Archive for the ‘Practise!’ Category

neu im Stickbag, das Fieberthermometer

Mai 11, 2023

Immer schon interessierte mich brennend, ob es einen formelhaften Bezug für erhöhte Körpertemperatur (Fieber) und die Herzfrequenz (bpm) gibt. Und tatsächlich spuckt die Googlesuche diesbezüglich ein ungefähres Verhältnis aus: +1 °C / +7bpm

>>Among adult ED patients nationally, for every increase in T of 1 °C, the HR increases by approximately 7 bpm<<

Diese Wechselwirkung möchte ich selbstverständlich empirisch nachprüfen, sprich, in den verschiedensten Situation die Körpertemperatur messen und parallel dazu die Herzfrequenz notieren. Letztere Aufgabe ist gleichzeitig ein schönes Rhythmusspiel, nämlich den eigenen Pulsschlag (dank dieser Hilfskrücken) mit einer eindeutigen Tempozahl zu versehen – „inner clock“ wortwörtlich genommen, Achtsamkeit praktiziert.
Meine Geschwindigkeitsmessung verifiziere ich wiederum mittels Smartphone und der Instant Heart Rate App.

Darüberhinaus spannend, die Frage: steht der persönliche Standard-Puls irgendwie in Relation mit favorisierten Tempi oder dem ad-hoc getrommelten Beat beim Soundcheck?

Ach ja, einen Apple Airtag habe ich nun auch. Jedoch nicht fürs Stickbag, sondern für den Schlüsselanhänger meines Vaters…


Lernen 2.0

April 27, 2023

In der gestrigen taz gab es ein Gespräch mit Robert Lepenies über Künstliche Intelligenz, die nicht nur die Gesellschaft verändert, sondern auch das Lernen.
Diese Positionen habe ich gleich mal abgeschrieben:

>>Was verändert denn ChatGPT?
Erst mal macht es uns klar, wie falsch es ist, Bildung immer nur im Kontext von Prüfungen oder Seminararbeiten zu sehen. Wissen muss etwas sein, das die Welt voranbringt. Bringt uns diese Debatte hin zu mehr Praxisnähe, zum Ausprobieren, zum experimentellen Lernen? Das wäre toll. Ein reiner Fokus auf Hausarbeit oder Klausur als Maßstab für erfolgreiche Bildung – davon müssen wir uns befreien.<<


>>Eine Antwort ist eine Pluralität der Prüfungsformen. Wir müssen vom Auswendiglernen und Reproduzieren weg zur Anwendung, zur Transformation – der Welt und der eigenen Persönlichkeit.<<

>>… es [geht] vor allem darum, kritisches Denken zu vermitteln:
Wer bekommt denn die ganzen Daten der Nutzenden?
Woher kommen die Trainingsdaten für die KI?
Welche Biases, also Verzerrungen sind da möglicherweise drin?
Wie geht man damit um?
Wie checken wir Quellen?
Das alles macht einen noch nicht zum Gestalter, aber es schafft eine Digitalkompetenz. Und die ist die Basis zum Gestalten.<<

rhythmische Osterferien

April 14, 2023

Ich bin eigentlich nicht so der „Guinness Buch der Rekorde“ Typ. Heute jedoch ausnahmsweise schon.
Denn in Amsterdam gibt’s legendäre Trommler zu bestaunen, nämlich den vermutlich teuersten und kunstvollsten, Jacob Jorisz – er ist rechts unten im Rembrandt Megaklassiker „Die Nachtwache“ aus dem Jahr 1642 zu sehen, sowie RBMA-20, seines Zeichens größter analoger Stepsequenzer der Welt (und lädt zum Bespieltwerden ein).
Also, ab in die dementsprechenden Museen, ins Rijksmuseum bzw. Our House.

El Estepario Siberiano tauscht seinen Drumeo-Videokurs „Fastest Way To Get Faster“ gegen Deine Email-Adresse und Aaron Sterling hat Grooves durch diverse Effektpedal gejagt und daraus das Sample-Pack „Pedalboard Drums“ (mit 152 Loops und 130 One-Shots) erstellt:

Leider ist der Dubreggaeproduzent und Soundsystempionier Jah Shaka gestorben. Anlass, um einiges nachzuhören:
>>Ein wirkungsvoller Uptempo-„Four on the Floor“-Beat, der mehr treibt als dass er groovt, weil jede Viertelnote von der Bassdrum betont wird. Von dem Drummer Leroy Horsemouth für Burning Spears „Red Gold And Green“ [1975] zwei Dekaden zuvor erstmals oftensiv in den Reggae gestampft, danach von Sly Dunbar im Channel neu konfektioniert, geht er unter dem Namen „Steppers“ in die Annalen des Reggae ein und wird in England als „Steppaz“ zum Evangelium der Sound Systems. Deren Prophet heißt Jah Shaka. Der um 1950 in Clarendon geborene Jamaikaner ist seit 1956 in England, seit den frühen 1970ern betreibt er ein Sound System. Auch bei ihm läuft die „Kunta Kinte“-Dubplate aus dem Channel One Studio in Dauerrotation. Shaka ist kein Engineer, er bestellt Dub, produziert Dub und legt Dub auf. Damit etabliert er sich, ohne selbst zu mischen, als eine der einflussreichsten Personen der englischen Dub-Szene. Für den Rastafarian ist Dub-Musik eine „spirituelle Ressource“, bei der die Anwesenheit Jahs in den Vibrationen des Basses spürbar ist. Die Basswellen aus den überdimensionierten Lautsprecherwänden der Sound Systems bewirken, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch körperlich gefühlt wird. Für Shaka ein heiliges Ritual, das der Steppers Beat befeuert. Marschieren und vibrieren – acht, neun Stunden oder länger legt er auf, ohne Unterbrechung, ohne Pause, bis er und die Besucher seiner Dances in einen tranceähnlichen Zustand verfallen.<<
(aus Helmut Philipps „Dub Konferenz„, Seite 235f)

Hier ein Ausschnitt aus Franco Rossos Film „Babylon“ (1980) – mit viel Piuu und Dub Sirene!

Zum Abschluß noch der tolle und kreative Billy Martin aka Illy B mit seinen Bambussträuchern (hurra, ein weiteres Perkussionsinstrument direkt aus der Natur!)

to be connected with the rhythm section

Januar 25, 2023

Und so geht Alltag: man will einen kleinen exotischen Schnipsel posten, indem fachfremd gewerkelt wird – in dem Fall: die Saxofon Ikone spricht über Time und setzt sich illustrierend dazu seit langem mal wieder hinters Schlagzeug.

Zack, führt mich YouTube von Michael Brecker zu Jaco bzw. beide zu Joni Mitchell. Ich entdecke mein Lieblingstrack mit Vinnie „Win Win“ Colaiuta, Larry Klein und Michael Landau („You’re so Square„) in einer Live-Version – oh, toll – direkt auch noch einen kompletten Konzertmitschnitt dieser Besetzung.
Und der Tag sollte wieder 27 Stunden haben…

Anyway: nostaligisch, lehrreich und wohltuend war’s dennoch! In den Lektionen von Ian McEwan finde ich den dazu passenden Satz: >>Er liebte das Gefühl, keine Wahl zu haben. Er ließ alles hinter sich. Wunderbar.<<

Ach ja: an der Frankfurter HfMDK beginnt heute das viertägige Jazzfest. Keine Angst, ich komme!!

1, 2, 300

Dezember 22, 2022

Ein Gedanke:
>>Im Vergleich zu all unseren Entwicklungen in der Mechanik könnte ein Werkzeug wie eine Zange einfach scheinen. Ich habe den Geist, der sie erfunden hat, immer bestaunt. Um das Problem, das dieser Erfinder zu bewältigen hatte, zu verstehen, muß man sich den Stand der Mechanik vor Erfindung der Zange vorstellen. Der Gedanke, den Kreuzungspunkt der beiden gekrümmten Arme so zu fixieren, daß die zwei kleineren Stücke vorn sich entgegengesetzt zu den beiden größeren Stücken hinten bewegen und damit die Kraft des Mannes, der sie zusammendrückt, derartig vervielfachen, daß er den Draht durchzuzwicken vermag – dieser
Gedanke kann nur von einem Genie ersonnen worden sein. Gewiß gibt es heutzutage kompliziertere und bessere Werkzeuge, und es mag eine Zeit kommen, in der der Gebrauch der Zange und anderer ähnlicher Werkzeuge entbehrlich wird. Das Werkzeug selber mag außer Gebrauch kommen, aber der Gedanke dahinter kann niemals veralten. Und darin liegt der Unterschied zwischen einem bloßen Stil und einem wirklichen Gedanken.
Ein Gedanke kann niemals vergehen.<<
Arnold Schönberg „Stil und Gedanke“ (1950)

Zwei mal Mouthpercussion:
Moodymann „Your Sweet Lovin“ (2000)

The Specials „Gangsters“ (1979)

Sowie 300 Bucks minimum…wenn sich an die Richtlinie von der Deutschen Jazz Union zur Vergütung von Jazzmusiker*innen gehalten wird!

Viel Schönes also. Es darf geklatscht und getanzt werden.
Dazu ein vertrackter, aber schöner Pat Metheny Clap-Loop („First Circle“)

Danach, ab in den Club:

Ist das jetzt so ein iPhone-Moment? 

Dezember 20, 2022

Wie schade, dass die Seite des Chatbots ChatGPT aufgrund zu vieler Aufrufe (Hausaufgaben, Code-Programmierungsanfragen, kunstvolle maschinelle Gedichte oder unhöfliche und unverschämte Diskussionen?) nicht erreichbar ist.
Ich hätte gerne seine Meinung zur programmierten Beatästhetik, zu unreflektiertem Gedaddel oder der Relevanz von „stick twirling“ gelesen, hätte mich für seinen Drum Hero interessiert, selbstverständlich auch für sein Insel-Album.
(wird bei Zeiten nachgeholt).
Das Bild finde ich jedenfalls großartig (Quelle: Flavio Coelho/ Moment RF)  

Nachtrag: Dem Kollegen Felix Krafft hat ChatGPT ein Schlagzeug-Gedicht entworfen:

The drums, they pulse and pound 

A rhythmic, beating sound 

Their beat, it fills the air 

A force, beyond compare


The hands, they move with grace 

A blur of motion, in this place 

The feet, they pound the floor 

A never-ending, driving force


The drums, they speak to me 

A language, wild and free 

Their beat, it lifts me up 

A feeling, deep and pure


The drums, they are my life 

A passion, free from strife 

Their beat, it guides my way

A journey, bright and true


The drums, they are my soul 

A fire, burning, whole 

Their beat, it sets me free 

A spirit, wild and true.

musikalisches Trommeln

September 19, 2022

Ob komprimiertes Groove-Geheimnis oder eine Zauberformel, um den Sommer festzuhalten, egal:
Groove ist wie drei Kugeln Eis, musikalisches Trommeln wie die Eiswaffel mit Sahne und Streuseln!

Einen Rhythmus so aufzuführen, dass Dein Gegenüber gar nicht anders kann als sich zu bewegen, ist schon mal eine große (aber eigentlich machbare) Aufgabe (denn Du siehst ja sofort, ob es klappt oder nicht). Doch sobald der Groschen (an den Eisdieler) gefallen ist, dass hier drei Kugeln zu einem größeren Ganzen zusammenschmelzen, dass die (bewußte) Zusammenführung von Sound, Pattern und Attitude Groove entstehen lässt, fangen die Beats an zu rollen.
Hurra!

In der Eisdiele sorgt ein zusätzlicher Sahneklecks für eine noch stärkere Geschmacksexplosion, bunte Streusel oder ein schmucker Soßenbach erfreuen das ästhetische Empfinden. Auch diese Zutaten lassen sich aufs Trommelspiel übertragen. So finden sich Katalysatoren zum Beispiel in Gestalt von Fill-Ins oder überraschenden Effekten, vielleicht sogar in optischen Showeinlagen, bestimmt aber in der verbindenden Qualität, dem sogenannten „glue“, der die verschiedenen Ebenen (Schlagzeuginstrumente und/oder Musiker) zu einem stabilen, homogene Konstrukt zusammenschweißt.
Zack, wird trommeln zu Musik!
Jaaaa!!

PS. irgendwann wird uns Eismachern auffallen, dass es ja auch Eismaschinen gibt, die einem nicht nur Arbeit abnehmen können, sondern die musikalische Groove-Palette immens erweitern.
Weiter geht’s….

PPS. beim Drummer Meeting in Salzgitter (30.09. – 03.10.) möchte ich geschmacksvoll und tiefer in diesen Eisberg einsteigen…

all die Noten

August 25, 2022

Ferien sind toll, weil alles anders (möglich ist).
Und so fand ich mich gestern urplötzlich zum Ordnen meiner Noten und Sheets im Wohnzimmer ein.

A Coral Room / Bartmes / Blumentop & HR Sinfonie / Blue Box /Bruder /Bürger Lars Dietrich / CBO / Cro / DaNaCee / Deep Dive Corp./ DePhazz / Die Fantastischen Vier / Dublex Inc / El Houssaine Kili / Fatoni / Fola Dada / Freundeskreis /Hattler /Henni Nachtsheim / Henrik Schwarz / In 2 Deep / Jazzanova / Johannes Brecht /Joo Kraus / Luminos W / Martin LeJeune / Matthias Schweighöfer / Netzer / Nils Wülker / Marque / Mousebox / Mr. Santos / No Lega / Philipp Poisel / Seelow / Studnitzky / Spoiled Child / Superstar / Tab Two / Thomas Siffling /Torsten DeWinkel / Turntablerocker / Uwe Ochsenknecht / Wolfgang Schmid’s Kick

Einen Berg zu sortieren war die eigentliche Idee, die nostalgische Zeitreise der schöne Haupt-Effekt.
So viele Grooves und Arrangements für Tourneen, Einzelgigs, Einsprünge, Schallaufnahmen und stapelweise Transkriptionen meiner Lieblingsmusik. Exemplarisch dafür (und als Motivation für den nächsten Proberaumbesuch):
1. Zwei Tracks aus Tim’s Bio. Die Timbaland Platte ist ein rhythmischer Meilenstein aus dem letzten Jahrtausend und war natürlich ein Tipp von Flo Dauner. Sie hat mich nachhaltig beschäftigt, bis ich irgendwann habe das System verstanden hatte: Mr. Mosley loopt gerne einen mehrtaktigen Beat, welcher dank cleverer Mutes im Songverlauf die Gestalt eines äußerst komplexen Rhythmusgerüsts annimmt.
„Talking On The Phone“ (1998)

„I get it on“ (1998)

Vor (vielleicht genau) 20 Jahren bekam ich das „Sensual“ Album von Steve Bug in die Finger. Und habe direkt alle Beat-Ideen abgeschrieben. Mir gefiel der minimale Ansatz, der sich oft komplett auf dem hybriden Drumset (mit Echomaschine und zwei, drei e-Pads) umsetzen ließ.
Ich war derart begeistert, dass ich über die Beats hinaus gleich auch eine Email ans Pokerflat Label geschrieben habe, in der ich mich als passender Schlagzeuger für das S. B. Liveset empfahl…
(Bisher kam keine Antwort, aber damals war ich gerade höchst motiviert von den Live-Konzerten mit den Turntable Rocker zurückgekehrt und wollte unbedingt mehr mit coolen elektronischen Produzenten werken. In diesem Zusammenhang ging auch eine weitere Blindbewerbung an Jazzanova raus, die zwar ebenfalls keine Beantwortung fand, dafür zehn Jahre später mittels Zufall bzw. durch den krankheitsbedingten Ausfall von Grabi zur erträumten Zusammenarbeit führte…)
Hier also die Groove DNA von Steve Bug anno 2002 (weder vollständig, noch fehlerfrei, dafür ungeheuer inspirierend!)

Steine umdrehen

August 24, 2022

Zum Unterrichtseinstieg an der HfMDK händige ich den neuen Studierenden erstmal einen kleinen Fragebogen aus. Dabei geht es um die Standortbestimmung („Wo befinde ich mich gerade, wo will ich hin?“) und die darauffolgende gemeinsame Routenplanung.
Für ihre bzw. DEINE tatsächliche Reise habe ich aus dem Gespräch mit dem Wissenschaftsdirektor der Nasa, Thomas Zurburchen, einen wertvollen Tipp transkribiert. Er erzählt vom Nobelpreisträger Charles Hard Townes, der zwar wie viele ähnlich interessierte Wissenschaftler denselben, schon relativ abgegrasten Pfad (in dem Fall Physik/Optik) gewählt hatte, dabei jedoch gegenüber den anderen nicht scheller am Ziel sein wollte, sondern gemütlich die Steine am Wegesrand herumdrehte und begutachtete (was dazu führte, die Idee der Lasertechnologie zu begründen)

Leichtigkeit

Juli 31, 2022

Zwei schöne Textstellen:

>>Immer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der
Zukunft…<<
Italo CalvinoSechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ (1988)

>>We hear an echo of
a long reverberant but distant boom.<<
Matthew HerbertThe Music – An Album in Words“ (2018)

Passend dazu die Schiffshupe aus dem Hamburger Hafen,

sowie ein Shaker-Bild (denn wenn ein Percussion-Instrument die Leichtigkeit verkörpert, so ist es doch dieses Gefäß, das mittels kleinster Bewegung durch die Luft wirbelnde Teichen zum Klingen & Grooven bringt…)

PS. die Liste von Calvinos Vorschlägen muss unbedingt noch abgetippt werden, da sie uns für die persönliche Ausrichtung inspirierend und dienlich sein könnte:
1 Leichtigkeit, 2Schnelligkeit, 3 Genauigkeit 4 Anschaulichkeit, 5 Vielschichtigkeit, 6 Haltbarkeit

Und weil’s gestern nach dem Wülker Konzert in Rastatt Thema war, hier noch der Hinweis von Arne Janssen zu „Bill Frisell’s Top Ten Tips For Guitarists„.