Archive for the ‘Practise!’ Category

Body Percussion digital

Januar 13, 2021

Eigentlich immer verbindend, auflockernd und spaßig: eine Runde Body Percussion. Eine Gruppe von Rhythmuswilligen läuft den Puls und klatscht dabei vorgegebene Patterns nach.
Das ist leider in Zeiten des Online-Unterrichtens schwer durchführbar. Denn das gleichzeitige Grooven funktioniert wegen der Übertragungslatenz nicht und durch den typischen Kameraaufbau/Bildausschnitt sehe ich meist auch nur Kopf und Oberkörper meiner Gegenüber.

Also habe ich mir folgendes, visuell nachvollziehbares überlegt: der Fuß-Puls wandert in die Bewegung der oberen Körperhälfte (Oberkörper/Kopf). Alternativ dazu (oder zusätzlich) wird er mit Rhythmussilbe „Tschick“ gesprochen.

Die rhythmischen Aufgaben werden mit einer Hand auf die Schulter geklopft.

Beispielsweise Rhythmusklassiker aus aller Welt (Clave, Baião, 3:2 …) oder Sightreading Texte.
Und zum Üben lässt Du als Refernez am besten noch das Metronom mitlaufen und versuchst seinen Puls als Achtel-Offbeat zu hören.

Eine erweiterte Spielart geht in Richtung Beatboxing. Dabei versuche ich sowohl Tschick-Puls als auch die Rhythmusübung zu „singen“.
Hier meine dazu passende Spielkarte aus dem „Modernen Schlagzeugquartett

Der tolle Benny Greb hat diesbezüglich die Meßlatte ganz schön hochgelegt (da er nicht den Viertelpuls sondern die Clave als Grundlage hernimmt):

Kagh! Douuong Pag!

Dezember 30, 2020

Inspirierendes Videotelefonat mit Trilok Gurtu; seine Geschichte, seine Einstellung, sein System.

Ich habe mir zudem ein Mini-Hörspiel über den Snaresound extrahiert.

Sowie diesen Tipp ausgeschnitten, der meinen Gewohnheiten sehr entgegen kommt:
„If it’s not working, put 4 on the floor!“

Klopfgeräusche & Schwingungen

November 30, 2020

Wachte neulich nachts auf und hörte ein schnelles Ticken. Hörte sich nach mechanischer Uhr an, doch im Schlafzimmer gab es keinen Zeitmesser. Ich ging in die Studiobesenkammer, um das alte TAMA Metronom zu überprüfen – es war wie zu erwarten stumm – hörte an der Küchenuhr, deren Quarzwerk aber nur für 60 Schläge in der Minute sorgt. OK, dann muss es wohl die Armbanduhr sein, denn ihr Groove passt zum Geräusch, Zweiundreißigstel im Tempo 60, sprich achtmal so schnell wie der Sony-Wecker, oder im Uhrmachersprech: 28.800 A/h. Zwar lag die Uhr zwei Zimmer entfernt, aber vielleicht wurde ihr Ticken via Holzregal und -boden durch die Wohnung geleitet?
Zwei Nächte später hörte ich erneut den Schlafzimmerrhythmus, die Armbanduhr war jedoch mittlerweile stehen geblieben…
Ein großes Rätsel, das letztlich dank top Kinderohren gelöst wurde: Levi identifizierte das 5V Ladegerät als Impulsgeber! Verrückt, zumal der USB-Charger bei genauer Überprüfung mit fünf Schlägen pro Sekunde (Quintolen bei 60bpm) rattert.
Und ich dachte immer: 50Hz sind 50 Schwingungen pro Sekunde und bei Problemen brummt’s?

Eine andere Geschichte zu Klopfgeräuschen gibt es heute in der taz zu lesen: >>Zwischen dem Klackern der S-Bahnschienen hört er ein leises Hämmern: Ein „Mauerspecht“ macht sich an den Resten zu schaffen, um ein kleines Stück Weltgeschichte mit nach Hause zu nehmen. „Den Klopfgeräuschen bin ich immer nachgegangen“, sagt [Franz] John, der heute als Medien- und Konzeptkünstler in Berlin arbeitet. 1990 machte er sich mit seinem Fahrrad auf den Weg, die Berliner Grenzanlagen kurz vor dem Abriss aus ihrem Inneren zu dokumentieren.<<

Archivierung des Gelernten?

November 26, 2020

Seit drei Jahren unterrichte ich wieder regelmäßig.
Eine Beobachtung, die ich dabei zunächst als Generationsunterschied/Zeitgeist/digitalisierte Veränderung eingeordnet hatte, scheint wohl doch eher ein Problem zu sein.
Es geht um die Archivierung der vermittelten Inhalte.

Als ich Anfang der 1980er Jahre selbst zum Schlagzeugunterricht in die Jugendmusikschule tingelte musste bestimmte Literatur gekauft werden (staubtrockene Sigfried Fink Schulen, etwas Dante Agostini und Jim Chapins Klassiker). Später mehrten sich kopierte Zettel aus den Büchern der ortsansässigen Pros.
1993, beim Popkurs, gab es – nach wie vor in Kopieform – die gesammelten Konzepte von Udo Dahmen. Auf den Markt drängten dann die klingenden Lehrbücher (erst mit Kassette, dann mit beigelegter CD), letztlich waren aber die bewegte Studien, die sogenannten „Drum Instruction Videos“ der heilige Gral. Leider, egal ob VHS oder später DVD, immer empfindlich kostspielig. Dafür ließ sich all das Lernmaterial im Buchregal oder einer Schublade übersichtlich aufbewahren.
Mit dem Internet kam die Wende, seitdem sich YouTube & co. etabliert haben, ist ALLES plötzlich digital, oftmals kostenfrei verfügbar. Aus übersichtlich, wird Masse, Nullen und Einsen sind die neue Fachliteratur:
Die unbegrenzte Fülle lässt sich schwer strukturieren, aber auch die Techniken der Archivierung scheinen zu verrutschen bzw. abzurutschen. Bestes Beispiel, digitale Fotos. Die ausbleibenden Materialkosten verführen direkt zum wahllosen Draufhalten, zu einer Hügellandschaft an Material, die selten begradigt oder beschriftet wird, schließlich im lähmenden „too much“ mündet. Einer bestimmten Erinnerung spontan das passenden Bild beisteuern? Eher unmöglich…

Als ich 2017 in der Frankfurter HfMDK anfing, hatte ich, von Workshops und diversen Drumcamps abgesehen, über 20 Jahre lang keinen regelmäßigen Unterricht mehr gegeben. So habe ich anfänglich tapfer Sheets geschrieben, doch schnell bemerkt, dass diese gerne vergessen oder direkt abfotografiert und liegengelassen wurden. Tablet oder Smartphone waren das Archivierungs-Tool Nummer eins. Natürlich stellte ich dezente Überforderung fest, wenn es um den Rückblick zu vergangen Stunden ging, aber ich vertraute den Digital Natives.
Mittlerweile habe ich jedoch das dringende Gefühl, laut über Archivierungs-Konzepte nachzudenken.

Ich selbst hatte großes Glück hier in diesen Blog reingestolpert zu sein, der sich schnell in Richtung persönliches Musiktagebuch transformiert hat. Was 2006 als aktuelle Begleitung zum „e-Beats am Drumset“ Buch konzipiert wurde, hat mittlerweile knapp 4000 Einträge versammelt, die sich dank einer hervorragenden Suchzeile und gliedernden Tags interessenbezogen bereisen lassen. Ich persönlich finde mich jedoch vor allem deswegen so gut darin zurecht, da ich in der Regel einen Beitrag mit etwas vermeintlich Abseitigem (Anekdote, Metapher, Foto, Parallelgeschichte, Persönliches) oder einer schrägen Überschrift verknüpfe, eindeutige Nebenschauplätze, die aber bei mir gut im Gedächtnis hängenbleiben. Will ich einen bestimmten älteren Post wiederfinden, so suche ich meist zusammen nach dem inhaltlichem Schlagwort und jenem Obskuren…
Tatsächlich fühle ich mich durch den Blog in mehrfacher Hinsicht beschenkt: Dadurch, dass ich mein Tageswerk griffig und nachvollziehbar formulieren möchte, wird mir einiges erst dadurch (und die weitere Recherche) klar, durchs Schreiben werden die Inhalte in der Birne verankert (war schon zu Schulzeiten mein Lernkonzept), vor allem aber: alles Material ist an einem Platz versammelt – sozusagen ein digitales Regalfach unter vielen Bookmarks.
Die Suchfunktion ist der Schlüssel zum wachsenden Schatz, die durch die Einträge entstehende Interaktion mit Gleichgesinnten die Sahnehaube, neuer Zucker, eindeutig Ansporn.
Geholfen hat der Zufall, der damalige Zeitgeist (beginnt man denn heute überhaupt noch einen Blog?) und so scheint mir dieses Modell doch eher eine persönliche Lösung und keine Empfehlung. Andereseits wird ja auch auf den sozialen Medienplattformen Facebook, Instagram & co. viel Wissen aufgeschrieben und vermittelt (aber leider lässt es sich dort nur mühselig rückblickend finden – dann vielleicht doch ein Blog als Ablageort für derartige Sammlungen?)

Anyway. Ich würde als erstes versuchen, ein geschicktes Ablage-und Findsystem auf dem Rechner (oder gar in der Cloud) einzurichten.

Diesbezüglich erinnere ich an gut funktionierende Sample Libraries.
Auch hier: anhaltende Lernkurve. Denn ich habe lange dafür gebraucht, meine Drumsounds- und Loops so zu beschriften, dass sie im Bedarfsfall zügig zu finden und zu durchforsten sind.
Mittlerweile stelle ich bei Einzelklängen das betreffende Instrument voran, beispielsweise SD für Snare-Sounds, CLP für Handclaps, ZZZ für Rauschiges, ATMO für Texturen, Loops hingegen beginnen mit der bpm-Zahl und, falls nicht im Viervierteltakt, mit dementsprechenden Takt-Bruchkürzel. Es folgende die Quelle, also der Song-Pate (Marley), das übergeordnete Genre (Dub) die aufgenommene Maschine (Linn) oder das verwendete Instrument (16Superstar) und gerne noch eine beschreibende Assoziation.
Für die thedrumsounds Suchmaschine hatte ich mir diesbezüglich ja schon einige Tags/Metadaten zurechtgelegt und daraus wird nun gewählt (warm, vintage, dry, long, hi/low, DIY, studio…).
Selbstverständlich gibt es verschiedene themenbezogenen Ordner für Einzelinstrumente, Styles, Loops, Fill-Ins.
Und im Idealfall begleiten die passenden Playlisten im Streaming-Portal mit denselben Überschriften das Geschehen.
Je nach Datenvolumen hilft (vielleicht) etwas künstliche Intelligenz, z.B. der Sononym Sample Browser, in jedem Fall die Transparenz-Schere, das Ausmisten im Frühstadium. Die Fotografen bemühen diesbezüglich gerne ein Zitat von Henri Cartier-Bresson: >>Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.<<

Und während ich so tippe, muss ich gestehen, dass ich zwar ein wohl strukturiertes Weblog habe, aber auf dem Rechner ebenfalls Chaos.
Insofern steht ein weiterer persönlicher Programmpunkt für den Corona-Winter auf der to do Liste…

In Bezug auf die Studierenden versuche ich aber direkt mal, potentielle Lösungsansätze zu skizzieren:
Das Fotografieren der Notenbeispiele oder auch eine kurze Videoaufnahme des neu Gezeigten, finde ich eigentlich sehr sinnvoll.
Lesen, Hören, Sehen – nachempfinden auf unterschiedlichen Lernkanälen, immer gut!

In einem weiteren Schritt sollten diese Dokumente (zusammen mit eventuell zum Thema verschickten Emails) in einem eindeutig benannten Ordner (Schlagzeug bei Oli WS2020-21) gesammelt werden.
Eigene Recherchen und Links zu entsprechenden Hörbeispielen könnten in weiteren Emails an sich selbst verschickt und ebenfalls im Ordner abgelegt werden.
Dadurch entsteht automatisch eine chronologische Ordnung entsteht automatisch, so fehlt nur noch die griffige Benennung der einzelnen Teile.

In der Regel lässt sich ja jede Unterrichtsstunde mit einer Überschrift versehen:
Bodypercussion, Warmup, Rudiment, Electronics, Groove, Sound, Attitude, Sonstiges
Dann fehlt eigentlich nur das betreffende Musikgenre (Metal, Rock, Pop, Jazz, Funk, Soul, Hiphop, Dancefloor, Experimental, World) und eine persönliche Notiz (das könnte eine Wertung sein, ein Assoziationsanker oder eine farbliche Markierung/Hervorhebung).
Und wenn wir uns beim Beschriften auf Dateinamen mit maximal 255 UTF-16 Zeichen beschränken, sind wir auf der sicheren Seite.

Darüberhinaus sinnvoll, weitere Unterordner (Nachzügler + Topic) für Artverwandtes, das nachträglich entdeckt wird.
Jetzt bin ich tatsächlich aber auch etwas neugierig geworden, wie wohl professionelle Software-Lösungen die datenbankgestützte Verwaltung von elektronischen Dokumenten (E-Mails, PDF-Dateien oder Text-Dokumenten) bewältigen, um den Weg zum papierlosen Büro zu ebnen…

Und neugierig wäre ich natürlich auch auf eure Erfahrungswerte, Tipps und Ideen!

vermeintlich dunkel

September 9, 2020

Zwei Schwarz-Weiß-Fotos von gestern, vermeintlich dunkel und dennoch positiv…

Ich konnte leider nicht herausfinden wer dieses super Bild von David Gilmour und Tochter Romany gemacht hat, bevor es sich in den sozialen Netzwerken verselbständigte. Mit der Überschrift:
>>When you just want to play your guitar but your dad is that guy from Pink Floyd<<

Ich machte eine bemerkenswerte Übe-Erfahrung.
Gestern gab es weder Strom noch Licht in meinem Bunkerraum. Ich wollte aber Trommeln. Das passierte dann zunächst im blassen Schein des Musik zuspielenden Smartphones, später dann komplett im Dunkeln und ohne Kopfhörer.
Und wie wunderbar zu erleben, dass der plötzlich nicht gebrauchte Sehsinn seine Energie an die Hörstation weiterreicht, dass wir selbstverständlich alle Instrumente (auch deren exotischere Positionen, wie beispielsweise die Beckenglocke, einen satten Rimclick trotz Crasher-Auflage oder den Crasher selbst) treffen ohne sie anzuvisieren.
Ebenfalls erstaunlich, dass es für diese Erkenntnis ein Elektronik-Problem gebraucht hat. Denn dank des Lichtschalters lässt sich dieser Umstand doch jederzeit (re)produzieren…

Und schließlich noch ein drittes Bild (von WP Steinheisser) – aus der heutigen Ankündigung:
Hurra! Am Wochenende ist Sommer und ich spiele zwei Open-Airs beim Stuttgarter Kastellsommer. Mit Freunden.
Freitag, 11.09. Netzer (19.30)
Samstag 12.09. Fola Dada/Joo Kraus/Martin Meixner (19.30)

üben, Brote rösten, Fußballdenke

September 7, 2020

Wochenstart & Frühstück. >>Dazu gab es Scheiben von knusprig angebratenem Brot, das beim Hineinbeißen so ein Geräusch machte, als breche jemand durch einen Bühnenboden ins echte Leben.<<
Sowie zwei weitere Gedankenanstöße aus Heinrich Steinfests „Chauffeur„:
In einer Welt der Schwerkraft ist alles eine Frage der Balance
Die Schönheit der Überlappung… 


Beim anschließenden Socialmedia-Rundgang drängte sich mir dann folgende Erkenntnis auf:

Wow, allenortes wird fleißig geübt, perfektioniert, selbstoptimiert. Klasse! Denn je größer das Vokabular, desto vielfältiger kannst Du erzählen.

Weil mir jedoch das disziplinierte und langwierige Üben eher schwerfällt, kann ich von der anderen Abteilung schwärmen, die mich ungemein inspiriert, mir neuen Stoff (zum Erzählen), andere Zusammenhänge, vor allem eine erweiterte Sichtweise offenbart: die Kunst im Allgemeinen (Bücher, Museen, Tonträger, Bauwerke) und das Leben selbst.
Deswegen mein kleiner Tipp, den man im Fußball vielleicht unter der Rubrik „Übersicht“ einordnen könnte:
Verorte in Deinem Übungsplan nicht nur die Zeit am Instrument…

Und so winke ich jetzt mal rüber zur Paul Hindemith Anlage und denke an Kraftwerk!

Equipment Talk(s) – ein 19 Zoll Gespräch der fantastischen Art. Oder halt: Ode an das Boss Space Echo

September 2, 2020

Ich glaube es war der Instagram Post von Stewart Copeland, ein kurzer Konzertausschnitt mit ihm und Stanley Clarke, der mich an das Album „If this bass could only talk“ erinnern ließ. Jene CD, die in den Neunziger gefühlt von jedem zweiten Tontechniker zur Einstellung der PA eingelegt wurde. Normalerweise krame ich nach einem solchem Wink direkt das erwähnte Werk hervor und erfreue mich an gehörter Nostalgie und schönen Erinnerungen. Erst recht, wenn der einzige Albumtitel mit dem Police Drummer „Stories to tell“ heißt und Allan Holdsworth darüber soliert. Doch diesmal war der bloße Titel stärker und ließ meine Gedanken in völliger Stille über Clarkes gehegtem Wunsch kreisen.
„If this instrument could only talk“.
Gut, ich beschäftigte mich an diesem Abend ohnehin schon mental mit „special gear“, denn das Internet spülte mir zufällig den zum Verkauf angebotenen DX-7 von Prince entgegen für das Echodrums Buch mussten eben noch jene Passage korrigiert werden, in der ich insgeheim meinen verflossenen Delaymaschinen nachtrauerte. Prompt gingen mir all jene Geschichten durch den Kopf, die in diesem Abschnitt keinen Platz mehr fanden: Was war der eigentliche Kaufgrund für dieses oder jenes Gerät, aber warum musste es, bzw. wohin durfte es ziehen? Aus welchem Grund hingegen durfte ein anderer Effekt bleiben? (Konnten wir vielleicht „besser miteinander sprechen““??)


Rückblickend lässt sich doch in jedem Pedal das Besondere finden, einen überraschenden, gar überzeugenden „Ghost in the Machine“ entdecken. Manches Equipment hat aufgrund seines hohen Alters oder seiner speziellen Herkunft musikgeschichtliche Relevanz, entlockt durch seinen Musikhaus-Sticker mit vierstelliger Postleitzahl ein Lächeln oder wühlt eine ganz persönliche Beziehungsgeschichte wieder auf. Gelegentlich sind noch die vom Vorbesitzer mehr oder weniger liebevoll gestalteten Einstellhilfen sichtbar, bunte Klebepunkte, klebrige Gaffa-Reste oder permanent markierte Striche für den persönlichen Best-Sound, fürs Optimum. In seltenen Fällen findet man gar im Inneren einer Maschine eine versteckte Botschaft, einen leidenschaftlichen Gruß an all diejenigen, die tief genug graben. Wie beispielsweise im Reverbtank des Roland Space Echo, wo auf dem Labelsticker zu lesen ist »Manufactured by beautiful girls in Milton, Wis. Under controlled atmosphere conditions«. 

Anyway, man behält nicht alles – Präferenzen werden abgewogen, Entscheidungen getroffen. An besagtem Abend entstand jedenfalls die traumhafte Vorstellung, dass eine ehemalige Instrumenten-Bekanntschaft über sein bewegtes Leben berichten könnte und noch einmal, inklusive seines derzeitigen Herrchens, zum gemeinsamen Jam zurückkehren würde.

Oh yeah! In meinem Fall müsste sich Blixa Bargeld mit meinem (alten) Lexicon JamMan Looper einfinden, der fantastische And.Ypsilon könnte mit dem Korg SDD-1000 dubben und Henrik Schwarz durch den Electrix MO-FX einen clubtauglichen Spannungsbogen formen. Ich würde dazu auf dem aquamarinblauen Tama Superstar 50 +1 Schlagzeug spielen – mein bisher schönstes Drumkit, das ich aber wegen eines monetären Engpasses aufgrund einer Tourabsage an den ursprünglichen Besitzer zurückverkauft hatte. Selbstverständlich würden komplett alle Kessel aufgebaut werden: 22, 12, 13, 14, 16, 18. Meine Wenigkeit, wie Lenny White mit Hut, stolz dahinter sitzen. Für diesen einmaligen Anlass hätte ich zudem all meinen Mut zusammengenommen und Neil Fraser kontaktiert, ob der Mad Professor vorbeikommen und meine Drumtracks mit seinem Roland SDE-3000 veredeln könnte – schließlich hatte ich diesen 19 Zoll Streifen einst angeschafft, weil es das ausgesprochene Lieblingsgerät des Dubmeisters ist. Spätestens dann wäre auch Pit Baumgartner (das DePhazz Oberhaupt) mit dem Vestax FDG-1 Kill Equalizer zur Stelle. Bestimmt auch Don Philippe vom Freundeskreis, um mal wieder sein altes Simmons SDS-V aus der Reserve zu locken. Zu guter Letzt würde ich den Krautrock Phaser (Schulte Compact Phasing A) von Dieter Seelow aufstellen – dessen Anwesenheit allein schon wegen der schicken roten Kontrollleuchte und der verströmten Studiowärme Sinn macht. 
Im Anschluß an die Session dürften meine Neumannstäbchen (KM85) und das Acousta-Pult (P100B) noch etwas aus dem Nähkästchen ihrer Fernsehvergangenheit plaudern (sie kamen ja vom ZDF bzw. aus dem ORF) und wenn all die Gäste schließlich ihren Heimweg angetreten hätten, gäbe es noch einen kurzen Anruf im Ludwigsburger Trommelmuseum, um sich nach dem Befinden von E-MU SP-1200 und Dr. Pad zu erkundigen. 

Schwer, sich aus solch angenehmen Nostalgiebad zu erheben, doppelt schwer, sich erneut von den ehemaligen klangmachenden Mitbewohnern zu verabschieden – seufz – aber hey, ursprünglich waren ja die liebgewonnen Delaymaschinen der Ausgangspunkt für diese Träumerei. Also soll auch dieser Erzählstrang zu Ende gebracht werden. 

Es kamen und gingen die Boutiquepedale, Top-Produkte gaben sich die Klinke in die Hand, nicht selten wurde (vermeintlich) heiligen Gralen hinterhergejagt, die dann um die halbe Welt geschippert werden mussten, dafür aber komplett (mit nach Keller riechender Originalverpackung) ausgestattet bei mir ankamen und dennoch oftmals meine in sie projizierten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Neben all diesem Hin- und Her, einer Mischung aus rastlos neugierigem Testen und etwas aus dem Ruder gelaufener Gear-Mania, konnten sich tatsächlich zwei Kandidaten von der Stange behaupten, die mich nun seit einer gefühlten Ewigkeit begleiten – genau so, wie es sich für „das richtige Instrument“ gehört. 
Da wäre einmal das grasgrüne DL4 von Line 6, das ich zur Jahrtausendwende auf dem Schlagzeugteppich begrüßte. Eine große Digital-Kiste, randvoll mit geschmackvollen Presets (die alle gängigen Echotypen simulieren), drei hilfreichen Speicherplätzen und sehr musikalischer Interaktion von Delay-Time Poti und Wiederholungsregler. Zudem lassen sich die beiden Ein- und Ausgänge des Pedals als separate Mono-Kanäle verwenden, was mir den gleichzeitigen Live-Dub meines Schlagzeugs und einer weiteren Schallquelle, beispielsweise der Sängerin, ermöglichte. Mein „Delay Modeler“ wurde mehrfach modifiziert (Volume and Tone Mod, 2nd Preset Mod, High End Switch Mod), öfters auch professionell repariert (da vor allem der wichtige Tap Tempo Taster meiner Beanspruchung nicht dauerhaft stand hielt). 

Ein solcher Kuraufenthalt war der Anlass, dass ich mich im Jahr 2007 nach Alternativen umschauen wollte, daraufhin ein Boss RE-20 ins Haus holte, jenen digitalen Klon des gefeierten Roland Bandechos (Space Echo RE-201). 
Letztlich eine folgenschwere Aktion, denn dieses Pedal sollte sich über die Jahre zu meiner Nummer 1 entwickeln. Seit 2014 ist es tatsächlichlich, zusammen mit einem klemmbaren Sennheiser e604 Mikro und der Boss AB2 Box, gesetztes Handgepäckstück und bei jeder musikalischen Unternehmung mit dabei. 
Dabei gestaltete sich unser gemeinsamer Start äußerst zäh und holprig. Die Rahmenbedingungen waren eigentlich optimal – das Boss Pedal kann ebenso mit einer perfekten „2x Mono-Verkabelung“ punkten, auf Wunsch gar zwei getrennte Eingangssignale in einem einzigen, monophonen Ausgang vereinen, hat einen unkaputtbaren und tight übermittelnden Tap Taster, zusätzlich EQ und Hall mit an Board -, aber anfänglich kam ich mit der dem Original geschuldeten Gemütlichkeit bei Delaytempo-Verdrehungen überhaupt nicht zurecht – sie gestalteten sich komplett anders im Vergleich zum gewohnten DL4 und dämpften meine Euphorie gehörig. Nüchtern betrachtet ist dieser Umstand nicht verwunderlich, denn die beiden Tretminen bedienen unterschiedliche Konzepte. Die Line6 Stompbox will als Allrounder digitale, analoge und mechanische Echogeräte abdecken, wohingegen sich das RE-20 nur dem letztgenannten Delaytyp, dem Bandecho verschreibt, sich dabei auf ein konkretes Vorbild spezialisiert. Dennoch wurden immer wieder neue Anläufe mit den gewohnten Workflows gestartet und immer wieder mit leichter Enttäuschung quittiert, bis ich irgendwann endlich kapiert hatte, einen anderen Zugang zu der Maschine finden zu müssen. Auch wenn die krass verdrehten und zurückgetappten Rave-Signale des grünen Echos letztlich nie kopiert werden konnten, entdeckte ich diverse Besonderheiten und Vorzüge des kompakten Space Echos: Beispielsweise den simulierten Federhall, der sich ganz einfach zum Echosignal dazu drehen lässt, aber auch einzeln einsetzen lässt, bei viel Input-Gain zudem ein Sonar-Sound erzeugt, der dich direkt ins Triphop Bristol der Neunziger Jahre katapultiert. Desweiteren ein immer griffbereiter 2-Band Entzerrer (Equalizer), dank dem ich, trotz nur einem an der Snare befestigten FX-Mikrofons, wahlweise den Echoschwerpunkt auf Hihat, Snare oder Kickdrum ausrichten kann. Es gibt die „Twist“ Option, ein Gimmick, das man vielleicht nicht überstrapazieren sollte, das mir aber ab und an als One-Touch-Knob hilfreich entgegenkommt – bei gehaltener Tap Taste wird automatisch die Intensität des Feedbacks erhöht, gleichzeitig die Delaygeschwindigkeit verändert und die Ausgangslautstärke etwas heruntergeregelt. Und es gibt den Mode Selector, der sich durch gezieltes Verdrehen ebenfalls zum Musikmachen eignet. Die Boss-Kiste ist unglaublich robust – hier war noch keine Wartung nötig – und selbst wenn das passende Netzteil (öfter) mal die Anreise nicht überlebte, war dank der Batteriebetrieb-Option kein einziger Konzertabend in Gefahr. 

Um an dieser Stelle die letzten verbleibenden Skeptiker zu überzeugen: Jenseits des Musikalischen überzeugt das Pedal mit einem einzigartigen gestalterischen Kunstgriff, dem zentral eingebautem, immer freundlich leuchtenden Lächeln. Diese simple wie wohltuende Anordnung der roten Kontrollleuchten dürfte meiner Meinung nach gerne kopiert werden, denn positiver kann eine Beziehung kaum beginnen 🙂

Ach ja, wer sich jetzt noch wundert, dass hier ein Drummer so leidenschaftlich über Delayeffekte und Tretminen ins Schwärmen gerät, über Geräte schreibt, die doch eigentlich dem Gitarren-Sektor oder Mixprozessen im Tonstudio zuzuordnen sind, den kann ich direkt beruhigen.
Beim aktiven „Echodrumming“ geht es um die Entdeckung einer neuen Komfortzone, die sich spielerisch erschließen lässt. Denn so ein elektronisches Effektgerät ist gar nicht weit von typischen „Drum Add Ons“ (wie Splashbecken, Drummer Timbale oder Samplepad) entfernt. Es ist einfach ein weiteres Zusatzteil, das sich ebenso symbiotisch integrieren lässt, aber sowohl Sound als auch Pattern des Rhythmusmachers bereichern wird. Wir Schlagzeuger brauchen auch nur drei Teile – Mikro, Delaypedal und eine verstärkte Lautsprecherbox – zum Echoglück. Und zack, agieren wir frisch und vielschichtig über den Trommelrand hinaus. 
Ich kann es immer wieder nur empfehlen, leiht euch ein Delaypedal (idealerweise mit Tap Tempo Funktion) aus und experimentiert damit.
Wer anschließend tiefer einsteigen möchte, wirft mal einen Blick ins Buch „Echodrums – Anders trommeln dank Strom & Effekten“ (Leu-Verlag, 116 Seiten, ISBN 978-3-89775-184-2). Und bestellt’s im Idealfall direkt bei mir inklusive einer Tap-Tempo-Postkarte und den besten Wünschen (25 €, auf Rechnung).

PS. Wie unter Menschen gibt es auch bei den Effektpedalen die Liebe auf den ersten Blick, meistens jedoch braucht ein neues Gerät viel miteinander verbrachte Zeit, um all die in ihm schlummernden Edelsteine freizulegen und im musikalischen Kontext funkeln zu lassen…

Doch irgendwann hat man seine(n) idealen Partner gefunden, quasi erweiterte Sprachrohre, verdichtende Klangspiegel, beflügelnde Gegenpole, die – wie in meinem Fall das Boss Space Echo – direkt mit der Person und dem Schlagzeug verschmelzen und den musikalischen Ausdruck mitgestalten. Dann löst sich der wehmütige Rückblick aufs verflossene Instrumentarium in angenehmer Erinnerung an die Reisebegleitung auf und man stellt zufrieden fest: 
bin teilweise angekommen!

Extremitäten!

September 2, 2020

Wenn sich das Schlagzeug und die Extremitäten plötzlich im Mundraum befinden…

… dann hat man sich eigentlich die perfekte Übekabine für überall geschaffen!
Großartig, lieber Benny!

Ich versuch’s mal ganz langsam, zunächst mit Son Clave und Vierteln…

Die MILCHSTRASSE als Startpunkt einer Reise

August 27, 2020

Auf die Frage, ob ich Musik studiert hätte, antworte ich gerne stolz: Ja, zweimal drei Wochen, in Hamburg beim Popkurs.
Angefixt von begeisterten Besuchern (Peter Kumpf & Kay Richter) stand diese Etappe dringend (gefühlt eine halbe Ewigkeit) auf dem Zettel, dort dann – in der Milchstrasse – 1993 angekommen, war’s noch besser als erträumt: ein wunderbarer Crashkurs im Paralleluniversum, Augenöffner, Kontaktbörse und (bis heute) andauernder Motivationsschub.

Gestern verabschiedeten sich die beiden Initiatoren Anselm Kluge und Peter Weihe nach 39 Jahren mit diesem Gedicht.

Ich verbeuge mich tief, bedanke mich nochmals herzlich und mache im besten Popkurssinn einfach direkt weiter:
Musik mit einer Sprachnachricht meiner Nichte Alma (aus HH…)

Bis Samstag dann, im Palmengarten!

the conceptual playground for one of the most important muscles in drumming

Juli 27, 2020

Claus Hessler hat (ausgehend von dieser Roadmap) mehrere top Denkanstöße in seinem IG Kanal gepostet.

MUSICAL IMAGINATION

RHYTHMIC FORM

SONIC DESIGN

DYNAMIC SHAPE

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DYNAMICS … one of the all-time favourite issues. What comes to your mind when this topic pops up? The diagram shows some things that come to my mind … Of course you would think about ACCENT studies of all kinds and structures, GHOST-NOTE strategies and how to balance not just these two. BALANCE in itself would be a major aspect of dynamics in terms of how you blend the different levels of various instruments, hands and feet likewise. Several DYNAMIC LEVELS including crescendo and descrescendo skills would be worth mentioning, just as GEAR SELECTION. Are you making a reflected choice of gear/instruments depending on your needs and musical imagination? Also, different dynamic levels call for different TECHNIQUES to be used: The movements and choices for softer playing will obviously NOT be the ones for loud and more agressive playing. The VENUE and its specialties are important as well. You possibly don’t bring your 22“ and 24“ crashes to the club gig where people are sitting just 6 feet away from you … and finally questions of CONTEXT will be important: What kind of style/music/band/ gig are you doing? Make no mistake: Not being in control of DYNAMICS as a drummer is like having the tiger off the leash. But in turn, not using the power of dynamics will be a tiger without teeth … so think twice and „know before you go“! #dynamics #drums #drumming #drummer #volume #claushessler #playmore #drumfam #drumuniversity #drumpractice #drumconcepts #musiceducation #drumwizdom #drumlads #drumlove #drumpractice #drumsdrumsdrums

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PHRASING OPTIONS

ENEMIES

GAME ZONE vs. DRILL ZONE