Archive for the ‘Clicktrack’ Category

Human Clock

April 20, 2021

Neulich stolperte ich bei der Durchsicht einer älteren „Modern Drummer“ Ausgabe über diese Anzeige der Kahler „Human Clock“ (~1987), eine Art Vorgänger der Ableton Bemühungen (Follow Tempo, BeatSeeker, B-Keeper) im 19 Zoll Format.

An anderer Stelle lese ich im Netz, dass sich der Entwickler der „Human Clock“ (Michael Stewart) mit der Aphex 800 „Studio Clock“ (~1989) nochmals verbessert haben soll. (Ebenfalls für Aphex hat er auch die „Feel Factory“ konzipiert).
Hier mal die Trommler-relevanten Seiten aus den Bedienungsanleitungen.
Aphex

Kahler

Dank Axel Mikolajczak kenne ich nun auch Jeanius Electronic’s „Russian Dragon“ (RD-R, RD-T, RD-2, RD-3), >>The musician’s visual rhythm accuracy indicator.<<
Dort gibt es einen Eingang für den Clicktrack und einen weiteren für das in puncto Timing zu überprüfende Instrument. Ob dieses tight spielt, nach vorne drängt oder sich zu weit nach hinten lehnt zeigt dann diese schicke Anzeige:

Zum Abschluß empfehle ich noch Michael Stewarts Artikel „The Feel Factor A Guide to Programming Music with Soul„.

Psychoakustik

März 19, 2021

Daniel Stämmler, unser Hattler FOH, hat mir diesen spannenden Fünfteiler zum Thema Psychoakustik geschickt:

Gleich mal zwei passende Bezüge:

1. Repetition Pitch (Part 2/5, 3:19) >>Have you ever clapped in a reverberent space and thought you here a pitch in the resulting sound?
Da denke ich doch direkt an meine Echogeräte und den Stockhausen Vortrag von vorgestern.

2. Den Levitin Effect finde ich natürlich schon mal alleine des Namens wegen toll, aber auch den Inhalt mag ich. Denn es geht bei diesem Phänomen darum, dass wir Menschen (unabhängig von unserer musikalischen Ausbildung) oft Songs in der richtigen Tonart erinnern. Ich beobachtete ähnliches in Bezug auf die Tempi unserer Lieblingssongs und verwende diesen Umstand zur Erstellung einer persönlichen BPM-Erinnerungs-Liste. Und siehe auch dieses Phänomen hat Herr Daniel J. Levitin untersucht („Memory for musical tempo: Additional evidence that auditory memory is absolute„, 1996).

Body Percussion digital

Januar 13, 2021

Eigentlich immer verbindend, auflockernd und spaßig: eine Runde Body Percussion. Eine Gruppe von Rhythmuswilligen läuft den Puls und klatscht dabei vorgegebene Patterns nach.
Das ist leider in Zeiten des Online-Unterrichtens schwer durchführbar. Denn das gleichzeitige Grooven funktioniert wegen der Übertragungslatenz nicht und durch den typischen Kameraaufbau/Bildausschnitt sehe ich meist auch nur Kopf und Oberkörper meiner Gegenüber.

Also habe ich mir folgendes, visuell nachvollziehbares überlegt: der Fuß-Puls wandert in die Bewegung der oberen Körperhälfte (Oberkörper/Kopf). Alternativ dazu (oder zusätzlich) wird er mit Rhythmussilbe „Tschick“ gesprochen.

Die rhythmischen Aufgaben werden mit einer Hand auf die Schulter geklopft.

Beispielsweise Rhythmusklassiker aus aller Welt (Clave, Baião, 3:2, Flamenco…) oder Sightreading Texte.
Und zum Üben lässt Du als Refernez am besten noch das Metronom mitlaufen und versuchst seinen Puls als Achtel-Offbeat zu hören.

Eine erweiterte Spielart geht in Richtung Beatboxing. Dabei versuche ich sowohl Tschick-Puls als auch die Rhythmusübung zu „singen“.
Hier meine dazu passende Spielkarte aus dem „Modernen Schlagzeugquartett

Der tolle Benny Greb hat diesbezüglich die Meßlatte ganz schön hochgelegt (da er nicht den Viertelpuls sondern die Clave als Grundlage hernimmt):

Gatekeeper & Gapclicks

Juni 19, 2020

Schöne Geschichte, die Anekdote zu Chaka Khans „Night in Tunesia“ (1981)

Unschöne Geschichte, dass diverse Musikmagazine schwer in Not geraten sind. Der Spex Online Redaktion wurde offenbar gekündigt, Groove und JazzThing brauchen dringend rettende Abonnenten! Und der großartige Sticks Chefredakteur Axel Mikolajczak geht bald in den Ruhestand (was ich mir gar noch nicht vorstellen kann…)
Hey, wir brauchen doch die lässigen Gatekeeper!!! Die Guten, die uns an der Hand nehmen, uns durch den Dschungel der Vielfalt führen, uns informieren, mitreißen…

Schöne-schöne Idee: die Gap-Click App von Benny Greb! Endlich gibt’s ein simples Metronom, in dessen Puls sich u.a. Lücken programmieren lassen. Diese Option wird nicht nur Hiphop Nerds begeistern, sondern auch die Freunde der „Inner Clock„.

Billy did a press roll, a downbeat and we were off

April 27, 2020

Spätestens nach diesem Satz werde ich die Leland Sklar Videos jetzt wohl auch schauen:

>>There was no click in those days. Was only used in film. Billy did a press roll, a downbeat and we were off. Took a couple of beats to lock in for we had no count off.<<

„Stratus“ war nicht nur ein Titel des grandiosen  „Spectrum“ Albums (1973), sondern auch eine selbständige  7″ Promo Single!
Und ein Jahr später hat Tausendsassa und Drummer, Hamilton Bohannon seinen „South African Man“ veröffentlicht, einen tollen krummen Disco-Track, den wir mit Netzer gerne mal zitieren. Auch „Bohannons Beat“ rollt verdammt lässig! Gute Reise…

seine Lieblingssongs richtig gut zu kennen

März 29, 2020

… bringt`s! Siehe Victor Baileys „Birdland“ Solo Version:

Und hier 2014 beim Spielen eines originalen Coltrane Solos („Countdown“).
>>The secret is to practice really slow. I transcribed this when I went to Berklee in 1979 so I’ve been working on it for 35 years.<<

Hey, und als Zusatzaufgabe und erstem Schritt, sich vom persönlichen Helden zu lösen, hier noch ein Ausspruch von Bill Rieflin:
>>I don’t use cymbals in my own music. I wanted to go against drumming cliches, and the things drummers will do without thinking about it<<

Nachtrag: So ein Lieblingssong eignet sich auch hervorragend für unser BPM-Gedächtnis. Daher hier noch die Aufgabe, die ich all meinen Studierenden mit auf den Weg geben, supergut für jeden Musikliebhaber, ohnehin fast eher ein Spiel:
Es geht dabei um BPM (beats per minute), um Geschwindigkeit-Klischees verschiedener Musikstile, vor allem um dein Gefühl fürs Tempo.
Dafür gehst du in dich, nimmst dir ein paar deiner Lieblingslieder vor und singst/klopfst/spielst mal das erste davon an. Anschließend hörst du dir das Original an.
Ich bin mir sicher, dass du tempomäßig sehr nah dran warst.
Falls ja, ermittelst du mit einem tempo-tap-baren Metronom die tatsächliche bpm Zahl.
Ziel der Übung wäre es, (erstmal) 3 Songs zu haben, deren Tempo du parat hast. Wenn du noch den Sekunderzeiger der Uhr bzw. ein gesprochenes einundzwanzig – zweiundzwanzig-dreiundzwanzig mit dazu nimmst, sind schon vier Tempi abrufbar.
Willst du nun die Geschwindigkeit eines Fremdsongs einschätzen, bemühst du im Kopf den Lieblingstrack, der diesem am nächsten liegt…

Bpm-Klischees

Heute:

März 8, 2020

1. Schöne McCoy Tyner Platten Auflegen: Robert Lochmann legt im FB schon mal diese Rakete vor:

2. Mit Q-Berts „Wave Twisters“  das erste Turntablism-based Musical schauen (und in all die andern DJ-Tipps von Tobi reinhören). OK, und auch die Scratch DJ Doku von 2001 gleich hinterher.

3. Weiter im sprachschönen „Fallensteller“ Erzählband lesen und anschließend vielleicht die gute Idee in puncto Gesichtsschutz parat haben?

4. Das Foto von Schlappes Reisewasserkocher an Moritz und Pat mailen und seinen Link zum Looperwerk befolgen.

5. Andrea beim Halbmarathon zujubeln!!!

6. Den smarten Truetone/Visual Sound Time-Bandit Neuerwerb auf Herz und Nieren prüfen, denn er verspricht, externe Tap-Tempo-Buchsen dank eines an ihm angelegten Pulssignals (z.B. ein mitlaufender Clicktrack oder einzelne e-Pad Schläge) zu synchronisieren.

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7. Ein bisschen von der Black Beauty träumen und Kenny Aronoff auf den Zettel schreiben.

8. Internationaler Frauentag:
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recreating a programmed drum part with accuracy is an art form in itself

Oktober 16, 2019

Joe Cleggs Teaser klingt vielversprechend:
>>“I personally think that there is beauty in the detail, that recreating a programmed drum part with accuracy is an art form in itself. I might be the only person that gets excited at the thought of pop shows being played fully live, by musicians using technology as an instrument, without conventional backing tracks, but it’s more attainable than ever.”
In this video series you will learn how to translate studio recordings into the live arena in a human and musical way.<<

Joe+Clegg+at+Snap

 

SPD-SX clickt

September 7, 2019

Fabian Koke macht sich im FB gute Gedanken zum Übersprechen der Roland SPD-SX Einzelausgängen:

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Klassischer Sommer

Juli 14, 2019

In den letzten drei Wochen bestimmte die klassische Art Musik zu machen große Teile meines Alltags (und meiner Gedanken).
Es begann mit den Aufnahmeprüfungen der Musikhochschule, die bei mir öfters generelle Fragestellungen jenseits der eigentlichen Darbietung aufwerfen. Wie zum Beispiel:
– Warum bestäuben Paukenspieler nicht jene Finger, die auch zum Dämpfen verwendet werden, (wie ein Reckturner) mit Magnesia Pulver, bzw. einen kleinen Bereich des Paukenfells (wie der Tablaspieler seine Trommeln) mit Pulver, auf dass der eigentliche Vorgang der Tonbeschneidung lautlos verläuft und nicht durch schmatzende, durchaus (a)rhythmische Ablösegeräusche der schwitzenden Hand beeinträchtigt wird?
– Warum werden bei Snaredrum Stücken die leisen Noten immer am Rand ausgeführt, einer Trommelregion, die im Gegensatz zum Fellzentrum deutlich reicher an hohen (somit durchsetzungsfreudigen) Frequenzen ist?

Es folgten eine Probe und ein Konzert mit der Musik von Sebastian Studnitzky, arrangiert für Jazz-Trio und Kammerorchester.

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Dank bestehender Mitschnitte konnte ich mir zwar im Vorfeld ein klares Bild machen (bzw. transkribieren), die Schwierigkeit für mich als „Nicht-Klassisker“ besteht jedoch später, wenn ich Teil des Schiffes bin, darin, die Gesten des Dirigenten perfekt zu deuten: Wo genau liegt dessen Puls beim Einzählen (bei Ritardandi), wo die „eins“ für meinen Einsatz oder den gemeinsamen Schlussakzent?
Diesbezüglich helfen mir konkrete Fragen direkt bei Probenbeginn an den Dirigenten, aber auch an einen Mitmusiker, der den visuell abgenommen Puls einfach mal auf meiner Schulter mitklopfen soll. (Mindert meinen Stress und spart Zeit für alle.)
Unangenehm schwierig wird es für mich vor allem dann, wenn das beim Dirigenten gesehene und das vom Orchester gehörte stark von einander abweichen, aber kurz darauf punktgenau eingestiegen werden soll – eine solche Situation kann ich oftmals (nur eigenmächtig) mit einem deutlichen Pickup retten, der im besten Fall Klarheit für alle bedeutet, zumindest aber für einen konkreten Anschnitt sorgt. Oder man bespricht im Vorfeld noch einen weiteren für alle überdeutlichen Vorzähler des Dirigenten.
Toll, dass ich bisher ausschließlich verständnisvolle und hilfsbereite Dirigenten erlebt habe!

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Jetzt bin ich gerade zurückgekommen von einer erfüllten Woche, in der wir mit DePhazz und der (ungeheuer sympathischen) STÜBAPhilharmonie sowohl ein Konzertprogramm erarbeitet, als auch Aufnahmen für den begleitenden Tonträger gemacht haben.
Auch hier musste ich mir einen Workflow zurecht legen, der den Anspruch einer tighten und stabilen Groovegrundlage einerseits, sowie der homogenen Verschmelzung von Band- und Orchesterklang gerecht wird.
Letztlich habe ich mich oftmals dazu entschlossen, mein Metronom zur Hilfe zu nehmen.
Mir wurde klar, dass ich im Clicktrack-freien Combo-Kontext öfters vermittelnd trommle, sprich, auf unterschiedliche Tempo-Gestaltungen dezent eingehe, um ein harmonisches Rhythmusgerüst zu bewahren. (Das darf dann durchaus leicht schwanken, wie es auch ein Wolkenkratzer nicht anders kann.)
Sich als Pop-Trommler im Orchester-Kontext jedoch auf das Gehörte zu verlassen, kann mächtig nach hinten losgehen. Je nachdem wo das Drumset aufgebaut ist, kommen manche Instrumentengruppen allein rein physikalisch zu spät an meinem Ohr an, andere wiederum interpretieren geschriebene Noten auf bestimmte Weisen. Es hilft also wiedermal nur der Blick zum Dirigenten und mir für die eigene Stabilität ein mit dessen Einsatz eingestartetes Metronom. In schwierigen Fällen hilft der aufgesetzte Kopfhörer – zum Abschotten und Tempohalten.
Vorort gab es auch eine Soundbrenner Metronom Uhr, die den Puls ähnlich wie ein vibrierendes Smartphone an den Körper übermittelt. Konnte ich leider bisher nur trocken und noch nicht während des Spiels ausprobieren. Auf jeden Fall: spannend.

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(Luftpolsterfolie, Hantelgewichte und DIY Molton-Absorber für einen kompakten Sound)

Und jenseits allem Ungewohnten, bisweilen Stressigem ist das Ergebnis grandios: eine immense Steigerung der Klangvielfalt und gestalterischen Möglichkeiten (Dynamik, Agogik, „Anzahl der Layer“), die ganz andere Spannungsbögen ermöglichen.

Zum Ausgleich reite ich jetzt mental die Wellen der Sommerferien – lesenderweise (da…) –  und freue mich auf’s nächste Soundbad:
>>Doch Wellen tanzen zu einer endlos komplexeren Melodie. Und tatsächlich kann sich das Problem einem Surfer, der im Line-Up sitzt und versucht, die Strukturen eines Swells zu entziffern, als musikalische Fragestellung präsentieren. Nähern sich diese Wellen vielleicht im 13/8-Takt, mit sieben Sets pro Stunde, bei denen jede dritte Welle im Set eines von Gottes Jazzsolos, dessen Struktur unser Fassungsvermögen übersteigt?<<
>>Bei der Musik wie bei Wellen, sagte er, müsse man sich »einer Kraft überlassen, die größer ist als man selbst«. Damit, fand ich, hatte er völlig recht.<<
William Finnegan „Barbarentage“ (Suhrkamp 2018, Seite 424f, Seite 528)