Archive for the ‘Jazz’ Category

sprechen statt spielen – auch toll

Januar 21, 2023

Anstelle des gemeinsamen Konzerts traf ich mich am Donnerstag Abend mit Kabuki – einfach nur zum Essen. Dabei streiften wir spannende Themen: verschiedene Mikrotonalitäten und Colliers „Moon River“, das lange nicht entdeckte „Shook Ones“ Sample, die unterschiedliche Räumlichkeit gepitchter Samples (siehe dazu auch Alex Hoeffkens „Varispeed“-Drumrecording), den morgigen Beginn des neuen Mondjahres bzw. das Jahr des Wasserhasen (das angeblich viel Raum für Kreativität und deutlich mehr Ruhe und Harmonie verspricht).

Vor dem Essen war ich seit langem mal wieder im Second Hand Plattenladen, kaufte dort u.a. eine Baden Powell MPS Compilation und hörte mir den „Dialogue of the Drums“ von Andrew Cyrilles und Milford Graves an.

Gewissermaßen als Nachspeise hänge ich noch „Akira Jimbo playing a disappearing drum set“ dran. Eigentlich gefiel mir Jimbos Art zu trommeln nie besonders – trotz seiner Affinität zur Elektronik. Die Idee zum Reduktions-Video hingegen finde ich eine gut.

Last but not least: auf meine todo-Liste kommt das Meinl Cymbal Pedal Mount, das ich gerne mit den Smack Stacks bestücken würde.

1, 2, 300

Dezember 22, 2022

Ein Gedanke:
>>Im Vergleich zu all unseren Entwicklungen in der Mechanik könnte ein Werkzeug wie eine Zange einfach scheinen. Ich habe den Geist, der sie erfunden hat, immer bestaunt. Um das Problem, das dieser Erfinder zu bewältigen hatte, zu verstehen, muß man sich den Stand der Mechanik vor Erfindung der Zange vorstellen. Der Gedanke, den Kreuzungspunkt der beiden gekrümmten Arme so zu fixieren, daß die zwei kleineren Stücke vorn sich entgegengesetzt zu den beiden größeren Stücken hinten bewegen und damit die Kraft des Mannes, der sie zusammendrückt, derartig vervielfachen, daß er den Draht durchzuzwicken vermag – dieser
Gedanke kann nur von einem Genie ersonnen worden sein. Gewiß gibt es heutzutage kompliziertere und bessere Werkzeuge, und es mag eine Zeit kommen, in der der Gebrauch der Zange und anderer ähnlicher Werkzeuge entbehrlich wird. Das Werkzeug selber mag außer Gebrauch kommen, aber der Gedanke dahinter kann niemals veralten. Und darin liegt der Unterschied zwischen einem bloßen Stil und einem wirklichen Gedanken.
Ein Gedanke kann niemals vergehen.<<
Arnold Schönberg „Stil und Gedanke“ (1950)

Zwei mal Mouthpercussion:
Moodymann „Your Sweet Lovin“ (2000)

The Specials „Gangsters“ (1979)

Sowie 300 Bucks minimum…wenn sich an die Richtlinie von der Deutschen Jazz Union zur Vergütung von Jazzmusiker*innen gehalten wird!

Viel Schönes also. Es darf geklatscht und getanzt werden.
Dazu ein vertrackter, aber schöner Pat Metheny Clap-Loop („First Circle“)

Danach, ab in den Club:

he, he hessisches Jazzpodium

Dezember 6, 2022

Turnschuhe an, rauf aufs Board und noch geschwind drei, vier Geschenke verteilen!

In Frankfurt findet diese Woche das Hessische Jazzpodium 2022 in Form eines dreitägigen Festivals an der HfMDK statt.
Es gibt ein vielfältiges Programm, vor allem mit Christopher Dell einen großartigen Preisträger für den hessischen Jazzpreis!

Aber auch toll: Der temporäre elektronische Salon darf sich an allen Tagen um die Pausenmusik zwischen den zwei Abendkonzerten kümmern. Und so bespielt jeweils ein Solist aus unserem Kader das lichte Foyer, nämlich am Donnerstag Oliver Leicht (mit seinen elektrifizierten Rohrblattinstrumenten), am Freitag Matthias Vogt (auf diversen Tasten) und am Samstag Kabuki (mittels modularem Synth).
Und wie geschickt (quasi Geschenk): diese Events kosten keinen Eintritt! Genauso nichts, wie der Clubabend am Donnerstag um 21.30 Uhr, für den wir als Trio auflaufen, also die beiden Olis aka Rubow & Leicht und Rainer Tempel hinterm Rhodes.

Miles Davis’ Approach to the Jazz Standards

November 28, 2022

Rauskopiert aus der Webseite von David Liebman:

>>Miles Davis brought something completely new to interpreting standards. In musical circles, we would say that he was the rare musician who could abstract a melody on a classic tune and play some of the “wrongest” notes, yet make them sound right. This was because of his phrasing, particularly his timing, sound (especially with the mute) and most of all, placement of notes and the inevitable logic of the melodic line he pursued. Miles created an atmosphere around a tune, not just a reading of it. The material became in a sense his own tunes and of course when Miles played a standard, it became THE way to play that tune forever-or at least an artist had to deal with Miles’ interpretation.

The way Miles played standards became inextricably associated with the sound and organization of his various groups up until the fusion era. From the early quintet with Coltrane through the ’60s group with Wayne Shorter, his way of leading the band was bound up with interpreting standards. There was a format that each group followed that became once again, the standard bearer for jazz groups everywhere. Particularly with the later pianists, Herbie Hancock and Chick Corea, the very modern harmonies that reframed classic tunes like Green Dolphin, Autumn Leaves, Yesterdays, etc., shed a completely new light on the original structures of the tunes themselves. In a sense they were rewritten by these groups of the ’60s.

(1958, mit Art Blakey)
(1965, mit Tony Williams)

Finally, playing standards for so many years is what put Miles in front of the public eye, for it is inevitably true that for the most part familiar material, when handled artistically is a necessary component for communicating with the mass audience. being as smart and perceptive as he was, Miles knew that very well. But what is also interesting is that once he turned his back on standards in the late ’60s, he never went back, not even for a “reunion” tour or recording (not counting his final Montreux appearance with Quincy Jones.)
All musicians everywhere have to know about Miles Davis and his way of playing standards. It is basic to modern jazz history.<<

alternativer Zeitvertreib

November 20, 2022

Arne Jansen ist nicht nur ein fantastischer Gitarrist (mit dem ich schon viele tolle Konzertreisen unternehmen durfte), sondern auch ein leidenschaftlicher Musikhörer und Konzertgänger.
Neulich rief er an, dass er – wohnhaft in B! – zum James Taylor Konzert nach Frankfurt kommen würde. Und zack war ich mit im Boot und habe – wenn ich mich nicht irre – Steve Gadd zum ersten Mal live erlebt. Zum angemessenen Schwärmen gibt’s hier leider nicht genug, deswegen nur die selbsterklärenden Überschriften:
leise grooven – den Beat verkörpern -Dynamik! – 100% – Altersplan

OK. Jetzt muss ich mal mit dem Gesamtwerk von JT befassen. Außerdem Michael Landau genauer unter die Lupe nehmen (welch ein Klang-Meister!) und darüber hinaus noch all die weiteren Highlights des schönen Konzert-und Gesprächsabends durchforsten:

1. Die „Motion in Motion“ Doku über den tollen Jazztrommler:

2. Immer wieder Joni Mitchell. Deswegen:

3. „Live at the Five Spot: Discovery!“ anhören. Das Monk-Quartett mit Coltrane, der mitten in der Entwicklung seiner „Sheet of Sounds“ Idee steckt. Ein monophones Bootleg von Naima Coltrane aus dem Jahr 1957.

Aus einer ganz anderen Frankfurter Ecke, nämlich von Matthias Vogt, kamen vorhin ebenso spannende Infos:
Four Tet mag kein iLok und sucht ein Plugin Crack“ und Burial produziert mit SoundForge.

Sollte noch Zeit übrig bleiben: ab heute läuft die Fussball-Winter-Weltmeisterschaft…

Kletterrosen Klänge

November 16, 2022

Lausche der ukrainischen Harfenistin Alina Bzhezhinska, weil:

>>Der musikalischen Interaktion zwischen den klassischen Jazzinstrumenten Bass, Saxofon, Trompete und Drums und dem Außenseiter-Instrument Harfe zuzuhören, ist extrem spannend für das Jazz-Gewohnheits-Ohr. Man muss sich an die neue Klangsignatur erst gewöhnen. Interessant ist, wie sich die entfernten Verwandten Kontrabass und Harfe zueinander verhalten.
[…] Aber auch die Drums, vor allen die Hihat-Becken, schaffen ein Klangfeld, auf dem sich die Harfe virtuos bewegen kann. Das aber führt interessanterweise dazu, dass man auch die Drums noch mal ganz neu hört.<< („Klänge wie eine Kletterrose“ taz, 16.11.22)

Ingwer zum Kaffee

November 9, 2022

Toll, mal wieder für ein paar Tage in Frankfurt zu sein; Familie, Proberaum, taz zum Frühstück… zack hagelt es Perlen.
Beispielsweise die entspannt zügelnde Schwanenfamilie auf der Nidda, die meine nächtliche Radfahrt vom Übungsbunker nach Hause einen kleinen Kilometer lang begleitete, ein Stückchen rohen Ingwer zum (bzw. vor dem Genuss von) Milchkaffee oder die folgenden Abschnitte aus der begeisterten Rückblende zum 59. Berliner Jazzfest:

>>Fünfzehn Per­for­me­r*in­nen mit Feuerlöschern stehen sich im Haus der Berliner Festspiele auf zwei Bühnenpodesten gegenüber. Der 79-jährige Schlagzeuger und Aktionskünstler Sven-Åke Johansson betritt die Bühne und dirigiert diese in den folgenden zehn Minuten durch seine Komposition „MM schäumend – Ouvertüre für 15 Handfeuerlöscher“.<<

>>Es gab eine funkensprühende Performance von der Saxofonistin Matana Roberts und ihrem Ensemble. Die 51-jährige US-Künstlerin schafft es, die afroamerikanische Geschichte und feministisches Empowerment in ihren „Coin Coin“-Suiten so stringent zu verdichten wie niemand sonst. Während ihr Schlagzeuger die Maultrommel spielte, mischte Roberts ihre Tarot-Karten auf der Bühne, um anhand dieser die weitere Dramaturgie des Konzerts festzulegen, bevor sie wieder ins Saxofon blies!<<

Hey und beim Üben bin ich gerade richtig zufrieden, dank eines relativ simplen Hybrid-Settings, das einfach nur Spaß macht:
es lässt sich bewusst steuern, triggert durch seine elektronischen Antworten wiederum neue Ideen!
Die akustische Basis ist simple wie eh und je: Kick, Snare, Hihat und ein, zwei Becken. Dazu gesellen sich ein Snaremikrofon (für die Echodrums) und ein elektronisches Kickpedal:
Der Signalweg sieht dann folgendermaßen aus.
(1) Die Snaredrum wird (via A/B Box) ins Boss RE-20 Delay geschickt von dort weiter durch einen Whammy Pitch-Shifter zum Amp.
(2) Das e-Pedal versetzt ein Vermona Kick Lancet in Schwingungen, die wiederum mittels diverser Potis am Gerät selbst und durch einen Boss EQ gefiltert und gestaltet werden, schließlich mittels Eventide Blackhole Hall veredelt werden können. Dank des EHX Chill Switch Kästchens kann der Synthsound zusätzlich durchs Echo geschickt werden.

Und als ich dann noch den wunderbaren Zusammenklang von 20″ Meinl Thin Crash und Waterfall entdeckte, gab’s in puncto Jubeln kein Halten mehr!


Live zu sehen und hören beim Fokus Drumset Event am 10.11. in der Frankfurter HfMDK.

mehr als erwartet

Oktober 10, 2022

Aus den Hattler-Fahrtgesprächen mit T:
>>Glück ist mehr als erwartet<<

Erste Belege für diesen Ausspruch:
– „Tarte au citron meringuée“ probiert (einmal in Wangen, einmal aus der Stuttgarter Markthalle): Boa, was für Gaumenfreuden!

– war immer schon an Aufnahmen interessiert, bei denen Keith Jarrett auf einem Fender Rhodes spielt. Mit dem Miles Davis Track „Honky Tonk“, habe ich eine Aufnahme vom Mai 1970 gefunden, bei dem mich aber vor allem das besondere Panorama-Drumset von Billy Cobham fasziniert.
– Als mich Torsten fragte, ob ich jene Jarrett Homerecordings aus dem Jahr 1986 kennen würde (die 2013 unter dem Titel „No End“ bei ECM herauskamen), dachte ich erstmal an Sopransaxofon, asiatische Flöten (siehe „Spirits“ von 1985) und wilde Gesänge.
Hey, weit gefehlt. Dafür erstaunlich (mit Gitarre, Bass und Perkussion!)

die Grenze vom Geräusch zum Rausch

September 26, 2022

Zum Tod von Pharao Sanders rasseln wunderbare Sätze durchs Feuilleton. Spiegel-Autor Tobi Müller erzeugt mit seiner Überschrift eine Miniatur-Bio, die Lust macht, tief ins Repertoire einzutauchen :
>>Wo John Coltrane noch intellektuell schraubte, fand Pharoah Sanders am Tenorsaxofon den Absprung ins Gleiten: Seine spirituelle Musik ließ selbst den Free Jazz hinter sich und fand auch ein junges Publikum.<<
Und Peter Kempe von FAZ liefert eine Formulierung, die ich direkt als eigene Zielsetzung übernehmen möchte, nämlich die Fähigkeit, die Grenze vom Geräusch zum Rausch zu überschreiten. 
Ich lege „The Creator has a Master Plan“ vom Karma-Album (1969) auf. Billy Hart trommelt:

Jetzt noch zwei schöne Nachrichten aus Amerika, über zwei großartige deutsche Trommlerinnen, die dort derzeit kräftig aufschlagen: Anika Nilles ist (wieder) mit Jeff Beck auf Tour und Philo Tsoungui (ganz frisch) die aktuelle Drummerin von The Mars Volta. Wohoo!

Neuentdeckungen

August 27, 2022

Irgendwie wieder schon viel los…
toll!
– habe neulich im (eigenen) Bücherreagal einen Architekturführer für Frankfurt und darin das Haus des Buches (ein 1956 von Otto Apel geplantes Gebäude) entdeckt. Zu finden in der Berliner Straße 25.
Direkt gegenüber war am Wochenende auch eine dreitägige peng-Ausstellung. Kompakt und nice!
Und drei Schritte weiter (in der Ziegelgasse 7) das typisch chinesisches Bistro „Jianbing Plus“ – lecker!
– ebenfalls im Regal, Dave Grohls Autobiografie. Gestern lese ich dort die krasse Geschichte des Beinbruchs währende eines Stadion-Gigs in Schweden, heute ein dazu passendes Bob Marley Zitat:
>>One good thing about music: When it hits you, you feel no pain<<
– meine Nichte Alma wurde eingeschult. Hey, großer Tag!
– In den Abbey Roads Studios zu proben ist an sich schon optimal. Dass ich darüberhinaus nebenbei fachkundig angelernt wurde, ein Kabel endlich mal richtig aufwickeln zu können (roadie wrap), fühlt sich doppelt gut an: weil endlich (Material schonende) Ordnung im Kabelkoffer, weil erfolgreiches Lernen einen immer nochmals einen kleinen Zentimeter wachsen lässt.
Ulf hat mich auf die beiden Neustart Kultur Stipendien hingewiesen: einmal Musikfonds (Bewerbung bis 01.09.), einmal Deutscher Musikrat (Bewerbung 01.09. bis 22.09.)
– es gibt tolle neue Drummer-Alben von Magro („II“), JD Beck (DOMi & JD Beck „Not Tight“) und Louis Cole („I am Tight“)
– am Sonntag dann um 19 Uhr: Kamaal Williams auf dem El Barrio Festival in Frankfurt
– eine schicke Momentaufnahme von Oli Leicht aus Jurmala mit der wichtigen Erinnerung: Forschen bringt’s!

blöd
Joey DeFrancesco ist gestorben.

PS. für die Studierenden unter euch: vergleicht mal den obigen Trio-Gig mit diesem aus dem Jahr 1994, den Dennis Chambers trommelt…