Sweet Spot

März 26, 2020

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Der Sweet Spot trägt einen schönen Namen und muss oftmals aktiv gefunden werden, ob beim Hören, ob im Proberaum in Bezug auf die Mikroposition (dabei hilft die Lektüre von Moses Schneiders Handbüchlein), bei den Trommeln in puncto Stimmung & Dämpfung, selbst in der DAW deines Rechners (-18db FS, auf dass die PlugIns optimal …).
Aber während der Corona-Problematik braucht’s einfach einen empathischen Hausmeister!

Amen in the Kitchen!

März 25, 2020

Dank Dirk Erchingers großartigen FB-Aufrufen (Wilcoxon Nr. 3, Funky Drummer), gemeinsam am frühen Abend verschiedene Meilensteine der Schlagzeugliteratur ins Umland zu trommeln, stand dieser schöne Dienstag ganz unter dem Motto „Amen Break„:
Mal wieder eintauchen in die Idee der Breakbeats, sich an der Kraft des Loops erfreuen und über die ewige Autorenschaft-Diskussion nachdenken, wenn’s ums Sampeln und Weiterverwerten von Vorhandenem geht. Das Vermächtnis der DJ-Kultur hochloben, aber auch an der eigener Strategie feilen: Ist doch eigentlich großartig, etwas nachspielen, die Aufnahme mit kopierten Techniken zuschneiden, um damit die eigene Kreativität anzufachen, schließlich in der Endsumme was ganz eigenes  zusammen zu brauen!

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Und da Video-Challenge, ist doch zusätzlich eine erste Online-Lesson dabei herausgekommen. (Teil der Zukunft???…)
Anyway – so sieht’s aus:

Teil 1 KNOW THE HISTORY
‚Ne geile Rhythmuspassage entdecken, in die Schleife packen, ggf. schneller (und höher) abspielen…
Teil 2 DIY
Der Anzünder unseres Gasherdes hängt dauerhaft bei ca. 100bpm, sprich, das ist die optimale Hihat. Jetzt etwas Risotto-Reis für Kick und Snare. Das legendär versetzte Coleman-Crash entsteht durch Umschütten… Show & Gimmicks, eh immer gut!
Teil 3 ZOCKEN
Dank des eleganten Loops wahnsinnig viel Geld verdienen oder einfach Freude beim Dazuspielen entwickeln. In puncto „Amen Break“ passt die Tischtennisausrüstung hervorragend, wenn man an die schnellen Drum’n Bass Rolls und Buzzes denkt. Lineal ginge dafür auch, das nächstes mal dann… Aber dafür wurde ja noch der Clap Cowboy gefeatured.

Nach der Vorbereitungsphase ging’s direkt auf den Schulhof, warmspielen für die Sendung um 18.30 Uhr. Wo sich der „LIVE“ Knopf im Facebook befindet weiß ich zwar immer noch nicht, aber irgendeine Videofunktion hatte ich dann doch gefunden. Und meine Spiellust war groß!

PS. Fenster auf tut gut, Tischtennis auch, Rhythmen in die Welt posaunen, immer immer immer gern, aber gemeinsame Videoaufnahmen im Camping-Kiosk sind auch nicht schlecht…

 

Like a thief in the Night

März 24, 2020

Manu Dibango ist im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Paris an den Folgen der Infektion mit dem Coronavirus verstorben.
Heute Abend (siehe unten) lege ich Mike Longos „Like a thief in the Night“ – auch ihn hatte der Virus tödlich getroffen – und zwei „Soul Makossa“ Versionen auf: Die von Moodymann gepostete, mit den Fania All Stars und jene, die mich schon durchs Auflisten ihres Line-Ups überzeugt: mit Bootsy Collins, Robbie Shakespeare (Bass), Sly Dunbar (Simmons), Herbie Hancock (Piano), D.St. (Turntables) und Bill Laswell (Produzent).
Jetzt erklingen „Electric Africa“ (wegen Hancock), „Afrovision“ (wegen der Cover Fotos) und „Gone Clear“ (wegen Jamaika & Dunbars E-Drum-Fills):

 

>>Manchmal, wenn du zehn große uckermärkische Eier aus der Box nimmst und zwei Euro oder auch mal zwei zwanzig dalässt, hörst du im Innenhof die Hühner gackern. Kaufst Du nachts, hörst du im Haus Musik. Heute ist das so. Heute Nacht spielt bei Ditzsche Musik, und hinter den Gardinen bewegen sich Schemen und wischen Sohlen über Dielen.<<
Saša Stanišić „Vor dem Fest“ (Seite 175)

Geht auch ohne unangenehme Todesmeldung: einfach den Nachnamen austauschen und loslegen…

Seemann im Stadion

März 23, 2020

Heute habe ich noch nicht viel hinbekommen: zwar Levis zusammengebrochenes Bett repariert, aber mich beim anschließenden Probeliegen verrenkt…
Seitdem höre ich mit schiefem Kopf obskure holländische Jazz-Funk Alben und denke darüber nach, dass ich analog zur Idee der hochzuladenden Ausmalbilder, Beats, die zu Songs weitergestaltet werden könnten, ins Rennen schicke möchte.

Ganz im Sinne von Sportreporter Robby Hunkeeinfach mal auf die Straße schauen -nehme ich dann doch das Longboard von der Wand, um die frischgeteerte und menschenleere Straße zweimal herunter zu rollen. Auch wenn mein Freund Hellmut im FB sinnvoll reimt:
>>So wie der Seemann wirft den Blick hinaus aufs off’ne Meer, so wirf auch Du den deinen im Zimmer hin und her!<<

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nichts, was sich nicht zum Positiven entwickeln ließe

März 22, 2020

Wenn ich am Fenster stehe und Menschen in Decken gewickelt auf dem Balkon liegen sehe, bekomme ich Lust, erneut den Zauberberg zu lesen. Da aber auch mein Lieblingsautor Heinrich Steinfest einen Gastbeitrag für die Kontext-Wochenzeitung geschrieben hat, beginne ich erstmal umfangsreduziert:

>>Möglicherweise ist das die richtige Zeit, um wieder Trost und Rat bei den großen Philosophen und Philosophinnen zu holen, so unterschiedlich und widersprüchlich die als Gemeinschaft und oft auch in sich selbst sind. Aber dennoch schaffen sie ein Bewusstsein, das uns zu der eigentlichen Frage nach dem Warum zurückführt. Vielleicht hat es eben doch einen Sinn, unser Leben, vielleicht kümmert es das Universum eben doch, was wir tun und was wir unterlassen und wie wir aus einer Krise hervorgehen: gescheiter, dümmer, gleichgültiger oder leidenschaftlicher, das Leben feiernd und die Umwelt achtend. Verliebt in das Dasein. Großmütig. Klar, wir werden uns nie ganz von der Angst um Klopapierknappheit befreien können, das nicht, das ist wohl unsere Natur, aber nichts, was sich nicht zum Positiven entwickeln ließe. Der einzige Grund, wieso wir ja überhaupt auf der Welt sind, ist es, die Dinge zu verbessern. Egal, wie oft wir dabei scheitern. Ein Auftrag ist ein Auftrag. Göttlich oder nicht.<<

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Edward Hopper „Cap Cod Morning“ (1950)

Spaghettieis?

März 21, 2020

Habe jetzt im Hauszelt mein Besenkammerstudio reaktiviert, frische Pazifikluft strömt aus dem Rechnerlautsprecher*.
Dort übe ich nun mit der tap-baren 34one Midiclock, mich zu jeglicher Musik on-the-fly synchronisieren zu können.

Ich beginne mit der Acidlab-Bassline, meinem neuen Alexander Pedal (Sky5000) und einem alten Whammy-II. Die Stimmen-Samples kommen aus einem anderen Zimmer, letztlich vom Podcast des Robert Koch Instituts, das vermeintliche Vinylknistern aus der Luft.
Wer den am Ende zumischten Track als erste/r erkennt, bekommt bei Zeiten ein Spaghettieis von mir 🙂

*dieser Tipp kommt aus dem IG Feed vom Rush Hour Store aus Amsterdam

PS. Das gemischtes Eis mit Sahne unter den Effektgeräten ist für mich der EHX Echoflanger von Adrian Belew, schicker kann man seine persönlichen Prestes kaum markieren!

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die dunkleren Momente

März 20, 2020

Nicht alles glänzt innerhalb unseres Fake-Idylls, da kommen natürlich auch dunklere Momente vor.
»Meine Mu wiegt doppelt so viel wie mein Pa. Sie wiegt 130 Kilo. Im Frühling kommen 30 Kilo schwere Gedanken dazu (Sorgen, Ängste, Scham, generelle Lustlosigkeit). Dann legt sich meine 160-Kilo-Mu in die Narzissen im Garten, weil im Liegen die dunklen Wolken circa hundertsechzig Zentimeter weiter weg sind. Ihre Augen sind zu, wir sollen sie in Ruhe lassen. Da kann man nichts machen, als Ehemann, als Sohn, als Narzisse nicht. Wir kriegen 160-Kilo-Mu nicht auf die Beine, wenn sie das nicht will, wir kriegen sie nicht froh, wenn sie das nicht sein kann. Wird es am Abend kälter, decken wir sie zu. Sitzen bei ihr. Es ist eigentlich fast schön, die Familie macht was zusammen. Pa schraubt an irgendwas herum, ich bereite mich für das nächste Rollenspiel-Treffen vor (bin ein diebischer Halbelf, der gut fechten und flüchten kann). Demografisch gesehen sollten meine Hobbys Ego-Shooter und rechtes Gedankengut sein. Beides ist aber gar nicht so geil. Manchmal leg ich mich zu Mu. Lese ihr alte Geschichten aus der Gegend vor, die mag sie gern. Am liebsten ist ihr die von Joachim, dem unsichtbaren Kesselflicker. Mu macht den Mund schief. Lächelt vielleicht.«
Saša StanišićVor dem Fest“ (Seite 130)

… und dennoch…

»Ihr Depri-Frühling hat dieses Jahr bis zum 1. Mai gedauert. Der Erste war ein richtig warmer Tag. Mu ist aufgestanden und hat Rote Beete mit Spiegeleiern zum Frühstück gemacht, da war schon klar, dass es ihr besser geht. Dann hat sie sich in den Garten auf den Bauch gelegt und hat so mit den Armen gerudert, schwitzend wie ein Eisberg, Grasflecken von oben bis unten. Ich: Mu, was machst du da? Mu: Ich lern schwimmen. Nach einer Stunde läuft sie auf die Straße, kurvt zur Promenade, immer schneller, Sebastian Vettel in dick, läuft auf den Steg beim Fährhaus, klatscht den Fährmann ab und springt in den See rein, eine Arschbombe, die Landschaften formt. Pa und ich hinterher, besorgt. Natürlich besorgt. Mu war aber froh. Mi ist geschwommen. Gar nicht kalt, kommt schon ihr Feiglinge. Der Fährmann ist rein. Mu und der Fährmann schwimmen um die Wette, Mu lässt ihn gewinnen. Vielleicht konnte sie immer schon schwimmen, Pa wusste es nicht. Vielleicht hat sie es an dem Tag im Garten gelernt. Meine Mu ist jedenfalls nicht untergegangen. ‚Woo-Hoo!‘, hat meine Mu gerufen.
Saša Stanišić „Vor dem Fest“ (Seite 134f)

Manchmal werde ich gefragt, warum ich oft das Passende direkt zur Hand habe.
Es ist immer Zufall. Ich nehme die Sachen so wie sie kommen.

Dann: Kontext finden, weiterverwerten.
Deswegen hänge ich direkt die Wasserbomben-Übersicht dran.
Die nächste Badegelegenheit kommt bestimmt!

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hey, wir spielen Alltag!

März 19, 2020

Es beginnt mit einem Dreh, der Annahme es seien Ferien, die wir diesmal ganz unkonventionell unter das Motto „Alltag“ stellen.
Sprich, wir bleiben zuhause, stehen morgens auf und spielen Schule bzw. Homeoffice – zwar im Schlafanzug, dafür aber so richtig mit Aufgaben und Großer Pause.
Ich betreibe den Kiosk, der neben leckeren Snacks manchmal sogar Musik serviert.

Der Nachmittags wird schon urlaubsmäßiger. Wir gehen an die Luft, spielen unbeobachtet Tischtennis oder „Gangster auf der Flucht“, meiden deswegen den Kontakt zu anderen Menschen, checken Verstecke und einsame Ecken (klar, wollen ja auf keinen Fall geschnappt werden). Oft kicken wir aber auch mit der Klopapierrolle in der Wohnung oder machen Hausmusik am offenen Fenster. Dass dafür so manche Strategie scrollender- und zockenenderweise auf dem Handy erlernt werden muss, liegt auf der Hand. Geht aber in Ordnung.
Abends dann ganz klar Ferien-Modus: Ich wieder im Kiosk hinterm Gasherd, die Familie findet sich im Hotspot des Indoor-Campingplatzes ein: Essen, spielen, ganz gemütlich. Im Idealfall anschliessend früh ins Bett – der eigentliche Luxus des Urlaubs. Rein in den Schlafsack, lesen (z.B. das optimistische Gedankenspiel von Matthias Horx) oder Kopfhörer-Kosmos. Wegdämmern, Kopfkino. Dann Gewissheit: auch der nächste Tag wird bestimmt wieder schön!
Hey, und wie angenehm, dass niemand anruft und fragt, ob ich nicht zufällig übermorgen… als stünde ein deutlich geblockter Ferien-Zeitraum im Onlinekalender 😉

PS. Postkarte folgt. Vielleicht die abfotografierte Buchseite 17 aus Tristan Garcias „Das intensive Leben“?

 

The Pill

März 18, 2020

Ich lese immer wieder, wie schön & wichtig es ist, in Zeiten der Kreise Kontakt mit seinen Freunden zu halten.
Gesagt, getan – gleich mal mit Markus telefoniert; selbstverständlich über Corona gesprochen, selbstredend auch über Musik. Und dann kam sein Pedal-Tipp „The Pill„, einem eins a Sidechain-Treter:

Der Name des Geräts passt ja zudem gut zur gegenwärtigen Situation, ein einfaches Heilmittel wäre ja wundervoll.
Das reine Musikhören kann aber auch wohltuend sein, selbst wenn es eine „bittere Pille“ ist: Hier lief jedenfalls Meshell Ndegeocellos „Bitter“ Album heute mehrfach im Kreis.

der Krise den Beigeschmack nehmen

März 17, 2020

>>Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.<<

Mit dem optimistischen Max Frisch Zitat möchte ich meinerseits eine Einladung aussprechen:
Ich glaube ja, dass neben all den Virus-relevanten Aktionen (sich Informieren, seinen Alltag und die Gewohnheiten anpassen, sich um Freunde und Verwandte kümmern) auch stimulierende intellektuelle und schöpferische Gegenpole wichtig sind.
Wer also einer programmierten oder elektronischen Beatästhetik etwas abgewinnen kann, wer sich für zeitgemäßes oder gar futuristisches Groove-Design interessiert, wer einfach offen ist für neue Inspiration, der kann hier im e-beats.net Blog kräftig stöbern und bestimmt einiges zum Weitereisen entdecken.
Dazu einfach mal den persönlichen Bedarf mittels Schlagwort ins Such-Rechteck („search this site“) oben rechts eingeben oder die „Categories“ durchforsten, anschliessend hoffentlich mit hilfreichen Artikeln versorgt werden.

Bei Fragen kannst Du Dich auch direkt per Mail an mich wenden.

Wer sich gleich praktisch hinters Set setzen möchte, dem empfehle ich meine thedrumsounds.de Klangbibliothek, um z.B. damit das bestehende Repertoire mal neu zu orchestrieren.

Und wer lieber erstmal nur Neues hören möchte, kann sich in meinem Spotify Container bedienen, mit dem ich Weiterverfolgungswürdiges sammle.

Ich wünsche: Alles Gute 🙂

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