Archive for the ‘Sampling’ Category

Und, smacks?

Juli 21, 2022

Ohne Aufdruck könnten sie durchaus als surrealistisches Kunstwerk (Salvador Dalí ) durchgehen, der Name bewirkt bei mir nostalgische Frühstückserinnerungen.

Derartig Schlagzeug-ferne Assoziationen passen übrigens bestens zu den Meinl Smack Stacks – geht es bei diesem (bis zu fünflagigen) Stapel doch um Becken, die den Sound eines typischen Drumcomputer Claps erzeugen.
Die Versuche jenen Signature Sound der DJ Culture zu emulieren sind zahlreich. Doch leider hatten die der Vorlage am nächsten kommenden Entwürfe – das mit der Hand auf die Snare geschlagene Drumbal, sowie der Rim-Flam – den Nachteil, dass sie nicht einfach aus dem Spielfluß heraus mit einer Hand getrommelt werden konnten. Oder sich gar mit dem Fuß in Form eines Overdubs über den eigentlichen Groove treten ließen.
Klar – elektronische Lösungen à Roland-SPD konnten solche Wünsche erfüllen. Doch sie bringen direkt einen aufwendigen Anforderungskatalog mit sich, der nicht immer passt oder realisierbar ist.
Insofern war ein flexibles, rein akustisches Handclap-Instrument ein langersehnter Traum von mir.

Passend zum eben nicht super-akurraten Klatschsound, der eher verzerrt und rauschig als Hochglanz ist und sich dank seiner Breite hörbar durchsetzen kann, entstammen die flachen, gebogenen Metallscheiben des Smack Stacks mitten aus dem Produktionsprozess – bis zum typischen Becken-Produkt fehlen offensichtlich noch ein paar Arbeitsschritte (Krümmung ausgleichen, Kuppe herausarbeiten, manuelle Hämmerung). So entsteht der raue, ungeschliffene Ton. Und dass dann irgendwann mal ein findiger Mitarbeiter mehrere dieser Scheiben übereinanderlegte und zudem daraufschlug… danke, danke, danke!
Welch toller kreativer Zufall. Und natürlich gleich die Steilvorloge für ein neues Produkt.

Ich wurde netterweise gleich mit beiden Smack Stack Produkten ausgestattet, also mit der Byzance Vintage Version in 14″/12″/10″, mit dem zusätzlichen 16″/8″ Add-On-Pack, sowie mit vollen 5 Piece-HCS- Variante (16″/14″/12″/10″/8″). Woraufhin ein reges Experimentieren begann:

Die Meinl-Türme funktionieren in jeglicher Position, als wären sie ein herkömmliches Becken oder eine typische Sidesnare. Selbst in die Hihatmaschine eingespannt, klingen die krummen Scheiben eher elektronisch und wunderbar artifiziell.
Selbstverständlich habe ich alle Einzelteile auch bunt miteinander kombiniert und auch die Reihenfolge des Stapels variiert. Meine bisherige Lieblingsanordnung ist das
Byzance Vintage Smack Stack in 16″/12″/10″/14″

Jetzt stehen erstmal wieder diverse Konzerte auf dem Zettel, aber anschließend geht es mit dieser todo-Liste weiter:
– zweite Hihatmaschine ins Setup einbauen und damit noch eine neue Aufgabe für den linken Fuß haben: acoustic overdub foot clap
– das Smack Stack in lange Hallräume schicken, bzw. mit FX-Mikro, Noisegate, (Distortion?) und Reverb eine bühnentaugliche Version basteln für
Smack Stack mal mit, mal ohne Effekt

old school beats & drum hacks

Juni 11, 2022

# Ein Klassiker des Jazz-Rap (sic!) feierte kürzlich seinen 30sten. Beim Nachhören des Albums „Mecca And The Soul Brother“ von Pete Rock & CL Smooth bleibe ich bei der Nummer „Wig Out“ hängen – endlich mal ein super Beispiel für eine Sample-Behandlung (abgeschnittene zweite Snare), für die beim Snare-Trommeln einfach nur die Hand aufgelegt werden muss…
(siehe „Das moderne Schlagzeugquartett“ Seite 16f)

# A propos Pete Rock, hier direkt noch der Nas Titel mit wunderschönen Löchern/’Ruptures/Mutes: „The World is Yours“ (1995)
(siehe „Das moderne Schlagzeugquartett“ Seite 12f)

# Ebenfalls fürs Notizbuch, „Cuttin‘ Headz“ von Ol‘ Dirty Bastard (1995). Hier scherte sich RZA kein bisschen um den schlecht geschnittenen bzw. nicht dem Songtempo angepassten Drumloop.
Fresh!

# Ich lerne den amerikanischen Fachbegriff für die mittlerweile typische Handclap-Emulation via Flam von Sidestick und Schlag auf den Rim. Diese Technik wird „Mother’s Son“ nach dem gleichnamigen Titel von Curtis Mayfield genannt (1974, drums: Quinton Joseph).
Außerdem ziehe ich noch frech diese eins a Veranschaulichung der Funk-Formel („on the one“) aus Dilla Time (Seite 28) ab:


# Zu guter Letzt noch ein vielversprechender Drum Hack, den mir eben das drummerforum.de zugespielt hat. Um einen Ständer für das Kick-Mic zu sparen, wird gerne ein Mikrofon einfach aufs Kissen gebettet.
(Yes, das machen wir bei Hattler schon ewig so, mit einem via Klettband befestigten Beta 98; auch in meiner 20 „Frankfurt Bassdrum wartet ein ums Innenkissen geschlungener Kabelbinder nur darauf das MD421 zu halten)
Problematisch dabei ist einzig allein das an der Lochwand scheuernde Mikrofonkabel. Dagegen wird nun abermals ein Binderclip ins Spiel gebracht:

solo works

April 29, 2022

Habe mir zwei alte Dave Weckl Drumsolos angeschaut zwischen denen 10 Jahre Weiterentwicklung langen (wobei die Aufnahme Nr.1 aus 1986 schon dem Zeitpunkt seines ersten Karrierhöhepunkts entspricht).
Spannend!

Desweiteren zwei aktuelle Schlagzeuger-Alben:
Einmal „Trippin'“ das (eben mit dem Deutschen Jazzpreis prämierte) Werk des Wahlberliner Drummers Mathis Grossmann aka Magro und dann noch jene 21 Minuten, die Abe Rounds über das Thema „The Confidence To Make Mistakes“ trommelt.

PS. volle e-Beats via Yamaha-Pads gibt’s im ersten Weckl-Video ab 22:35′. Dave triggert dabei zwei Soundquellen, den Sampler TX-16 und die RX-5 Drum Machine via Midi-Expander PMC-1, die sich vielversprechend layern lassen. Elektronische Becken waren damals (immer noch) kein Thema…

Revolution 909!

April 27, 2022

Gestern wurde – nach über 25 Jahren! – eines der großen Daft Punk Sample Rätseln gelöst, die Hook von „Revolution 909“ kommt offenbar aus Hannover
(vermutlich steckt dann auch noch eine kleine Prise Cheryl Lynn drin)

Hey, diese Entdeckung ist die beste Vorbereitung für den anstehenden Tanz in Mai. Den werde ich jammenderweise (Obacht beim Lesen: jammen, nicht jammern…) mit dem tollen DJ Michael Rütten und meinen beiden Fußballfreunden (und Jazz Montez Machern) John Vibrations (ebenfalls DJ) und Lorenzo Dolce (am Saxophon) begehen.
30.04.22 ab 21h Frankfurt, Achter

Wiederhole mich nur allzu gerne, dass das spontane Zusammenspiel mit einem DJ ein großartiger Zeitvertreib ist.

viel electrica salsa

April 14, 2022

hey, ich war heute in der Musikhochschule, im neu eröffneten MOMEM (dem Frankfurter Museum für Elektronische Musik), bin beim Mithören quer zum Ableton-Artikel über Paradox (jenem Breakbeat-Meister, der A schon ein fettes Feature im Schlagzeugmagazin bekommen hatte, ohne jemals einen Drumstick gehalten zu haben und B ganz klassisch mit Commodore Amiga plus Akai S32000 Sampler produziert und sich damit auch auf der Bühne stellt!) tief in Drum’N Bass Beats versunken…sprich, pausenlos tolle Musik!
Doch der schönste und alles übertönende Nachklang kommt vom gestrigen Geburtstagsfest:

Um all die Eindrücke zu einer stimmigen Botschaft zu verdichten, lege ich Joo und mir ein Ständchen zwischen die Lippen, packe einen Paradox-Break und etwas Kulturatmo aus dem Museum darunter…
und wünsche Dir, lieber Hellmut, alles Liebe und uns noch viel gemeinsame „electrica salsa“!

Kaffee Sample für einen guten Zweck

März 7, 2022

Ich sage laut Danke! und bin begeistert. Danke an euch viele, die sich an der Spendensammlung beteiligt haben. Ich freue mich über jedes Herz und viel empathischen Zuspruch, bedanke mich bei allen Interessierten und tatsächlichen KäuferInnen und ziehe meinen Hut vor den Multiplikatoren, die prompt ebenfalls Güter für den guten Zweck veräußert bzw. direkt mitgespendet haben!
Gemeinsam etwas möglich machen, fühlt sich gut an! Und so konnte ich heute die ersten 1000 Euro an Ärzte ohne Grenzen überweisen.
Nach den Perlen stehen jetzt die kleinen Freuden des Alltags auf dem Programm! Als leidenschaftlicher Kaffeegenießer schenke ich ein musikalisches Tässchen aus. Nämlich meine persönliche Sample-Library, 360 Samples und 72 Loops. Sie eignen sich zum Verzieren Deiner Produktionen, zum Beatbasteln oder gar zum Trommeln auf dem Samplepad.
Bestelle (überweise) via Paypal an o@olirubow.de, ich versorge Dich dann mit der gewählten Köstlichkeit und spende schließlich sämtliche Einnahmen am Ende der Woche.

1x Kaffee Samples 3€

1x Kännchen (Kaffee Samples plus Loop-Haube) 5€

Hier noch der Beipackzettel (Übersicht und Stories zu den Klängen) sowie ein einminütiges Soundfile, quasi der Espresso vorab:


Bus, Begeisterung, Bett

November 13, 2021

Die Tourtage sind lang, meist ähnlich (gemäß der oben genannten 3 B) strukturiert. Viel Gemeinschaft und immer wieder schöne kleine Überraschungen:
Wie beispielsweise die die zufällige Nachtlektüre, die mir die Hotelbibliothek zuspielt. Rilke in Worpswede, Herrndorf in Hannover.

Oder Albins Tech Talk Tipps: X-O Sample-Regal in Milchstraßen-Optik, Samples from Mars, Softube Curve Bender, sowie der Pawnshop Fund (HD25 für 39€) und der Musikbrunnen (wo es noch alte Tama Superstar Trommeln neu zu kaufen gibt!)

Jetzt läuft Miles‘ „Human Nature“ (vom Around the World Album) zur Einstimmung auf die heutigen Leverkusener Jazztage (im Doppelpack mit Kenny Garrett). So lässt’s sich tippen:

>>Und da lagen nun vor den jungen Leuten, die gekommen waren, um sich zu finden, die vielen Rätsel dieses Landes. Die Birkenbäume, die Moorhütten, die Heideflächen, die Menschen, die Abende und die Tage, von denen nicht zwei einander gleich sind, und in denen auch nicht zwei Stunden sind, die man verwechseln könnte.
Und da gingen sie nun daran, diese Rätsel zu lieben.<<
Rainer Maria Rilke, 1902

>>Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt. Der Hausmeister hat in den Ferien die Schlösser an der Halle ausgetauscht, und ein Dutzend 70-Jähriger steigt hinten über den Zaun und marschiert und marschiert durch den halbmetertiefen Schnee auf dem Sportplatz zum Hintereingang, um mit der Begeisterung (und teilweise auch den Fähigkeiten) von Fünfjährigen eine Stunde zu kicken. So hatte ich mir mein Alter auch immer vorgestellt.<<
Wolfgang Herrndorf 27.12.2010

Industrial Bleeps

September 22, 2021

Richard H. Kirk, der Voltaire Kabarettist und Bleep-Techno-Erfinder ist gestorben. So beginnt der Nachruf von Jens Balzer in der „Zeit“:

>>Sie hassten die Welt, sie hassten die Gesellschaft, sie hassten alle Kunst und auch die Musik. „Wir sind keine Musiker“, sagten Cabaret Voltaire über sich selbst, als sie 1973 in ihrer Heimatstadt Sheffield erstmals die Bühne betraten. Darum hatten sie auch keine Instrumente, jedenfalls nicht im überkommenen Sinn. Ihre Nicht-Musik bestand aus Geräuschen, die sie auf Tonbänder aufgenommen hatten und dann zu endlos sich drehenden Schlaufen verflochten und mit selbstgebauten Effektgeräten verhallten und verzerrten und manipulierten; dazu schickten sie aus einem wiederum selbstgebauten Oszillator sirrende und flirrende Sinuswellen in den Raum. Manchmal grundierten sie den Krach auch mit einem Rhythmus, etwa mit dem Geräusch eines Presslufthammers in einer Tonbandschleife. Später ließen sie auch mal eine einfache Rhythmusmaschine der Orgelfirma Farfisa vor sich hin tuckern – aber niemals wären sie auf die Idee gekommen, mit einem lebenden Schlagzeuger zusammenzuspielen. Denn wenn Cabaret Voltaire etwas noch mehr hassten als die Kunst und die Musik im Allgemeinen, dann war es die Idee der Rockband.<<

Back to School Jam

Juli 4, 2021

Vor 50 Jahren entwickelte Shuichi Obata den direktangetriebenen Technics SL 1200 Plattenspieler, der sich mit all seinen Revisionsnummern und mehr als fünf Millionen verkauften Exemplaren (ab 1972) einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde für das am längsten produzierte Konsumprodukt der Unterhaltungselektronik sicherte.
Was als gründlich-effiziente Ingenieursarbeit begann (ein schnellanlaufendes, wartungsfreies Laufwerk) wurde einerseits Anstoß für die Hip-Hop Culture, andererseits zum Paradebeispiel für den „Einsatz jenseits der Bedienungsanleitung“

Verrückt, dass sich ein Plattenspieler vom Abspielgerät, zum (Rhythmus-) Instrument, gar zum Job-Lieferanten (DJ) weiterentwickeln konnte. Mit DJ Kool Hercs Party Einladung vom 13.08.1973 fiel ein konkreter Startschuß, welcher der Blockparty-Idee (mit sprechenden MCs) die Entwicklung diverser DJ-Techniken folgen ließ, allen voran die Qualität geloopter Phrasen (Merry-Go-RoundQuick Mix Theory), die vor allem dank Grandmaster Flash große Wellen auslösen würde (Hip Hop, Loop-Ästhetik, Breakbeats, Cut & Paste, Sampling).

Happy Accidents sind großartig, müssen aber gar nicht immer solch große Wellen schlagen. Die kleineren Fehler treten vielleicht kein neues Genre los, würzen dafür als bunte Anekdoten die Musikgeschichte. Wie zum Beispiel Sting, der sich vor seinem Roxanne-Gesangseinsatz kurz ausruhen wollte und dabei versehentlich auf das geöffnete Klavier setzte. 
Das Cluster („a demolished“) nebst anschließendem Auflachen ist wohlbekannt, weil eben nicht herausgeschnitten.

809 Kick

April 27, 2021

Hannes Bieger hat aus zwei Legenden eine neue (Kickdrum) gebastelt und zum freien Download auf Soundcloud gestellt.