die Grenze vom Geräusch zum Rausch

September 26, 2022

Zum Tod von Pharao Sanders rasseln wunderbare Sätze durchs Feuilleton. Spiegel-Autor Tobi Müller erzeugt mit seiner Überschrift eine Miniatur-Bio, die Lust macht, tief ins Repertoire einzutauchen :
>>Wo John Coltrane noch intellektuell schraubte, fand Pharoah Sanders am Tenorsaxofon den Absprung ins Gleiten: Seine spirituelle Musik ließ selbst den Free Jazz hinter sich und fand auch ein junges Publikum.<<
Und Peter Kempe von FAZ liefert eine Formulierung, die ich direkt als eigene Zielsetzung übernehmen möchte, nämlich die Fähigkeit, die Grenze vom Geräusch zum Rausch zu überschreiten. 
Ich lege „The Creator has a Master Plan“ vom Karma-Album (1969) auf. Billy Hart trommelt:

Jetzt noch zwei schöne Nachrichten aus Amerika, über zwei großartige deutsche Trommlerinnen, die dort derzeit kräftig aufschlagen: Anika Nilles ist (wieder) mit Jeff Beck auf Tour und Philo Tsoungui (ganz frisch) die aktuelle Drummerin von The Mars Volta. Wohoo!

walking down

September 21, 2022

Heute, nach einem schönen Mainspaziergang mit Thomas Stieger und Wolfgang Haffner, standen wir plötzlich in der Tür des MOMEM-Museums. Drinnen lief „The Hunter“

Später schnappte ich mir das „Rave“ Buch von Rainald Goetz und schlug es blindlings auf. Erstaunlicherweise passte der Abschnitt von Seite 127 perfekt dazu:
>>Nun gut.
Die anderen sind dann aufgestanden, und an den Pool gekommen, und machen da jetzt bißchen Krach, springen rein, und spritzen rum. Davon bin ich aufgewacht. Ich springe auch ins Wasser, und fühle mich fast völlig nüchtern plötzlich, nur durch dieses bißchen Schlaf am Rand des Pools.
Die Villa gehört den Frankfurtern, die haben uns eingeladen hierher, in die Berge, irgendwo im Nirgendwo auf dieser wunderschönen Insel. Gestern abend, das heißt: heute morgen, nach der Vollmondparty am Strand, nach dem Ende, wann war das?, so um acht etwa oder neun, danach.
Am Schluß hatte Löffel ›Walking Down Madison‹ gespielt, und ›Andromeda‹, immer wieder, immer wieder hat er, weil es die letzte Nummer sein mußte, weil die Barbesitzer schon drohend da standen, und es schließlich geheißen hatte: eine noch, nur EINE Nummer noch – dann also diese eine letzte Nummer endlos verlängert, indem er immer wieder den Tonabnehmer vom Ende nach vorne setzte, das kriegten die Tagchefs gar nicht mit, schon gar nicht bei dieser, endlos sich wiegenden und wogenden Nummer. Wie habe ich ihn da verehrt dafür. Den großen, schweren, bösen Löffel.
Und irgendwann war es dann doch endgültig aus und zuende und Schluß, und ich saß auf diesem kleinen Mäuerchen, neben den Plattenspielern und der Anlage, und schaute beim Abbauen zu, wie der Löffel und Sven ihre Platten in ihre Kisten klopften, das magische Material, wie nebenher geredet und geraucht und dies und das erledigt wurde, perfectly in tune mit all den letzten Stunden dieser Nacht, der Party, den vielen großen Reisen, auf denen viele da gewesen waren, und dieser morgendlichen Stunde jetzt. Wo die Narren abziehen. Und die Herren des Tages und der täglichen Geschäfte zurückkehren und, gut so, wieder die Regentschaft übernehmen.
Wie ich Sven da zum erstenmal sehe, das Sven-Ding verstehe. Wie der so ist. Wie ich schlicht und einfach bezaubert bin sofort, hingerissen. Und wieder finde, finden muß, wie schon so oft: daß die, die gerüchtemäßig und öffentlich als irgendwie toll gelten, es in echt noch tausendmal mehr wirklich SIND: toll. Daß das Gerücht immer stimmt, der Ruf, das sogenannte Image, das öffentliche Bild.
Sven Väth, Maniac Love.
Genau, genau, genau genau genau.<<

auf ein Kaleidoskop von medialen Kanälen

September 20, 2022

Ich lese morgens gern und regelmäßig die taz, aber die heutige Ausgabe hat es mir besonders angetan. Ich wollte schon tippen: eine der spannendsten Ausgaben überhaupt – aber vielleicht hatte ich heute auch nur die Zeit und Muße tiefer einzutauchen als sonst…

Neben schillernd Buntem (die illustre Kirchengemeinde bei der Queen-Trauerfeier, die Stiftung der Patagonia Firma, die deutschen Siedler Bessarabiens), wähle ich für den Blog den Artikel „Social Media essen Diskurs auf“ über das neue Buch bzw. die aktuellen Gedanken von Habermas.
Hier ein paar Teaser:
>>In den alten analogen Zeiten gab es ein Kaleidoskop von medialen Kanälen: Zeitungen, Litfaßsäulen, Möbeleinrichter, Galerien, Illustrierte, Fernsehen, Radio und so weiter. Tausende analoge Influencer kommentierten die Welt über ihren Kanal und versuchten, die Menschen von Ansichten, Trends und Angeboten zu überzeugen. Das ist Habermas’ „Öffentlichkeit“.
Heute gibt es weniger als eine Handvoll digitale Plattformen, deren geheim gehaltene Algorithmen nur ein einziges Ziel verfolgen, nämlich das beschönigend so genannte „Engagement“ der User zu steigern. Das heißt: die Verweildauer und Aktivität auf der jeweiligen Plattform. Aus diesem Grund belohnen die Algorithmen Emotionalisierung, und das bedeutet vor allem negative Emotionen. Denn sie bringen Eskalation.
[…]
US-Netz-Vordenker Jaron Lanier fordert, anstelle des Euphemismus „Engagement“ die Begriffe „Sucht­erzeugung“ und „Verhaltensmanipulation“ zu verwenden.
[…]
Immer schon prägen Technologie und Ökonomie die ­Kul­tur. Die Instagram-Attitude des Ich-bin-so-hübsch-und-doch-so-traurig, die Twitter-­Polarisierung in Wutbürger und Moralapostel, der Realitätsverlust in den Echokammern von Face­book sind allesamt Effekte der Plattformökonomie. Die Technologie formatiert Kultur und Gesellschaft, das hatten schon Friedrich Nietzsche und Marshall McLuhan festgestellt: Nicht nur wir Menschen formen die Maschinen und die Medien, sondern umgekehrt auch sie uns.
[…]
Solange die Aufmerksamkeitsökonomie den Krawall anheizt, wird sich nie ein Diskurs er­geben, in dem nach Habermas der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ herrscht. Genau das ist seine Sorge, wenn er vom „Versiegen“ der „Deliberation“ spricht, der „rationalisierenden Kraft der öffentlichen Auseinandersetzungen“, ohne die die Demokratie nicht auskommt.<<

Für mein weiteres Tagesprogramm ist der Artikel „Weg von einem unterkomplexen Begriff von Nachhaltigkeit“ verantwortlich und wird mich ins Frankfurter Architekturmuseum führen, deren Ausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand“ ein Plädoyer für die Alternative zum Abriss formt.
Passt bestens zum eben beendeten Bauhaus-Roman von Theresia Enzensberger, das Buch mit der lebensfrohen (originalen, nachkolorierten) Fotografie auf dem Deckel:

musikalisches Trommeln

September 19, 2022

Ob komprimiertes Groove-Geheimnis oder eine Zauberformel, um den Sommer festzuhalten, egal:
Groove ist wie drei Kugeln Eis, musikalisches Trommeln wie die Eiswaffel mit Sahne und Streuseln!

Einen Rhythmus so aufzuführen, dass Dein Gegenüber gar nicht anders kann als sich zu bewegen, ist schon mal eine große (aber eigentlich machbare) Aufgabe (denn Du siehst ja sofort, ob es klappt oder nicht). Doch sobald der Groschen (an den Eisdieler) gefallen ist, dass hier drei Kugeln zu einem größeren Ganzen zusammenschmelzen, dass die (bewußte) Zusammenführung von Sound, Pattern und Attitude Groove entstehen lässt, fangen die Beats an zu rollen.
Hurra!

In der Eisdiele sorgt ein zusätzlicher Sahneklecks für eine noch stärkere Geschmacksexplosion, bunte Streusel oder ein schmucker Soßenbach erfreuen das ästhetische Empfinden. Auch diese Zutaten lassen sich aufs Trommelspiel übertragen. So finden sich Katalysatoren zum Beispiel in Gestalt von Fill-Ins oder überraschenden Effekten, vielleicht sogar in optischen Showeinlagen, bestimmt aber in der verbindenden Qualität, dem sogenannten „glue“, der die verschiedenen Ebenen (Schlagzeuginstrumente und/oder Musiker) zu einem stabilen, homogene Konstrukt zusammenschweißt.
Zack, wird trommeln zu Musik!
Jaaaa!!

PS. irgendwann wird uns Eismachern auffallen, dass es ja auch Eismaschinen gibt, die einem nicht nur Arbeit abnehmen können, sondern die musikalische Groove-Palette immens erweitern.
Weiter geht’s….

PPS. beim Drummer Meeting in Salzgitter (30.09. – 03.10.) möchte ich geschmacksvoll und tiefer in diesen Eisberg einsteigen…

nur $

September 16, 2022

Och nö: Geldbeutel verloren. Mit allen Ausweisen, Geldkarten und der Gage vom vorletzten Gig.
Der monetäre Verlust schmerzt, der anstehende Aufwand nervt, doch kaum wurden die notwendigen Schritte eingeleitet, ist das Drama schon fast vergessen. Zumal es auch eine andere Sichtweise gibt:
Nachdem mir Schlüssel und Börse schon einmal entwendet wurden hatte ich mir dafür eine große gelbe Tasche mit Reißverschluss besorgt, so dass ich sie sowohl gut spüren als auch im Blick haben kann. Und dennoch war ich vorgestern wohl derart in Gedanken, dass selbst dieser Aufmerksamkeitsmagnet meinen geliebten Papiergeldbeutel nicht schützen konnte – auf gerade mal 200 Metern zwischen Gemüsestand und Wohnung. In dieser Situation sehr ungeschickt, so völlig entkoppelt durch die Straße zu ziehen, doch sonst, beim Musikmachen, ist ja genau solch ein Tunnel das erkorene Ziel:
bis auf die Mitspielenden alles ausblenden und fliegen…
Insofern: nicht alles schlecht.

sometimes

lot of calls

September 15, 2022

Gestern folgte ich dem „House of Calls“ in die Alte Oper, lauschte und schaute und versuchte all die akustischen und elektronischen Versatzteile den SpielerInnen zuordnen zu zu können.
Es war bunt, ganz schön tight, kurzweilig und inspirierend.
Ein Hoch auf das Ensemble Modern und den Komponisten Heiner Goebbels.
Mein Lieblingsstelle, ein unglaublich poppiger Streicher-Part findet sich im Song „Grain De La Voix: I Nu Stiri„. Auch toll, die Windgeräusche der Waldhörner – pure Luft!

In der taz lese ich erstaunliche Sätze: >>alles Private ist politisch<< (im Zusammenhang des assistierten Suizids von Godard), sowie diese Passagen von Mai Thi Nguyen-Kim:

>>Ich verstehe Wissenschaftsvermittlung lieber als eine Zwiebel. […]Die äußerste Schicht wären Videos auf Instagram oder Tiktok: eine Minute Zeit, ein Bild, sehr oberflächlich, aber breit zugänglich. Im Innersten der Zwiebel ist die originale, wissenschaftliche Veröffentlichung, the real thing sozusagen, aber nur ganz wenigen Leuten zugänglich. Jede Schicht der Zwiebel hat ihre Berechtigung und medial sollte alles vertreten sein. Da ich von Haus aus Wissenschaftlerin bin, ist es mein Ziel, Leute möglichst tief in die Zwiebel hineinzuziehen. Aber natürlich kann ich nicht erwarten, dass jemand sich gleich mühsam zum Kern durchbohrt. Die oberflächlichere Vermittlung ist absolut essenziell, um Menschen überhaupt erst mal zu erreichen und erstes Interesse zu wecken.<<

>>„Unkrautargument“. Was ist das? Ein Argument, das sehr viele emotionale Reaktionen hervorruft, deswegen viel Aufmerksamkeit bekommt und die komplette öffentliche Diskussion überwuchert – sodass man am Ende fast gar nichts mehr sieht. Das Argument bringt uns aber nicht weiter, weil es zum Beispiel eine Debatte aufmacht, die längst geklärt ist.<<

So, jetzt nichts wie weg, zum Yachtklub, dort die Sommersaison des „Temporären Elektronischen Salons“ beenden. (Mit Kabuki und Oliver Leicht, 21h bei freiem Eintritt)


happy

September 12, 2022

Der Morgen fühlte sich sehr gut an, zack wird versucht, den Begriff „Glück“ in Worte zu fassen.
Vielleicht ein positiver Schwebezustand, ähnlich wie mein heutiger Wochenstart nach einem erschöpfenden, jedoch musikalisch beseelten langen Wochenende: zuhause maximal ausschlafen, mit schöner Musik, offenem Fenster und einer Zeitung ausgedehnt frühstücken (also die grenzenlos Freiheit ausschöpfen dürfen), bis jene angenehme Entspannung entsteht, bei der direkt wieder neue Ideen losrollen…
OK, die Grundlage war aber auch eine Baustein-Klasse für sich:
Die Block Party auf der Container Insel war das Abschlußfest des großartigen Jazz Montez Sommerprogramms (sieben Wochen lang top kuratiertes Musikprogramm, dem ich Überschrift „Jazz plus!“ geben würde). Auch wenn ich diesen Abend (wegen einer weiteren schönen DJ-Nacht mit Michael Rütten) nur teilweise miterleben konnte, gefiel mir dieser kleine Ausschnitt schon mal ausgesprochen gut: von der Spielstätte „Zur Insel“ (das Curry-Pommes-Paradies der Truckerfahrer), deren nicht allzu großer Gastraum optimal genutzt wurde – im Bild schön zu sehen, wie ein störendes Regalbrett entfernt wird, damit auch die Eckbank vom später darauf stehenden Oli Leicht genutzt werden konnte – über DJ Nahom, dessen „Eritrean Anthology“ nicht nur als Soundtrack des eriträischen Neujahrsfest fungierte, sondern mir auch ein bis dato unbekannten Ein-Viertel-Vibe zuspielte, bis zum Auftritt des „Kabuki Ensemble“ selbst, mit dem die Veröffentlichung des Albums „No Maps for these Territories“ gefeiert wurde.

noch mehr schöne Fotos von Oli Leicht, dort.

Am Sonntag bin ich zum Karlsruher Rheinhafen gefahren, um nach 27 Jahren den Faden des Peter Lehel Quartetts (mit Ull Möck als Bassist und Keyboarder) erneut aufzunehmen.
Kurze Rede, nachhallender Sinn: es war wunderbar!

Dank gegenseitiger Wertschätzung, vollem Vertrauen und offenen Sinnen funktioniert da ein Konzert auch ohne jegliches Proben (was in dem Fall aber auch beabsichtigtes Konzept der Veranstaltung „Das Mysterium Improvisation – Struktur und Chancen“ war).
Diesbezüglich habe ich schon länger Gewissheit.
Doch, dass man nach einem halben Leben selbstverständlich, nahtlos und völlig stimmig einfach anknüpfen kann, als wäre die letzte gemeinsame Unternehmung vorgestern passiert, begeistert mich über die Maßen.
Damals war das Vertretungsgastspiel (für Dieter Schumacher) bei Lubber Blue bzw. dem Peter Lehel Quartett ein großes Glück, weil schöne Herausforderung und riesiger Lernschub. Ich durfte auf hohem Niveau in den Modern Jazz eintauchen. Beim nächsten Heimatbesuch werde ich die Fotodokumente unserer damaligen St. Petersburg Konzertreise suchen.

Ich übernehme direkt die taz-Überschrift vom Wochenende und werde sie auf meinen Herbst-Pulli drucken: erster fester Job (frühestens) mit 73!

PS. auch schön: der Artikel „Die Geschichte eines unerklärlichen Erfolges“ zum 25 jährigen Jubiläum des Bueno Vista Social Club (file under: Weltmusik) und das Moonchild Tiny Desk Konzert – danke, Jule 🙂

Art of September

September 10, 2022

Ich war gestern zusammen mit Marc Inti im schönen Art of June Studio. Dortige Erkenntnis:
ein Rode NT-1000 fürs Standtom klingt ungemein fett (OK, das alte Superstar 16er liefert aber auch eine hervorragende Grundlage), die schwedischen Milab VM-44 Kondensor-Stäbchen sind eine ernstzunehmende Neumann KM-184 Alternative und sollten mal in Ruhe geprüft werden.
Und im dort ausgelegten Buch „Sound of the Cities“ fand ich im Bristol-Kapitel folgenden Satz:
>>Geht es aber um die Musikgeschichte seiner Heimatstadt, wird er ernst. »Manchmal kommt die beste Musik aus den deprimierendsten Städten. In den 70ern gab es für uns als Teenager absolut nichts. Und weil es nichts gab und es nichts zu tun gab, träumten wir, woanders zu sein. Und wenn man beginnt zu träumen, beginnt man, kreativ zu werden«, sagt [Mark] Stewart.<<

Heute gibt’s den Party-Doppelpack mit dem Kabuki-Ensemble beim Blockparty-Festival (Frankfurt, Gastätte zur Insel, 21h) und anschließend ein Jam mit DJ Michael Rütten (Offenbach, Filmklubb ab 22.30).
Optimale Einstimmung dafür die Soulsearching Radiosendung vom 08.09.2022 – die direkt mit dem Dilla Remix von Brand New Heavies‘ „Sometimes“ in die Vollen geht – inklusive Nadelsprung 🙂

Brand New Heavies + J Dilla + Rütten & Rubow

Am Sonntag um 16 Uhr dann ein Improvisations-Special mit Peter Lehel und Ull Möck in Karlsruhe (KIT Werkstattpalast am Rheinhafen). Beziehungsweise eine Wiederaufnahme des Lubber-Blue-Jazz-Fadens aus dem Jahr 1994/95…. Hurra!

zwei Kopfhörer

September 8, 2022

Zum 92. Geburtstag von Sonny Rollins empfahl mir Oli Leicht das harmonieinstrumentlose „Way Out West“ Album aus dem Jahr 1957 (mit Shelly Manne am Schlagzeug).
Drummers, checkt den Woodblock-Track „I’m an old cowhand“
Und Heinrich Steinfest preist in „Der betrunkene Berg“ das von Evelyne Crochet gespielte Wohltemeperierte Klavier. Vor allem das Präludium zu Nummer 3*.

Und da man diese schöne Musik idealerweise unterm Kopfhörer genießen könnte, komme ich zum Punkt:
Ich möchte zwei meiner alten (nach wie vor funktionstüchtigen) Kopfhörer abgeben. Eigentlich ohne Gegenleistung, doch in diesen Zeiten würde ich um eine Miniaturspende an die Ärzte ohne Grenzen bitten. Abholung in Frankfurt oder Übergabe bei einem Konzert.
Einmal mein treuer Technics RP DJ1200, der mich Anfang der 2000er live unterstützt hatte, bis er durch ein HD-25 Endorsement abgelöst wurde. Offensichtlich schon etwas ramponiert (ein Muschelgelenk hält nur dank Klebeband, der metallene Klinkenstecker rutscht leicht aus der Plastikhalterung).
Und dann noch der UrbanEars „Zinken“ Kopfhörer meiner Frau. Weil das originale Verbindungskabel kaputt ging lag er einige Jahre herum. Geschickterweise hat der Hörer sowohl zwei Stereo-Klinkenbuchsen (3,5mm und 6,3mm), so dass er dank eines symmetrischen Klinkenkabels wieder abspielbereit ist. Lediglich der Kunststoff hat gelitten: die Optik ist rau…

* >>Und doch vernahm er jetzt den wunderbaren Klang dieser Komposition von Bach, die Nummer Drei aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers. Cis-Dur, nicht wahr? Und es stimmte ja, dass er diese gehasste Musik auch geliebt hatte, exakt dieses Stück, und sich schon damals gedacht hatte, dass, wenn er einmal sterben würde, er dann diese eine Musik hören wollte, natürlich nicht in der eigenen, die Finger abbrechenden Interpretation, sondern in der von … eventuell von Evelyne Crochet.
Schon wegen ihres schönen Namens, na ja, und auch des schönen Anschlags. Einfach nur den Anfang des Stücks, das Präludium, immer wieder das Präludium, Präludium, in einer in den Tod führenden Dauerschleife.<< (Seite 218f)

der DJ1200 anno 2000 mit „Marque“ in Köln, Prime Club

Nachlese(n)

September 5, 2022

Eine chinesische Geschichte, die Italo Calvino in einer seiner Harvard Vorlesungen (bzw. im Buch „Sechs Vorschläge für das neue Jahrtausend“ auf Seite 78f) erzählte:
>>Zu den vielen Fähigkeiten von Chuang-T zu gehörte seine Gewandtheit im Zeichnen. Der Kaiser bat ihn, einen Krebs zu zeichnen. Chuang-Tzu sagte, er brauche dafür fünf Jahre Zeit und eine Villa mit zwölf Bediensteten. Nach fünf Jahren war die Zeichnung noch nicht begonnen. »Ich brauche noch weitere fünf Jahren, sagte Chuang-Tzu. Der Kaiser gewährte sie ihm. Nach Ablauf der zehn Jahre nahm Chuang-Tzu die Feder, und in einem Augenblick, mit einer einzigen Handbewegung, zeichnete er einen Krebs, den perfektesten Krebs, den man je gesehen hatte.<<

Von Juli Zeh nehme ich die Erkenntnis mit,
>>dass Schönheit nicht im Extrem, sondern in der Balance zu suchen ist.<<
(„Nullzeit“, 2012)

Schließlich noch ein schöner gedanke aus dem aktuelllen Roman von Heinrich Steinfest („Der betrunkene Berg“ 2022):
>>Warum bloß war ein Verzicht, der einfache Umstand, etwas Bestimmtes nicht zu tun, so schwierig?<<