Archive for the ‘Attitude’ Category

der Trigger

Januar 25, 2023

In unseren kleinen Schlagzeugwelt ist der Trigger ein aufs Fell gedrückter Piezo, der die getrommelten Impulse weiterleitet – beispielsweise zum Drumsynth, E-Drum-Modul oder in den Eingangskanal des Audiointerfaces – um dort einen zumischbaren, elektronischen Klang auszulösen.
Aus dem medialen Alltag kennen wir die Triggerwarnung. Dass jedoch der damit verbundene Trigger komplex, vor allem eine persönliche Problematik ist, die sich auf erlebte Traumata bezieht, erklärt Thomas Weber in der heutigen taz und deshalb fordert er einen präziseren Sprachgebrauch. Letztlich geht es mehr um Sensibilität und einen maßvollen Umgang, weniger um einen permanten alarmistischen Zustand.
(Und dabei entsteht dann doch ein ganz klare Parallele zu unserem gleichnamigen Musik-Werkzeug: der Sens-Regler bestimmt eine stabile Funktion. Ein Zuviel löst doppelt aus, zu wenig, führt zu Unklarheit. Die Art des gewählten Klangs, ein angemessenes Mischverhältnis sorgt für anhaltenden Wohlklang, wohingegen Alarm kurzfristig durchaus effektiv zu überraschen vermag, dauerhaft jedoch unangenehm nervt…)

to be connected with the rhythm section

Januar 25, 2023

Und so geht Alltag: man will einen kleinen exotischen Schnipsel posten, indem fachfremd gewerkelt wird – in dem Fall: die Saxofon Ikone spricht über Time und setzt sich illustrierend dazu seit langem mal wieder hinters Schlagzeug.

Zack, führt mich YouTube von Michael Brecker zu Jaco bzw. beide zu Joni Mitchell. Ich entdecke mein Lieblingstrack mit Vinnie „Win Win“ Colaiuta, Larry Klein und Michael Landau („You’re so Square„) in einer Live-Version – oh, toll – direkt auch noch einen kompletten Konzertmitschnitt dieser Besetzung.
Und der Tag sollte wieder 27 Stunden haben…

Anyway: nostaligisch, lehrreich und wohltuend war’s dennoch! In den Lektionen von Ian McEwan finde ich den dazu passenden Satz: >>Er liebte das Gefühl, keine Wahl zu haben. Er ließ alles hinter sich. Wunderbar.<<

Ach ja: an der Frankfurter HfMDK beginnt heute das viertägige Jazzfest. Keine Angst, ich komme!!

best part

Januar 22, 2023

Ich flipp aus: hier in der ARD Mediathek mein toller Opa vor 60 Jahren! Feuer und Flamme für die Musik!

Nicht nur, dass er mir immer besonders nah war und auch meinen nicht-klassischen musikalischen Weg vollkommen respektierte, es gibt ganz schön viele Ähnlichkeiten (optische und inhaltliche). Und spätestens nachdem ich ebenfalls mit dem Bücherschreiben begonnen hatte, dann auch noch an der Musikhochschule gelandet bin, um mit SchulmusikerInnen zu arbeiten, gibt’s auch den offensichtlichen Schulterschluss.

Jedenfalls gehe ich hochmotiviert in den Proberaum, um mich auf die anstehenden Workshops vorzubereiten:
10.-12.02. Drum Weekend Regensburg (mit Richard Spaven, Flo Dauner, Gerwien Eisenhauer und Maxbeatwerk)
22.04. Drummertag Bühl tbc
17.-19.11. Percussion Creativ Teachertage

Mit meinem Großvater im Geiste „dirigiere“ ich dort schon vorhandene Lieblingsmusik. Präziser ausgedrückt, ich strukturiere die Konserve mit manuell gesteuerten Effekten, also durch Stummschaltung, Filterfahrten und der Beschickung von Hall- und Echogerät.
Sprich, ich tauche ein in die Momentmusik des Live-Remixes.
Hier mal Jordan Rakei „Best Part“:

Das auf mono getrimmte Playback wird mittels einer zweifkanaligen DI-Box gesplittet.
Davon führt das eigentlich Playback (das, zu dem ich trommle) erst durch den Erica Synth Filter, dann via Mute-Button Option zum Solton Leslie.
Die beiden anderen Splits werden jeweils über einen Send-Button in den Hallraum (des Avalanche Run Pedals) bzw. ins Echo des EHX Memory Man geschickt.
Zack wird man als passionierter Musikhörer und Drummer auch zum DJ und Remixer!

PS. 1000 Dank an Peter Schindler für den Fund des Filmbeitrags! #bernhardbinkowski

Neujahrswunsch

Dezember 31, 2022

Ideen, Ziele, Pläne. Zukunftsvisionen und Träumereien.
Antriebskraft!
Dann intensives Getrommel.
Gute Energie, auch um die Welt zu verbessern.

Das fände ich eins a.

Der prompte Idealzustand, wäre ein zu märchenhafter Wunsch. Kaum eine tradierte Fehlstellung lässt sich auf Anhieb optimieren.
Deswegen auch die Styropor-Schachtel aus dem tibetanischen Bistro…
Doch wenn wir uns immer wieder deutlich positionieren, aktiv mitarbeiten und geduldig-beharrlich dranbleiben werden uns kleine, aber konsequente Schritte helfen, ein empathisches und friedliches 2023 mitzugestalten.

Ich bin zuversichtlich!

PS. Der Soundtrack zum Jahreswechsel kommt von Patrice Rushens „Posh“ Album (1980). Vor allem die Schlußnummer „This is all I really know“ kommt aus der Dauerschleife ncht mehr raus…

keinerlei Erwartungsdruck, Freude pur

Dezember 16, 2022

Der tanzende Salon war ein wunderbarer Saisonabschluß! Da kam alles Gute zusammen, Improvisation, Interaktion, DJ Culture und ein tanzendes Publikum.


Ich hatte mir heute nach dem Aufwachen die Frage gestellt, warum ich so gerne mit einem DJ jamme, also zu ausgesuchten Tonträgern schlagzeuge, die eigentlich vollständig sind, jeder einzelne auf seine Art sogar der Idealzustand…
Der Schlüssel liegt vermutlich im Umstand des völlig Unbekannten, das keinerlei Erwartungshaltung zulässt. 
Sobald jedoch Vorboten der eigenen Interessen erklingen (sei es ein angenehmes Tempo, ein geliebtes Genre oder sogar was Vertrautes, schon Bekanntes), stellt sich beste Laune ein. Im folgenden wird die weitere Entwicklung neugierig und konzentriert mitgehört, einzuordnen versucht: dabei werden Riffs und Links gescannt, gar geschwind auswendig gelernt, Spannungsverläufe registriert, um sie in der Wiederholung zu unterstützen, auf Breakdowns und Kick Drops so schnell wie möglich reagiert… Selbstvertrauen stellt sich ein, mehr und mehr vergrößert man die eigene Risikobereitschaft, macht Beats klar, wo das Playback noch in diffusen Rhythmusfragmenten schwebt, versucht Wendungen zu antizipieren und vorzubereiten, übernimmt kurzerhand durch bloße Lautstärke, Rhythmusdichte oder sonstige Energie mal das Steuerrad für den Dancefloor…
Ich könnte noch 1000 weitere Gründe aufzählen, doch eigentlich verhält es sich äußerst simpel: für mich gleicht anregende Musik einer Einladung direkt mitzumachen, mein Hochgefühl eins zu eins in (getrommelte) Energie umzusetzen. Im Idealfall springen dabei Funken ins Publikum und füllen den Tanzboden, transportieren letztlich kleine Glückhäppchen, die bei der einen oder dem anderen wirken (wie Eiskonfekt bei mir).
Der Jam mit dem DJ ist großartig, meine Königsklasse jedoch ist der improvisierende Verbund von DJ und Band. Plötzlich sind nämlich mehrere Bälle gleichzeitig im Spiel, die allesamt nicht nur in der Luft gehalten werden sollen, sondern bitte formschön, elegant und inhaltlich stringent zu einer Super-Choreografie verbunden werden wollen. Eine Art Simultanschach mit Tönen und Beats. Und im Minutentakt entsteht Neues. Gehen darüberhinaus ab und an die Hände in die Höhe oder schalt ein „yeah!“ durch den Raum, dann hüpft mein Herz mit vermutlich 126bpm…

Passend dazu schreibt Antonio Sanchez zeitgleich im IG: >>Playing in a band is one of the best exercises in democracy. It encourages individualism/self expression but you’re all working towards a bigger goal. The exercise also fails if you’re not constantly looking out for one other. Everybody should try it at some point in life.<<

Matrjoschka Kit

Dezember 11, 2022

Die Preise meines Carsharing-Anbieters haben kräftig angezogen, so dass ich mittlerweile innerstädtische Gigs (fürs gleiche Geld bzw. gar für weniger) mittels von der Free Now App vermittelten Fahrservicen (Taxi, Ride) ansteure.
Hey upgrade, da noch deutlich bequemer, als selbst zu fahren: der genau benötigte Zeitrahmen muss nicht mehr im Vorfeld geschätzt und im Verlauf des Events im Auge behalten, das benötigte Auto nicht selbst besorgt werden, man wird direkt am Ort des Geschehens herausgelassen, muss lediglich ausladen, auch die anschließende Parkplatzsuche entfällt. Top.
Doch dieses System funktioniert nur dann reibungslos, solange das Taxi direkt ein Venue anfahren kann.
Ist das nicht Fall, wird’s hackelig.
Denn es ist mir selbst mit übersichtlichen vier Gepäckstücken nicht möglich, alles Equipment gleichzeitig zu bewegen.
Sprich, ich muss telefonisch um Trage- oder Aufpass-Hilfe bitten oder auf gut Glück einen Teil unbewacht stehen lassen.

Insofern habe ich mein Reiseset noch weiter reduziert, damit es notfalls auch in einem Rutsch geschoben und getragen werden kann. Alles Material passt nun in ein Bassdrum Gigbag und eine rollbaren Reisetasche.
Ich habe das Kick-Resofell (vom Meinl Drumfest 2010) in Anlehnung an Stewart Copeland bzw. an die gutklingende Oldschool-Recording-Tradition beschnitten, sodass die Snaretrommel für den Transport in den großen Kessel gelegt werden kann (Matrjoschka Style).
Hihat und Crashbecken werden in eine Tüte gepackt und auf’s Schlagfell der Kick gelegt. Zack, erste Tasche voll.
In meinem Eastpack Trolley finden Teppich, Hardware und Stickbag ihren Platz. Die zweite Tasche wäre somit auch gepackt.
Und los…

In Zukunft nur noch die rechten zwei schwarzen Taschen…

Nächster Gig mit dieser kompakten Superstar-Perle:
DO 15.12.22 / 21 Uhr @ Ono2 (DTES mit Oliver Leicht, Hans Glawischnig, DJ Michael Rütten)

Hip Piece

Dezember 4, 2022

Gestern gingen wir in den Mousonturm zum Tanztheater. Im einstündigen „Hip Piece“ erforschte eine Gruppe von fünf TänzerInnen den Tanz als Möglichkeit, sich von Zuschreibungen (zuvor erlernter Bewegungen aus der vielfältigen Welt des Hüftschwungs) freizumachen und mehr und anderes zu werden, als sie auf den ersten Blick sind.
Es war großartig, inspirierend und (Gesprächs-) anregend!
Und zack, wieder mal mitten drin in der Auseinandersetzung in Bezug auf Aneignungen und Besitzansprüche, Kunst- und Kulturbegriff, Globalisierung und Universalismus. Gedanken über die Schönheit des Lernens, über die Neugierde und hemmungsloses Ausprobieren, über die Überraschungen im Neuland, über den persönlichen Stil bzw. Identitätsbildung…

OK, dann dort


Am Ende des ausgelegten Programmhefts wurde ein Ausschnitt aus dem Essay „Heterautonomien“ von Werner Hamacher abgedruckt (Seite 128f), der spannend beginnt:

>>Nicht nur die Kultur, auch die Multiplizität der Kulturen ist nicht eine Funktion derer, die sie haben, sondern derer, die sie erst noch vorhaben und sie in der Transformation des Überlieferten immer wieder aufs Neue und immer wieder anders entwerfen<< 

Im weiteren Verlauf geht es um Kulturen als Multiplikationen („Multikulturationen“), um den Begriff der „Akkulturation“ (mit  dem  Soziologen  und  Ethnologen  seit  dem  ausgehenden  19. Jahrhundert die Aufnahme von Elementen einer Kultur in eine andere bezeichnen)

>>keine Kultur reagiert auf eine  andere  bloß  passiv  durch  Assimilation,  sondern  wählt  aus  jeder  anderen  aus, hemmt und verwandelt sie und sich selbst, spaltet und diversifiziert, multipliziert sie und sich und trägt so dazu bei, nicht nur eine, sondern eine Vielheit von  jeweils  neuen  Kulturen  zu  erzeugen.<<

>>Akkulturationen,  Multikulturationen  sind Übergangs- und Übertragungsbewegungen, in denen sich ihre Elemente erst herausbilden.<<

Es geht um die Eröffnung einer
>>Chance, das Andere nicht als  das  schon  bekannte  und  sowohl  kognitiv  wie  praktisch  beherrschte,  nicht  als das schon homogenisierte Andere, sondern als das Andere in seiner Singularität,  seiner  Inkommensurabilität  und  […| in  seiner Würde zu sehen: die anderen Kulturen nicht in den repressiven Idealen, denen sie sich unterwerfen, sondern in den Ablösungsbewegungen, die sie vom Druck der Typisierung und Selbsttypisierung befreien.<<

What is Hip? mit Ron E. Beck on drums

Perspektive wählen

Dezember 3, 2022

Hey, der Dezember ist gemütlich. Denn entweder liege ich im Bett (lese oder schlafe) oder befinde mich im Schlafsack mit dem Rechner auf dem Schoß (fussballgucken oder was zum neuen Buch tippen). Gut, zwischendurch sitze ich auch mal kurz am Tisch, am liebsten mit der Kombi aus Ingwer und Milchkaffee und einer Zeitung für den Weitblick.

Dort empfiehlt mir beispielsweise Marvin Wenzel das Album von DJ Piper:
>>Welcher HipHop-Fan träumt nicht davon, in eine Zeitmaschine zu steigen und in die neunziger Jahre zu reisen? Den passenden Soundtrack für einen Ausflug in diese goldene Rap-Ära liefert das Album „A Dream in a Dream“.
Auf seinem Debüt erzählt der unter dem Künstlernamen DJ Piper tätige Berliner Produzent Felix Wagner in zwölf Instrumentals die Geschichte eines Jungen, der sich seine Teenager-Träume erfüllt: Er reist um die Welt, schließt Freundschaften, lernt neue Kulturen kennen und verliebt sich.<<

Tilman Baumgärtel macht sich Gedanken zur Archivierung all der Weblogs, die zu Zeiten des Web 2.0 als Vorform der soziale Medien wichtige Nischen besetzten.

Ob das Glas nun halb voll oder leer ist beantwortet Johann Scheerer mit einer zukunftsorientierten Geste. Und Jens Uthoff klärt über das schöne Kunstwort „Freudenfreude“ auf. Endlich ein Ausgleich für die Schadenfreude!

Schließlich tippe ich noch zwei schöne Sätze aus dem „Über Menschen“ Roman ab:

>>Sie weiß noch, wie leicht es war, den Schalter im Kopf umzulegen. Eine kleine Anstrengung, und die Wirklichkeit folgt neuen Gesetzen. Einfach eine neue Perspektive wählen.<<

>>Das Zauberwort heißt »trotzdem«. Trotzdem weitermachen, trotzdem da sein.<<

Schlafen, nett sein und immer wieder Mauern

Dezember 1, 2022

So etwas liest ein Vielschläfer wie ich doch sehr gerne:

>>Dora beneidet die Hündin um ihre Fähigkeit, iederzeit überall einzuschlafen. Manchmal denkt sie, dass Schlafen die wichtigste Fähigkeit von allen ist. Wer nicht schlafen kann, hat schon verloren. Wer es beherrscht, ist in Sicherheit. Was soll einem schon passieren, wenn man sich jeden Abend einfach hinlegt und verschwindet? Wenn jeder Morgen einen frischen neuen Tag serviert?<<

Der Abschnitt stammt aus Juli Zehs Roman „Über Menschen“. Wie auch der folgende, der sich der Berufsbeschreibung des Astronauten widmet (was zu 100% auch auf „Bandmusiker“ zutrifft):

>>Im Radio hat sie gehört, dass Astronauten die nettesten Menschen der Welt seien. Nicht aus Zufall. Auch nicht, weil ihr Job sie dazu macht. Sondern weil sie danach ausgewählt werden. Sie müssen es aushalten, monatelang mit einer Handvoll Kollegen auf engstem Raum zusammengesperrt zu sein. Weltraumquarantäne. Das geht nur, wenn alle Beteiligten echte Nettigkeitsprofis sind.<<

Um ähnlich positiv weiter zu tippen assoziiere ich mit der Ziegelmauer (die im Roman auch eine Rolle spielt) geschützten Raum und Stabilität, erinnere beeindruckende Architektur und Paul Austers Roman“Die Musik des Zufalls“. Sowie typische Fotomotive und nüchterne Club-Atmosphäre.

Aber hey, ob nun neulich in Moldau, 1986 vor der Schorndorfer Manufaktur oder eben auch im Fußball:
ohne Mauer keine Kunst!

Gestaltung!

November 30, 2022

Den Preis fürs lässigste WM-Trikot bekommt eindeutig meine Nichte Liara aus Argentinien:

Passend dazu höre ich Ian Finks Track „Moonlight – Duality/Detroit Live Version“ (entdeckt auf DJ-Kicks“Theo Parrish – Detroit Forward„).

Geht’s um eine farbenfrohe Präsentation, so sind Domi & JD Beck ganz weit vorne (Bühnen-Deko und persönliches Styling):