Archive for the ‘Attitude’ Category

kunstvoll glücklich

Januar 25, 2022

Ich sprach neulich mit Wolfgang Haffner über den nach wie vor großartig aufspielenden Randy Brecker und er zeigte mir daraufhin die Doku über die Bigbandaufnahmen von Frank Sinatra und Quincy Jones, die (Randy zu seinen Karriere Highlights zählt) im Album L.A. is my Lady (1985) mündeten.
Es ist herzergreifend und wohltuend zu sehen wie all diese Ausnahme Musiker (drums: Steve Gadd, Irving Cottler, Leon „Ndugu“ Chancler, John „J.R.“ Robinson) und Mitschaffenden nicht nur großen Respekt vor dem Megastar haben, sondern hochmotiviert freudig agieren.
Leider findet sich im YT nicht allzu viel Filmmaterial, so auch nicht die Szene, die perfekt zum folgenden „Mack The Knife“ Recording gepasst hätte: dort sieht das handverlesene Publikum und die Musiker am Ende des Arbeitstages wie sie zum abgespielten Version tanzen und mächtig Freude versprühen.

Ähnlich intrinsisch motiviert, um nicht zu sagen besessen, ist die fränzöische Tennisspielerin Alizé Cornet. Seit 17 Jahren ist sie auf der Grand-Slam Tour dabei, jetzt steht sie nach ihrer 63. Teilnahme erstmals überhaupt im Viertelfinale (heute Nacht ab 1.00 Uhr). Glücklich und mit eindeutiger Bestätigung des Mottos „Es ist nie zu spät, es immer wieder zu versuchen.“

Im Instagram zeigt Jerry Saltz ein Videoschnippsel, den er Studierenden zeigt, die ihn fragen: “What is art?“

Und bevor ich jetzt ebenfalls beseelt in die Musikhochschule tingle, besuche ich noch kurz die „Rock School“ und lasse mir von Omar Hakim zeigen, wie man den Clicktrack musikalisch umspielen und seine Hihatfiguren tanzen lassen kann.

schlechter Tag?

Januar 18, 2022

Jerry Saltz zitiert in seinem Buch „How to be an Artist“ (2020) den Maler Stanley Whitney:

>>A bad day is a good day,
because a bad day is
when you’re trying to take it to a different level.<<

Perspektive wechseln, Situation drehen. Geht!

Und dann (bzw. falls nicht): Marokkanischer Minztee 🙂

Prenez le temps de sourire

Januar 1, 2022

Heute vor 50 Jahren lächelte dank Franklin Loufrani erstmals ein gelbes Smiley-Rund vom Titelblatt der französischen „France Soir“. Auffordernd und ansteckend: Prenez le temps de sourire!
Eins a Motto auch für 2022, oder?

Und Wikipedia weiß noch schlau hinzuzufügen: >>1938 schrieb Ludwig Wittgenstein, dass durch einfach gezeichnete Gesichtsausdrücke flexiblere und vielgestaltigere Beschreibungen als nur durch Adjektive möglich seien.<<
Hi hi 🙂

Hände runter, ich bin Frankfurter

Dezember 31, 2021

Auch wenn’s dieses Jahr öfter mal dunkel war, habe ich vorhin gecheckt, als ich völlig geblendet in die tief stehende Sonne radelte, dabei nichts sah und dennoch unbeirrt und zuversichtlich weiterfuhr, dass es offenbar gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht alles sehen kann.
In diesem Sinne jetzt einfach noch eine Runde trommeln und mein Jahresausklangsalbum hören (Garbareks „Places“ mit dem tollen Jack DeJohnette). Alles wird!

Selbst wenn die beiden Tagesbilder diverse Vorsätze für 2022 vermuten lassen (teilen, Midi-Setups, klare Attitude und viel Kunst; Umweltbewußtsein und gigantomanische Ziele), will ich mir an diesem Silvester bewusst mal nichts vornehmen…let it flow…

Außer vielleicht den Programmpunkt „Wie Hip Hop nach Deutschland kam“ auf die to-watch-Liste schreiben (damit wäre auch der Kreis zur Überschrift geschlossen).

Water, Drones & Freeze

Dezember 20, 2021

Eigentlich wollte ich Gunbuns Experimente mit Echogerät und EHX Freeze Pedal verlinken („textured Drones“) und darüber berichten, dass ich zufällig zur Zeit auch mit einem Freeze Pedal herum hantiere, besser gesagt mit einem Hallgerät, das über eine schön musikalische Freeze Funktion verfügt: Eventides Black Hole.


Nun wird es erstmal nur eine Notiz, da mich Trilok Gurtus kreative Schlagzeugkunst an ein Triokonzert von 1989 fesselt:

1990 hatte mich das Album John McLaughlin „Live at the Royal Festival Hall“ schon völlig umgehauen, dass ich Jahre später sogar mal einen tollen Gig mit Kai Eckhardt spielen durfte, stimmt mich rückwirkend stolz, aber jetzt möchte einfach ein paar tolle Trilok Momente dieses Theaterhaus-Abends hervorheben:
– mit zwei Egg Shaker als Stockersatz, die virtuos über die Tempelblocks fliegen, beginnt das Konzert bzw. der Titel „Florianapolis“.
– natürlich, das Wassereimer/Hall Solo in „Mother Tongues“
– und generell: der besondere Setaufbau (ohne Bassdrum, mit Melanie Drums Tri Fantoms Drums und Cable Hihat), der mal sitzend, mal knieend, mal stehend bespielt wird; die fantastische Kombi aus Schlagzeug und Perkussion, die Verschmelzung von traditionell-indischem und jazzig-amerikanischem/europäischem Grooveverständnis, die zusätzliche Einbindung von Silbensprache und Mouthpercussion; wow!
Last but least: Triloks Technik, Gurtus Sound!! Hybrid trägt einen Namen…

Graswurzel!

Dezember 15, 2021

Habe ein neues Wort kennengelernt, die Graswurzel-Idee: engagierte Menschen setzen sich für kluge Ansätze jenseits des Mainstreams ein.
Dazu das tolle Beispiel von Liu Shutong: Er sammelt altes Speiseöl ein, damit es zu Biodiesel veredelt werden kann. Damit löst der Chinese gleich zwei Probleme auf einmal.

Die passende Installation („Growing Goals„) ist von Maarten Baas.

das schönste YEAH seit langem

Dezember 6, 2021

In der heutigen taz stellt Lars Fleischmann das musikethnologische FLEE Projekt vor, das von drei Nachfahren im Geiste von Alan Lomax vollmundig kuratiert wird. In dem lesenswerten Artikel wird nicht nur die Beziehung von Taranteln und Tarantella in Süditalien beleuchtet, sondern auch das klangliche Vermächtnis der Perlentaucher am Persischen Golf.
In puncto kultureller Aneignung fällt folgendes Statement:
>>Wir denken immer mit, dass wir Fremde und Außenstehende im jeweiligen Forschungsfeld sind. Es muss mit dem nötigen Respekt aber möglich sein, über musikkulturelle Phänomene zu reden, selbst wenn man aus nichtmusikalischen Feldern und anderen Weltgegenden stammt.<<

tiefes Hören, tiefes Eintauchen

Dezember 4, 2021

Gerade musste ich der Kontext Wochenzeitung entnehmen, dass Hermann Bausinger, der „Tarzan-Professor“ am 24.11.21 mit 95 Jahren gestorben ist. Ihm, dem es >>stets gelungen sei, auf der „dialektischen Argumentationsschaukel noch jedes Ungleichgewicht“ ins Lot zu bringen<< durfte ich während meines einzigen Studium-Semesters all wöchentlich zuhören, damals 1993 während der Einführungsvorlesungen in die empirische Kulturwissenschaft.

Foto: Manfred Grohe


Dazu läuft im Hintergrund (obschon genau so nicht angedacht) das „Deep Listening“ Album von Pauline Oliveros:
>>Ich unterscheide zwischen Hören und Zuhören […] Hören ist das physische Mittel, das die Wahrnehmung ermöglicht. Zuhören bedeutet, dem Wahrgenommenen Aufmerksamkeit zu schenken, sowohl akustisch als auch psychologisch.<< (Quelle)
Gut – versprochen, ich werde später mein Handy verlegen und mich einem Lieblingsalbum widmen (so wie Randall Roberts letzten März vorgeschlagen hat)!

Denn jetzt möchte ich nochmals zurück zur Empirie und zu meinen Versuchen, das Schlagzeugspiel durch zusätzliche Elektronik ästhetisch aufzuhübschen, ohne eine heimliche Orientierungsspur (Clicktrack) zu verwenden. Denn diesbezüglich bin ich gestern Abend – mittels Ausprobieren – einen großen Schritt weitergekommen:
Im Echodrums-Konzept nimmt die „Tap Tempo Taste“ eine Schlüsselposition ein – ich kann nämlich völlig frei lostrommeln und dank dieser Funktion den Effekt „mitziehen“, und zwar ähnlich einfach wie ich mich für einen zusätzlichen Schlag z.B. auf ein Tom Tom entscheiden würde.
Mit der Arturia Drumbrute Impact Rhythmusmaschine, die ebenfalls über „Tap Tempo“ verfügt, gelang es mir nun, nicht nur einen elektonischen Drumloop mituziehen, sondern zusätzlich auch die Geschwindigkeit meines Echos (via Time Bandit und external tap Input im EHX Memory Man Delay) und des LFO des Erica Synth Filters (Acidbox II) fernzusteuern. Eine Tap Tempo Taste für drei unterschiedlich bereichernde Geräte: wow! Die Möglichkeiten häufen sich (nachdem sich ja neulich schon der tap-bare Boss Phaser PH-3 seinen Platz auf dem Pedaltrain verdient hatte).
Stay tuned!

The Orchestra

November 28, 2021

Jetzt wird DAS Orchester gelobt, beziehungsweise ein Trinkspruch auf das „Tbilisi Symphony Orchestra“ ausgesprochen, das unter der Leitung des einmaligen Vakhtang „Vato“ Kakhidze gestern in Georgiens Hauptstadt die zweite Version des DeCapo Materials (also: DePhazz mit vielen Instrumenten) realisierte.
Es war großartig (nach meinem Schüleraustausch 1990 und dem DePhazz Konzert 2015) mal wieder in dieses wundbare Land zu reisen. Ein kurzer Ausflug in etwas schrägen Zeiten, aber ungeheuer erfüllend (musikalisch wie kulinarisch) und wohltuend! (Quasi der direkte Beweis zu meiner Reiselektüre: Prof. Stefan Kölsch „Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik“).
Für einen stimmigen Drumsound im Konzertsaal habe ich wieder mein leisestes Beckenset, sowie alle vorhandenen Muffins und einen Donut für die Trommeln in den Koffer gepackt und die Stöcke sehr weit vorne angefasst 🙂

Im Flugzeug lief übrigens der fünfzehnminütige Kurzfilm „The Orchestra“ – auch er/es wird gelobt!

PS. während die Band in Tiflis probte hat Mastermind Pit ein neues Album, nämlich DePhazz „The Instrumental Versions“ in den digitalen Hörraum gestellt und es mit #extremelounge ge-tagt:

trommelnde Vögel

November 4, 2021

>>Mich interessiert vor allem, wie ich mich weiterentwickle. Ich übe schon mein ganzes Leben lang Trommelwirbel. Die einzigen, die es wirklich können, sind die Spechte, die ich im Wald höre. Die spielen die schönsten Wirbel und das macht mich verrückt, weil ich seit sechzig Jahren diese Wirbel übe und die verdammten Spechte üben überhaupt nicht dafür – und dann kommen sie und wirbeln wieder.<<

Han Bennink im taz Interview. Dazu höre ich die 74er Solo Platte:

Um die Ecke – in der nmz November 2021 – erklärt Moritz Eggert passenderweise, wie man eigentlich neue Musik hört.

OK. Jetzt kanns weitergehen, mit Han Bennik und Misha Mengelberg. Wow, Attitude & mächtig viel Energie!
Notiz an mich selbst: bei der nächsten Performance möchte ich Mishas Brilleneinlage kopieren!

Ab Minute 8.00′ gibt’s auch beim ICP Duo Spechte. Und die Kastagnetten, die Benning im taz Interview erwähnt und bald selbst im Mund tragen wird…

Last but not least, der Link zum Cheese Kit.