Archive for the ‘Reverb’ Category

Leichtigkeit

Juli 31, 2022

Zwei schöne Textstellen:

>>Immer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der
Zukunft…<<
Italo CalvinoSechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ (1988)

>>We hear an echo of
a long reverberant but distant boom.<<
Matthew HerbertThe Music – An Album in Words“ (2018)

Passend dazu die Schiffshupe aus dem Hamburger Hafen,

sowie ein Shaker-Bild (denn wenn ein Percussion-Instrument die Leichtigkeit verkörpert, so ist es doch dieses Gefäß, das mittels kleinster Bewegung durch die Luft wirbelnde Teichen zum Klingen & Grooven bringt…)

PS. die Liste von Calvinos Vorschlägen muss unbedingt noch abgetippt werden, da sie uns für die persönliche Ausrichtung inspirierend und dienlich sein könnte:
1 Leichtigkeit, 2Schnelligkeit, 3 Genauigkeit 4 Anschaulichkeit, 5 Vielschichtigkeit, 6 Haltbarkeit

Und weil’s gestern nach dem Wülker Konzert in Rastatt Thema war, hier noch der Hinweis von Arne Janssen zu „Bill Frisell’s Top Ten Tips For Guitarists„.

Und, smacks?

Juli 21, 2022

Ohne Aufdruck könnten sie durchaus als surrealistisches Kunstwerk (Salvador Dalí ) durchgehen, der Name bewirkt bei mir nostalgische Frühstückserinnerungen.

Derartig Schlagzeug-ferne Assoziationen passen übrigens bestens zu den Meinl Smack Stacks – geht es bei diesem (bis zu fünflagigen) Stapel doch um Becken, die den Sound eines typischen Drumcomputer Claps erzeugen.
Die Versuche jenen Signature Sound der DJ Culture zu emulieren sind zahlreich. Doch leider hatten die der Vorlage am nächsten kommenden Entwürfe – das mit der Hand auf die Snare geschlagene Drumbal, sowie der Rim-Flam – den Nachteil, dass sie nicht einfach aus dem Spielfluß heraus mit einer Hand getrommelt werden konnten. Oder sich gar mit dem Fuß in Form eines Overdubs über den eigentlichen Groove treten ließen.
Klar – elektronische Lösungen à Roland-SPD konnten solche Wünsche erfüllen. Doch sie bringen direkt einen aufwendigen Anforderungskatalog mit sich, der nicht immer passt oder realisierbar ist.
Insofern war ein flexibles, rein akustisches Handclap-Instrument ein langersehnter Traum von mir.

Passend zum eben nicht super-akurraten Klatschsound, der eher verzerrt und rauschig als Hochglanz ist und sich dank seiner Breite hörbar durchsetzen kann, entstammen die flachen, gebogenen Metallscheiben des Smack Stacks mitten aus dem Produktionsprozess – bis zum typischen Becken-Produkt fehlen offensichtlich noch ein paar Arbeitsschritte (Krümmung ausgleichen, Kuppe herausarbeiten, manuelle Hämmerung). So entsteht der raue, ungeschliffene Ton. Und dass dann irgendwann mal ein findiger Mitarbeiter mehrere dieser Scheiben übereinanderlegte und zudem daraufschlug… danke, danke, danke!
Welch toller kreativer Zufall. Und natürlich gleich die Steilvorloge für ein neues Produkt.

Ich wurde netterweise gleich mit beiden Smack Stack Produkten ausgestattet, also mit der Byzance Vintage Version in 14″/12″/10″, mit dem zusätzlichen 16″/8″ Add-On-Pack, sowie mit vollen 5 Piece-HCS- Variante (16″/14″/12″/10″/8″). Woraufhin ein reges Experimentieren begann:

Die Meinl-Türme funktionieren in jeglicher Position, als wären sie ein herkömmliches Becken oder eine typische Sidesnare. Selbst in die Hihatmaschine eingespannt, klingen die krummen Scheiben eher elektronisch und wunderbar artifiziell.
Selbstverständlich habe ich alle Einzelteile auch bunt miteinander kombiniert und auch die Reihenfolge des Stapels variiert. Meine bisherige Lieblingsanordnung ist das
Byzance Vintage Smack Stack in 16″/12″/10″/14″

Jetzt stehen erstmal wieder diverse Konzerte auf dem Zettel, aber anschließend geht es mit dieser todo-Liste weiter:
– zweite Hihatmaschine ins Setup einbauen und damit noch eine neue Aufgabe für den linken Fuß haben: acoustic overdub foot clap
– das Smack Stack in lange Hallräume schicken, bzw. mit FX-Mikro, Noisegate, (Distortion?) und Reverb eine bühnentaugliche Version basteln für
Smack Stack mal mit, mal ohne Effekt

Klatschen auf eins und drei??

April 11, 2022

Wird direkt zum Projekt für die kommende Woche ernannt: ich versuche lässig auf 1 und 3 zu klatschen.
Damit’s nicht nach Bierzelt klingt, verwende ich ganz schön viele Geräte.
OK, das Herzstück – der Amdek Clapper – ist schon etwas älter (quasi 808) und benötigt ein Noisegate gegen das hohe Grundrauschen. Das Whammy Pedal erhöht (bzw. verzerrt) die Eingangslautstärke und transformiert den Sound durch seine Pitch-Wippe in Prince-artige Gefilde.
Schließlich noch etwas Hall und Echo – eh immer musikalisch!

Eventide Blackhole, Whammy Mk II. Amdek Clapper + Alesis Microgate, Boss AB-2

und los…

Geschickt, dass das Whammy Pedal über zwei Ausgänge verfügt. So leite ich den Dry-Output via AB-Box (also. ja/nein) zum JHS Delay, der verstimmte Wet-Output wird noch durch den optionalen Eventide Hall geschickt.

Lazy

April 3, 2022

Noch ein kurzer Ausschnitt vom Trio Gig mit Peter Wölpl und Wolfgang Schmid. Spätestens am 28.5 spielen wir wieder zusammen – in der Schorndorfer Manufaktur anlässlich der Gitarrentage. Hurra!

#LuminosW

the Echo Collector

März 31, 2022
  1. eine spezielle digitale Roland Space Echo Version (Bj. 1985?) für den japanischen Markt, die ich so noch nie gesehen/gehört habe: Roland RDE-1800 Digital Echo plus Spring Reverb

2. ganz heute, der neue Wurf von Chase Bliss: Habit, the Echo Collector.
Ein ungeheuer komplexes Effektgerät, mit dennoch ganz klar verheißungsvollen Möglichkeiten, auf die sich zu stürzen auch als Rhythmusmacher Sinn machen könnte… (kompliziertes Pedal, komplizierter Satz). Check the manuals!

I’m old fashioned and enjoy the silence

Januar 1, 2022

Nicht ganz Nyepi. Ich lausche thematische Oldies: „A lazy Afternoon“ (1979, mit Billy Harts „mulidirektionalem“ Drumming) und Depeche Modes „Enjoy the Silence“ (1990).

Bei „Mercy Mercy Me – The Ecology“ (1971) freue ich mich über den >>temple block struck with a rubber mallet with lots of reverb<< und denke über das Konzeptalbum im allgemeinen nach…

Derart motiviert wende ich mich dem Spielen zu, tauche in das Forschungsprojekt EMPAMOS ein, das Brett- und Gesellschaftsspiele analysiert, um motivierenden Spielelemente zu entdecken und motivationale Spielkonzepte zu entwickeln. 

>>Beim Spiel wird der Mensch auf unproduktive Weise kreativ<<
Heinrich Popitz (taz 31.12.21)

Water, Drones & Freeze

Dezember 20, 2021

Eigentlich wollte ich Gunbuns Experimente mit Echogerät und EHX Freeze Pedal verlinken („textured Drones“) und darüber berichten, dass ich zufällig zur Zeit auch mit einem Freeze Pedal herum hantiere, besser gesagt mit einem Hallgerät, das über eine schön musikalische Freeze Funktion verfügt: Eventides Black Hole.


Nun wird es erstmal nur eine Notiz, da mich Trilok Gurtus kreative Schlagzeugkunst an ein Triokonzert von 1989 fesselt:

1990 hatte mich das Album John McLaughlin „Live at the Royal Festival Hall“ schon völlig umgehauen, dass ich Jahre später sogar mal einen tollen Gig mit Kai Eckhardt spielen durfte, stimmt mich rückwirkend stolz, aber jetzt möchte einfach ein paar tolle Trilok Momente dieses Theaterhaus-Abends hervorheben:
– mit zwei Egg Shaker als Stockersatz, die virtuos über die Tempelblocks fliegen, beginnt das Konzert bzw. der Titel „Florianapolis“.
– natürlich, das Wassereimer/Hall Solo in „Mother Tongues“
– und generell: der besondere Setaufbau (ohne Bassdrum, mit Melanie Drums Tri Fantoms Drums und Cable Hihat), der mal sitzend, mal knieend, mal stehend bespielt wird; die fantastische Kombi aus Schlagzeug und Perkussion, die Verschmelzung von traditionell-indischem und jazzig-amerikanischem/europäischem Grooveverständnis, die zusätzliche Einbindung von Silbensprache und Mouthpercussion; wow!
Last but least: Triloks Technik, Gurtus Sound!! Hybrid trägt einen Namen…

momentan sehr dunkel, aber…

September 10, 2021

Hey, liebster Moritz reise gut weiter! Das wird Dir als leidenschaftlichem und bestens ausgechecktem Fernreisenden nicht schwer fallen. Bin gespannt, was Dir für diesen Weg einfallen wird, da ja all Deine „classics“  (die ich nahezu alle übernommen habe) – 

vom elegant eingetüteten Kaffeebesteck (je nach Tourumfang und –größe: Esbit Kocher, Herdkännchen plus Handmühle oder Siebträger), über die obligatorisch gelbe Aerobie Frisbee, den Smoothie Mixer (und Spirulina Zusätze), das Longboard, Badehose & Sonnenbrille, fetter Kopfhörer, nebst feiner Auswahl an Punkrock, Dub und Hip-Hop Krachern –

nicht mitführbar sind. Ist bei Deinem Optimismus, Deiner Neugierde und dem Erfindungsreichtum* bestimmt kein Problem!

Sprich, um Dich mache ich mir keine Sorgen, aber für uns Hinterbliebenen ist’s verdammt heftig. Und erstmal äusserst dunkel. Du und dein sonniges Gemüt, Deine Leidenschaft und Lebenslust, ihr werden auf vielen Ebenen fehlen, Dein stimmiger Sound (warm & druckvoll) ohnehin.Aber hey, wenn ich mich jetzt durch die Bilder, Nachrichten und Erinnerungen wische, kommen wieder sonnige Strahlen zum Vorschein. Ich werde bei jedem gelungen Kaffee, bei jedem imposanten Frisbee-Fang an Dich denken – danke für weit über 20 Jahre gemeinsamen Tourens, danke für die Freundschaft.
Den anvisierten Besuch bei Mad Professor werden wir in einer anderen Welt nachholen und heute Abend trommle ich einen lauten Reverbshot in Deine Richtung!

* für den inhaltlichen Blogbezug reihe ich noch ein paar musikalische Highlights aneinander:

Moritz stimmiger Sound war ein Amalgam aus Dub und Hiphop, dennoch nie aggresiv eher angenehm süffig, poppig, charmant. Er liebte einen fetten Bass, Echos und Reverbshots. In Bezug auf letztere gab es in die vielen DePhazz verschiedene Ansätze:
– immer, die von ihm zum Moment passenden, manuell gefahrenen Öffnungen des Aux-Send.
– bei meiner Timbale zu dem die Option, dass ich einen größeren Hallraum (mittels Gate) durch die Schlagstärke erzwingen kann.
PS. das Fenster-Foto stammt aus Odessa. In dieser Venue wurde die Timbale mal nur mit 4 Sekunden verhallt…

Für einen durchsetzungsfähigen Sidestick Sound wurde mit Klebe-Piezos, Klemmtriggern oder zusätzlichem Mikrofon für den Kessel experimentiert.

Ein Post über Moritz ohne Musik geht nicht. In diesem Sinn hänge ich folgende Jamaika-Juwelen dran (die ich heute Abend ebenfalls spielen werde), sowie Herrn Elsners Netzer Mitschnitt  aus dem Jahr 2006:

Hier noch ein schönes Foto von Jochen Etzels FB-Beitrag, Sommer 2016, Cro Unplugged Festival:

farbige Klebepunkte, bunter Sound

September 9, 2021

Da ich bei der Laupheimer Drummerparty (neben einem selten zu hörenden Duo-Set mit Hellmut Hattler) auch den Soundtrack zur Graffiti-Aktion von Philip Walch gestalte, habe ich mal wieder den Bildband „Hip Hop Files“ von Martha Cooper hervorgekramt, aber auch ein Ableton-File konzpiert, dank dem sich jeglicher, „auswärtiger“ Audio-Player durch die Software routen lässt, dort dann DJ-typische Effekte beim Trommeln zur Lieblingsmusik erzeugt werden können.
Sprich, ich setze aufs typische Proberaum-Setting (wo ich gerne zu vertrauter Musik spiele) eine zusätzliche Kreativebene drauf. Jetzt kann ich auch die Zuspielung ganz einfach dekonstruieren und neue Drumgrooves darüber schichten. Also, den eigenen Remix trommelnder Weise entstehen lassen!

Ich brauche die „Blackhole“ Freeware fürs Computer-interne Audio-Routing und zack kann ich Musik aus YouTube, Spotify und co. oder elegante DJ-Mixe aus djay Pro durch die Ableton Software schicken. Dort habe ich ganz traditionell einen spürbarbaren Low-Cut (auf die Taste Q), einen Send in den Hallraum (Taste R), sowie einen Send ins Delay (Taste D) vorbereitet. Beim Jammen tappe ich (mit Taste T) Abletons Songtempo für die gewünschte Echo-Subdivision.

Macht großen Spaß!
Checks aus (hier der passende Ableton Song) und/oder komm‘ am Freitag vorbei und tanz mit.

DiscJamming 2.0

Publison DHM89 & Pitchloop89

September 8, 2021

Oh yes. Robert Henke transportiert ein 40 Jahre altes Pitchshifting-Delay in Form eines M4L Plugins in die Ableton-Jetztzeit.

>>1979 veröffentlichte Publison das DHM 89. Er besaß zwei Delay-Sektionen, die kurze Audioschnipsel festhalten konnten. Deren Länge war von der gewählten Bandbreite abhängig. Das Audiosignal ließ sich einfrieren, in Segmente zerteilen und mit einer prä-granularen Methode weiter bearbeiten, um die harmonischen Komponenten zu betonen und neue hinzuzufügen.<< 

Den ganzen Artikel „PitchLoop89: Wie man in den Wald hineinruft“ gibt’s hier.

>>Eines der berühmtesten Beispiele für den experimentellen Charakter des DHM 89 ist das zwischen 1982 und 84 entstandene Stück La Création du Monde des französischen Elektroakustik-Produzenten Bernard Parmegiani:<<

>>PitchLoop89 ist zwar kein Hall-Effekt, doch über zufallsbasierte Modulationen der Abspielposition und das Experimentieren mit den Feedback-Einstellungen und Routings lassen sich einzigartige Reverb-Klänge erzeugen: „Ähnlich wie ein zerbrochener Spiegel, dann noch einer und noch einer“, beschreibt Henke das klangliche Ergebnis mit einem bildlichen Vergleich. „So etwas ist mit anderen Effekten kaum hinzubekommen. Das ist definitiv ein Highlight für mich – perfekt für Vocals, aber auch für Drums.“<<