Eure Kinder

Juli 3, 2021

Dieser wohl bekannte, dennoch immer wieder beeindruckende Ausschnitt aus Khalil Gibrans „Der Prophet“ (1923) lässt sich gut auch auf Schüler, Studierende, Wissbegierige anwenden:

>>Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.<<


Eine Nacht in Cairo

Juli 3, 2021

Soundtrack zur Steuererklärung…
1. Stimulator Jones (2021) mit schickem Artwork

2. Underworld „Second Toughest In the Infants“ (1996 – hey, happy 25th Birthday!)

3. Die Fische „Eine Nacht in Cairo“ (1986) – top Presse-Pic mit zwei Globushälften als Kopfschmuck

4. Mad Professor „40 Years of Dub“ (1980-2020)

5. Chico Pinhero „City of Dreams“ (2020)

6. DJ Thomillas Red Dog Tribute (feine 90s Rap- und R’n’B-Classics)

Und immer wieder, wenn die Zahlenkolonnen und Druckaufträge ermüden, wird passend zur Überschrift in Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ (Band 2) geschmöckert:

Echtzeitkunst mit konkretem Anspruch

Juni 29, 2021

Traumhafte Kulisse, spannender Plot, Corona-konform!

Vom 1. bis 11. Juli werden im Frankfurter Ono2 die Ergebnisse des Moment:an Versuchs präsentiert, bei dem die Zeichnerin Kamü und das Musiker Duo Rubow & Leicht intermedial improvisieren, um schöne Bilder und einen stimmigen elektro-akustischen Sound zu erzeugen.
Es gibt einen 15 minütigen Film fürs Schaufenster (und hier), Galleriezeiten (täglich 19-21h) sowie drei Live-Happenings (am 01./08./11. Juli jeweils ab 21h) vor dem Frankfurter Ono2 (Walter-Kolbstr. 16).

Gestartet wird in völliger Freiheit. Um den Moment zu strukturieren helfen große Ohren, offene Augen und ein kleines Regelwerk, ein dezentes „wenn – dann“ Verständnis, das angewendet werden darf, aber nicht muss, sowie subtile klangliche Verstrickungen:
Denn es wird nicht nur auf Trommelfellen und Becken geräuschvoll gezeichnet, die (mittels Drum-Pickup abgenommen) Fell-Klänge bzw. die mit einem Mikrofon bemalten Becken und radierten Vorlagen können ebenso das Klangergebnis beeinflussen…

Neustart Kultur!

Töne von schier unendlicher Ruhe & ein Scrabble Chef

Juni 28, 2021

Es ist schwül hier in Frankfurt. Beste Voraussetzung sich aufs Bett zu legen und Musik von Jon Hassell zu hören, der vorgestern im Alter von 84 Jahren gestorben ist.
Der Amerikaner studierte in Köln bei Karlheinz Stockhausen und traf in den späten 1960er Jahren auf den Minimal-Music-Pionier Terry Riley (war sogar an dessen Erst-Aufnahme des Minimal-Music-Klassikers „In C“ beteiligt). Er machte Musik mit Brian Eno, Peter Gabriel, Tears for Fears und den Talking Heads, komponierte für das Kronos Quartett und entwickelte seine ureigene Idee einer musikalischen Ästhetik, die die Grenzen verschiedener Kulturen und Zeiten überschreitet (eine Art Vorwegnahme der Globalisierung), den „Fourth-World“-Sounf der sowohl futuristische als auch „primitive“ Klänge miteinander verbindet.
Deutliche Effekte, Loops als Gerüst und immer Klang im Zentrum.

Für mich ist Jon Hassell das Bindeglied zwischen Jazz und Dub Techno!

Und ich bleib glatt liegen, um mir auch noch den Blackalicious Werkkatalog durch zu hören und mich von MC Gift Of Gab aka Timothy J. Parker zu verabschieden.

I cannot believe it’s true

Juni 26, 2021

Fährt einem bei der Anfahrt zum Gig ein älterer Fiat Regata voraus, so läuft im Kopf „Police„, landet man wenig später überraschender Weise auf der Landstraße 303, dann hüpft der Schrittmacher des elektronischen Musikers vor Freude, stellt sich der Auftrittsort schließlich als Open-Air im Hofgarten heraus, dann jubelt auch der organische Trommler in mir.
Und letztlich: Musikmachen vor echten Menschen, hell yeah!
Das war eine äußerst angenehme Wiederaufnahme des Wülker „Go“ Fadens!

Von Arne gab es noch die Empfehlung zum Audiobook von Phil Collins „Not Dead Yet“, woraufhin ich mich bei Rückfahrt direkt durchs Solo-Ouevre des großartigen Drummers gehört habe.
Selbstverständlich mit Nostalgiewelle, aber auch neu entdeckten musikalische Facetten, wie beispielsweise:
– viele Beats, die (teilweise programmiert) ganz/fast ohne Beckenklänge auskommen: „In the Air tonight“, „Like China“, „Do you Care?“, „Don’t loose my number“. 
Die Höhen kommen dann meist vom e-Shaker, steigernde Energie entsteht oft dank Tom-Overdubs.
– der „I don’t care anymore“ Opener dessen Snare/Tom-Phrase trocken beginnt und zur Steigerung einfach immer stärker effektiert wird
– Echodrums bei „Hand in Hand
– ein zitiertes „Tonight“ Tom-Fill in „Thru these Walls“
– immer wieder Brit-Funk („Behind the Lines“, I’m not moving“, „I cannot believe it’s true“)

Jetzt will ich mir noch das Corona bzw. Free Jazz Experiment anhören, bei dem mehrere Hannoveraner Musiker unabgesprochen und ohne einander zu hören gejammt haben.


Sonstige Wochen-Highlights:
Carlton Barrett hinterm Simmons Kit (1987) und dieses Max Frisch-Zitat:

>>Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.<<

Meehr!

Juni 23, 2021

Wie geht es uns, Herr Rubow?
Müde, aber glücklich! Erstmals wieder Konzerte vor echten Menschen gehabt, zudem noch einen schönen Tag am Meer und dabei die Vorteile des Handgepäckreisens entdeckt. Ab sofort möchte ich nur noch mit einem federleichten Turnbeutel (der auch als Stocktasche eine gute Figur macht) und schmaler Beckentasche mit zwei Hihat-Pärchen (Byzance Jazz Hihats für gleichnamigen Zweck, Anikas Deep Hats als Crash und Ride-Becken) aus dem Haus müssen.

Und die Kunst?
Gestern Nacht wurde die interaktive Begegnung mit der Zeichnerin Kamü abgefilmt, ein Teil (besser gesagt die Ono2 Schaufenster-Bespielung) unserer anstehenden Moment:an Ausstellung, heute nochmals Aufnahmeprüfungen, laut Liste auch mit „System“. Bin gespannt!

Die Farbwahl des Frankfurter Europaturms ist glücklicherweise flexibel (Bild von Freund und Nachbar Daniel Jennewein). Ach ja, auch der „Araber von morgen“ ist schöne Kunst. Hier meine musikalische Lieblingsstelle mit Nachhall:

EM?
Na klaro, ich streame mich zum Länderspiel nach München, denn Viktor Orban bleibt zu Hause!

Moment:an

Juni 14, 2021

Und noch ein Neustart (Kultur)!
Wir proben gerade für Moment:an, ein intermediales Zusammenspiel von Zeichnung und Musik, wobei die kollektive Improvisation nicht nur den Übergang vom Analogen zum Elektronisch-Digitalen markiert, sondern vor allem die Stärke des Moments betont, der immer wieder zu neuen Ergebnissen führt.

KAMÜ zeichnet, das Musikerduo Rubow & Leicht erschafft elektro-akustische Musik und dank einer gemeinsam erarbeiteten audio-visuellen Sprache kanalisieren sie sowohl Zufall als auch den Augenblick zu immer wieder bewegenden Gesamtkunstwerken. Moment-Kunst für (fast alle) Sinne!

Vom 1. bis 11. Juli im Kunstraum ono2 (Walter-Kolb-Straße 16, Frankfurt am Main).

Schaufensterkonzert mit Zeichenperformance und Ausstellung am 01.07. / 08.07 / 11.07. ab 21 Uhr
Und vom 02.07. bis 10.07. ist die Ausstellung mit den entstandenen Werken täglich (unter Beachtung der geltendenden Hygieneregeln) von 19-21 Uhr geöffnet.

Zwei Kunstfotos dazu – einmal mit Farbe am Schlagzeug-Platz, sowie die schwebende Overhead-Snare-Kamera für die Trommelbemalerin:

Can you Feel it

Juni 11, 2021

Jetzt wo plötzlich wieder Konzerte mit Publikum im Kalender stehen, muss man sich nicht nur am Instrument, sondern vor allem auch mental vorbereiten.

Dazu nehme ich Hans Nieswandts DJ-Fibel zur Hand.
Ich lese ja leidenschaftlich gern, deswegen wohl ein Buch auch seltenst zweimal – bis auf eben jene kurzweilige DJ Geschichten: „plus minus acht“ habe ich bestimmt schon vier, fünf mal gelesen und mich immer wieder prächtig amüsiert, Tracks mitgehört, immer wieder Neues und für den Moment Passendes entdeckt.
Neulich war ich auf der Beerdigung von Soulphiction, wo selbstverständlich auch „Can you Feel it“ gespielt wurde. Nach mächtig turbulentem Gefühlskarussel bin ich nach der Heimreise direkt ins Bett und habe das graue KIWI-Büchlein herausgezogen, von vorne begonnen, und zack erschallte auch dort Larry Heard…



… darüberhinaus musste auch viel lachen. Das tat gut, der Kreis wurde elegant geschlossen und die Balance wieder hergestellt.

Eindeutig „good vibes“, die beim Lesen entstehen!

Zur emotionalen Vorbereitung auf die anstehenden Konzerte mit DePhazz, Wülker & co. wurde also gestern Nacht das Buch erneut bemüht, um mir wieder mal von Italien anno 1997 zu erzählen, als „From Disco to Disco“ völlig unerwartet in Italien auf Platz 1 chartet, die Band zur Promo-Tour anreist und der Sänger Eric am Zoll weltläufig einsteigt:
>>Hi. My Name is Eric D. Clark. I’m a popstar in your country.<<
Und im weiteren Verlauf fallen lange nicht mehr gehörte schöne Begriffe, wie Nightliner, Tourbegleiter, Aftershow Party…

Was das Instrumentarium angeht, so habe ich schon einen schicken Superstar Mix und eine vielversprechende Beckenauswahl am Start:

22″ x 14″ Tama Superstar (alt) Kick
14″ x 6,5″ Tama Superstar (alt) Snare
16″ x 14″ Tama Superstar (neu) Floortom
22″ Meinl Byzance Jazz China Ride
18″ Meinl Anika Nilles Deep Hats Bottom (als Ride)
18″ Meinl Anika Nilles Deep Hats Top (als Crash)
14″ Meinl Byzance Jazz Hihats
Roland SPD:One Electro & Boss RE-20

Und einen neuen Stimmschlüssel habe ich auch:

Echodrums = Easy

Juni 11, 2021

Einfach solch einen Kasten ans Stromnetz anschließen und die Balance-Möglichkeiten erweitern:

Dazu das schöne Heinrich Steinfest Zitat: >>In einer Welt der Schwerkraft ist alles eine Frage der Balance<<

Aber auch die Erkenntnis, dass es außer der für die analog Delays wichtige Bucket Brigade Device Speichertechnik (BBD) auch noch, bzw. zuvor das CCD, Charge Coupled Device, gab, welches beispielsweise in der schicken Boss DM-1 Delay Machine (1977-79) verbaut wurde.

beste Unterhaltung

Juni 11, 2021

OK, jetzt kann die Fußball EM 2020 gerne beginnen! (Danke Jack Powell, 1935!)

PS. passend zum Trick-Trommler wird die Eröffnungsfeier in Rom mit fliegenden Trommlern um Aufmerksamkeit buhlen, siehe IG-Beitrag von Specki T. D.