Archive for the ‘Reggae’ Category

Die Leichtigkeit des Seins

Juli 10, 2021

Die Dub Geschichte ist schön, aber analog zu den Rivalitäten der damaligen Freiluft-Diskos (Sound Systems), beanspruchen mehrere Protagonisten die Krone für die Erfindung dieser Spielart. Fakt ist, die mehrspurige Tonbandmaschine war die nötige Grundlage, um Bandsound und Gesang getrennt aufliegen zu haben. 
Wir schreiben das Jahr 1968. Eigentlich wollte der Sound System Betreiber Rudolph „Ruddy“ Redwood lediglich eine weitere Testpressung (die sog. Dub Plate) für seine nächste Party schneiden lassen, doch Byron Smith hat dabei versehentlich die Gesangsspur nicht mit kopiert, also nur eine instrumentale Version erstellt, die Redwood dennoch mitnahm und mit großem Erfolg mehrfach hintereinander spielte. Der gesanglose Paragons Hit „On The Beach“ erzeugte ein derart wohlwollendes Hurra – weil Mitsing-Erlebnis im Publikum – auf dass die „Version“ fortan zum Standard jeder Produktion wurde und schließlich auf der B-Seite der Singles ihren Platz fand.

Spätestens ab 1972, nachdem King Tubby das von Byron Lee ausgemusterte 12 in 4 Kanal MCI Mischpult übernommen hatte, folgten die experimentellere Dub Versionen mit den typischen Merkmalen wie freigestellter Bass/Schlagzeug Rhythmus, ausufernde Hall-und Echoeffekte, Hochpass Filterung, Kompression. 
Ab diesem Zeitpunkt wird sogar einem Haus, einer Wohnung oder einem Raum, nämlich jeglichem Tonstudio zugestanden, Instrument zu sein.
Der eigentliche Inhalt der Dub-Geschichte ist sommerlich-frisch klingender Sound, der seit 50 Jahren nicht nur die Musik-Collage hochhält, sondern immer wieder für relevante Weiterentwicklungen (Cut & Paste, Remix, DJ Culture) und Überraschungen sorgt.

Passend dazu der Halbfinal-Bericht der taz: >>Die außergewöhnliche fußballerische Leichtigkeit an diesem Abend (mit Vorteilen auf spanischer Seite) verband sich mit der Leichtigkeit des Seins (mit Vorteilen auf italienischer Seite). Eine Kombination, die diesen Abend erst einzigartig werden ließ. In 120 hochemotionalen Minuten musste der Schiedsrichter nur dreimal zur gelben Karte greifen. Auch bei den eifrig hinterherlaufenden Italienern ging es stets darum, irgendwie ins Spielen zu kommen.<<

Foto: Laurence Griffiths/Reuters via taz

In diesem Sinne: Auf ein schönes Endspiel morgen!
Und wer davor noch Lust auf intermediale Echtzeit-Kollagen hat, der besucht unser drittes und letztes Moment:an Kopfhörerkonzert um 20h im Frankfurter Ono2.

Say Hey, Have You Heard The News?

Juni 7, 2021

Hey Walter, vor 39 Jahren, im Juni 1982, kam Kid Creole and the CoconutsTropical Gangsters“ in die Läden, dass erfolgreichste Album, der Band um August Darnell, Adriana Kaegi und Andy Hernandez, alias Coati Mundi.

Wie ich gerade im FB bei Jörn Elling Wuttke erfahren habe, saß der legendäre, jamaikanische Drummer Winston Grennan (Toots and the Maytals, Jimmy Cliff, Desmond Dekker, Bob Marley) hinterm Schlagzeug. Auch, dass Coati Mundi das zweite Album von Palais Schaumburg („Lupa“) produzierte, finde ich immer wieder bemerkenswert.
Die Platte geht immer, noch besser aber finde ich den Rockpalast-Auftritt vom Oktober ’82. Nicht zu letzt, weil der Kassettenmitschnitt bei uns rauf und runter lief und gute Stimmung versprühte.
Der liegt bestimmt noch irgendwo im Keller herum, aber auch im Netz:

Am besten gefiel mir immer die Stelle, an der das Konzert vermeintlich zu Ende ist und die Trommeln dennoch weiterspielen, auf der Kassette plus Reporterton vom lachend-erstaunten Albrecht Metzger (also doch ab in den Keller, das silber-schwarze Tape finden…)

Gedenken, das

Februar 22, 2021

An das rassistische Verbrechen von Hanau und dessen Opfer (Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov) und ans Vermächtnis von U-Roy – >>the man who invented the modern DJ rap style by toasting on King Tubby’s sound system during the late ’60s<<.

U-Roy & King Tubby (1976)

U-Roy mit Mad Professor (1991)

die kulturelle Kraft von Dubreggae

Januar 8, 2021

Julian Weber schreibt in der taz über die Renaissance von Dubreggae: „Die Musik in der Hauptrolle – Steve McQueen zeigt es in der Filmreihe „Small Axe“, Fabienne Miranda und Junior Loves in ihrer Musik: Dubreggae klingt besser denn je“.
Viel Futter für den Lockdown!

Ich hänge noch meine zwei aktuellen Dub-Favorites dazu und verkrieche mich in die Bassbox.
Groundation „Dub Wars“ (2005, Tipp von Moritz)


Prince Fatty presents „Hollie Cook in Dub“ (2012)

Pffffhhh

Dezember 25, 2020

Im Anschluss klicke ich mich durch die Drumsets von Carlton Barrett – sein Snare-Highlight ist dasselbe wie John Bonhams, die sechseinhalber Supraphonic LM402 – und höre mir dessen liebstes Bob Marley Album „Kaya“ an.

Meine spannendste Entdeckungen:
1. Carlton Barrett mit Simmons Toms! (1987)

2. Echodrums im Outro, nachdem der Meister von der Bühne gegangen ist.

Die beiden Clocktower Alben Carlton Barrett & Family Man „The Sound Of Macka Dub Vol. 1“ (1980) und Clocktower Dub.

The Wailers „Tribute to Carly Barrett“ (1987) mixed by Mad Professor!

Check: „How Do You Think I Dub

pre SpongeBob

Dezember 17, 2020

Eindeutig Ferien: kaufe im italienischen Großmark mit Jovanottis „Serenata Rap“ ein, spüre (von DJ Premier!) programmierte Swing-Drums auf – Buckshot LeFonque „The Blackwidow Blues“ – und lege mich zu den isolierten Tracks von Carlton Barrett in die Bassbadewanne:

Zum Abschluß noch Billy Cobham im Pre-SpongeBob Shirt.

Und Augenblicke aus London, die teilweise ins Shabazz Live-Album flossen.
Übrigens, sensationelles Moog-Solo-Ende von Milcho Leviev ab 10:18! Und ein mir leider unbekannter, mit Gaffa Tape befestigter Effekt-Bollide.

Als Highlight des Tages jedoch blitze ein Roland Space Echo RE-201 hinter Mr. Cobham auf, als er mit George Duke 1976 beim Jazzfestival Montreux auftrat.
Das Delay ist auch kurz zu hören, nämlich im Intro Groove von „Almustafa The Beloved“ (22:14).
Auf dem passenden 76er Live-Album „The Billy Cobham – George Duke Band „Live On Tour In Europe“ gibt es dann noch ein (von B. C. gemischtes) Solo mit Delay: „Frankenstein Goes To The Disco“

Von derselben Besetzung (mit Alphonso Johnson und John Scofield) entdecke ich noch ein weiteres Live-Recording, das unter den beiden Titeln Billy Cobham „Live 1976 From New York Hofstra Playhouse“ oder Billy Cobham & The George Duke Band „Live 1976“ später digital veröffentlich wurde. Zu Beginn von „Uncle Remus“ gibt’s dort ebenfalls Cobham-Echodrums zu hören 🙂

Mir wird klar diese Besetzung hat ihre Setliste unterschiedlich dargeboten, ich bleibe also an den Bootlegs aus dieser Zeit dran und tatsächlich entdecke ich ein Echodrums-Solo bei der Show in New Orleans vom 18. Februar 1976!!!
Mein Highlight des Jahres 🙂

Sonia Pottinger, Jamaica’s first female producer in reggae history

April 30, 2020

Tune in! Super Tipp von Moritz:
>>Sonia Pottinger, Jamaica’s first female producer in reggae history, opened her Tip Top Records shop in 1965 and began recording artists in 1966. She excelled in an extremely competitive realm dominated by men through a unique approach to record production, leaving a vast back catalogue of the most eminent quality. This show pulls together some of her finest moments.<<

Habe direkt ein wunderschönes Rim-Echo entdeckt. Von Duke Reid produziert, von Phillis Dillon vorgetragen: „The Love That A Woman Should Give To A Man“ (Dub Version)

Und die „Midnight Confessions“ finde ich auch super. Nicht nur wegen der langen Delays auf Gebläse und Stimme, dem Federhall für den Snarerim, sondern weil die Komposition an sich schon erfrischend anders klingt.

Schließlich bleibe ich bei Arthur Duke Reids „Treasure Dub“ hängen.

Dub a Drummer

April 27, 2020

Mein Echodrums Buch steht kurz vor dem Abschluß und um die Idee zu streuen bzw. dem potentiellen Leser zu erklären, wie schön die Synergie von Getrommel und Effektgerät sein kann, dachte ich mir folgendes:
Ich lass‘ mir von meinen befreundeten IG-Star-Drummern einen Rhythmus vorspielen, „dubbe“ diesen anschließend und erzähle was Kleines dazu. Zum Beispiel, dass mit dem Verb „dubben“ jene Blaupause von Remix gemeint ist, die in Jamaika ihren Anfang nahm (Dub Reggae) und das leidenschaftlich-verspielte Ausproduzieren im Studio meint, mit allem was an tontechnischen Möglichkeiten so vor Ort ist, in meinem Fall:
Laut/leise, Hall und Echo.

Dazu stöpselte ich mein Telefon – heute mit Philo Tsounguis IG Drumshare – in den Lehle P-Split und verteilte ihren Beat
– einmal auf den Superswitcher SS-1 (zum Muten). Von dort dann weiter zum analogen Boss Delay (DM-300), dessen Effektbeteiligung durch den Echo Volume Regler bestimmt wird (OK, auch durchs leichte Übersteuern des Input Gains). Und dann ins Mischpult.
– einmal auf den Vermona Federhall (VSR3), dessen Mixregler auf 100% Effekt gestellt wurde, der aber nur durch Drücken des externen Taster hörbar gemacht und zum Mixer geschickt wird. Musik entseht hier nicht nur durch die Hallspirale, sondern vor allem dank des Tone Potis.
Schließlich wurde die Mono-Summe des Mischpults im Rechner aufgenommen.
Und wir sehen und hören eine Interaktion von Drummer und Dubmixer.

Dass wir Trommler derartige Soundwelten aber auch locker alleine erschaffen können – ähnlich wie ein Gitarrist, der sein Instrument ins Effektboard steckt – das wird gemütlich nachzulesen sein, ganz entspannt „from scratch“.
Ums mit Hattlers Worten kurz zu fassen: einfach Klinkenstecker rein und los!

flying cymbal style

März 25, 2019

>>…the ‘flying cymbal’ style that was ruling Jamaica in 1974-5, based on an open-and-closed high-hat pattern, adapted from the Soul Train theme song<<
„A beginner’s guide to King Tubby, the producer who turned dub into an art form“ by David Katz, 2015

Ob die Offbeat-Hihat nun mit dem Titelsong der Soul Train TV Show 1973 aus den USA herübergeschwappt kamen, oder aber das „flying cymbal“ längst in der jamaikanischen Rhythmuskultur verankert war – siehe „Moonlight Lover“ aus dem Jahr 1968, wird von den Beteiligten (u.a. Sly Dunbar) der 74er Reggae-Mode heiß diskutiert.

>>I was the one that recorded that first, but it was originally part of soca. When I played that in the ’70s it became popular because of the attitude I played with—it was more open and pronounced. I didn’t name it the flying cymbal; that was Bunny Lee. I played it on “None Shall Escape the Judgment” by Earl Zero. But for years it was played in calypso, where the accent was a little different. I played it more aggressively.<< sagt Carlton „Santa“ Davis im Modern Drummer Interview zum Thema.

Ist vielleicht auch gar nicht so wichtig, definitiv ist die Geschichte schon so alt, dass es längst die süße Rache des fliegenden Beckens gibt:

THE BRITISH PRESS WANTS YOU!!

Januar 7, 2019

Ich muss gestehen: trotz bester Ferienstimmung fehlt’s mir an Zeit.
Erst die dreistündige DLF Sendung über das Schlagzeug, jetzt noch die Basic Channel Story
Egal muss – sein – denn der Einfluss von Mark Ernestus und Moritz von Oswald ist massiv, auf mich: prägend! Und wenn die Dubtechno-Erfinder in der taz leidenschaftlich als „See aus Rhythmus und Sound“ beschrieben werden und das große Portrait-Gespräch im RA mit diesem Fax von Mad Mike beginnt, müssen die anderen Sachen halt warten.

basic-channel-fax-mad-mike

>…and then I realised the sequence is the thing of the track. Forget all drums.<<
René Löwe aka Vainqueur