Archive for the ‘Attitude’ Category

rückübersetzen, reinszenieren, Mikrophonie!

November 15, 2018

Heute bin ich zur Uni gepilgert. Wollte die Ringvorlesung (Spiel² – Die Integration von Spielkonzepten in zeitgenössische Musik, Musiktheater und Klangkunst) besuchen. Hörsaal 3 nicht gefunden und trotz c.t. too late.

Egal – ich hatte immerhin noch den Schluß des Video-Auschnitts von Stefan Panhans’ Freeroam À Rebours, Mod#I.1 gesehen, der mich beeindruckte. Denn der Film >>nimmt Formen des Ungenügens im Verhalten menschengesteuerter Avatare in Computerspielen zu seinem Ausgangspunkt. Diese ›Fehlerszenarien‹ werden rückübersetzt in die realen Körper seiner Performer*innen und mit filmischen Mitteln reinszeniert.<<
Ein Konzept, dass Jojo Mayers musikalischem Ansatz des „reverse engineering“ sehr nahe kommt (bei dem programmierte Beats und eine elektronische Klangästhetik auf das akustische Drumset und passende Spieltechniken übertragen werden).

Weil auch dieser Film erwähnt wurde (feat. Karlheinz Stockhausen als Mischpult-Spieler) und das darin (in unterschiedlichen Ebenen) traktierte Tamtam sehr gut in den Blog passt, hier noch eine kleine Zeitreise ins Jahr 1966:

[file under: live electronic acoustic musical performance / industrial]

vom Teufelskreis zum besonders eingekreisten Daumen

November 15, 2018

Da wälze ich meinerseits Gedanken und Ratgeber und male eine Denkblase voller Assoziationsanker, die dem Sog der Abwärtsspirale bei wiederkehrenden Eskalationsmustern trotzen sollen, und auf der anderen Seite der weltweiten Scheibe schafft ein profaner Facebook-Daumen multiple Verknüpfungen innerhalb meines Schreib-Universums, zudem ein warmes Bauchgefühl.

Lenny Castro Daumen

Es fühlt sich selbstverständlich gut an, dass mir ein (tatsächlich sehr traditionelles) Schlagzeugsolo derart viele Respektbekundungen und Instagram-Herzchen von tollen, hochgeschätzten TrommlerInnen beschert. Dass ich jedoch auch Lenny Castros Daumen aufpoppen sah, begeisterte mich im vollen Wortsinn. Denn ich verstand die WWWelt und ihre „Algorhythmen“ überhaupt nicht mehr.
Wie, um Himmelswillen, spülte es bitte meinen Facebook Post über den großen Teich, zumal ich Lenny zwar vor zehn Jahren persönlich kennengelernt, aber seitdem nichts mehr mit ihm zu tun gehabt habe?
Aber egal, er verbindet nun dieses Solo-Filmchen mit einem vorherigen Videobeitrag, in dem ich versuchte, die Drum und Percussion Ebenen aus Toto’s „Georgy Porgy“ irgendwie, und modern dazu, trommelnd zu verbinden. (Weisst ja, er hatte anno dazumal Congas, Glocke und Schüttelkram bedient. Look…)

 

Und hey, wenn jemand toll solieren kann, dann wohl bitte: Mr. Castro!
Oder sollte der sagenhaften Umstand „Groove“ erklärt werden, no prob, einfach irgendeinen seiner Percussion Tracks auswählen!
Sprich, die Messlatte hängt auf Stabhochsprungniveau. Insofern: kräftig roter Kopf zum blauen Like-Button.
Dennoch gilt meine Freude nicht nur dem Daumen des Rhythmuskönigs (welcher übrigens… andere Geschichte), sondern der offensichtlich auch existierenden schönen Seite der Social Media.

5 x 8sam

November 14, 2018

1. Das ausrangierte Marmeladeglas als Coffee-Togo Behälter umfunktionieren à la Martin Lejeune

2. Hotel-Ratschlag aus Tallinn (von Ulf Kleiner) beherzigen: Plastikflasche meiden! Drink tap water!
DP Esti-09920
bei uns ja eh: Leitungswasser schlägt Filterwasser

3. „flygskam“, sich wegen seiner Flugreisen schämen.
Also, wenn möglich: Bahnreisen (aus der taz: Schweden fährt Bahn – oder lieber gar nicht)

4. die eigene Einkaufstasche mitnehmen – OK, das ist einfach 🙂

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5. oft hilfreich: Deeskalationsstrategien

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…passender Soundtrack bzw. Mentalstütze zu den 5/8sam Punkten wäre dann Stings „Seven Days“ (in 5/4)…

PS. beim Durchlesen habe ich bemerkt, den wichtigsten (also 6. Sinn) vergessen zu haben – sorry, es ist: thinking! Selbstverständlich mit Musik….

PPS. keinen Fisch zu essen fällt mir leicht… eh klar

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draußen, drinnen, elektrisch

November 5, 2018

I. Landläufig werden die Wörter „Hall“ und „Echo“ gerne unterschiedslos verwendet, dabei  ist das das Echo ein Naturphänomen und meint die Wiederholung(en) eines Klangs („Wer ist der Bürgermeister von Wesel  -esel…esel“), der natürliche (Nach)Hall hingegen besteht aus Reflexionen in geschlossen „Räumlichkeiten“ (vom Auto bis zur Kathedrale).

II. Strom, Schallaufnahmen, Rundfunk – eine Collage*

>>…In the beginning of electric recording around the mid-twenties, recorded reverb was essentially the audible byproduct of a physical distance between a sound source and a microphone. Record companies sought out appropriate rooms for a desired effect. Right from the outset of early recording, those early pioneers were already working with mic placement and rooms for a desired effect<< (1)

>>But recorded music’s rise in popularity brought with it the question of how to recreate the sound of physical space.<< (3)

>>1928 schrieb die Times, dass aufgrund der neuen Forschungen die Konzepte von Sende- und Empfangsräumen neu überdacht werden müssten. Wegen der typischerweise kleinen Wohnungen der Rundfunkhörer könne da kein Hall erzeugt werden.<< (4)

>>One of the first documented uses of natural reverb to intentionally enhance a recording was by engineer Robert Fine, who introduced ambient mics on some of the early “Living Presence” recordings on Mercury Records.<< (2)

>>Countless methods emerged, some ingenious. That ghostly sound of Robert Johnson’s recordings? He sang and played guitar while sitting in a chair facing a corner of the room (the technique is called „corner loading„)<< (3)

>>Bill Putnam converted his studio’s bathroom to create one of the first purpose-built echo chambers, placing a speaker in one corner and a microphone in another, and mixing the sound with a live recording.<< (2)

>>Guitarist Duane Eddy used a 2,000-gallon water tank from a scrap yard, placing a speaker on end of the tank and a microphone on the other. Capitol Records built its concrete echo chambers 30 feet beneath its studio.<< (3)

>>None of those solutions are particularly portable, which in itself presents a problem that various contraptions sought to correct. There was the widely used EMT Reverb Plate [dt. Hallplatte] for instance, and much less-used oil can delays. Tape delay devices such as the Echoplex and the Roland Space Echo derived from the „slapback“ echo technique made famous by Sam Phillips at his Sun Studio. Essentially a tape machine with two playback heads, one that repeats milliseconds after the first, it defined the sound 1950s rock and roll. Along with Chet Atkins, it was Elvis’s guitarist, Scotty Moore who brought artificial reverb out of the studio and onto the stage<< (3)

>>Another technology that emerged during the ’50s was spring reverb (dt. Federhall).<< (2)


>>The advent of digital technology in the late ’70s and early ’80s changed the face of most things audio-related, including reverb. Digital reverbs made it possible to create “programs” that emulated the natural ambience of any space<< (2)

>>with artificial reverb, studio engineers could bend reverb to their will. Often they did so to mimic the sounds of great concert halls and cathedrals, but for some, artificial reverb allowed them to become the virtual architects of spaces that could never exist in the real world. They could create the aural equivalent of M.C. Escher drawings.<< (3)

III. Heute
>>Heute passt das Äquivalent eines Studios der vergangenen Jahrzehnte in einen einzigen Laptop hinein. So bemerkenswert praktisch das auch ist, es inspiriert das eigene Schaffen sich daran zu erinnern, dass die aktuellen Audioprogramme und Plattformen nur einen Teilschritt einer Entwicklung darstellen, die fast 100 Jahre zurückreicht.<< (5)

*
(0) = https://www.uaudio.de/blog/emt-reverb-history/
(1) = https://www.uaudio.de/blog/the-basics-of-reverb/
(3) = https://www.theatlantic.com/entertainment/archive/2012/06/how-humans-conquered-echo/258557/
(4) = https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhall
(5)= https://www.ableton.com/de/blog/studio-as-an-instrument-part-3/

Selbstmotivierung mit Stift

November 4, 2018

Beim Trommeln liebe ich den Moment, Risiko und Fallhöhe der Jetzt-Musik, beim Texte Schreiben hingegen die Korrekturfunktion (und viel Zeit). Stegreif first takes – Fehlanzeige…
Sprich, ich beginne mit einer guten Idee, aber der Aufschrieb neigt zum Stocken.
In solch einer Situation bin ich froh um den auto-psychologischen Kunstgriff des (persönlich) verbrieften Inspirations-Modus. Meiner ist die Badewanne. Ich lege mich rein und die Gedanken sortieren sich wie auf Knopfdruck, ich schöpfe neue Kraft und steige hochmotiviert heraus bzw. direkt zum Schreibtisch.
Heiss baden und ab ins Reich der Träume – no way…die Ideen müssen erst notiert werden.

In diesem Sinne rate ich: hey beobachte Dich und finde/benenne Deine Inspirationsinsel auf die Du Dich bei Erschöpfung, Blockade oder sonstigen dunklen Wolken zurückziehen kannst – Reset und frische Ideen inklusive.

Benny Greb hat neulich ebenfalls einen eleganten Trick kommuniziert,  Überschrift: >>leave your luggage at the door<<.
Eine wirkungsvolle Strategie, bei der aller gegenwärtige Kopfballast (beispielsweise im Proberaum, vor dem Zubettgehen) aufgeschrieben und im  „Rückweg“ platziert wird – analog zu den gepackten Koffern, die man nach einer kurzen Hotelnacht auf keinen Fall vergessen möchte – auf das sich alle Sinne voll und ganz der nächsten Aufgabe (Schlagzeugspielen, schlafen) widmen können

Ich liebe nicht nur das Vollbad, sondern auch die Visualisierung musikalischer Inhalte (auf unerwarteten Ebenen).
Im folgenden Beethovens Fünfte, die mit Boštjan Čadežs Online-Flash-Tool Line-Rider erstellt wurde:

Shaker verkehrt oder ich im Rosanna Pullover

Oktober 31, 2018

Zur Vorbereitung der Joo Kraus/Uwe Ochsenknecht Gigs (1, 2)  war ich seit langem mal wieder im Bunker.
Und da meine Singles bekanntermaßen nicht die flottesten sind, wurde bei Georgy Porgy mit verschiedenen Shakern zum Stock in der rechten Hand experimentiert.
Erfahrungsmäßig gut und typisch funktionierte der Meinl Alu Shaker, richtig spannend (leider auch für Sehnen und Muskeln) wurden die getrommelte Achtel-Hihats mit einem verkehrt herum gehaltenen One-Shot-Shaker (also mit Daumensymbol nach unten), hör‘:

PS. das dementsprechende Toto Feel kam bestimmt durch Andreas Pullover, der jetzt meiner ist…
PPS. beim Soundcheck in Ulm meinte Joo, dass wann immer er ein Tempo 96 brauche, er kurz „Georgy Porgy“ ansingen würde (siehe Inner Clock Game).
PPS. my #perfectpair is a trio

BOwChickaWOWWOW

Oktober 25, 2018

Questloves ergreifenden Nachruf zum Tod von Wah Wah Watson befolge ich gerne – „go to soundtrack in your head“ – und füge einige Hancock Tunes dazu und jenes ganzheitliche Zusammenspiel mit Meshell Ndegeocello.

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I can’t even properly structure the sentence to convince you guys how much THIS particular guitar god effects your life. You know how when it’s sexy time (& if you are of age) the go to soundtrack in your head is some pimped out BOwChickaWOWWOW?—yeah well study up on the proprietor of the sexy “say brotha” “cool breeze” “rat on rat on” guitar playing. See? I can’t even do a proper memoriam tribute w/o injecting humor in his resume before his name #WahWahWatson. That iconic #LetsGetItOn intro? Wah Wah Watson. That long ass intro in #PoppaWasARollingStone? Wah Wah Watson. Barry White’s lush “Love’s Theme”? Or those sexy echo trills on Maxwell’s #TilTheCopsComeKnockin? Even his touches made the non singles from #OffTheWall memorable (#ItsTheFallingInLove #GetOnTheFloor #Girlfriend)—-all due respect to the cat who oooozed love and passion from his craft Wah Wah Watson rest in power.

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der fahrbare Proberaum

Oktober 22, 2018

Gleb erzählte mir neulich von Cosmo Klein und seinem Session-fähigen Wohnmobil.
Super – ich liebe die (Einschlaf-) Vorstellung vom „Schlagzeug im Mobile Home“ und auch Hymer Wanderdünen gefallen mir, vor allem die alten Bedford Blitz und Hymer S660.

Von Brian Frasier Moore schaue ich mir gleich noch folgenden Klangoption ab:
linke Hand spielt Rimclick, der rechte Stock spielt auf dem linken Sidestick einen Buzzroll:

#vanlife

100 Jahre Copyright

Oktober 18, 2018

Wäre ich in Berlin, würde ich dieses Wochenende das von Detlef Diederichsen kuratierte Festival „100 Jahre Copyright“ besuchen.

Falls Du am Sonntag im Rhein-Main-Gebiet bist, komm doch ins Rüsselheimer „Rind“. Dort werden wir mit Luminos W auch den ein oder anderen Beitrag zum Thema leisten, beispielsweise unsere Collage über das Soul II Soul Acappella von „Back to life“:

Weckgummi Loops

Oktober 18, 2018

Kreativ und interessant klingend: die Weckgummi-Schallplatten-Schleifen des IFF (Institut für Feinmotorik):

>>Was als Experiment auf einem Trip begann, entwickelte sich zu einem Projekt mit strengem Manifest…<< (aus Don’t DJ: Immer schön im Kreis)