e-Drummer of the Year 2020

Februar 2, 2021

Schön & erstaunlich, dass mich die Leserschaft des australischen Schlagzeugmagazins digitalDrummer zum e-Drummer des Jahres gekürt hat.

Ich revanchiere mich mit einem effektvollen Taschenspielertrick, bei dem ein simples, stromloses e-Pad zum trommelbaren Aux-Send umfunktioniert wird – funktioniert mit klassischem Outboard (Gate mit Sidechain) oder mittels DAW:

Minimalismus, Pop und einer der ersten Remixe

Mai 6, 2021

Terry Rileys Auftragsarbeit aus dem Jahr 1968, ein Themen Song für eine Disco in Philadephia, ist die kreative Umgestaltung eines schon vorhandenen Soul Tracks, die später Remix genannt werden wird. Mit einfachsten Mitteln (Moog Synth, einem Sinuswellengenerator und zwei Revox Bandmaschinen) entsteht eine Tonbandcollage, die ihrer Vorlage >>die lineare Ordnung und narrative Struktur<< nimmt und deren >>Fortschreiten zu einem Auf-der-Stelle-treten<< arretiert (so Tilmann Baumgärtel in seinem Buch „Schleifen“ auf Seite 241).
Hier also Rileys Rework – vier Jahre vor Tom Moultons Disco-Mix-Erfindung, mitsamt vielen Zutaten und einem ästhetischen Verständnis späterer Sequenzer-/Loop-basierter Club-Tacks:

Hey – bei Terry Riley gibt es noch Weiteres zu entdecken:
Beispielsweise den Time Lag Accumulator (TLA) aus dem Jahr 1963, der in das großartige Werk „Music for the Gift“ mündete, in dem eine „So what“ Aufnahme des gerade aus dem Gefängnis entlassenen Chet Baker mit viel Echo lupenrein (und zehn Jahre vor Erfindung des Dub Genres) gedubbt dekonstruiert wurde!

Vor allem aber hat Riley mit dem TLA sowohl Werkzeug als auch Weg gefunden, elektronische Musik tatsächlich live auf der Bühne entstehen zu lassen, improvisieren bzw. instant komponieren zu können, womit er sich deutlich von seinen renommierten Tonband-Kollegen Schaeffer, Stockhausen, Cage und co. absetzt, deren Aufführungen lediglich die Reproduktion oder Zuspielung einer vorab erstellten elektronischen Komposition war.

Für die Motivationstrategie Rileys hier nochmals ein Abschnitt aus Baumgärtels Buch:
>>1962 wanderte Riley mit seiner Familie nach Europa aus und schlug sich als Musiker durch [… in Frankreich] lernte er die Filme und Bücher des französischen nouveau-roman Schriftstellers Alain Robbe-Grillet kennen: »Der Film, der mich am meisten beeindruckt hat«, sagt er später, »war sein L’Immortelle, in dem es die Wiederholungen von Szenen gibt, die jedes Mal anders enden. Eine Szene lief ab, und führte zu einem Ergebnis, und dann lief sie wieder ab und führte zu einem anderen Ergebnis. Diese Technik kam mir sehr stark vor, weil sie es möglich machte, verschiedene Versionen der Wirklichkeit zu zeigen.«
Diesen Effekt der Wiederholungen wollte er für seine Kompositionen fruchtbar machen: »Ich bemerkte, dass die Dinge nicht immer gleich klangen, wenn man sie öfter als einmal hört. Je öfter man sie hört, desto verschiedener klingen sie. Obwohl sie immer gleich blieben, verändern sie sich. Das hat mich unheimlich fasziniert [… In Europa] begann ich Beziehungen zwischen den Tape-Loops, den Wiederholungen und der verschiedenen Zyklen herzustellen«<< (Schleifen, Kadmos 2015, Seite 234)

Schließlich mein TR Lieblingstrack, „In the Summer“ (1976).

rein in die Quelle

Mai 4, 2021

Ein langes YT-Interview mit dem kompromisslosen Produzenten Moses Schneider. Über die Wurst hinaus, hören wir spannende Ideen mit den schicken Namen, Droom und Snareo. Und minimum 20 Sekunden (Valhalla) Hall für „Ätna“, quasi >>Sustain-Pedal wie beim Klavier<<.

die Absicht ist nie wichtiger als die Wirkung

Mai 2, 2021

Gerne gelesen, viel gelernt.
Der Roman „Identitti“ ist ein tolles Buch, das dringende Fragen verhandelt, wie
Selbstbestimmung, Sichtbarkeit, Postkolo­nialis­mus oder das Phantasma race, das >>nicht nur »da draussen« [ist], sondern »hier drinnen«: Es steckt in unseren Köpfen und Körpern und Seelen, ist so vehement Teil unseres gemeinschaftlichen Selbstverständnisses und staatlichen Handelns, dass genau das dringend nottut, was Saraswati [die zentrale Figur des Romans, eine gefeierte Professorin für Postcolonial Studies mit vermeintlich indischem Background] Decolonizing nennen würde<< (schreibt die Autorin Mithu Sanyal im Nachwort auf Seite 419).
Und die Geschichte – bewusst keine Essaysammlung, >>weil Identitätsfragen nicht durch Fakten und Daten beantwortet werden, sondern durch Geschichten<< – liefert viele kluge, schöne, helfende Antworten!

>>Also, Judith Butler sagt, dass das, was uns alle verbindet, unsere Verletztlichkeit ist. Menschsein hießt Verletztlichsein. Aber wir sind eben nicht nur im Schmerz vereint, wir sind auch in der Liebe vereint. Im Interesse aneinander, in Empathie und Anteilnahme. Wir alle sind dadurch alle. Wir alle sind viele. Wir alle sind alle Geschlechter, alle races, alle Klassen, alle Kasten, wir alle sin d ganz unreligiös das Wunder der Schöpfung, und als solches sollten wir zwischendurch ab und zu innehalten und den Schauer der Ehrfurcht vor unserer komplexen Existenz verspüren.<< (Seite, 416f)

Sorry, Kali! Aber mit abgeschlagenen Köpfen habe ich große Probleme, deswegen die Teetasse…

The Pedal Movie

Mai 1, 2021

Arbeiterbewegung

Mai 1, 2021

+++free HATTLER tonight+++

April 29, 2021

Wahnsinn, Konzert #3: HATTLER in Amberg/YouTube (Do. 29.04.21 /20h)

Ich freue mich sehr, denn #1 und #2 waren schon mal äusserst starke Aufheller 🙂

Oscar verdächtig

April 28, 2021

Geschickt, dass es draußen regnet, so kann ich mich gemütlich durch all die Questlove Titel bewegen, die er für seinen Job als auflegende Orchestervertretung bei der diesjährigen Oscar Preisverleihung zusammengestellt hat:

Optionen!

April 28, 2021

Martin Verdonk ist so ein entspannter und großartiger Perkussionist, der mich immer wieder aufs Neue umhaut.

Blicke ich jedoch auf diese beiden Bilder aus den letzten anderthalb Jahren seiner IG Timeline, so erzählen sie eine eine krasse Geschichte für sich, einen Spannungsverlauf von Steve Gadd zur Supermarktkasse, der mich etwas mulmig fühlen lässt. Ich verneige mich direkt nochmals vor seiner pragmatischen und gar nicht hadernden Lösungsorientiertheit und hänge zudem den Kommentar von Luis Conte dran, an dessen „you will be back!“ ich nicht nur im Fall von Martin selbstverständlich glaube, sondern auch in Bezug auf einige andere Musikerfreunde, die während der Pandemie notgedrungen einen anderen Brotjob ausüben müssen:

>>you will be back! you are one of the greatest brother! ♥️♥️♥️🎼<<

Abschließend noch ein konkreter Hoffnungsschimmer aus Spanien, wo das Konzertexperiment mit 5000 Zuschauern nun äusserst positiv ausgewertet wurde.

809 Kick

April 27, 2021

Hannes Bieger hat aus zwei Legenden eine neue (Kickdrum) gebastelt und zum freien Download auf Soundcloud gestellt.

Rupert & Al

April 27, 2021

Heute tickerte die Todesnachricht von Al Schmitt durchs Musiknetz, nach Sir Rupert Neve das nächste Schwergewicht der Musikproduktion. Ich durfte ihn 2018 während des Drums ’n Percussion Paderborn Festivals eine Woche lang erleben/beobachten/genießen und hätte ihn damals niemals als 88 jährigen Tonmeister geschätzt, maximal für einen alterslosen Musikliebhaber und Gentleman.
Mich durch sein Oeuvre durchzuhören wird ne Weile dauern…
Gute Reise!

Gleich im Opener dieses Meisterwerks erklingt bei 1:47′ das für mich spannendste Besen-Fill bzw. Besen Echo Imitat der Welt!