Archive for the ‘Attitude’ Category

auf ein Kaleidoskop von medialen Kanälen

September 20, 2022

Ich lese morgens gern und regelmäßig die taz, aber die heutige Ausgabe hat es mir besonders angetan. Ich wollte schon tippen: eine der spannendsten Ausgaben überhaupt – aber vielleicht hatte ich heute auch nur die Zeit und Muße tiefer einzutauchen als sonst…

Neben schillernd Buntem (die illustre Kirchengemeinde bei der Queen-Trauerfeier, die Stiftung der Patagonia Firma, die deutschen Siedler Bessarabiens), wähle ich für den Blog den Artikel „Social Media essen Diskurs auf“ über das neue Buch bzw. die aktuellen Gedanken von Habermas.
Hier ein paar Teaser:
>>In den alten analogen Zeiten gab es ein Kaleidoskop von medialen Kanälen: Zeitungen, Litfaßsäulen, Möbeleinrichter, Galerien, Illustrierte, Fernsehen, Radio und so weiter. Tausende analoge Influencer kommentierten die Welt über ihren Kanal und versuchten, die Menschen von Ansichten, Trends und Angeboten zu überzeugen. Das ist Habermas’ „Öffentlichkeit“.
Heute gibt es weniger als eine Handvoll digitale Plattformen, deren geheim gehaltene Algorithmen nur ein einziges Ziel verfolgen, nämlich das beschönigend so genannte „Engagement“ der User zu steigern. Das heißt: die Verweildauer und Aktivität auf der jeweiligen Plattform. Aus diesem Grund belohnen die Algorithmen Emotionalisierung, und das bedeutet vor allem negative Emotionen. Denn sie bringen Eskalation.
[…]
US-Netz-Vordenker Jaron Lanier fordert, anstelle des Euphemismus „Engagement“ die Begriffe „Sucht­erzeugung“ und „Verhaltensmanipulation“ zu verwenden.
[…]
Immer schon prägen Technologie und Ökonomie die ­Kul­tur. Die Instagram-Attitude des Ich-bin-so-hübsch-und-doch-so-traurig, die Twitter-­Polarisierung in Wutbürger und Moralapostel, der Realitätsverlust in den Echokammern von Face­book sind allesamt Effekte der Plattformökonomie. Die Technologie formatiert Kultur und Gesellschaft, das hatten schon Friedrich Nietzsche und Marshall McLuhan festgestellt: Nicht nur wir Menschen formen die Maschinen und die Medien, sondern umgekehrt auch sie uns.
[…]
Solange die Aufmerksamkeitsökonomie den Krawall anheizt, wird sich nie ein Diskurs er­geben, in dem nach Habermas der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ herrscht. Genau das ist seine Sorge, wenn er vom „Versiegen“ der „Deliberation“ spricht, der „rationalisierenden Kraft der öffentlichen Auseinandersetzungen“, ohne die die Demokratie nicht auskommt.<<

Für mein weiteres Tagesprogramm ist der Artikel „Weg von einem unterkomplexen Begriff von Nachhaltigkeit“ verantwortlich und wird mich ins Frankfurter Architekturmuseum führen, deren Ausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand“ ein Plädoyer für die Alternative zum Abriss formt.
Passt bestens zum eben beendeten Bauhaus-Roman von Theresia Enzensberger, das Buch mit der lebensfrohen (originalen, nachkolorierten) Fotografie auf dem Deckel:

musikalisches Trommeln

September 19, 2022

Ob komprimiertes Groove-Geheimnis oder eine Zauberformel, um den Sommer festzuhalten, egal:
Groove ist wie drei Kugeln Eis, musikalisches Trommeln wie die Eiswaffel mit Sahne und Streuseln!

Einen Rhythmus so aufzuführen, dass Dein Gegenüber gar nicht anders kann als sich zu bewegen, ist schon mal eine große (aber eigentlich machbare) Aufgabe (denn Du siehst ja sofort, ob es klappt oder nicht). Doch sobald der Groschen (an den Eisdieler) gefallen ist, dass hier drei Kugeln zu einem größeren Ganzen zusammenschmelzen, dass die (bewußte) Zusammenführung von Sound, Pattern und Attitude Groove entstehen lässt, fangen die Beats an zu rollen.
Hurra!

In der Eisdiele sorgt ein zusätzlicher Sahneklecks für eine noch stärkere Geschmacksexplosion, bunte Streusel oder ein schmucker Soßenbach erfreuen das ästhetische Empfinden. Auch diese Zutaten lassen sich aufs Trommelspiel übertragen. So finden sich Katalysatoren zum Beispiel in Gestalt von Fill-Ins oder überraschenden Effekten, vielleicht sogar in optischen Showeinlagen, bestimmt aber in der verbindenden Qualität, dem sogenannten „glue“, der die verschiedenen Ebenen (Schlagzeuginstrumente und/oder Musiker) zu einem stabilen, homogene Konstrukt zusammenschweißt.
Zack, wird trommeln zu Musik!
Jaaaa!!

PS. irgendwann wird uns Eismachern auffallen, dass es ja auch Eismaschinen gibt, die einem nicht nur Arbeit abnehmen können, sondern die musikalische Groove-Palette immens erweitern.
Weiter geht’s….

PPS. beim Drummer Meeting in Salzgitter (30.09. – 03.10.) möchte ich geschmacksvoll und tiefer in diesen Eisberg einsteigen…

nur $

September 16, 2022

Och nö: Geldbeutel verloren. Mit allen Ausweisen, Geldkarten und der Gage vom vorletzten Gig.
Der monetäre Verlust schmerzt, der anstehende Aufwand nervt, doch kaum wurden die notwendigen Schritte eingeleitet, ist das Drama schon fast vergessen. Zumal es auch eine andere Sichtweise gibt:
Nachdem mir Schlüssel und Börse schon einmal entwendet wurden hatte ich mir dafür eine große gelbe Tasche mit Reißverschluss besorgt, so dass ich sie sowohl gut spüren als auch im Blick haben kann. Und dennoch war ich vorgestern wohl derart in Gedanken, dass selbst dieser Aufmerksamkeitsmagnet meinen geliebten Papiergeldbeutel nicht schützen konnte – auf gerade mal 200 Metern zwischen Gemüsestand und Wohnung. In dieser Situation sehr ungeschickt, so völlig entkoppelt durch die Straße zu ziehen, doch sonst, beim Musikmachen, ist ja genau solch ein Tunnel das erkorene Ziel:
bis auf die Mitspielenden alles ausblenden und fliegen…
Insofern: nicht alles schlecht.

sometimes

happy

September 12, 2022

Der Morgen fühlte sich sehr gut an, zack wird versucht, den Begriff „Glück“ in Worte zu fassen.
Vielleicht ein positiver Schwebezustand, ähnlich wie mein heutiger Wochenstart nach einem erschöpfenden, jedoch musikalisch beseelten langen Wochenende: zuhause maximal ausschlafen, mit schöner Musik, offenem Fenster und einer Zeitung ausgedehnt frühstücken (also die grenzenlos Freiheit ausschöpfen dürfen), bis jene angenehme Entspannung entsteht, bei der direkt wieder neue Ideen losrollen…
OK, die Grundlage war aber auch eine Baustein-Klasse für sich:
Die Block Party auf der Container Insel war das Abschlußfest des großartigen Jazz Montez Sommerprogramms (sieben Wochen lang top kuratiertes Musikprogramm, dem ich Überschrift „Jazz plus!“ geben würde). Auch wenn ich diesen Abend (wegen einer weiteren schönen DJ-Nacht mit Michael Rütten) nur teilweise miterleben konnte, gefiel mir dieser kleine Ausschnitt schon mal ausgesprochen gut: von der Spielstätte „Zur Insel“ (das Curry-Pommes-Paradies der Truckerfahrer), deren nicht allzu großer Gastraum optimal genutzt wurde – im Bild schön zu sehen, wie ein störendes Regalbrett entfernt wird, damit auch die Eckbank vom später darauf stehenden Oli Leicht genutzt werden konnte – über DJ Nahom, dessen „Eritrean Anthology“ nicht nur als Soundtrack des eriträischen Neujahrsfest fungierte, sondern mir auch ein bis dato unbekannten Ein-Viertel-Vibe zuspielte, bis zum Auftritt des „Kabuki Ensemble“ selbst, mit dem die Veröffentlichung des Albums „No Maps for these Territories“ gefeiert wurde.

noch mehr schöne Fotos von Oli Leicht, dort.

Am Sonntag bin ich zum Karlsruher Rheinhafen gefahren, um nach 27 Jahren den Faden des Peter Lehel Quartetts (mit Ull Möck als Bassist und Keyboarder) erneut aufzunehmen.
Kurze Rede, nachhallender Sinn: es war wunderbar!

Dank gegenseitiger Wertschätzung, vollem Vertrauen und offenen Sinnen funktioniert da ein Konzert auch ohne jegliches Proben (was in dem Fall aber auch beabsichtigtes Konzept der Veranstaltung „Das Mysterium Improvisation – Struktur und Chancen“ war).
Diesbezüglich habe ich schon länger Gewissheit.
Doch, dass man nach einem halben Leben selbstverständlich, nahtlos und völlig stimmig einfach anknüpfen kann, als wäre die letzte gemeinsame Unternehmung vorgestern passiert, begeistert mich über die Maßen.
Damals war das Vertretungsgastspiel (für Dieter Schumacher) bei Lubber Blue bzw. dem Peter Lehel Quartett ein großes Glück, weil schöne Herausforderung und riesiger Lernschub. Ich durfte auf hohem Niveau in den Modern Jazz eintauchen. Beim nächsten Heimatbesuch werde ich die Fotodokumente unserer damaligen St. Petersburg Konzertreise suchen.

Ich übernehme direkt die taz-Überschrift vom Wochenende und werde sie auf meinen Herbst-Pulli drucken: erster fester Job (frühestens) mit 73!

PS. auch schön: der Artikel „Die Geschichte eines unerklärlichen Erfolges“ zum 25 jährigen Jubiläum des Bueno Vista Social Club (file under: Weltmusik) und das Moonchild Tiny Desk Konzert – danke, Jule 🙂

zwei Kopfhörer

September 8, 2022

Zum 92. Geburtstag von Sonny Rollins empfahl mir Oli Leicht das harmonieinstrumentlose „Way Out West“ Album aus dem Jahr 1957 (mit Shelly Manne am Schlagzeug).
Drummers, checkt den Woodblock-Track „I’m an old cowhand“
Und Heinrich Steinfest preist in „Der betrunkene Berg“ das von Evelyne Crochet gespielte Wohltemeperierte Klavier. Vor allem das Präludium zu Nummer 3*.

Und da man diese schöne Musik idealerweise unterm Kopfhörer genießen könnte, komme ich zum Punkt:
Ich möchte zwei meiner alten (nach wie vor funktionstüchtigen) Kopfhörer abgeben. Eigentlich ohne Gegenleistung, doch in diesen Zeiten würde ich um eine Miniaturspende an die Ärzte ohne Grenzen bitten. Abholung in Frankfurt oder Übergabe bei einem Konzert.
Einmal mein treuer Technics RP DJ1200, der mich Anfang der 2000er live unterstützt hatte, bis er durch ein HD-25 Endorsement abgelöst wurde. Offensichtlich schon etwas ramponiert (ein Muschelgelenk hält nur dank Klebeband, der metallene Klinkenstecker rutscht leicht aus der Plastikhalterung).
Und dann noch der UrbanEars „Zinken“ Kopfhörer meiner Frau. Weil das originale Verbindungskabel kaputt ging lag er einige Jahre herum. Geschickterweise hat der Hörer sowohl zwei Stereo-Klinkenbuchsen (3,5mm und 6,3mm), so dass er dank eines symmetrischen Klinkenkabels wieder abspielbereit ist. Lediglich der Kunststoff hat gelitten: die Optik ist rau…

* >>Und doch vernahm er jetzt den wunderbaren Klang dieser Komposition von Bach, die Nummer Drei aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers. Cis-Dur, nicht wahr? Und es stimmte ja, dass er diese gehasste Musik auch geliebt hatte, exakt dieses Stück, und sich schon damals gedacht hatte, dass, wenn er einmal sterben würde, er dann diese eine Musik hören wollte, natürlich nicht in der eigenen, die Finger abbrechenden Interpretation, sondern in der von … eventuell von Evelyne Crochet.
Schon wegen ihres schönen Namens, na ja, und auch des schönen Anschlags. Einfach nur den Anfang des Stücks, das Präludium, immer wieder das Präludium, Präludium, in einer in den Tod führenden Dauerschleife.<< (Seite 218f)

der DJ1200 anno 2000 mit „Marque“ in Köln, Prime Club

Nachlese(n)

September 5, 2022

Eine chinesische Geschichte, die Italo Calvino in einer seiner Harvard Vorlesungen (bzw. im Buch „Sechs Vorschläge für das neue Jahrtausend“ auf Seite 78f) erzählte:
>>Zu den vielen Fähigkeiten von Chuang-T zu gehörte seine Gewandtheit im Zeichnen. Der Kaiser bat ihn, einen Krebs zu zeichnen. Chuang-Tzu sagte, er brauche dafür fünf Jahre Zeit und eine Villa mit zwölf Bediensteten. Nach fünf Jahren war die Zeichnung noch nicht begonnen. »Ich brauche noch weitere fünf Jahren, sagte Chuang-Tzu. Der Kaiser gewährte sie ihm. Nach Ablauf der zehn Jahre nahm Chuang-Tzu die Feder, und in einem Augenblick, mit einer einzigen Handbewegung, zeichnete er einen Krebs, den perfektesten Krebs, den man je gesehen hatte.<<

Von Juli Zeh nehme ich die Erkenntnis mit,
>>dass Schönheit nicht im Extrem, sondern in der Balance zu suchen ist.<<
(„Nullzeit“, 2012)

Schließlich noch ein schöner gedanke aus dem aktuelllen Roman von Heinrich Steinfest („Der betrunkene Berg“ 2022):
>>Warum bloß war ein Verzicht, der einfache Umstand, etwas Bestimmtes nicht zu tun, so schwierig?<<

schöne fremde Welt

September 2, 2022

Guten Morgen aus Frankfurt, ab heute wird wieder mit dem Kopfhörer gereist. Der taz-Artikel „Fremde oder Freunde“ schlägt die Route vor, nämlich Weltmusik mit Bachir Attar & Elliot Sharp (traditionelle marokkanische Jajouka Musik über Drum Programmings aus dem Jahr 1990), sowie Mickey Hart’s aktueller „Planet Drum“ Verbund („In The Groove“ u.a. mit Zakir Hussain und Giovanni Hidalgo).

Nebenbei wird noch ein Korallengarten durchschwommen, mit leuchtenden Blüten wie Mory Kantés 87er Welthit „Yeke Yeke“ oder „Sweet Sixteen“ aus dem Jahr 1976, jene Version die Harts Diga Rhythm Band offenbar schon auf der Tanzfläche von New Yorks legendärer Disco „Paradise Garage“ getrommelt hatte. Schließlich noch der Verweis (bzw. des Artikels Kreisschluß) auf die eindrucksvolle Ndagga Rhythm Force (Dakar/Berlin).

>>Wie begegnen sich Fremde? Wahren sie distanzierte Neugierde oder sehnen sie sich danach, in einer Umarmung aufzugehen?
Der sogenannten World Music wurde vorgeworfen, diese Umarmung auf unredliche Weise zu inszenieren, Fremdheit nivellierend oder alles Artifi­zielle in ihrem Gestus der Natürlichkeit verleugnend.
[…] aber die einzelnen Musiker betonen auch, im Rhythmus etwas Universelles zu erkennen, kulturelle Barrieren transzendierend. Es bedarf keiner allzu esoterisch ausgestalteten Sensitivität, um im Beat tatsächlich mehr als nur eine Analogie des Herzschlags zu erspüren. Hart selber ist an der Forschung über die medizinische Wirkung von Rhythmen beteiligt, und so will diese Weltmusik auch auf keinen Ort verweisen, nichts vor der Vergessenheit retten, sondern sie experimentiert lediglich mit diesen oder jenen kulturell fixierbaren Tracks, etwa den sparsam addierten Gesangsspuren und einem oft polyrhythmischen Beat, der wie wenig anderes und dabei ziemlich hip zu klingen vermag.<<

Steine umdrehen

August 24, 2022

Zum Unterrichtseinstieg an der HfMDK händige ich den neuen Studierenden erstmal einen kleinen Fragebogen aus. Dabei geht es um die Standortbestimmung („Wo befinde ich mich gerade, wo will ich hin?“) und die darauffolgende gemeinsame Routenplanung.
Für ihre bzw. DEINE tatsächliche Reise habe ich aus dem Gespräch mit dem Wissenschaftsdirektor der Nasa, Thomas Zurburchen, einen wertvollen Tipp transkribiert. Er erzählt vom Nobelpreisträger Charles Hard Townes, der zwar wie viele ähnlich interessierte Wissenschaftler denselben, schon relativ abgegrasten Pfad (in dem Fall Physik/Optik) gewählt hatte, dabei jedoch gegenüber den anderen nicht scheller am Ziel sein wollte, sondern gemütlich die Steine am Wegesrand herumdrehte und begutachtete (was dazu führte, die Idee der Lasertechnologie zu begründen)

Leiter hoch und fliegen

August 22, 2022


Eigentlich kenne ich dieses Reisevergnügen nur aus Steffen Kopetzkys Roman „Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication“ und von unseren DePhazz Tourneen durch die Länder der ehemaligen Sowjetunion – abgespeichert habe ich das Konzept Nachtzug jedenfalls unter Transib, höchst entschleunigt und dennoch abenteuerlich. Dass dieses typische Nightliner-Feel aber auch durchaus familienkompatibel ist, darf ich jetzt freudig abnicken.
Also: gerne weniger Flugzeug, dafür mit der weltbesten Instantkaffeemischung (für die ich jeglichen Siebträger-Weltmeister links liegen lassen würde) vom Schlafwagenschnaffer geweckt werden.
Und geflogen wird im (Hochbett)-Traum oder am Zielort.

Da ich seit Covid, bei den Auslandshows nur noch mit Handgepäck aus dem Haus gehe, wurde auch dieser Ansatz auf den Familienurlaub übertragen. Sprich, zwei federleichte Wochen dank bloßem Tagesrucksack… in welchem selbstverständlich immer noch richtige Schätze neben dem Notwendigen Platz finden: wie Taucherbrille & Schnorchel, ein zufällig aus der alten Bücherkiste im Elternhaus gefischter Roman (Lion Feuchtwanger „Die Jüdin von Toledo“, engdruck, vor 30 Jahren gekauft, nie gelesen) und der inspirierende Podcast-Tipp von Andrea („Alles gesagt“ mit Thomas Zurbuchen).
Ach ja, etwas Musik, einen Drummer-Track, hatte ich auch eingepackt, „Shades“ von Silvan Strauss:

🤙

Leichtigkeit

Juli 31, 2022

Zwei schöne Textstellen:

>>Immer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der
Zukunft…<<
Italo CalvinoSechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ (1988)

>>We hear an echo of
a long reverberant but distant boom.<<
Matthew HerbertThe Music – An Album in Words“ (2018)

Passend dazu die Schiffshupe aus dem Hamburger Hafen,

sowie ein Shaker-Bild (denn wenn ein Percussion-Instrument die Leichtigkeit verkörpert, so ist es doch dieses Gefäß, das mittels kleinster Bewegung durch die Luft wirbelnde Teichen zum Klingen & Grooven bringt…)

PS. die Liste von Calvinos Vorschlägen muss unbedingt noch abgetippt werden, da sie uns für die persönliche Ausrichtung inspirierend und dienlich sein könnte:
1 Leichtigkeit, 2Schnelligkeit, 3 Genauigkeit 4 Anschaulichkeit, 5 Vielschichtigkeit, 6 Haltbarkeit

Und weil’s gestern nach dem Wülker Konzert in Rastatt Thema war, hier noch der Hinweis von Arne Janssen zu „Bill Frisell’s Top Ten Tips For Guitarists„.