Archive for the ‘Tour’ Category

grün und blau

September 1, 2022

Danke Ulf, für die sonnige Jurmala Erinnerung! Die wurde zum Anlass genommen, direkt nochmals zu verreisen. Im Gepäck: Levi und sein Freund Arthur, „Alles gesagt mit Olafur Eliasson“ und die Dave Grohl Autobiografie („Der Storyteller„).
Wasser ist mein Element. Ferien sind eins a! Gemeinsam Sachen machen = bestes

Die Akkus sind wieder voll (gut so*) und im Nachklang spült die „Best of Foo Fighters“ all meine Dave Grohl Geschichten hoch:
1. Als ich meinen Zivildienst im Oktober 1991 in der Villa Roller antrat wurde mir als erstes berichtet, dass im Vorjahr dem Club ein Nirvana Konzert für 800 Mark angeboten, dieses aber abgelehnt wurde, weil doch schon genug USA Bands für den Herbst gebucht worden waren… (und wer konnte schon wissen, dass genau dieses Trio aus Seattle wenig später mit „Nevermind“ den Punkrock im Mainstream verankern würden?)
2. 2005. DePhazz machte sich auf, um in Odessa, auf der Krim und schließlich das Frequency-Festival zu bespielen. Doch in dieser Rutsche lagen einige ungemütliche Steine…
In Kiew wurde gleich mal der Anschlussflug verpasst, so dass auf (m)einen (ersten) Nachtzug ausgewichen werden musste. So waren wir zwar pünktlich in Odessa, das Konzert im dortigen Ibiza Club jedoch gehört zu meinen schlimmsten Erfahrungen (dank schlechtem Strom gab es multiple Ausfälle: mal mein Monitorpult mit der Orientierungsspur, mal das Audiointerface, gerne auch mal beide). Koktebel wiederum war gut, schließlich auch die Vorfreude auf das große Festival in Österreich groß.
Die anstrengende Anreise sollte mit Publikum und einem Besuch der Foo Fighters Show belohnt werden. Schöne Aussichten, die leider wieder wegen eines Energieproblems ins Wasser fallen sollten: wir spielten keine zwei Minuten, da war kein Ton mehr aus den Boxen zu hören – Abbruch. Notstromaggregat. Neustart – ein paar Takte laute Musik und wieder Stille. Nachdem auch die dritte Runde nicht wirklich länger dauerte, blies die Tourmanangerin zur Abreise. Tausende von Kilometer gereist, um insgesamt vier Minuten zu performen und unverrichteter Dinge direkt abzureisen. Ein ganz schreckliches Gefühl. Und die Foo Fighters konnten ebenfalls nicht bestaunt werden. Oh man!
3. Im anschließenden Urlaub kaufte ich mir in Kuala Lumpur zum Trost meine einzige Foo Fighters CD, „In Your Honor“ als Raubkopie mit Beleg.
4. Auf einer späteren DePhazz Tour wurde mir der tolle Sound City Film zugeschoben, Daves Regiedebut und Liebeserklärung an eine Neve-Konsole.
5. Mit „Netzer“ geben wir gerne unsere Version von „In Bloom“ zum Besten.
6. Der Tod von Taylor Hawkins war ein großer Schock. Am kommenden Wochenende findet das erste von zwei Tribute-Konzerten in London statt. Und der YouTube Channel von MTV überträgt das Konzert ab 17.30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) hier in voller Länge. 

*
10.09.22 „Kabuki“ (Albumrelease) Frankfurt „Gaststätte zur Insel“
10.09.22 „Rütten & Rubow“ Offenbach, Filmklub
11.09.22 „Peter Lehel & Ull Möck“ Karlsruhe, KIT Werkstattpalast am Rheinhafen
15.09.22 „Der Temporäre Elektronische Salon“ Frankfurt, Yachtklub
18.09.22 „DePhazz“ Swinging Hannover, Trammplatz 14.30h
28.09.22 „Nils Wülker“ CH-Basel
29.09.22 „Netzer“ Frankfurt, Lindley Lindenberg
01.-03.10.22 International Drum Meeting Salzgitter
06.10.22 „Hattler“ Ulm, Roxy
07.10.22 „Hattler“ Wangen, Jazzpoint
08.10.22 „Hattler“ Stuttgart, Merlin
11.10.22 „Hattler“ Schwäbisch Hall, Jazzclub
12.10.22 „Hattler“ Glems, Hirsch
13.10.22 „Hattler“ Rüsselsheim, Rind
14.10.22 „Hattler“ Münster, Hot Jazz Club
15.10.22 „Hattler“ Bebra, Lockschuppen
19.10.22. „Hattler“ RO-Iasi
20.10.22 „Hattler“ MD-Chisinau
21.10.22 „Hattler“ RO-Bukarest
26.10.22 „Hattler“ Pforzheim, Osterfeld
27.10.22 „Hattler“ Mannheim, Ella & Louis
28.10.22 „Hattler“ Idstein, Scheuer
29.10.22 „Hattler“ Westhofen, Gut Leben
02.11.22 „Hattler“ Wetzlar, Franzis
03.11.22 „Hattler“ Bonn, Harmonie
04.11.22 „Hattler“ Leverkusen, Scala
05.11.22 „Hattler“ Minden, Jazzclub 
06.11.22 „Hattler“ Kassel, Theaterstübchen
12.11.22 „DePhazz“ HU-Budapest

Leiter hoch und fliegen

August 22, 2022


Eigentlich kenne ich dieses Reisevergnügen nur aus Steffen Kopetzkys Roman „Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication“ und von unseren DePhazz Tourneen durch die Länder der ehemaligen Sowjetunion – abgespeichert habe ich das Konzept Nachtzug jedenfalls unter Transib, höchst entschleunigt und dennoch abenteuerlich. Dass dieses typische Nightliner-Feel aber auch durchaus familienkompatibel ist, darf ich jetzt freudig abnicken.
Also: gerne weniger Flugzeug, dafür mit der weltbesten Instantkaffeemischung (für die ich jeglichen Siebträger-Weltmeister links liegen lassen würde) vom Schlafwagenschnaffer geweckt werden.
Und geflogen wird im (Hochbett)-Traum oder am Zielort.

Da ich seit Covid, bei den Auslandshows nur noch mit Handgepäck aus dem Haus gehe, wurde auch dieser Ansatz auf den Familienurlaub übertragen. Sprich, zwei federleichte Wochen dank bloßem Tagesrucksack… in welchem selbstverständlich immer noch richtige Schätze neben dem Notwendigen Platz finden: wie Taucherbrille & Schnorchel, ein zufällig aus der alten Bücherkiste im Elternhaus gefischter Roman (Lion Feuchtwanger „Die Jüdin von Toledo“, engdruck, vor 30 Jahren gekauft, nie gelesen) und der inspirierende Podcast-Tipp von Andrea („Alles gesagt“ mit Thomas Zurbuchen).
Ach ja, etwas Musik, einen Drummer-Track, hatte ich auch eingepackt, „Shades“ von Silvan Strauss:

🤙

die ganz großen Kisten

Juli 1, 2022

Hurra! Es konnten wieder knapp 1000 Euro an die Ärzte ohne Grenzen weitergeleitet werden,
dank der von Robert Lang gestifteten Supraphonic Snare, diverser verkaufter Mini-Bücher und dem spendenden Publikum beim gestrigen Rubow & Leicht Gig.

In diesem Fahrwasser habe ich nun auch mein Lager-Süd neu sortiert und würde folgendes Equipment auf meinen Spenden-Flohmarkt stellen – name the price & pick up item!

1. zwei meiner Flightcases
a. 22″ Kick und kleines Fach für Felle oder Becken
b. Hardware, sowie Unterteilungen für 14″ Tom, 2x 14″ Snare, e-Pads

2. e-Pads
a. ddrum4, befellbar und mit XLR Out (2x 10″ Tom, 1x 12″ Snare)
b. ein hierzulande seltenes Hart Multipad aus den USA (6 Pads mit Monoklinken-Out)

3. schwarze Meinl Playbackbecken 🙂 Hihats, Crash, Ride aus Plastik

April in Paris

April 20, 2022

… ist großartig.

Die Stadt schmeckt wunderbar (1) und fühlt sich entspannt an (2) – dank ihrer Größe (3), wie ein sicherer Hafen, dank der Sonne und Metro-Surfen wie Urlaub am Meer.
Und so viel Kunst, Architektur und gute Gedanken (sprich Inspiration).
Oh man, wie konnte ich nur so lange Paris-abstinent sein?

Gestern las ich folgende Stelle in „Die Erfindung des Countdowns“ (Seite 110)
>>Einmal hatte einer einen anderen verpetzt, als der während der Klassenarbeit heimlich in sein Buch geschaut hatte. Hermann hatte nicht eingegriffen. Es komme nicht darauf an, wie viel Wissen einer herumschleppe, sondern was man damit anfangen könne, hatte er gesagt. Er selbst habe früher als Schüler oft Fragen zu historischen Jahreszahlen nicht beantworten können und dann habe es Schläge mit dem Rohrstock gesetzt. Und was habe ihm das gebracht? Nichts außer ein paar blauer Striemen. Seinetwegen könne jeder gerne seine Bücher benutzen, hatte er erklärt und sofort hatten die
Schüler in ihren Taschen gekramt.<<
und dachte dabei, dass mir Wissen dabei hilft, mich zu positionieren bzw. meine „Reiseroute“ zu entwickeln. Vor allem, dass mich das selbsttätig katalogisierte Wissen weiterbringt, sprich: persönliche Bestenlisten.

In diesem Sinn reihe ich einfach mal die tollen Entdeckungen aneinander, für mein nächstes mal oder für Dich:
(1) das siebtbeste Croissant (Carton, am Gare Du Nord), der Caramel-Eclair von Stohrer, die DePhazz-Gedächtnis Île Flottante (leider verpasst), European Coffee Trip (eh klar) und Haribo Orangina PIK…
(2) Rodin Museum (Außenbereich), 5 Freiheitsstatuen, der schönste Basketballplatz der Welt
(3) von hier aus gut zu ermessen: Sacré-Cœur, Eiffelturm Top Floor, Centre Pompidou Rolltreppe
(4) leider nicht genug Platz für Details…

Nach diesem schöne Foto von Andreas Neubauer, nächstes unbedingt dann auch in die Baguetterie!

Make Love, Not War

März 1, 2022
TV Mitschnitt unseres Konzertes am 18. Dezember 2005 im October Palace

Mit zwei CDs aus der Ukraine begann mein Trommeleinstieg bei DePhazz. Im Jahr 2003 hatte mich Flo Dauner gefragt, ob ich für ihn aushelfen mag und mir postwendend das aktuelle Konzertprogramm zukommen lassen, seine Sheets und den Livemitschnitt vom Vorjahr, aufgenommen im October Palace in Kiew. Diese Silberlinge wurden schließlich zu einem kosmopolitischen Versprechen, denn seit 2004 durfte ich mit dieser Kapelle viele Plätze der ehemaligen Sowjetunion bereisen, in der Ukraine und Russland alleine weit über 100 Konzerte geben, Land und Leute lieben lernen.
Ich freute mich auf jedes einzelne Konzert, weil immer ein Hauch von Abenteuer mitschwang, weil ich entlegenste Ecken der Welt entdecken durfte, die sich niemals in meinen privaten Reiseradar geschlichen hätten. Wir durften unsere Sound spielen und wurden mit viel Applaus und glänzenden Gesichtern belohnt. Die Liebe zur Musik hat jegliche sprachlichen oder politischen Grenzen gesprengt. Wobei auch ganz klar gesagt werden muss: die Herkunft der Mitreisenden war nie Thema, hatte keinerlei Relevanz – unser Monitorman Ilja kommt aus Moskau, über mehrere Jahre hatten wir eine ukrainische Booking-Agentur, ergo ukrainische TourbegleiterInnen; no problems, wherever we arrived! – so dass ich an dieser Stelle unbedingt nochmals betonen möchte: meine Wut gilt nicht den Russen, sondern allein dem Kreml und seiner perfiden Führungsriege!

Ich lese die schrecklichen Nachrichten und klicke mich als Gegengewicht durch meine Reiseberichte (ein paar Links dazu unten) und Erinnerungen. Es gäbe sehr viel zu erzählen, ich entscheide mich exemplarisch für ein eindrückliches Erlebnis aus Kiew, nämlich unser Konzert am Jahrestag des Maidanaufstands, am 22. Februar 2015:
Es war der Tourauftakt der DePhazz „Private“ Tour, die im (besagten) October Palace beginnen sollte. Wir kannten die Geschichte des Landes und es fühlte sich mehr als komisch an, in diesem Veranstaltungsort, der sich auf dem auf dem Majdan Nesaleschnosti („Platz der Unabhängigkeit“) befindet, an diesem traurigen Tag ein Konzert zu spielen. Erst recht, als wir nach dem Check-In im Hotel Ukraina gemeinsam mit Scharfschützen in den Aufzug steigen mussten, deren Ziel das Gebäudedach war. Erst recht als wir auf dem Fußweg zur Konzerthalle die aufgereihten Bilder aller Verstorben, die trauernden Menschen passieren mussten. Ich fühlte mich fürchterlich und unser Ansinnen völlig fehl am Platz. Doch der Auftritt, die Reaktion der Zuschauer und die anschließenden Gesprächen offenbahrten die andere Perspektive: nämlich, dass es sehr wohl wichtig ist, gerade in den dunkelsten Momenten, durch Musik Kraft gespendet, etwas Schönes gezeigt zu bekommen, dass auch dadurch die Hoffnung gestärkt wird und positive Ziele in den Fokus gestellt werden können.

In diesem Sinne trommle ich auch heute, morgen, immer! extra laut für den Frieden und hoffe auf ein schnellstmögliches Kriegsende, sowie konstruktive Lösungen für die Zukunft (und die Liebe).
❤️
#stopwar

Foto von Ulf Kleiner 22.02.2015

Noch ein paar Reiseberichte:

Aufheller im Februar

Februar 15, 2022

Abgesehen davon, wie sinnvoll es ist, krank oder angeschlagen auf Konzertreise zu gehen, ist der große Unterschied zum Corona-Damoklesschwert, welches derzeit permanent über jedem geplanten Bandausflug schwebt, dass man die Entscheidung nicht selbst treffen kann/darf: denn ein positives Testergebnis bedeutet mindestens sieben Tage Quarantäne.

Sprich, es fällt mir trotz großer Zuversicht nicht immer leicht, mich auf anstehende Konzerte zu freuen, ohne gleichzeitig nachzudenken, dass ich oder all die anderen sich doch kurz vor (oder während) der Tour anstecken könnten.
Das ist selbstverständlich überhaupt nicht zielführend.

Sehr hilfreich hingegen sind die gegebenen Konzerte selbst. Hier merke ich wie wichtig das Auftreten für mich und das Publikum ist, egal ob der äußere Rahmen durch diverse Einschränkungen spürbar verändert wurde. Die Bottom Line ist glasklar:
Live Musik tut mächtig gut! Es ist einfach großartig vor Menschen zu spielen 🙂
Und die Zukunft entsteht im Moment, Tag für Tag…

Jetzt freue ich mich auf den Nils Wülker Gig in Bochum (der letzte eines schönen Fünferblocks), bevor es im März bunt weitergehen wird.

Triva am Rande:
Gaffer Tape hilft. Auch wenn ich damit längst keine Felle mehr abklebe, freue ich mich nun über meinen reparierten Gürtel.
– Sonnenlicht ist ein schöner Stimmungsaufheller. Klaro, wissen wir alle. Gibt’s im Hotelzimmer keinen Balkon, werden die Fenster aufgerissen und mit Sesseln und der Bettdecke ein gemütlicher Arbeitsbereich geschaffen (der stark an Hans Castorp in Thomas Manns „Zauberberg“ erinnert). Vitamin D galore!
– Ich habe diese mal die Stewart Copeland Signature Snare dabei, der Meister selbst haut ein neues Buch raus: Stewart Copeland: Drumming in The Police and Beyond
– selbstverständlich habe ich mir Super Bowl Pausenshow mit Dr. Dre, Snoop Dogg, Mary J. Blige, Kendrick Lamar und Eminem angeschaut. Und sie anschließen heimlich mit den Auftritten von Prince (2007), Michael Jackson (1993) und Janet Jackson (2004) verglichen…


Da-Real-Nerd-Shit zum Schluss:
Beim Netzer Konzert in Stuttgart wurde das Noisegate des Basstrommelmikrofons beim Soundcheck versehentlich etwas zu lange geöffnet, so dass nach all den Schlägen, bei denen der Klöppel nach dem Anschlag zurückfederte, ein veritable Feedback entstand – einer 808 Kick nicht unähnlich.
Da jedoch die Bassdrumschläge, bei denen der Klöppel im Fell geparkt wurde, konkret und gut klangen, haben ich den technischen Umstand als „hidden intention“ angenommen und spielerisch im Konzert ausgenutzt.
Der nächste Schritt wäre folglich, sich Gedanken zu einer einfachen Reproduzierbarkeit dieser Möglichkeit zu machen. Beim Merlin-Gig hatte ich nicht einmal die Kick im Monitor, sprich, die Rückkopplung entstand durch die PA-Lautstärke, die zurück ins Bassdrum Mike rutschte und die schwingenden Felle in Bewegung hielt. Diese Faktoren werden je nach Venue und Anlagenstärke aber unterschiedlich ausfallen. Also denke ich über einen speziellen (weiteren) Monitor oder einen Transducer nach, der das Kick-Mike zum koppeln bringen kann. Die Kontrolle des Feedbacks (vor allem die Tonlänge) würde ich mit einem Noisegate regeln (bspw. mit meinem Alesis MicroGate), dass sich in meiner Reichweite befindet.
Zudem würde ich noch eine An/Aus-Möglichkeit für den „Feedbacker“ installieren (vielleicht ein Volumenpedal oder eine A/B Box), so dass das Rückkopplungssystem nicht durchgehend am Start ist und ich bei dynamischen Parts auch mal den Basstrommelklöppel entspannt aus dem Fell kommen lassen kann, ohne gleich ein Donner zu erzeugen…
Übrigens, Max Gebhardt hat zur selben Zeit ein ähnliches Konzept im Studio-Setting realisiert:


weniger fernsehen

Februar 3, 2022

>>Aber wirklich bedeutsam ist nur die Geschichte eines Songs. Die Musik in dieser Auswahl erzählt ein Märchen von Schönheit, Inspiration und Schmerz, mit den Stimmen des Gettos und der Vorstadt, der Kirche und des Schulhofs, Stimmen der Freude und der Trauer, manchmal Stimmen von solcher Schwermütigkeit und solchem Kummer, dass sie im Medium Pop fehl am Platze zu sein scheinen. Mögen diese Stimmen Sie dazu anregen, mitzuträllern oder zu tanzen, mögen sie Sie dazu inspirieren, zu verführen oder zu spüren oder aufzubegehren oder einfach nur etwas weniger fernzusehen.<<
Jonathan Lethem „Die Festung der Einsamkeit“ (Tropen 2004, Seite 435)

Jetzt, nachdem ich Jonathan Lethems Comic-und Musik-Ziegel zu Ende gelesen habe, kann ich mich entspannt einem neuen Mobilitätskonzept widmen (das dünne Taschenbücher bevorzugt):
Das kleinste Klappfahrrad der Welt, das Kwiggle, kommt aus Hannover und wird gerade auf Herz und Nieren getestet. Mich interessiert vor allem, ob ich damit und der Bahn entspannt zum Gig reisen kann, ohne auf meine Lieblingsbecken, Stocktasche und das obligatorische Effektboard verzichten zu müssen.
Die bisherigen Leerfahrten machten schon einmal großen Spaß. Heute übte ich mit angehängtem Samsonite – auch das funktioniert (selbst über heftiges Kopfsteinpflaster).
Als nächstes wird mit einer vorne eingehängten Ortlieb Satteltasche experimentiert, schließlich dabei noch die Beckentasche bzw. ein Beckenrucksack umgehängt, so dass ich dann hoffentlich am Samstag zum Netzer Gig in Stuttgart (teilweise) strampeln kann…

Dort spielen wir im Kulturzentrum Merlin, hochmotiviert und bestens gelaunt (siehe neues Pressefoto von WP Steinheißer):

klein, mini und prächtig

Dezember 3, 2021

Schönes Bild gestern Abend: Ich war auf dem Weg zum Proberaum. Vom Innenhof in dem das Carsharing Auto abgestellt war, hörte ich laute Musik und sah einen rauchend tanzenden Mann auf dem Balkon, hinter der Fensterscheibe einen weiteren, mit halbaufgesetztem Kopfhörer, auf den Mix bedachten. Der Sound versprühte kühle Eighties-Vibes. Passte leider hervorragend zum Wohnzimmer als notgedrungener Club-Ersatz. Immerhin fand die Party noch statt.
Der Titel des kleinsten Frankfurter Clubs wurde schönerweise am Vortag meinem 6qm Bunker-Quartier zugesprochen. Von Andreas Neubauer.

Bevor ich in den digitalen (also noch intimeren) Club von Jazz Montez eintauche (die Frankfurter Veranstalter haben ihre im Sommer veröffentlichte Debut LP nun auch Netz-zugänglich gemacht), möchte ich noch geschwind von meiner Ampelbegegnung mit dem kleinsten Faltrad, dem Kwiggle, erzählen: Es passt ins Zugabteil, funktioniert als Flugzeug Handgepäck und lässt sich als Jobrad vergünstigt finanzieren… in Zukunft also nur noch den Beckenrucksack als Gepäckstück beim Reisen??

The Orchestra

November 28, 2021

Jetzt wird DAS Orchester gelobt, beziehungsweise ein Trinkspruch auf das „Tbilisi Symphony Orchestra“ ausgesprochen, das unter der Leitung des einmaligen Vakhtang „Vato“ Kakhidze gestern in Georgiens Hauptstadt die zweite Version des DeCapo Materials (also: DePhazz mit vielen Instrumenten) realisierte.
Es war großartig (nach meinem Schüleraustausch 1990 und dem DePhazz Konzert 2015) mal wieder in dieses wundbare Land zu reisen. Ein kurzer Ausflug in etwas schrägen Zeiten, aber ungeheuer erfüllend (musikalisch wie kulinarisch) und wohltuend! (Quasi der direkte Beweis zu meiner Reiselektüre: Prof. Stefan Kölsch „Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik“).
Für einen stimmigen Drumsound im Konzertsaal habe ich wieder mein leisestes Beckenset, sowie alle vorhandenen Muffins und einen Donut für die Trommeln in den Koffer gepackt und die Stöcke sehr weit vorne angefasst 🙂

Im Flugzeug lief übrigens der fünfzehnminütige Kurzfilm „The Orchestra“ – auch er/es wird gelobt!

PS. während die Band in Tiflis probte hat Mastermind Pit ein neues Album, nämlich DePhazz „The Instrumental Versions“ in den digitalen Hörraum gestellt und es mit #extremelounge ge-tagt:

umsichtig durch den Tour-Herbst navigieren

November 22, 2021

Drei hilfreiche Erkenntnisse während der zwei wöchigen November-Tournee.


1. Greift die Fußmaschine nicht so richtig oder willst Du Deinen Basstrommelspannreifen schonen, hilft auf die Schnelle die VicFirth Pappummantelung (quasi nachhaltiges Weiterverwerten). The Perfect Pair!


2. Nach längeren Bahnfahrten und unangenehm umgeklappten Ohren, habe ich nun die helfend Hand meines HD25 Kopfhörers entdeckt.


3. Ich fand es gleichermaßen wohltuend und begeisternd, aber auch etwas verwirrend, vor vollem Haus aufzutreten (wo Politik und Medien doch laut eine entgegengesetzte Sprache sprechen). Vermutlich würde mich ein 2G plus Konzept für Innenräume noch einen Ticken besser fühlen lassen, aber das liegt nicht in meiner Hand. Dafür aber die zeitnahe dritte Impfung (die ich vorgestern tatsächlich direkt nach meiner Ankunft in F spätabends, spontan, zügig und völlig unkompliziert erledigen konnte).
Ich bin weder Arzt noch Forscher noch Fachmann, deswegen möchte ich auf die gute alte Mathematik hinweisen, die mir in der momentanen Situation (neben dem Bauchgefühl) bei der Orientierung hilft:
Vermutlich finden sich für jegliche Argumentationslinien und Pandemie-Entscheidung gut klingenden, stringent wirkende Belege. Da wir uns jedoch zunehmend in Filterblasen bewegen (Algorhitmen), ist es sehr schwer die Tragkraft der gefunden Argumente abschätzen zu können. Insofern muss einfach tiefer bzw. zahlenbasierter recherchiert werden: wieviele Fachleute vertreten die eine Meinung, wieviele die andere (Empirie, Stochastik, Prozentrechnung).
In puncto dritter Impfung verhält es sich für mich ähnlich wie mit der Zielführung eines Navigationssystems – sprich, wenn ich mich zu Beginn einer Reise dafür entschieden habe, dann vertraue ich diesem Ansatz eigentlich vom Start bis zum Ziel (Logik). So habe ich jedenfalls die dritte Runde erledigt und kann etwas befreiter nach Georgien weiterreisen…