Archive for the ‘Percussion’ Category

schöne fremde Welt

September 2, 2022

Guten Morgen aus Frankfurt, ab heute wird wieder mit dem Kopfhörer gereist. Der taz-Artikel „Fremde oder Freunde“ schlägt die Route vor, nämlich Weltmusik mit Bachir Attar & Elliot Sharp (traditionelle marokkanische Jajouka Musik über Drum Programmings aus dem Jahr 1990), sowie Mickey Hart’s aktueller „Planet Drum“ Verbund („In The Groove“ u.a. mit Zakir Hussain und Giovanni Hidalgo).

Nebenbei wird noch ein Korallengarten durchschwommen, mit leuchtenden Blüten wie Mory Kantés 87er Welthit „Yeke Yeke“ oder „Sweet Sixteen“ aus dem Jahr 1976, jene Version die Harts Diga Rhythm Band offenbar schon auf der Tanzfläche von New Yorks legendärer Disco „Paradise Garage“ getrommelt hatte. Schließlich noch der Verweis (bzw. des Artikels Kreisschluß) auf die eindrucksvolle Ndagga Rhythm Force (Dakar/Berlin).

>>Wie begegnen sich Fremde? Wahren sie distanzierte Neugierde oder sehnen sie sich danach, in einer Umarmung aufzugehen?
Der sogenannten World Music wurde vorgeworfen, diese Umarmung auf unredliche Weise zu inszenieren, Fremdheit nivellierend oder alles Artifi­zielle in ihrem Gestus der Natürlichkeit verleugnend.
[…] aber die einzelnen Musiker betonen auch, im Rhythmus etwas Universelles zu erkennen, kulturelle Barrieren transzendierend. Es bedarf keiner allzu esoterisch ausgestalteten Sensitivität, um im Beat tatsächlich mehr als nur eine Analogie des Herzschlags zu erspüren. Hart selber ist an der Forschung über die medizinische Wirkung von Rhythmen beteiligt, und so will diese Weltmusik auch auf keinen Ort verweisen, nichts vor der Vergessenheit retten, sondern sie experimentiert lediglich mit diesen oder jenen kulturell fixierbaren Tracks, etwa den sparsam addierten Gesangsspuren und einem oft polyrhythmischen Beat, der wie wenig anderes und dabei ziemlich hip zu klingen vermag.<<

Studer

August 23, 2022

Zur Todesnachricht von Fredy Studer lege ich die „Percussion Profiles“ (Fredy Studer, Jack DeJohnette, Pierre Favre, David Friedman, Dom Um Romao, George Gruntz) aus dem Jahr 1978 auf.

Movement 1, 2, 3, 4, 5, 6

Und stellvertretend für das 1984er „Singing Drums“ Album (mit Pierre Favre, Nana Vasconcelos und Paul Motion) ein Duo mit Pierre:

Leichtigkeit

Juli 31, 2022

Zwei schöne Textstellen:

>>Immer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der
Zukunft…<<
Italo CalvinoSechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ (1988)

>>We hear an echo of
a long reverberant but distant boom.<<
Matthew HerbertThe Music – An Album in Words“ (2018)

Passend dazu die Schiffshupe aus dem Hamburger Hafen,

sowie ein Shaker-Bild (denn wenn ein Percussion-Instrument die Leichtigkeit verkörpert, so ist es doch dieses Gefäß, das mittels kleinster Bewegung durch die Luft wirbelnde Teichen zum Klingen & Grooven bringt…)

PS. die Liste von Calvinos Vorschlägen muss unbedingt noch abgetippt werden, da sie uns für die persönliche Ausrichtung inspirierend und dienlich sein könnte:
1 Leichtigkeit, 2Schnelligkeit, 3 Genauigkeit 4 Anschaulichkeit, 5 Vielschichtigkeit, 6 Haltbarkeit

Und weil’s gestern nach dem Wülker Konzert in Rastatt Thema war, hier noch der Hinweis von Arne Janssen zu „Bill Frisell’s Top Ten Tips For Guitarists„.

Wasserspiele

Juli 11, 2022

Arthur Dubois zeigt einen cleveren Workaround, um klingendes Metall temporär ins Wasser zu tauchen:
Die gute alte Hihatmaschine, in deren Clutch erstmal ein „horizontaler Arm“, dann mit Schnur oder Perlonfaden das gewählte Metallinstrument (Mini-Gong, Triangel, Bell, Chimes).

Im Wasser-Zusammenhang fällt mir natürlich direkt das Trilok Gurtu Solo ein:

Showroom

Juli 6, 2022

Ich war gestern mal wieder in Gutenstetten. Der Dorfname ist Programm und die Meinl Besuche sind zwar selten, dafür immer äusserst inspirierend!
Und so ließ sich einiges erledigen: das Cover Foto für’s neue Buch, Zukunftspläne schmieden, Schätze aus der Sammlung bestaunen, neue Perlen entdecken (quasi ein ganz persönlicher Meinl News-Day) und vielen super Geschichten lauschen .
Da der Blog ja auch ne Art Notizblock ist, schreibe ich jetzt mal die Showroom-Highlights nieder:
Völlig umgehauen hat mich der ausgewogene, warme und weiche Klang der Tama Star Reserve Hand Hammered Aluminium 6,5 x 14 Snare. Was ein Kunststück!

Und wenn gerade das nötige Kleingeld für die ganze Trommel fehlt, könnten die „stick saverMessing-Spannreifen ein sinnvolles Invest für meine geliebte S.L.P. Alu-Snare sein.
(mehr zum Thema Spannreifen hier im bonedo-Artikel von Max Gebhardt)

Das True Tone Training Kit hat mich überrascht, nicht als leises Übungsschlagzeug (was es zweifelsohne ist), sondern als authentische Roland CR-78/TR-808 Akustikvariante (Snare & Toms).
Horch:

Die Foot-Cabasa ist immer wieder ein Magnet im Percussion-Dschungel der Vielfalt und bezüglich der Beckenneuheiten melde ich mich im Sommer nochmals…

Hey, und wer mit dem Gedanken spielt ein größeres Hängetom zum Standtom umzubauen, dem sei folgender Tipp von Stephan Hänisch weitererzählt: neben der Floortom-Rim Idee, gibt es die einfache Möglichkeit drei dieser Tama-Klammern (Hoop Grip MC8) am unteren Spannreifen zu befestigen.
A propos fettem Sound: das 16″ Concert Tom klingt fantastisch…

Dass ich schließlich noch Micha Buchners X Cajon für ein (erstaunlich oft geschautes) Tik Tok Filmchen (eine Million Clicks aus dem Stand…hüstel) betrommeln durfte, rundete den Ausflug perfekt ab!

@meinlpercussion_official

Replying to @nettek1 here‘s how you play it correctly #cajon #percussion #howto

♬ original sound – MEINL Percussion

Mai!

Mai 1, 2022

Im taz-Interview („Überfluss nimmt Freiheit“) haut der Zeitwohlstandsforscher Gerrit von Jorck ein paar treffende Sätze raus:
>>In dieser [Überflussgesellschaft] fehlt uns häufig die Zeit, richtig zu konsumieren. Also: Das, was wir erworben haben, auch zu nutzen […]
damit eine Sache Nutzen stiften kann, muss ich Zeit mit ihr verbringen […]
Zunächst einmal müssen wir die Zeit, die wir mit Erwerbsarbeit verbringen oder verbringen müssen, reduzieren. Und wir müssen die Arbeit entdichten, also den Stress und den Druck reduzieren. Dadurch wird Arbeit befriedigender und weniger erschöpfend und die Menschen haben Kapazitäten, ihre Freizeit jenseits des materiellen Konsums zu gestalten, ihre Interessen und Kompetenzen wahrzunehmen.<<

Und so teile ich meine kleine Schatztruhe vom ersten Mai, für die Du lediglich Zeit brauchst.

Darin befindet sich ein neu entdecktes Interview mit meinem Lieblingsdrummer und Lokomotivführer Helge Norbakken.
Überlagerung scheint das Große Thema zu sein. Die Kombination unterschiedlicher Schlagmaterialien, das Schichten verschiedener Klangfarben bzw. das Vergrößern/Verzerren („distortion“) eines Sounds („two sticks in the hand for the impression that there are more players“), die Transformation der Klangfarbe („from tonal to abstract“):

Im zweiten Teil geht’s um die Sabar Familie, den Trommel Sound aus dem Senegal. (Verrückt genau diesen Instrumenten Namen hatte ich noch vorgestern vermisst, als ich Roland Peil von Ndagga Rhythm Force erzählt hatte.)
… Kontraste, Polyphonie, Wellen & „beautiful attacks“… dank gemeinsamer Trommelmusik!

Auch wenn bei Norbakken ein zugemischter Hall als verbindendes Element wunderbar fungiert, feiere ich die herausstechenden Zweiträume des Dub-Vermächtnisses ebenso. Zack, bin ich bei meinem Highlight des nächtlichen Jams in den Mai, die von Michael Rütten aufgelegte Colourbox Scheibe „Baby I Love You So“ (1986).

Schließlich noch Scofields „Blue Matter“ in der Hamburger Fabrik. Harmonien zum (Weiter-) Träumen…
(denn im Sommer desselben Jahres durfte ich der Band in meiner Heimatstadt als Stagehand dienen, Dennis Chambers während des Gigs aus allernächster Nähe beobachten und nach dem Abbau mit Gary Grainger noch Pfannenkuchen verspeisen)

Erbsen!

April 6, 2022

Die „Sound Of Peas“ Postkarten wären jetzt da. Für eine 3€ Spende gibt’s Post bzw. einen Mini-Workshop mit friedvoller Attitude.
Ich schreibe entweder Dir die Karte mit nettem Gruß oder auch direkt an Herrn Putin (Владимир Путин / ул. Ильинка 23 / г. МОСКВА 103132 / Russische Föderation).
Selbstverständlich schicke ich Dir auch mehrere Karten zu.
Tatsächlich hätte ich auch ein passendes Arbeitsblatt für den Musikunterricht parat…
Just ask.

Klingt dann zum Beispiel so:

Dennis Davis

März 24, 2022

Vor knapp zwei Jahren hatte ich schon mal einen Beitrag zu Drummer Dennis Davis vorbereitet, jetzt – nachdem wir letztes Wochenende mit Bowie Gitarrist Mark Plati ein Live-Set der Berlin Alben „Low“ und „Heroes“ auf die Beine gestellt hatten, passt die Veröffentlichung perfekt:

>>There’s much to love about every drummer who played behind David Bowie. From Mick Woodmansey’s workmanlike chops to slick groove merchants like Andy Newmark and Omar Hakim to Mark Guiliana’s envelope-pushing concepts, all did amazing work with Bowie. It’s a useless exercise to attempt ranking them—though you could make a pretty good argument that of all the drummers to play with Bowie, no one covered as much ground as Dennis Davis. […]
Cue up any Bowie song from that era, and the drumming will blow you away. Two particular highlights among dozens: The smooth transitions into and out of the two-handed 16th-note hi-hat patterns and the halting syncopated fills on Station to Station’s “Stay,” and the “Heroes” deep cut “Blackout,” where Davis twice stops the hard-hitting groove cold to drop in crazy conga-tom-snare combinations.<<
Schreibt der Modern Drummer.

Mir als Echo Drummer fällt diesbezüglich als erstes der spezielle Snaresound auf „Low“ ein: Tony Visconti hatte dem Snaresignal den Effekt des damals brandneuen digitalen Eventide Harmonizers H910 zugemischt. Bei der Aufnahme hörte Dennis Davis den Effekt im Kopfhörer und konnte ihn durch die Anschlagstärke beeinflussen:

Als ich unsere vorzubereitenden Tracks erstmals durchhörte, war ich ehrlich gesagt etwas überrascht, ob der eigenwilligen Arrangements, Endings und auch die spezielle Platzierung von Davis‘ FIll-Ins. Aber hey, beim Proben machte alles nach und nach Sinn.

Vor drei Jahren hatte Davis‘ kleiner Sohn Hikaru ein Video gedreht, in dem er das Erbe seines Vaters erforscht, nachdem Dennis 2016 verstorben war. Im folgenden Video spricht Hikaru mit Tony Visconti über dessen Lieblingsstück mit Davis‘ Schlagzeug- und Percussion-Arbeit.

Zum Abschluss noch ein Video, in dem Mark Guilliana den Bowie Track „Warszawa“ aus dieser Zeit interpretiert…

… sowie die lustige Fußnote, die uns Mark Plati mit dem Vermerk
>>This might be helpful as far as how to perform this piece …<< geschickt hat:

alternative version

Februar 22, 2022

Geschwind zwei Videos zum Thema alternative Versionen.
Einmal den Sampling-Gott Madlib in der Rolle des geschmackvollen Perkussionisten beim Hip Hop Unplugged Gig.
Was spielt der den da für ein exotisches Reisedrumset? Passt jedenfalls bestens zum Tiny Desk Konzept!

Sowie den Gareroben-Hit der letzten Wülker Rutsche, ein Pat Metheny Shred (zu Ehren von Santeri Ojala aka StSanders, der diese Lawine 2007 in Finnland losgetreten hatte)

sympathetic vibrations

Januar 25, 2022

Das „sympathisches Mitschwingen“ kennen wir Drummer beispielsweise vom Snareteppich, der nur beim Schlag auf eines von drei Toms auffällig laut mitraschelt.
Aaron Sterling bereist diese Zone bewusst: 

Wenn wir morgen Abend um 20h mit HATTLER beim Jazzfest der HfMDK auftreten, werden ebenfalls sympathische Schwingungen erzeugt – und nicht zu knapp!