Archive for the ‘Practise!’ Category

Fangen und Tanzen

Februar 21, 2018

Im taz-Interview mit der niederländischen Filmemacherin Nanouk Leopold lese ich spannende Konzepte:
>>bei Menschen, die keine Erfahrungen mit dem Schauspielen haben, sieht man sehr schnell, ob sie sich öffnen können. Es hat damit zu tun, wie man seinen Körper einsetzt. Nichts tun, Tee trinken: Wenn das klappt, wird es sofort interessant.<<

>>Wir nennen die Methode mittlerweile „Fangen und Tanzen“, man fängt Dinge ein, indem man sich im selben Raum bewegt. Dazu müssen ich, die Schauspieler, der Kamera- und der Tonmann miteinander verbunden sein.<<

>>Verantwortlichsein ist auch oft langweilig. Wenn mein Sohn mich fragt, warum wir nicht einfach in der Wohnung Reis streuen und darüber tanzen können, dann frage ich mich auch: Ja, warum nicht?<<

Passend zum Wettbewerbsfilm „Cobain“ höre ich Rockmusik aus den Neunzigern, „Sometimes Salvation“ von The Black Crows, um im direkten Anschluss mit der Darstellerin des Musivideos – Sofia Coppola – zu den Chemical Brothers umzuziehen.

Also schau ich mir noch geschwind das „Elektrobank“ Filmchen von Spike Jonze an und widme mich dann genüsslich der Rhythmusästhetik des Big Beat Genres. Steige dazu direkt mit dem Meisterwerk „Block Rockin‘ Beats“ ein.
Mein Bleistift schreibt die Pattern auf, der Kopf analysiert die Klangwelten von Bernard Purdie, Pucho & The Latin Soul Brothers bzw. wie deren Breaks durch den Sampler gedrückt und mächtig komprimiert  wurden.

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Rhythmus-Training mit dem Smartphone

Januar 23, 2018

Als wäre es abgesprochen wurde – passend zum Baselitz-Geburtstag – soeben mein bonedo.de Workshop zum Thema Clicktraining veröffentlicht, mit dem sich die Hörgewohnheiten (den Metronompuls als Viertelnoten wahrzunehmen) auf den Kopf stellen lassen und die Vorzüge der 99 Cent iPhone App DM1 erläutert werden.

Als Teaser hier schon mal das Begleitvideo

Betonperle

Dezember 18, 2017

Der Begriff Brutalismus hat nichts mit Gewalt oder Brutalität zu tun. Er bezieht sich auf  béton brut, den französischen Ausdruck für Sichtbeton, und steht für jene expressive, experimentelle Betonarchitektur zwischen 1953 und 1979.

Dass zu diesem Thema nun im Frankfurter Architekturmuseum ein umfangreicher internationaler Überblick zusammengestellt wurde, läuft mir sehr gut rein. Denn seit Jahren schon erfreue ich während unserer Osteuropa- und Russland-Tourneen an jeder einzelnen Betonperle! Ehrlich gesagt, bereitete ich mich bisher immer gerne mit einem Blick in den Bildband von Frédéric Chaubin auf anstehende Touretappen vor.
Aber schon ein kurzer Blick ins Buch zur Ausstellung, bzw. ins darüber berichtende Feuilleton, sowie die Rettungsaktion #SOSBRUTALISMUS zeigen deutlich: die eindrucksvollen Betonmonster gibt es überall auf der Welt.

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Zufälligerweise hat der tolle Laurenz Theinert heute das passende Foto einer Segelschule aus der Schweiz gepostet, die perfekte Art von Mikro Brutalismus, die mich vermutlich angenehm träumen lässt!

PS. dieser Beitrag widmet sich nicht nur dem eklektischen Stil-Mix, der Wagemut und  eine Blütezeit der Kreativität dokumentiert, sondern trainiert auch meine Rechtschreibung. Denn eigentlich schreibe ich seit der Grundschulzeit das Wort Beton immer wieder so, wie man es spricht – mit einem abschliessenden „g“.

PPS. hey Moritz, ein gemeinsamer Museumsbesuch wäre doch (das) perfekt(e Weihnachtsgeschenk für Dich)! Also, sag an, wann du vor dem 02.04.18 mal wieder in Frankfurt bist – bis dahin kühle ich auch ein Fläschchen Champagner mit der Aufschrift „brut“…

A new template for the art of hip-hop drumming

Dezember 3, 2017

Habe gerade durch einen netten Hinweis erfahren, dass Mark Colenburg (Glasper, Q-Tip, Common) ein vielversprechendes Lehrbuch bei Hudson Music heraus gebracht hat: The Beat Matrix Unlocked

>>With a focus on legendary hip-hop producer J Dilla and his unique way of combining styles and creating rhythms, Mark looks at specific aspects of drumming technique, groove, and creativity. These include warm-ups, beat patterns, musical swag, performance concepts, improvisation, and chops. He then puts everything together and demonstrates his own signature beats that are an amalgamation of all these aspects.<<

 

Trap Music

November 1, 2017

Hier ein unterhaltsames Filmchen vom tollen Gerwin Eisenhauer zum Thema Trap, dessen Groovebestandteile Wikipedia wie folgt charakterisiert: >>crisp, grimy, and rhythmic snares; deep 808 kick drums; double-time, triple-time and similarly divided hi-hats<<.

 

 

(m)eine spielerische Lehrmethode

Oktober 24, 2017

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Sehr stringent: ich komme eben zurück von der Hochschule und im Briefkasten liegt mein neues Lehrbuch. Das Inhaltliche ist mir natürlich bekannt, dennoch war ich sehr gespannt, wie letztlich die drei eingelegten DIN A3 Bögen mit den perforierten Spielkarten aussehen würden – und ich bin begeistert!
Jetzt kann ich  „Das Moderne Schlagzeugquartett“ getrost in die Welt ziehen lassen 🙂

[ab 30.10.2017 via Amazon, ab jetzt beim LEU-Verlag direkt]

Drumbasics: Trommelfell, Maultrommel, ich trommel!

Oktober 23, 2017

u.a. mit Wolfram Winkel, Carola Grey

if you can say it, you can play it!

Oktober 17, 2017

Onomatopoesie, Linda!

Balance und Körperbeherschung

September 25, 2017

Irgendwie drehte sich mein gesamter Samstag, der lediglich mit einem Rhythmusworkshop beginnen sollte, immer wieder um die Themen Balance und Körperbeherschung:
Wolfram Winkel widmet sich dem Thema „polyrhythmische Unabhängigkeit“, welches er eigentlich viel lieber Koordinationstraining nennt, mit Kopf, Leib und Seele, vor allem angenehm spielerisch.
Und so macht es großen Spaß sich auf seinen „drehenden Würfel“ einzulassen, bei dem (zunächst) eine Überlagerung von vier Unterteilungen innerhalb eines Viervierteltaktes (Ganze, Halbe, halbe Triole, Viertel) durch alle vier Gliedmaßen wandern. Und im Fall des Erfinders verdichtet sich die Übung zunehmend:

Das ist komplexer polyrhythmischer Kram, den ich vermutlich links liegen lassen würde, wenn mir der Vortragende nicht mein Gehirn einer eins a Anekdote umgarnt hätte –  dass, wenn man ein 2:3 Pattern ultraschnell vom Rechner abspielen lässt, ein Quintintervall erklingt, quasi Grundton, Oktave und erster Oberton: Frequenzbeziehungen! – und meinem Körper durch ein paar schöne Spiele mit kleinen Sandsäckchen und Eggshakern die Befürchtungen nahm und bewies: durch die stetige Wiederholung einer Koordinations-Übungen lassen sich die entsprechenden Synapsen recht schnell verbinden.
Und dann gab es noch die schicken Assoziationsanker mit auf den Weg:
Hund (1) – Katze (2) – Seepferdchen (3) – Wasserbüffel (4) – Babygorilla (5)
Kalbsleberwurst (2:3) – Hey-Oli-was-geht-ab (3:4)
[Jetzt muss ich mir lediglich in bester Hacky Sack Tradition noch etwas Reis in eine einsame Socke füllen, diese zunähen und dann könnte ich mit solchen lifeKinetik Spielchen die kommenden Tage starten.]

Dass ich an diesem Tag zufällig per Longboard unterwegs war, hätte nicht besser geplant werden können. Denn so rollte ich motiviert (konnte ja prompt was für mein Körperbewusstsein tun) zum Familienteil des Wochenendes in den Hafenpark. Und weil dort gerade „The European Week of Sport“ angepfiffen wurde, bekam ich obendrein noch eine beeindruckende Einführung in puncto Ballberrschung, sowie die Neuentdeckung von Chinlone, einem (dem Hacky Sack nicht unähnlichen) traditionellen Team-Sport aus Birma: >>Der Gedanke von Chinlone ist nicht der Wettkampf […] Es geht nicht darum zu gewinnen oder zu verlieren, sondern darum, wie schön gespielt wird.<<

Abends stand noch „Expanding Jazz“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt auf dem Programm, wo weitere Übungen warteten: Balance bezog sich nun auf die Aufgabe, die Lautstärke des akustischen Schlagzeugs mit dem mächtigen Nachhall des Messel-Baus und dem Rest der Band in Einklang zu bringen und Körperkontrolle wurde vor einem riesigen Gerhard Richter Gemälde aus dem Jahr 1973 gefordert: denn die statischen „1024 Farben“ kamen bei längerer Betrachtung irgendwie in Bewegung…

Zum Tagesabschluss habe ich noch das tolle Figurenensemble von Joseph Beuys entdeckt, in welchem ein Plastiksoldat sein Gewehr auf einen Plastilin-Hasen anlegt. Das Werk aus dem Jahr 1963 heißt zum Glück  „Der Unbesiegbare“ und wurde als fotografiertes Motiv Ende der Siebzigerjahre auch noch als Wahlplakat für die Grünen verwertet – ach Mensch, so viele Zufälle

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Anakoluth

Juni 9, 2017

Nachts beim Lesen stolperte ich in der phantastischen „Anthrax“ Geschichte von Mircea Cartarescu über ein mir unbekanntes Stilmittel:
>>Als Anakoluth bezeichnet man einen Bruch des Satzbaus oder auch Abbruch bei einem einmal begonnenen Satz. Man fängt einen Satz an, besinnt sich neu und fährt in einer Weise fort, die dem begonnenen Satz nicht entspricht, oder bricht ihn auch ab.<<

Cool. Das muss ich bei der nächsten Beat-Story unbedingt mal ausprobieren. Muss auch nicht zwangsläufig krass oder ruppig ausfallen, funktioniert auch zackig-elegant à la Morgenstern!

>>Korf erfindet eine Mittagszeitung, / welche, wenn man sie gelesen hat, / ist man satt.<<