Archive for the ‘Read!’ Category

Kulturtechnik spielerisches Nachahmen

Juni 5, 2019

Höre gerade im DLF-Beitrag „In die Wiege gelegt“ (ein Bericht über Kindern aus Musikerfamilien) den schönen Begriff von der Kulturtechnik spielerisches Nachahmen. Wäre ein super Seitenhieb für das „Moderne Schlagzeugquartett„.

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Milchmonster & Sopransaxofon

Mai 20, 2019

 

Vermutlich liegt es an den Bohnen und der Tagesform, dass es in der Nähe meiner Kaffeemaschine manchmal genau so riecht, wie in der Eisdiele meiner Kindheit. Stellt sich dieser Wohlgeruch zufällig ein, vermag auch grau(sam)stes Regenwetter nicht, das Frühlingsgefühl zu vertreiben. Dann entsteht halt Freizeit zu Hause: zum Milchmalen, Zeitungslesen und Musikhören. Und dass ich heute auf zwei völlig unterschiedlichen Wegen bei Brandford Marsalis gelandet rahmt den Wochenstart angemessen ein.

Angefixt durch ein rudimentäres Scofield Musikvideo aus dem Jahr 1986, hörte ich das „Still Warm“ Album durch. Im direkten Anschluß eine weitere Produktion mit derselben Rhythmusgruppe (Omar Hakim und Darryl Jones) aus demselben Produktionsjahr an, Stings „Bring on the Night„. Diesmal blieb ich nicht bei Kenny Kirkland Klaviersolos hängen, sondern bei Brandfords hochmusikalischen Antworten auf den Leadgesang, wie beispielsweise in „Cosider me gone“.
Diese Art von Call & Response ist meiner Meinung nach ein optimaler Einstieg, um dem geneigten Jazzdrummer die Idee der Trading Solos nahezubringen.

Heute las ich einen Konzertbericht über die „Gods of Rap“ (Wu-Tang Clan, Public Enemy und De La Soul) in dem der Autor Gareth Joswig schlussfolgerte: >>Dass das Konzept aufging, lag hauptsächlich an DJ Premier, auch Premo genannt, der als Gastgeber die Acts zusammengetrommelt hatte. Er band die Konzerte mit sensationellen DJ-Sets zusammen.<<
Also surfte ich seinem Schaffen ein wenig hinter, checkte dessen Transformierung von Hancocks „Jessica“, besuchte sein Wohnzimmer Konzert mit Band und landete schließlich bei Buckshot LeFonque, sprich bei Brandford Marsalis in den Neunzigern.

 

Mal schauen, was bei den anstehenden Gigs mit Nils Wülker (23. Lüneburg, 24. Bochum, 26. Altena) davon einfliesst…

Leitsätze

Mai 16, 2019

Auf IG habe ich eine ruckelig-dilettantische Stop-Motion Bastelarbeit zu meinem Leitspruch „Vom Zitat zum Ich“ hochgeladen…

… vermutlich:
Weil ich ein wider Erwarten gutes Buch zu Ende gelesen habe (Christian Kracht „Die Toten“) und heute mein bisher schönstes hr-Big-Band Konzert gehört und erlebt habe!
Hey ihr Frankfurter, wer morgen Abend Zeit hat besucht Brian Blade und seine Fellowship Band im Bigband-Gewand, für alle anderen hoffe ich, dass der heutige Stream-Kontent nachschaubar wird. [->yes!]
Und morgen eine kleine Ausstellung meines LieblingsfotografsPeter Bialobrzeski – besuchen möchte.
Und das unterm Strich einen Menge an Inspiration ist, die gleich mal mit den fünf Überschriften aus dem Ableton Bericht über Timbaland gekreuzt werden wird:
Was ist mein Thriller (mein Ziel)? – Hum your IdeasLeave Room for SurprisesListen to Other MusicLet the Speakers talk to you 

Noch ein passender Nachtrag im Zusammenhang mit der „Beauty“ Austellung:
>>I love finding beauty in everyday objects.<<

 

„Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“

Mai 16, 2019

Friedrich Küppersbusch schreibt einen schönen Nachruf zum Tod von Wiglaf Droste.

Beauty

Mai 11, 2019

Gestern wurde im Frankfurter Museum für angewandte Kunst die Ausstellung „Beauty“ von Sagmeister & Walsh eröffnnet. War voll und anregend! Und wie so oft bei Material von Stefan Sagmeister, ertappe ich mich mehrfach beim Nicken, Abfotografieren, noch öfters beim Schmunzeln. Ist ja auch toll, sich zeigen zu lassen, „warum das Schöne besser funktioniert“! Noch besser gefällt mir aber Sagmeisters Instagram-Auftrag, ihm das persönlich Schönste zu schicken:
>>Please do send us the most beautiful thing YOU have ever made. ⁣This can be a graphic, an object, a piece of architecture or art. No pictures of nature, animals or beautiful people.<<
Zu diesem Gedankenspiel fallen mir direkt vier Dinge ein.

1. Echos machen den Beat im Beat, verleihen dem Raum zwischen den Noten eine andere Farbe, zusätzlichen Glanz! Und da sehr oft auch der Zufall mit im Spiel ist -welcher Ausschnitt letztlich im Delaygerät landet – können wunderschöne Überraschungen entstehen. Dazu verlinke ich zwei Konzertausschnitte.
– Solo Jam mit Torsten De Winkels „Idiot Savants“, bei dem das gedroppte Random-Sample in allen Belangen passt. Inklusive Freudenschrei:

– ein Vocal-Dub, der die Sängerin Fola Dada zum Lachen bringt.

 

2. Seine Vorbilder schonungslos zu kopieren, um aus den Bausteinen  was ureigenes zu machen funktioniert hervorragend für meinen musikalischen Weg. Denn durch das Motto „vom Zitat zum Ich“ kann ich mich durchweg mit dem Schönen befassen…
(Diese Transformationsidee hatte ich vor Jahren Herrn Sagmeister schon mal als Postkarte geschickt.)

3. In den 90ern wohnte ich in einer WG. Und Angela hatte coole Freunde, die sich die Fußnägel lackierten. Seitdem gibt es bei mir ebenfalls Farbe auf die Füße, je nach dem, was so im Haus ist. Geschickter Kunstgriff, da ich meine Zehen nie so richtig schön fand.

4. Gute Sprache, immer schön (inspirierend).
Das Foto von Seite 82 entstand kurz vor dem Einschlafen beim Lesen von Christian Krachts „Die Toten“. Übrigens, zwei Seiten später steht geschrieben: >>Der Schlaf ist ein Rose, wie der Russe sagt.<< Auch ein schöner Gedanke!

PS. Timbaland versprüht in seiner Masterclass auch einen passenden Gedanken:
>>… be free with it, that’s the whole beauty about making music!<<

Postkolonialismus, kulturelle Aneignung und Crate Digging

Mai 5, 2019

Der Berliner Labelmacher und DJ Jannis Stürtz veröffentlicht auf seiner kleinen Plattenfirma Habibi Funk alte arabische Musik neu und erzählt im taz Gespräch interessante Dinge darüber, beispielsweise:

>>wenn man ein Album gefunden hat, das wenige andere kennen, dann gibt es in der Plattensammlerszene das Wording, sie „entdeckt“ zu haben. Eine Freundin meinte zu mir, dass es in diesem Kontext problematisch ist, dass man dieses Album de facto nicht discovered hat, sondern davon gibt es einige Hunderte Kopien, die irgendwo rumliegen. Das hat so eine gewisse Parallele, gerade wenn es über Kulturen hinweggeht, zu Christoph Kolumbus, der Amerika entdeckt hat. Das machte für mich Sinn, ich habe aufgehört, dieses Wort zu benutzen.<<

back to where it all began

April 30, 2019

Das Digital Drummer Mag blickt zurück: vor 20 Jahren endete die Simmons e-Drum-Era.
>>To mark the passing of an era, digitalDrummer rounded up some of the old gang for a virtual Simmons reunion.
Read the reflections of some of the key Simmons people and a whole lot more in the May 2019 edition.<<

Und trotzdem poppen die schicken Sechsecke immer wieder auf, wenn es gilt, die 80er Fahne hochzuhalten:

 

be curious before critical

April 28, 2019

John Maeda zitiert Dr. Regina Dugan: >>Be curious before critical.<< Und neugierig erinnere ich mich an den gestrigen Bahnhofsaufenthalt, als ich beim Durchblättern des Modern Drummer Magazins an diesem Foto hängengeblieben bin:

Der Name Kyle Crane sagt mir (noch) nichts, aber die Mikrofonauswahl bzw. die Aufstellung der beiden U47fet Teile macht Lust auf mehr!

A Drum Machine Obsession

April 17, 2019

Komisch, dass die Buchveröffentlichung von „Beat Box: A Drum Machine Obsession“ komplett unter meinem Radar verschwunden ist. Anyway, besser spät als nie. Selbst  wenn die Auflage aus 2013 vergriffen zu sein scheint, so vervollständigt sie immerhin eine Liste…

Don’t Change Your Love

April 16, 2019

Kaum zurück in Frankfurt, geht’s gleich weiter auf die nächste Zeitreise:
Montagmittag um 14 Uhr auf der Dippemess ist machbar, noch nicht so voll und trotzdem sind die Kassenhäuschensprecher im Flow als wäre Samstagnacht! Auch im Mukke-Cluster blitzt immer wieder mal eine Perle auf. So bin ich durch „Mo Money, Mo Problems“ dann komplett auf Notorios B.I.G. hängeblieben und habe mit „Everyday Struggle“ nicht nur ein weiteres schön verstimmtes Sample entdeckt, sondern den Bomben-Break „Don’t Change Your Love“ wieder erinnert:

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Passend zum Nostalgieschub, die Seite 271 aus Heinrich Steinfests aktuellem Roman „Der schlaflose Cheng„:

>>Als Cheng nach draußen aufs vordere Deck trat, brach soeben die Abendsonne durch einen breiten Riss in der Wolkendecke und verlieh den vorbeitreibenden Eisbergen den farblichen Glanz von altem, angegrautem Rosa. So ein Rosa, das manch einer als Großmutterrosa bezeichnen würde, bei dem Cheng aber an einen bestimmten Wassereisschlecker aus den frühen 1970er-Jahren denken musste. Dieser hatte aus einer einzigen zylindrischen Form bestanden und den Namen Lutscher getragen. Ein Totem von Eis. Er hatte genau einen Schilling gekostet. 1 Schilling! Nicht 0,99.
Natürlich würde man heutzutage keine Marke mehr Eskimo taufen und keinen Lutscher mehr Lutscher. Und von der Währung Schilling zu sprechen klang so, als rede man über den in Entenhausen gebräuchlichen Taler. Doch für Cheng hatte die Erinnerung an dieses Eis seiner Kindheit, das praktisch dort draußen zu arktischer Natur verwandelt vorbeischwamm, etwas Besänftigendes. Die Erinnerung an eine größtmögliche Einfachheit, die größtmögliche Freude bereitet hatte.<<