HBY

November 24, 2021

Hey, 40 Jahre alte Rockmusik mit Charme, bei der sich Charlie Watts „Hihat Lifts“ gut beobachten lassen:

Ich könnte ebenfalls vor Freude heulen, weil vor 14 Jahren mit L. mein absolutes Highlight in unser Leben zog 🙂

umsichtig durch den Tour-Herbst navigieren

November 22, 2021

Drei hilfreiche Erkenntnisse während der zwei wöchigen November-Tournee.


1. Greift die Fußmaschine nicht so richtig oder willst Du Deinen Basstrommelspannreifen schonen, hilft auf die Schnelle die VicFirth Pappummantelung (quasi nachhaltiges Weiterverwerten). The Perfect Pair!


2. Nach längeren Bahnfahrten und unangenehm umgeklappten Ohren, habe ich nun die helfend Hand meines HD25 Kopfhörers entdeckt.


3. Ich fand es gleichermaßen wohltuend und begeisternd, aber auch etwas verwirrend, vor vollem Haus aufzutreten (wo Politik und Medien doch laut eine entgegengesetzte Sprache sprechen). Vermutlich würde mich ein 2G plus Konzept für Innenräume noch einen Ticken besser fühlen lassen, aber das liegt nicht in meiner Hand. Dafür aber die zeitnahe dritte Impfung (die ich vorgestern tatsächlich direkt nach meiner Ankunft in F spätabends, spontan, zügig und völlig unkompliziert erledigen konnte).
Ich bin weder Arzt noch Forscher noch Fachmann, deswegen möchte ich auf die gute alte Mathematik hinweisen, die mir in der momentanen Situation (neben dem Bauchgefühl) bei der Orientierung hilft:
Vermutlich finden sich für jegliche Argumentationslinien und Pandemie-Entscheidung gut klingenden, stringent wirkende Belege. Da wir uns jedoch zunehmend in Filterblasen bewegen (Algorhitmen), ist es sehr schwer die Tragkraft der gefunden Argumente abschätzen zu können. Insofern muss einfach tiefer bzw. zahlenbasierter recherchiert werden: wieviele Fachleute vertreten die eine Meinung, wieviele die andere (Empirie, Stochastik, Prozentrechnung).
In puncto dritter Impfung verhält es sich für mich ähnlich wie mit der Zielführung eines Navigationssystems – sprich, wenn ich mich zu Beginn einer Reise dafür entschieden habe, dann vertraue ich diesem Ansatz eigentlich vom Start bis zum Ziel (Logik). So habe ich jedenfalls die dritte Runde erledigt und kann etwas befreiter nach Georgien weiterreisen…

Bilder als Stimulus

November 18, 2021

Auf der Setliste des Nils Wülker Konzerts steht jeden Abend auch ein freies Drum Solo. Eine Ausdrucksform, der ich eher selten nachgehe oder übenderweise Beachtung schenke. Um so spannender also, welche kurzfristige Eingebung mich dann abends eine Geschichte entwickeln lässt. Zumal die Prämisse lautet, jedesmal etwas Frisches zu trommeln.
Natürlich werden gut funktionierende Tools öfter verwendet, aber die Auswahl und Schichtung der Elemente passiert spontan und intuitiv.
Mein Vorbild für die verbleibenden Shows in Hamburg und Berlin wird die großartige „Totems“ Serie des französischen Fotografen Alain Delorme sein, die Challenge: eine weiterer Layer geht noch!

Hier das Solo aus dem Kassler Theaterstübchen (zweiter Tourtag):

Mein Tourkit umfasst: Tama Fat Spruce (20″ Kick, 14″ Floortom, 14″ Snare + BFSD), Meinl Byzance Cymbals (14″ Jazz Hats, 18″ Deep Hats als Ride und Crash, 20″ Club Ride), Meinl Percussion (Alu Jinglestick, Luis Conte Shaker, Caxixi), Roland SPD:One Electro, Boss Re-20 Delay plus Boss PH-3 Phaser, Sommercable (Verkabelung mit Flaggen-Eselsbrücke, heute: Litauen 🇱🇹):

Blink? Wink!

November 14, 2021

Ich lese gerade ein spannendes Buch – Tipp von Arne – Malcom Gladwells „Blink! Die Macht des Moments“ (Piper 2007).
Es widmet sich der Intuition, dem Bauchgefühl und versucht dem Leser anschaulich das adaptive Unbewusste zu erklären.

Gestern hatte ich mein Drumset gemütlich und gewissenhaft aufgebaut (eh klar, für ne Fernsehaufzeichnung schaut man besser nochmals nach, ob alle Schrauben gut zugedreht sind), Soundcheck gemacht – alles gut. Dennoch habe ich anschließend den hinteren Bühnenbereich nach einer zweiten Fußmaschine gescannt, tatsächlich hinter Bergen von Cases auch eine gefunden und diese sichtbar in den Gang gestellt – einfach so und ohne wirklichen Grund, denn ich habe ein relativ neues, smooth laufendes Tama HP50 Classic Pedal an der Kick. Dass man bei diesem Pedal den Filzkopf wechseln kann, da er einfach von einer schraubbaren Mutter gehalten wird, wusste ich nicht, dass sich auch diese Schraube im Laufe der Touren (und Busgerüttel) selbstständig lösen kann wusste ich ebenfalls nicht, habe es dafür im fünften Stück des Abends erfahren, als sich der Klöppel mitten im energetischen Gitarrensolo verabschiedete. Ich kickte den bloßen Metallstab selbstverständlich weiter gegen die Basstrommel – funktioniert sogar hörbar – und begann um Hilfe zu winken – wusste ja, dass es Ersatz gab 🙂

PS. jede Bassdrum (Geschichte) hat zwei Seiten. Für den makellosen Gegenpart steht das neue Frontfell mit dem GO Motiv des aktuellen Wülker Albums, das mir Volker Träuptmann (Drumsigns) expresshaft und punktgenau nach Leverkusen geliefert hat.

PPS. der Gig war dennoch toll, Kenny Garrett im Anschluß und mit Tama Kollege Ronald Bruner Jr. ebenso!
Lässt sich bestimmt irgendwo auf WDR nachsehen.

PPPS. heute Offday, daheim  🤙

Bus, Begeisterung, Bett

November 13, 2021

Die Tourtage sind lang, meist ähnlich (gemäß der oben genannten 3 B) strukturiert. Viel Gemeinschaft und immer wieder schöne kleine Überraschungen:
Wie beispielsweise die die zufällige Nachtlektüre, die mir die Hotelbibliothek zuspielt. Rilke in Worpswede, Herrndorf in Hannover.

Oder Albins Tech Talk Tipps: X-O Sample-Regal in Milchstraßen-Optik, Samples from Mars, Softube Curve Bender, sowie der Pawnshop Fund (HD25 für 39€) und der Musikbrunnen (wo es noch alte Tama Superstar Trommeln neu zu kaufen gibt!)

Jetzt läuft Miles‘ „Human Nature“ (vom Around the World Album) zur Einstimmung auf die heutigen Leverkusener Jazztage (im Doppelpack mit Kenny Garrett). So lässt’s sich tippen:

>>Und da lagen nun vor den jungen Leuten, die gekommen waren, um sich zu finden, die vielen Rätsel dieses Landes. Die Birkenbäume, die Moorhütten, die Heideflächen, die Menschen, die Abende und die Tage, von denen nicht zwei einander gleich sind, und in denen auch nicht zwei Stunden sind, die man verwechseln könnte.
Und da gingen sie nun daran, diese Rätsel zu lieben.<<
Rainer Maria Rilke, 1902

>>Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt. Der Hausmeister hat in den Ferien die Schlösser an der Halle ausgetauscht, und ein Dutzend 70-Jähriger steigt hinten über den Zaun und marschiert und marschiert durch den halbmetertiefen Schnee auf dem Sportplatz zum Hintereingang, um mit der Begeisterung (und teilweise auch den Fähigkeiten) von Fünfjährigen eine Stunde zu kicken. So hatte ich mir mein Alter auch immer vorgestellt.<<
Wolfgang Herrndorf 27.12.2010

Eis im November

November 4, 2021

hey, danke HH ❤️ war mal wieder ne tolle Tour! Die geht – dank Deines am 12.11.21 erscheinenden Sundae Albums – glücklicherweise einfach weiter (zumindest auf den individuellen Abspielgeräten), so dass ich mich in neue Abenteuer stürzen kann.

05.11.21 DePhazz Erding 
07.11.21 Nils Wülker Reutlingen, franz.K 
08.11.21 Nils Wülker Kassel, Theaterstübchen 
09.11.21 Nils Wülker Freiburg, Jazzhaus 
10.11.21 Nils Wülker Osnabrück, Lagerhalle 
11.11.21 Nils Wülker Worpswede, Music Hall 
12.11.21 Nils Wülker Hannover, Pavillon 
13.11.21 Nils Wülker Leverkusen, Jazztage 
15.11.21 Nils Wülker München, Muffat Halle 
16.11.21 Nils Wülker Darmstadt, Centralstation 
17.11.21 Nils Wülker Oldenburg, Kulturetage 
18.11.21 Nils Wülker Hamburg, Stage 
19.11.21 Nils Wülker Berlin, Quasimodo
27.11.21 DePhazz & Tbilisi Symphony Orchestra GE-Tiflis

Mein Pedalboard läuft schon.
Es wurde aufgehübscht, wie man sieht, und trägt jetzt noch den tap tempo-baren Boss PH-3 Phaser Shifter – in Frontfellfarbe! Aber auch einen eine Corona AHA Erinnerung, so dass ich frohgemut und bestens gewappnet das Haus verlassen kann…

trommelnde Vögel

November 4, 2021

>>Mich interessiert vor allem, wie ich mich weiterentwickle. Ich übe schon mein ganzes Leben lang Trommelwirbel. Die einzigen, die es wirklich können, sind die Spechte, die ich im Wald höre. Die spielen die schönsten Wirbel und das macht mich verrückt, weil ich seit sechzig Jahren diese Wirbel übe und die verdammten Spechte üben überhaupt nicht dafür – und dann kommen sie und wirbeln wieder.<<

Han Bennink im taz Interview. Dazu höre ich die 74er Solo Platte:

Um die Ecke – in der nmz November 2021 – erklärt Moritz Eggert passenderweise, wie man eigentlich neue Musik hört.

OK. Jetzt kanns weitergehen, mit Han Bennik und Misha Mengelberg. Wow, Attitude & mächtig viel Energie!
Notiz an mich selbst: bei der nächsten Performance möchte ich Mishas Brilleneinlage kopieren!

Ab Minute 8.00′ gibt’s auch beim ICP Duo Spechte. Und die Kastagnetten, die Benning im taz Interview erwähnt und bald selbst im Mund tragen wird…

Last but not least, der Link zum Cheese Kit.

Jim Pratt Bassdrum Muffler

Oktober 27, 2021

Mark Guiliana postet das Innenleben seiner Gretsch Broadkaster Kick. Und Jim Pratts Idee des flexiblen Basstrommeldämpfers – dieser sich ans Fell anschmiegbare Filzstreifen – jagt mir einen wohligen Schauer über den Rücken:

Klaro, wir kennen die zuschaltbaren Innendämpfer vor allem aus älteren Snares und Toms. Ebenso die Idee des externen, anschraubbaren/anclipbaren Außendämpfers.
Beide Varianten gab es früher aber auch für die Kick Drum (siehe Leedy, Slingerland oder Gary Chaffees Doppel-Teil) und mit Dave Weckls Remo-Variante ist sogar ein ambitioniertes Add-On nach wie vor auf dem Markt.
Doch die Jimmy Pratt Version ist die einzige mir bekannte Version bei der nicht nur ein oder zwei Dämpfpunkte, sondern ein kompletten Filzstreifen angelegt werden kann (eine Technik die sich traditionell nur durch Einklemmen des Materials zwischen Kesselgratung und Fellkrempe anwenden lässt). OK, die Evans EMAD Felle gehen in diese Richtung.
Wenn sich das Pratt System jetzt noch mit der Tama One-Touch-Control verknüpfen ließe, um Song- oder gar Part-weise zwischen einem boomy und einem trockenen Kicksound zu wechseln… hach, das wäre ein Traum 🙂

so good

Oktober 22, 2021

Durch Zufall entdeckt (weil die „So Good“ Choreo meinem Patenkind gut gefällt): wenn der eigentliche „Imagination“ Drummer Errol Kennedy in der ersten Reihe performen muss, ersetzt ihn… der junge Mel Gaynor (Live At Dominion Theatre, London 1982):

Durchgängig gibt’s zudem eine top Optik zu bestaunen, vom Kostüm, über die ausgecheckten Moves hin zum Simmons-Hybrid-Kit (mit echten Becken, echter Snare). Ein aktuelles passendes Kunstwerk hätte ich auch schon entdeckt, nämlich die bessere Basketballhälfte von Johannes Ehemann:


Algorithmen und das Kidney Drum

Oktober 14, 2021

Esse den ersten Lebkuchen und freue mich ein bisschen, dass die Algorithmen heuer doch noch nicht ständig ins Schwarze treffen!

Gestern ließ ich mich im Freiburger Drumhouse von Fritz Stegers Wissen und seinen Geschichten verwöhnen. Dass ich dann heute über die exotische Deri (pre Rimmel) Nierentrommel, jenes frühe Karl-Heinz Stockhausen Signature-Objekt für dessen Werk „Momente“ stolpern würde, hätte nicht passender komponiert werden können:

Auf dem Kalbsfell der „Kidney Drum“ lassen sich übrigens im Umfang von 1½ Oktaven alle Tonhöhen erzeugen, ein exklusives, trommelbares Glissando anno 1965 – ganz ohne Fußbeteiligung! (Heute gibt’s dank Kohlberg ein Ersatztrommel für die Aufführungen, leider ’ne runde Sache…)
Schließlich habe ich noch ein frühes, leichtes Superstar (mit Verstärkungsringen) eingepackt.
PS. seit der Rückfahrt habe ich’s schwarz auf weiß: ich bin nicht nur Schlagzeuger, sondern ein ganzer Musikverein!