In Between

In unserer ersten (Email-) Begegnung vor anderthalb Jahren nahm ich LO als interessanten Beat-und Tracksbastler war – irgendwo im Vermächtnis von Madlib und J Dilla, mit ansprechendem Webauftritt.

Im Sommer erzählte mir Peter Wölpl begeistert vom Studentenvorspiel an der Popakademie und dass dort einer der Trommler fasziniernde in sich stimmige Rhythmen durchzieht, obwohl diese aus der Überlagerung von völlig unterschiedlich quantisierten/geshuffelten Bausteinen bestehen.

Kurz darauf beim Doppelkonzert auf dem Stuttgarter Jazz Open Festival höre ich eine Band von der Mannheimer Poppe, und nach 4 Takten war mir klar, dass es sich um ebendiesen Trommler handeln muss, zack erfahre ich auch seinen Namen – Lorenz Schimpfaka thisisLO – und der Kreis schließt sich.

Vermutlich habe ich ihn gleich überrumpelt, jedenfalls gefragt, ob er nicht ein paar Sätze über diese „in between“ Kiste für die e-beats Seite zu verlieren hätte. Und gestern kam dann ein älterer unveröffentlichter Track, nebst Erläuterungen vom Meister:

>>was ich mache, würde ich als Post-Hop beschreiben. Also eine Art Weiterentwicklung des Hip Hops, in dem es einfach nur darum geht möglichst innovative Beats zu produzieren. Manche würden auch Glitch Hop, Wonky oder Ketamine dazu sagen. Die Ursprünge der Bewegung sind auf die Zeit nach dem Tod von J Dilla zurück zu führen, als die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für das Producertum speziell im Hip Hop grösser wurde. Seit 2006 hat sich das Ganze dank Web 2.0 explosionsartig über den ganzen Globus ausgebreitet. Neuerdings gibt es auch Drummer die sich mit diesem speziellen Vibe auseinandersetzen. Allen voran natürlich der New Yorker Chris Dave aber auch Jungs wie Spanky oder Adam Deitch.

Bei „Raw“ habe ich einen „In Between Groove“ als Grundlage des Beats genommen. Er basiert auf einer achteltriolischen Shuffle-HiHat und einem dazu gegenläufigen straighten Feel von Kick und Snare (inklusive Ghostnotes). Dadurch entsteht eine interessante Reibung. Das Rhodes Sample ist von Gil Scott-Heron Peace Go With You Brother.

So Und jetzt noch ein Paar wichtige Namen: Rustie, Hudson Mohawke, Dibiase, Mono/Poly, James Blake, Busy, Mike Slott, Afta-1, Flying Lotus, Shigeto, Baths, Pudge, devonwho, Harrison Blackoldman, Dorian Concept, Shlohmo.

Ein besonderes Anliegen sind mir natürlich die Jungs von hier: Duktus, Stevo, Front2Blaq, Swede:Art, Portformat, fLako, Svetnik, Comfort Fit, Fella Vaughn, Hubert Daviz, Cleast Intwood…<<

Ich hätte dazu noch folgende Fragen [- entsteht hier gerade etwa ein neuartiges Interviewkonzept?]
(1) Lorenz, wie übst Du solch einen „in between“ Groove mit unterschiedlichen Shufflegraden? Bzw. (2) wie merkst du dir die Beats, vielleicht über akustische Muster?
Und (3): Ist im Bandkontext der tatsächliche Shufflegrad wichtig, oder geht es vielmehr nur um die Reibung zweier entfernter Einstellungen?

Ich kann von meiner Seite aus anmerken, dass ich erst durch die fantasievollen Überlagerungen diverser Bedroom-Hip-Hop-Producer von dem damals gängigen Irrglaube, Groove braucht deckungsgleiche Quantisierungs-/Shuffle-Grade, befreit wurde. Der zweite Hammerschlag in diese Kerbe kam vom 2000er D’Angelo Album „Voodoo“.
Heute propagiere ich „der Loop richtet’s“ und glaube, dass es nur auf die konsequente Wiederholung ankommt.

Jedenfalls realisiere ich Wonky Beats, indem ich zum Beispiel einen Shaker zusätzlich zum Stock in meine rechten Hand nehme und durch die Armbewegung den Shufflegrad der mitrasselnden Füllung bestimmen kann – sprich: ich merke mir den Verwacklungsgrad OPTISCH.

Ein anderer Kunstgriff funktioniert so: ich denke mir den Snareschlag als Flam, LH macht den Vorschlag, RH den Akzent. Der eigentlichen Hauptschlag wird aber nicht auf der Snaredrum gespielt sondern verschwindet unauffällig in der Hihatfigur… Jetzt hört man die Schnarrtrommel immer ein bißchen zu früh. Und auch hier gilt: erst die konstant-bleibende Flam-Breite gibt dem Rhythmus seinen Groove.

Schließlich kann man das Prinzip Flam auch noch zum Nachschlag ummünzen, so kommt der Snareschlag hinter den Beat (ein sogenannter Malf). So jetzt noch die Links zu meinen Blog-Einträgen Die Entperfektionierung der Maschinentaktung und Beatsmith.

Ach ja, wer mir den Titel des Outro-Breakbeats als erster zumailt, bekommt 1 Kitkat – denn: know a break, get a Kitkat!

 

5 Antworten to “In Between”

  1. Lorenz Says:

    Hi Oli!

    🙂

    [1,2]…Im Prinzip hast du die Frage schon selbst beantwortet, Oli. Ich steck natürlich selbst noch im Ausprobier-Modus, aber in der Regel programmiere ich solche In Between Grooves zuerst und versuche dann, anhand des Klangmusters des gesamten Grooves, zu verinnerlichen wo welcher Schag hin kommt.

    [3]: Dem würde ich auch so beipflichten! Wichtig ist eine Konstante…ob das nun Die „1“, die Backbeats, oder ein 4 Bar Loop ist…was dazwischen passiert macht´s spannend.

    Viele Grüsse,

    Lorenz

    P.s.: Das mit dem Shuffle Shaker klingt gut – probier ich aus!

  2. Malf « E-BEATS Says:

    […] wird das „In Between“ Thema mit einem weitern Fachwort aufgehübscht… >>Ein anderer Kunstgriff […]

  3. passt gut | E-BEATS Says:

    […] under ?uestlove, Dilla,  ”wonky“, “In between“, […]

  4. Humple Grooves | E-BEATS Says:

    […] drummerforum gibt es den “Humple Grooves” Beitrag der sich mit wonky/in between Beats beschäftigt. Heute habe ich dort das australische […]

  5. SWAG-Drumming: HipHop-Grooves im Inbetween Feel | E-BEATS Says:

    […] Shuffle-Variante, die irgendwo zwischen binär und ternär eiert. Die Autoren weisen dem “Dazwischen” mit Hilfe der Quintolen (bzw. der auf 60% Shuffle-Grad eingestellten Rhythmusmaschine) […]

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