e-Drummer of the Year 2020

Februar 2, 2021

Schön & erstaunlich, dass mich die Leserschaft des australischen Schlagzeugmagazins digitalDrummer zum e-Drummer des Jahres gekürt hat.

Ich revanchiere mich mit einem effektvollen Taschenspielertrick, bei dem ein simples, stromloses e-Pad zum trommelbaren Aux-Send umfunktioniert wird – funktioniert mit klassischem Outboard (Gate mit Sidechain) oder mittels DAW:

works like a charm

Mai 15, 2021

Mit solch einer Beschreibung – wirkt wie ein Zauber – muss es sich bei dem im Ludwig Katalog des Jahres 1922 abgebildeten „Electric Drum Heater“ einfach um das erste e(lectrified)-Drum handeln. Damals sollte die Verbindung des akustischen Instruments mit der Steckdose aber eher Klangvariationen vermeiden und den originalen Sound bzw. die eingestellte Stimmung halten.

Aus „Ludwig Drums And Accessoires“ 1922 – the first e(lectrified) drum?

Record Breaker

Mai 14, 2021

Es geht ausnahmsweise mal nicht um „breaks“, auch nicht um sonstige Platten, sondern um einen Rekord der gebrochen werden soll. Laut Moderator Roy Castle einem aus dem Jahr 1939, bei dem Gene Krupa 100 verschiedene Trommeln innerhalb einer Minute angeschlagen hatte.
1987 wurde Cozy Powell für eine BBC Fernsehshow gefragt, ob er in derselben Zeit nicht sogar 400 Einzeltrommeln treffen könnte:

Sieht ja super aus – aber noch lieber ist mir die Kombi von Show und Kontext, sprich Schlagzeugsolo beim Gig:

Und direkt im Anschluß noch „Dance with the Devil“ – mit Wolfgang Schmid und Peter Wölpl – denn genau durch diesen Filmauschnitt der Fernsehserie „Super Drumming“ hatte ich C. P. im Februar ’87 erstmals bewusst wahrgenommen.

organisch statt mechanisch

Mai 13, 2021

Habe heute beim Familienspaziergang zwei Rehe im Wald gesehen. Und nachdem wir uns gegenseitig entdeckt hatten, verweilten alle Beteiligten eine schöne Weile still, beobachtend, nachdenkend.

Genau so geht es mir mit zwei Gedanken am Ende von Tilman Baumgärtels „Schleifen“ Buch. Dort lese ich auf Seite 333 ein Zitat des Philosophen Ludwig Klages aus dem Jahr 1934:
>>Der Takt wiederholt, der Rhythmus erneuert.<<

Und wenige Zeilen später die folgenden Sätze aus Rudolf Wendorffs „Die Zeit, mit der wir leben“:
>>Man ist fasziniert davon, dass sich wie mit magischer Kraft eigentlich das Gleiche ständig wiederholt, dass es aber doch nicht genau dasselbe ist, sondern dass lebendiges Geschehen zur Wiederholung von Ähnli- chem führt […]. Das elementare Erlebnis der Rhythmen ist deshalb seelisch wohltuend, weil zwar auch hier die Zeit verfließt, aber nicht ins Unbekannte und Grenzenlose davoneilt, sondern wie von Geister- hand gehalten gewissermaßen zugleich auf der Stelle tritt, Bekanntes sich ständig wiederholt […]. Organisch statt mechanisch ist die übliche Terminologie, um den Wert zyklischen Zeiterlebens auch ideologisch zu unterstreichen.<<

the video classroom (1981)

Mai 12, 2021

Vor 40 Jahren, im wunderschönen Monat Mai, veröffentlichte die Gruppe Kraftwerk ihr Computerwelt Album, verpackt in einer leuchtend gelben Schallplattenhülle, die deren Zukunftsvision auch über die Musik hinaus als einprägsame Grafik transportierte. In meinem Proberaum schaut mir übrigens die nicht weniger gelbe Single-Auskopplung „Taschenrechner“ beim Trommeln zu…


Ebenso 40 Jahre alt – und auf andere Art und Weise farbenfroh – ist das Lehrvideo „Drum Course for Beginners„. Hier erklärt der legendäre Jazztrommler (und Doublebassdrum Ambassador) Louie Bellson dem geneigten Rhythmusmacher die Basics. Ich schaue mir vor allem die Erklärung des Flams an und rahme zudem Logo und Credo der damaligen Videoproduktionsfirma (für zukünftige Online-Lessons):

Denn auch wenn ich (frisch geimpft) wieder mit gutem Gewissen in Präsenz unterrichten kann wird das ZOOM-Konzept für bestimmte Anlässe seinen Sinn behalten.

Wer hat’s erfunden?

Mai 10, 2021

Sprite Werbung aus dem Jahr 1963 mit Musik von Raymond Scott und seinem raumfüllenden Sequenzer:

Sowie sein unadressierter Brief für die Nachwelt:

That’s alright Mama

Mai 9, 2021

Anders als es die Legende will, waren die Aufnahmen vom Sommer 1953 die Elvis mit Sam Phillips machte, nicht ein Geburtstagsgeschenk für seine Mutter (siehe Tilmann Baumgärtel „Schleifen“, Seite 113), ebenso kein Muttertagständchen (auch wenn’s gerade gut passen würde).
Als Elvis Presley die Sun Studios erstmals aufsuchte, war er einfach nur neugierig, wie seine Stimme auf Platte klingen würde, doch als er am 5.Juli 1954 auf Anfrage dort erneut vorsang, erklangen nach der Aufnahme von „That’s alright Mama“ nicht nicht nur die Startschüsse für das Rockabilly Genre und den Begriff des Popstars, auch der experimentierfreudige Tontechniker Sam Phillips setzte durch sein nachträglich – dank zweier Ampex Bandmaschinen – hinzugefügtes, ungemein prägendes Slapback-Echo neue Maßstäbe und begründete Idee und Wert des Produzenten.

Am darauffolgenden Abend wurde die B-Seite „Blue Moon of Kentucky“ aufgenommen, auf der sich das Summen-Echo noch besser nachvollziehen lässt.

Geschützt: HfM Würzburg 07.05.21

Mai 6, 2021

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Minimalismus, Pop und einer der ersten Remixe

Mai 6, 2021

Terry Rileys Auftragsarbeit aus dem Jahr 1968, ein Themen Song für eine Disco in Philadephia, ist die kreative Umgestaltung eines schon vorhandenen Soul Tracks, die später Remix genannt werden wird. Mit einfachsten Mitteln (Moog Synth, einem Sinuswellengenerator und zwei Revox Bandmaschinen) entsteht eine Tonbandcollage, die ihrer Vorlage >>die lineare Ordnung und narrative Struktur<< nimmt und deren >>Fortschreiten zu einem Auf-der-Stelle-treten<< arretiert (so Tilmann Baumgärtel in seinem Buch „Schleifen“ auf Seite 241).
Hier also Rileys Rework – vier Jahre vor Tom Moultons Disco-Mix-Erfindung, mitsamt vielen Zutaten und einem ästhetischen Verständnis späterer Sequenzer-/Loop-basierter Club-Tacks:

Hey – bei Terry Riley gibt es noch Weiteres zu entdecken:
Beispielsweise den Time Lag Accumulator (TLA) aus dem Jahr 1963, der in das großartige Werk „Music for the Gift“ mündete, in dem eine „So what“ Aufnahme des gerade aus dem Gefängnis entlassenen Chet Baker mit viel Echo lupenrein (und zehn Jahre vor Erfindung des Dub Genres) gedubbt dekonstruiert wurde!

Vor allem aber hat Riley mit dem TLA sowohl Werkzeug als auch Weg gefunden, elektronische Musik tatsächlich live auf der Bühne entstehen zu lassen, improvisieren bzw. instant komponieren zu können, womit er sich deutlich von seinen renommierten Tonband-Kollegen Schaeffer, Stockhausen, Cage und co. absetzt, deren Aufführungen lediglich die Reproduktion oder Zuspielung einer vorab erstellten elektronischen Komposition war.

Für die Motivationstrategie Rileys hier nochmals ein Abschnitt aus Baumgärtels Buch:
>>1962 wanderte Riley mit seiner Familie nach Europa aus und schlug sich als Musiker durch [… in Frankreich] lernte er die Filme und Bücher des französischen nouveau-roman Schriftstellers Alain Robbe-Grillet kennen: »Der Film, der mich am meisten beeindruckt hat«, sagt er später, »war sein L’Immortelle, in dem es die Wiederholungen von Szenen gibt, die jedes Mal anders enden. Eine Szene lief ab, und führte zu einem Ergebnis, und dann lief sie wieder ab und führte zu einem anderen Ergebnis. Diese Technik kam mir sehr stark vor, weil sie es möglich machte, verschiedene Versionen der Wirklichkeit zu zeigen.«
Diesen Effekt der Wiederholungen wollte er für seine Kompositionen fruchtbar machen: »Ich bemerkte, dass die Dinge nicht immer gleich klangen, wenn man sie öfter als einmal hört. Je öfter man sie hört, desto verschiedener klingen sie. Obwohl sie immer gleich blieben, verändern sie sich. Das hat mich unheimlich fasziniert [… In Europa] begann ich Beziehungen zwischen den Tape-Loops, den Wiederholungen und der verschiedenen Zyklen herzustellen«<< (Schleifen, Kadmos 2015, Seite 234)

Schließlich mein TR Lieblingstrack, „In the Summer“ (1976).

rein in die Quelle

Mai 4, 2021

Ein langes YT-Interview mit dem kompromisslosen Produzenten Moses Schneider. Über die Wurst hinaus, hören wir spannende Ideen mit den schicken Namen, Droom und Snareo. Und minimum 20 Sekunden (Valhalla) Hall für „Ätna“, quasi >>Sustain-Pedal wie beim Klavier<<.

die Absicht ist nie wichtiger als die Wirkung

Mai 2, 2021

Gerne gelesen, viel gelernt.
Der Roman „Identitti“ ist ein tolles Buch, das dringende Fragen verhandelt, wie
Selbstbestimmung, Sichtbarkeit, Postkolo­nialis­mus oder das Phantasma race, das >>nicht nur »da draussen« [ist], sondern »hier drinnen«: Es steckt in unseren Köpfen und Körpern und Seelen, ist so vehement Teil unseres gemeinschaftlichen Selbstverständnisses und staatlichen Handelns, dass genau das dringend nottut, was Saraswati [die zentrale Figur des Romans, eine gefeierte Professorin für Postcolonial Studies mit vermeintlich indischem Background] Decolonizing nennen würde<< (schreibt die Autorin Mithu Sanyal im Nachwort auf Seite 419).
Und die Geschichte – bewusst keine Essaysammlung, >>weil Identitätsfragen nicht durch Fakten und Daten beantwortet werden, sondern durch Geschichten<< – liefert viele kluge, schöne, helfende Antworten!

>>Also, Judith Butler sagt, dass das, was uns alle verbindet, unsere Verletztlichkeit ist. Menschsein hießt Verletztlichsein. Aber wir sind eben nicht nur im Schmerz vereint, wir sind auch in der Liebe vereint. Im Interesse aneinander, in Empathie und Anteilnahme. Wir alle sind dadurch alle. Wir alle sind viele. Wir alle sind alle Geschlechter, alle races, alle Klassen, alle Kasten, wir alle sin d ganz unreligiös das Wunder der Schöpfung, und als solches sollten wir zwischendurch ab und zu innehalten und den Schauer der Ehrfurcht vor unserer komplexen Existenz verspüren.<< (Seite, 416f)

Sorry, Kali! Aber mit abgeschlagenen Köpfen habe ich große Probleme, deswegen die Teetasse…