Jon & Lyle

Februar 18, 2020

Die Plattenfirma schreibt: >>Nur wenige Tage nach Lyle Mays verstarb mit dem Schlagzeuger Jon Christensen ein weiterer Musiker, der den ECM-Sound der 1970er Jahre maßgeblich mitgeprägt hat.<<

Schon zu Beginn des 74er Konzerts des (europäischen) Quartetts von Keith Jarrett, denke ich: das ist genau der hochfrequente, pointillierte Cymbal-Style, den ich persönlich unter „skandinavisch“ abgespeichtert habe.
Passend dazu ein Triangel Portrait aus dem Modern Drummer Interview von 1985 sowie das Foto aus meiner Heimatstadt Schorndorf (von Gez und Hans Zirkelbach):

 

Jetzt die Live-Alben „Nude Ants“ und „Sleeper“ (beide 1979 aufgenommen, je mit einem auch trommelenden Keith Jarrett) direkt hinterher, für Lyle die beiden Live-Platten („Shadows and Light“ und „Travels„).
Und dann halt gemächlich durch Christensens Diskografie, Lieblingslieder finden…

Weatherall – überall

Februar 18, 2020

Hans Nieswandt schreibt im FB Schönes für Andrew Weatherall:
>>Andrew Weatherall war eine der zentralen, stilprägenden Figuren im Transformationsprozess der späten 80er Jahre von Punk zu Rave, von Core zu Floor, von der Gitarre zum Plattenspieler. Ein Pionier der Selbstermächtigung, ein echter Freiheitskämpfer, wenn man so will; einer der ersten, der die Figur des DJs rebellisch interpretierte und somit anschlussfähig machte für ganz neue gesellschaftliche Gruppen, die mit Clubs vorher nicht viel am Hut gehabt hatten – SPEX-Leser zum Beispiel. Als Redakteur dieses Magazins in dieser Zeit war ich geradezu dankbar für diesen legendären Charakter, der in kaum zu überschätzendem Maß die öden Indie-Verhältnisse zum dancen gebracht hat. Selten gebe ich meinen Senf dazu, wenn wieder jemand gestorben ist; in diesem Fall bewegt es mich doch wesentlich mehr als sonst, denn ohne Typen wie Andy wären aus vielen Boomern bestimmt nicht die freigeistigen, idealistischen DJs geworden, die sie zum Teil heute noch sind. In meinem Kölner Keller liegt noch irgendwo eine kleine Zigarrenkiste, die ich ihm mal für ein Interview mitgebracht hatte und die er mir dann nach dem Aufrauchen signiert hat. Zu gerne hätte ich noch mal eine mit ihm geschmaucht. Rest in peace, top man.<<

Nicht, dass ich A. W. gekannt hätte, aber wenn ich im Groove Interview folgende Zeilen lese darf man getrost festhalten: seine Attitude lebt weiter!
>>Ich habe nie Manuals von Geräten gelesen, sondern bin stattdessen ausgegangen, habe gefeiert und Musik gehört – deshalb wurde ich ins Studio eingeladen: für meinen Enthusiasmus, für die interessanten Ideen.<<

Unabhängig davon schickt mir Philo diese 10 Minuten mit „Persian Empire„. Passt!

 

Und jetzt noch der Frankfurt-Bezug:
1. >>It was the tenth anniversary of Robert Johnson in Frankfurt, one of my favourite clubs, and I was playing with Rhythm & Sound, Mark Ernestus. They’d hired in some bassbins – that was the first thing I was told, they’d hired these bassbins worth €10,000. Rhythm & Sound did their thing, I played my set and with 15 minutes to go a young lady got up onstage and I thought she was asking for a request and I said, “What are you talking about?” And she looked at me and said, “I think there is fire.” I looked at these speakers and there was indeed smoke coming from these €10,000 bassbins. It was kind of half-in and half-outside, the venue had a canopy, like a tent. Then as soon as they took the speakers outside the tent, the wind caught them and they burst into flames. At which point I’m beginning to panic because the guy from the speaker company is looking at me from across the dancefloor. He’s making his way towards me and I thought, “Well, there goes my wages” He came up to me and, very straight- faced, put his arms around me and in a thick German accent said (affects strong German accent):“You have very hot records, ja.”<< (aus der Red Bull Academy)

2. Mit seinem Titel Frankfurt-Advice macht sich Weatherall  über die Frankfurter DJ-Rangordnung lustig: wer dagegen verstößt, bekommt einen Strafzettel… (laut Jörn Elling Wuttke/Zündfunk)

Flügel-Hallkammer, Eisloch-Synth

Februar 18, 2020

Der Bassist Norbert Dömling schreibt auf Facebook: >>Das Stück Winterlied (Reflexionen der Schneekatastrophe von 1978/79) haben wir vor über 40 Jahren aufgenommen, also noch auf Bandmaschine. Da war nix digital, es gab kein schnelles zurechtrücken oder ausbessern von Aufnahmen. Und von Halleffektgeräten mit denen man easy Erstreflexionen, Positionierung im virtuellen Raum, sowie die Halllänge gleichzeitig gestalten, dazu noch in der Zeit veränderbar speichern kann, konnte man damals nur träumen. Um einen passenderen Hall zu bekommen, haben wir bei dieser Aufnahme die Lautsprecherbox des verstärkten Minimoogs direkt hinten vor ein geöffnetes Klavier mit gedrückten Forte Pedal vor den Saiten gestellt. Diese wurden in den entsprechenden Frequenzen der gespielten Töne angeregt zu schwingen – das war quasi der temperierte Hall. Das Lautstärkenverhältnis von Minimoog und dessen Hall konnte man nur analog durch testendes zurechtrücken der Abstände von Lautsprecherbox, Klavier und Mikrofon und mit Einsatz von dämpfenden Kissen regeln. Von wegen nur ein paar Knöpfchen drücken und speichern.<<

Und das Olafur Eliassons Mannschaft steuert einen nicht weniger winterlichen bzw. spacigen Naturklang bei:

Pferd aus Glas

Februar 17, 2020

Verregneter Montag, nichts zu tun, denn der meiner Luft-Hihat (ein ins leise Nichts weiter bewegter Stock-Puls, der letztlich fast immer auf dem Oberschenkel landet) geschuldete blaue Fleck verblasst ja von alleine.
Zeit, um Zeitung zu lesen, übers Netz zu fliegen und die passende Begleitmusik zu kompilieren.

Nice Reso-Head-Muffling im 80er Steve Gadd Style:

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Die tolle Trommlerin Linda-Philomème Tsoungui schrieb mir vor ein paar Monaten: >>Der Tonmann von Cro hat mich letztens die weibliche Oli Rubow genannt. Hat mich bisschen geehrt.<< Heute fühle ich mich gebauchpinselt, als #philo.tsounui markiert zu sein – und zack 20 Jahre jünger…

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Mark Guiliana hatte nach der Bag-Show bestimmt auch Farbe auf’m Bein…

Hey, eins a Visualierung von Steve Snodgrass – sollte ich direkt für meine Drum Basics nachmalen:

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Hi, I am Clint

Februar 16, 2020

Dafür, dass ich mich am Mittwoch Mittag eigentlich mental in gemütliche Semesterferien geschickt hatte, entwickelte sich die Woche dann doch ziemlich intensiv.
Zunächst ein grandios locker aufspielender Kendrick Scott (mit zwei top genieteten Hihat Pärchen und Fuß-Schnarre links von der Hihat) in Stuttgart, dann auf der Heimreise Philos Anruf, ob ich zufällig kurzfristig bei Fatoni einspringen könnte…
Wiedermal* das einzigartige Gefühlskarussell bei dem der Zeitfaktor – schaffe ich das alles? – tunlichst ausgeblendet bzw. in tunnelartigen Aktionismus transformiert werden muss. Sprich: Live-Mitschnitte und Originals checken, Beats transkribieren, Technik zum Laufen bringen, die angedachte Spiellogistik dann möglichst noch ausprobieren.
Und dann das Nötigste in den Koffer und ab in den Zug nach Augsburg…

Dort optimaler Empfang zum anstehenden Brecht-Festival: Ein wunderbares Fatoni Team, eine architektonisch reizvolle Umgebung (Brutalismus-Kongresshalle und ein entfernt an Burj Khalifa erinnernder Hotelturm), sowie ein stimulierendes Notwist Set (mit dem tollen Andi Haberl) vor dem eigentlichen Gig.
Dank Powernap, Wechselduschen und rohen Ingwerscheiben war die Konzentration zur rechten Zeit parat. Dank bunt markierten Sheets (sowie einer hilfreichen IKEA Leselampe aus dem Merchandise Fundus), buntmarkierten Rechner Shortcuts für die Ableton Session, sowie Erinnerungsaufklebern auf dem SPD-SX, gab es einen konkreten Fahrplan, der es ermöglichte die geschmackvollen Dexter-Beatvorlagen mit Spaß zu trommeln.
Anbrennen konnte eh nichts, denn ich hatte den 15ten Nothelfer auf dem Drumriser, einen Reisebegleiter von Levi, der das Wesentliche aufgemalt hatte:
1. Schlagzeugspielen ist eindeutig eine Herzensangelegenheit – richtig oder falsch ist allenfalls zweitrangig. Also: Liebe, Groove und Energie fürs Publikum.
(ist machbar)
2. Man vergleicht eine solche Aktion gerne mit einem Feuerwehreinsatz, aber hey, auf dem Bild wurde ich treffend als Oli mit Astronautenhelm skizziert, als jemand, der sich raketenartig in andere Sphären katapultieren darf und von dort eine tolle Aussicht auf die Musikwelt, ach: das schöne Leben an sich, genießen darf.
(toll!)
3. „Hi, I am Oli“. Nicht mehr nicht weniger. Plötzliche Wunder zu vollbringen ist nicht drin, das beste aus einer Situation zu machen jedoch immer.
Sprich, potentielle spieltechnische Überforderungen werden einfach eigenmächtig ausgeklammert und durch persönliche Alternativen ersetzt. Nimmt druck raus und vermeidet die Frustspirale des eingetroffenen (und eigentlich auch schon erwarteten) Fehlers…
(geschickt)
4. Musik machen ist das Beste auf der Welt, die Liebe zum kleinen Familienmitglied: überirdisch!

Schließlich; riesen Freude, dass alles geklappt hat und wohlige Erschöpfung.
Oder um es mit Fatonis Worten zu sagen:
Lassen Sie mich Künstler ich bin durch.

Oder um es mit dem schönen Albumcover des anderen Revolverhelden Klaus Voormann zu illustrieren:
Voller Kopf, jetzt wieder frei.

Fatoni_Klaus-Voormann_Andorra

* u.a. Mein schönstes Ferienerlebnis (Cro) – Keine Notenständer mehr (Jazzanova) – Kopfarbeit, die gute (Matthias Schweighöfer) – Freundeskreise (Freundeskreis) – On (Nils Wülker)

der intuitive Moment des gemeinsamen Fill-Ins

Februar 12, 2020

Mit schönen Erinnerungen an eine gute Energie in Wuhan, schicke ich eine ebensolche einfach mal dorthin zurück.
Gerade, wenn man schon viel und intensiv miteinander gespielt hat, seine Partner bestens kennt und die ein oder andere musikalische Aktion antizipieren kann, ist es immer wieder erfrischend, wenn man selbst oder der andere, bzw. wie im folgenden Fall gar beide zur selben Zeit (hier bei 5.03′), gewohnte Muster verlässt:

rühr‘ die Kaffetrommel

Februar 12, 2020

IMG_4239Heute ist Schlagzeugertag: Kendrick Scott tritt im Stuttgarter Bix auf, Yussef Dayes veröffentlicht sein Duo-Album mit Tom Misch „Kinda Music“ und der erste meiner Hochschüler macht gleich seinen Abschluß.
Ich sag mal „viel Spaß“ und muss eigentlich nur noch geschwind überlegen, mit wieviel Kaffeepulver ich mich dafür einstellen möchte.
7, 14 oder 16 Gramm? Siebträger oder Aeropress?

Lauflichter

Februar 10, 2020

Die Kraftwerk Mini-Referenz in den Simpsons (28. April 1996) finde ich vom Text her ähnlich schön wie das Sesamstraßen-Outro im Fanta4 Track „Jetzt geht’s ab“ (1991): >>Ja, Bert, wenn ich diese Glocke bewege, dann läutet sie, ja. Aber es könnte doch auch sein, dass ein Monster erscheint und auf der Flöte spielt.<<

>>Ja, ja, ja – bitte beeilen Sie sich mit diesem ganzen Kunstmist. ich möchte nur gern rechtzeitig zurück in Stuttgart sein, um mir die Gruppe Kraftwerk anzuhören.<<

Aber jetzt zum Wesentlichen, den neuen programmierbaren Lauflichtern des „Temporären Elektronischen Salongs„:
Eigentlich sind wir ja auf der Suche nach einem Lampen-basierten Cue-System – bei dem jeder Spieler seine persönliche Leuchte anschalten/triggern kann, um die Aufmerksamkeit der Mitmusiker auf seinen Vorschlag zur weiteren Gestaltung zu lenken – dass bei der Suche nun erst einmal elektronische Namenschilder im Kraftwerk Stil gefunden wurden, ist aber auch nicht schlecht.

Ultimate History of Tape Echo

Februar 9, 2020

Energiezustände

Februar 8, 2020

Schau Dir mal die großartigen Schlagzeugsoli von Helge Norbakken und Benny Greb an, jedes für sich ein Schulterschluss von Druck, Dynamik und Finesse.
Dabei spannend: Der eine Rhythmusmacher tippt die Kickdrum bisweilen nur mit den Fingern an, der andere trommelt die Akzente mit vollem Körpereinsatz, kurz vor der Instrument bedingten Überkompression.
Beide Darbietungen setzen eine ähnliche Energie frei, denn sie erreichen unser Ohr letztlich dank einer bewußten Mikrofonie. Wow!

Weil aktuell erlebt, jetzt noch zwei persönliche Nebenschauplätze:
Ist der eigenen Energiefüllstand etwas niedrig, kann es durchaus passieren, dass die Konzentration (die selbstverständlich für’s abendliche Konzert reserviert wird) an anderer Stelle leidet und man ohne Hardware Tasche zum Gig fährt… na gut, dann halt noch zweimal durch den Feierabendverkehr der Großstadt zuckeln und Atem-Übungen machen oder Atmung mit Mouthpercussion verbinden (zack, sind wir wieder bei Norbakken).
Schließlich war das Carrera-Trio alles andere als überprobt und konnte einen wunderbaren Energiebogen spannen…

Gestern dann noch eine Art Impulserhaltungssatz: Um den Ableton-Rechner bzw. die Effekte des Trompeters Thomas Siffling zu steuern, mich selbst zudem mit einem Clicktrack zu versorgen, suchte ich während der Zugfahrt nach einer Metronom-App die andere Geräte mit dem „Link“ Protokoll synchronisieren kann.
Das „Beatball Metronome“ hat die Aufgabe ohne zu zicken auf Anhieb bewältigt!