder auch an meine eigene „Hackentrick“ Versuche.
Und alternativ zum Hihat– oder Kick-Pedal lassen sich die Kistchen selbstverständlich auch ganz herkömmlich treten, um für andere Klangfarben zu sorgen.

Let’s check them!

Und, smacks?

Juli 21, 2022

Ohne Aufdruck könnten sie durchaus als surrealistisches Kunstwerk (Salvador Dalí ) durchgehen, der Name bewirkt bei mir nostalgische Frühstückserinnerungen.

Derartig Schlagzeug-ferne Assoziationen passen übrigens bestens zu den Meinl Smack Stacks – geht es bei diesem (bis zu fünflagigen) Stapel doch um Becken, die den Sound eines typischen Drumcomputer Claps erzeugen.
Die Versuche jenen Signature Sound der DJ Culture zu emulieren sind zahlreich. Doch leider hatten die der Vorlage am nächsten kommenden Entwürfe – das mit der Hand auf die Snare geschlagene Drumbal, sowie der Rim-Flam – den Nachteil, dass sie nicht einfach aus dem Spielfluß heraus mit einer Hand getrommelt werden konnten. Oder sich gar mit dem Fuß in Form eines Overdubs über den eigentlichen Groove treten ließen.
Klar – elektronische Lösungen à Roland-SPD konnten solche Wünsche erfüllen. Doch sie bringen direkt einen aufwendigen Anforderungskatalog mit sich, der nicht immer passt oder realisierbar ist.
Insofern war ein flexibles, rein akustisches Handclap-Instrument ein langersehnter Traum von mir.

Passend zum eben nicht super-akurraten Klatschsound, der eher verzerrt und rauschig als Hochglanz ist und sich dank seiner Breite hörbar durchsetzen kann, entstammen die flachen, gebogenen Metallscheiben des Smack Stacks mitten aus dem Produktionsprozess – bis zum typischen Becken-Produkt fehlen offensichtlich noch ein paar Arbeitsschritte (Krümmung ausgleichen, Kuppe herausarbeiten, manuelle Hämmerung). So entsteht der raue, ungeschliffene Ton. Und dass dann irgendwann mal ein findiger Mitarbeiter mehrere dieser Scheiben übereinanderlegte und zudem daraufschlug… danke, danke, danke!
Welch toller kreativer Zufall. Und natürlich gleich die Steilvorloge für ein neues Produkt.

Ich wurde netterweise gleich mit beiden Smack Stack Produkten ausgestattet, also mit der Byzance Vintage Version in 14″/12″/10″, mit dem zusätzlichen 16″/8″ Add-On-Pack, sowie mit vollen 5 Piece-HCS- Variante (16″/14″/12″/10″/8″). Woraufhin ein reges Experimentieren begann:

Die Meinl-Türme funktionieren in jeglicher Position, als wären sie ein herkömmliches Becken oder eine typische Sidesnare. Selbst in die Hihatmaschine eingespannt, klingen die krummen Scheiben eher elektronisch und wunderbar artifiziell.
Selbstverständlich habe ich alle Einzelteile auch bunt miteinander kombiniert und auch die Reihenfolge des Stapels variiert. Meine bisherige Lieblingsanordnung ist das
Byzance Vintage Smack Stack in 16″/12″/10″/14″

Jetzt stehen erstmal wieder diverse Konzerte auf dem Zettel, aber anschließend geht es mit dieser todo-Liste weiter:
– zweite Hihatmaschine ins Setup einbauen und damit noch eine neue Aufgabe für den linken Fuß haben: acoustic overdub foot clap
– das Smack Stack in lange Hallräume schicken, bzw. mit FX-Mikro, Noisegate, (Distortion?) und Reverb eine bühnentaugliche Version basteln für
Smack Stack mal mit, mal ohne Effekt

15 minutes of Cloud Rap

Mai 12, 2022

Bin am Dienstagabend eine Stunde geradelt, um 15 Minuten vom Konzert des Cloud Rappers Denzel Curry zu erleben. Hat sich gelohnt!

1. Mich interessierte vor allem der Sound: wie mischt der Tonmensch einer amerikanischen Produktion heute ein Rap-Clubshow?
Ich fand es angenehm bassig, mit der Stimme klar im Vordergrund. Erstaunlicherweise wurde das hochfrequente Trap-Geklapper in den Hintergrund verbannt.

2. Deswegen habe ich mich vom Platz des FOH Mischers entfernt, ah und plötzlich hörte ich die typischen, schnellen Subdivision Variationen immer deutlicher???
Letztlich kam sie von einem motivierten Dude hinter der Theke. Zwei Messer können klanglich ganz schön durchschneiden, zumindest sich in der rechten Hälfte der Frankfurter Union-Halle bemerkbar machen…

3. Für den Übertrag eines live-tauglichen Bassdrum-Konzepts merke ich mir: lange, boomige 808 Kicks sollte nicht polyphon getriggert werden und gehören in die Mute-(oder Sidechain-) Group mit der Snare (also von deren Akzenten stummgeschaltet). So wird der Matsch elegant umfahren.

4. Die Masse hüpfte, schwitzte und war glücklich. Konzertziel eindeutig erreicht. Dennoch finde ich persönlich das Gebinde Rapper plus DJ für den Konzertrahmen nach wie vor dürftig und ganz schön langweilig. Wenn dann der DJ auch noch in jedem Track den immer gleichen (zudem schmerzhaft lauten) Pistolenschuß abfeuert, bin ich dreifach genervt: das ist nicht nur unkreativ und unmusikalisch, der Aufmerksamkeit generierende Effekt nutzt sich auf diese Weise rasant ab. Hey, und warum immer: Waffen?

wieder mal Juicy Fruit Vibe… aber eins a Hook Gesang, super Outro Move – finde ich ich

Zum Abschluß noch der Top-Steve-Gadd-Break aus Mark Colbys „Serpetine Fire“ (1978)

solo works

April 29, 2022

Habe mir zwei alte Dave Weckl Drumsolos angeschaut zwischen denen 10 Jahre Weiterentwicklung langen (wobei die Aufnahme Nr.1 aus 1986 schon dem Zeitpunkt seines ersten Karrierhöhepunkts entspricht).
Spannend!

Desweiteren zwei aktuelle Schlagzeuger-Alben:
Einmal „Trippin'“ das (eben mit dem Deutschen Jazzpreis prämierte) Werk des Wahlberliner Drummers Mathis Grossmann aka Magro und dann noch jene 21 Minuten, die Abe Rounds über das Thema „The Confidence To Make Mistakes“ trommelt.

PS. volle e-Beats via Yamaha-Pads gibt’s im ersten Weckl-Video ab 22:35′. Dave triggert dabei zwei Soundquellen, den Sampler TX-16 und die RX-5 Drum Machine via Midi-Expander PMC-1, die sich vielversprechend layern lassen. Elektronische Becken waren damals (immer noch) kein Thema…

Fundsachen

April 7, 2022
  1. Aktueller denn je, Hellmut Hattlers Bild „Den Bogen raus„. Wäre auch ne eins a Postkarte, oder?

2. Carter McLeans Hackentrick auf der diesjährigen UK Drumshow

3. Schickes Foto von Paul Motian

4. Die Fusion Playlist für meinen Studenten Jonathan (was fehlt noch?)

5. Ein Statement zum Hybrid-Drumming anno 1984 (aus der d&p 12/84)

6. Die Geschichte des Tages, von Fila Brazillias Steve Cobby: