quiet storm

Dezember 7, 2022

Vermutlich war es kurz nach dem James Taylor Konzert, als die Michael Franks Fünferbox seit langem wieder mal hervorzog.
Vermutlich weil auch er, ähnlich wie JT, immer schon auf ein krasses Lineup von Begleitmusikern vertraute.

Und wenn ich in der Vergangenheit Franks‚ Sound eher zu soft und etwas cheesy fand, kann ich mir nun kaum bessere Alben für die Vorweihnachtszeit vorstellen: sie versprühen hervorragende Laune, sind im besten Sinne entspannend und darüberhinaus eine Meisterklasse in puncto geschmackvoller Liedbegleitung von Drummern wie Steve Gadd, Rick Marotta, John Guerin, André Fischer u.v.m.

Gerade läuft „Lotus Blossom“ mit Rick Marotta im Hintergrund. Quasi Geburtstagsständchen für Wolfgang Haffner!

und mein Favorit von „One Bad Habit“ Platte direkt hinterher. Den Song „On my way home to you“ trommelt André Fischer.

he, he hessisches Jazzpodium

Dezember 6, 2022

Turnschuhe an, rauf aufs Board und noch geschwind drei, vier Geschenke verteilen!

In Frankfurt findet diese Woche das Hessische Jazzpodium 2022 in Form eines dreitägigen Festivals an der HfMDK statt.
Es gibt ein vielfältiges Programm, vor allem mit Christopher Dell einen großartigen Preisträger für den hessischen Jazzpreis!

Aber auch toll: Der temporäre elektronische Salon darf sich an allen Tagen um die Pausenmusik zwischen den zwei Abendkonzerten kümmern. Und so bespielt jeweils ein Solist aus unserem Kader das lichte Foyer, nämlich am Donnerstag Oliver Leicht (mit seinen elektrifizierten Rohrblattinstrumenten), am Freitag Matthias Vogt (auf diversen Tasten) und am Samstag Kabuki (mittels modularem Synth).
Und wie geschickt (quasi Geschenk): diese Events kosten keinen Eintritt! Genauso nichts, wie der Clubabend am Donnerstag um 21.30 Uhr, für den wir als Trio auflaufen, also die beiden Olis aka Rubow & Leicht und Rainer Tempel hinterm Rhodes.

Stevie &

Dezember 5, 2022

Ich sehe was…
Holzlatten-Riser unter, fetter Backstein vor der Kickdrum und ein MD421 mittendrin.
Zwei Coles über Kopf sowie SM57er für die Toms.
Keine Resonanzfelle.
Beste Stimmung!

Der dabei entstande Song Ebony & Ivory (1981) is a weng cheesy, aber die Handclaps klingen hervorragend und der Lead-Sound aus dem Yamaha CS-80 erst recht. Dieses panzerschwere Modell (100kg) spielte Herr Wonder übrigens auch auf diesen zwei Quincy Jones Produktionen des Jahres 1981:


Hip Piece

Dezember 4, 2022

Gestern gingen wir in den Mousonturm zum Tanztheater. Im einstündigen „Hip Piece“ erforschte eine Gruppe von fünf TänzerInnen den Tanz als Möglichkeit, sich von Zuschreibungen (zuvor erlernter Bewegungen aus der vielfältigen Welt des Hüftschwungs) freizumachen und mehr und anderes zu werden, als sie auf den ersten Blick sind.
Es war großartig, inspirierend und (Gesprächs-) anregend!
Und zack, wieder mal mitten drin in der Auseinandersetzung in Bezug auf Aneignungen und Besitzansprüche, Kunst- und Kulturbegriff, Globalisierung und Universalismus. Gedanken über die Schönheit des Lernens, über die Neugierde und hemmungsloses Ausprobieren, über die Überraschungen im Neuland, über den persönlichen Stil bzw. Identitätsbildung…

OK, dann dort


Am Ende des ausgelegten Programmhefts wurde ein Ausschnitt aus dem Essay „Heterautonomien“ von Werner Hamacher abgedruckt (Seite 128f), der spannend beginnt:

>>Nicht nur die Kultur, auch die Multiplizität der Kulturen ist nicht eine Funktion derer, die sie haben, sondern derer, die sie erst noch vorhaben und sie in der Transformation des Überlieferten immer wieder aufs Neue und immer wieder anders entwerfen<< 

Im weiteren Verlauf geht es um Kulturen als Multiplikationen („Multikulturationen“), um den Begriff der „Akkulturation“ (mit  dem  Soziologen  und  Ethnologen  seit  dem  ausgehenden  19. Jahrhundert die Aufnahme von Elementen einer Kultur in eine andere bezeichnen)

>>keine Kultur reagiert auf eine  andere  bloß  passiv  durch  Assimilation,  sondern  wählt  aus  jeder  anderen  aus, hemmt und verwandelt sie und sich selbst, spaltet und diversifiziert, multipliziert sie und sich und trägt so dazu bei, nicht nur eine, sondern eine Vielheit von  jeweils  neuen  Kulturen  zu  erzeugen.<<

>>Akkulturationen,  Multikulturationen  sind Übergangs- und Übertragungsbewegungen, in denen sich ihre Elemente erst herausbilden.<<

Es geht um die Eröffnung einer
>>Chance, das Andere nicht als  das  schon  bekannte  und  sowohl  kognitiv  wie  praktisch  beherrschte,  nicht  als das schon homogenisierte Andere, sondern als das Andere in seiner Singularität,  seiner  Inkommensurabilität  und  […| in  seiner Würde zu sehen: die anderen Kulturen nicht in den repressiven Idealen, denen sie sich unterwerfen, sondern in den Ablösungsbewegungen, die sie vom Druck der Typisierung und Selbsttypisierung befreien.<<

What is Hip? mit Ron E. Beck on drums

Perspektive wählen

Dezember 3, 2022

Hey, der Dezember ist gemütlich. Denn entweder liege ich im Bett (lese oder schlafe) oder befinde mich im Schlafsack mit dem Rechner auf dem Schoß (fussballgucken oder was zum neuen Buch tippen). Gut, zwischendurch sitze ich auch mal kurz am Tisch, am liebsten mit der Kombi aus Ingwer und Milchkaffee und einer Zeitung für den Weitblick.

Dort empfiehlt mir beispielsweise Marvin Wenzel das Album von DJ Piper:
>>Welcher HipHop-Fan träumt nicht davon, in eine Zeitmaschine zu steigen und in die neunziger Jahre zu reisen? Den passenden Soundtrack für einen Ausflug in diese goldene Rap-Ära liefert das Album „A Dream in a Dream“.
Auf seinem Debüt erzählt der unter dem Künstlernamen DJ Piper tätige Berliner Produzent Felix Wagner in zwölf Instrumentals die Geschichte eines Jungen, der sich seine Teenager-Träume erfüllt: Er reist um die Welt, schließt Freundschaften, lernt neue Kulturen kennen und verliebt sich.<<

Tilman Baumgärtel macht sich Gedanken zur Archivierung all der Weblogs, die zu Zeiten des Web 2.0 als Vorform der soziale Medien wichtige Nischen besetzten.

Ob das Glas nun halb voll oder leer ist beantwortet Johann Scheerer mit einer zukunftsorientierten Geste. Und Jens Uthoff klärt über das schöne Kunstwort „Freudenfreude“ auf. Endlich ein Ausgleich für die Schadenfreude!

Schließlich tippe ich noch zwei schöne Sätze aus dem „Über Menschen“ Roman ab:

>>Sie weiß noch, wie leicht es war, den Schalter im Kopf umzulegen. Eine kleine Anstrengung, und die Wirklichkeit folgt neuen Gesetzen. Einfach eine neue Perspektive wählen.<<

>>Das Zauberwort heißt »trotzdem«. Trotzdem weitermachen, trotzdem da sein.<<

DuDuTschaka

Dezember 2, 2022

Anstelle des Sportkommentators begleitet die Ghana Soundz Compilation (Afro-Beat, Funk and Fusion in 70s Ghana) das Fußballspiel.
Gleich der erste Track („Because of the Money“) verdeutlicht mir mal wieder die Stärke des perkussiven „DuDuTschaka“ Patterns (Doublestrokes mit zwei unterschiedlichen Tönen).


Und da ich insgeheim diesen Conga-Rhythmus (dank Hellmut Hattler Erzählungen) als Alto Papperts Standart-Beat abgespeichert habe, lege ich anschließend Kraan „Live“ (1974) auf!

Geräuschemacher

Dezember 2, 2022

Aus der Brigitte erfahre ich, dass auch der Beruf des Geräuschemachers seine Entstehung dem Zufall verdankt. Jack Foley >>arbeitete in den 1920er-Jahren für die Universal Studios an einem Stummfilm, als Warner Brothers bereits den ersten Streifen mit Ton veröffentlichte. Um mithalten zu können, produzierte Foley für den Stummfilm „Show Boat“ im Nachhinein die Geräusche.<< Endlich verstehe ich auch die eigentümliche englische Bezeichnung „foley artist„.
Dass die manuelle Nachvertonung bis heute praktiziert wird, liegt am beim Dreh aufgenommenen Originalton, der sich aufs Gesprochene konzentriert. Selbstverständlich gibt es pralle Soundbibliotheken, doch der gute Geräuschmacher arbeitet zeitsparender. Seine Kunst entsteht aus der Verbindung von kreativen Ideen mit gutem Gehör sowie der Fähigkeit, das Timing von ablaufenden Bildsequenzen präzise zu doppeln. Die Nähe zu uns Rhythmusgestaltern ist frappierend.

Insofern immer wieder schön, ihnen bei Arbeit über die Schultern zu schauen:

Jetzt noch zwei schöne Kurzfilme zum Thema. Einmal „Heidi beim Geräuschemacher“ (2016, von Christian Frei), einmal den spanischen „Foley Artist“ (2015) von Toni Bestard.

Plätzchen

Dezember 1, 2022

Passender Song zum (ersten) Dezember. Was tun „when the cookie jar is empty“?

Einfach den gleichnamigen Song von Michael Franks aus dem Jahr 1978 auflegen und Steve Gadds geschmackvolle Rhythmusarchitektur transkribieren. Anschließend das Rim-Pattern auf der leeren Keksdose mittrommeln.

Schlafen, nett sein und immer wieder Mauern

Dezember 1, 2022

So etwas liest ein Vielschläfer wie ich doch sehr gerne:

>>Dora beneidet die Hündin um ihre Fähigkeit, iederzeit überall einzuschlafen. Manchmal denkt sie, dass Schlafen die wichtigste Fähigkeit von allen ist. Wer nicht schlafen kann, hat schon verloren. Wer es beherrscht, ist in Sicherheit. Was soll einem schon passieren, wenn man sich jeden Abend einfach hinlegt und verschwindet? Wenn jeder Morgen einen frischen neuen Tag serviert?<<

Der Abschnitt stammt aus Juli Zehs Roman „Über Menschen“. Wie auch der folgende, der sich der Berufsbeschreibung des Astronauten widmet (was zu 100% auch auf „Bandmusiker“ zutrifft):

>>Im Radio hat sie gehört, dass Astronauten die nettesten Menschen der Welt seien. Nicht aus Zufall. Auch nicht, weil ihr Job sie dazu macht. Sondern weil sie danach ausgewählt werden. Sie müssen es aushalten, monatelang mit einer Handvoll Kollegen auf engstem Raum zusammengesperrt zu sein. Weltraumquarantäne. Das geht nur, wenn alle Beteiligten echte Nettigkeitsprofis sind.<<

Um ähnlich positiv weiter zu tippen assoziiere ich mit der Ziegelmauer (die im Roman auch eine Rolle spielt) geschützten Raum und Stabilität, erinnere beeindruckende Architektur und Paul Austers Roman“Die Musik des Zufalls“. Sowie typische Fotomotive und nüchterne Club-Atmosphäre.

Aber hey, ob nun neulich in Moldau, 1986 vor der Schorndorfer Manufaktur oder eben auch im Fußball:
ohne Mauer keine Kunst!

Gestaltung!

November 30, 2022

Den Preis fürs lässigste WM-Trikot bekommt eindeutig meine Nichte Liara aus Argentinien:

Passend dazu höre ich Ian Finks Track „Moonlight – Duality/Detroit Live Version“ (entdeckt auf DJ-Kicks“Theo Parrish – Detroit Forward„).

Geht’s um eine farbenfrohe Präsentation, so sind Domi & JD Beck ganz weit vorne (Bühnen-Deko und persönliches Styling):