Archive for the ‘Practise!’ Category

Chaabi – die Sache mit dem Schwerpunkt

März 27, 2021

Oh man, dieses Youtube Video hätte ich im Jahr 2000 gebraucht, als ich beim Jammen mit El Houssaine Kili verzweifelt die „eins“ gesucht hatte. Glücklicherweise kam dann Rhani Krija in die Band und hat sie mir gezeigt.

Hier erklärt dir gleich Yogev Gabay (und Rhani dort) die Struktur des nordafrikanischen Chaabi Beats. Danke für den Video-Tipp, lieber Axel Mikolajczak!

Gabays Musikbeispiele stammen aus dem Album „Ifrikya“ (2001) vom tollen Karim Zihad.

Frühlingswetter, Sommerdusche

März 24, 2021

… und dabei laut singen. Oder mit einem Echogerät trommeln!

Das Foto stammt aus der Bedienungsanleitung des Yamaha Homerecording Mixers MM-30, der damals zur Klangformung pro Kanal zwei Drehknöpfe bereitstellte, einen simplen EQ („Tone“) und einen, der das Signal ins interne Eimerketten Delay schickt („Echo“).

Ach ja, zum Thema eins Wetter, Sonnenschein. Lass dich nicht blenden und pack die Schirmmütze ein:

Die schicke Schachtel des Roland SH-101 (der übrigens gerne von Rhythmusmaschinen getriggert und so zu selbiger wurde) habe ich im Soundgas Shop abfotografiert.

Und hey, wenn du dich im Park vielleicht locker machen willst, dann empfehle ich ein paar Lese/Bodypercussion-Übung von Kristof Hinz‘ wohldurchdachter Klatschkurs.de Seite.

Psychoakustik

März 19, 2021

Daniel Stämmler, unser Hattler FOH, hat mir diesen spannenden Fünfteiler zum Thema Psychoakustik geschickt:

Gleich mal zwei passende Bezüge:

1. Repetition Pitch (Part 2/5, 3:19) >>Have you ever clapped in a reverberent space and thought you here a pitch in the resulting sound?
Da denke ich doch direkt an meine Echogeräte und den Stockhausen Vortrag von vorgestern.

2. Den Levitin Effect finde ich natürlich schon mal alleine des Namens wegen toll, aber auch den Inhalt mag ich. Denn es geht bei diesem Phänomen darum, dass wir Menschen (unabhängig von unserer musikalischen Ausbildung) oft Songs in der richtigen Tonart erinnern. Ich beobachtete ähnliches in Bezug auf die Tempi unserer Lieblingssongs und verwende diesen Umstand zur Erstellung einer persönlichen BPM-Erinnerungs-Liste. Und siehe auch dieses Phänomen hat Herr Daniel J. Levitin untersucht („Memory for musical tempo: Additional evidence that auditory memory is absolute„, 1996).

die Transponiermaschine

März 16, 2021

Impulse können sich in Tönen verwandeln und der Rhythmus eines Impulses beeinflusst die Klangfarbe des Tons.
Karlheinz Stockhausen erklärt mir warum die schnellen Echodrums einen Ton bekommen – toll! (ab 5:21′)

Vier Kriterien der Elektronischen Musik (Tonbandtranskription eines ohne schriftliches Konzept frei gehaltenen Vortrages 1972)

.Paak, Greb und die Chili Peppers

März 6, 2021

Eh klar, Anderson .Paak ist ein top Drummer, weil total locker – trommeln und singen und tanzen!

Ich bin jetzt endlich mal in Benny Grebs „Effective Practising for Musicians“ eingetaucht und schwer begeistert. Komme aus dem Abschreiben guter Gedanken gar nicht mehr raus. Zudem liest sich das Buch total gut, vor allem wenn man Benny kennt, hört man ihn förmlich reden und lachen! *****

>>Self-discipline isn’t the opposite of freedom. It is freedom, because it gets you where you want to be.<< (Seite 45)

Und zack sitze ich im Proberaum, spiele wie immer erst ’ne Weile mit verschiedenen Ideen rum und dann drängts mich doch zu einer ernsthaften Übung. In bester Benny-Erinnerung versuche ich mal den Metronompuls als 2+ und 4+ zu hören und da mein Vermona Kick Lancet gerade tatenlos herumsteht und er diese tap-tempo-to-trigger-a-pulse Funktion hat, für die ich bisher keine Verwendung gefunden hatte, stellt sich das erste Glücksgefühl schon durch dieses Entdeckung ein. Und dann eher so „Red Hot Chili Peppers Take eins„… (Seite 19ff)

Egal – ich bleibe dran. Macht Bock!
Und gelesen wird, wo es schön ist! Und ist das Gras im Park zu nass, wird halt das Rad zum Sessel…

>>Don’t practice it until you can play it; practice it until it feels good.<< (The Whale Method, Seite 172, 109ff)

Und zum Schluß noch einen Satz zum Üben und fürs Leben:
>>Be a helper instead of a judge.<< (Seite 95)

steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude

März 4, 2021

Neulich wurde ich zu meinen Übe-Konzepten befragt. Ich erklärte meinen Weg der Selbstmotivation – sich schöne Aufgaben zu stellen -, vergaß in der Kürze der Zeit aber einen anderen wichtigen Pfeiler: das Machen im Kontext, Wagnisse vor Publikum.

Selbstverständlich habe ich mir durch klassisches Training über die Jahre ein gewisses Repertoire an Grooves und Lösungen erarbeitet, aber die Überprüfung und Sortierung der Optionen (was funktioniert tatsächlich gut?) passierte ausschließlich in der Konzertsituation.

Meine bewusste und pragmatische Entscheidung (Minimalismus, sich aufs Wesentliche konzentrieren, Flow- und Groove Schwerpunkt, Unlust Instrumente durch die Gegend zu wuchten) mit nur Kick-Snare-Hihat und einem Becken zum Gig zu reisen, hat mir erst in der konkreten Konzertsituation gezeigt, an welchen Stellen die Stolperfallen liegen, wofür ich neue Workarounds brauche.
Beispielsweise: Mir fehlten die Toms für typische Fill-Ins. Was tun?
Ich kultivierte Mutes.
Mir gingen bei so viel Übersichtlichkeit schnell die Farben aus.
Ich integrierte diverse Schüttelperkussion, gerne auch zusätzlich zum Stock in der Hand, dann entdeckte ich die Vielfalt des Echogeräts und den Kosmos der elektronischen Zuspielungen.

Mein Interesse für die Ästhetik von elektronischen und/oder produzierten Beats konnte ich zwar zum großen Teil analytisch angehen und so auch auf meine Setups und Spieltechniken übertragen, am meisten gelernt habe ich jedoch durchs stundenlangen Jammen (Mit-Trommeln) mit einem DJ – im Club. Dabei verstand ich zunehmend besser, wie Spannungsbögen erstellt werden, auf was der Dancefloor abfährt/reagiert, wie sich das Publikum lesen lässt, auf was es inhaltlich (Beat-technisch) ankommt…

Nach der Turntablerocker Tour (2001) wusste ich, wie eine Band als dritter Plattenspieler agieren und sich um die Instrumentals kümmern kann, so dass die beiden DJs Michi Beck und Thomilla sich auf Acapellas, Classic Breaks und die Ganitur konzentrieren konnten. Kaum war mein Soloalbum („Organic Electro Beats„, 2003) in der Welt, schrieb ich viele DJs an, ob sie nicht Lust auf einen „interaktiven dritten Plattenspieler“ hätten, Dhoerste reagierte und nahm mich einfach mit – in eine komplett neue Welt, die ich nur vom Hörensagen kannte. Und ich trommelte auf unterschiedlichen Hybrid-Kits in DB verträglichem Format einfach zu seinem aufgelegten Set (gerne auch noch einen ausgedehnten Übergang mit dem vorigen bzw. folgenden Künstler)…

Steilste Lernkurve ever, zudem beflügelnde Freude!

Ich hatte eine neue Hobby-Perle gefunden, die nicht wirklich oft, dafür immer wieder aus neuem Gewand kräftig rausleuchtet. Zuletzt im Rahmen der Ludwigsburger Trommeltage mit DJ Friction und – hey! – nächste Woche mit Michel Baumann aka SoulPhiction/Jackmate im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis.

Ich kenne kaum jemanden, der Hiphop, House und Techno mit so viel Feingefühl und Soulfullness formt. Immer entsteht Musik, die einen im doppelten Wortsinn bewegt: man möchte sofort tanzen, kann sich aber auch zurücklehnen und einfach zuschauen, zuhören.
Insofern beste Voraussetzung für ein gestreamtes Unikat!
Und da SoulPhiction viel mehr Live-Act als DJ ist, wird Improvisation und Interaktion groß geschrieben – so dass ein Jazzclub als Austragungsort nicht besser gewählt werden könnte!
Tickets für unseren Gig am 12.03.21 können hier gekauft werden.

Über Michel zu schreiben wären nach Athen getragene Eulen. Er formt seit 1996 beständig den Clubsound, veröffentlich auf den renommiertesten Labels (ich wähle mal die „P“ beginnenden: Pampa, Perlon, Playhouse, PokerFlat), aber auch auf dem eigenen (Philpot Records).
So viel ließe sich berichten (aber auch einfach nachlesen – so auch unsere gemeinsame Geschichte, die vor über 20 Jahren mit Pauls Musique begann und 2018 finally zum ersten Duo-Gig führte), also lege ich am besten mal ein Mixtape ein:

Clickt euch rein am 12. und tanzt mit!



Der Anruf

März 1, 2021

Ich war am Wochenende spontan & virtuell in Berlin, für einen kompakten ZOOM-Workshop bei Erchingers Drumtrainer.
Unter anderem erzählte ich dort von meinem selbstmotivierenden Übe-Gedankenspiel, für das ich mir einen Lieblingssong hernehme und mir vorstelle, dass ich zufällig die Anfrage erhalte, ob ich nächste Woche genau diesen Track mit den originalen Protagonisten live performen könnte und mich daraufhin in den Proberaum setze…
Dort werden dann alle Ebenen – das Pattern, die verwendeten Sounds, die getrommelte oder programmierte Attitude – unter die Lupe genommen und irgendwie zu einer bühnentauglichen Version zusammengesetzt.

Sollte der Anruf doch nur ein Traum gewesen sein, so habe ich doch immerhin wieder neue Bausteine im Repertoire, die an anderer Stelle bestimmt neu und spannend verwenden werden können. So weit, so bekannt…

Gestern Nacht bekam ich passenderweise von meinem Frankfurter Schlagzeuger-Freund Benno Sattler den Link zu seinem Video-Tutorial, in dem er die Umsetzung des von Prince programmierten Funk Klassikers „777-9311“ auf dem Schlagzeug erklärt.
Vor 10 Jahren hat er erstmals eine Version für das rein akustische Drumset erstellt, die jetzt um die zentralen e-Claps erweitert wurde. Tricky but Yeah!

ever heard of „Frankfurt Compression“?

Februar 27, 2021

Wenn man lange genug träumt, wird das Pförtnerhäuschen plötzlich zur Realität. Nicht ganz eins zu eins – ohne Hängematte, Oberlichter und Garten – aber von der Größe her (6,16 qm) passt’s dafür haargenau.
Hey, mein erster eigener Proberaum – hallo, Glück!


Traumgemäß wurde minmal gestartet, direkt aber auch das komplette Platzangebot austariert.

Künftige Duo-Proben ab sofort mit Club Gefühl und für Recording Anfragen gibt’s eine dicke Überschrift:
Jetzt inklusive „Frankfurt Compression„!

agieren lassen

Januar 21, 2021

>>Der schlechte Romancier konstruiert seine Figuren. Der wahre Romancier hört ihnen zu und lässt sie agieren<<

Interessante Beobachtung von André Gide, die sich durchaus auch auf die Anwendung des Geübten übertragen lässt!

Body Percussion digital

Januar 13, 2021

Eigentlich immer verbindend, auflockernd und spaßig: eine Runde Body Percussion. Eine Gruppe von Rhythmuswilligen läuft den Puls und klatscht dabei vorgegebene Patterns nach.
Das ist leider in Zeiten des Online-Unterrichtens schwer durchführbar. Denn das gleichzeitige Grooven funktioniert wegen der Übertragungslatenz nicht und durch den typischen Kameraaufbau/Bildausschnitt sehe ich meist auch nur Kopf und Oberkörper meiner Gegenüber.

Also habe ich mir folgendes, visuell nachvollziehbares überlegt: der Fuß-Puls wandert in die Bewegung der oberen Körperhälfte (Oberkörper/Kopf). Alternativ dazu (oder zusätzlich) wird er mit Rhythmussilbe „Tschick“ gesprochen.

Die rhythmischen Aufgaben werden mit einer Hand auf die Schulter geklopft.

Beispielsweise Rhythmusklassiker aus aller Welt (Clave, Baião, 3:2, Flamenco…) oder Sightreading Texte.
Und zum Üben lässt Du als Refernez am besten noch das Metronom mitlaufen und versuchst seinen Puls als Achtel-Offbeat zu hören.

Eine erweiterte Spielart geht in Richtung Beatboxing. Dabei versuche ich sowohl Tschick-Puls als auch die Rhythmusübung zu „singen“.
Hier meine dazu passende Spielkarte aus dem „Modernen Schlagzeugquartett

Der tolle Benny Greb hat diesbezüglich die Meßlatte ganz schön hochgelegt (da er nicht den Viertelpuls sondern die Clave als Grundlage hernimmt):