Archive for the ‘Recording’ Category

Art of September

September 10, 2022

Ich war gestern zusammen mit Marc Inti im schönen Art of June Studio. Dortige Erkenntnis:
ein Rode NT-1000 fürs Standtom klingt ungemein fett (OK, das alte Superstar 16er liefert aber auch eine hervorragende Grundlage), die schwedischen Milab VM-44 Kondensor-Stäbchen sind eine ernstzunehmende Neumann KM-184 Alternative und sollten mal in Ruhe geprüft werden.
Und im dort ausgelegten Buch „Sound of the Cities“ fand ich im Bristol-Kapitel folgenden Satz:
>>Geht es aber um die Musikgeschichte seiner Heimatstadt, wird er ernst. »Manchmal kommt die beste Musik aus den deprimierendsten Städten. In den 70ern gab es für uns als Teenager absolut nichts. Und weil es nichts gab und es nichts zu tun gab, träumten wir, woanders zu sein. Und wenn man beginnt zu träumen, beginnt man, kreativ zu werden«, sagt [Mark] Stewart.<<

Heute gibt’s den Party-Doppelpack mit dem Kabuki-Ensemble beim Blockparty-Festival (Frankfurt, Gastätte zur Insel, 21h) und anschließend ein Jam mit DJ Michael Rütten (Offenbach, Filmklubb ab 22.30).
Optimale Einstimmung dafür die Soulsearching Radiosendung vom 08.09.2022 – die direkt mit dem Dilla Remix von Brand New Heavies‘ „Sometimes“ in die Vollen geht – inklusive Nadelsprung 🙂

Brand New Heavies + J Dilla + Rütten & Rubow

Am Sonntag um 16 Uhr dann ein Improvisations-Special mit Peter Lehel und Ull Möck in Karlsruhe (KIT Werkstattpalast am Rheinhafen). Beziehungsweise eine Wiederaufnahme des Lubber-Blue-Jazz-Fadens aus dem Jahr 1994/95…. Hurra!

Drumcomputer Rätsel

September 3, 2022

Ahhh, ich liebe Rätsel und Ratespiele. Die aktuelle „electronic beats“ Blind Test Episode passt bestens hierher in den e-Beats Blog:

Zufälligerweise bin ich zur Zeit auch mit meinem Drumcomputer zugange, wobei es mir eher darum geht in eben nicht wie eine typische, wiedererkennbare Drum Machine klingen zu lassen. Dafür hänge ich hinter dessen Output einen Boss SL-20 Slicer, einen Pitch-Shifter (Whammy II), sowie einen EHX Graphic Fuzz, der als Equalizer und Distortion Pedal sich um die Frequenzen und Obertöne kümmert.
Zusätzlich schleife ich auch die Acidlab Bassline durch die gesamte Effektkette.
Jetzt ist einiges möglich, von der bloßen Textur, über den Rhythmus-Loop, hin zu eindeutigen tonalen Statements. Vor allem ist das Gebilde total flexibel, da sich das Tempo des Arturia Drum Brute tippen lässt (tap tempo) und sie mittels Midiclock die Geschwindigkeit von Bassline und Slicer synchronisiert.

Im YouTube Filmchen werden nicht nur meine elektronischer Partner in Szene gesetzt, sondern auch die beiden Meinl Smack Stacks Clapper. In Anlehnung an die Architektur des TR-808 Claps präpariere ich sie gerne mit (mindestens) einer Sizzle-Kette, für meinen akustischen Lieblingsklang ändere ich Anordnung der einzelnen Bestandteile wie folgt: Byzance Modell 16″/12″/14″, HCS Modell 16″/12″/10″/14″.
Zudem experimentierte ich auch mit der Mikrofonierung der Smack Stacks und bin zu dem Schluß gekommen, dass die Abnahme mit einem dynamischen Mikrofon (in dem Fall ein Shure SM57), sowie eine Bearbeitung mit einem mitten betonenden EQ (hier Fab Filter Pro-3) total Sinn machen.
Natürlich (haha) lässt sich der Smack Stack Sound auch noch elektronisch aufhübschen:
mittels angehängtem Hall-Effekt oder gar einem zugemischten Rauschgenerator (der via Sidechain-Gate von den Smack Stack Impulsen getriggert wird).

Lehrer!

Juli 17, 2022

Durch Zufall heute John Maedas „Simplicity“ aufgeschlagen und bei dieser Kurzgeschichte gelandet:

Die Lehrer-Story passt bestens zu meinem Freitag-Vormittag-Kaffee mit Wolfgang Haffner. Über Volker Kriegel sind wir nämlich bei Wolfgangs Wurzeln gelandet, bei den Trommlern Evert Fraterman (Lehrer #2, mehr Pop) und Harald Pompl (Lehrer #1, mehr Jazz, eigentlich ein Doppelkünstler: >>der Mann ist Bildhauer*, auch am Schlagzeug<<), natürlich auch bei Mentor Albert Mangelsdorff (>>Glaub nicht, dass Du was Besseres bist als der Handwerker nebenan<<).


Im direkten Anschluss dann mit der Bahn ins Waldstadion, Lehrstunde in puncto Megakonzert-Drumming von Flo Dauner! Klar , geradlinig, kompakt – mit ausgewählten Energieausbrüchen!

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Wenn im Interview mit einem Field-Recording-Artist Sätze fallen wie dieser –
>>Ich habe das Gefühl, dass die Grundprinzipien des Westens animalisch sind und auf dem Konzept von Rebellion und Eroberung bauen. Es wird viel Druck auf Leute aus dem Medienbereich ausgeübt, so wie DAWs Druck auf Sound ausüben.<<
dann habe ich Lust, mitzudenken und einzutauchen. Auch so darf gelernt werden…
Alles weitere im Ableton Künstler-Portrait „SUGAI KEN: Stille, Natur und Tradition in Field-Recordings„. 

In Instagram folge ich nach mehreren überraschenden Stolper-Quadraten den vintage.drum.catalogs. Hey, ich hatte mich immer schon gefragt, ob es je eine gefertigte Concert-Kick gab. Und ja, gab es, sogar mit einem verchromten Ring für den eleganten Abschluss.
Das Slingerland „Pop“ Outfit aus dem Jahr 1977.
Wieder Wissen!

Wer sich für die implementierte KI des Ozone 9 Mastering PlugIns interessiert, kann sich dort einlesen.
Und wer sich mehr für „The Philosophy of Bass“ erwärmen mag, schaut hier:

* a propos, Pompl, der Bildhauer. Hier noch ein schönes Zitat aus einer anderen Ableton-Folge:
>>Sound ist ein Block Lehm, und der EQ ist der Bildhauer.<<

calculate

Mai 19, 2022

Hier im Hause Rubow steht heute Mathe auf dem Zettel: im einen Zimmer Wurzelbehandlungen und irrationale Zahlen, in meiner Ecke eher einfacher Taschenrechner:
Erst neulich las ich noch wieviele dieser elektronischen Rechenboxen wertlos in den Schubladen dieser Welt vergammeln, doch diese Kiste, der RetroKits RK-008 Real Time Multitrack MIDI Recorder, präsentiert sich äußerst verlockend. Zack (träume ich) wie sie meine (getrommelte) MIDI-Performance (mit Roland SPD-SX und Vermona DRM-III und vielleicht noch einem passenden Effektgerät) aufzeichnet.
Kostet 350 €. Gleich mal rechnen, ob sich das lohnt…

Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow

Mai 14, 2022

Gestern las ich im IG einen beruhigenden Satz, der geschmackvoll aufdeckt, dass Unschärfen ebenso zum gesunden Menschenverstand gehören, wie das Eindeutige und wissenschaftlich Verbriefte:
„Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow“.

Wenige Posts später fand ich den passenden Gelbton dazu. Nämlich die Farbe des Sony-Sports Walkman, die offenbar nicht nur dem tragbaren Abspielgerät den Anstrich besorgte, sondern auch seinen Geschwister, den Heimstudioboxen „Studiolabo“ von Sony, die es in zwei verschiedenen Größen gab.


Sie werden wohl in der nächsten Zeit während der Einschlafphase meine Pförtnerhaus-Fantasie ersetzen…

Gegengewichte

März 2, 2022

Ich brauche das positive Gegengewicht. Gehe raus, in die Markthalle, zum Main, ins Museum. Dort gibt’s auf Anweisung von John Cage gerade den Museumcircle zu erkunden. Mit Respekt vor dem Meister (der an anderer Stelle so schön schrieb: >>eine Möglichkeit Musik zu komponieren: untersuche Duchamp<<), lasse ich den Zufall bestimmen und schlage vor Ort willkürlich zwei Bücher auf deren Inhalte nicht besser passen könnten.
Einmal John Cage selbst:
>>Inneres Ziel; in alle Richtungen gehen. * Entmilitarisierung der Sprache (keine Regierung) . * Eine Musik, die keine Probe braucht . * Die Füße auf dem Boden. * Alles in den Fluß bringen (Thoreau: Ja und Nein sind Lügen. Die einzig wahre Antwort wird alles in Fluß bringen). * Kunst ist Selbständerung. * Unmöglichkeit wiederholter Handlungen; Verlust des Gedächtnisses. Diese beiden zu erreichen, ist ein Ziel (Duchamp) Komplexität der Natur; die<<

Dann die erste Seite des berühmten Essays von Henry David Thoreau, 1849:
>>Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat
Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: »Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert«; und ich sähe gerne, wenn schneller und gründlicher nach ihm gehandelt würde. Wenn er verwirklicht wird, dann läuft es auf dies hinaus und daran glaube ich auch: »Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert«; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden, wird dies die Form ihrer Regierung sein. Eine Regierung ist bestenfalls ein nützliches Instrument; aber die meisten Regierungen sind immer – und alle sind manchmal – unnütz. Die Einwände, die man gegen ein stehendes Heer vorgebracht hat und davon gibt es viele und gewichtige, die sich durchsetzen sollten -, können letztlich auch gegen eine ständige Regierung erhoben werden. Das stehende Heer ist doch nur ein Arm der ständigen Regierung. Diese Regierung aber, die nichts weiter als die Form ist, welche das Volk zur Aus- führung seines Willens gewählt hat, kann leicht mißbraucht und verdorben werden, bevor das Volk Einfluß darauf nehmen kann.<<

Aber auch für den Schlagzeugbereich habe ich etwas Schönes entdeckt, zwei top Fotos aus dem neuen Buch über Stewart Copeland „Drumming in The Police and Beyond“ (Hudson, 2021). Nämlich dessen aktuellen Delay-Aktivator und endlich mal die Abbildung eines fetten Basstrommel-Steins!

Schließlich noch ein kreativer Workaround von Abe Laboriel Jr. in puncto fehlendem/kaputtem Kick-Mic-Stand, die gute Klopapierrolle!



Bruderkuss

Dezember 1, 2021

Das Frankfurter MMK gratuliert der in Frankfurt lebenden Fotografin Barbara Klemm zum Folkwang-Preis für ihr Lebenswerk.
Ich versinke in der dargestellten Geschichte, erfreue mich an den vier MD441er und grußküsse (aus Frankfurt) meinen Bruder virtuell…

Anlässlich Jacos 70stem höre ich mir Robert Lochmann Sendung auf RadioX an.

im Bus oder als Maschine

September 15, 2021

Vom 15. -18. September ist wieder Superbooth in Berlin.

Stellvertretend für bestimmt ganz viel Spannendes weise ich auf Martin Stimming’s Instant Mastering Chain (mit nur einem Kilogramm Gewicht äusserst reisefreundlich, auch für den Drum Bus empfohlen), sowie auf die fette Erica Synths Pērkons HD-01 Drum Machine (mit Analog Delay!) hin.

Passend dazu – als Nachträg zum nine-o-nine day – eine schickes Foto von Cinthie mit dem geliebten Roland Meilenstein.

PS. wer gerne auf TR-707 und TR-727 in der DAW zocken würde, kann sich dort mal umschauen…(danke für den Tipp, Axel!)

listen while you work!

September 15, 2021

Matthew Herbert ist nicht nur Doctor Rockit, sondern auch ein Doktor der Philosophie. Und hat seine Dissertation „Listen while you work: negotiating power and meaning in post-concrete music“ hier online gestellt.

Der Klappentext beginnt mit einem Verweis auf die Musique Concrète:
>>Following the radical affordances of the then-recent technologies the microphone and tape, Musique Concrète proposed that all sound could now become music. In that moment, new boundaries in music were crossed, not just in the way theorists and composers acknowledged at the time as a flattening of sonic hierarchies, but also in the explicit revelations of meaning and power embedded in this newly recorded sound world.<<

Ich denke über den Paradigmenwechsel nach, der durch die Aufnahme-/Wiedergabemöglichkeit von Musik entstanden ist, aber auch über ein erweitertes Vertständnis jenseits expliziter Instrumente und Stimmen, denke auch ans Geräusch und zack spielt mir die taz einen spannenden Bericht/Buchtipp über „Noise“ als Verzerrer von menschlichen Entscheidungenund Ideen zur Verbesserung von Entscheidungsrhythmen.

Es gibt also eins a Leseprogramm für die anstehenden Zugfahrten. (Klar: read while you work, funktioniert bei nicht…)

momentan sehr dunkel, aber…

September 10, 2021

Hey, liebster Moritz reise gut weiter! Das wird Dir als leidenschaftlichem und bestens ausgechecktem Fernreisenden nicht schwer fallen. Bin gespannt, was Dir für diesen Weg einfallen wird, da ja all Deine „classics“  (die ich nahezu alle übernommen habe) – 

vom elegant eingetüteten Kaffeebesteck (je nach Tourumfang und –größe: Esbit Kocher, Herdkännchen plus Handmühle oder Siebträger), über die obligatorisch gelbe Aerobie Frisbee, den Smoothie Mixer (und Spirulina Zusätze), das Longboard, Badehose & Sonnenbrille, fetter Kopfhörer, nebst feiner Auswahl an Punkrock, Dub und Hip-Hop Krachern –

nicht mitführbar sind. Ist bei Deinem Optimismus, Deiner Neugierde und dem Erfindungsreichtum* bestimmt kein Problem!

Sprich, um Dich mache ich mir keine Sorgen, aber für uns Hinterbliebenen ist’s verdammt heftig. Und erstmal äusserst dunkel. Du und dein sonniges Gemüt, Deine Leidenschaft und Lebenslust, ihr werden auf vielen Ebenen fehlen, Dein stimmiger Sound (warm & druckvoll) ohnehin.Aber hey, wenn ich mich jetzt durch die Bilder, Nachrichten und Erinnerungen wische, kommen wieder sonnige Strahlen zum Vorschein. Ich werde bei jedem gelungen Kaffee, bei jedem imposanten Frisbee-Fang an Dich denken – danke für weit über 20 Jahre gemeinsamen Tourens, danke für die Freundschaft.
Den anvisierten Besuch bei Mad Professor werden wir in einer anderen Welt nachholen und heute Abend trommle ich einen lauten Reverbshot in Deine Richtung!

* für den inhaltlichen Blogbezug reihe ich noch ein paar musikalische Highlights aneinander:

Moritz stimmiger Sound war ein Amalgam aus Dub und Hiphop, dennoch nie aggresiv eher angenehm süffig, poppig, charmant. Er liebte einen fetten Bass, Echos und Reverbshots. In Bezug auf letztere gab es in die vielen DePhazz verschiedene Ansätze:
– immer, die von ihm zum Moment passenden, manuell gefahrenen Öffnungen des Aux-Send.
– bei meiner Timbale zu dem die Option, dass ich einen größeren Hallraum (mittels Gate) durch die Schlagstärke erzwingen kann.
PS. das Fenster-Foto stammt aus Odessa. In dieser Venue wurde die Timbale mal nur mit 4 Sekunden verhallt…

Für einen durchsetzungsfähigen Sidestick Sound wurde mit Klebe-Piezos, Klemmtriggern oder zusätzlichem Mikrofon für den Kessel experimentiert.

Ein Post über Moritz ohne Musik geht nicht. In diesem Sinn hänge ich folgende Jamaika-Juwelen dran (die ich heute Abend ebenfalls spielen werde), sowie Herrn Elsners Netzer Mitschnitt  aus dem Jahr 2006:

Hier noch ein schönes Foto von Jochen Etzels FB-Beitrag, Sommer 2016, Cro Unplugged Festival: