Archive for the ‘Attitude’ Category

Super Supra

Juni 12, 2022

Corona lässt mich zwar gerade nicht trommeln (mist!), aber Ideen strömen nach wie vor.
Und Zeit, diese umzusetzen, gibt es dank der Quarantäne ja genug…
Also forciere ich meine Ukraine-Spendenbemühungen, nicht zuletzt dank dem andauernden Mitmachen von EURER SEITE, dank viel und herzlichem Zuspruch und ganz konkret, dank äußerst großzügiger Mithilfe von außen:
Robert Lang stiftet nämlich seine wunderschöne Ludwig 14 x 5 Supraphonic Snare aus dem Jahr 1976/77

Schickt mir einfach bis zum nächsten Sonntag (19.06., 22h) euer Höchstgebot als Email.
Startpreis wäre 349 €.
Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag und der Erlös soll den Ärzten ohne Grenzen zugeführt werden.

In punkto Equipmentverkäufen ziehe ich dann im Sommer nach, in dem ich mein Lager in Süddeutschland verkleinere. All die anderen Spendeaktionen laufen selbstverständlich weiter.
Mit besten Wünschen: bleibt gesund und engagiert euch für den Frieden!

Ambassador des Gesamtklangs

Mai 30, 2022

Kaum ist man wiedermal unterwegs, türmen sich spannende Themen in der Smartphone-Fotoecke auf. (Jeglicher Inspirationsfetzen wird abfotografiert; Social Media Beiträge, Buchseiten, Spotify-Highlights…)

Jost Nickel fragte seine IG-Blase nach Songs mit Tom-Grooves, ich habe daraus gleich eine Spotify-Playlist gestrickt (weil mir das Thema auch am Herzen liegt, siehe The Four Tom 🙂


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Ich spreche gerne über die Notwendigkeit unserer (Lautstärke- und Feel-) Balance hinterm Kit, über das Blending der verschiedenen Instrumente. Russ Miller nennt es „our mix“:

Zur besten Überprüfung: Kunstkopfmikros in die Ohren oder ein Stereopärchen in ähnlicher Position aufstellen – aufnehmen. Das bringt’s bzw bringt mich einem meiner Ziele immer wieder näher, irgendwann den Credit „Ambassador des Gesamtklangs“ mitzuführen…

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Während meiner Zugfahrten bin ich in den dicken Ziegel „Dilla Time“ eingetaucht.
Toll, zum Buch gibt es eine begleitende Playlist. Noch toller, der Inhalt mit so vielen (mir neuen) Details und Zusammenhängen. Große Inspiration!

Weil nicht in obiger Liste vorhanden, hier die erste VÖ des Meisters, 1st Down „Front Street“ (1995)

>>James loved making music on machines, but he understood by now that music lost something when the machines took over: the unpredictability of a human playing an instrument that told you it was a human being playing it. It was, after all, why producers looped breakbeats: to bring the ghosts of real drummers into their machines. There was no way a drum machine could re-create the subtle playing of Clyde Stubblefield’s performance on „Funky Drummer“<<
Übrigens, bevor sich J Dilla schöpferisch hinter die Maschinen (Sp-1200, Akai MPC) konnte, war das sogenannte „pause tape“ ein erschwingliches DIY-creative-tool und auch seine Wahl Beats zu bauen.

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Obwohl ich letzte Woche einiges vorzubereiten hatte – die Nils Wülker Best Of Show mit vielen Gästen und das Luminos W Konzert mit Gästen – bin ich endlich mal zum Ernst May Musterhaus geradelt. Quasi um die Ecke meines Proberaum, war es längst an der Zeit. Und auch hier wirkte die (100 Jahre alte) Klar- und Kompaktheit des Wohnungsbauprogramms „Neues Frankfurt“ äußerst inspirierend. Nicht zu Letzt die dafür geschaffene legendäre Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky. Die grundlegende Idee dieses Arbeitsraum kann übrigens eins zu eins auf Drum Setup übertragen werden: kurze Wege, die die Energie des Schaffenden fürs Wesentliche erhalten, blau-grüner Anstrich, um Fliegen zu vermeiden…

Und ähnlich bunt wie die Farbgestaltung im Ernst May Haus, wird mein Juni 🤩

02.06.22 „Der temporäre elektronische Salon feat. Hans Glawischnig“ Frankfurt, Yachtklub
03.06.22 „Netzer“ Stuttgart, Bix
04.06.22 „the beat goes on“ mit DJ Michael Rütten“ Offenbach, Filmklubb
09.-11.06.22 Backbeat Drum Festival, Vogtsburg im Kaiserstuhl
16.06.22 „DePhazz“ Frankfurt, Fortuna Irgendwo
17.06.22 „DePhazz“ Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
19.06.22 „Gregor Praml trifft Oli Rubow“ Frankfurt, Mousonturm
26.06.22 „Fola Dada“ Kirchheim u. Teck, Bastion
30.06.22 “Der temporäre elektronische Salon“ Frankfurt, Ono2

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>>Die Zukunft, die wir wollen,
muss erfundenwerden.
Sonst bekommen wir eine,
die wir nicht wollen.<<
Joseph Beuys

Das große Beginnergefühl

Mai 16, 2022

In der taz wird ein vielversprechendes Buck von Robert Misik vorgestellt,
Das große Beginnergefühl. Moderne, Zeitgeist, Revolution“ (Suhrkamp). Allein bei dem kleinen Auszug komme ich aus dem Kopieren toller Textstellen kaum raus…bzw. verhedere mich angenehm im Mitdenken und dem Transfer auf die Trommelkunst.
Gleich bei dem Picasso-Zitat kommen mir all die Weckls in den Sinn, die sich einem anspruchsvollen technischen Neubeginn gemäß der Instruktionen von Freddy Gruber verschrieben haben.
>>Ich sah, dass alles getan war. Man musste sich überwinden, eine eigene Revolution vollbringen und bei null beginnen<<

Bei dem Satz >>„Es braucht die große tabula rasa, auf der man spielt, das beginnergefühl“, notiert Bertolt Brecht in sein Arbeitstagebuch. Die moderne Kunst war immer Schrittmacherin des Fortschritts, weil sie neue Wahrnehmungsformen durchsetzte.<<
setze ich mir direkt wieder die Kopfhörer auf, um in die Welt jener sagenhaften Post-Disco Dub-Mixese einzutauchen, die mich heute Nacht erst zur Mondfinsternis ins Bett gehen ließ.

>>Die Motive der Kunst sind: Nicht das „falsche Leben“ führen, sondern das „Eigentliche“, was immer das ist. Nicht im Konventionellen verharren, sondern neue Bildsprachen, Erzählformen entwickeln. Auch, die Wut rauslassen.<<

Zu guter Letzt noch ein potentieller Motto-Kandidat für die erste Seite meines neuen Buches:
>>„Wir wollen doch sehn, ob nicht die allermeisten sogenannten ‚unübersteiglichen Schranken‘, die die Welt zieht, sich als harmlose Kreidestriche herausstellen“, notiert die phantastische Lou Andreas-Salomé <<

making, consuming, owning.

Mai 15, 2022

Diese Woche gab’s nur eine CD im Player, „Night Dubbin‘ mixed by The Idjut Boys“ – hey, das ist ein kompletter Echo-Mix. Und im Booklet gibt’s nicht nur folgendes Statement der beiden Boys from London, sondern top Einblicke bzw. Interview-Schnipsel in die Dub/Remix Welt von John Morales, François Kevorkian (ursprünglich auch ein Drummer!), Paul Simpson.
>>When he [Dimitri from Paris] asked us to do a mix version of the cd he ‚d compiled for BBE, we were
honoured. We wanted to do a live dj mix, not touched up in a computer as that’s the way it
comes from a club booth. The use of effects is something we always prefer when we dj
The opportunity of manipulating the sound opens up the possibilities for more radical highs
and lows and musical variety.<<
Hey, solche Liner Notes sind für mich pures Gold. Sie nehmen mich bei der Hand und pflügen einen wunderschönen Pfad durch den Dschungel der Vielfalt!!

Ansonsten: Pablo Held hat mit Jochen Rückert gesprochen!

Und im die Ecke, im Instagram finde ich noch eine schicke Weisheit von John Maeda:
The 3 modes of human cognitive activity sit in
1/ making,
2/ consuming,
3/ owning. 
We communicate through making (signals) on one end and consuming (i.e. listening). We achieve commercial relationships with what can be consumed (by you) and owned (by someone else). We demonstrate character by what we make and own (i.e. as artists).

Guten Wochenstart, wünsche ich!

Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow

Mai 14, 2022

Gestern las ich im IG einen beruhigenden Satz, der geschmackvoll aufdeckt, dass Unschärfen ebenso zum gesunden Menschenverstand gehören, wie das Eindeutige und wissenschaftlich Verbriefte:
„Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow“.

Wenige Posts später fand ich den passenden Gelbton dazu. Nämlich die Farbe des Sony-Sports Walkman, die offenbar nicht nur dem tragbaren Abspielgerät den Anstrich besorgte, sondern auch seinen Geschwister, den Heimstudioboxen „Studiolabo“ von Sony, die es in zwei verschiedenen Größen gab.


Sie werden wohl in der nächsten Zeit während der Einschlafphase meine Pförtnerhaus-Fantasie ersetzen…

den Rahmen erweitern

Mai 12, 2022

Schwebe seit geraumer Zeit gedanklich für ein neues Buchprojekt. Es wird ein Glossar voller kreativer Strategien werden. Heute habe ich in diesem Sinn mein altes 14″er Hängetom zu einem Standtom umgebaut (was dank dem Sparedrum-Floortom-Rim aus dem Drumcenter Köln überhaupt kein Problem war). Jetzt wird es wieder mit Freude bespielt werden. Yeah!
Anschließend wurde dann noch in der Taunusanlage ein Kunstfoto zur Überschrift versucht und ein allererstes Pizza-Eis bestellt…

>>I realized that a frame could be many things; it could embody ancillary ideas, it could be an environment, it could be a shelter, it could be an informing context, it could be in dialogue with the painting, it could extend movement, it could be like a body that expresses the mind, and many other rich permutations…<<
Holly Lane

Hoffnung ist Lebenskraft!

Mai 8, 2022

Wir können einiges in die Hand nehmen!

Jazz is our Democracy“ war eine gute Aktion! Bunt besetzt, interessante Gedankengänge, klare Aufforderung zum (Mit)Machen und dank des abschließenden Jams über sechs verschiedene Farben bzw. Begriffen mit der eindeutigen Botschaft: es kann hervorragend klappen. Wenn..

– wenn wir uns als Teil einer Gemeinschaft verstehen und dadurch auch immer wieder das eigene Ego, den vermeintlichen Masterplan oder die persönliche Wut hinten anstellen können.
Die Demokratie ist eine Form des politischen Lebens auf Basis der Gleichheit und Freiheit aller Bürger. Die Improviationsstragien des Jazz zeigen, dass es nicht nur ums Reagieren, sondern auch um das Ergreifen von Initiativen, ums Herauskommen, um ein risikobehaftetes Sich-Positionieren.
Diesbezügliche hat der amerikanische Arzt und Schriftsteller Oliver Wendell Holmes schon im 19. Jahrhundert eine anschauliche Formulierung rausgehauen:
>>Das Recht, meine Faust zu schwingen, endet, wo die Nase des anderen Mannes beginnt.<<

– wenn wir eine Aufgabenstellung oder Problemlösung nicht nur konventionell auf etwas binäres (also ein richtig oder falsch) zuspitzen, sondern auch die Zwischentöne respektieren. Wenn wir uns darüber freuen können, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile ist. (Synergie!)
Und wenn wir flexibel und offen bleiben, was unbedingt auch bedeutet Fehltritte zuzugestehen. Dazu Bertold Brecht: >>Wer A sagt, der muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.<<

– wenn wir vor lauter „wenns“ dennoch das Dogma vermeiden…

– last but not least: wenn wir uns in großer Not daran erinnern: Hoffnung hat nichts mit dem Vorhandensein von Schwierigkeiten zu tun. Hoffnung ist Lebenskraft!
(siehe taz Interview mit Vasilis Vasilikos, Autor des Romans „Z“ aus dem Jahr 1969)

Freude & Lächeln: auch immer gut!

Ach ja: zum Muttertag stelle ich noch das Rezept des sensationellen Erdbeerkuchens meiner Schwiegermutter ein 🙂

Jazz is my Democracy

Mai 4, 2022

Am Freitag, den 6. Mai gibt’s ab 18 Uhr im Kunstverein Familie Montez (Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt) gibt’s Talks und Musik zur Relevanz des Jazz für die demokratische Gesellschaft.

Die Fragestellung liest sich spannend:
Wie ist es möglich, dass einander fremde Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Winkeln der Welt zusammenkommen und auf der Bühne gemeinsam improvisieren? Und kann unsere Demokratie davon etwas lernen, z.B. wenn es darum geht, gemeinsam gesellschaftliche oder ökologische Probleme zu lösen? Im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit lädt Jazz Montez zu einem Abend ein, an dem wir uns anhand von Talks und musikalischen Performances mit diesen und anderen Themen beschäftigen, u.a. auch der Frage, wie demokratisch und offen die deutsche Jazzszene aktuell ist. 

Musikalische Performances von:
Biboul Dariouche – Percussion
Johanna Klein – Saxofon
Franzi Aller – Bass
Lukas Wilsmeyer – Gitarre
Oli Rubow – Schlagzeug
Darius Blair – Saxofon

Talks mit:
Johanna Schneider – Sängerin und Vorstand Deutsche Jazzunion
Laura Totenhagen – Sängerin und Lehrbeauftragte an der HS Osnabrück
Oli Rubow – Schlagzeuger und Dozent an der HfMdK
Michael Rütten – DJ und Journalist
Mane Stelzer – Singer/Songwriterin und Mitarbeiterin bei MELODIVA
Olaf Stötzler – Orchestermanager hr-Bigband

Bin sehr gespannt und werde mich treu meiner typischen Vorbereitungsstrategie für Workshops und Clinics folgendermaßen darauf vorbereiten:
Inhaltlich gibt es keinen Masterplan, es geht ums spontane Re/Agieren im Moment (nicht die Performance des Einstudierten). Dies gelingt mir erfahrungsgemäß am besten, wenn Kopf und Körper wach und locker sind. Diesbezüglich habe ich über die Jahre folgendes Ritual kultiviert: im Vorfeld, meist bei der Anreise mit der Bahn, lese ich entspannt und versuche in meiner aktuellen Reiselektüre (oft die Tageszeitung) irgendetwas stimulierendes zu finden. Das kann ein Satz, ein Foto oder sonst was sein. Jedefalls beginnt es im Kopf zu arbeiten, er stellt Bezüge her, formt Ideen, sortiert – schwingt sich aus dem Nichts direkt aufs Thema ein. Quasi, Warm-Up.
Und im Idealfall Steilvorlage für den Abend!

Schlagzeuger, solo

April 30, 2022

Ausgehend vom Jazz Popcorn Robot, jener Zufall-Musikroboter-Kombination von Moritz Simon Geist, bei der aus der Bratpfanne springende Maiskörner Klänge auf dem Schlagzeug auslösen…

… liste ich mal inspirierende Drum Solos auf. Und markiere hinter dem + Zeichen deren Besonderheit:

Papa Jo Jones (1964)
+ Charme, super Dynamik und ein zweites Standtom neben der Hihat.

Clyde Stubblefield (1968)
+ reines Groove-Solo mit zwei Parts, dirigiert von James Brown

Elvin Jones (1968)

Ron BushyIn A Gadda Da Vida“ (1968)
+ meine erste Schallplatte mit Drumsolo (war natürlich ein Geschenk von jemandem der wusste, dass ich trommle)

John Bonham „Moby Dick“ (1970)
+ laaang, Entertainment: Passage nur mit Händen, Setup mit zwei Congas & Gong

Buddy Rich (1970)
+ Rudiments, Rhythmuspyramide, extreme Dynamik, Optik (Becken/Hihats von oben und unten; zweites Standtom als Ablage)
-> Buddy Rich Snare Solo (1969)


Gaylord Birch (1974)
+ Groove, Speacial: Beatboxing, Optik: Kopfhörer!

Billy Higgins (1975)
+ Mallets (beide Seiten!), Dynamics, fast Kickdrum Pulse, Call & Response – super Mikrofonierung

Billy Cobham (1976)
+ Power, Special: Rim Melodies, Optik (riesiges, durchsichtiges Fibes Kit mit zwei strahlend gelben North Hörner), ganz soft hingegen & mit einigen Sticktricks, hier ca. 1990/91
-> Völlig umgehauen und nachhaltig beeinflusst hat mich das 1975er Album „A Funky Thide of Signs“. Klar, schon auf „Spectrum“ wurden elektronische Elemente (Synth-Sequenzen, hier und da Effekte im Mix) mit dem Trommelspiel verwoben, aber jetzt tauchte ich in eine wunderbare neue Klangwelt ein, ins Zusammenspiel von Drumgrooves und Delay-Maschinen! Check das Echo-Solo: „A Funky Kind of Thing

Terry Bozzio (1977, „Baby Snakes“ (VHS) A Movie About People Who Do Stuff That Is Not Normal – Starring: Frank Zappa)
+ Q & A, Show (teilweise im Stehen), Styling (nur mit knapper Badehose? bekleidet), Electronics (Pollard Syndrum Quad 478)

Alex Acuna (1984)
+ drums & percussion

Steve Gadd (1984)
+ voller Körpereinsatz!

Paul Motian (1986)
… Hammer …

Steve Gadd (2008)
+ groove & legacy licks

Helge Norbakken (2008)
+ unikates Drums/Percussion Setup (mit aufgestellter Basstrommel, kleinem Roto Tom für den rechten Fuß, Djemben, Kessings und Autofelgen) und Beatboxing!

Wolfgang Haffner (2009)
mit Gummihammer, viel Groove und bester Laune

Chris Dave (2012)

René Creemers (2016)
+ story telling, Trommel-Melodien, Fake Echoes

Günter Baby Sommer (2017)
+ tonal, überraschend eigen
-> beeindruckend auch sein Solo-Beginn bei dem kein einziges Instrument berührt wird…

Zach Danziger (2017)
+ Schlagzeug plus (Clicktrack-frei) getriggerte elektronische Samples und Film-Schnippsel. Reaktiv!

Jojo Mayer „A Plea For Improvisation“ (2020)
+ Sprechen und Trommeln = Vortrag und Musik!

Andi Haberl (2022)
+ Drums & Echzeit-Elektronik (Sunhouse Triggers, Ableton Live)

und:

Gene Krupa (40s), Art Blakey (1959, Mallets), Joe Morello (60s, u.a. mit Händen) Roy Haynes (1966), Ginger Baker (1968), Elvin Jones (1978), Vinnie Colaiuta (1978, Drumsolo & Seehundgeräusche), Dave Weckl (1986, 1996), Trilok Gurtu „Mother Tongue“ (1989), Tony Williams (1992), Jack DeJohnette (1996)
Tommy Lee (Rollercoaster 1987, 2015), Joey Jordison (2002, 360 Grad), Han Bennink „Cheese“ (2005), Duracell (2005), Derek Roddy (2007), Harry Reischmann „Firedrummer“ (2016), Streetdrummer mit Pferdemaske (2017), Das andere Snare Drum Solo

die Route verlassen

April 25, 2022

>>Dann fuhr er mit dem Fahrrad in den Feuchter Forst und unternahm ausgedehnte Wanderungen. Absichtlich verließ er dabei die Waldwege und spazierte zwischen Bäumen umher, er lauschte dem Rascheln der kleinen Tiere im Unterholz und dem Zirpen der Heimchen. Er roch das feuchte Moos und die modrigen Äste, und irgendwann, wenn er so ziellos umhergelaufen war, wusste er nicht mehr, wo er war. Ihm kroch dann ein wohliger Schauer über den Rücken und er vermied es, hinaufzuschauen und am Stand der Sonne die Himmelsrichtung abzulesen. Stattdessen lief er weiter, ohne jede Ahnung wohin, und hin und wieder, wenn er die Augen schloss und vorsichtig mit vor sich ausgestreckten Armen weiterging, geschah es, dass sich die Geräusche des Waldes zu einem Rauschen verdichteten, wie von Wellen, die an diese Welt des Lichts und der Schatten brandeten. Und die Ideen fluteten ihn dann noch mehr als daheim an der Schreibmaschine und wenn er die Augen wieder öffnete, erkannte er plötzlich Muster in den Geometrien der Bäume und Ahnungen überkamen ihn von Verbindungen, die sich seinen Sinnen eigentlich entzogen und die doch da waren und von ihm erkannt werden wollten.<<
Daniel MellemDie Erfindung des Countdowns“ (2021, Seite 266f)