Archive for the ‘Practise!’ Category

Elementares für Klassiker

Juni 24, 2022

Cool! Das Off-Beat Magazin hat in der aktuellen Ausgabe (Juni- September 2022) eine kleine Rezension meines Mini-Buchs abgedruckt:

Passend zum Thema trudelte heute eine Frage von Max Gärtner ein: >>Was wären deine Ratschläge, wenn du einem Klassiker sagen müsstest, was er alles können muss, um am Drumset stabil über die Runden zu kommen?<<

1. Freude am Schlagzeugspielen und gemeinsamen Musikentwickeln

2. Verständnis für die DNA von Songs, dann 
– einfache, aber gleichmäßige Beats („Buff Tschak“ reicht meistens völlig)
– stabiles Timing und eine dem Rahmen anpassbare Lautstärken (& Sound) Balance
– Abtrennung der verschiedenen Formteile durch Fill-Ins und/oder Beckenakzente, sowie einfache Groove-Variationen (also den Spannungsbogen mitgestalten)
– klares Einzählen (richtige bpm Zahl parat haben), ggf. den Schluß führen/mitgehen (cues geben/umsetzen)

3. Trotz Vorbereitung oder Leadsheet: flexibel sein, da Teamwork (Augen und Ohren auf!)

Rein technisch gesehen reicht eigentlich ein stabiler Beat und die für die Umsetzung songdienlicher Aktionen nötige Fähigkeit, den Rhythmusfluss durch einen Beckenschlag (oder Fill-In) zu unterbrechen, ohne dass das Gebilde dabei ins Schwanken gerät…Dass sich Groove Varianten recht simple durch eine leicht veränderte Orchestration bewerkstelligen lassen (beispielsweise Rimclick anstelle des typischen Snare-Sounds, Ridebecken statt Hihat usw.), ist eher einem bewussten Überblick über die Möglichkeiten und dem generellen Songverständnis geschuldet, als technischer Vorarbeit.
Insofern reicht eigentlich mein Drum Basic Kärtchen völlig aus (hüstel…)
Zu guter Letzt mein Übevorschlag: einfach zu Lieblingssongs dazu trommeln (und zusätzlich dazu, nachempfinden zu versuchen, was in der originalen Vorlage so passiert).

Play like Jay

Juni 9, 2022

Immer wieder spannenden Ansätze, das „Dilla Feel“ auf’s Schlagzeug zu übertragen!
Und wie immer geht’s um den Kontext, das Bandgefüge und die notwendige Erfahrung des Anhörens der Originale, die eine notierte Darstellung nicht ersetzen kann:
DANIEL AKIRA STADNICKI „Play like Jay: Pedagogies of drum kit performance after J Dilla“ (2017)

Passend dazu die Eiswaffel mit meiner Lieblingsgleichung (Mengenlehre):
Pattern + Sound + Feel = Groove

das kleinste Schlagzeug-Lehrbuch?

Mai 13, 2022

Meine Drumbasics Zusammenstellung ist mit ihren zwei Seiten vielleicht das kleinste (kürzeste, dünnste, leichteste) Schlagzeuglehrbuch. Dafür stört oder drückt sie in keiner Tasche, ein nicht unwesentlicher Faktor…
Ich hatte sie ursprünglich für den Basiskurs an der HfMDK zusammengestellt, mir aber jetzt gedacht: lass das Teil für einen guten Zweck* raushauen. Die Din A6 Karte richtet sich an alle interessierten RhythmusmacherInnen und LehrerInnen.
Für ihren Erwerb muss gerade mal auf eine gute Kugel Eis (1,50 €) verzichtet werden (die male ich Dir dafür auf den Briefumschlag). Falls jemand all seine SchülerInnen auf dieses Schlagzeug-Eis einladen möchte, so finden wir bestimmt einen fairen Deal für die große Eiswanne.

Hier das Buch (im Ganzen):

* Leider hat sich das Kriegstreiben gegen die Ukraine keineswegs beruhigt. Humanitäre Hilfe ist nach wie vor dringendst benötigt. Und deswegen habe ich erneut nach irgendeiner weiteren Spendensammlungsaktion für Ärzte Ohne Grenzen gesucht. Das Hosentaschenbuch ist’s geworden – jetzt wird also Wissen verkauft und sämtliche Einnahmen weitergeleitet. Mach mit!
Einfach Mail an mich. Oder direkt via Paypal Geld an o[at]olirubow.de senden. Die Karten werden gerade gedruckt und können Ende nächster Woche von mir weitergeschickt werden.
#stopthefuckingwar

Peace Beyond Passion

April 22, 2022

Gestern ging’s unter anderem um Bestenlisten, um die Benennung von Highlights. Heute folgt das praktische Beispiel, ein gefilmtes Drum-Along zum momentan Lieblingslied.
Neulich ist mir mal wieder das tolle Album „Peace Beyond Passion“ von Meshell Ndegeocello in die Hände gefallen und ich bin direkt bei Track Nr. 2 hängen geblieben; habe immer wieder „The Way“ gehört, von den dortigen Lieblingsstellen gar geträumt und jetzt – zehn Tage später – einfach mal Schlagzeug dazu gespielt. Das ist zwar alles rough – vom bloßen Kameraton hin zum wilden Spiel – dafür frisch und „phrasig“ (damit meine ich das Mittrommeln bzw. Illustrieren all der lieb gewonnenen Phrasen, was ich vermutlich bestimmt so nicht spielen würde, wenn ich mich „klassisch“ auf den Track vorbereitet hätte).
Erkenntnisse:
1. Zeit verhilft zum Tiefgang
2. Intensives Hören ist auch üben
3. Mal ungeniert die persönlichen Lieblingsstellen mitzutrommeln, ist vielleicht nicht immer Song-dienlich, eröffnet aber erfrischende Spielweisen und befördert überraschende Ergebnisse jenseits des Originals/jenseits des persönlich Typischen ans Tageslicht.
Übrigens, das Schlagzeug des Originals habe ich mit der Moises App entfernt.

Zum Abschluß noch ein paar unterschiedliche Live-Versionen von „The Way“:

trommelnde Vögel

November 4, 2021

>>Mich interessiert vor allem, wie ich mich weiterentwickle. Ich übe schon mein ganzes Leben lang Trommelwirbel. Die einzigen, die es wirklich können, sind die Spechte, die ich im Wald höre. Die spielen die schönsten Wirbel und das macht mich verrückt, weil ich seit sechzig Jahren diese Wirbel übe und die verdammten Spechte üben überhaupt nicht dafür – und dann kommen sie und wirbeln wieder.<<

Han Bennink im taz Interview. Dazu höre ich die 74er Solo Platte:

Um die Ecke – in der nmz November 2021 – erklärt Moritz Eggert passenderweise, wie man eigentlich neue Musik hört.

OK. Jetzt kanns weitergehen, mit Han Bennik und Misha Mengelberg. Wow, Attitude & mächtig viel Energie!
Notiz an mich selbst: bei der nächsten Performance möchte ich Mishas Brilleneinlage kopieren!

Ab Minute 8.00′ gibt’s auch beim ICP Duo Spechte. Und die Kastagnetten, die Benning im taz Interview erwähnt und bald selbst im Mund tragen wird…

Last but not least, der Link zum Cheese Kit.

Stick Tricks

Oktober 10, 2021

Neue Woche, neue Aufgaben?

Vielleicht erstmal nur den Buddy Rich Move?

von Peter zu Peter

Oktober 8, 2021

Habe neulich mal wieder Peter Erskines Lehrbuch „Time Awarness for all Musicians“ aus dem Schrank gezogen. In der ersten Übung geht es um den traditionellen Folksong „Shenandoah„, der ein paar Auftakte beinhaltet , die bewusst gesungen bzw. gespielt werden sollten. Denn:
>>Typically, most people, including musicians who are not paying attention, will omit some of the stated rest or space between the notes.<< (Seite 8)
OK, ich konzentriere mich (das Foto von Hans Hartwig vom vergangenen Wochenende im Red Horn District, zeigt mich sogar dabei) – und nochmals von vorne…

Und anschließend lege ich die schönste Version auf, die ich von diesem Lied kenne, nämlich die 2008 von Charlie Hade gesungene!

Bevor es morgen in Stuttgart mit Hattler weitergeht, verlinke ich das Corona-konforme/bedingte Zwiegespräch mit Peter Wölpl. Als buntes Lebenszeichen von Luminos W, sowie als schöne Botschaft: Back to Life!

Rhythmus Feste

September 19, 2021

Während der vergangenen drei Drummer-Treffen gab’s einiges zu entdecken, deshalb nun hier der Nachtrag (fürs Publikum) und ein Inspirations-Notizzettel für mich.

Matthias Peukers Schätze vor dem Objekt klein a



Meine Grundidee für alle drei Veranstaltungen war, nicht nur zur Lieblingsmusik zu trommeln*, sondern dabei auch mal aktiv ins Playback einzugreifen (wie es ein DJ oder remixender Produzent tun würde).
Läuft meine Zuspielung durch ein kleines Mischpult kann ich am Equalizer drehen, um Frequenz-mäßig Platz zu schaffen (Bässe raus, mehr Spielraum für mein Kick-Pattern; Höhen raus ums Playback in den den Hintergrund zu schieben) oder ich ziehe den Lautstärkeregler für rhythmische Mutes in Betracht.
Diese Idee kann ich selbstverständlich auch digital abbilden. Dort kann ich darüberhinaus auch mit der Geschwindigkeit spielen und die Tracks in einen komplett anderen Kontext transformieren. Dazu gibt es hier einen Beitrag, respektive einen Ableton Song.
Zudem beschäftigte ich mich im Vorfeld mit der djay App, dank deren Neural Mix™ Option sich aus vollständigen Songs Beats, Vocals und Bässe extrahieren lassen. Damit erstellte ich ein paar Acappellas, die ich über andere Tracks schichten konnte (Mash-Up 2.0). Passenderweise verwendete Daniel Schild bei seinem Workshop eine ähnliche KI, nämlich die Moises App (die vor allem in der Freeware Ausgabe schon die Separation ermöglicht).

*Zur Lieblingsmusik-Schlagzeugspielen erlaubt im Vorfeld schon verschiedene Überlegungen, Übungen und Optionen: ich kann zunächst versuchen, die Rhythmus-Vorlage in puncto Pattern/Sound/Attitude zu extrahieren und im Wesentlichen live umzusetzen. Eine andere Möglichkeit – auch schön – wäre, sich einen Platz zu suchen, der das Vorhanden eben nicht doppelt, sondern musikalisch ergänzt. Und in einem weiteren Schritt wähle ich bewußt Titel aus, die im Original ohne (oder nur mit dezenter) Schlagzeugbegleitung auskommen, vielleicht gar was ganz sphärisches oder nur ein Acappella…

Hier jedenfalls mal meine verwendeten Songs:

Neben der zugespielten Musik hatte ich als Reminiszenz an die DJ-Culture noch zwei strombetriebene Kistchen dabei, das Roland-SPD:One Electro (für Handclap, Boom und Noise-Fahnen) und mein treues Boss Space Delay (zum Echodrums Thema habe ich tatsächlich ein ganzes Buch geschrieben. Wer also tiefer einsteigen möchte…) Klaro, die Überschrift lautete ja auch „den Rahmen erweitern„.

Die angedeute Grüntee Anekdote, bzw. wie der Beckensound der TR-808 entstanden ist, will ich gerne verlinken.

Und als Abschluss zum Thema (bzw. meinem Antrieb), jenseits der Bedienungsanleitung und gängigen Klischees zu forschen, hier noch das erfrischendes Experiment, auch mal die eigenen Parameter und Prinzipien auf den Kopf zu stellen. Ein andere Blickrichtung kann ebenfalls schön sein. Diesen Ansatz hat Henry Ford geschickt formuliert:
>>Wer immer nur tut, was er kann, bleibt immer das, was er schon ist.<<

Ansonsten gab’s viele motivierende „Hallos“ und gute Gespräche mit
Claudio Spieler
Anika Nilles über schon im Vorfeld anvisierte Notausgänge (was tun, wenn plötzlich die Technik zickt?)
Gergo Borlai übers musikalische Trommeln, besser gesagt: Musikmachen
Komfortrauschen (Tim Sarhans Trio) über ihre elektronische Vision und ihren Ansatz technoide zu komponieren
Yi1 – die Fotos von Philipp Schühles Badenudel-Piezo-Snare werden nachgereicht…
Daniel Schild zum Thema „Reverse Engineering“ damaliger Aufnahmepraktiken und sein Hinweis auf die Moises App
Hanno Busch (aus Jost Nickels toller Band) über sein Moogerfooger Setup
Gleb, er brachte Imogen Heap und ihre „Ableton Controlling Gloves“ ins Spiel
David „h0wdy“ Hodek – hatte ich leider verpasst, aber er hat mir netterweise sein Kick-Pedal geliehen!
Oliver Himmighofen: er berichtete von Songs, bei denen man offenbar das Snare-Gate schlampig eingestellt hatte, so dass die erste Hihat Achtel- oder Sechzehntelnote, die auf den Backbeat folgt lauter klingt als alle anderen. Daraus lässt sich eine eins a Akzentübung entwickelten, die ich fortan (anknüpfen an die Kompressormaske) „dirty gate“ nennen möchte.
9ms (Flo König, Simon Popp), deren ausgechecktes Setup eine elektronische Ästhetik ohne Computer und Clicktrack ermöglicht.(Supergut, das mittels Piezo abgenommene, ins Echo geschickte Beckensignal, dessen breiter Effekt durch Kick und Sidechain-Compressor im Zaum gehalten und rhythmisch-musikalisch verarbeitet wird.)
Max Gärtner – er beschäftigt sich zur Zeit mit Transducer, um damit Trommeln durch eine bestimmten Frequenz zum Schwingen anzuregen.
Und die Reisetrommelkoffer Idee von Matthais Peukers „Drumsonite“ ist immer wieder gut und schön anzusehen!

Simon hat übrigens schon wieder ein neues Solo-Album mit dem Titel „Devi“ am Start. Wow! Hieraus der Track „Jilu“ mit kurzem Stereo-Delay und hohem Feedback auf der Calabash:

Es war wieder mal intensiv, vor allem weil wechselseitiger Austausch. Und wird bestimmt noch angenehm nachwirken (nicht zu letzt dank des sonnengelben Peter „Tony“ Erskine Tama Sets, das mir Stephan Hänisch freundlicherweise geschickt hatte!)

die eigene Stimme erweitern

August 31, 2021

Ich sammle wieder mal…

Es geht dabei um ein Instrumentenverständnis jenseits der gängigen Klischees, bzw. um inspirierende Beispiele aus der Musikgeschichte, im Idealfall gar kopierbare Techniken, wie sich der Standardrahmen sprengen (sagen wir lieber: erweitern) lässt.

Während des Urlaubs hörte ich nur einmal etwas Musik, nämlich Joni Mitchells „Shadow and Light“ Live Album aus dem Jahr 1979.
Bei diesem Konzert gab es ein sagenhaftes Jaco Pastorius Solo, bei dem er inmitten einiger Zitate nicht nur das Hendrix Thema „Third Stone from the Sun“ transferiert (und transformiert), sondern es in einem zweiten Anlauf mit einem (der ersten digitalen Loop-Delays) in bester Mash-Up-Manier – auch für seinen eigenen Dancefloor – remixt.
Vier Minuten voller Virtuosität und amüsanter Unterhaltung!
Viel (aus dem Studiobetrieb entliehene) Technik und (persönlich entwickelte) Spieltechniken für eine frische Rolle des elektrischen Basses.

Wir kennen auch die Idee des „reverse engineering“, bei der in puncto Drumgroove die Rhythmusarchitektur eines programmierenden Schlafzimmerproduzenten wieder auf das menschgespielte Schlagzeug übertragen wird.
Auch die Hörgewohnheiten verändern das Repertoire und die Darbietungsgestaltung.
Bestens nachvollziehbar in den YT-Videos von Emma Robinson, die die Ästhetik des Autotune Effekts verinnerlicht zu haben scheint:

Danke für den Tipp, Kabuki!

Meehr!

Juni 23, 2021

Wie geht es uns, Herr Rubow?
Müde, aber glücklich! Erstmals wieder Konzerte vor echten Menschen gehabt, zudem noch einen schönen Tag am Meer und dabei die Vorteile des Handgepäckreisens entdeckt. Ab sofort möchte ich nur noch mit einem federleichten Turnbeutel (der auch als Stocktasche eine gute Figur macht) und schmaler Beckentasche mit zwei Hihat-Pärchen (Byzance Jazz Hihats für gleichnamigen Zweck, Anikas Deep Hats als Crash und Ride-Becken) aus dem Haus müssen.

Und die Kunst?
Gestern Nacht wurde die interaktive Begegnung mit der Zeichnerin Kamü abgefilmt, ein Teil (besser gesagt die Ono2 Schaufenster-Bespielung) unserer anstehenden Moment:an Ausstellung, heute nochmals Aufnahmeprüfungen, laut Liste auch mit „System“. Bin gespannt!

Die Farbwahl des Frankfurter Europaturms ist glücklicherweise flexibel (Bild von Freund und Nachbar Daniel Jennewein). Ach ja, auch der „Araber von morgen“ ist schöne Kunst. Hier meine musikalische Lieblingsstelle mit Nachhall:

EM?
Na klaro, ich streame mich zum Länderspiel nach München, denn Viktor Orban bleibt zu Hause!