Archive for the ‘Attitude’ Category

Survival of the Fittest

Juni 25, 2017

Eigentlich wollte ich über meinen Muskelfaserriss schreiben, der mich gestern während eines gemütlich gepflegten Rasenkicks beim Klassenfest der 3D überrumpelte – ein komisches Gefühl, als ob das gespannte Gummi einer Steinschleuder im Oberschenkel wegschnalzte – ich wollte von der PECH Faustregel erzählen und der mahnenden Erkenntnis, dass ich mich zukünftig konsequenter warmmachen muss.
Dann jedoch erinnert mich eine ältere Süddeutsche daran, dass der New Yorker Rapper Albert Johnson alias Prodigy des Duos Mobb Deep letzte Woche verstorben ist und ich folge ihrer Empfehlung und >>höre nun zu Ehren Prodigys also nur noch einmal so fabelhaft schroff-verschleppte Songs wie „Survival of the Fittest“<< Oder gleich das ganze ’95er Album „The Infamous“, ein >>herausragendes Werk des Ostküsten-Raps der Neunzigerjahre<<, >>one of the cornerstones of the New York hardcore movement<<.

Ah, schön – auch mal in einem Hiphop Track eine „verschleierte Eins“ und den Moment des „turn the beat around“ zu spüren: der S.O.T.F. Piano-Hooks sei Dank.
Und dann noch das grandiose Loop-Fundament von „Temperatur’s Rising“ – da freut sich das Jazz-Kind über den Patrice Rushen Zweitakter.

PS. so eine Adduktoren Zerrung ist unangenehm, aber dem Schlagzeugspielen stellt sie sich nicht in den Weg; jedenfalls mein linkes Bein machte gestern Abend in Gmünd tapfer und schmerzfrei mit…

Ouï, we can!

Juni 23, 2017

Endlich wieder Zeitung lesen. Nachdem ich die Süddeutsche aus versehen liegen hab lassen, das Zeitmagazin blöderweise für Werbung gehalten und entsorgt, den restlichen Zeit-Ziegel einmal ungelesen um die Welt geschleppt habe, dehne ich jetzt mein ausgeschlafenes Frühstück maximal aus und freue mich über schicke Sätze, neue Wörter und Musiktipps:

>>Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.<< Friedrich Schiller

Das französische ouïr bedeuted genau hinhören und „Ouï“ ist der Titel des vielversprechenden Camille („Nouvelle Vague„) Albums. Yes!
… und bitte noch einen café au lait

Die hochgelobte Compilation „Saigon Supersound“ durfte ich schon hören, aber dank dieses Artikels muss ich sie unbedingt auch hier im Blog verankern. Toll, Jan!

Und Diedrich Diederichsen begeistert sich mächtig für den aus Nizza stammende, halbamerikanische Tenorsaxofonist Barney Wilen: >>Vielleicht der einzige Jazzer von Rang, der sich weniger auf seine Konstanz, seine Essenz, seine Persönlichkeit verlässt, sondern ständig dabei ist, wenn neue Moden das Bewusstsein sprengen, die Musik knacken oder die Weltrevolution bringen wollen.<<
Hier die beiden Neuveröffentlichungen:
Thelonious Monk (mit Barney Wilen)Les liaisons dangereuses 1960″ (SAM/PIAS/Rough Trade)
Barney Wilen „Moshi“ (Le SouffleContinu)

>>And if you want to know more, spend 55 minutes watching The Rest of Your Life, Stephane Sinde’s terrific biographical film, made in 2005<<

that was sick, man!

Juni 22, 2017

So lautet die begeisterte Verabschiedung des Aufnahmenmenschen, könnte aber auch die Beurteilung meines CO2 Fussabdrucks sein: Montag früh ab nach Rio De Janeiro, Mittwochs wieder zurück ins tropenähnliche Frankfurt!
Und dazwischen etwas Sand in den Schuhen, die Info das der brasilianische Pass aufgrund der optischen Vielfalt seiner Nation der teuerste auf dem Schwarzmark sei und selbstverständlich der eigentliche Reisegrund, das einstündige Jazzanova Set für den Boiler Room, mit mächtig viel Energie und Club-Schweiss:

Für die kunstvolle Ruheecke des Backstage blieb leider keine Zeit…

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…auch dieses Postkartenidyll musste Aldo Colombo für mich knipsen – sprich, ich möchte da dringend nochmals (mit viel Zeit) hin!

PS. Dass für Stefan Zweig Brasilien das „Land der Zukunft“ war, lernte ich noch nebenbei im Flugzeugkino, auch den folgenden Satz des Autors konnte ich mir glücklicherweise noch merken, bevor meine Batterie dann entgültig ausging:
>>Jede Widerstandsgeste, die kein Risiko in sich birgt und keine Wirkung hat, ist nichts als geltungssüchtig.<<

 

 

vom RAD zum RDS

Juni 12, 2017

Dank des 200 Fahrradgeburtstags (gut!) höre ich jetzt mal in das „Build me a House“ Album von Sophia Kennedy rein, direkt ins >>barock-psychedelische „Kimono Hill“, in dem es um ein „Tennismädchen“ geht, das die ganze Nacht mit einem Fahrrad fährt, so lange, bis sogar das Wetter zum „Fahrradwetter“ wird<<.

Und dann wende ich mich ähnlich Nostaligischem zu, meinem vielversprechenden Drumsynthesizer-Neuerwerb (Coron Drum Synthe RDS), dieser farbenfrohen, zweikanalige Schönheit:

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Dass die Abkürzung RDS im Medizinerjargon für Reizdarmsyndrom steht, kann uns als Merkhilfe für die eins a Boom-Bässe und Club-Kicks des „großen Corons“ dienen.
Sehr reizvoll finde ich auch die Noise-Abteilung des Geräts: Rauschfahnen, die angenehm lange klingen können, sich aber auch via Button (dem roten Knopf mit der Aufschrift ON/OFF OUTPUT SIGNAL) oder mittel Fußschalter „cutten“ lassen.
Typische Piuu-Sounds und achtzigerjahre Snares sind selbstverständlich gar kein Problem.
Zu dem raren Kasten lassen sich kaum vernünftige Informationen sammeln. Immerhin steht auf seiner Rückseite was zur Herkunft: Made in Japan.

PS. in diesem Zusammenhang möchte ich auf das „Love the Machines“ Download-Bundle hinweisen: 126 Oden an ältere elektronische Klangerzeuger (u.a. auch an den Coron DS-7) für 8,90€.

kick mutes

Juni 9, 2017

Lars Bartkuhn erzählte neulich eine schöne Anekdote zu den eigenartigen Kickdrum-Mutes so mancher Theo Parrish Produktion: dort hatte der Meister die Four On The Floor wohl eigenhändig & live auf der MPC eingedrückt und im Nachhinein die allzu wackeligen Parts einfach stummgeschaltet. Rough, eigen, einfach!

Da ich die Geschichte sehr schön finde, suche ich gar nicht erst nach Quellen oder Beweisen, sondern bleibe direkt im Thema drin und höre ihm zu:

>>To do a dangerous thing with style is what I call art<< (Charles Bukowski)

Plas ma!

Juni 7, 2017

>>Jede Musik hat andere Aggregatzustände. Jazz etwa ist vergleichbar mit Plasma, enthält also sowohl geladene als auch neutrale Teilchen. Um zu improvisieren, benötigt man mit vorgefertigten Codes geladene Klänge und neue, spontan erschaffene Sounds.<<

So beginnt der lesenswerte taz Artikel von Philipp Rhensius über das diesjährige Moers-Festival

Nichtkönnen!

Mai 26, 2017

>>„Darum ging es: Man sollte es möglichst nicht können. Das Neue schöpft man aus dem Nichtkönnen“, sagt Gudrun Gut.<<
aus der heutigen taz zum 20 jährigen Geburtstag von Monika Enterprise

Keine Schönheit ohne Denken?

Mai 25, 2017

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weiterlesen in der Zeit Nr.21/2017

„Greift einfach zu Maschinen – oder spielt mit ihnen, dann klappt es auch mit dem richtigen Sound“

Mai 5, 2017

Philipp Rhensius bringt es in der taz-Ankündigung des SYN/CUSSION Festivals auf den Punkt und erklärt damit indirekt, warum die Verbindung von Trommeln und elektronischen Klangerzeugern so perfekt zukunftsweisend funktioniert:

>>Ein Beat ist nie einfach nur ein Beat. Eine Erkenntnis, die angehende SchlagzeugerInnen spätestens dann machen, wenn sie versuchen, einen bestimmten Song oder Track nachzuahmen – und daran verzweifeln. Ist es doch genau der gleiche verdammte Rhythmus, den sie da über Tage, Monate, vielleicht Jahre eingeübt haben.

Das Problem jedoch – und das ist die nächste frustrierende Erfahrung – ist der Klang selbst. Wenn er nicht stimmt, kann der Groove noch so perfekt sein: ein rostiges Akustikschlagzeug in einem alten Proberaum klingt nie so wunderschön wummernd wie die Drums in einem Rap-Song von Devin The Dude oder einem überdrehten, magen­erschütternden Jungle-Track wie „Original Nuttah“ von UK Apache & Shy FX. In Sachen Sound sind Maschinen den Menschen überlegen.

Dass dieselben musikalischen Ereignisse auf dem Notenblatt gleich sind, aber dann ganz anders klingen, hat wahrnehmungspsychologische Gründe. Rhythmen werden nie nur in einer zeitlichen Dimension wahrgenommen, wie findige Musikpsychologen einst herausgefunden haben.

Klänge mit einer ähnlichen Tonhöhe werden vom Gehör automatisch „gruppiert“, während weiter auseinander liegende Klänge als einzeln wahrgenommen werden. Im besagten Jungle-Track etwa addiert das Ohr die Bassmelodie einfach zur Bassdrum hinzu. Das schafft einen völlig anderen Gesamtklang, eine ganz andere Atmosphäre und damit: eine ganz neue Musikwelt.<<

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die Leidenschaft und der Funke

Mai 4, 2017

… bedarf keiner weiteren Worte:

Vielleicht nur des Nachsatzes: >>la musique bonne est bonne, peu importe l’origine<<, der dann eigentlich auch auf das Trägermedium übertragen werden kann…