Archive for the ‘Loops’ Category

das Hurra

Januar 30, 2017

>>Als Vogel ohne Uhr erkennt man die Tageszeit ja nicht nur am Stand der Sonne und der Farbe des Lichts, sondern man ahnt das »Alter« des Tages. Frühmorgens ist der Tag oft wie ein junger Hund, geradezu blödsinnig vor Lebensfreude und Bewegungslust. Der Nachmittag hingegen verströmt eine beträchtliche Melancholie, etwas Schmerzliches. Der Nachmittag – auch im Sommer, auch im Frühling hat etwas von Herbst. Der Nachmittag ist immer ein fallendes Blatt und zeigt immer eine Verfärbung. Bevor dann der Abend zurückführt zu einer gewissen Ausgelassenheit, die alkoholisch anmutet. Der Abend verfügt über die Schlieren, die sich beim Schwenken eines Weinglases bilden. Der Nachmittag ist der Tod, der Abend das Hurra im Jenseits.<<
Heinrich Steinfest „Das Leben und Sterben der Flugzeuge“ (Piper 2016, S.393f)

Ab sofort wird nachmittags Kuchen genossen, das Hurra noch weiter ausgedehnt!
Und was das »Alter« angeht: ich fühle mich wie eine zeitlose Endlosrille, wie ein »locked groove« auf 45rpm… t-tschaka, t-tschaka, t-tschaka

(Der passenden Soundtrack lässt sich hier auf intoinfinity.org selbst gestalten; mit 276 Acht-Sekunden-Loops zum freien Download).

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…oder, um es mit Serena Williams auszudrücken: Forty Fun!

riffs involve creativity

Juli 13, 2016

Das Zitat >>sounds are one thing, but riffs involve creativity<< stammt von Steve Stevens (aus einer australischen Doku über Sampling aus dem Jahre 1988). Fast noch besser als Stevens Spruch finde ich das Gesamtbild seiner Aufnahme: fettes Pult, Frisur, Zigarette zwischen Ring-und Mittelfinger!

immer eine Vorwärtsbewegung

Mai 20, 2016

>>Ein Loop beginnt nahtlos und zuverlässig immer wieder von vorne, so seine Definition. Es gibt viele Arten von Musik, die auf Wiederholung basiert, doch allen ist die unmittelbare Erfüllung und die Gewissheit der Auflösung einer Phrase gemeinsam. Von den Tonband-Experimenten der Musique Concrète bis zu den repetitiven Drum-Machine-Patterns des Techno: Der Loop war immer ein zentraler Aspekt der elektronischen Musik. Die körperliche Wirkung von Wiederholung – Hypnose durch Kopfnicken, Euphorie durch Zeitdehnung – erleben Berghain-Besucher und Fans von Steve Reich vermutlich gleich. Im Fall von gesampelten Loops öffnet sich eine kulturgeschichtliche Dimension, die die Hörer in andere Zeiten und Sounds eintauchen lässt.<<

So beginnt die Zusammenfassung des Ableton Loop Gesprächs von Recloose, King Britt, Hillegonda Rietveld und Henrik Schwarz. Mit guten Sätzen, einer Kurzanleitung zum Baya-Rhythmus und vielen Musikbeispielen.

Matthew Herbert, Phoebe Kiddo, Young Guru und James Holden machten sich im Rahmen der Ableton Loop Veranstaltung Gedanken, wie sich Kreativblockaden überwinden lassen.
Aber auch das Unschöne kann zur Vorwärtsbewegung gedreht werden…

Wenn man dasselbe Ding wiederholt , wird es Musik

April 10, 2016

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War gestern mal wieder in der Abendschule (Robert Johnson Theorie) und habe mir von Tilman Baumgärtel allerhand spannendes zeigen lassen:

– Schallplatten mit Endlosrillen und zusätzlicher Bohrung für eiernde Loops.
Im konkreten Fall war es die 7″ von Non & Smegma, >>Multi Speed, Multi Axis<<

– ein sagenhaftes Filmdokument, dank welchen wir den auflegenden Pierre Schaeffer (der seine frühen Loops mit mehreren Schallplatten realisierte) fortan als einen Jeff Mills der Fünfzigerjahre einordnen können…
Zu hören gab’s die Étude Pathétique  aus dem Jahre 1948 mit den verwerteten Schleifen von >>sauce pans, canal boats, singing, speech, harmonica & piano<<.
– Das Phonogène – damals und heute (als Max PlugIn oder Eurorack-Modul)
– ein weiteres eins a Filmchen, in dem Pierre Schaeffer und ein Rahmenerzähler die Tonband-basierte Musique Concrète bei einer Vorlesung erklären.

Lieber Herr Baumgärtel, erstmals: vielen Dank. Nach diesem Abend freue ich mich auf die baldige Erscheinung der zweiten (broschierten) Auflage des Buches „Schleifen | Zur Geschichte und Ästhetik des Loops„. Zweitens: Sie sollten die beiden Filme unbedingt bitte hochladen!

– die das Buch begleitenden Webseite loopsbuch.org, wo es noch interessante Interviews, Mixe und YouTube-Links gibt.

Tourgespräche

Februar 2, 2016

Markus Vieweg ist eigentlich Bassist (der Band Glasperlenspiel), aber auch ein Internet-afiner Mensch. So er hat er mit den von Apple bereitgestellten Tools ein von der Kritik gefeiertes Bass-e-Book veröffentlicht und mit seinem Blog „Tourgespräche“ eine Alternative zum klassischen Musikerinterview geschaffen. Gut vorbereitet und mit viel Zeit finden Unterhaltungen – vornehmlich mit Akteuren aus der zweiten Reihe des Showgeschäfts – jenseits der Langeweile längst bekannter Eckdaten und Fakten statt und werden zu einem anderthalbstündigen Podcast zusammengeschnitten.

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Wir trafen uns neulich zwischen Soundcheck und Festivalauftritt in meinem Mainzer Hotelzimmer und sprachen bei Kaffee und Kuchen über:

FOH, Mad ProfessorHeimstudioKompressormaske, Squarepusher, Bedroomproducer bzw. Zufall als neue Bestimmung, Jojo MayerVom Zitat zum Ich, Zuspieler, der „Sack um die Snare“, Echodrums, Solo-Performancesimulierter Aux-SendReverb Shots, Laurenz Theinerts Visual Piano zu meinen Organic Electro Beats 2003, Bandmensch, Rubo(W)ölpl aka (W), Aufwand und Slayer-Set auf der IAAB-Keeper/BeatSeeker, >>Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile<<, selbstgebaute „Playstation“, Cover-Mukke, das persönliche innere Tempo, Interaktion dank Blog, Lesen, Cafè, Tour Catering, Netzer, nur einmal laufen!Fragebogen aus den Tagebüchern von Max Frisch

… und dabei hat mich einiges „umgehauen“…

 

 

Art of the Trio

September 14, 2015

1. Schön, den Battles beim Musikmachen zuzuschauen!
2. Die Basecap-Gaffer-Headphone Lösung (Helmet?) von John Stanier hat was, das gelbe Artstar auch
3. Und so freue ich mich jetzt noch mehr auf meinen nächsten Trio Gig, am Samstag mit Netzer beim Dresdner Drum & Bass Festival.

Drumset players and electronic beat makers have similar problems to solve, but have traditionally approached solving them in radically different ways.

Juli 16, 2015

#Potential!

Der Termin des Ableton Loop Festivals (30 Oct – 1 Nov) wird vorgemerkt! Im Speziellen die Diskussion On and Off the Grid: Acoustic drummers and electronic music mit Katharina Ernst, Kiran Gandhi (M.I.A.) und Zach Danziger.

Kalahari

März 28, 2015

Ich freue mich immer sehr, wenn ich einen konsequenten Loop entdecke, der nicht elektronisch unterstützt, einfach handgemacht gespielt wurde.
In diesem Fall zog der Bassist Lionel Beukes (damals, 1974) seinen einen Takt eisern durch. Über 23 Minuten lang:

Den Titel hat mir wieder mal der Zufall via Radio X (bzw. dessen „soulsearching“ Sendung) zugespielt. Dass es sich bei „Kalahari“ zudem um eine eher seltene Vinyl-Perle von Dollar Brand handelt, wurde mir nebst der Track Info netterweise von Michael Ruetten in einer Email erzählt.

Momente, wo das Mikroskop nicht scharf wird

September 12, 2014

Ein schönes und aufschlussreiches Planet-Interview mit Christian Prommer:

>>Ich persönlich verstehe das Musikmachen eher als Zwischenräume finden. Die Magie passiert ja nicht auf den Downbeats…<<

>>Ich finde es bei Clubmusik wahnsinnig befreiend, dass diese Bassdrum einfach da ist. Die muss ich gar nicht mehr beachten, sondern ich kann mich um alles andere kümmern. Die Räume dazwischen machen die Magie aus. Das ist ja oft das große Missverständnis in Bezug auf Clubmusik: Es geht überhaupt nicht um die Bassdrum.<<

>>Für mich ist eine der großen Motivationen das Dekontextualisieren von Musik. Unser Leben ist ja eigentlich ein einziges Verändern des Kontexts.<<

>>Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich die alten Platten rausziehe, auf denen ich dann immer wieder auch neue Sachen entdecke.<<

>>Außerdem ist ein Credo von mir, dass man den Moment in der Musik noch heilig hält. Wir haben jetzt die Möglichkeit, den Moment auf Platte festzuhalten, man kann im Studio auch allesmögliche nachbearbeiten, aber irgendwann ist auch mal gut mit dem Perfektionismus. Die Platten, die wir lieben, ob James Brown oder Queen, die haben alle ihre Momente, wo das Mikroskop nicht scharf wird. Du kannst noch so genau hinschauen, du wirst nicht genau erkennen, was da passiert. Genau das sind aber die tollen Momente.

Heatsick’s Casio

Juli 10, 2014

Steven Warwick alias Heatsick macht „organic electro music“ live mit einem alten Casio Keyboard (MT-520) und einem Looper-Pedal (Akai Headrush e1). Wieder mal wird bestätigt: der Loop richtet’s (und der Saal tanzt), Equipment zweitrangig.

>>Als der gebürtige Brite nur mit schrottigem Keyboard, dem die Hälfte der Tasten fehlt, und Tamburin die Bühne betritt, wird der Gegensatz zwischen Hightech und Heatsicks rudimentärer Lo-Fi-Instrumentierung körperlich spürbar.
Statt der maschinellen Genauigkeit, die heute vielen Techno- und Houseproduktionen anhaftet, klingen die live gespielten und mit dem Keyboard geloopten Tracks des Briten zwischen ausgeruhtem Chicago House und Electro genauso fragil wie improvisiert.
Das Publikum wirkt zunächst ratlos. Was macht dieser schlaksige Kerl da mit seinem kaputten Keyboard? Doch Warwick weiß: Je länger er die Bassdrum wiederholt, die den Brustkorb vibrieren lässt, desto stärker entfaltet sich ihr Sog. Bis man mittendrin steckt, im nicht enden wollenden Kreislauf des temporären Verschwindens des Selbst, der Ekstase und der Auflösung von Zeit.
[…] Dass seine Livesets vor allem vom Mut zur Improvisation und dem Verzicht auf Perfektion leben, lässt sich auch als Statement gegen den durchdesignten Alltag der Leistungsgesellschaft lesen.<< Zitiert aus „Bis der Brustkorb vibriert“ von Philipp Rhensius/taz