Archive for the ‘Attitude’ Category

studio work

Juli 9, 2020

Gestern erst gab es eine analysierende Hörrunde zu den Groove-Meistern James Gadson und Steve Gadd in ihrer Funktion als Studiodrummer, bei der (neben grandiosen Nostalgiemomenten) einige neue Perlen entdeckt wurden.

Wie zum Beispiel die speziellen super Groove Pattern auf Marvin Gayes „I want you“ (1976) und Hancocks „Doin‘ it“ (1976) der Drumsound von „What you won’t do for Love“.
Bill Withers „Kissing my Love“ (1972) ist eh klar gesetzt!
Und der Sidestick-Sound von Patrice Rushens „This is all I really know“ (1980) muss unbedingt noch vorgespielt werden.

Rickie Lee Jones „Chuck E’s in Love“ (1979) hat das perfektes Gadd Tempo.

Im Arif Mardin Track „Street Scene: Dark Alleys“ (1974) gibt’s ein top Drumintro mit astreinem Vintage Tomsound (erstaunlichwenig Einträge dazu in der whosampled.com Datenbank). Spätestens nach den Fill-Ins ab 3.25′ weiss jeder Bescheid, wer hinterm Drumkit saß.

Das typische Gadd-Tom auf der „4“: Kenny Loggins „I’ve got melody (deep in my heart)“ (1977), eine vollständige Tom Melodie (im Zusammenspiel mit Ringo Starr) findet sich auf Paul McCartney’s „Take it away“ (1982).

Marching Drums und Latin Beats unterm Fusion Mantel? Höre Al Di Meola „Electric Rendevouz“ (1982) oder Lee Ritenour „What do you want“ (1978).

Brazil-Brushes für Pino Daniele „Jesce Juorno“ (und Melodien fürs Herz aus dem Jahr 1988).

Und weil’s mich direkt an das Steve Gadd Book von Hans Fagt bzw. dessen Seite 3 erinnert, höre ich Tom Scotts „Down to your Soul“ (1977).
DIESES Fill-In ist mein persönliches Gadd Klischee (schau, Beweis hier).
DAS aber auch, sowie der Snare Sound auf Dionne Warwick „Can’t Hide Love“ (1982).

 

Heute spielt mir der Zufall dieses Experiment zu, bei dem ein und derselbe Track von vier Studio-Drummern der heutigen Zeit, sprich via fiverr und Homerecording, vervollständigt wird. Der Moderator ist ein wenig „on fire“, aber ich habe ja einen Lautstärkeregler am Laptop…

im Prozess bleiben

Juli 8, 2020

Eine kleine Anekdote, >>von der ich nicht einmal sicher weiß, ob sie stimmt, aber ist sie erfunden, dann überaus passend. Nach einem Treffen mit der Lyrikerin Ann Cotten begleitete diese Elke Erb ein Stück Richtung Zuhause, sie redeten sich aber so fest, dass sie plötzlich vor Erbs Wohnung standen. Daraufhin wurde wieder ein Stück in die Richtung der anderen gegangen, wieder redete man sich fest, wieder verpasste man die Hälfte des Weges und stand plötzlich vor Ann Cottens Wohnung. Über Poesie gibt es eben doch immer noch etwas zu sagen, zu fragen, zu denken, und es wäre eigentlich nicht verwunderlich, wenn die beiden noch immer unterwegs wären zwischen ihren beiden Wohnungen. Und wozu überhaupt stehen bleiben, wenn man ebenso gut im Prozess bleiben kann, in einer stetigen Wiederbegehung der eigenen Wahrnehmung?<<
Nora Bossong über die diesjährige Büchnerpreisträgerin Elke Erb (taz 08.07.20)

3 nice headlines

Juli 1, 2020

(l)earn the flow
Inspirierendes Gespräch mit Eric Harland und John Mayer.

Auch klasse, der Podcast von Max Gaertner mit Rainer Römer (vom Ensemble Modern, Super Prof der HfMDK).

Im Sitzen seit 1910
… wird die Basstrommel bespielt. Der Ableton Artikel „Enter the Tempel of Boom“ widmet sich der akustischen Kick.
Darin entdecke ich den Verweis auf die Hal Blaine/Phil Spector Anekdote zur „Be my Baby“ Schlagzeugaufnahme. Und lerne, dass das stark verhallte Drumintro nicht dank Strom und Effektmaschine entstanden ist, sondern in einem Spezialraum der LA Gold Star Studios entstanden ist.
Dass Blaine zeitgleich mit roten Aufnahme einen Trommelstock fallen lässt, durch die anschließende Stock-Beschaffungsmaßnahme mit dem anderen Hand aber nur die Zählzeit „4“ auf der Snare unterbringt und fortan den „Fehler“ selbstbewusst wiederholt, als ob nichts anderes geplant worden wäre.
>>When you’re in the studio, if you make a mistake, do it every four or eight bars. It becomes part of the arrangement.<<

Hey, Ferienbeginn!
Hier drei tolle Bücher zum Einstieg: Karl Bruckmaier „The Story of Pop“, Emilie Gleason „Trubel mit TED“, Maraim Kühsel-Hussaini „Tschudi“

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>>Das waren keine Erzählungen mehr, das waren Effekte, Unerschrockenheiten, Farbattacken, inmitten einer Ordnung, die doch jeder bis zu diesem Tage für unantastbar gehalten hatte<< aus „Tschudi“ Seite 13/14

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#staysafe echo-drummed

Juni 27, 2020

Da schlägt das Herz des Echodrummers noch stabiler, nach diesem Corona-Rat im „Lightning Bolt“ Stil aus der Death By Audio (sic!) Sendezentrale.
Ein Hoch auf das einzelne Raummikrofon mit Effekten!

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“IF YOU GO OUTSIDE, WEAR A MASK!” #staysafe

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die Mächtigen demaskieren, fixierte Identitäten zum Einsturz bringen und hinter Fassaden neue Wahrheiten zum Vorschein bringen

Juni 26, 2020

Klaus Walter schreibt im taz Artikel „Der Sieg der puren Vernunft und seine Folgen„:

>>„Es gab um die Pest eine ganze Literatur, die ein Fest erträumte: die Aufhebung der Gesetze und Verbote; das Rasen der Zeit; die respektlose Vermischung der Körper; das Fallen der Masken und der Einsturz der festgelegten Identitäten, unter denen eine ganz andere Wahrheit der Individuen zum Vorschein kommt.“ Schreibt Foucault 1975 in „Überwachen und Strafen“. Vom Übertreten von Verboten, vom Rasen und von der Vermischung der Körper handelt Pop seit eh und je. Pop will die Mächtigen demaskieren, fixierte Identitäten zum Einsturz bringen und hinter Fassaden neue Wahrheiten zum Vorschein bringen. „Let’s go crazy“ forderte Prince, Be­yon­cé war „Crazy in love“, „Break on through to the other side“ sangen die Doors, „Express yourself“ und „Fuck the pain away“ empfahlen Madonna und Peaches. Ein Detroiter Kollektiv mit dem sprechendem Namen Underground Resistance erschütterte die Welt mit einer neuen Musik: Techno. Underground Resistance verstand sich auch als Widerhall von Underground Railroad, das klandestine Schleusernetzwerk verhalf Sklav:innen zur Flucht aus den Südstaaten in den Norden.<<

Ich würde sagen: Auf geht’s!

Blue Eyes – Brown Eyes

Juni 26, 2020

Ulf  wies im FB auf die “Blue Eyes – Brown Eyes” Schulstunde hin. Auch wenn mich ein Kinderexperiment, das aus einer Machtposition heraus geführt wird, zunächst schaudern lässt, sehe ich eine schmerzhafte Lernkurve, mit klarem, erfreulichen Resultat:
>>Diskriminierung und Rassismus sind erlernte Fähigkeiten. Es gibt keinen genetischen Code für Diskriminierung, Menschen werden nicht als Rassisten geboren, sie werden dazu gemacht. Und: Alles, was erlernt werden kann, kann auch verlernt werden.<<

>>Jane Elliott first conducted her famous exercise for her class on April 5, 1968, the day after Martin Luther King Jr. was assassinated. The classroom exercise was filmed the third time she held it with her third-graders in 1970.<<

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Juni 23, 2020

 

#nightoflight2020

Petition 111001

Juni 22, 2020

Auch wenn ich davon ausgehe, dass meine Filterblase längst von (der Dringlichkeit) dieser Petition mitbekommen hat, weise ich darauf hin, dass nur noch bis Donnerstag mitgemacht werden kann (sollte – weil noch ein paar dringend benötigte Unterschriften fehlen); click:

Verlängerung und rechtssichere Ausgestaltung von Soforthilfen für Selbstständige

I live you

Juni 20, 2020

Gestern Abend ging’s (auch) um das 81er „What Cha‘ Gonna Do for me“ Album von Chaka Kahn. Später konnte ich kaum einschlafen, da ich mir den grandiosen Bass-Fill im Titeltrack ungefähr 5000 Mal angehört habe:

Bildschirmfoto 2020-06-20 um 14.32.38

Das Notenbild entstammt der Transkription von Stevie Glasgow, nachhören lässt sich die Anthony Jackson Performance bei 3.12′, den Vibe nachempfinden kannst du hier:

Auch Steve Ferrone trommelt den Song fantastisch, mit Pony Hihat Pattern und eins a Fill Ins. Er hat sich übrigens heute – genau eine Woche nach seiner Knie OP – wieder hinters Drumset gesetzt und freudig gezockt:

Mein Lieblingstrack des Albums (und mit dieser Rhythmusgruppe) ist übrigens „I know, I live you„, gerne auch im Danny Krivit Mix:

PS. Hier noch der schöne Ausschnitt des Jazz in Concert Interviews mit Anthony Jackson, in dem es um Musikmaschinen geht:

>>I’m old fashioned, and very idiolistic about that. My feeling is, I’ll outplay anybody using the machine or i’ll die. I don’t care. The day that the machine outplays me they can plant me in the yard with a corn, and I mean it, I’m very serious. I will not permit myself to be outplayed by someone using the machine. I’m just not gonna permit that.<<

Und trotz der klaren Worte geht es ihm letztlich um die Person die hinter Instrument oder Maschine steht. Solange es die Kreativität beflügelt, Musik bereichert = top! Hat Jacksonselbst ja wunderbar erfahren, als er sich 1973 bei Manny’s Music in New York einen Maestro Phase Shifter PS-1A besorgte, obwohl ihn der Verkäufer nachdrücklich warnte, dass das Teil nicht mit dem Bass funktionieren würde.
Dank Vision stur geblieben, zack, mit dem O’Jay’s Hit, „For the Love of Money“ Bass-Geschichte geschrieben.

Gatekeeper & Gapclicks

Juni 19, 2020

Schöne Geschichte, die Anekdote zu Chaka Khans „Night in Tunesia“ (1981)

Unschöne Geschichte, dass diverse Musikmagazine schwer in Not geraten sind. Der Spex Online Redaktion wurde offenbar gekündigt, Groove und JazzThing brauchen dringend rettende Abonnenten! Und der großartige Sticks Chefredakteur Axel Mikolajczak geht bald in den Ruhestand (was ich mir gar noch nicht vorstellen kann…)
Hey, wir brauchen doch die lässigen Gatekeeper!!! Die Guten, die uns an der Hand nehmen, uns durch den Dschungel der Vielfalt führen, uns informieren, mitreißen…

Schöne-schöne Idee: die Gap-Click App von Benny Greb! Endlich gibt’s ein simples Metronom, in dessen Puls sich u.a. Lücken programmieren lassen. Diese Option wird nicht nur Hiphop Nerds begeistern, sondern auch die Freunde der „Inner Clock„.