Futurhythmaschinen

Philo hat mich auf diesen vielversprechenden Wälzer (Buch bzw. schweres, aber freies PDF) aufmerksam gemacht: Die Dissertation ›Futurhythmaschinen‹ Drum-Machines und die Zukünfte auditiver Kulturen von Malte Pelleter. Ganz nach meinem Geschmack mit begleitender Spotify-Playlist und vielen Zwischenüberschriften, die Lust auf mehr machen!

Schon beim ersten Durchwischen bin ich zufällig bei drei interessanten Stellen gelandet:

1. Ein Screenshot wie der Perkussionist James Mtume beim Montreux Gig mit Miles Davis (1973) hinter einer Korg Minipops 3 Rhythmusmaschine zu sehen ist.
>>Ich springe noch einmal zurück. Höre noch einmal das Stoppen der Band und Davis’ so technoid kreischende Orgel, die sich in die Lücke gießt. Gute zehn Sekunde reißt er damit ein Loch in den Groove hinein, dann schaltet er die Band zurück auf ›On‹. Und dabei schaltet sich eine weitere Maschine ein: Mitten in den Groove hinein, der zurück ist, als sei nichts gewesen, lässt der Percussionist James Mtume das hektische Klackern einer Rhythmus-Maschine aufbranden. Dabei macht er allerdings keinerlei Anstalten, das Pattern der Maschine in das Grooven der Band einzufügen, sondern lässt es bei hoch aufgedrehtem Tempo-Regler immer wieder in deren Spiel hinein- rasseln. […] Gerade andersherum wird die Maschine gegen den Groove laufen gelassen. Sie schwappt daran immer wieder empor, um dann unter anderer Percussion und zerrenden Gitarren-Fetzen zu verschwinden. Durch den unbekümmerten Dreh am Tempo und eine klassische mixadelische Effekt-Kette transformiert Mtume die Pattern seiner Rhythmus-Maschine in abstrakte perkussive Texturen, die er auf, neben und zwischen dem Grooven der Band ausbreitet.<< (Seite 222, 224)

2. Wie die Toningenieurin Susan Rogers (dort in der Red Bull Academy) erzählt, wie die Drum-Sounds der Linn LM-1 >>vor allem Ausgangspunkt für weitere Klangexperimente waren und wie wichtig etwa Princes Board aus Gitarreneffekten für das Sound-Design seiner Drums wurde:
»So we would take his BOSS pedal-board from his guitar rig and just plug it into the drum machine, the output of the drum machine and we could send claps or snare or toms usually and hihat, whatever we liked through this mixture of the heavy-metal-pedal and the flanger and the chorus and the delay and the distortion. So dialing in on the pedal-board, dialing in the sound for the percussion was one of the tricks that he invented and that others copied in his work.«<< (Seite 452)

3. Dann gibt es noch den Grüntee-Unfall, der eng mit dem Beckenklang-Entwicklung für die TR-808 verbunden ist (Seite 303) und die Frage ob nicht Ikutaro Kakehashi 1967 durch seine Rhythm Ace FR-1 den Bossa Nova erfunden hat, >>insofern er der erste war, der ein ›korrektes‹ Pattern aus den zuvor vage flottierenden Konzepten von Bossa-Rhythmik heraus destilliert und in rhythmaschinische Hardware gegossen hat<<? (Seite 228)

Zum Abschluß höre ich noch Prince Jammys „Auto Rhythm“ vom 1986er Album Computerised Dub

und J. J. Cale „River Runs Deep“ (1971) mit der Rhythm Ace Fr-3.

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