Archive for the ‘Art’ Category

Welcome to The Hills

Dezember 6, 2020

Yussef Dayes veröffentlicht die letztes Show seines Trios vor dem Corona Lockdown.
Echodrums gibt’s beim dem Gig auch (nach) zu hören („Odyssey“ 07:01 und einsam vor sich hin oszillierendes Delay am Ende von „Gully Side“ 22:00) – Hurra!
Warum jedoch das Schlagzeug brennen muss, verstehe ich nicht ganz? Genau DAS braucht man doch während der Pandemie ganz dringend!!

Lösungsansatz für die Frage aus der Nachbarschaft:

Baltikum, Provinz Antalya, Schwarzwald

Dezember 5, 2020

Zum morgigen Nikolaustag zwei schöne Bilder aus dem Fundus der @sovietvisuals:

Tag und Nacht im Batikum 1978. Das erste Foto, „Flight“ von Virgilijus Sonta, steht für die Schönheit des Sommers, alltäglichen Futurismus, sowie die immense Freude und Freiheit beim Wasserspringen.
Auch wenn utopisch, so würde ich bei der nächsten Litauen-reise leidenschaftlich gerne genau dieses Schwimmbad auffinden wollen.
Der Lada vor dem Hotel „Viru“ in Tallinn erinnert mich nicht nur angenehm an mein erstes Auto (aus eben dieser Lada-Baureihe, ein sandfarbener unverwüstlicher Kombi mit einem Lenkrad in Bassdrum-Größe), mir gefällt vor allem die Aufgeräumtheit der Straße – eindeutig eine Aufgabe für die Zukunft – und die sternhaften Lichtpunkte, dank denen ich dem Bild tatsächlich auch etwas Vorweihnachtliches abgewinnen kann.
Unter den IG Kommentaren findet man schließlich noch ein erstaunliches Kofferwort „microcrete“:
>>it [the hotel] had a floor devoted to KGB agents spying on its guests. The hotel had so many bugs that locals joked it was made of „microcrete,“ half concrete, half microphone.<<

Auch mir scheint ein Nachfahre des Bischofs von Myra schöne Post geschickt zu haben: zum einen – via Oli Leicht -das grandiose Filmdokument „Jazzin‘ the Black Forest“ über die Geschichte des MPS-Labels in Villingen-Schwenningen, zum anderen die aktuelle Ausgabe des Offbeat-Magazins vom Percussion Creativ Verein (auch aus dem Schwarzwald…) mit einer weiteren tollen Rezension meines Echodrums Buchs:

es ist Winter,

November 28, 2020

weil kalt,
weil Schneemann!

OK, der meteorologische oder auch klimatologische Winteranfang ist immer der 1. Dezember.

Waiting

November 19, 2020

Via Soviet Visuals entdeckt, das Foto von Dmitry Baltermants. Der Titel passt zur Zeit, der Inhalt zeigt auf jeden Fall schon mal einen schönen Bezug…
Gleichnamige Songtitel gäbe es ja einige passende, ich entscheide mich für ne luftige Hattler Version und stecke sie in die schicke Hülle der Quincy Jones Single „Oh Happy Day“ von 1971.

Und zack, findet sich eine schöne Beschäftigung im Wartezimmer:
Denn der funky Beat kommt von Bernard Purdie und wurde in bester Rudy van Gelder Tradition aufgenommen und fast komplett auf die rechte Seite im Stereopanorama gemischt. Eine Hallraumöffnungen – vermutlich ein EMT Plate Reverb – für wichtige Snare Hits gibt’s obendrein!
In puncto Aufnahmetechnik schreibe ich folgende Erkenntnisse ab und freue mich auf eigene Versuche!

>>Take three or four expensive German mics with a blistering top end boost, put them real close to the instruments, add some extra distortion from a cheap overloading mic preamp through an Army Surplus radio console, put some crappy plate reverb on it, and record. Then, immediately (and for no good reason), redub the master onto a Magnatone tape deck at +6, compress the crap out of it while adding 5 db at 5000 cycles to everything. That’s the Van Gelder sound to me.<< Steve Hoffman

>>In the absence of information from the source, we have to listen. (Radical concept!) My ears suggest to me that Van Gelder has always miked drums using a single overhead condenser mic, probably a large-diaphragm Neumann U 47 or, perhaps, a small-diaphragm KM 54. I don’t hear a separate mic on the kick; the coherence of the sound suggests the use of a single microphone for the drumkit.
The drums aren’t entirely recorded with that one mic, though; one of the hallmarks of a Van Gelder session is lots of leakage—drums into the horn mics, horns in the drum mic. Never enough to create phase problems and comb filtering, but enough to create the marvelous sense of space that marks his recordings—yes, even the early ones in mono. You don’t think a mono recording can have a sense of space? Listen to one made by Van Gelder.<< Paul J. Stamler

Später im Englewood Cliffs Studio (ab 1959) sind es dann eher zwei (als Over- oder Underheads) oder drei Mikrofone (mit zusätzlichem Kick-Mic oder/und Raummikrofon):

Die Erwartung

November 1, 2020

Gleichermaßen Einstand (neues Programm, frische Besetzung), aber auch das vorerst letzte Konzert vor Menschen. Wiedermal mit Nils Wülker, diesmal aber schon im zeitgemäßen Zwei-Set-Setting, zudem im Doppelpack mit einer weiteren Band – Rymden.
Quasi ein kleines Festival, auf jeden Fall eine Art Fest!

Und wie toll, mal wieder Magnus Öströms Effektgerät-Ebenen (und seine Beckenwand) im Einsatz zu hören – hey, zwei Bands, zwei Echodrummer! – Dan Berglund mit Kontrabass und Ampeg zu spüren, Bugge Wesseltoft zwischen abgedecktem Rhodes, MS-20 und Flügel wirbeln zu sehen, überhaupt, einem grandios eingespielten Trio in ihrer Interaktion zu folgen.


Heute vor der Abreise dann noch ein weiteres Halberstadt Highlight, der Besuch von John Cages Live Performance „ORGAN2/ASLSP„. Die Tempovorschrift „As SLow aS Possible“ der auf 639 Jahre geplanten Umsetzungsdauer scheint eine optimale Lehrmeisterin in puncto Geduld (und damit genau richtig für die kommende Zeit) zu sein!
Der stehende Klang selbst ist pure Beruhigung. Erst wenn man sich selbst um das Objekt herum bewegt (wiedermal wird man zum Effektgerät, diesmal eine Mischung aus Filter und Leslie), moduliert der Klang ganz subtil. Schön!!

PS. >>[Für Augustinus gibt es] „drei Zeiten, die Gegenwart des Vergangenen, die Gegenwart des Gegenwärtigen und die Gegenwart der Zukunft.“ Und die Gegenwart des Zukünftigen ist für ihn die Erwartung.<<
schreibt Rainer O. Neugebauer (Kuratoriumsvorsitzender der John-Cage-Orgel-Stiftung und unser heutiger Ausstellungsführer) im Artikel „Es wird einmal gewesen sein“/Inspriation-Heft 3.20 Künste

üben, Brote rösten, Fußballdenke

September 7, 2020

Wochenstart & Frühstück. >>Dazu gab es Scheiben von knusprig angebratenem Brot, das beim Hineinbeißen so ein Geräusch machte, als breche jemand durch einen Bühnenboden ins echte Leben.<<
Sowie zwei weitere Gedankenanstöße aus Heinrich Steinfests „Chauffeur„:
In einer Welt der Schwerkraft ist alles eine Frage der Balance
Die Schönheit der Überlappung… 


Beim anschließenden Socialmedia-Rundgang drängte sich mir dann folgende Erkenntnis auf:

Wow, allenortes wird fleißig geübt, perfektioniert, selbstoptimiert. Klasse! Denn je größer das Vokabular, desto vielfältiger kannst Du erzählen.

Weil mir jedoch das disziplinierte und langwierige Üben eher schwerfällt, kann ich von der anderen Abteilung schwärmen, die mich ungemein inspiriert, mir neuen Stoff (zum Erzählen), andere Zusammenhänge, vor allem eine erweiterte Sichtweise offenbart: die Kunst im Allgemeinen (Bücher, Museen, Tonträger, Bauwerke) und das Leben selbst.
Deswegen mein kleiner Tipp, den man im Fußball vielleicht unter der Rubrik „Übersicht“ einordnen könnte:
Verorte in Deinem Übungsplan nicht nur die Zeit am Instrument…

Und so winke ich jetzt mal rüber zur Paul Hindemith Anlage und denke an Kraftwerk!

„In the Moment“

August 30, 2020

Über meine Einschlafshilfe, das imaginäre Pförtnerhäusschen, habe ich schon öfters geschrieben – klar, ist ja auch ein Traum!
Nach der Lektüre dieses taz-Artikels öffnete das großartige Foto von Josef Schulz unlängst diesem Spiel eine weitere Möglichkeit, nämlich auch
verlassene Grenzposten in Betracht zu ziehen.

Somit ergeben sich ein paar gute Ideen für die kommende Woche:

  1. Die Ausstellung „Spectrum. Architektur. Landschaft. Fotografie“ des Herrn Schulz in Bielefeld besuchen. Eilt aber nicht wirklich, sie läuft noch bis zum 17.01.21
  2. In puncto lesen das Konzept von Paul Klee aufgreifen – nicht des Künstlers Klee, sondern des gleichnamigen Protagonisten von Heinrich Steinfests aktuellem Roman „Der Chauffeur“ – und >>stets ein sehr einfaches und ein sehr kompliziertes Buch – ein leichtes und ein schweres<< mitzuführen.
  3. In die improvisierten Konzerte des Schlagzeugers Makaya McCraven eintauchen. Ich beginne mit „In the Moment“ aus dem Jahr 2015.
    >>McCraven‘s breakthrough album captured 48 hours of live, improvised performances from McCraven and company. It was recorded at 1 venue over 12 months and 28 shows. The edited, remixed, and final product ended up displaying one of the most important recordings to date in the modern jazz world.<<
    Passt gut zu unserem „Der temporäre elektronische Salon„. Nicht nur konzeptionell und arbeitstechnisch, der Anspieltipp kommt auch von dort – von Oliver Leicht.

Espressokunst

August 22, 2020

Ich habe jetzt mal das Geheimnis des Echodrummings auf eine Postkarte drucken lassen, die ich DIR gerne zuschicke.
Als Reminder, als Klein-Kunstwerk oder zur Unterstützung der guten Sache. Kostet Dich schlappe 2,50 €. Dafür trinke ich dann einen Espresso auf Dein Wohl!

In diesen eher konzertfreien Zeiten kann/muss man neue Wege ausprobieren und so kopiere ich die tolle Idee der Tabakkunst von Oliver Breitenstein. Nachtigall ich hör dir TAPsen…

Schokoladentafel-Wissen

August 17, 2020

Gerade im Druck, eine Postkarte zum Buch, die den Knackpunkt illustriert:
TAP TEMPO is the clou & the glue of delay drumming!

taptempo_postcard

Zum Verschicken* oder übers Bett pinnen, als Reminder oder Notizzettel.
* gäbe es dazu noch eine TR-808 Briefmarke, so wäre die Kombi perfekt…

Wo ist der Bass?

Juli 26, 2020

Meine Trommel döst…

VW Bus – Schlauchboot – Bücher, und ab und zu die beste Schokobanane der Welt.
Fühlt sich sehr urlaubsmäßig an, funktioniert vor allem auch überall ab vom Schuss.
Dass sich darüberhinaus diverse Schätze und Steilvorlagen zum Träumen bergen lassen, hebt die Laune (und bringt Futter für den Blog).

Ein toller Ausgangspunkt zum Entdecken und Weiterforschen ist Karl Bruckmaiers „The Story of Pop“. Die Trommel spricht!

Beim Nachhören des Tropicalia Hits „Bat Macumba“ (1969) fasziniert mich das angezerrte rhythmische Stottern des Mixes (eigentlich ist es ja nur die Gitarre von Sergio Dias). Gleich das erste Suchergebnis dazu liefert noch eine eins a Anekdote:
>>I read about the tremolo fuzz in „Bat Macumba“ being a sewing machine motor attached to the volume knob of a fuzz, so that when it ran, you could control the speed of the trem with the footpedal of the sewing machine.<<
Und ich stelle mir direkt vor, dass am trommelnden Handgelenk eine Schnur befestigt ist (hallo, Augsburger Puppenkiste!), die einen Poti/Parameter meines Echogeräts fernsteuern bzw. rhythmisieren könnte.
Riesiger Aufwand und dennoch eine interessante Spielerei jenseits der einfach verfügbaren digitalen Umsetzung via Ableton & co.

Bildschirmfoto 2020-07-26 um 21.05.35

An anderer Stelle erfahre ich, dass Carl Spitzweg freizügig und gerne seinen Signaturstempel weitergab. Darüber entdecke ich den gemalten Dialekt-Witz „Wo ist der Pass?“ (fränkisch gefragt, ehrlich beantwortet):

Wo_ist_der_Pass_(Carl_Spitzweg)

Ich höre John Fayeh und interessiere mich für John Hammond, feiere Emil Berliner und schreibe mir auf den Zettel, dass 1943 der erste Second-Hand-Plattenladen in New York eröffnet wurde.

Aus einem anderen Buch, Ari Turunens Geschichte der Arroganz „Kann mir bitte jemand das Wasser reichen“ kopiere ich folgenden Satz:
>>Als die Missionare die Einwohner von Papa-Neuguinea für das Fußballspiel zu begeistern versuchten, legten die Mannschaften keinen Wert auf den Sieg, sondern spielten bis zum Gleichstand. Auch die Aborigines hassten die Vorstellung, andere zu besiegen.<< (Seite 39)

Dann wieder Bruckmaier und der >>Reiz der Mischkalkulation. Musiker verzichten auf den letzten Schritt der Selbstaufopferung hin zum Star alter Prägung, bleiben […] ganz bewusst auf einer Ebene, die ihren Gewinn in Lebensqualität und Selbstbestimmtheit auszahlt und nicht in Dollar und Euro.<< (Seite 329)

Zum Abschluss noch der Link zum Korg-Kochbuch (gegessen werden muss ja auch), eine Formel für Pop und (natürlich!) eine Prise Echo:
>>die worte sind sehr einfach gehalten; meist wird die titelzeile vielmals wiederholt, ghostriderghostriderghostrider, girl girl girl und dazwischen faucht und kreischt und stöhnt es in allen tonarten, elektronisch verzerrt und mit echo-effekten.<<
(Bob Fischer in „The Story of Pop“)

PS. eine grandiose Strophe habe ich ja auch noch gefunden (in XTC „This is Pop? aus dem Jahr 1978):