Archive for the ‘Reverb’ Category

momentan sehr dunkel, aber…

September 10, 2021

Hey, liebster Moritz reise gut weiter! Das wird Dir als leidenschaftlichem und bestens ausgechecktem Fernreisenden nicht schwer fallen. Bin gespannt, was Dir für diesen Weg einfallen wird, da ja all Deine „classics“  (die ich nahezu alle übernommen habe) – 

vom elegant eingetüteten Kaffeebesteck (je nach Tourumfang und –größe: Esbit Kocher, Herdkännchen plus Handmühle oder Siebträger), über die obligatorisch gelbe Aerobie Frisbee, den Smoothie Mixer (und Spirulina Zusätze), das Longboard, Badehose & Sonnenbrille, fetter Kopfhörer, nebst feiner Auswahl an Punkrock, Dub und Hip-Hop Krachern –

nicht mitführbar sind. Ist bei Deinem Optimismus, Deiner Neugierde und dem Erfindungsreichtum* bestimmt kein Problem!

Sprich, um Dich mache ich mir keine Sorgen, aber für uns Hinterbliebenen ist’s verdammt heftig. Und erstmal äusserst dunkel. Du und dein sonniges Gemüt, Deine Leidenschaft und Lebenslust, ihr werden auf vielen Ebenen fehlen, Dein stimmiger Sound (warm & druckvoll) ohnehin.Aber hey, wenn ich mich jetzt durch die Bilder, Nachrichten und Erinnerungen wische, kommen wieder sonnige Strahlen zum Vorschein. Ich werde bei jedem gelungen Kaffee, bei jedem imposanten Frisbee-Fang an Dich denken – danke für weit über 20 Jahre gemeinsamen Tourens, danke für die Freundschaft.
Den anvisierten Besuch bei Mad Professor werden wir in einer anderen Welt nachholen und heute Abend trommle ich einen lauten Reverbshot in Deine Richtung!

* für den inhaltlichen Blogbezug reihe ich noch ein paar musikalische Highlights aneinander:

Moritz stimmiger Sound war ein Amalgam aus Dub und Hiphop, dennoch nie aggresiv eher angenehm süffig, poppig, charmant. Er liebte einen fetten Bass, Echos und Reverbshots. In Bezug auf letztere gab es in die vielen DePhazz verschiedene Ansätze:
– immer, die von ihm zum Moment passenden, manuell gefahrenen Öffnungen des Aux-Send.
– bei meiner Timbale zu dem die Option, dass ich einen größeren Hallraum (mittels Gate) durch die Schlagstärke erzwingen kann.
PS. das Fenster-Foto stammt aus Odessa. In dieser Venue wurde die Timbale mal nur mit 4 Sekunden verhallt…

Für einen durchsetzungsfähigen Sidestick Sound wurde mit Klebe-Piezos, Klemmtriggern oder zusätzlichem Mikrofon für den Kessel experimentiert.

Ein Post über Moritz ohne Musik geht nicht. In diesem Sinn hänge ich folgende Jamaika-Juwelen dran (die ich heute Abend ebenfalls spielen werde), sowie Herrn Elsners Netzer Mitschnitt  aus dem Jahr 2006:

Hier noch ein schönes Foto von Jochen Etzels FB-Beitrag, Sommer 2016, Cro Unplugged Festival:

farbige Klebepunkte, bunter Sound

September 9, 2021

Da ich bei der Laupheimer Drummerparty (neben einem selten zu hörenden Duo-Set mit Hellmut Hattler) auch den Soundtrack zur Graffiti-Aktion von Philip Walch gestalte, habe ich mal wieder den Bildband „Hip Hop Files“ von Martha Cooper hervorgekramt, aber auch ein Ableton-File konzpiert, dank dem sich jeglicher, „auswärtiger“ Audio-Player durch die Software routen lässt, dort dann DJ-typische Effekte beim Trommeln zur Lieblingsmusik erzeugt werden können.
Sprich, ich setze aufs typische Proberaum-Setting (wo ich gerne zu vertrauter Musik spiele) eine zusätzliche Kreativebene drauf. Jetzt kann ich auch die Zuspielung ganz einfach dekonstruieren und neue Drumgrooves darüber schichten. Also, den eigenen Remix trommelnder Weise entstehen lassen!

Ich brauche die „Blackhole“ Freeware fürs Computer-interne Audio-Routing und zack kann ich Musik aus YouTube, Spotify und co. oder elegante DJ-Mixe aus djay Pro durch die Ableton Software schicken. Dort habe ich ganz traditionell einen spürbarbaren Low-Cut (auf die Taste Q), einen Send in den Hallraum (Taste R), sowie einen Send ins Delay (Taste D) vorbereitet. Beim Jammen tappe ich (mit Taste T) Abletons Songtempo für die gewünschte Echo-Subdivision.

Macht großen Spaß!
Checks aus (hier der passende Ableton Song) und/oder komm‘ am Freitag vorbei und tanz mit.

DiscJamming 2.0

Publison DHM89 & Pitchloop89

September 8, 2021

Oh yes. Robert Henke transportiert ein 40 Jahre altes Pitchshifting-Delay in Form eines M4L Plugins in die Ableton-Jetztzeit.

>>1979 veröffentlichte Publison das DHM 89. Er besaß zwei Delay-Sektionen, die kurze Audioschnipsel festhalten konnten. Deren Länge war von der gewählten Bandbreite abhängig. Das Audiosignal ließ sich einfrieren, in Segmente zerteilen und mit einer prä-granularen Methode weiter bearbeiten, um die harmonischen Komponenten zu betonen und neue hinzuzufügen.<< 

Den ganzen Artikel „PitchLoop89: Wie man in den Wald hineinruft“ gibt’s hier.

>>Eines der berühmtesten Beispiele für den experimentellen Charakter des DHM 89 ist das zwischen 1982 und 84 entstandene Stück La Création du Monde des französischen Elektroakustik-Produzenten Bernard Parmegiani:<<

>>PitchLoop89 ist zwar kein Hall-Effekt, doch über zufallsbasierte Modulationen der Abspielposition und das Experimentieren mit den Feedback-Einstellungen und Routings lassen sich einzigartige Reverb-Klänge erzeugen: „Ähnlich wie ein zerbrochener Spiegel, dann noch einer und noch einer“, beschreibt Henke das klangliche Ergebnis mit einem bildlichen Vergleich. „So etwas ist mit anderen Effekten kaum hinzubekommen. Das ist definitiv ein Highlight für mich – perfekt für Vocals, aber auch für Drums.“<<

£$P

August 29, 2021

Mensch, wir waren in der Planung für eine Live-Kollaboration mit Netzer, dann kam der Corona-Aufschub und nun ist er gestorben – gute Reise, Lee Scratch Perry!

Arno Frank hat einen schönen (ausführlichen) Nachruf für den Spiegel geschrieben.

Questlove, ebenfalls (auf IG):
>>Pure Innovation. Pure Imagination. This Man Was Plug Ins long before you studio cats today can simply press one button and instantly created sound chaos. Way before The Bomb Squad. The God Of Black Ark. the true Sound Journey. One of the most awe inspiring producer/engineers/visionaries. If you love Dub you love his work. If you love engineers of your favorite record & they come up with these freaky fx? They got it from him. And even if they don’t KNOW he is their influence I guarantee you there is no plug in creator trying to figure out how to achieve his echo/spring reverb/delay beautiful sonic chaos. Rest easy #LeeScratchPerry<<

Pinar

August 3, 2021

Der Pinienwald der Insel El Hierro hat mich beeindruckt; nicht nur seine aromatische Luft und der erstaunliche Umstand, dass die dortigen Bäume feuerbeständig sind, sondern sein direkter Auftrag zum Musikmachen – hurra, endlich wieder mal Instrumente, die auf Bäumen wachsen!

Das war, bis auf eine kleine Joni Mitchell Hörrunde, tatsächlich die einzige Musik während der letzten 15 Tage.
Auch mal gut, sich leer zu machen!
Dafür wurde (dank des sympathischen Karsten Mohr) entspannt, bewußt geatmet, abgetaucht.

In Frankfurt regnet’s – auch schön
>>Das Geräusch der Scheibenwischer erfüllte den Wagen, ein feuchtes quälendes Reiben, ein benommen machender, hypnotisierender Refrain<< (Delphine De Vegan „Loyalitäten“)
und so höre ich wieder freudig gute Refrains und liste ich mal nach, was ich in den letzten zwei Wochen verpasst hatte:

  • diese Play-A-Long Scheibe – music minus one drummer – von Jim Chapin. Man beachte den (open handed?) Aufbau mit zweitem Jo Jones Standtom! (Dazu muss ich mal Claus Hessler befragen)

Die Leichtigkeit des Seins

Juli 10, 2021

Die Dub Geschichte ist schön, aber analog zu den Rivalitäten der damaligen Freiluft-Diskos (Sound Systems), beanspruchen mehrere Protagonisten die Krone für die Erfindung dieser Spielart. Fakt ist, die mehrspurige Tonbandmaschine war die nötige Grundlage, um Bandsound und Gesang getrennt aufliegen zu haben. 
Wir schreiben das Jahr 1968. Eigentlich wollte der Sound System Betreiber Rudolph „Ruddy“ Redwood lediglich eine weitere Testpressung (die sog. Dub Plate) für seine nächste Party schneiden lassen, doch Byron Smith hat dabei versehentlich die Gesangsspur nicht mit kopiert, also nur eine instrumentale Version erstellt, die Redwood dennoch mitnahm und mit großem Erfolg mehrfach hintereinander spielte. Der gesanglose Paragons Hit „On The Beach“ erzeugte ein derart wohlwollendes Hurra – weil Mitsing-Erlebnis im Publikum – auf dass die „Version“ fortan zum Standard jeder Produktion wurde und schließlich auf der B-Seite der Singles ihren Platz fand.

Spätestens ab 1972, nachdem King Tubby das von Byron Lee ausgemusterte 12 in 4 Kanal MCI Mischpult übernommen hatte, folgten die experimentellere Dub Versionen mit den typischen Merkmalen wie freigestellter Bass/Schlagzeug Rhythmus, ausufernde Hall-und Echoeffekte, Hochpass Filterung, Kompression. 
Ab diesem Zeitpunkt wird sogar einem Haus, einer Wohnung oder einem Raum, nämlich jeglichem Tonstudio zugestanden, Instrument zu sein.
Der eigentliche Inhalt der Dub-Geschichte ist sommerlich-frisch klingender Sound, der seit 50 Jahren nicht nur die Musik-Collage hochhält, sondern immer wieder für relevante Weiterentwicklungen (Cut & Paste, Remix, DJ Culture) und Überraschungen sorgt.

Passend dazu der Halbfinal-Bericht der taz: >>Die außergewöhnliche fußballerische Leichtigkeit an diesem Abend (mit Vorteilen auf spanischer Seite) verband sich mit der Leichtigkeit des Seins (mit Vorteilen auf italienischer Seite). Eine Kombination, die diesen Abend erst einzigartig werden ließ. In 120 hochemotionalen Minuten musste der Schiedsrichter nur dreimal zur gelben Karte greifen. Auch bei den eifrig hinterherlaufenden Italienern ging es stets darum, irgendwie ins Spielen zu kommen.<<

Foto: Laurence Griffiths/Reuters via taz

In diesem Sinne: Auf ein schönes Endspiel morgen!
Und wer davor noch Lust auf intermediale Echtzeit-Kollagen hat, der besucht unser drittes und letztes Moment:an Kopfhörerkonzert um 20h im Frankfurter Ono2.

Stockspender & Instrument

Juli 7, 2021

Carter McLean zeigt im IG seinen „vintage stick holder“, der rein optisch mehr als nur Stöcke bereit stellen kann. Meine Fantasie gleitet von Guiro über Reco-Reco hin zur Hallspirale:

Kunst (Echo) im öffentlichen Raum

Juni 9, 2021

Schöner Tag in Frankfurt: bunte Hochzeitserinnerungen und mal wieder ein frei zugängliches Effektgerät (Echo Chamber) im öffentlichen Raum.

(file under: Hallkammer)

Why to jam with a DJ, what to add to complete tracks?

Mai 29, 2021

It’s about energy, it’s about interaction, spontaneous improvisation that leads to a unique experience, it’s about traceability, it’s about adding human factor, it’s about uniting acoustic and electronic approach, it’s about sweating and funk (contrary to Kraftwerk’s ideal of an electronic performance with drummers that don’t sweat), it’s about teamwork, it’s about the moment („im Präsens zu Hause sein“), it’s about energy!

And for us drummers it’s about opening the ears, about being totally concentrated and focused, about reacting, about learnig how the counterpart thinks, about flowing togehther, about anticipating things, about being risky, about being brave, about sometimes fearless taking the helm, about letting go… and above all: it’s about making music together.

We have a lot of vocabulary in our backpack that we could add to enhance the story and we just can think of some strategies in advance. Here some thoughts in relation to my jam with the Soulphiction mix:

– usually I would play a lot of four on the floor to this kind of tracks. But the kick pulse is already existing, so maybe I also consider playing around the programmed bass drum and double it only on selected parts.

– to tune the acoustic kick higher would also help not to compete with the bass frequencies of the playbacked music.

– thinking in frequencies also helps with your other instruments

– thinking of patterns as well: do I double what I hear (whole groove or some accents only) or can I fill some gaps of the existing beat? Complete drum groove or overdubbed percussions (or hybrid combinations of both ideas)?
According to the four on the floor question: do I need a backbeat all the time?
Or in a more radical way: beat or texture?

– thinking of attitude: flowing with similar shuffle degree or behaving like a complete different breakbeat that is layered on top?

– think of colours: what sound possibilities do I have? Only acoustic options (different sound zones, preparations, various stick materials) or also electronic instruments?
[I also like to using a full e-drum kit when jamming with a DJ, as I can route my output through his mixer and be nothing different than „a third record“ that he could tweak.]

– In my exampled I had the following sound options:
A. Four different cymbals: a main hihat (14“ Meinl Byzance Jazz), a deep and rough second hihat (18“ Anika Nilles Deep Hats) that also work as a beautiful ride, a thin crash (18“ Byzance Vintage Crash) for accents and swells and a 22“ Sizzle-China (Byzance Jazz China Ride) for textures or flow.B. Wood and dual sticks (with felt on the back side, VicFirth 5a and 5adt), (VF heritage) brushes and rutes (VF Remix Brushes), plus additional shakers (Meinl Caxixi & Luis Conte Shaker).
Meinl Waterfall and Chimes for special transitions. A cardbox clap for an optical „what’s this?“ effect…
C. Preparations. To dampen and reduce overtones: Meinl Waterfall on top of the hihat, BFSD Donut and Little Muffkopf for the snare drum: Meinl Dumbal for more electronic vibes on the snare. Last but not least: play with the snare strainer and put wires on and off.
D. Electonics: a Roland SPD:One Electro (for typical claps or noisy efx with a long reverb tail), Boss RE-20 for additional groove layers or dub effects. Both boxes can be tweaked intuitivley

– be aware of the arc of suspension (of the DJ, of your playing over a track, of your playing over the whole set), of breakdowns and drops, of pauses and silence, of air to breathe…

With both videos you get a full insight in my realization and you can watch me drumming and follow my brain working 🙂

My advice: grab a nice DJ mix, have fun while drumming along (and record your performance to analyze your trip with time distance) .
General advice from Billy Heart: »It’s not how many things you know, but how many ways you can play one thing«.

Hey and if you want to support the master’s family: the „go fund me“ page for Soulphiction will be continued until the weekend.

Live Techno from Berlin from Munich

Mai 18, 2021

Tipp: Tim Sarhan mit Komfortrauschen, live Stream um 20:30h aus der Münchner Unterfahrt.
A-, E- und FX Drums galore!