Archive for the ‘Art’ Category

Ich mache Fotos, um mir die Welt zu erschließen…

Januar 19, 2020

… der Kontext in dem ich operiere ist so ähnlich wie in einer Independent Band zu spielen und auf kleine Festivals zu gehen.<<
So antwortet mein Lieblingsfotograf Peter Bialobrzeski im PicDrop Podcast auf „die deutscheste aller Fragen: und, was machst Du so?“

Auch ich war vorgestern mal wieder Gast in einer schönen Radiosendung und durfte Sätze und Alben mit Michael Rütten wechseln. Hätte auch er mir die oben genannte Frage gestellt, hätte ich mein Tun wohl derart beschrieben:
Ich trommle Musik, um anderen Geschichten zu erzählen und selbst Klarheit zu erlangen.
Viel Spaß beim Nachhören 🙂

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Jetzt nochmals Bialobrzeski
>>Ich bin verantwortlich für das was ich sage, nicht für das was Du hörst<<, ein Aha!
sowie Link und Trackliste zur Soulsearching Sendung:

Miles Davis „In A Silent Way“
Massive Attack V Mad Professor „Protection (Radiation Ruling The Nation)“

Keith Jarrett „Creation Part 1“
J Dilla „One Eleven“
Fila Brazillia „Butter My Mask“
Tony Allen „Moyage (Mark’s Disco Mix)“
The Police „Next To You“
Rhythm & Sound „No Partial“ 
Swag „version.14“ 
Billy Cobham „A Funky Kind Of Things“
emanative „Planet B feat. Liz Elenzky“ 

Can „Vitamin C (BOM Edit)“
Brian Blade Fellowship „Red River Revel“
LCD Soundsystem „45:33 (Theo Parrish’s Space Cadet Remix)“

in Bildern denken

Januar 3, 2020

Eins a Trommeleinstieg – mit Pauken und Trompeten! Und grandiosem, mitunter exotischen Publikum in der Hamburger Laeiszhalle (Laeisz wie leise, obschon so ein Klassiktempel ganz schön laut nachhallt, wenn man die Trommel mit Schmackes schlägt…) – jedenfalls konnte man „die Schwester von Kraftwerk“ oder Rio Reisers ehemaligen Bodyguard treffen, mit illustren TrommlerInnen fachsimpeln oder sich von den vielen DePhazz Fans beglücken lassen.
Jetzt entspanne ich mit der freitäglichen SZ in der Bahn, freue mich dort über Max Goldts „Kunst kommt vom Wollen“ und die fotografierten Schreibtafeln kluger MathematikerInnen bzw. der folgenden Interviewpassage mit Jessica Wynne:
>>Viele der Fachleute sagten mir, als sie mir ihren Arbeitsprozess beschrieben, dass sie in Bildern denken, nicht in Zahlen oder Worten. Sie sehen das mathematische Problem in Bildern, noch bevor sie überhaupt an dem Problem arbeiten.
Ein Professor erzählte mir, dass er am Strand saß. Er dachte nicht einmal an Mathematik, er sah nur den Surfern zu. Und aus heiterem Himmel kam diese Vision. Er sah Bilder, sah das mathematische Problem vor sich und auch dessen Lösung. Ein Durchbruch. Oder ein Professor vom Mathematischen Institut in Princeton: Er zieht sich jedes Jahr drei Monate lang nach Irland zurück. Dort mietet er sich eine Hütte und meditiert. Es ist also Teil seines mathematischen Denkprozesses, den Geist zu leeren und nicht zu denken.<<

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Morgen gibt’s dann das traditionelle Netzer Neujahrskonzert im Stuttgarter Merlin – zwar ohne symphonischen Apparat, aber bestimmt genauso druckvoll und glitzernd.

PS. passt sowohl zu Bildern und zu Neujahrsvorsätzen, als auch zu Hamburg, der kleine Ausschnitt aus Saša Stanišićs „Herkunft“ (Seite 230):
>>Ich las. Lernte. Spielte Bach auf der Gitarre und übte Headbangen, und manchmal schloss ich einfach lange die Augen, um mich zu erfinden.<<

wie gemalt

Dezember 19, 2019

Erneut ein Gruß und Kuss aus Vilnius!
Bin bestgelaunt – weil die AirBaltic Reise völlig unkompliziert funktionierte (dank ausgefuchster 8Kg schmaler Handgepäck-Beckentasche, in der ich immerhin vier Meinl Klangebenen unterbringe:14“ Jazz Hihats, 18“ Sand Crash, 18“ Byzance Medium Thin Crash, 20“ Club Ride), weil ein schöner Sonnen-Spaziergang mich am Brutalismus-Sportpalast vorbeiführte und die Googlekarte der „Third Wave Coffee Places“ wieder mal ins leckere Schwarze traf.

Auch im Venue blieb, durch diesen einmaligen Effektisch, die Sowjet-Romantik erhalten. Nicht nur „eine Harfe aus Beton“ (Pat Appleton), sondern auch Stahlblumen als Echoträger…

Und jetzt wo ich wieder daheim und im Freizeitmodus bin, mag ich gerne noch drei Geschenktipps in den Raum stellen:
– Ein Kendama ist 2019 mein Präsent No.1 (Geschicklichkeit, Beruhigung).
– Der Buchtipp Alex Graham „Drumfax 4: A Guide To Electronic Drum Kits (1973-1989) von Markus Einheuser wird überprüft, verbrieft empfehlen kann ich das Pedal Crush Buch. (Herzrasen!)
– selbstgemaltes = immer OK! Und so folge ich dem Aufruf des Galleristen, der ab 23. Januar nicht nur die Bilder von Hellmut Hattler austellen wird, sondern auch drei Ausmalvorlagen in den Ring wirft, die gestaltet und eingeschickt werden können.
Also: Kunst für die Freunde und/oder den Kenner!

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Ich wähle das Motiv „Bassjagd„, hole Stöcke und Levis Wasserfarben raus und trommle ein paar schöne Noten ins Ziel…

Nachtrag: Zusammen mit Levi und Yves wurde jetzt noch das Ausmalbild „Silent Surveyor 2“ zum Loop transformiert.

Dass die Musik zum Titel mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel hat, finde ich leicht krass…

Sommerlüftchen

November 18, 2019

Schöner Wochenstart:
– mit dem ZDF Mitschnitt des sommernächtlichen Nils Wülker-Jazz Baltica-Gig: 72 Minuten, inklusive Ableton Fail & Nils Landgren Cameo!

– mit einem bunten Bildchen gegen die winterliche farblosigkeit (Exponat von Virgil Abloh)

– sowie mit einem Zitat aus meinem letzten Lieblingsbuch, Thomas Meyers „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ (Seite 143):
>>Da fielen mir wieder Onkel Jonathans Worte ein. Den eigenen Weg zu gehen, überlegte ich, heißt wohl nichts anderes, als sich den Dingen zu stellen, die einem begegneten. Nicht zu versuchen, sie zu umschleichen. Nicht vor ihnen stehen zu bleiben. Sondern durch die Schwierigkeiten hindurchzumarschieren.<<

 

verWeil‘ am Rhein!

Oktober 10, 2019

Hey, Gigs in Lörrach haben was! Eine schöne Venue, zudem die Nähe zu Basel, Weil am Rhein und Riehen – sprich Rheinschwimmen (asap), Vitra Design, Zaha Hadid und die erholsame Fondation Beyeler.
Ich konnte jedenfalls VOR und NACH dem Hattler Konzert im Burghof mächtig viel Inspiration einpacken, was meine Gedanken, die Gespräche unterwegs, selbst mein Traumgeschehen angenehm färbt…
Kommentarlos hier ein paar Snippets, die im Idealfall vielleicht auch bei Dir, lieber Lesender, was bewirken??

Resonating Spaces
>>Die englische Schreibweise des Titels verdankt sich der Bedeutung des Wortes »resonating« und »resonance«, die offener bleibt als der deutsche Begriff »Resonanzraum« und die sowohl physikalische Phänomene bezeichnet, die zur Erzeugung von Klang führen, als auch das Hervorrufen von Bildern, Erinnerungen oder Emotionen anspricht.<<

(Leonor Antune, Silvia Bächli, Ausschnitt vom Ausstellungsplakat)

(im Garten sitzen – wie daheim, Winkelarchitektur, traumhaftes Tankstellenhäuschen von Jean Prouvé)

Objekte der Begierde. Surrealismus und Design 1924 – heute

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Als Gegengewicht lege ich noch zwei spannende Bücher ins Hotelbett (Stephan Emigs vielversprechendes Paket über die „Fünf Wege zu mehr Musikalität„, sowie einen alten Glauser) und verlinke Peter Unfrieds Erklärung zur Position von Jonathan Safran Foer, der sagt, dass wir zwar von der Erderhitzung wissen, aber nicht an sie „glauben“.

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#head2heart

Missin‘ Persons Bureau

September 18, 2019

Das „Missin‘ Persons Bureau“ sollte keine Schwierigkeiten haben, mich zu finden:
sommerlich gestimmt, korrektes Shirt, Umhänge-Echo:

Bin ja aber eh nicht verschwunden, nur unterm Kopfhörer:

Womack & Womack ‎“MPB (Missin‘ Persons Bureau)“ Frankie Knuckles Paradise Ballroom Mix (1989)

Executive „Celebrate Your Love“ (1984)

Jersey Street Allstars – Burnin‘ (2003)

Steven Wobblejay „Too High“ (2018)

„A Tribe Called Quest“ Live in der Letterman Show 1992. Hey, wer trommelt denn da die e-Percussion auf dem SPD-8?

Achtung jetzt die 180 grad Wende hin zum Anspruchsvollen: Cory Arcangel interpretiert im Folgenden „Die drei Klavierstücke op. 11“ von Arnold Schönberg – >>ein Fundament der modernen Musik<< – mit Hilfe seines Codes Gould Pro und einer Menge von Katzenvideos erstaunlich bunt:

Und zum Abschluß noch das – ebenso von Cory Arcangel – ins Steve-Reichsche liebevoll verdrehte Guns’n Roses Gitarren Intro zu „Sweet Child o Mine“:

Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur

September 16, 2019

Nachdem es mir im Sommer schon bestens in Kärnten gefallen hat, würde ich in der nächsten Zeit (bis zum 27.10.) gerne nochmals hin. Diesmal, um das Klagenfurter Fußballstadion besuchen, in dem Klaus Littmann eine gezeichnete Dystopie aus dem Jahr 1970/71 dreidimensional umgesetzt hat.

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Fotos von Gerhard Maurer, originale Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ von Max Peintner.

PS. Das Stadion wäre selbstverständlich auch optimal für ein Netzer-Konzert geeignet – geht vermutlich nicht, da wir am 21.09. im Bix auftreten…

tell the truth

September 13, 2019

Im Nachklapp zum Moodymann Auftritt oszilliere ich zwischen einem Livemitschnitt von 1995 und der DJ-Kicks Compilation. Auf letzerer finde ich auch den Track, für den ich beinahe letzte Nacht das Handy herausgeholt und Shazam aktiviert hätte (Talc „Robot’s Return“), zudem  „Les Nuits“ von Nightmares on Wax, womit ein schöner Kreis um meine Sommererlebnisse gezogen wird.
Im abgetippten Redbull Academy Interview erfahre ich darüberhinaus, dass Kenny Dixon Jr. in den achtziger Jahren im Nachtclub seines Großvaters live getrommelt hat, sich selbst aber als lausiger Drummer einschätzt, umso mehr genießt er die persönliche Komfortzone im Club:

>>My live show is basically creating my own living space. I bring my home onstage. If I’m a DJ I play whatever the fuck I want to play […], behind turntables I can sit there and tell the truth.<<

Mir hat (neben seiner schicken Häkelmaske und den älteren iPhone-Hörern zum Mixen) vor allem gut gefallen, wie oft (und wie lange) Moodymann den Lo Cut des Mixers betätigt hat, um den wiedereinsetzenden Bass gerne nach dem offensichtlichen JETZT! noch weitere acht Takte herauszuzögern.

Als Gegenpol schaue ich mir jetzt die Blumenskulpturen und Lebensmittel-Collagen von Holger Niehaus an…

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… sowie die B-Seiten Tipps von Daniel Wang:

thoughts like furniture

September 12, 2019

Habe mir heute in der DZ Bank Kunstsammlung die Moving/Image Ausstellung angeschaut und  dabei hat mir am besten ein Werk von John Baldessari gefallen, das er folgendermaßen überschrieben hat:
>>My Mind is Camera and thoughts are like furniture. Various Qualities that make up the image of an artist today: Six roomsfuls of unarranged furniture.<<
Daraus ein paar schöne Positionen.

Es war ohnehin ein guter Tag. Denn zuvor bin ich morgens in den Skatepark geradelt, um mich in Ruhe vom Fluch des Sturzes („spell breaking“) zu befreien. Nachdem ich den Hafenpark (dank Levi) quasi als Balkon benütze, aber die letzten zwei Monate nur noch den Akteuren zugeschaut habe, bin ich heute vorsichtig in der Bowl gekurvt, ganz gemütlich, ganz geduldig, ohne Brechstange, aber dennoch mit dem klaren Ziel, jene Bruchstelle zu kapieren und zu überwinden.
Eigentlich ein Arbeitsansatz, der beim Üben das Selbstvertrauen stärkt und latent mulmige Gefühle ausfadet („reverse engineering“?)

Und als ob der Tag nicht schon lang genug gewesen wäre, zieht mich der nächtliche Auftritt von Kenny Dixon Jr. aka Moodymann abermals aufs BMX…

Crossfade

August 11, 2019

Kurz vor Ende der Sommerferien machte ich das Experiment, mit BMX und Bahn zum DePhazz Gig anzureisen – angedacht als eleganter Crossfade vom Urlaubsmodus zurück in den Trommelalltag.
Dank gestellter Backline waren die Rahmenbedingungen optimal, nur meine Reise-Gewohnheiten mussten noch angepasst werden, denn: sich spontan und kurzfristig via DB-Navigator App für eine Zugverbindung zu entscheiden, funktioniert nur noch dann reibungslos, wenn man mit viel Zeit und diversen Umstiegen in S- und Regionalbahnen zuckelt. Sobald IC oder ICE Züge im Routing vorkommen bekommt man die Informationen zur Platzverfügbarkeit sowie die extra Fahrradmarke nur noch im Reisezentrum. Wer dennoch ungebucht am Gleis steht – wie ich – hat noch eine letzte Chance, indem er den Zugchef nach einem freien Rad-Plätzchen fragt (was bei aber mir erst im zweiten Anlauf geklappt hat).
Ich benötigte für die 180 Kilometer von Urbach zur Volksbank-Bühne in Worms  letztlich fünfeinhalb Stunden – und war dennoch glücklich!

Die blauäugige Spontanität des Vorhabens sollte mich noch weitere Male einholen und Lösungen erfordern: ein leichtes Fahrradschloss konnte ich direkt im ersten Etappenziel besorgen (im Fahrradladen eines alten Grundschulfreunds) und für die Beleuchtung der Nachtfahrt zum Hotel musste das Handy herhalten: Taschenlampe (als Vorderlicht), sowie ein rotes Bild, das als Bildschirmschoner (in Verbindung mit deaktivierter Bildschirmsperre) ein Rücklicht imitierte. Nur schade, dass nicht StVZO
anyway, ich speichere diese Idee in Verbindung mit der 100 Jahre älteren (Kunst-) Vorlage von Alexander Rodtschenko (Komposition Nr. 60) ab.

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Ich bin jedenfalls wieder wohlbehalten in Frankfurt angekommen und freue mich nach knapp fünfwöchiger Abwesendheit mächtig aufs Kochen!