Archive for the ‘Clicktrack’ Category

schöne Schwankungen

Februar 3, 2022

Gestern blätterte ich durch Jost Nickels Groove Book und blieb auf den Seiten 114ff hängen. Dort geht ums Timing, um die Spanne zwischen genauer, Click basierter Darbietung und dem freien Flug, der lediglich der persönlichen Einschätzung (und dem Bandgefüge) folgt.
Zwischen diesen Polen liegt der Kompromiss, sich ein für gut befundenes Tempo vom Metronom vor dem Einzählen anzeigen zu lassen.

Im weiteren Verlauf werden zwei Gassenhauer erwähnt, die im Verlauf schneller werden, „September“ von Earth, Wind & Fire und „Street Life“ von The Crusaders.

Mich interessierte daraufhin, wie im Internet über dieses Thema diskutiert wird, fand dabei weitere Classics, die deutlich schneller werden, beispielsweise Herbie Hancocks „Chameleon“ (was mir nie aufgefallen ist) oder langsamer enden als sie begannen (The Beatles „You won’t see me“). Sehr schön auch die Grafik zu „So Lonely“ von The Police, bei der sich die Refrains klar ablesen lassen:

Ähnlich wie beim Groove-Topic geht’s beim Timing vor allem um das „gute Gefühl“ das sich idealerweise bei Mitmusikern und Hörern einstellt.

kunstvoll glücklich

Januar 25, 2022

Ich sprach neulich mit Wolfgang Haffner über den nach wie vor großartig aufspielenden Randy Brecker und er zeigte mir daraufhin die Doku über die Bigbandaufnahmen von Frank Sinatra und Quincy Jones, die (Randy zu seinen Karriere Highlights zählt) im Album L.A. is my Lady (1985) mündeten.
Es ist herzergreifend und wohltuend zu sehen wie all diese Ausnahme Musiker (drums: Steve Gadd, Irving Cottler, Leon „Ndugu“ Chancler, John „J.R.“ Robinson) und Mitschaffenden nicht nur großen Respekt vor dem Megastar haben, sondern hochmotiviert freudig agieren.
Leider findet sich im YT nicht allzu viel Filmmaterial, so auch nicht die Szene, die perfekt zum folgenden „Mack The Knife“ Recording gepasst hätte: dort sieht das handverlesene Publikum und die Musiker am Ende des Arbeitstages wie sie zum abgespielten Version tanzen und mächtig Freude versprühen.

Ähnlich intrinsisch motiviert, um nicht zu sagen besessen, ist die fränzöische Tennisspielerin Alizé Cornet. Seit 17 Jahren ist sie auf der Grand-Slam Tour dabei, jetzt steht sie nach ihrer 63. Teilnahme erstmals überhaupt im Viertelfinale (heute Nacht ab 1.00 Uhr). Glücklich und mit eindeutiger Bestätigung des Mottos „Es ist nie zu spät, es immer wieder zu versuchen.“

Im Instagram zeigt Jerry Saltz ein Videoschnippsel, den er Studierenden zeigt, die ihn fragen: “What is art?“

Und bevor ich jetzt ebenfalls beseelt in die Musikhochschule tingle, besuche ich noch kurz die „Rock School“ und lasse mir von Omar Hakim zeigen, wie man den Clicktrack musikalisch umspielen und seine Hihatfiguren tanzen lassen kann.

Drum Phase

Januar 13, 2022

Angefixt von Steve Reichs „Piano Phase“ und dem IG-Einminüter von Justin Heaverin, hatte ich neulich mit zwei Studierenden der HfMDK Frankfurt ausprobiert, was passiert, wenn beide zwar den gleichen Rhythmus trommeln, einer jedoch mit 120bpm, der andere mit 121bpm im Ohr spielt.
Habe ungeprobt die Kamera drauf gehalten und bin geflasht:

Danke, Valentin Michel & Jonathan Schuchardt!

Das ganze lässt sich selbstverständlich auch alleine testen:

Hier trommle ich zum Clicktrack (117bpm) und mein Arturia Drumbute spielt mit 115bpm. Funktioniert auch (organischer?), wenn ich ohne Click spielt und mich erstmal auf den elektronischen Beat draufsetze, irgendwann das eigene Tempo leicht anziehe und die Maschine laaaangsam überhole…Dass man dabei gerne an Stellen mit vertrauten Verschiebungen (entlang der Sechzehntel Subdivisonen) einen Ticken länger verweilt, scheint menschlich und färbt das Ergebnis organischer.
Die rechnerisch perfekte Lösung bastelt man sich schließlich in der DAW.
Eintakter aufnehmen, die Kopie etwas schneller oder langsamer rechnen, auf gleichen Startpunkt setzen und los…

117 vs. 118bpm

no more master clock, more topspin

September 20, 2021

Zwei gute Artikel aus den gestrigen Sonntagszeitungen passen bestens zu meinen momentanen Aufgaben:
1. die elektronische Schlagzeug-Ästhetik von der Orientierungsspur (Clicktrack, Master Clock) zu emanzipieren
2. Unter der Überschrift „Den (Preset) Rahmen erweitern“ suche ich Geschichten über jene „Game Changer“, Menschen und Produkte, die Moden entfachten und darüber neue Standards (oder gar zukünftige Klischees) im gängigen Drummer-Vokabular verankerten.

>>No more master clock!“ – „Nie wieder nach der Uhr der Herren!“ Irgendwann inmitten einer Lärmkaskade auf ihrem neuen Album „Black Encyclopedia of the Air“ schreit die US-amerikanische Dichterin und Musikerin Moor Mother, bürgerlich Camae Defstar, diesen Slogan ins Mikrofon. Es ist die ultimative Ermächtigungsgeste. Kon­trolle über die Zeit zu besitzen, das ist eine klassische Forderung emanzipatorischer Bewegungen.
Die Revolutionäre der Pariser Commune schossen 1871 angeblich auf die Turm­uhren, ein Jahrhundert später traten die überwiegend Schwarzen Ford-Arbeiter:innen in Lordstown im US-Bundesstaat Ohio in den Streik wegen der Taktung des Fließbands. […]
Aber „Master Clock“ hat noch eine zweite Bedeutung. Der Titel spielt auch den unerbittlichen Tempomat eines elektronischen Aufnahmestudios an, nach dessen Geschwindigkeit sich der Rest der Musikinstrumente zu richten hat. << Christian Werthschulte in der taz

Angefixt durch Winand von Petersdorffs Artikel DIE TOPSPIN REVOLUTION in der FAS fand ich das PDF „Technological Change and Obsolete Skills: Evidence from Men’s Professional Tennis“ von Ian Fillmore und Jonathan Hall:
>>Technological innovation can raise the returns to some skills while making others less valuable or even obsolete. We study the effects of such skill-altering technological change in the context of men’s professional tennis, which was unexpectedly transformed by the invention of composite racquets during the late 1970s. We explore the consequences of this innovation on player productivity, entry, and exit. We find that young players benefited at the expense of older players and that the disruptive effects of the new racquets persisted over two to four generations.<<

PS. der getriggerte Tennisschläger verankert diesen Beitrag noch unter einem anderen Aspekt im Blog

Echtzeitkunst mit konkretem Anspruch

Juni 29, 2021

Traumhafte Kulisse, spannender Plot, Corona-konform!

Vom 1. bis 11. Juli werden im Frankfurter Ono2 die Ergebnisse des Moment:an Versuchs präsentiert, bei dem die Zeichnerin Kamü und das Musiker Duo Rubow & Leicht intermedial improvisieren, um schöne Bilder und einen stimmigen elektro-akustischen Sound zu erzeugen.
Es gibt einen 15 minütigen Film fürs Schaufenster (und hier), Galleriezeiten (täglich 19-21h) sowie drei Live-Happenings (am 01./08./11. Juli jeweils ab 21h) vor dem Frankfurter Ono2 (Walter-Kolbstr. 16).

Gestartet wird in völliger Freiheit. Um den Moment zu strukturieren helfen große Ohren, offene Augen und ein kleines Regelwerk, ein dezentes „wenn – dann“ Verständnis, das angewendet werden darf, aber nicht muss, sowie subtile klangliche Verstrickungen:
Denn es wird nicht nur auf Trommelfellen und Becken geräuschvoll gezeichnet, die (mittels Drum-Pickup abgenommen) Fell-Klänge bzw. die mit einem Mikrofon bemalten Becken und radierten Vorlagen können ebenso das Klangergebnis beeinflussen…

Neustart Kultur!

Human Clock

April 20, 2021

Neulich stolperte ich bei der Durchsicht einer älteren „Modern Drummer“ Ausgabe über diese Anzeige der Kahler „Human Clock“ (~1987), eine Art Vorgänger der Ableton Bemühungen (Follow Tempo, BeatSeeker, B-Keeper) im 19 Zoll Format.

An anderer Stelle lese ich im Netz, dass sich der Entwickler der „Human Clock“ (Michael Stewart) mit der Aphex 800 „Studio Clock“ (~1989) nochmals verbessert haben soll. (Ebenfalls für Aphex hat er auch die „Feel Factory“ konzipiert).
Hier mal die Trommler-relevanten Seiten aus den Bedienungsanleitungen.
Aphex

Kahler

Dank Axel Mikolajczak kenne ich nun auch Jeanius Electronic’s „Russian Dragon“ (RD-R, RD-T, RD-2, RD-3), >>The musician’s visual rhythm accuracy indicator.<<
Dort gibt es einen Eingang für den Clicktrack und einen weiteren für das in puncto Timing zu überprüfende Instrument. Ob dieses tight spielt, nach vorne drängt oder sich zu weit nach hinten lehnt zeigt dann diese schicke Anzeige:

Zum Abschluß empfehle ich noch Michael Stewarts Artikel „The Feel Factor A Guide to Programming Music with Soul„.

Psychoakustik

März 19, 2021

Daniel Stämmler, unser Hattler FOH, hat mir diesen spannenden Fünfteiler zum Thema Psychoakustik geschickt:

Gleich mal zwei passende Bezüge:

1. Repetition Pitch (Part 2/5, 3:19) >>Have you ever clapped in a reverberent space and thought you here a pitch in the resulting sound?
Da denke ich doch direkt an meine Echogeräte und den Stockhausen Vortrag von vorgestern.

2. Den Levitin Effect finde ich natürlich schon mal alleine des Namens wegen toll, aber auch den Inhalt mag ich. Denn es geht bei diesem Phänomen darum, dass wir Menschen (unabhängig von unserer musikalischen Ausbildung) oft Songs in der richtigen Tonart erinnern. Ich beobachtete ähnliches in Bezug auf die Tempi unserer Lieblingssongs und verwende diesen Umstand zur Erstellung einer persönlichen BPM-Erinnerungs-Liste. Und siehe auch dieses Phänomen hat Herr Daniel J. Levitin untersucht („Memory for musical tempo: Additional evidence that auditory memory is absolute„, 1996).

Body Percussion digital

Januar 13, 2021

Eigentlich immer verbindend, auflockernd und spaßig: eine Runde Body Percussion. Eine Gruppe von Rhythmuswilligen läuft den Puls und klatscht dabei vorgegebene Patterns nach.
Das ist leider in Zeiten des Online-Unterrichtens schwer durchführbar. Denn das gleichzeitige Grooven funktioniert wegen der Übertragungslatenz nicht und durch den typischen Kameraaufbau/Bildausschnitt sehe ich meist auch nur Kopf und Oberkörper meiner Gegenüber.

Also habe ich mir folgendes, visuell nachvollziehbares überlegt: der Fuß-Puls wandert in die Bewegung der oberen Körperhälfte (Oberkörper/Kopf). Alternativ dazu (oder zusätzlich) wird er mit Rhythmussilbe „Tschick“ gesprochen.

Die rhythmischen Aufgaben werden mit einer Hand auf die Schulter geklopft.

Beispielsweise Rhythmusklassiker aus aller Welt (Clave, Baião, 3:2, Flamenco…) oder Sightreading Texte.
Und zum Üben lässt Du als Refernez am besten noch das Metronom mitlaufen und versuchst seinen Puls als Achtel-Offbeat zu hören.

Eine erweiterte Spielart geht in Richtung Beatboxing. Dabei versuche ich sowohl Tschick-Puls als auch die Rhythmusübung zu „singen“.
Hier meine dazu passende Spielkarte aus dem „Modernen Schlagzeugquartett

Der tolle Benny Greb hat diesbezüglich die Meßlatte ganz schön hochgelegt (da er nicht den Viertelpuls sondern die Clave als Grundlage hernimmt):

Gatekeeper & Gapclicks

Juni 19, 2020

Schöne Geschichte, die Anekdote zu Chaka Khans „Night in Tunesia“ (1981)

Unschöne Geschichte, dass diverse Musikmagazine schwer in Not geraten sind. Der Spex Online Redaktion wurde offenbar gekündigt, Groove und JazzThing brauchen dringend rettende Abonnenten! Und der großartige Sticks Chefredakteur Axel Mikolajczak geht bald in den Ruhestand (was ich mir gar noch nicht vorstellen kann…)
Hey, wir brauchen doch die lässigen Gatekeeper!!! Die Guten, die uns an der Hand nehmen, uns durch den Dschungel der Vielfalt führen, uns informieren, mitreißen…

Schöne-schöne Idee: die Gap-Click App von Benny Greb! Endlich gibt’s ein simples Metronom, in dessen Puls sich u.a. Lücken programmieren lassen. Diese Option wird nicht nur Hiphop Nerds begeistern, sondern auch die Freunde der „Inner Clock„.

Billy did a press roll, a downbeat and we were off

April 27, 2020

Spätestens nach diesem Satz werde ich die Leland Sklar Videos jetzt wohl auch schauen:

>>There was no click in those days. Was only used in film. Billy did a press roll, a downbeat and we were off. Took a couple of beats to lock in for we had no count off.<<

„Stratus“ war nicht nur ein Titel des grandiosen  „Spectrum“ Albums (1973), sondern auch eine selbständige  7″ Promo Single!
Und ein Jahr später hat Tausendsassa und Drummer, Hamilton Bohannon seinen „South African Man“ veröffentlicht, einen tollen krummen Disco-Track, den wir mit Netzer gerne mal zitieren. Auch „Bohannons Beat“ rollt verdammt lässig! Gute Reise…