Archive for the ‘Read!’ Category

das Reisen fehlt

April 5, 2021

>>…und dann ist für die Arbeit eben am Allerwichtigsten […] in einem Land zu sein, wo man die Sprache nicht versteht. Weil man ununterbrochen das Gefühl hat, die Leute sagen nur angenehme Dinge und reden eigentlich nur wichtige philosophische Sachen.<< Thomas Bernhard (1:38)


Dance Hats

März 29, 2021

Ich begab mich neulich mal auf die Suche nach dem Erfinder des Ridecup-Offbeat-Patterns, jetzt lobe ich Earl Young für seinen Prototyp DER Dance-Hats (geöffnete Offbeat-Hihats).

The Fantastic Johnny C. „Waitin‘ for the Rain“ und Harold Melvin & The Blue Notes „The Love I lost“ (beide 1973)

>>The song began life as a ballad, but the session wasn’t working until producer Kenny Gamble told the musicians to let rip and crank up the tempo. [Drummer Earl] Young unleashed a war dance on the kick drum with a shuffle on the snare, but instead of echo- ing this pattern on the cymbals, he used a trick he had first used a few months earlier on an obscure record by Fantastic Johnny C, ›Waitin’ for the Rain‹. Picking up a thing or two from jazz drummer Max Roach, Young accented the off-beats using the open hi-hat. The result was the hissing hi-hat sound that has dominated dance music ever since this record was first released in 1973.<<
Peter Shapiro „Turn The Beat Around. The Secret History of Disco“

Futurhythmaschinen

März 28, 2021

Philo hat mich auf diesen vielversprechenden Wälzer (Buch bzw. schweres, aber freies PDF) aufmerksam gemacht: Die Dissertation ›Futurhythmaschinen‹ Drum-Machines und die Zukünfte auditiver Kulturen von Malte Pelleter. Ganz nach meinem Geschmack mit begleitender Spotify-Playlist und vielen Zwischenüberschriften, die Lust auf mehr machen!

Schon beim ersten Durchwischen bin ich zufällig bei drei interessanten Stellen gelandet:

1. Ein Screenshot wie der Perkussionist James Mtume beim Montreux Gig mit Miles Davis (1973) hinter einer Korg Minipops 3 Rhythmusmaschine zu sehen ist.
>>Ich springe noch einmal zurück. Höre noch einmal das Stoppen der Band und Davis’ so technoid kreischende Orgel, die sich in die Lücke gießt. Gute zehn Sekunde reißt er damit ein Loch in den Groove hinein, dann schaltet er die Band zurück auf ›On‹. Und dabei schaltet sich eine weitere Maschine ein: Mitten in den Groove hinein, der zurück ist, als sei nichts gewesen, lässt der Percussionist James Mtume das hektische Klackern einer Rhythmus-Maschine aufbranden. Dabei macht er allerdings keinerlei Anstalten, das Pattern der Maschine in das Grooven der Band einzufügen, sondern lässt es bei hoch aufgedrehtem Tempo-Regler immer wieder in deren Spiel hinein- rasseln. […] Gerade andersherum wird die Maschine gegen den Groove laufen gelassen. Sie schwappt daran immer wieder empor, um dann unter anderer Percussion und zerrenden Gitarren-Fetzen zu verschwinden. Durch den unbekümmerten Dreh am Tempo und eine klassische mixadelische Effekt-Kette transformiert Mtume die Pattern seiner Rhythmus-Maschine in abstrakte perkussive Texturen, die er auf, neben und zwischen dem Grooven der Band ausbreitet.<< (Seite 222, 224)

2. Wie die Toningenieurin Susan Rogers (dort in der Red Bull Academy) erzählt, wie die Drum-Sounds der Linn LM-1 >>vor allem Ausgangspunkt für weitere Klangexperimente waren und wie wichtig etwa Princes Board aus Gitarreneffekten für das Sound-Design seiner Drums wurde:
»So we would take his BOSS pedal-board from his guitar rig and just plug it into the drum machine, the output of the drum machine and we could send claps or snare or toms usually and hihat, whatever we liked through this mixture of the heavy-metal-pedal and the flanger and the chorus and the delay and the distortion. So dialing in on the pedal-board, dialing in the sound for the percussion was one of the tricks that he invented and that others copied in his work.«<< (Seite 452)

3. Dann gibt es noch den Grüntee-Unfall, der eng mit dem Beckenklang-Entwicklung für die TR-808 verbunden ist (Seite 303) und die Frage ob nicht Ikutaro Kakehashi 1967 durch seine Rhythm Ace FR-1 den Bossa Nova erfunden hat, >>insofern er der erste war, der ein ›korrektes‹ Pattern aus den zuvor vage flottierenden Konzepten von Bossa-Rhythmik heraus destilliert und in rhythmaschinische Hardware gegossen hat<<? (Seite 228)

Zum Abschluß höre ich noch Prince Jammys „Auto Rhythm“ vom 1986er Album Computerised Dub

und J. J. Cale „River Runs Deep“ (1971) mit der Rhythm Ace Fr-3.

Gute Nacht Geschichten

März 23, 2021

Saša Stanišić liest in der sympathischen Buchhandlung Lüders aus „Hey, hey, hey, Taxi„.

Toller Autor, tolles Buch (hab’s es schon längst gelesen und direkt auch verschenkt).
Bin gespannt, ob der Schlagzeug spielende Hut und sein chinesischer Freund mit der lauten Trompete diesmal wieder mitmischen? Jenes Duo, dass das Duo unseres temporären elektronischen Salons beim Lockdown Jam für den hr kurzerhand eingebunden hatte.

Wer selber noch was lesen will, dem lege ich den taz-Artikel zum Klang am Weltwassertag ins Bett. Der dreht sich vor allem um den „Echoraum des Wassers“, um den Wasserkocher, der die Flüssigkeit sprechen lässt…

.Paak, Greb und die Chili Peppers

März 6, 2021

Eh klar, Anderson .Paak ist ein top Drummer, weil total locker – trommeln und singen und tanzen!

Ich bin jetzt endlich mal in Benny Grebs „Effective Practising for Musicians“ eingetaucht und schwer begeistert. Komme aus dem Abschreiben guter Gedanken gar nicht mehr raus. Zudem liest sich das Buch total gut, vor allem wenn man Benny kennt, hört man ihn förmlich reden und lachen! *****

>>Self-discipline isn’t the opposite of freedom. It is freedom, because it gets you where you want to be.<< (Seite 45)

Und zack sitze ich im Proberaum, spiele wie immer erst ’ne Weile mit verschiedenen Ideen rum und dann drängts mich doch zu einer ernsthaften Übung. In bester Benny-Erinnerung versuche ich mal den Metronompuls als 2+ und 4+ zu hören und da mein Vermona Kick Lancet gerade tatenlos herumsteht und er diese tap-tempo-to-trigger-a-pulse Funktion hat, für die ich bisher keine Verwendung gefunden hatte, stellt sich das erste Glücksgefühl schon durch dieses Entdeckung ein. Und dann eher so „Red Hot Chili Peppers Take eins„… (Seite 19ff)

Egal – ich bleibe dran. Macht Bock!
Und gelesen wird, wo es schön ist! Und ist das Gras im Park zu nass, wird halt das Rad zum Sessel…

>>Don’t practice it until you can play it; practice it until it feels good.<< (The Whale Method, Seite 172, 109ff)

Und zum Schluß noch einen Satz zum Üben und fürs Leben:
>>Be a helper instead of a judge.<< (Seite 95)

vorgeschrieben sind leuchtend rot und schwarz

Februar 28, 2021

Hurra, der Joker des ersten Lockdowns lässt sich wieder spielen: auf öffentlichen Ping-Pong-Platten bei Frühlingswetter.

Da für mich Tischtennis- und Schlagzeugspielen immer schon miteinander verbunden sind – ich übte als Kind im Haus meiner Großeltern; im benachbarten Kellerraum stand die Tischtennisplatte, die unter erschwerten Bedingungen (Boden stark abschüßig, Deckenhöhe knapp 2 Meter, Rundlauf nur seitlich verdrehtes Rennen möglich…) leidenschaftlich gerne genutzt wurde – liste ich im Folgenden gesammelt all meine Verbindungsmöglichkeiten beider Welten auf:

When stuck on an idea for a song, we’d ask, „What would Lee Perry Do?“

Februar 23, 2021

Verlängerter Lockdown? No prob – hier liegen weitere 1,6 Kilogramm Pizza auf dem Nachttisch.

Perfekte Kombi: The Beastie Boys & Lee Scratch Perry

kraus, krass, Kracht

Februar 21, 2021

Anstatt selbst zu zeichnen, wird „Der gelbe  Bleistift“ gelesen. Dabei stelle ich fest, dass Christian Kracht damals (Ende 90er) Umstände als kraus bezeichnet, zu denen ich heute krass sagen würde.
Danke für den guten Buchtipp, liebe Christin Neddens!

Ähnlich gelb wie mein Bleistift, die Sonne heute. Also Fenster auf und…

Hingegen alles andere als planlos (kraus), dafür richtig krass: der Killswitch/Mute Button des Gitarristen mit dem Blecheimer auf dem Kopf (Buckethead). In spielerischer Form (Arcade) wird hier das Vermächtnis von Eddie Van Halen oder Tom Morello weitergeführt, auf dass sich die heftigt verzerrte Klampfe gestochen scharf scratchen oder slicen lässt, auf jeden Fall aber ordentlicht kracht!

Jetzt aber wirklich raus in den Frühling, schön im Sonnenschein lesen…

PS. Nachtrag: Mittlerweile ist es Abend und mein Freund Markus Birkle kommt mit einem interessanten Workaround um die Ecke, der a. das Anbohren der Gitarre umschifft und b. hervorragend auch zu meinem Emergency Exit Konzept beim Echodrumming passt: ein (D’Addario Planet Wave) Klinkenkabel mit integrierter Mute-Taste!

Lockdown Sports 2.0

Februar 16, 2021

Indoor Tennis und Kneipp-Duschen

Mawils „Angabe des Todes“ und ein Kapitel aus der (Kreis schließenden) Bedienungsanleitung des Line 6 Delay Modeler:

[Tischtennis]

Kick off

Februar 12, 2021

… ins Wochenende, mit neuen kreativen Bildern von Christoph Niemann:

Hey, hey, hey! Und die Taxi-Geschichten von Saša Stanišić  sind ab sofort beim Mairisch Verlag bestellbar. Ebenfalls mit tollen Illustration (von Katja Spitzer).