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Mein schönstes Ferienerlebnis

August 12, 2016

Arbeitsausflug mit Seeblick und Pandas

MITTWOCH, 23.00 Uhr
Im Urlaub mache ich vieles ganz anders, vor allem aber werden der Computer und das Handy abseitig liegengelassen und großteils ignoriert. Und so war ich mit Freunden und Familie weltvergessen und zeitlos im ländlich idylischen Frankenland, als ich in einer Mittwochnacht einen entgangenen Anruf und die darauffolgende SMS von Flo König bemerkte: „Matteo fällt das Wochenende aus (29./30.7) ; hast Du Lust und Zeit als Sub einzuspringen?“
Ich verstehe, es geht darum, sich kurzfristig den Part des zweiten Schlagzeugers und Perkussionisten für zwei Cro Unplugged Festivals in Österreich draufzuschaffen.
Einerseits großartig: A. immer toll, angerufen zu werden, B. eine fette Produktion vor vollem Haus; anderseits ein kompaktes Stresspaket anstelle gemütlicher Urlaubstage.
Aber es ist auch eine Notsituation, in der ich selbstverständlich helfen möchte.
Also bespreche ich mit meiner Familie, ob es OK wäre, wenn ich schon am Donnerstag Abend mit unserem Mietwagen abreisen und sie wie geplant Sonntags, halt mit der Bummelbahn, alleine zurückfahren würden, rufe Flo zurück und sage zu.

DONNERSTAG, 11.00 Uhr
Am nächsten Vormittag trudeln die Downloadlinks ein: Der letzte Konzertmitschnitt, diverse Sheets des MTV Unplugged Konzerts, mehrere Fotos von Matteo Scrimalis Hybrid Kit und Screenshots der jeweiligen Ableton-Songs. Glücklicherweise hält die rurale WLAN Verbindung durch, schnell noch ein Foto-Scan des Personalausweises für das Chimperator Management (für die Flugbuchung) und ab in den Klettergarten (dieser Ausflug war schon länger geplant…)

DONNERSTAG, 16.00 Uhr
Letztlich fange ich am Donnerstagnachmittag um 16 Uhr mit dem Herausschreiben an.
Überraschung Nummer eins: Die Show dauert ganze 130 Minuten. Puh. Überraschung Nummer zwei: Es ist nicht immer leicht zu hören, was genau von Matteo kommt, vor allem in puncto Drum-Grooves und getriggerter Elektronik (die abwechselnd, aber auch parallel von beiden Trommlern kommen können). Leider helfen diesbezüglich auch all die Noten der MTV Aufzeichnung wenig, denn für die Festivalshow hat sich einiges geändert. Deswegen habe ich bis 19 Uhr – meiner geplanten Abfahrtszeit – gerade mal 25 Minuten Musik herausgehört. Oh weh, ganz schön wenig – aber nicht zu ändern, denn jetzt muss ich jetzt ersteinmal viereinhalb Stunden nach Frankfurt fahren. Der Plan ist, dort (also zuhause) zu übernachten, um am Freitag früh zunächst am Frankfurter Flughafen den Mietwagen abzugeben, dann mit dem ICE weiter zum Flughafen Köln/Bonn zu fahren und schließlich in den Flieger zum Wörthersee umzusteigen.
Wenn alles gut geht, wäre ich dann gegen 13 Uhr auf dem Festivalgelände.

DONNERSTAG, 20.00 Uhr
Während der Autofahrt höre ich den Mitschnitt in Schleife und mache mir Gedanken zu den noch nicht geklärten Fragen: Offenbar hat Matteo sein 2Box Drummodul mitgenommen, als Notlösung steht vor Ort ein Ersatz-Roland SPD-SX von Flo zur Verfügung. Jedoch wird damit die vorinstallierte Architektur von drei im Setup verteilten Pads, einem KD-7 Kickpedal, der getriggerten Kick und einer getriggerten Snare nicht funktionieren (siehe Foto). Zur Not muss ich alle elektronischen Sounds auf dem Multipad verteilen und darauf spielen – es geht dabei vor allem um verschiedene Snaps und Claps, sowie um Shaker, Tamburin und Cabasa – und zur Sicherheit werde ich daheim noch die akustischen Pendants einpacken (One-Shot-Shaker, Crasher, Cabasa & Halter, Jinglestick, Hihat-Tamburin).

FREITAG, 1.00 Uhr
Es ist ein Uhr Nachts als ich mich wieder an den Schreibtisch setzte. Immerhin: Der Koffer ist bereits gepackt, auch der Wecker ist auf 7 Uhr gestellt, so dass ich Raushören kann, bis mich die Müdigkeit übermannt. Es läuft gut an. Die Tracks werden griffiger und ich entdecke die Ableton Screenshots (siehe Abbildung) als große formale Hilfe, denn sie zeigen durch verschiedene Farben* die gewünschte Intensität an, sowie die Längen der verschiedenen Songparts. Beim Konzert kann ich mir die originale Abletonsession von Flo via WLAN auf meinen Laptopbildschirm übertragen lassen, so dass ich eine weitere optische Kontrolle über den Arrangementverlauf hätte.

Ableton Screenshot von Flo König
* Farbskala aus Flos Email: Lila=Count In; Grün=reduzierte Drums (Intros, Interludes, Breakdowns); Grau=Low (maximal Snaps, bisschen Time geben, manchmal aber auch gar keine Drums); Gelb=Vers-Dynamik (druckvoll); Orange=Power (Full Band, Chorus); Blau=wichtiger Matteo Part

Unterstützenderweise gibt es mit dem „Turn Up Part“ einen längeren Konzertmittelteil ohne Orchester, der mir 25 Minuten Raushörern erspart.

FREITAG, 5.00 Uhr
Um 5 Uhr morgens bin ich (im doppelten Wortsinn) durch!
Jetzt noch unbedingt die handgeschriebenen Zettel abfotografieren (siehe Foto) und per Wetransfer im digitalen All parken – sicher ist sicher.

Die Welt Notenfoto

FREITAG, 7.00 Uhr
Zwei Stunden schlaf und los: tanken, Mietwagen abgeben, Flughafenbus ins andere Terminal, Fahrkarte lösen, rein in den Sprinter, Platz suchen, Noten raus und nachkontrollieren. Und mögliche Fallestricke mit gelb leuchtendem Marker hervorheben, meine Drumparts lila einkreisen. Zumindest bis Köln-Deutz.
Während des Fluges und der Shuttlefahrt gibt es dann nochmals ein Zeitfenster für die Zettel-Perfektion, so dass ich bei Ankunft in Reifnitz tatsächlich gerade so fertig geworden bin!

FREITAG, 13.00 Uhr
Der Soundcheck ist für 15 Uhr angesetzt, also direkt ins Catering und Kraft tanken. Netterweiser entdecke ich gleich ein paar vertraute Gesichter aus Crew und Orchester und bald auch Flo, der mir die gute Nachricht überbringt, dass das 2Box-Modul doch mitgekommen ist. Sprich: ich muss mich weder um die Bestückung des SPD-SX, noch um das Umschalten zwischen den Songs kümmern (das wird von Flos Rechner dank automatisierenden Programm-Change-Befehlen erledigt). Woraus sich folgende todo-Liste ergibt:

  • Matteos Setup/Aufbau checken ggf. für meine Bedürfnisse zurechtrücken
    hey hey: passt ja alles!
  • für jeden Song überprüfen, welcher elektronische Klang mit welchem Pad getriggert wird und diese Info in den Zetteln verankern
  • unbedingt die Ableton-Einzähler checken
    sehr gut, es ist bis auf zwei Ausnahmen immer ein gesprochenes zweitaktiges Pattern „one, – two, – one, two, three, four“
  • einen zweiten Notenständer plus Binderclips ordern und später ein Kopiergerät finden, um wenigsten eine Hardcopy meiner Notizen zu ziehen
    Open Air = Windstoßgefahr. Klar

Setup Oli

FREITAG, 15.00 Uhr
Soundcheck. Es gibt glücklicherweise ausreichend Zeit all die Stellen anzuspielen, in denen ich den tragenden Beat liefern muss, ebenso werden schwierige Übergänge gecheckt.
Eins a Unterstützung von allen Seiten!

FREITAG, 17.00 Uhr
Bin ziemlich platt. Trinke die x-te Flasche Wasser – viel Wasser ist ja mein Mittel für einen klaren Kopf – und suche das nahe gelegene Strandbad auf: ein schönes Déjà Vu (ich war hier vor fünfzehn Jahren schon mal während einer ORF Fernsehproduktion): Freue mich über das Sprungbrett in den See und auf einen Powernap auf der Wiese.

FREITAG, 18.30 Uhr
Abendessen & Kaffee, anschließend die Notenkopieraktion. Dann umziehen.

FREITAG, 20.00 Uhr
Die Vorgruppe „Vona“ ist fertig (übrigens mit Joe Styppa am Schlagzeug), jetzt kann ich meine Notenzettel anklemmen und nochmals einen Blick über das Setup und die ersten Songs werfen.
Runter von der Bühne bzw. raus aus dem Regal und unbedingt nochmal auf die Toilette.

FREITAG, 20.30 Uhr
Backstage wird ein Kreis aller Akteure gebildet, Ansprache des Pandas und ab geht’s, hinein in eine wundervoll hochsommerliche Ferienkulisse voller Menschen.

Meine Müdigkeit ist wie weggeblasen, dafür höchste Konzentration. Aber auch ganz klar große Lust auf’s Konzert und irgendwie die Gewissheit, dass nichts anbrennen wird.

FREITAG, 22.45 Uhr
Juhu geschafft! Der laaange Tag darf nun beendet werden. Noch ein letzte Abkühlung im Wörthersee und directement in die Nightlinerkoje.

SAMSTAG, 3.00h
Weiterfahrt.

Das nächste Konzert war dann im Burgenland, auf dem legendären Wiesen Festival Gelände. Ebenfalls hochsommersommlich, See-nah und hochkonzentriert; und wieder sehr schön – es wird in der Zukunft meine „Wiesen Assoziation“ mit einem intensiven Turntablerocker Auftritt teilen.
Danach fiel endgültig aller Ballast von mir ab und ich war froh, dass ich wieder mal eine derartige Herausfoderung angenommen hatte und meistern konnte.
Unterm Strich fühlte ich mich: befreit zufrieden.

PS. Meine Liebling-Songs und –Stellen aus der rundum fetten Cro-Show (Hut ab!):„Hey Kids“, „Allein“, „Wir waren hier“

PPS. Eigentlich wollte ich am darauffolgenden Donnerstag zur zweiten Familienurlaubsrutsche aufbrechen. Da Matteo leider immer noch nicht ganz fit war, musste auch diese Reise um drei Tage nach hinten verlegt werden – was sich erstaunlicherweise aussergewöhnlich „easy“ bewerkstelligen liess.
So kamen noch die Stationen Losheim am See, Brombachsee und Osnabrück dazu und am Ende war mir mein Part schon beinahe vertraut…

Parallel dazu wurden die Überschriften meiner Sommerlektüre getauscht (siehe Foto) und ab nach Italien…

LITERATUR

Und jetzt noch die anderen Ferienhighlights: vom Baum in den Ebnisee springen, barfuß über Moos laufen, Yak & Yeti, Erika Fuchs, Olympia-taz – und keine „Macht am Strand

 

 

 

* 2 * 5 * 0 * 0 *

Juni 20, 2014

Zur Zahl 2500 fällt mir spontan folgendes ein: eine schicke 70er Limousine und der moderne wie kultige API Schlagzeugkompressor.
Und natürlich ebendieser zweitausendfünfhundertste e-Beats Beitrag!
Da mich Autos weniger interessieren, Schlagzeugkompressoren dafür umso mehr, habe ich drei interessante Musikmacher zu „ihrem“ API 2500 befragt:

Hannes Bieger (Produzent, Mix-Engineer, Autor)
>>Der API 2500 ist zusammen mit einem Electrodyne 2511 EQ fest verkabelt auf meinem Drum Bus, und damit ein wesentlicher Bestandteil meines Mixing-Setups. Es ist wohl der einzige Kompressor aus meinem Arsenal, der wirklich bei jedem Mix zum Einsatz kommt, und ich schätze seine Qualitäten sowohl bei akustischen als auch bei elektronischen Drums. Ich verwende den 2500 meistens mit langen Attack- und kurzen Release-Zeiten, und auf diese Weise bekommen die Drums extra Punch ohne übermäßig aggressiv zu werden. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht finde ich nicht, dass der 2500 übermäßig stark färbt. Im Gegenteil mag ich seinen trockenen, kraftvollen Klang sehr gerne, und er dünnt den Bassbereich auch nicht so aus wie andere VCA-Comps, was für mich eine ganz wesentliche Eigenschaft ist.<<
Hier noch ein ausführlicher bonedo-Testbericht von Hannes Bieger zum API 2500.

Johannes Brecht (Produzent, Bassist)
>>Ich benutze meinen 2500 sowohl auf dem Drum Bus, als auch, vorallem auf dem Master Bus.
Der 2500 ist abgesehen von dem tollen Punch durch seine Features TONE und LINK extrem flexibel: So kann man mit tone TYPE zwischen OLD Feed BACK Kompression (so Fairchild Style) oder NEW Feed ForWarD Kompression (so SSL Style) umschalten.
Auch der Highpass Filter vor der Detection ist ein wichtiges Feature.
Das für mich aber wichtigste Feature ist der Link zwischen links und rechts:
Ich benutze den 2500 auf dem Master Bus in einer M/S Matrix, so dass nicht Links und Rechts ankommen, sondern Mitte und Seite.
Dann kann ich mit dem Link Regler wunderbar einstellen wie sehr das Mitte Signal auch die Seiten komprimieren sollen oder eben nicht, dadurch bekomme ich deutlich mehr „Lautstärke“ oder „Lautheit“ oder was auch immer…<<

IMG_9101

Flo König (Cro-Drummer)
>>Eine meiner Lieblingseinstellungen für den Drum Bus:
RATIO 3:1
ATTACK 30ms
RELEASE 200ms
KNEE Medium
THRUST Medium / Hard
LINK Independent oder 50%

Der „Fairchild-Mode“ gefällt mir meist auch besser als der Feed Forward Compression-Type.
Natürlich ist es gewagt eine Aussage über Kompressor-Einstellungen zu treffen, wenn man das Ausgangsmaterial nicht kennt.
Jedoch lande ich doch recht häufig bei diesen Werten 🙂
Ansonsten ist der API auch super für extreme Kompressionen der Raum-Mikrofone.
Juhu.<<
Ich sage LAUT „danke!“ an Hannes, Jo und Flo und freue mich, dass sie mit ihrem Input diesen Jubiläums-Post zu einem Musterbeitrag machen. Ganz unkompliziert und super-kollegial wurde meine Email-Anfrage bedient, dabei Wissen herausgegeben und geteilt, also ganz im Sinne der Blog-Idee des „Geben/Nehmen/Weiterkommen“.
Zudem spiegeln die drei Herren und der heutige Protagonist (m)einen erweiterten Schlagzeug-Begriff wider, der über das Hochglanzfoto im Trommelkatalog hinaus geht und Produktionsmittel, den Aufnahme-und Mixdown-Prozess sowie die Rolle des Produzenten miteinbezieht.
So kann’s gerne weitergehen!

25year-S-R
PS. Wer sich an diesen Kompressor erstmal digital herantasten möchte, findet einen PlugIn Klon im Portfolio der Firma Wave (und hier das Manual).
PPS. Jetzt fällt mir gerade ein: auch von der Akai MPC gibt es einen 2500er
PPPS. Zufällig erreicht mich gerade heute eine spam-hafte Email einer Mitarbeiterin des Buchverlages Bloggingbooks, die mir eine Buchpublikation der Blogbeiträge angeboten hat… dabei bräucht ich doch nur einen Lektor 🙂

rauschende Sequenzer Pattern und mehr

Oktober 31, 2012

Cro-Trommler Flo König hat eine schöne neue Website, nebst Blog. Dort lese ich gerade seine Trommelkonzepte für den Club. Und werde gleich die Tiefe des Stepp:r Maxforlive Patch für den Livid Cntrl:r auschecken.

Very nice!