Archive for the ‘Minimal’ Category

das andere Snaredrum Solo

August 27, 2018

Wenn man nur den FB-Ausschnitt von Ryosuke Kiyasu sieht, hakt man die Performance vermutlich irgendwo zwischen schräg, freakig oder besoffen? ab.
Lässt man sich jedoch auf die ganzen 13 Minuten (oder mehr) ein, erkennt man einen klaren Spannungsbogen und ausgecheckten Trommel-Minimalimus.

 

Derart im Fluss, lese ich direkt Philip Rhensius‘ Bericht über das Berliner Atonal Festival., lerne dabei das Wort/Phänomen Pareidolie kennen und freue mich über Zusammenhänge wie diesen:
>>Wenn eine derart radikale Musik, auch wenn sie wegen des schlauen Marketings ein bisschen von ihrer einstmaligen subkulturellen Wucht eingebüßt hat, Tausende Menschen begeistert, muss gefragt werden, warum: Vielleicht, weil sie unserer Entfremdung von der Umwelt ein ästhetisches Äquivalent bietet. Sie bietet Katharsis und das Angebot, sich mit den Maschinen für einen Moment zu versöhnen und nachzuspüren, wie das ist, ein Wesen zu sein, durch das Strom fließt.<<

Fenster zum Hof

August 10, 2018

Den Duktus der Stieber Twins fand ich seit ihrer Zeile „fahre mit Neckermann am Neckar lang“ beeindruckend. Jetzt habe ich gelernt, dass Megalohs Dr. Cooper (der mir bei den Freundeskreis Gigs ausnehmend gut gefallen hat) auch in Heidelberg verortet ist. So höre ich mir das „Fenster zum Hof“ nun in voller länge an:

Danach sind – passenderweise – die Beat-Tracks von Don Philippe dran.

Als minimalistischen Gegenpol habe ich mir gestern im 2nd Hand Laden verschiedene Klavierwerke besorgt:
Debussy „Préludes for Piano Books I & II„, eine über 100 Jahre alte Musik, die >>consists of colours and rhythmically organized time<<
John Cage „Sonatas & Interludes for Prepared Piano“
(Die Klavierstücke von Karlheinz Stockhausen musste ich nach intensivem Reinhören dann doch stehen lassen…)

Jon Hassell passt im Anschluss. Auch er hat sein erstes Album auf bandcamp digital wiederveröffentlicht:

Pentimento

August 10, 2018

Die Einleitung zum Ableton-Interview „Mögliche Musik“ mit Jon Hassell beginnt mit geographieüberwindendem Sampling in den frühen 80er Jahren, der Collagen-Idee aus Schichten und Übermalungen (Pentimento), Minimalismus, der Kraft der Schleife (die nicht unbedingt im 4/4 Takt sein muss) und Hassells Vorstellung der (geheimen) „Fourth World“, die durch die >>Kombination von Merkmalen traditioneller Musikstile aus der ganzen Welt mit modernen elektronischen Verfahren<< einen neuen stringenten Sound schafft.

Unbedingt weiterlesen (u.a. >>über vertikales Hören, den Rhythmus fallender Blätter […] ein Leben lang voller Erkundung und Forschung mit und inmitten einiger der bedeutendsten Akteure der Musik des 20. Jahrhunderts).
Und parallel dazu gleich mal den Freeware Harmonizer „Pitchproof“ auschecken…

>>…stellen Sie sich einen Slow-Motion-Film über eine wachsende Pflanze vor. Kleine Bruchstücke von diesem jenem spielt man auf Konzerten und dann im Studio, und schrittweise fügen sie sich zusammen. Es ist ein wenig wie der Pentimento-Gedanke, bei dem Schichten durch andere Schichten erkennbar werden. Und jede dieser Schichten kann recht undeutlich sein…<<

-> Mati Klarwein, Nils Petter Molvaer

a desire to make music with the simplest possible instruments

Dezember 8, 2017

Ich habe gestern seit langem mal wieder eine Mugge (ein sog. „musikalisches Gelegenheitsgeschäft“) gespielt. Dabei sollte dann auch ein Teil als „walking act“ performt werden. Und dadurch habe ich ein schönes neues Instrument entdeckt, eine volle Sprudelflasche, auf der mit einem Stock in der rechten Hand und dem Ring der haltenden bzw. dämpfenden Linken Musik gemacht wird.

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Angefixt von derartigem Minimalismus höre ich mir jetzt den zweiten Satz von Nicolas Martynciows „Zoo“ (ein Stück für drei Clave Spieler) an, sowie die  Komposition „Music for pieces of Wood“ von Steve Reich und so schließt sich der Kreis mit dem Wunsch >>to make music with the simplest possible instruments<<.

noch leichter unterwegs

Juni 23, 2016

Bin jetzt noch leichter unterwegs dank eines „Geldbeutel aus Papier“ – mal schauen wie langer er hält…

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File under: nur einmal laufen!

Paradiddles (with alternating pitches instead of alternating drum sticking)

Mai 30, 2016

Ich liebe es ja, ein Acappela oder sonstige Wortschippsel (vom Speak&Spell über den vorlesenden Mac, über kulturhistorische Archive bis hin zum persönlichen iPhone Field Recording) rhythmisch oder als Textur in die Groove-Architektur einzubinden.

Als sich Steve Reich Ende der Achtzigerjahre Gedanken zu einer Auftragsarbeit für das Kronos Quartett machte, waren zugespielte Stimmen der Aufhänger. Zunächst originale Stimmaufnahmen, beispielsweise von Béla Bartók oder Ludwig Wittgenstein, letztendlich aber seine eigene Geschichte als bahnfahrendes, jüdisches Kind mit der >>Sprache und dem Sprachrhythmus interviewter Personen (Steve Reichs Kindermädchen Viriginia, ein ehemaliger Pullmann-Schaffner, sowie die Stimmen von drei Kindern, die den Holocaust überlebten und nach Amerika gekommen waren).<<

Different Trains“ (1988) ist das Ergebnis eines Experiments, aufgenommene Sprache als Grundlage für Melodien zu nutzen. Die Texte kamen dabei nicht mehr vom Tonband (ein Novum in der Klassik), sondern vom Sampler, einem Casio FZ-1 und wurden von Viola (Frauenstimmen) und Cello (Männerstimmen) „nachgespielt“.

Par(adiddle)t 1 / America-Before the War (movement 1)

Part 2 / Europe-During the War (movement 2)

Part 3 / After the War (movement 3)

PS. Die B-Seite des Albums („Electric Counterpoint„) kenne/schätze ich schon länger

PPS. wer Reichs „speech melodies“ weiterhören möchte, befasse sich mit The Cave (1993) and City Life (1995)

Repetition doesn’t really exist

Februar 18, 2015

…sagte Brian Eno 1981 in diesem Interview.
>>Wiederholung existiert nicht wirklich. Was deinen Verstand betrifft, geschieht nichts zweimal, selbst wenn es im sehr technischen Sinn identisch ist. Deine Wahrnehmung verändert sich ständig. Sie bleibt nie am selben Ort.<<
[Übersetzung aus musicthoughts.com]

Sommerplatte

November 23, 2014

Als mir Hanno Busch neulich (s)eine Sommerplatte überreichte, kam diese lange Zeit nicht mehr aus dem Player. Was sich wie ein (schönes) Konzeptalbum liest, ist der Bandname des Schlagzeug*-Bass-Tasten-Gitarren-Quartetts. Der Sound der vier triggert bei mir ne Menge toller Assoziationen und gefällt mir bestens!

In der ARD Mediathek gibt es hier noch bis zum 15.12. einen weiteren Song zu hören (am Ende der 9. Sendung „Anke hat Zeit“ – übrigens bei ca. 0.55′ gibt es noch ein ganz heisses Duo von Uri Cane & Han Bennink).

* Florian Bungart – yeah!

Poinciana

Oktober 23, 2014

Erst neulich beim Nürnberger Nue Jazz Festival: Der Gitarrist Jonathan Kreisberg reharmoniert „Stella by Starlight“ aufs Ausgetüftelste – sehr ambitioniert, sehr spannend. Doch je länger ich zuhöre, zieht mich der – im Gegenteil einfache und gnadenlos konstante Drumgroove in den Bann:
Ein Trance Beat, der mir irgendwie bekannt vorkommt…

Sebastian Merk klärt mich auf und nennt ihn „The Poinciana Beat„, in Bezug auf die Ahmad Jamal „Live at the Pershing“ Aufnahme, die den Rhythmus (mir auf jedenfall) bekannt gemacht hat. Ein zeitloser Track aus dem Jahre 1958, mit Vernel Fournier als Rhythmusgestalter.
Ein Trance Beat, der ohne Bassdrum auskommt…

Das Groove-Geheimnis liegt im Filzschlägel…

bringing the studio to the stage

September 9, 2014

>>Flesh And Machine was initially conceived as an ambient album, and tracks such as ‘Forest City’ take the classic Brian Eno albums that he worked on „Ambient 4: On Land“ (1982) and „Apollo: Atmospheres And Soundtracks“ (1983) as a wonderful bedrock to stand on to see the sonic future. The album bristles with new ideas. He spent countless hours processing an array of source sounds – steel and electric guitar, piano and human voice to create the sound palette that is „Flesh and Machine“. Lanois has already prepared songs from „Flesh And Machine“ to be performed live by a trio including himself, drummer Brian Blade and bassist Jim Wilson where both the playing of instruments and the sampling, dubbing and processing* will happen in real time, essentially bringing the studio to the stage. Daniel Lanois is still raising that spirit of music and still opening up doors to the unknown.<<

*Hier mit einem alten Korg SDD-3000 Delay und einem Lexikon M93 Prime Time Digital Delay Prozessor.