Archive for the ‘DIY’ Category

Archivierung des Gelernten?

November 26, 2020

Seit drei Jahren unterrichte ich wieder regelmäßig.
Eine Beobachtung, die ich dabei zunächst als Generationsunterschied/Zeitgeist/digitalisierte Veränderung eingeordnet hatte, scheint wohl doch eher ein Problem zu sein.
Es geht um die Archivierung der vermittelten Inhalte.

Als ich Anfang der 1980er Jahre selbst zum Schlagzeugunterricht in die Jugendmusikschule tingelte musste bestimmte Literatur gekauft werden (staubtrockene Sigfried Fink Schulen, etwas Dante Agostini und Jim Chapins Klassiker). Später mehrten sich kopierte Zettel aus den Büchern der ortsansässigen Pros.
1993, beim Popkurs, gab es – nach wie vor in Kopieform – die gesammelten Konzepte von Udo Dahmen. Auf den Markt drängten dann die klingenden Lehrbücher (erst mit Kassette, dann mit beigelegter CD), letztlich waren aber die bewegte Studien, die sogenannten „Drum Instruction Videos“ der heilige Gral. Leider, egal ob VHS oder später DVD, immer empfindlich kostspielig. Dafür ließ sich all das Lernmaterial im Buchregal oder einer Schublade übersichtlich aufbewahren.
Mit dem Internet kam die Wende, seitdem sich YouTube & co. etabliert haben, ist ALLES plötzlich digital, oftmals kostenfrei verfügbar. Aus übersichtlich, wird Masse, Nullen und Einsen sind die neue Fachliteratur:
Die unbegrenzte Fülle lässt sich schwer strukturieren, aber auch die Techniken der Archivierung scheinen zu verrutschen bzw. abzurutschen. Bestes Beispiel, digitale Fotos. Die ausbleibenden Materialkosten verführen direkt zum wahllosen Draufhalten, zu einer Hügellandschaft an Material, die selten begradigt oder beschriftet wird, schließlich im lähmenden „too much“ mündet. Einer bestimmten Erinnerung spontan das passenden Bild beisteuern? Eher unmöglich…

Als ich 2017 in der Frankfurter HfMDK anfing, hatte ich, von Workshops und diversen Drumcamps abgesehen, über 20 Jahre lang keinen regelmäßigen Unterricht mehr gegeben. So habe ich anfänglich tapfer Sheets geschrieben, doch schnell bemerkt, dass diese gerne vergessen oder direkt abfotografiert und liegengelassen wurden. Tablet oder Smartphone waren das Archivierungs-Tool Nummer eins. Natürlich stellte ich dezente Überforderung fest, wenn es um den Rückblick zu vergangen Stunden ging, aber ich vertraute den Digital Natives.
Mittlerweile habe ich jedoch das dringende Gefühl, laut über Archivierungs-Konzepte nachzudenken.

Ich selbst hatte großes Glück hier in diesen Blog reingestolpert zu sein, der sich schnell in Richtung persönliches Musiktagebuch transformiert hat. Was 2006 als aktuelle Begleitung zum „e-Beats am Drumset“ Buch konzipiert wurde, hat mittlerweile knapp 4000 Einträge versammelt, die sich dank einer hervorragenden Suchzeile und gliedernden Tags interessenbezogen bereisen lassen. Ich persönlich finde mich jedoch vor allem deswegen so gut darin zurecht, da ich in der Regel einen Beitrag mit etwas vermeintlich Abseitigem (Anekdote, Metapher, Foto, Parallelgeschichte, Persönliches) oder einer schrägen Überschrift verknüpfe, eindeutige Nebenschauplätze, die aber bei mir gut im Gedächtnis hängenbleiben. Will ich einen bestimmten älteren Post wiederfinden, so suche ich meist zusammen nach dem inhaltlichem Schlagwort und jenem Obskuren…
Tatsächlich fühle ich mich durch den Blog in mehrfacher Hinsicht beschenkt: Dadurch, dass ich mein Tageswerk griffig und nachvollziehbar formulieren möchte, wird mir einiges erst dadurch (und die weitere Recherche) klar, durchs Schreiben werden die Inhalte in der Birne verankert (war schon zu Schulzeiten mein Lernkonzept), vor allem aber: alles Material ist an einem Platz versammelt – sozusagen ein digitales Regalfach unter vielen Bookmarks.
Die Suchfunktion ist der Schlüssel zum wachsenden Schatz, die durch die Einträge entstehende Interaktion mit Gleichgesinnten die Sahnehaube, neuer Zucker, eindeutig Ansporn.
Geholfen hat der Zufall, der damalige Zeitgeist (beginnt man denn heute überhaupt noch einen Blog?) und so scheint mir dieses Modell doch eher eine persönliche Lösung und keine Empfehlung. Andereseits wird ja auch auf den sozialen Medienplattformen Facebook, Instagram & co. viel Wissen aufgeschrieben und vermittelt (aber leider lässt es sich dort nur mühselig rückblickend finden – dann vielleicht doch ein Blog als Ablageort für derartige Sammlungen?)

Anyway. Ich würde als erstes versuchen, ein geschicktes Ablage-und Findsystem auf dem Rechner (oder gar in der Cloud) einzurichten.

Diesbezüglich erinnere ich an gut funktionierende Sample Libraries.
Auch hier: anhaltende Lernkurve. Denn ich habe lange dafür gebraucht, meine Drumsounds- und Loops so zu beschriften, dass sie im Bedarfsfall zügig zu finden und zu durchforsten sind.
Mittlerweile stelle ich bei Einzelklängen das betreffende Instrument voran, beispielsweise SD für Snare-Sounds, CLP für Handclaps, ZZZ für Rauschiges, ATMO für Texturen, Loops hingegen beginnen mit der bpm-Zahl und, falls nicht im Viervierteltakt, mit dementsprechenden Takt-Bruchkürzel. Es folgende die Quelle, also der Song-Pate (Marley), das übergeordnete Genre (Dub) die aufgenommene Maschine (Linn) oder das verwendete Instrument (16Superstar) und gerne noch eine beschreibende Assoziation.
Für die thedrumsounds Suchmaschine hatte ich mir diesbezüglich ja schon einige Tags/Metadaten zurechtgelegt und daraus wird nun gewählt (warm, vintage, dry, long, hi/low, DIY, studio…).
Selbstverständlich gibt es verschiedene themenbezogenen Ordner für Einzelinstrumente, Styles, Loops, Fill-Ins.
Und im Idealfall begleiten die passenden Playlisten im Streaming-Portal mit denselben Überschriften das Geschehen.
Je nach Datenvolumen hilft (vielleicht) etwas künstliche Intelligenz, z.B. der Sononym Sample Browser, in jedem Fall die Transparenz-Schere, das Ausmisten im Frühstadium. Die Fotografen bemühen diesbezüglich gerne ein Zitat von Henri Cartier-Bresson: >>Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.<<

Und während ich so tippe, muss ich gestehen, dass ich zwar ein wohl strukturiertes Weblog habe, aber auf dem Rechner ebenfalls Chaos.
Insofern steht ein weiterer persönlicher Programmpunkt für den Corona-Winter auf der to do Liste…

In Bezug auf die Studierenden versuche ich aber direkt mal, potentielle Lösungsansätze zu skizzieren:
Das Fotografieren der Notenbeispiele oder auch eine kurze Videoaufnahme des neu Gezeigten, finde ich eigentlich sehr sinnvoll.
Lesen, Hören, Sehen – nachempfinden auf unterschiedlichen Lernkanälen, immer gut!

In einem weiteren Schritt sollten diese Dokumente (zusammen mit eventuell zum Thema verschickten Emails) in einem eindeutig benannten Ordner (Schlagzeug bei Oli WS2020-21) gesammelt werden.
Eigene Recherchen und Links zu entsprechenden Hörbeispielen könnten in weiteren Emails an sich selbst verschickt und ebenfalls im Ordner abgelegt werden.
Dadurch entsteht automatisch eine chronologische Ordnung entsteht automatisch, so fehlt nur noch die griffige Benennung der einzelnen Teile.

In der Regel lässt sich ja jede Unterrichtsstunde mit einer Überschrift versehen:
Bodypercussion, Warmup, Rudiment, Electronics, Groove, Sound, Attitude, Sonstiges
Dann fehlt eigentlich nur das betreffende Musikgenre (Metal, Rock, Pop, Jazz, Funk, Soul, Hiphop, Dancefloor, Experimental, World) und eine persönliche Notiz (das könnte eine Wertung sein, ein Assoziationsanker oder eine farbliche Markierung/Hervorhebung).
Und wenn wir uns beim Beschriften auf Dateinamen mit maximal 255 UTF-16 Zeichen beschränken, sind wir auf der sicheren Seite.

Darüberhinaus sinnvoll, weitere Unterordner (Nachzügler + Topic) für Artverwandtes, das nachträglich entdeckt wird.
Jetzt bin ich tatsächlich aber auch etwas neugierig geworden, wie wohl professionelle Software-Lösungen die datenbankgestützte Verwaltung von elektronischen Dokumenten (E-Mails, PDF-Dateien oder Text-Dokumenten) bewältigen, um den Weg zum papierlosen Büro zu ebnen…

Und neugierig wäre ich natürlich auch auf eure Erfahrungswerte, Tipps und Ideen!

Percussion-Stacks

September 20, 2020

… funktionieren hervorragend. Neulich erst die in der Hihatmaschine kombinierten Meinl Crasher und Waterfall und gestern Nacht habe ich den Crasher durch ein Kessing aufgestockt:

Damit das Kessing schwingen kann ohne herunterzufallen, habe ich es (mit einem seiner vielen Ringe) im Beckenständer eingehängt und mittels Binder-Clip am Crasher fixiert.
Als zusätzliche Sound-Option lässt sich die Meinl Cajon Ring Castagnet überstülpen:

PS. den zusätzlichen Filzstreifen über dem Crasher-Blech verwende ich um die hohen Frequenzen etwas zu zähmen.

Waterfall Crash…

September 16, 2020

Auch wenn sich die Überschrift dramatisch interpretieren ließe, so geht es eigentlich nur um die Neuanordnung zweier Perkussionsinstrumente namens „Waterfall“ und „Crasher„. Packt man sie anstelle der üblichen Hihatbecken auf die Maschine, lassen sich breite, Handclap ähnliche Steigerungs-Klänge mit dem linken Fuß auslösen.

Die große Rassel hängt im Hihat-Clutch und perlt über den weiter unten arretierten Crasher. Dessen Aufprall wird nach einem Tritt durch den zusätzlichen (blauen) Beckenfilz gedämpft, so dass vor allem die in Bewegung geratenen Klangkörper zu hören sind.
Der Crasher macht – getrommelt – als dünne Hihat eine gute Figur (zumal ich seine Schlagfläche durch einen Filzstreifen klanglich etwas entschärft habe).

Was die Echodrums-Abteilung angeht so wurde hier wieder mal ein Trigger Pickup an die Basstrommel geklemmt, um den Vermona Kick Lancet auszulösen. Dessen Sound wird dank des Memory Man Delaypedals (je nach getappter Subdivision) verschoben wahrnehmbar.

Nachtrag: auch die Kombination von klassischen Hihatbecken und Waterfall funktioniert wunderbar!

Extremitäten!

September 2, 2020

Wenn sich das Schlagzeug und die Extremitäten plötzlich im Mundraum befinden…

… dann hat man sich eigentlich die perfekte Übekabine für überall geschaffen!
Großartig, lieber Benny!

Ich versuch’s mal ganz langsam, zunächst mit Son Clave und Vierteln…

Im Sommer Modus

August 5, 2020

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Bevor ich mich die nächsten drei Tage für einen FATONI Ausflug verabschiede (die Augsburger Momentaufnahme stammt von Ralf Theil), hier noch ein paar Fundstücke aus meiner Sommerloch-Sammlung.

Passt perfekt zum Hip Hop Thema: Neulich im Keller meiner Eltern wieder entdeckt, die Playback-Dubplates der Bürger Lars Dietrich Shows des Jahres 1998. Eins a oldschool Zuspielungen (seinerzeit vom Plattenpapzt). Jammerschade auch, dass die damalige Benztown-Album-Produktion bis auf die Single „Ein ganzes Jahr“ nicht veröffentlicht wurde.

In puncto Drum-Lifehacks möchte ich erneut das Hantel-Aufsteck-Gewicht loben, das nicht nur in der Bassdrum oder auf der tiefgestimmten Zweitsnare den Sound phat macht, sondern auch hervorragen als Bassdrum-Stopper das Wegrutschen der geliebten Vintage-Kick verhindert.

Ein weiterer Lifehack ist mein aprikosengroßer Flummi. Der kümmert sich unter den Füßen des Trommler um dessen Wohlbefinden, in dem er die entsprechen Fußreflexzonen/Triggerpunkte massiert. Hilft mir gegen Verspannungen und Krämpfe.

Ansonsten: David Pätsch hat eine zweiteiligen Reihe über die Entwicklungs des Spiels mit zwei Basstrommeln (sprich: vier Gewichte!) geschrieben. Ein Student hat mir das „Vier Ohren Modell“ erklärt, Chaka Khan kann auch hervorragend trommeln und auf dem Nachttisch liegen zwei neue Bücher über das Echo (ein Roman von Iris Hanika und die Doktorarbeit von Felix Urban).
Und wer zu schlapp zum Lesen ist, der kann sich ja den Adorno-Vortrag über Alban Berg anhören…

 

Jetzt mit Licht!

Juli 28, 2020

Warmspielen und Basteln für Fatoni.
Nachdem ich mir beim letzten Einsprung die IKEA Klemmleuchte des Merch-Stands ausleihen musste, um die Sheets lesen zu können, wollte ich für die anstehenden Gigs eine LED Klemmleuchte besorgen. Aber hey, wieder was mit Batterien (die unterwegs zudem ihren Dienst versagen könnten) und ein langes Micro USB-Kabel habe ich auch keins – ist doch doof…
Geschickt, dass ich mich kurz vor einer unbefriedigenden Bestellung noch an ein Überbleibsel der Turntablerocker Tour 2001 erinnerte, großartig, dass die damalige Racklampe nach wie vor tiptop funktioniert und nun also, am 14 Zoll Fell-Notenhalter (mit Binderclip und Gaffer-Tape) befestigt, einer neuen Aufgabe entgegenblickt!
Hier die Din A4 PDF Vorlage mit gestrichelter Schneideanweisung, damit dein Sheet optimal im 14er Fell drinnen liegt.

Apropos 2001. In dem Jahr hatte Mike Skinner sein Rap-Projekt „The Streets“ ins Leben gerufen. Was eigentlich 2011 für beendet erklärt worden war, ist nun mit dem neuen Mixtape „None of us are getting out of this alive“ wieder auferstanden. Das erfreut bestimmt Herrn Fatoni und ich bin wieder mittendrin im Thema!

Bis nächste Woche in Dortmund, Stade oder Oldenburg!

Outdoor Delays

Juni 7, 2020

Walter und Stern zeigen mir Armin Küpper und dessen Gasleitungsröhren-Echos.

Schade, dass die Rohre mittlerweile eingegraben sind. File under: Hallkammer

Das hängende Kick-Mic

Mai 29, 2020

… ist eine simple wie hervorragende Idee, finde ich:

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Bei Tommy Ramone entdeckt, im Artikel „100 Greatest Drummers of all Time„.
Und da ich zuvor Fela Kuti mit Tony Allen hinter einer großen Rogers Bude geschaut hatte, wird die Aufnahme vom Berliner Jazzfest 1978 direkt drangehängt. Der Link zu dieser kompakten Afrobeat Einführung ebenfalls.

Snapclap

April 16, 2020

Drei schöne Fundstücke aus dem Netz.

Eine Idee von Benoît Kalka. Ab zur Sammlung „Handclap Sounds trommeln“.

Henrik Schwarz hat mit „A Beatless Live Set“ ein schöne Aufgabe zum Dazuspielen ins Netz gestellt. Kaum Beats, aber immer im Grid

Und dann bin ich noch auf Stepaudio und ihren Pilot Wave (einen MIDI Effect Sequencer fürs Stressbrett) gestoßen.

Zurück zum getrommelten Clap,  zu neuem Sound von MXXWLL:

jitsi Echodrums

März 31, 2020

Habe gestern die jitsi meet Videokonferenz App sowohl auf Handy und Computer geöffnet, anschließend ein bisschen getrommelt.
Mit der systembedingten Feedbackschleife lässt sich in der digitalen Echokammer spielen, indem
– das Smartphone um den Rechner herum bewegt wird
– das Mikrofon mal beim einen, mal beim anderen Teilnehmer stumm geschaltet wird

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