Posts Tagged ‘improvisation’

mein Tisch

Mai 20, 2015

Tschaka, das e-Setup für heute Abend – ( W ) in der Frankfurter Fabrik – ist gefunden.

IMG_3948

…und bleibt rotz der vollen Tischlänge Straßenbahn/Car2Go kompatibel (2x Pedaltrain, 1x Beckenrucksack).

Nachklapp, die technische Seite

Mein akustischer Schlagzeug-Sound (Kick, Snare, Hihat, 2 Becken) wird mit Hilfe von Ableton-Rechner, Acidlab 303 und einem Boss Space Echo auf unterschiedliche Weise elektronisch bereichert.

Das Herzstück ist der Musikcomputer (ein 2009er MacBook Pro, mit Ableton 8 Software, einem RME-Baby-(Audiointer)face und einem Traktor F1 Controller). Dieser ist mit einem MIDI-Kabel mit Peters Rechner verbunden; die für Tempo und Synchronisation verantwortliche Midiclock kommt im Idealfall vom Erfindungsbüro Rest, ansonsten aus dem Ableton-Master.

Ableton als „Effektprozessor“
1. Ich klemme ein Mikrofon (Sennheiser e604) zwischen Snare und Hihat. Das Signal wird im RME (Input 1) vorverstärkt, in einer Ableton-Spur ggf. klanglich optimiert und von dort aus verschiedenen Aufgaben zugeführt:
a. Echodrums
Das Snaresignal wird (durch Output 3) via Boss A/B-Box (also On/Off) zum Delay-Gerät geschickt.
b. Echodrums advanced
Das Snaresignal wird mit einem im Kreis laufenden Synthchord und dem Freeware TAL-Vocoder „harmonisiert“ dann (durch Output 3) via A/B-Box zum Boss-Delay geschickt.
c. Roomshot
Das Snaresignal zum Return-Channel gesendet, in dem sich ein Reverb-PlugIn (Valhalla) befindet. Hinterm Hallraum befindet sich ein (Waves One-Knob) Filter
d. Looper
Das Snaresignal wird zum Return-Channel gesendet, in dem sich der Ableton Looper und eine nachbearbeitende Effektkette befindet.
e. Edrum Modul
Der Snarekanal wird zu einer weiteren Audiospur geroutet. Dort befindet sich das ApTrigga PlugIn, mit dem sich ein zusätzliches Snaresample addieren lässt.
2. Die Acidlab Bassline wird in den Input 2 des Babyface gesteckt, um ihr Signal im Ableton mit einem Filter Delay oder Resonator zu transformieren.

Ableton als Sample-Workstation
Ich habe für jeden Song-Part (Szene) maximal drei vorbereitete Clips: Bass, Akkorde, Texturen. Sowie die stumm mitlaufende Vocoder-Fläche (s.o.)
Dazu gesellen sich die zweitaktigen akustischen Drumloops (s.o.) und ein weiterer Ableton-Looper mit dem ich verschiedene Vocal-Acappelas verbinde.

Ableton als Mischpult
Den internen Click route ich auf den externen Output 4, das Snare-Signal fürs Echogerät auf Output 3 (Damit diese Lösung mit dem RME Babyface funktioniert, verwende ich dieses spezielle Sommercable).
Auf Output 1 fasse ich alle Bass-lastigen Signale zu einem Mono-Signal für den FOH zusammen (Acidlab Bassline, Ableton Bass, Kick-Loop).
Mit dem Output 2 schicke die Mono-Summe aller harmonischer und rhythmischer Events raus. Diese wird gesplittet und geht einmal direkt zum FOH, einmal via „Playstation“ (bzw. ihrem grünen Send Button) in den zweiten Eingangskanal des RE-20 und kann dort ebenfalls ge-dubbed werden.

Das Echosignal des RE-20 wird ebenfalls in mono versendet und durch eine DI-Box zum FOH übermittelt.

Den F1 Kontrol habe ich wie folgt belegt:

Kontrol-F1-Maske-W200515

Wenn ich mehr als 16 Scenes benötige, lege ich im F1 Controller Editor ein weiteres Template an.

PS. neulich sah das Setup noch ganz anders aus 🙂

klassische Improvisation

Februar 13, 2012

Mary Bauermeister schreibt über die Stockhausen Aufführungen anlässlich der Weltausstellung in Osaka 1970. Der folgende Textausschnitt („Ich hänge im Triolengitter“ Seite 256f) passt zur Urheberrechts-Diskussion, beleuchtet das Dilemma von musikalischer Persönlichkeit und der Arbeit im Kollektiv, und ermahnt indirekt jegliche Konzertveranstalter, nicht am Essen zu sparen!

>>Ich konnte miterleben, wie Karlheinz seine Instrumentalisten einschwor auf das Leben und Wirken im Kollektiv. […] Was sie miteinander hervorbrachten, war ja viel mehr als eine vielleicht nur einmalige als Einlage gebotene individuelle Improvisation – nichts war hier vorgegeben, kein Takt, kein Formschema, keine bestimmte Harmonik. Alles entstand im Moment der Aufführung und viel mehr oder weniger gut aus, je nachdem, in welcher Verfassung und Laune die Musiker waren, mit was sich ihre Gedanken gerade beschäftigte, auch ob und was sie vielleicht zuvor gegessen hatten. […]

Viele ernste Gespräche drehten sich um das Thema des Künstlertums, um die ersten und alle weiteren Pflichten eines Menschen, der sich der Kunst verschrieben hat, um seine Verantwortung der eigenen Begabung gegenüber. Es kam der Vergleich mit den mittelalterlichen Bauhütten auf und es wurde der Geist beschworen, aus dem heraus die großen Kathedralen erbaut worden waren. […] Ob man diesen Geist der Bruderschaft wieder beschwören konnte? Ob [Stockhausens] Musiker das schaffen würden ohne einen Gott vor dem inneren Auge? […] Konnten sie die geforderte Musik erschaffen nur um ihrer selbst willen statt im Dienst einer höheren Idee – also l’art pour l’art? […]

Vor allem Vinco Globoskar und seine Gruppe strebten eine Emanzipation vom Komponistendiktat an. Sie fanden, ihre Rolle als Interpreten werde unterschätzt, Stockhausen hätte ja nur den ersten Impuls gegeben. Der Musik wollten sie zwar weiter dienen, aber nicht, wenn nur er als Autor gelte. Das Komponieren und das Interpretieren müsse zumindest gleich bewertet werden, zumal man bei der Aufführung nicht von Noten, sondern von einem inspirierenden Text ausgehe. Es brodelte.<<