Archive for the ‘Percussion’ Category

farbenfrohe Reisemitbringsel

August 24, 2021

Ich trage mal die Fundstücke der letzten Tage zusammen, >>zunächst aber machte er sich einen Kaffee mithilfe einer dieser kleinen, billigen, letztlich aber sehr wirkungsvollen Espressomaschinen, die an erstarrte Tänzerinnen in steifen, bodenlangen Faltenröcken erinnern. Er stellte die »Tänzerin« auf einen Gasherd, der gut und gerne aus der Zeit stammte, als er selbst jung gewesen war. Mit einer Tasse wirklich dunklen, gedoppelten Espressos begab er sich an seinen Schreibtisch, nahm einen Schluck – paradoxerweise der Geschmack von Nacht, Nacht freilich, die Blutdruck und Puls anhob und begann…<<
(Heinrich SteinfestDie Möbel des Teufels“ S.126f)

Toll, beim (wieder gut möglichen) Reisen:
– wunderschöne Plätze zum Entspannen, die sich um die Ecke von Hotel oder Bühne (hier Riga/Jurmala) auftun. (Bild 1/2)
– herausfordernde Gepäckbegrenzungen, die zu neuen Ideen führen: Im Gegensatz zu früher, als ich den silbernen Koffer leidenschaftlich gerne randvoll bis zur 23 Kilogrenze mit Elektronik packte, habe ich in den Zeiten der Covid-Fliegerei den Ehrgeiz, so reibungslos und zeitsparend wie möglich – sprich, nur mit Handgepäck – zu reisen. Also mit maximal 8 Kilogramm (manchmal, dank erweitertem Handgepäck, auch mit 12). Was letztlich auf eine dünne Beckentasche mit den drei Lieblingsbecken (14″ Jazz Hihats, 18″ Deep Hats als Crash und Ride), schmalstes Stickbag und mein InEar-Pack herausläuft. Im Turnbeutel auf dem Rücken werden dann noch Laptop, Badehose und Zahnbürste mitgeführt; der notwendige Rest, schlimmstenfalls in der Jackentasche…
Anyway, dass sich das Cymbalbag auf einem Snareständer bestens auch als Stock- und Shakerablage zweitverwenden lässt, war eine schöne Erkenntnis in Bulgarien (Bild 3/5).
Und abgespielte Snarefelle werden weiterverwendet, als „schwebende“ (vom Publikum nicht direkt erkennbare) Notenablage. Zwei Löcher rein und Spannfixe aus dem Club durchfädeln – fertig (Bild 4).

Hey, aber auch diverse andere Drummer waren anregend kreativ:
Perkussionist Luis Conte präsentiert auf IG seine großartig klingende Clap-Maschine (leider braucht man beide Hände dafür…), Mark Guillana verweist auf Billy Martins belaubte Äste, der Morcheeba Trommler hat sein Hardcase bunt besprüht und Dan Mayo realisierte tatsächlich ein Drum-to-Pedalboard-Album: „Greenhouse“, offenbar ebenfalls ein entspannter Rückzugsort.

Schließlich, schickt mich Johann Polzer zu Hainbaichs YT-Kanal, wo dieser einen Sovietischen Drahtband-Rekorder – die MN61, die in 1960er Jahren fürs Militär konzipiert (wieder mal, siehe Vocoder…), dann aber als Flugzeug Blackbox ihren Platz fand – zum Musikmachen verwendet. Und daraus sogar ein sehr spezielles Dirt/LoFi/Echo-PlugIn destilliert hat:

Pinar

August 3, 2021

Der Pinienwald der Insel El Hierro hat mich beeindruckt; nicht nur seine aromatische Luft und der erstaunliche Umstand, dass die dortigen Bäume feuerbeständig sind, sondern sein direkter Auftrag zum Musikmachen – hurra, endlich wieder mal Instrumente, die auf Bäumen wachsen!

Das war, bis auf eine kleine Joni Mitchell Hörrunde, tatsächlich die einzige Musik während der letzten 15 Tage.
Auch mal gut, sich leer zu machen!
Dafür wurde (dank des sympathischen Karsten Mohr) entspannt, bewußt geatmet, abgetaucht.

In Frankfurt regnet’s – auch schön
>>Das Geräusch der Scheibenwischer erfüllte den Wagen, ein feuchtes quälendes Reiben, ein benommen machender, hypnotisierender Refrain<< (Delphine De Vegan „Loyalitäten“)
und so höre ich wieder freudig gute Refrains und liste ich mal nach, was ich in den letzten zwei Wochen verpasst hatte:

  • diese Play-A-Long Scheibe – music minus one drummer – von Jim Chapin. Man beachte den (open handed?) Aufbau mit zweitem Jo Jones Standtom! (Dazu muss ich mal Claus Hessler befragen)

Stockspender & Instrument

Juli 7, 2021

Carter McLean zeigt im IG seinen „vintage stick holder“, der rein optisch mehr als nur Stöcke bereit stellen kann. Meine Fantasie gleitet von Guiro über Reco-Reco hin zur Hallspirale:

XXL Ruten

Juni 9, 2021

Wir kennen Hot Rods, die tollen VicFirth Remix Brushes, vielleicht auch die dicken Reisigbündel von Helge Norbakken. Aber hey, die XXL-Version, mit der Billy Martin hier Musik macht, hatte ich zuvor noch nie im Einsatz gesehen:

Optionen!

April 28, 2021

Martin Verdonk ist so ein entspannter und großartiger Perkussionist, der mich immer wieder aufs Neue umhaut.

Blicke ich jedoch auf diese beiden Bilder aus den letzten anderthalb Jahren seiner IG Timeline, so erzählen sie eine eine krasse Geschichte für sich, einen Spannungsverlauf von Steve Gadd zur Supermarktkasse, der mich etwas mulmig fühlen lässt. Ich verneige mich direkt nochmals vor seiner pragmatischen und gar nicht hadernden Lösungsorientiertheit und hänge zudem den Kommentar von Luis Conte dran, an dessen „you will be back!“ ich nicht nur im Fall von Martin selbstverständlich glaube, sondern auch in Bezug auf einige andere Musikerfreunde, die während der Pandemie notgedrungen einen anderen Brotjob ausüben müssen:

>>you will be back! you are one of the greatest brother! ♥️♥️♥️🎼<<

Abschließend noch ein konkreter Hoffnungsschimmer aus Spanien, wo das Konzertexperiment mit 5000 Zuschauern nun äusserst positiv ausgewertet wurde.

Chaabi – die Sache mit dem Schwerpunkt

März 27, 2021

Oh man, dieses Youtube Video hätte ich im Jahr 2000 gebraucht, als ich beim Jammen mit El Houssaine Kili verzweifelt die „eins“ gesucht hatte. Glücklicherweise kam dann Rhani Krija in die Band und hat sie mir gezeigt.

Hier erklärt dir gleich Yogev Gabay (und Rhani dort) die Struktur des nordafrikanischen Chaabi Beats. Danke für den Video-Tipp, lieber Axel Mikolajczak!

Gabays Musikbeispiele stammen aus dem Album „Ifrikya“ (2001) vom tollen Karim Zihad.

Shaker Solo

Februar 2, 2021

Großartiges Shaker-Solo von Mino Cinelu ab 8:20′
(Für die elektonische Seite des Blogs folgen im Anschluss daran auch Vocoder– und Simmons Suitcase Spielereien…)

PS. Bei all den Miles Mitschnitten aus den Jahren 1987-91 haut mich immer wieder der Leadbassist Foley um!
Um so mehr, wenn ich ihn dann heute als tieftönenden Bassisten im Chris Dave Kontext oder als Drummer bei George Clinton höre. Dort – ganz Drum Machine alike – mit zwei nebeneinander positionierten Hihatpaaren (einmal geschlossen, einmal leicht geöffnet) und abgestelltem linken Fuß auf dem Doppelpedal…

Attitude!

beste Medizin!

Januar 24, 2021

Ein Hoch auf nicht gebrauchte Medizin, eine Tablettenpackung ist mir in puncto Klang ohnehin viel sympathischer!
Die abgelaufenen Enzyme können jedenfalls Clap, Noise-Loop und Geräuschemacher-Feuer…

alternativer Musikunterricht

Januar 17, 2021

… falls während Corona der ein oder andere Unterricht verrutscht ist, Leerlauf entstanden ist oder einfach Lust zum Ausprobieren entsteht. Hier ein paar interessante Einsichten bzw. Steilvorlagen aus dem Dust to Digital Fundus.

A work song in a West African post office (STEMPEL RHYTHMUS)

Percussionist, improvising. (MÜLLEIMER)

Water drumming by Baka women living in the Central African rain forest. (WASSER TROMMELN)

Using a bay tree for percussion.

The Cas Cas, an instrument made by connecting two small, bean-filled gourds with a string. (CAS CAS SHAKER)

Tepsia (copper pan). (DREHENDE KUPFERPFANNE)

Mouth Harp (MAULTROMMEL)

Bamboo Drums. Irisipau performing in the Solomon Islands in 1977. (BAMBUS SCHLAGZEUG)

A demonstration of sympathetic resonance (ÜBERSPRUNG):

Bottlephone performance (GESTIMMTE GLASFLASCHEN)

Oliver Mobeli, a musician and puppeteer from Lobaye, Central African Republic (ALLEINUNTERHALTER):

Double Dutch performance (SPRINGSEIL):

Dann noch etwas Beatboxing (MOUTHPERCUSSION) mit Beardyman, „Milestones“ in der Grundschule sowie der 10-Minuten-Klassiker „Music for one apartment and six drummers“ (KREATIV TROMMELN).
Und klaro: Bodypercussion = immer gut

Die Zugabe beleuchtet einen radikal minimalen Ansatz: Musikmachen mit einem STROHHALM.

Body Percussion digital

Januar 13, 2021

Eigentlich immer verbindend, auflockernd und spaßig: eine Runde Body Percussion. Eine Gruppe von Rhythmuswilligen läuft den Puls und klatscht dabei vorgegebene Patterns nach.
Das ist leider in Zeiten des Online-Unterrichtens schwer durchführbar. Denn das gleichzeitige Grooven funktioniert wegen der Übertragungslatenz nicht und durch den typischen Kameraaufbau/Bildausschnitt sehe ich meist auch nur Kopf und Oberkörper meiner Gegenüber.

Also habe ich mir folgendes, visuell nachvollziehbares überlegt: der Fuß-Puls wandert in die Bewegung der oberen Körperhälfte (Oberkörper/Kopf). Alternativ dazu (oder zusätzlich) wird er mit Rhythmussilbe „Tschick“ gesprochen.

Die rhythmischen Aufgaben werden mit einer Hand auf die Schulter geklopft.

Beispielsweise Rhythmusklassiker aus aller Welt (Clave, Baião, 3:2, Flamenco…) oder Sightreading Texte.
Und zum Üben lässt Du als Refernez am besten noch das Metronom mitlaufen und versuchst seinen Puls als Achtel-Offbeat zu hören.

Eine erweiterte Spielart geht in Richtung Beatboxing. Dabei versuche ich sowohl Tschick-Puls als auch die Rhythmusübung zu „singen“.
Hier meine dazu passende Spielkarte aus dem „Modernen Schlagzeugquartett

Der tolle Benny Greb hat diesbezüglich die Meßlatte ganz schön hochgelegt (da er nicht den Viertelpuls sondern die Clave als Grundlage hernimmt):