Archive for the ‘Attitude’ Category

Die kuratierte Lücke

April 21, 2017

Sehr schöne Überschrift aus der taz vom 21.04.17FullSizeRender 2.jpg

Die Musik … fasst mich an, das ist alles

April 21, 2017

>>Während wir warten, frage ich Frau Stolte, was sie damit meint, dass Musik »sie anfasst«.
»Gute Frage!« sagt sie und neigt dabei den Kopf, als wäre sie noch Lehrerin und ich ein Grundschulkind. » Schwer zu sagen, was es ist. Was hörst du denn gerne?
[…DEINE Antwort einsetzen…]
Frau Stolte neigte den Kopf noch weiter. »Dann kennst du vielleicht das Gefühl, dass dich ein Klang anweht wie aus einer anderen, einer höheren Welt. Das kann die Melodie sein, das kann aber auch der Text dazu sein. Wenn beides zusammenkommt, ist es magisch. Ganz ohne Musik geht es aber nicht. Musik muss sein. Wenn Schubert spielt, dann mag ich nicht nur die Musik. Ich habe das Gefühl, dass die Musik auch mich mag und mich alleine meint in diesem Moment, verstehst du? Dann fasst sie mich an. Das ist eine Berührung. Dann bin ich fröhlich und traurig zugleich. Glücklich.«<< (Seite 270) >>Das ist Jeany, sie hat mir den Kopfhörer vom Ohr gehoben und schaut mich besorgt an.
[…]
»Ich weine doch nicht! Ich bin glücklich!«
»Und ob du weinst, ich seh’s doch! Was ist denn los?«
»Die Musik … fasst mich an, das ist alles.«
Es ist, als würde in mir etwas Lebendiges wachsen, direkt hinter dem Gitter der Rippen, leicht oberhalb des Magens. Und ich muss nur auf PLAY drücken, um es zu genießen.<<

Arno Frank „So, und jetzt kommst du“ (Tropen 2017, Seite 276)

PS. Selten hat ein Roman bei mir das Bedürfnis erweckt, den Schreiber dahinter kennenzulernen. Mitreissend & heftig, ein tolles Buch, dessen komprimierte Vorform hier als Dummy-Abenteuergeschichte nachzulesen ist (wortwörtlich – am besten aber erst im Anschluss an die 352 gedruckten Seiten).

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[Picto by Luis Prado from Noun Project]

buoyant

April 17, 2017

Neues Wort gelernt: buoyant heißt beschwingt und beschreibt ganz gut das Halftime Konzept des Reggae: One Drop! Hierzu eine Einführung von Meister Copeland:

Selbstverständlich nicht ohne #echodrums

 

the invitation to literally invent

April 17, 2017

Gary Husband schreibt seinen persönlichen Nachruf zum Tod von Allan Holdsworth im FB auf: >>Yesterday I received the most devastating news of the passing of my spiritual and musical brother Allan Holdsworth. And along with that news came the realisation I had now witnessed the conclusion of the last chapter of probably what will always be known by me as the most significant musical relationship of my life. The journey that began in the later 1970s in a studio in London – a first time ever trial playing situation for us – where time and space seemed to evaporate and give vent to suddenly this otherworldly, uncannily effortless, intense communication and empathy of the nature and height I could have only dreamt possible. I remember wondering afterwards, as we were packing our gear, if we’d ever reach that again or even get to play together once more.
And it did. And we did. And though the albums IOU, Metal Fatigue, Atavachron, Sand, Wardencliffe Tower, Then, Hard Hat Area etc, that serve to document the handful of decades we were able to develop together, I have vivid memories, still, of the experiences of many incredible improvisational musical heights together, in many live settings, of the kind I will not experience the like of again.
With Allan I had the invitation to literally invent. I knew it was totally unique music. Yet strangely it was music I felt – almost as naturally as if it had come through me.
The unique harmony, the unique signature pushes & pulls in tempo, the pauses and the inherent rubato, up alongside all the straighter grooves that all felt so completely natural to me I was mystified at so much of the confused reaction the music provoked in people. I had no idea why it was regarded convoluted, complex or unusual.
So not only was this the most comfortable playing situation for me I also was afforded the luxury to approach and form all drum approaches to the pieces from my own imagination. Occasionally I’d come up with something, and I’d quickly know if it wasn’t an instant success. But mostly it was. And little was said, virtually nothing ever rehearsed, and it just all got recorded that way and performed that way while expanded upon live.
IOU was to essentially document as good as possible version of pieces we had been performing for a good while. But from Unmerry-Go-Round – the wonderful piece where I worked alongside Allan to form the rhythmic structure – it was about an approach to drum composition – how the drums worked conceptually – as much as it was also the playing side of things. This started to really expand particularly on the recordings for the albums Atavachron and Sand.
I would love to elaborate on all these periods. Perhaps in the form of a book sometime. […]<<

Ich höre jetzt noch die Platten durch, deren Überschriften mir am besten gefallen:

Allan Holdsworth „Metal Fatigue“ (1985)

Gong „Gazeuse!“ bzw. „Expresso“ in den USA (1976)

The New Tony Williams Lifetime „Believe It“ (1975)

The New Tony Williams Lifetime „Million Dollar Legs“ Track: „What you do to me“ (1976)

Und Ali Neander schreibt ebenfalls im FB schön dazu:
>>Jetzt beginnt also die Geschichtsschreibung….Leute,hört Euch das nochmal richtig an.Lasst uns diesen Typ feiern,diesen seltsamen Schrat, der anders und unfassbarer war als alle Anderen….und das als Aufforderung verstehen alle etwas eigenartiger, individueller und interessanter zu werden.<<

Allan Holdsworth „Low Level, High Stakes“ (1993)

die Freiheit des Techno

April 13, 2017

… und das Prinzip von Anspannung und Entspannung, bzw. Aufstieg und Abfahrt (Achterbahn!) sind die Bottomline der einstündigen Arte Doku „Willkommen im Club – 25 jahre Techno

PS. Marvin programmiert DAS Techno…

Perfect Balance, Einstein & Coltrane

April 12, 2017

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Derartige Koinzidenzen gefallen mir ja sehr gut, auch wenn ich sie wie in diesem Fall nicht einmal nachvollziehen kann: Nämlich, dass der Coltrane-Circle (ein vom Meister gemaltes Bildgeschenk für Yusef Lateef, welches seinen personalisierten Quintenzirkel darstellt) dem gleichen geometrischen Prinzip folgt, das Albert Einstein zu seiner Quantentheorie motivierte.
Dazu verlinke auch gerne den Artikel „The Secret Link Between Jazz and Physics: How Einstein & Coltrane Shared Improvisation and Intuition in Common“ und verweise auf Stephon Alexander, der in beiden Welten zuhause ist, in der theoretischen Physik und im Jazz.

Steige selbst aber aus bzw. um und widme mich der etwas einfacher gehaltenen Überschrift „Rhythmus & Geometrie„. Da fällt mir gleich als erste Querverbindung die Vorlesung von Gerhard Kühne zum Thema „Groove based Design“ ein und dann versinke ich in der Freeware XronoMorph, die geometrische Formen in Rhythmus übersetzt. Etwas genauer:
>>Each rhythmic layer is visualized as a polygon inscribed in a circle, and each polygon can be constructed according to two different mathematical principles: perfect balance and well-formedness (aka MOS). These principles generalize polyrhythms, additive, and Euclidean rhythms. Furthermore, rhythms can be smoothly morphed between, and irrational rhythms with no regular pulse can also be easily constructed.<<

Dynamics & Personality

April 4, 2017

Schönes Beispiel zum Thema „stiefmütterlicher Spielauftrag des Notentexts“ und den großen Freiraum bzw. die Wichtigkeit der persönlichen Interpretation!
Viel Freude mit Bach, Leonard Bernstein und Glenn Gould (aus dem Jahr 1960):

[File under: mit dem Instrument verschmelzen, Extremdynamik, „Hand-auf-heiße-Herdplatte-Anschlag“ für vollen Ton]

lokal?

März 27, 2017

In den letzten Tagen kam – unausgesprochen, dreifach – das Thema Verortung auf.

Im Carsharingauto war DLF eingestellt und so hörte ich den Beitrag „Räume für das denkende Ohr“ über die Zukunft des Konzertsaals. Dabei erfuhr ich, dass der Begriff der „soundhouses“ Francis Bacons berühmtem „Nova Atlantis“ (aus dem Jahre 1627!) entstammt und sie  >>Tummelplätze eines Musizierens [sind], das zwischen Ausführen und Experimentieren noch nicht trennt.<<

Auf der Ableton Webseite wird in einer Nachschau zum letztjährigen Loop-Festival folgender Frage nachgegangen: >>Welche Rolle kann unsere örtliche Umgebung oder Region beim Musikmachen noch spielen, wenn unser soziale Interaktion und Musikrezeption größtenteils online stattfindet?<< Sehr spannend!
Was ist „lokal“? Musikmachen in einer hypervernetzten Welt

Gestern kam es zum exotischen Ausflug (im wörtlichen Sinn), in einem Piper 28 „Archer III“ Leichtflugzeug. Eine postiv-aufwühlende Erfahrung, dem Tauchen nicht unähnlich: anstelle der Sauerstoffflasche und dem Neoprenanzug hat man es beim Sportflugzeug mit einem kleinen Motor und leichter Aluminiumhülle zu tun, aber in beiden Fällen bewegt man sich anschließend – merkbar – in Gefilden, für die der Mensch eigentlich nicht gemacht ist. Sprich: man befindet sich am „falschen Ort“ und dennoch ist es wahnsinnig schön…

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(mit Norbert Saemann und Micha Buchner ÜBER der Firma Meinl)

Sog

März 23, 2017

Ob das jetzt physikalisch Hand und Fuß hat ist für mich zweitranging, die Bottomline fürs Zwischenmenschliche jedoch, finde ich klasse: „Sog statt Druck“

>>Im Leben braucht man keinen Druck, sondern Sog. Wer fliegen möchte braucht Thermik. Flugzeuge fliegen weil Sog aufgebaut wird.<< Götz Werner im Standard

You’ve got it!

März 22, 2017

Passend zum diesjährigen Hundertsten, hier ein paar Ratschläge von Thelonious Monk (die sich Saxofonist Steve Lacy 1960 notiert hatte):

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Das Transkript gibt es dort.