Archive for the ‘Practise!’ Category

to be connected with the rhythm section

Januar 25, 2023

Und so geht Alltag: man will einen kleinen exotischen Schnipsel posten, indem fachfremd gewerkelt wird – in dem Fall: die Saxofon Ikone spricht über Time und setzt sich illustrierend dazu seit langem mal wieder hinters Schlagzeug.

Zack, führt mich YouTube von Michael Brecker zu Jaco bzw. beide zu Joni Mitchell. Ich entdecke mein Lieblingstrack mit Vinnie „Win Win“ Colaiuta, Larry Klein und Michael Landau („You’re so Square„) in einer Live-Version – oh, toll – direkt auch noch einen kompletten Konzertmitschnitt dieser Besetzung.
Und der Tag sollte wieder 27 Stunden haben…

Anyway: nostaligisch, lehrreich und wohltuend war’s dennoch! In den Lektionen von Ian McEwan finde ich den dazu passenden Satz: >>Er liebte das Gefühl, keine Wahl zu haben. Er ließ alles hinter sich. Wunderbar.<<

Ach ja: an der Frankfurter HfMDK beginnt heute das viertägige Jazzfest. Keine Angst, ich komme!!

1, 2, 300

Dezember 22, 2022

Ein Gedanke:
>>Im Vergleich zu all unseren Entwicklungen in der Mechanik könnte ein Werkzeug wie eine Zange einfach scheinen. Ich habe den Geist, der sie erfunden hat, immer bestaunt. Um das Problem, das dieser Erfinder zu bewältigen hatte, zu verstehen, muß man sich den Stand der Mechanik vor Erfindung der Zange vorstellen. Der Gedanke, den Kreuzungspunkt der beiden gekrümmten Arme so zu fixieren, daß die zwei kleineren Stücke vorn sich entgegengesetzt zu den beiden größeren Stücken hinten bewegen und damit die Kraft des Mannes, der sie zusammendrückt, derartig vervielfachen, daß er den Draht durchzuzwicken vermag – dieser
Gedanke kann nur von einem Genie ersonnen worden sein. Gewiß gibt es heutzutage kompliziertere und bessere Werkzeuge, und es mag eine Zeit kommen, in der der Gebrauch der Zange und anderer ähnlicher Werkzeuge entbehrlich wird. Das Werkzeug selber mag außer Gebrauch kommen, aber der Gedanke dahinter kann niemals veralten. Und darin liegt der Unterschied zwischen einem bloßen Stil und einem wirklichen Gedanken.
Ein Gedanke kann niemals vergehen.<<
Arnold Schönberg „Stil und Gedanke“ (1950)

Zwei mal Mouthpercussion:
Moodymann „Your Sweet Lovin“ (2000)

The Specials „Gangsters“ (1979)

Sowie 300 Bucks minimum…wenn sich an die Richtlinie von der Deutschen Jazz Union zur Vergütung von Jazzmusiker*innen gehalten wird!

Viel Schönes also. Es darf geklatscht und getanzt werden.
Dazu ein vertrackter, aber schöner Pat Metheny Clap-Loop („First Circle“)

Danach, ab in den Club:

Ist das jetzt so ein iPhone-Moment? 

Dezember 20, 2022

Wie schade, dass die Seite des Chatbots ChatGPT aufgrund zu vieler Aufrufe (Hausaufgaben, Code-Programmierungsanfragen, kunstvolle maschinelle Gedichte oder unhöfliche und unverschämte Diskussionen?) nicht erreichbar ist.
Ich hätte gerne seine Meinung zur programmierten Beatästhetik, zu unreflektiertem Gedaddel oder der Relevanz von „stick twirling“ gelesen, hätte mich für seinen Drum Hero interessiert, selbstverständlich auch für sein Insel-Album.
(wird bei Zeiten nachgeholt).
Das Bild finde ich jedenfalls großartig (Quelle: Flavio Coelho/ Moment RF)  

Nachtrag: Dem Kollegen Felix Krafft hat ChatGPT ein Schlagzeug-Gedicht entworfen:

The drums, they pulse and pound 

A rhythmic, beating sound 

Their beat, it fills the air 

A force, beyond compare


The hands, they move with grace 

A blur of motion, in this place 

The feet, they pound the floor 

A never-ending, driving force


The drums, they speak to me 

A language, wild and free 

Their beat, it lifts me up 

A feeling, deep and pure


The drums, they are my life 

A passion, free from strife 

Their beat, it guides my way

A journey, bright and true


The drums, they are my soul 

A fire, burning, whole 

Their beat, it sets me free 

A spirit, wild and true.

musikalisches Trommeln

September 19, 2022

Ob komprimiertes Groove-Geheimnis oder eine Zauberformel, um den Sommer festzuhalten, egal:
Groove ist wie drei Kugeln Eis, musikalisches Trommeln wie die Eiswaffel mit Sahne und Streuseln!

Einen Rhythmus so aufzuführen, dass Dein Gegenüber gar nicht anders kann als sich zu bewegen, ist schon mal eine große (aber eigentlich machbare) Aufgabe (denn Du siehst ja sofort, ob es klappt oder nicht). Doch sobald der Groschen (an den Eisdieler) gefallen ist, dass hier drei Kugeln zu einem größeren Ganzen zusammenschmelzen, dass die (bewußte) Zusammenführung von Sound, Pattern und Attitude Groove entstehen lässt, fangen die Beats an zu rollen.
Hurra!

In der Eisdiele sorgt ein zusätzlicher Sahneklecks für eine noch stärkere Geschmacksexplosion, bunte Streusel oder ein schmucker Soßenbach erfreuen das ästhetische Empfinden. Auch diese Zutaten lassen sich aufs Trommelspiel übertragen. So finden sich Katalysatoren zum Beispiel in Gestalt von Fill-Ins oder überraschenden Effekten, vielleicht sogar in optischen Showeinlagen, bestimmt aber in der verbindenden Qualität, dem sogenannten „glue“, der die verschiedenen Ebenen (Schlagzeuginstrumente und/oder Musiker) zu einem stabilen, homogene Konstrukt zusammenschweißt.
Zack, wird trommeln zu Musik!
Jaaaa!!

PS. irgendwann wird uns Eismachern auffallen, dass es ja auch Eismaschinen gibt, die einem nicht nur Arbeit abnehmen können, sondern die musikalische Groove-Palette immens erweitern.
Weiter geht’s….

PPS. beim Drummer Meeting in Salzgitter (30.09. – 03.10.) möchte ich geschmacksvoll und tiefer in diesen Eisberg einsteigen…

all die Noten

August 25, 2022

Ferien sind toll, weil alles anders (möglich ist).
Und so fand ich mich gestern urplötzlich zum Ordnen meiner Noten und Sheets im Wohnzimmer ein.

A Coral Room / Bartmes / Blumentop & HR Sinfonie / Blue Box /Bruder /Bürger Lars Dietrich / CBO / Cro / DaNaCee / Deep Dive Corp./ DePhazz / Die Fantastischen Vier / Dublex Inc / El Houssaine Kili / Fatoni / Fola Dada / Freundeskreis /Hattler /Henni Nachtsheim / Henrik Schwarz / In 2 Deep / Jazzanova / Johannes Brecht /Joo Kraus / Luminos W / Martin LeJeune / Matthias Schweighöfer / Netzer / Nils Wülker / Marque / Mousebox / Mr. Santos / No Lega / Philipp Poisel / Seelow / Studnitzky / Spoiled Child / Superstar / Tab Two / Thomas Siffling /Torsten DeWinkel / Turntablerocker / Uwe Ochsenknecht / Wolfgang Schmid’s Kick

Einen Berg zu sortieren war die eigentliche Idee, die nostalgische Zeitreise der schöne Haupt-Effekt.
So viele Grooves und Arrangements für Tourneen, Einzelgigs, Einsprünge, Schallaufnahmen und stapelweise Transkriptionen meiner Lieblingsmusik. Exemplarisch dafür (und als Motivation für den nächsten Proberaumbesuch):
1. Zwei Tracks aus Tim’s Bio. Die Timbaland Platte ist ein rhythmischer Meilenstein aus dem letzten Jahrtausend und war natürlich ein Tipp von Flo Dauner. Sie hat mich nachhaltig beschäftigt, bis ich irgendwann habe das System verstanden hatte: Mr. Mosley loopt gerne einen mehrtaktigen Beat, welcher dank cleverer Mutes im Songverlauf die Gestalt eines äußerst komplexen Rhythmusgerüsts annimmt.
„Talking On The Phone“ (1998)

„I get it on“ (1998)

Vor (vielleicht genau) 20 Jahren bekam ich das „Sensual“ Album von Steve Bug in die Finger. Und habe direkt alle Beat-Ideen abgeschrieben. Mir gefiel der minimale Ansatz, der sich oft komplett auf dem hybriden Drumset (mit Echomaschine und zwei, drei e-Pads) umsetzen ließ.
Ich war derart begeistert, dass ich über die Beats hinaus gleich auch eine Email ans Pokerflat Label geschrieben habe, in der ich mich als passender Schlagzeuger für das S. B. Liveset empfahl…
(Bisher kam keine Antwort, aber damals war ich gerade höchst motiviert von den Live-Konzerten mit den Turntable Rocker zurückgekehrt und wollte unbedingt mehr mit coolen elektronischen Produzenten werken. In diesem Zusammenhang ging auch eine weitere Blindbewerbung an Jazzanova raus, die zwar ebenfalls keine Beantwortung fand, dafür zehn Jahre später mittels Zufall bzw. durch den krankheitsbedingten Ausfall von Grabi zur erträumten Zusammenarbeit führte…)
Hier also die Groove DNA von Steve Bug anno 2002 (weder vollständig, noch fehlerfrei, dafür ungeheuer inspirierend!)

Steine umdrehen

August 24, 2022

Zum Unterrichtseinstieg an der HfMDK händige ich den neuen Studierenden erstmal einen kleinen Fragebogen aus. Dabei geht es um die Standortbestimmung („Wo befinde ich mich gerade, wo will ich hin?“) und die darauffolgende gemeinsame Routenplanung.
Für ihre bzw. DEINE tatsächliche Reise habe ich aus dem Gespräch mit dem Wissenschaftsdirektor der Nasa, Thomas Zurburchen, einen wertvollen Tipp transkribiert. Er erzählt vom Nobelpreisträger Charles Hard Townes, der zwar wie viele ähnlich interessierte Wissenschaftler denselben, schon relativ abgegrasten Pfad (in dem Fall Physik/Optik) gewählt hatte, dabei jedoch gegenüber den anderen nicht scheller am Ziel sein wollte, sondern gemütlich die Steine am Wegesrand herumdrehte und begutachtete (was dazu führte, die Idee der Lasertechnologie zu begründen)

Leichtigkeit

Juli 31, 2022

Zwei schöne Textstellen:

>>Immer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der
Zukunft…<<
Italo CalvinoSechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ (1988)

>>We hear an echo of
a long reverberant but distant boom.<<
Matthew HerbertThe Music – An Album in Words“ (2018)

Passend dazu die Schiffshupe aus dem Hamburger Hafen,

sowie ein Shaker-Bild (denn wenn ein Percussion-Instrument die Leichtigkeit verkörpert, so ist es doch dieses Gefäß, das mittels kleinster Bewegung durch die Luft wirbelnde Teichen zum Klingen & Grooven bringt…)

PS. die Liste von Calvinos Vorschlägen muss unbedingt noch abgetippt werden, da sie uns für die persönliche Ausrichtung inspirierend und dienlich sein könnte:
1 Leichtigkeit, 2Schnelligkeit, 3 Genauigkeit 4 Anschaulichkeit, 5 Vielschichtigkeit, 6 Haltbarkeit

Und weil’s gestern nach dem Wülker Konzert in Rastatt Thema war, hier noch der Hinweis von Arne Janssen zu „Bill Frisell’s Top Ten Tips For Guitarists„.

Lehrer!

Juli 17, 2022

Durch Zufall heute John Maedas „Simplicity“ aufgeschlagen und bei dieser Kurzgeschichte gelandet:

Die Lehrer-Story passt bestens zu meinem Freitag-Vormittag-Kaffee mit Wolfgang Haffner. Über Volker Kriegel sind wir nämlich bei Wolfgangs Wurzeln gelandet, bei den Trommlern Evert Fraterman (Lehrer #2, mehr Pop) und Harald Pompl (Lehrer #1, mehr Jazz, eigentlich ein Doppelkünstler: >>der Mann ist Bildhauer*, auch am Schlagzeug<<), natürlich auch bei Mentor Albert Mangelsdorff (>>Glaub nicht, dass Du was Besseres bist als der Handwerker nebenan<<).


Im direkten Anschluss dann mit der Bahn ins Waldstadion, Lehrstunde in puncto Megakonzert-Drumming von Flo Dauner! Klar , geradlinig, kompakt – mit ausgewählten Energieausbrüchen!

+++

Wenn im Interview mit einem Field-Recording-Artist Sätze fallen wie dieser –
>>Ich habe das Gefühl, dass die Grundprinzipien des Westens animalisch sind und auf dem Konzept von Rebellion und Eroberung bauen. Es wird viel Druck auf Leute aus dem Medienbereich ausgeübt, so wie DAWs Druck auf Sound ausüben.<<
dann habe ich Lust, mitzudenken und einzutauchen. Auch so darf gelernt werden…
Alles weitere im Ableton Künstler-Portrait „SUGAI KEN: Stille, Natur und Tradition in Field-Recordings„. 

In Instagram folge ich nach mehreren überraschenden Stolper-Quadraten den vintage.drum.catalogs. Hey, ich hatte mich immer schon gefragt, ob es je eine gefertigte Concert-Kick gab. Und ja, gab es, sogar mit einem verchromten Ring für den eleganten Abschluss.
Das Slingerland „Pop“ Outfit aus dem Jahr 1977.
Wieder Wissen!

Wer sich für die implementierte KI des Ozone 9 Mastering PlugIns interessiert, kann sich dort einlesen.
Und wer sich mehr für „The Philosophy of Bass“ erwärmen mag, schaut hier:

* a propos, Pompl, der Bildhauer. Hier noch ein schönes Zitat aus einer anderen Ableton-Folge:
>>Sound ist ein Block Lehm, und der EQ ist der Bildhauer.<<

wie zählen?

Juli 11, 2022
  1. laut = immer gut! 
  2. geht es nur um den Viertelpuls (oder eine weitere Ebene der Bodypercussion), so spreche ich gerne ein rhythmisch kurzes »chi«.
  3. möchte ich innerhalb des Taktes die Übersicht behalten bzw. einzelne Events eindeutig benennen können, dann hilft mir folgende Zählweise von Vierteln und Subdivisionen:

Pattern galore

Juli 9, 2022

Heute zwei Pattern-basierte Dinge:
Einmal das Rhythmbox Kartenspiel von Daniel Jakobi (das mir netterweise zugeschickt wurde 🙂

Sowie Hainbachs Auswahl italienischer Drum Machines, lauter Schätze (Elgam, Eko, Farfisa, Viscount, Crumar, Godwin u. a.) aus dem Museo Del Synth Marchigiano.