Archive for the ‘Recording’ Category

calculate

Mai 19, 2022

Hier im Hause Rubow steht heute Mathe auf dem Zettel: im einen Zimmer Wurzelbehandlungen und irrationale Zahlen, in meiner Ecke eher einfacher Taschenrechner:
Erst neulich las ich noch wieviele dieser elektronischen Rechenboxen wertlos in den Schubladen dieser Welt vergammeln, doch diese Kiste, der RetroKits RK-008 Real Time Multitrack MIDI Recorder, präsentiert sich äußerst verlockend. Zack (träume ich) wie sie meine (getrommelte) MIDI-Performance (mit Roland SPD-SX und Vermona DRM-III und vielleicht noch einem passenden Effektgerät) aufzeichnet.
Kostet 350 €. Gleich mal rechnen, ob sich das lohnt…

Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow

Mai 14, 2022

Gestern las ich im IG einen beruhigenden Satz, der geschmackvoll aufdeckt, dass Unschärfen ebenso zum gesunden Menschenverstand gehören, wie das Eindeutige und wissenschaftlich Verbriefte:
„Red onions are clearly purple and orange juicy is yellow“.

Wenige Posts später fand ich den passenden Gelbton dazu. Nämlich die Farbe des Sony-Sports Walkman, die offenbar nicht nur dem tragbaren Abspielgerät den Anstrich besorgte, sondern auch seinen Geschwister, den Heimstudioboxen „Studiolabo“ von Sony, die es in zwei verschiedenen Größen gab.


Sie werden wohl in der nächsten Zeit während der Einschlafphase meine Pförtnerhaus-Fantasie ersetzen…

Gegengewichte

März 2, 2022

Ich brauche das positive Gegengewicht. Gehe raus, in die Markthalle, zum Main, ins Museum. Dort gibt’s auf Anweisung von John Cage gerade den Museumcircle zu erkunden. Mit Respekt vor dem Meister (der an anderer Stelle so schön schrieb: >>eine Möglichkeit Musik zu komponieren: untersuche Duchamp<<), lasse ich den Zufall bestimmen und schlage vor Ort willkürlich zwei Bücher auf deren Inhalte nicht besser passen könnten.
Einmal John Cage selbst:
>>Inneres Ziel; in alle Richtungen gehen. * Entmilitarisierung der Sprache (keine Regierung) . * Eine Musik, die keine Probe braucht . * Die Füße auf dem Boden. * Alles in den Fluß bringen (Thoreau: Ja und Nein sind Lügen. Die einzig wahre Antwort wird alles in Fluß bringen). * Kunst ist Selbständerung. * Unmöglichkeit wiederholter Handlungen; Verlust des Gedächtnisses. Diese beiden zu erreichen, ist ein Ziel (Duchamp) Komplexität der Natur; die<<

Dann die erste Seite des berühmten Essays von Henry David Thoreau, 1849:
>>Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat
Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: »Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert«; und ich sähe gerne, wenn schneller und gründlicher nach ihm gehandelt würde. Wenn er verwirklicht wird, dann läuft es auf dies hinaus und daran glaube ich auch: »Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert«; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden, wird dies die Form ihrer Regierung sein. Eine Regierung ist bestenfalls ein nützliches Instrument; aber die meisten Regierungen sind immer – und alle sind manchmal – unnütz. Die Einwände, die man gegen ein stehendes Heer vorgebracht hat und davon gibt es viele und gewichtige, die sich durchsetzen sollten -, können letztlich auch gegen eine ständige Regierung erhoben werden. Das stehende Heer ist doch nur ein Arm der ständigen Regierung. Diese Regierung aber, die nichts weiter als die Form ist, welche das Volk zur Aus- führung seines Willens gewählt hat, kann leicht mißbraucht und verdorben werden, bevor das Volk Einfluß darauf nehmen kann.<<

Aber auch für den Schlagzeugbereich habe ich etwas Schönes entdeckt, zwei top Fotos aus dem neuen Buch über Stewart Copeland „Drumming in The Police and Beyond“ (Hudson, 2021). Nämlich dessen aktuellen Delay-Aktivator und endlich mal die Abbildung eines fetten Basstrommel-Steins!

Schließlich noch ein kreativer Workaround von Abe Laboriel Jr. in puncto fehlendem/kaputtem Kick-Mic-Stand, die gute Klopapierrolle!



Bruderkuss

Dezember 1, 2021

Das Frankfurter MMK gratuliert der in Frankfurt lebenden Fotografin Barbara Klemm zum Folkwang-Preis für ihr Lebenswerk.
Ich versinke in der dargestellten Geschichte, erfreue mich an den vier MD441er und grußküsse (aus Frankfurt) meinen Bruder virtuell…

Anlässlich Jacos 70stem höre ich mir Robert Lochmann Sendung auf RadioX an.

im Bus oder als Maschine

September 15, 2021

Vom 15. -18. September ist wieder Superbooth in Berlin.

Stellvertretend für bestimmt ganz viel Spannendes weise ich auf Martin Stimming’s Instant Mastering Chain (mit nur einem Kilogramm Gewicht äusserst reisefreundlich, auch für den Drum Bus empfohlen), sowie auf die fette Erica Synths Pērkons HD-01 Drum Machine (mit Analog Delay!) hin.

Passend dazu – als Nachträg zum nine-o-nine day – eine schickes Foto von Cinthie mit dem geliebten Roland Meilenstein.

PS. wer gerne auf TR-707 und TR-727 in der DAW zocken würde, kann sich dort mal umschauen…(danke für den Tipp, Axel!)

listen while you work!

September 15, 2021

Matthew Herbert ist nicht nur Doctor Rockit, sondern auch ein Doktor der Philosophie. Und hat seine Dissertation „Listen while you work: negotiating power and meaning in post-concrete music“ hier online gestellt.

Der Klappentext beginnt mit einem Verweis auf die Musique Concrète:
>>Following the radical affordances of the then-recent technologies the microphone and tape, Musique Concrète proposed that all sound could now become music. In that moment, new boundaries in music were crossed, not just in the way theorists and composers acknowledged at the time as a flattening of sonic hierarchies, but also in the explicit revelations of meaning and power embedded in this newly recorded sound world.<<

Ich denke über den Paradigmenwechsel nach, der durch die Aufnahme-/Wiedergabemöglichkeit von Musik entstanden ist, aber auch über ein erweitertes Vertständnis jenseits expliziter Instrumente und Stimmen, denke auch ans Geräusch und zack spielt mir die taz einen spannenden Bericht/Buchtipp über „Noise“ als Verzerrer von menschlichen Entscheidungenund Ideen zur Verbesserung von Entscheidungsrhythmen.

Es gibt also eins a Leseprogramm für die anstehenden Zugfahrten. (Klar: read while you work, funktioniert bei nicht…)

momentan sehr dunkel, aber…

September 10, 2021

Hey, liebster Moritz reise gut weiter! Das wird Dir als leidenschaftlichem und bestens ausgechecktem Fernreisenden nicht schwer fallen. Bin gespannt, was Dir für diesen Weg einfallen wird, da ja all Deine „classics“  (die ich nahezu alle übernommen habe) – 

vom elegant eingetüteten Kaffeebesteck (je nach Tourumfang und –größe: Esbit Kocher, Herdkännchen plus Handmühle oder Siebträger), über die obligatorisch gelbe Aerobie Frisbee, den Smoothie Mixer (und Spirulina Zusätze), das Longboard, Badehose & Sonnenbrille, fetter Kopfhörer, nebst feiner Auswahl an Punkrock, Dub und Hip-Hop Krachern –

nicht mitführbar sind. Ist bei Deinem Optimismus, Deiner Neugierde und dem Erfindungsreichtum* bestimmt kein Problem!

Sprich, um Dich mache ich mir keine Sorgen, aber für uns Hinterbliebenen ist’s verdammt heftig. Und erstmal äusserst dunkel. Du und dein sonniges Gemüt, Deine Leidenschaft und Lebenslust, ihr werden auf vielen Ebenen fehlen, Dein stimmiger Sound (warm & druckvoll) ohnehin.Aber hey, wenn ich mich jetzt durch die Bilder, Nachrichten und Erinnerungen wische, kommen wieder sonnige Strahlen zum Vorschein. Ich werde bei jedem gelungen Kaffee, bei jedem imposanten Frisbee-Fang an Dich denken – danke für weit über 20 Jahre gemeinsamen Tourens, danke für die Freundschaft.
Den anvisierten Besuch bei Mad Professor werden wir in einer anderen Welt nachholen und heute Abend trommle ich einen lauten Reverbshot in Deine Richtung!

* für den inhaltlichen Blogbezug reihe ich noch ein paar musikalische Highlights aneinander:

Moritz stimmiger Sound war ein Amalgam aus Dub und Hiphop, dennoch nie aggresiv eher angenehm süffig, poppig, charmant. Er liebte einen fetten Bass, Echos und Reverbshots. In Bezug auf letztere gab es in die vielen DePhazz verschiedene Ansätze:
– immer, die von ihm zum Moment passenden, manuell gefahrenen Öffnungen des Aux-Send.
– bei meiner Timbale zu dem die Option, dass ich einen größeren Hallraum (mittels Gate) durch die Schlagstärke erzwingen kann.
PS. das Fenster-Foto stammt aus Odessa. In dieser Venue wurde die Timbale mal nur mit 4 Sekunden verhallt…

Für einen durchsetzungsfähigen Sidestick Sound wurde mit Klebe-Piezos, Klemmtriggern oder zusätzlichem Mikrofon für den Kessel experimentiert.

Ein Post über Moritz ohne Musik geht nicht. In diesem Sinn hänge ich folgende Jamaika-Juwelen dran (die ich heute Abend ebenfalls spielen werde), sowie Herrn Elsners Netzer Mitschnitt  aus dem Jahr 2006:

Hier noch ein schönes Foto von Jochen Etzels FB-Beitrag, Sommer 2016, Cro Unplugged Festival:

£$P

August 29, 2021

Mensch, wir waren in der Planung für eine Live-Kollaboration mit Netzer, dann kam der Corona-Aufschub und nun ist er gestorben – gute Reise, Lee Scratch Perry!

Arno Frank hat einen schönen (ausführlichen) Nachruf für den Spiegel geschrieben.

Questlove, ebenfalls (auf IG):
>>Pure Innovation. Pure Imagination. This Man Was Plug Ins long before you studio cats today can simply press one button and instantly created sound chaos. Way before The Bomb Squad. The God Of Black Ark. the true Sound Journey. One of the most awe inspiring producer/engineers/visionaries. If you love Dub you love his work. If you love engineers of your favorite record & they come up with these freaky fx? They got it from him. And even if they don’t KNOW he is their influence I guarantee you there is no plug in creator trying to figure out how to achieve his echo/spring reverb/delay beautiful sonic chaos. Rest easy #LeeScratchPerry<<

Frankfurter Ostend

August 27, 2021

Diese Woche, zweimal Ostend und viel erfahren…

beispielsweise, dass im Abbey Roads Institute eine fette SSL 4000 Konsole ihren Dienst verrichtet.
(Dort wurde nämlich für die morgige Prämiere des Kabuki Ensembles geprobt, einem Powertrio mit Modularsynth, Vibraphon und Schlagzeug, das sich irgendwo zwischen Minimal, Krautrock und Hiphop verorten lässt. See you @ El Barrio Festival in Frankfurt, um die Ecke der tinyBe-Ausstellung – beides for free!)

beispielsweise, dass mein Macbook mehrere Bluetooth Lautsprecher auf eigenen Ausgangswegen bespielen kann: Audio Midi Setup —> neues „Hauptgerät“ erstellen, dieses in der DAW auswählen
(gelernt im Rahmen eines Workshops von Megumi Kasakawa aus dem Ensemble Modern).

beispielsweise – lesend – dass: >>Wie immer sagt die Interpretation mehr über den Interpretierenden aus als über das Interpretierte<< (Ayad Akhtar „Homeland Elegien“ Seite 52)

beispielsweise, dass ich gerne mal wieder mit Levi in den Hafenpark gehen würde 🙂

… dafür aber leider vergessen habe, dass ich ja gerade gar keinen Hocker im Proberaum habe, egal…

Die Leichtigkeit des Seins

Juli 10, 2021

Die Dub Geschichte ist schön, aber analog zu den Rivalitäten der damaligen Freiluft-Diskos (Sound Systems), beanspruchen mehrere Protagonisten die Krone für die Erfindung dieser Spielart. Fakt ist, die mehrspurige Tonbandmaschine war die nötige Grundlage, um Bandsound und Gesang getrennt aufliegen zu haben. 
Wir schreiben das Jahr 1968. Eigentlich wollte der Sound System Betreiber Rudolph „Ruddy“ Redwood lediglich eine weitere Testpressung (die sog. Dub Plate) für seine nächste Party schneiden lassen, doch Byron Smith hat dabei versehentlich die Gesangsspur nicht mit kopiert, also nur eine instrumentale Version erstellt, die Redwood dennoch mitnahm und mit großem Erfolg mehrfach hintereinander spielte. Der gesanglose Paragons Hit „On The Beach“ erzeugte ein derart wohlwollendes Hurra – weil Mitsing-Erlebnis im Publikum – auf dass die „Version“ fortan zum Standard jeder Produktion wurde und schließlich auf der B-Seite der Singles ihren Platz fand.

Spätestens ab 1972, nachdem King Tubby das von Byron Lee ausgemusterte 12 in 4 Kanal MCI Mischpult übernommen hatte, folgten die experimentellere Dub Versionen mit den typischen Merkmalen wie freigestellter Bass/Schlagzeug Rhythmus, ausufernde Hall-und Echoeffekte, Hochpass Filterung, Kompression. 
Ab diesem Zeitpunkt wird sogar einem Haus, einer Wohnung oder einem Raum, nämlich jeglichem Tonstudio zugestanden, Instrument zu sein.
Der eigentliche Inhalt der Dub-Geschichte ist sommerlich-frisch klingender Sound, der seit 50 Jahren nicht nur die Musik-Collage hochhält, sondern immer wieder für relevante Weiterentwicklungen (Cut & Paste, Remix, DJ Culture) und Überraschungen sorgt.

Passend dazu der Halbfinal-Bericht der taz: >>Die außergewöhnliche fußballerische Leichtigkeit an diesem Abend (mit Vorteilen auf spanischer Seite) verband sich mit der Leichtigkeit des Seins (mit Vorteilen auf italienischer Seite). Eine Kombination, die diesen Abend erst einzigartig werden ließ. In 120 hochemotionalen Minuten musste der Schiedsrichter nur dreimal zur gelben Karte greifen. Auch bei den eifrig hinterherlaufenden Italienern ging es stets darum, irgendwie ins Spielen zu kommen.<<

Foto: Laurence Griffiths/Reuters via taz

In diesem Sinne: Auf ein schönes Endspiel morgen!
Und wer davor noch Lust auf intermediale Echtzeit-Kollagen hat, der besucht unser drittes und letztes Moment:an Kopfhörerkonzert um 20h im Frankfurter Ono2.