Archive for the ‘Jazz’ Category

die Grenze vom Geräusch zum Rausch

September 26, 2022

Zum Tod von Pharao Sanders rasseln wunderbare Sätze durchs Feuilleton. Spiegel-Autor Tobi Müller erzeugt mit seiner Überschrift eine Miniatur-Bio, die Lust macht, tief ins Repertoire einzutauchen :
>>Wo John Coltrane noch intellektuell schraubte, fand Pharoah Sanders am Tenorsaxofon den Absprung ins Gleiten: Seine spirituelle Musik ließ selbst den Free Jazz hinter sich und fand auch ein junges Publikum.<<
Und Peter Kempe von FAZ liefert eine Formulierung, die ich direkt als eigene Zielsetzung übernehmen möchte, nämlich die Fähigkeit, die Grenze vom Geräusch zum Rausch zu überschreiten. 
Ich lege „The Creator has a Master Plan“ vom Karma-Album (1969) auf. Billy Hart trommelt:

Jetzt noch zwei schöne Nachrichten aus Amerika, über zwei großartige deutsche Trommlerinnen, die dort derzeit kräftig aufschlagen: Anika Nilles ist (wieder) mit Jeff Beck auf Tour und Philo Tsoungui (ganz frisch) die aktuelle Drummerin von The Mars Volta. Wohoo!

Neuentdeckungen

August 27, 2022

Irgendwie wieder schon viel los…
toll!
– habe neulich im (eigenen) Bücherreagal einen Architekturführer für Frankfurt und darin das Haus des Buches (ein 1956 von Otto Apel geplantes Gebäude) entdeckt. Zu finden in der Berliner Straße 25.
Direkt gegenüber war am Wochenende auch eine dreitägige peng-Ausstellung. Kompakt und nice!
Und drei Schritte weiter (in der Ziegelgasse 7) das typisch chinesisches Bistro „Jianbing Plus“ – lecker!
– ebenfalls im Regal, Dave Grohls Autobiografie. Gestern lese ich dort die krasse Geschichte des Beinbruchs währende eines Stadion-Gigs in Schweden, heute ein dazu passendes Bob Marley Zitat:
>>One good thing about music: When it hits you, you feel no pain<<
– meine Nichte Alma wurde eingeschult. Hey, großer Tag!
– In den Abbey Roads Studios zu proben ist an sich schon optimal. Dass ich darüberhinaus nebenbei fachkundig angelernt wurde, ein Kabel endlich mal richtig aufwickeln zu können (roadie wrap), fühlt sich doppelt gut an: weil endlich (Material schonende) Ordnung im Kabelkoffer, weil erfolgreiches Lernen einen immer nochmals einen kleinen Zentimeter wachsen lässt.
Ulf hat mich auf die beiden Neustart Kultur Stipendien hingewiesen: einmal Musikfonds (Bewerbung bis 01.09.), einmal Deutscher Musikrat (Bewerbung 01.09. bis 22.09.)
– es gibt tolle neue Drummer-Alben von Magro („II“), JD Beck (DOMi & JD Beck „Not Tight“) und Louis Cole („I am Tight“)
– am Sonntag dann um 19 Uhr: Kamaal Williams auf dem El Barrio Festival in Frankfurt
– eine schicke Momentaufnahme von Oli Leicht aus Jurmala mit der wichtigen Erinnerung: Forschen bringt’s!

blöd
Joey DeFrancesco ist gestorben.

PS. für die Studierenden unter euch: vergleicht mal den obigen Trio-Gig mit diesem aus dem Jahr 1994, den Dennis Chambers trommelt…

Solo bis die Meute jauchzt

Juli 7, 2022

Unter der Rubrik Drumsolo of the Day hier ein Energiepaket des damals 85 jährigen Roy Haynes.
Oder das einzige Crashbecken-Solo, das ich gut finde…
Es beschließt den Song (beginnt ab 9:23), aber wir müssen zumindest beim Kenny Garrett Ausflug einsteigen (ebenfalls eine positive Bombe):

Super auch, die wortwörtliche „Rückendeckung“ der Mitmusiker! Einheit, trotz Solospiel!

Hier die ursprüngliche „Steps – what was“ Aufnahme aus dem Jahr 1968, von Chick Coreas zweitem Album „Now he sings, now he sobs„.

making, consuming, owning.

Mai 15, 2022

Diese Woche gab’s nur eine CD im Player, „Night Dubbin‘ mixed by The Idjut Boys“ – hey, das ist ein kompletter Echo-Mix. Und im Booklet gibt’s nicht nur folgendes Statement der beiden Boys from London, sondern top Einblicke bzw. Interview-Schnipsel in die Dub/Remix Welt von John Morales, François Kevorkian (ursprünglich auch ein Drummer!), Paul Simpson.
>>When he [Dimitri from Paris] asked us to do a mix version of the cd he ‚d compiled for BBE, we were
honoured. We wanted to do a live dj mix, not touched up in a computer as that’s the way it
comes from a club booth. The use of effects is something we always prefer when we dj
The opportunity of manipulating the sound opens up the possibilities for more radical highs
and lows and musical variety.<<
Hey, solche Liner Notes sind für mich pures Gold. Sie nehmen mich bei der Hand und pflügen einen wunderschönen Pfad durch den Dschungel der Vielfalt!!

Ansonsten: Pablo Held hat mit Jochen Rückert gesprochen!

Und im die Ecke, im Instagram finde ich noch eine schicke Weisheit von John Maeda:
The 3 modes of human cognitive activity sit in
1/ making,
2/ consuming,
3/ owning. 
We communicate through making (signals) on one end and consuming (i.e. listening). We achieve commercial relationships with what can be consumed (by you) and owned (by someone else). We demonstrate character by what we make and own (i.e. as artists).

Guten Wochenstart, wünsche ich!

Jazz is my Democracy

Mai 4, 2022

Am Freitag, den 6. Mai gibt’s ab 18 Uhr im Kunstverein Familie Montez (Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt) gibt’s Talks und Musik zur Relevanz des Jazz für die demokratische Gesellschaft.

Die Fragestellung liest sich spannend:
Wie ist es möglich, dass einander fremde Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Winkeln der Welt zusammenkommen und auf der Bühne gemeinsam improvisieren? Und kann unsere Demokratie davon etwas lernen, z.B. wenn es darum geht, gemeinsam gesellschaftliche oder ökologische Probleme zu lösen? Im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit lädt Jazz Montez zu einem Abend ein, an dem wir uns anhand von Talks und musikalischen Performances mit diesen und anderen Themen beschäftigen, u.a. auch der Frage, wie demokratisch und offen die deutsche Jazzszene aktuell ist. 

Musikalische Performances von:
Biboul Dariouche – Percussion
Johanna Klein – Saxofon
Franzi Aller – Bass
Lukas Wilsmeyer – Gitarre
Oli Rubow – Schlagzeug
Darius Blair – Saxofon

Talks mit:
Johanna Schneider – Sängerin und Vorstand Deutsche Jazzunion
Laura Totenhagen – Sängerin und Lehrbeauftragte an der HS Osnabrück
Oli Rubow – Schlagzeuger und Dozent an der HfMdK
Michael Rütten – DJ und Journalist
Mane Stelzer – Singer/Songwriterin und Mitarbeiterin bei MELODIVA
Olaf Stötzler – Orchestermanager hr-Bigband

Bin sehr gespannt und werde mich treu meiner typischen Vorbereitungsstrategie für Workshops und Clinics folgendermaßen darauf vorbereiten:
Inhaltlich gibt es keinen Masterplan, es geht ums spontane Re/Agieren im Moment (nicht die Performance des Einstudierten). Dies gelingt mir erfahrungsgemäß am besten, wenn Kopf und Körper wach und locker sind. Diesbezüglich habe ich über die Jahre folgendes Ritual kultiviert: im Vorfeld, meist bei der Anreise mit der Bahn, lese ich entspannt und versuche in meiner aktuellen Reiselektüre (oft die Tageszeitung) irgendetwas stimulierendes zu finden. Das kann ein Satz, ein Foto oder sonst was sein. Jedefalls beginnt es im Kopf zu arbeiten, er stellt Bezüge her, formt Ideen, sortiert – schwingt sich aus dem Nichts direkt aufs Thema ein. Quasi, Warm-Up.
Und im Idealfall Steilvorlage für den Abend!

April in Paris

April 20, 2022

… ist großartig.

Die Stadt schmeckt wunderbar (1) und fühlt sich entspannt an (2) – dank ihrer Größe (3), wie ein sicherer Hafen, dank der Sonne und Metro-Surfen wie Urlaub am Meer.
Und so viel Kunst, Architektur und gute Gedanken (sprich Inspiration).
Oh man, wie konnte ich nur so lange Paris-abstinent sein?

Gestern las ich folgende Stelle in „Die Erfindung des Countdowns“ (Seite 110)
>>Einmal hatte einer einen anderen verpetzt, als der während der Klassenarbeit heimlich in sein Buch geschaut hatte. Hermann hatte nicht eingegriffen. Es komme nicht darauf an, wie viel Wissen einer herumschleppe, sondern was man damit anfangen könne, hatte er gesagt. Er selbst habe früher als Schüler oft Fragen zu historischen Jahreszahlen nicht beantworten können und dann habe es Schläge mit dem Rohrstock gesetzt. Und was habe ihm das gebracht? Nichts außer ein paar blauer Striemen. Seinetwegen könne jeder gerne seine Bücher benutzen, hatte er erklärt und sofort hatten die
Schüler in ihren Taschen gekramt.<<
und dachte dabei, dass mir Wissen dabei hilft, mich zu positionieren bzw. meine „Reiseroute“ zu entwickeln. Vor allem, dass mich das selbsttätig katalogisierte Wissen weiterbringt, sprich: persönliche Bestenlisten.

In diesem Sinn reihe ich einfach mal die tollen Entdeckungen aneinander, für mein nächstes mal oder für Dich:
(1) das siebtbeste Croissant (Carton, am Gare Du Nord), der Caramel-Eclair von Stohrer, die DePhazz-Gedächtnis Île Flottante (leider verpasst), European Coffee Trip (eh klar) und Haribo Orangina PIK…
(2) Rodin Museum (Außenbereich), 5 Freiheitsstatuen, der schönste Basketballplatz der Welt
(3) von hier aus gut zu ermessen: Sacré-Cœur, Eiffelturm Top Floor, Centre Pompidou Rolltreppe
(4) leider nicht genug Platz für Details…

Nach diesem schöne Foto von Andreas Neubauer, nächstes unbedingt dann auch in die Baguetterie!

Fundsachen

April 7, 2022
  1. Aktueller denn je, Hellmut Hattlers Bild „Den Bogen raus„. Wäre auch ne eins a Postkarte, oder?

2. Carter McLeans Hackentrick auf der diesjährigen UK Drumshow

3. Schickes Foto von Paul Motian

4. Die Fusion Playlist für meinen Studenten Jonathan (was fehlt noch?)

5. Ein Statement zum Hybrid-Drumming anno 1984 (aus der d&p 12/84)

6. Die Geschichte des Tages, von Fila Brazillias Steve Cobby:

drei Pärchen

April 1, 2022

Zwei bestimmt inspirierende Werke für Auge und Ohr:
Ein Duo Album des spannenden Rhythmusgestalters Julian Sartorius mit Matthew Herbert („Drum Solo“), sowie das umfangreiche Buch „Dilla Time“ über J Dilla.


Aus meiner IG Timeline ein lässiger „Einhänder“ von El Estepario Siberiano, sowie diverse kreative Umgehungen des typischen Drumsets.

Schließlich noch 65 Minuten der Diskussion Free Jazz vs. Pop Jazz. Ein Fernseh-Frühschoppen aus dem Jahr 1967:

I’m old fashioned and enjoy the silence

Januar 1, 2022

Nicht ganz Nyepi. Ich lausche thematische Oldies: „A lazy Afternoon“ (1979, mit Billy Harts „mulidirektionalem“ Drumming) und Depeche Modes „Enjoy the Silence“ (1990).

Bei „Mercy Mercy Me – The Ecology“ (1971) freue ich mich über den >>temple block struck with a rubber mallet with lots of reverb<< und denke über das Konzeptalbum im allgemeinen nach…

Derart motiviert wende ich mich dem Spielen zu, tauche in das Forschungsprojekt EMPAMOS ein, das Brett- und Gesellschaftsspiele analysiert, um motivierenden Spielelemente zu entdecken und motivationale Spielkonzepte zu entwickeln. 

>>Beim Spiel wird der Mensch auf unproduktive Weise kreativ<<
Heinrich Popitz (taz 31.12.21)

Hände runter, ich bin Frankfurter

Dezember 31, 2021

Auch wenn’s dieses Jahr öfter mal dunkel war, habe ich vorhin gecheckt, als ich völlig geblendet in die tief stehende Sonne radelte, dabei nichts sah und dennoch unbeirrt und zuversichtlich weiterfuhr, dass es offenbar gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht alles sehen kann.
In diesem Sinne jetzt einfach noch eine Runde trommeln und mein Jahresausklangsalbum hören (Garbareks „Places“ mit dem tollen Jack DeJohnette). Alles wird!

Selbst wenn die beiden Tagesbilder diverse Vorsätze für 2022 vermuten lassen (teilen, Midi-Setups, klare Attitude und viel Kunst; Umweltbewußtsein und gigantomanische Ziele), will ich mir an diesem Silvester bewusst mal nichts vornehmen…let it flow…

Außer vielleicht den Programmpunkt „Wie Hip Hop nach Deutschland kam“ auf die to-watch-Liste schreiben (damit wäre auch der Kreis zur Überschrift geschlossen).