Archive for the ‘Practise!’ Category

Kopfarbeit, die gute

Juni 11, 2018

Das war eine bunte Woche mit zwei tollen Workshops an der Dresdner Hochschule, einem intensivem Breakbeat Hörnachmittag mit Jazzanovas Stefan Leisering und zwei Konzerten, die jeweils die ein oder andere Kopfarbeit erforderten.
Von improvisierter Momentmusik bis zum Stadion-Fill-In…

Die Idee war prächtig, die Voraussetzungen optimal, nämlich abends nach dem ersten Workshoptag mit Sebastian Merk ins Blue Note zu fahren, um dort ein elektronisch bereichertes Double Drums Set zu improvisieren. Leider hat das Herzstück meiner Elektronikwelt (der Keith McMillen K-Mix) ein massives Problem mit Phantomspeisung. Sprich, wenn er mit einem Pult verbunden ist, dass die 48 Volt liefert, entsteht starkes Rauschen bis hinzu groben Verzerrungen. Und leider kamen vom Club-Mischer immer wieder mal folgenreiche Stromimpulse, so dass ich fünf Minuten vor Beginn kurzerhand allen Computer-Kram wieder abbaute, jegliche Konzepte über Board warf und nur mein Echogerät auf altbewärte Weise im Akustikset verankerte. Jammerschade, dass all die angedachten Optionen nicht verfügbar sein sollten, auch die extra mitgeschleifte 303 sollte stumm bleiben 😦
Darüberhinaus war ich mittlerweile seit 15 Stunden im Einsatz, hatte kaum was gegessen und die Barfrau wünschte unmissverständlich den Konzertbeginn herbei.
Mitten durch diese schwarze Wolke schlechter Laune streckte mir dann auch noch eine jener Autogrammjägerinnen (Kategorie: es geht nur um die Unterschrift, ohne jegliches Interesse an der Person, geschweige denn an der Musik) auch noch mehrere Bildabzüge und einen Edding hin. Für Viola mit Vogel-V, für Barbara…

noun_1399850_cc   (angry by Alfonso López-Sanz from the Noun Project)

Es musste ein mentaler Kunstgriff her – dringendst – um die Situation zu drehen und nicht in der Sackgasse stecken zu bleiben.
Die Lösung bestand darin, kurz noch die Zähne zu putzen und das Shirt zu wechseln. Somit konnte ein „frischer“ Oli die Bühne betreten und der Abend wurde tatsächlich spannend & schön! Erstaunlich.
Nichtzuletzt wegen der tollen Céline Rudolph, die extrem spontan (angefragt auf dem Weg zur Bühne) ein paar Tracks mitgejammt und bereichert hat! Und wegen Merkurs immenser Musikalität und Übersicht über seinen Spielplatz aus Boss-Looper, diversen Synths, Gitarre, Federhall-Amp, Dada-Maschinen und Schlagzeug.

Und dann kam am Freitag Mittag der Anruf von Alex Hoeffken, ob ich am nächsten Tag bei Matthias Schweighöfer einspringen könnte…
Klar, selbstverständlich gerne – auch wenn ich mich auf ein freies Familienwochenende gefreut hatte und der Freitag teilweise schon verplant und belegt war, auch wenn die wenige Vorbereitungszeit und das Unbekannte ordentliches Stresspotential mit sich bringen kann – denn es ist eine sehr gute Gelegenheit, den Kopf zu traineren. Sprich, die Konzentration zu bündeln, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ohne dabei das Selbstbewusstsein zu vergessen (dass ja einiges an Grundlagen und Erfahrungswerten vorhanden ist). Naja und nach einem längeren Abend des Raushörens, auch einmal Durchspielens, bin am nächsten Morgen ins schöne Emmendingen gereist…

MS-Emmendingen-32.jpg

Das am Ende des Abends deutlich befreite Lächeln (Foto von Arne Schumann), konnte vor allem deshalb entstehen, dass sich das ganze Umfeld (ich kannte bei Eintritt ins Gelände gerade Arne Jansen) total nett und bedingungslos kooperativ verhalten hat und somit bei mir (trotz Konzentration- und Lesetunnels) totale Spielfreude aufkam. Toll!
In diesem Sinne kann ich nur ganz pathetisch der Weltgemeinschaft raten: macht Musik und gründet Bands und einiges wird sich zum Besseren wenden!

PS. #lachenweinentanzen finde ich nicht nur griffig, sondern beschreibt meinen Samstagnachmittag vortrefflich:
Die Soundcheck-Probe hat gut geklappt 🙂 Im direkten Anschluß dann die wunderbare Nachricht, dass meine Schwester in Buenos Aires ihre Tochter Liara zur Welt gebracht hat – mächtig Freudentränen – und somit später beim Gig: trommelndes Sitztanzen, wann immer möglich…

PPS. Ehrlicherweise möchte ich gestehen, dass neben dem Kopf auch ein kleiner Medizinschrank angezapft wurde: Magnesium gegen Krämpfe, Tigerbalm für verhärtete Muskeln und Wechselduschen zum Wachbleiben….

PPPS. Für einen runden Abschluß will ich noch Alexis Vistalite Männerkit mit klaren CS-Dot-Fellen loben! Hey, Toms sind irgendwie schon auch toll…

 

 

Defenestration

Mai 23, 2018

Defenestration ist ein selten gehörtes Wort. Außerdem beschreibt es eine brutale Aktion, die mir ganz und gar missfällt.
Da beim Prager Fenstersturz (vor genau 400 Jahren) die Betroffenen aber weich (nämlich auf einem Misthaufen) landeten, ich zum Thema Dreißigjähriger Krieg ohnehin die fantastische Geschichtsmogelpackung „Tyll“ empfehlen möchte und sich der seltsame Ausdruck darüberhinaus als Wortspiel für Fünfergruppen/Quintolen (Onomatopoesie!) eignet, gibt es in diesem friedlichen Blog auch diesen Eintrag.

De – Fe – Nes – Tra – Tion

Und endlich habe ich auch die (in meinem doch sehr geraden Vierviertel-Kosmos eher seltene) passende Rahmengeschichte, den zweiten Teil von Jan Stix Pfennigs Swag-Drumming Konzepten anzupreisen. Diesmal geht es nicht nur um Quintolen, sondern auch um die 7 und ich taste mich langsam heran, in diesem superstrukturierten Werk, das mich ganzheitlich, also visuell (Noten) und akustisch (Hörbeispiele, Playalongs), an die Hand nimmt und dadurch Hürde und Scheu vor dem vermeintlich Kompliziertem vergessen (bzw. aus dem Fenster werfen) lässt.

De – Fe – Nes – Tra – Tion – In – Prag

IMG_1942

Motiv-ation

Mai 14, 2018

Quasi als Vorbereitung für das „Drums’N’Percussion Festival Paderborn“ schaue ich mir diese tollen, auf unterschiedliche Weise höchst motivierte SchülerInnen an.

„Milestones“ in der Grundschule

Emma Gonzáles‘  „March for our Lives“

Marta Altesa

Fangen und Tanzen

Februar 21, 2018

Im taz-Interview mit der niederländischen Filmemacherin Nanouk Leopold lese ich spannende Konzepte:
>>bei Menschen, die keine Erfahrungen mit dem Schauspielen haben, sieht man sehr schnell, ob sie sich öffnen können. Es hat damit zu tun, wie man seinen Körper einsetzt. Nichts tun, Tee trinken: Wenn das klappt, wird es sofort interessant.<<

>>Wir nennen die Methode mittlerweile „Fangen und Tanzen“, man fängt Dinge ein, indem man sich im selben Raum bewegt. Dazu müssen ich, die Schauspieler, der Kamera- und der Tonmann miteinander verbunden sein.<<

>>Verantwortlichsein ist auch oft langweilig. Wenn mein Sohn mich fragt, warum wir nicht einfach in der Wohnung Reis streuen und darüber tanzen können, dann frage ich mich auch: Ja, warum nicht?<<

Passend zum Wettbewerbsfilm „Cobain“ höre ich Rockmusik aus den Neunzigern, „Sometimes Salvation“ von The Black Crows, um im direkten Anschluss mit der Darstellerin des Musivideos – Sofia Coppola – zu den Chemical Brothers umzuziehen.

Also schau ich mir noch geschwind das „Elektrobank“ Filmchen von Spike Jonze an und widme mich dann genüsslich der Rhythmusästhetik des Big Beat Genres. Steige dazu direkt mit dem Meisterwerk „Block Rockin‘ Beats“ ein.
Mein Bleistift schreibt die Pattern auf, der Kopf analysiert die Klangwelten von Bernard Purdie, Pucho & The Latin Soul Brothers bzw. wie deren Breaks durch den Sampler gedrückt und mächtig komprimiert  wurden.

Rhythmus-Training mit dem Smartphone

Januar 23, 2018

Als wäre es abgesprochen wurde – passend zum Baselitz-Geburtstag – soeben mein bonedo.de Workshop zum Thema Clicktraining veröffentlicht, mit dem sich die Hörgewohnheiten (den Metronompuls als Viertelnoten wahrzunehmen) auf den Kopf stellen lassen und die Vorzüge der 99 Cent iPhone App DM1 erläutert werden.

Als Teaser hier schon mal das Begleitvideo

Betonperle

Dezember 18, 2017

Der Begriff Brutalismus hat nichts mit Gewalt oder Brutalität zu tun. Er bezieht sich auf  béton brut, den französischen Ausdruck für Sichtbeton, und steht für jene expressive, experimentelle Betonarchitektur zwischen 1953 und 1979.

Dass zu diesem Thema nun im Frankfurter Architekturmuseum ein umfangreicher internationaler Überblick zusammengestellt wurde, läuft mir sehr gut rein. Denn seit Jahren schon erfreue ich während unserer Osteuropa- und Russland-Tourneen an jeder einzelnen Betonperle! Ehrlich gesagt, bereitete ich mich bisher immer gerne mit einem Blick in den Bildband von Frédéric Chaubin auf anstehende Touretappen vor.
Aber schon ein kurzer Blick ins Buch zur Ausstellung, bzw. ins darüber berichtende Feuilleton, sowie die Rettungsaktion #SOSBRUTALISMUS zeigen deutlich: die eindrucksvollen Betonmonster gibt es überall auf der Welt.

25398481_2060051764012842_1637846905073535428_o

Zufälligerweise hat der tolle Laurenz Theinert heute das passende Foto einer Segelschule aus der Schweiz gepostet, die perfekte Art von Mikro Brutalismus, die mich vermutlich angenehm träumen lässt!

PS. dieser Beitrag widmet sich nicht nur dem eklektischen Stil-Mix, der Wagemut und  eine Blütezeit der Kreativität dokumentiert, sondern trainiert auch meine Rechtschreibung. Denn eigentlich schreibe ich seit der Grundschulzeit das Wort Beton immer wieder so, wie man es spricht – mit einem abschliessenden „g“.

PPS. hey Moritz, ein gemeinsamer Museumsbesuch wäre doch (das) perfekt(e Weihnachtsgeschenk für Dich)! Also, sag an, wann du vor dem 02.04.18 mal wieder in Frankfurt bist – bis dahin kühle ich auch ein Fläschchen Champagner mit der Aufschrift „brut“…

A new template for the art of hip-hop drumming

Dezember 3, 2017

Habe gerade durch einen netten Hinweis erfahren, dass Mark Colenburg (Glasper, Q-Tip, Common) ein vielversprechendes Lehrbuch bei Hudson Music heraus gebracht hat: The Beat Matrix Unlocked

>>With a focus on legendary hip-hop producer J Dilla and his unique way of combining styles and creating rhythms, Mark looks at specific aspects of drumming technique, groove, and creativity. These include warm-ups, beat patterns, musical swag, performance concepts, improvisation, and chops. He then puts everything together and demonstrates his own signature beats that are an amalgamation of all these aspects.<<

 

Trap Music

November 1, 2017

Hier ein unterhaltsames Filmchen vom tollen Gerwin Eisenhauer zum Thema Trap, dessen Groovebestandteile Wikipedia wie folgt charakterisiert: >>crisp, grimy, and rhythmic snares; deep 808 kick drums; double-time, triple-time and similarly divided hi-hats<<.

 

 

(m)eine spielerische Lehrmethode

Oktober 24, 2017

IMG_0736

Sehr stringent: ich komme eben zurück von der Hochschule und im Briefkasten liegt mein neues Lehrbuch. Das Inhaltliche ist mir natürlich bekannt, dennoch war ich sehr gespannt, wie letztlich die drei eingelegten DIN A3 Bögen mit den perforierten Spielkarten aussehen würden – und ich bin begeistert!
Jetzt kann ich  „Das Moderne Schlagzeugquartett“ getrost in die Welt ziehen lassen 🙂

[ab 30.10.2017 via Amazon, ab jetzt beim LEU-Verlag direkt]

Drumbasics: Trommelfell, Maultrommel, ich trommel!

Oktober 23, 2017

u.a. mit Wolfram Winkel, Carola Grey