Archive for the ‘Music of the Moment’ Category

Imperial, versteckt

Januar 24, 2020

Heute brauchte ich frei improvisierte Klaviermusik, um mein Dub-System für das Frankfurter HfMDK Jazzfest auszuprobieren. Ralph Abelein hatte mir zwar begeistert von Marilyn Crispell erzählt, aber leider hatte ich ihren Namen vergessen und so legte ich Jarretts Köln Konzert auf (welches ich mir tatsächlich noch nie angehört hatte) und fütterte fortan Echo (keine Delay Teil1) und Hall (Neunaber Wet) mit seinen Schnippseln (via grünem Taster).

IMG_3957

Gerade eben – Achtung schöner Zufall – habe ich im Interview mit der damals 18 jährigen Veranstalterin Vera Brandes (die später – mein als Teenie heiss geliebtes – VeraBra Records Label gegründet hat) gelesen, dass heute vor genau 45 Jahren DAS Köln Konzert (letztlich doch noch) über die Bühne ging und (trotzdem) aufgenommen wurde. Um schließlich, wie wir alle wissen, den Orden des erfolgreichsten Soloalbum der Jazzgeschichte zu tragen.

In anderer schöner, fast kontrollierter Zufall: Die auf der schräg gestellten Snaredrum am DrumGees (wie auf der Wäscheleine) befestigte Sizzle-Kette, mit der Max Gebhardt seiner Trommel eine Art angezerrten Raumklang entlockt.

PS. die anderen beiden Echogeräte werden wie folgt eingesetzt: Das Boss Re-20 für meine Snare, der Red Panda Particle II effektiert die elektronische Bassdrum aus dem Vermona Kick Lancet.

96

Januar 22, 2020

Gestern Abend, Arbeitsessen im temporären elektronischen Salong. Irgendwie landeten wir bei einer frühen holländischen Doku über Drum N‘ Bass.
Heute in der Hochschule, man unterhält sich über Daft Punks „Kompressions-Hausaufgaben“ und  DJ Shadows „Entroducing“ Sample-Puzzle – leuchtende Augen…

Musik aus 1996, Sound mit Nachdruck und viel Energie – kompromisslos & eigen wie viele seiner Protagonisten: Aphex Twin performt im liegen, Squarepusher ist irgendwie noch im Jaco Pastorius Modus, Photek fährt Ferrari, Source Direct zwei schwarze BMWs (>>We feel that we just like to drive round in our fast cars, we make our beats, we like to chill in these sort of quiet country pubs, we like to see girls and that’s about it really. It’s not much else to do, it’s quite boring in the country of England<<) und Goldie macht „dance music for the head„.

Nicht dass ich damals eine derartige detailierte Einsicht mitbekommen hätte, aber der Drum’N Bass Funke war zu diesem Zeitpunkt schon übergesprungen und entfachte eine Begeisterung für die elektronische Clubmusik in mir (die als Inspirationsquelle bis dato immer noch anhält).drumnbass

Hey, 1996 war auch das Popkomm Eröffnungskonzert mit Faithless, Sneaker Pimps und einem übelgelaunten Tricky, der dem Monitormann mit Prügel drohte, den Lichtmann trotz Fernsehaufzeichnung anwies, die Beleuchtung komplett herunter zu fahren und am ende seiner Performance das Publikum nach Hause schickt, obwohl Lamb noch auftreten sollten…
Und jetzt meine elektronischen Inselplatten dieses Jahres:
Everything but the Girl „Walking Wounded
Fila Brazilia „Black Garden Marketing
Underworld „Second Toughest In The Infants“

wieder Kinderzimmer!

Januar 21, 2020

Maurice Summen mutmasst in der taz über „Todesverachtung to Go“, das aktuelle Album der wiederauferstanden Kinderzimmer Productions:
>>Bleibt zu hoffen, dass man als fürsorgendes HipHop-Familienoberhaupt seine Kids mit diesem Album begeistern kann. Denn welchen deutschsprachigen HipHop sollte man sonst mit seiner Familie hören in einem von Antisemitismus, Sexismus und Autotune-Madness dominierten Markt, wenn die Kinder aus dem Deine-Freunde-Alter rausgewachsen sind?!<<
Ich höre mich jetzt mal durch den ganzen Katalog (denn ausser dem minimalen Randwissen, dass das Duo aus Ulm kommt und mein Schlagzeugerfreund Jürgen Schlachter live (u.a. das „Over and Out“ Album) mitgetrommelt hatte, kenne ich leider kaum was von den Deutsch-Rappern die man in den Neunzigern >>im Regal zwischen Digable Planets und Jungle Brothers einsortieren konnte<<…)

Monday Blue

Januar 20, 2020

Ich beginne die Woche mit Sam Gendels „Afro Blue“

und erfreue mich am Brückenecho aus Bern, das der spannende Trommler Julian Satorius auf IG geteilt hat. (Kommt direkt in die Liste der schönsten Hallkammern und Echolandschaften)

Da „A funky Kind of Thing“ fast identisch beginnt und Billy Cobham ebenfalls in der Schweiz wohnt, wird auch er ins Echoboot geholt und über die Aare geschippert.

Ich hingegen träume dank diesem Hinweis noch ein wenig von die Echokanone:
>>Im 19. Jahrhundert wurde das Echo touristisch vermarktet. Dabei halfen sogenannte Echokanonen. Eine solche Kanone stand auch auf der Wengernalp im Berner Oberland. Gegen ein Entgelt von einigen Centimes zündete er Älpler einen «Pfupf». Der Knall erzeugte ein siebenfaches Echo. Zu sehen ist die Echokanone der Wengernalp heute noch im Touristikmuseum der Jungfrau-Region in Unterseen.<<

gosimg10PJ02c001d5808080b3000012017qf7

Ich mache Fotos, um mir die Welt zu erschließen…

Januar 19, 2020

… der Kontext in dem ich operiere ist so ähnlich wie in einer Independent Band zu spielen und auf kleine Festivals zu gehen.<<
So antwortet mein Lieblingsfotograf Peter Bialobrzeski im PicDrop Podcast auf „die deutscheste aller Fragen: und, was machst Du so?“

Auch ich war vorgestern mal wieder Gast in einer schönen Radiosendung und durfte Sätze und Alben mit Michael Rütten wechseln. Hätte auch er mir die oben genannte Frage gestellt, hätte ich mein Tun wohl derart beschrieben:
Ich trommle Musik, um anderen Geschichten zu erzählen und selbst Klarheit zu erlangen.
Viel Spaß beim Nachhören 🙂

00362715

Jetzt nochmals Bialobrzeski
>>Ich bin verantwortlich für das was ich sage, nicht für das was Du hörst<<, ein Aha!
sowie Link und Trackliste zur Soulsearching Sendung:

Miles Davis „In A Silent Way“
Massive Attack V Mad Professor „Protection (Radiation Ruling The Nation)“

Keith Jarrett „Creation Part 1“
J Dilla „One Eleven“
Fila Brazillia „Butter My Mask“
Tony Allen „Moyage (Mark’s Disco Mix)“
The Police „Next To You“
Rhythm & Sound „No Partial“ 
Swag „version.14“ 
Billy Cobham „A Funky Kind Of Things“
emanative „Planet B feat. Liz Elenzky“ 

Can „Vitamin C (BOM Edit)“
Brian Blade Fellowship „Red River Revel“
LCD Soundsystem „45:33 (Theo Parrish’s Space Cadet Remix)“

Wheather King

Januar 15, 2020

c3d31a86-437c-486b-b3ac-80700841da61

Erstaunlich, dass die Idee zum standardisierten Kunststofffell erst 1957 aufgekommen ist, das passende Patent dieses Jahr im Mai seinen gerade mal 60. Geburtstag feiern wird. Dabei gefällt mir vor allem der von Remo Belli gewählte Name.
Weather King!
Damit macht sich der Schlagzeuger unabhängig von der Witterung und kann sich voll und ganz aufs Herbeitrommeln des benötigten Klimas konzentrieren.
(Wobei heute das natürliche Gleichgewicht weitaus dringlicher auf der Agenda steht, als nur der vom Regenmacher herbeigezauberter Niederschlag…)

Hier herrscht jedenfalls momentan ein königliches Winterwetter. Passt wunderbar zur momentanen Lektüre über die exotische Sammelleidenschaft des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I, der mit den „Langen Kerls“ seine Leibgarde ausschließlich mit Riesen bestückte (Thomas Meyer „Rechnung über meine Dukaten“) und schürt die gute Laune. Dazu noch eine vergessene Soul-Funk-Perle und einen Kaffee! Auf dass ich für Club (heute: DTES @ ono2, 21h) und Radiosendung (morgen: zu Gast bei Michael Rüttens „Soulsearching“ @ radio-x, 21-23h) bestens gerüstet bin.

Tune in!

Laptop Rennen?

Januar 13, 2020

IMG_3903

Ferien vorbei, zack wieder Alltag – sprich Computer, Musik und Musik mit elektrischen Hilfsmitteln – irgendwo im Spannungsfeld zwischen Jazz und Club Kultur. Mit aller Freiheit und dem angenehmen Risiko einer Bergabfahrt…

MI 15.01.20 „Der temporäre elektronische SalonFrankfurt, Ono2 21h
(Lars Bartkuhn/git & comp Oliver Leicht/electric reeds; kamü/live drawing; OR/organic electro beats)

SO 26.01.20 „Der temporäre elektronische Salon“ Eschborn, K 19.30h
(Ulf Kleiner/rhodes; Oliver Leicht/electric reeds; OR/organic electro beats)

MI 29.01.20 Kopffarben meets Abelein, Brandt, Rubow, Viegelahn @ Jazzfest Frankfurt, HfMDK 20h
(Ralph Abelein/keys; Christopher Brandt/git; Stefan Viegelahn/organ; Kopffarben/visuals; OR/groove scapes)

FR 31.01.20 Luminos W feat. Wolfgang Schmid @ Jazzfest Frankfurt, HfMDK 21.30h
(Peter Wölpl/git, comp; Wolfgang Schmid/bass; OR/dub drums)

Rest in Peace, Pratt

Januar 10, 2020

Mit einem energiegeladenen Foto und der Tom-Sawyer-Air-Drumming Performance von Josh Freese lässt’s sich leichter Neil Peart eine gute Reise wünschen…

neil-peart

Obschon ich nie wirklich „Rush“ gehört habe, gefällt mir selbstverständlich Neil Pearts Neugierde und Aufgeschlossenheit bzw. der daraus entstandene Hybrid Ansatz. Und so höre ich mich nun, dank der auf den einschlägigen Fanseiten bestens dokumentierten Equipment-Listen, durch die trommel-elektronisch angereicherten Produktionen und Tour-Dokumente.
Ich beginne mit „A Red Sector“ von der 84er „Grace under Pressure“ Tour (mit schickem Tama Pre-Artstar/Simmons Kit):

Dann noch „Big Money“ mit eigenen Samples auf den SDS-7 Eproms:

PS. Pratt = Neil Peart’s nickname.
„Over the years, I have been called … Pratt, which was a play on the various butcherings of my simple Anglo-Saxon surname, „Peert,“ which the other guys were amused to hear everybody, from hotel staff to fans, insist on pronouncing „Pert,“ „Part,“ „Pairt,“ and even „Pee-art.“ (I prefer to think my friends‘ choice of nickname for me has no relation to the English slang word „prat,“ meaning „ass.“) … Pratt was the name that endured …“ — Neil Peart, „Roadshow“

vor allem: Teamwork

Januar 10, 2020

Habe gerade vom Tod Wolfgang Dauners erfahren. Oh no! Das finde ich schlimm und tut mir aufrichtig leid, für die Fans, die Hinterbliebenden, vor allem für Flo, den ich mag und schätze… und gerade deswegen will ich mich an die schönen Sachen erinnern die ich mit dem „Frank Zappa des Schwabenlands“ verbinde.
Eine meine ersten Jazz-Platten war das „Teamwork“ Album vom United Jazz & Rock Ensemble. Auch wenn ich mich damals (mit 12) eher auf deren Gitarristen Volker Kriegel konzentrierte war der Name Wolfgang Dauner gespeichert. Über die Fernsehsendung „Die Joghurts“ erfuhr ich 1985 von seinem Sohn Flo Dauner und war geflasht! Diese Begeisterung hat nicht nur bis heute ungebrochen angehalten, sondern hat dazu geführt, dass ich Wolfgang Dauner fortan fasst nur noch im Doppelpack wahrgenommen habe. Und so habe ich über die Jahrzehnte diverse spannende Duo-Gigs von Dauner & Dauner erlebt (das erste Mal Anfang der Neunziger Jahre? in Waiblingen, das letzte Mal, gefühlt neulich, im Stuttgarter Theaterhaus). Insofern passen diese beiden Fotos bestens. Eins a Team, mal mit EMS Synth-Wand, mal mit Flügel (und V. K.).


Selbstverständlich gefiel mir auch die MOOD Records Idee, oder die von Wolfgang Schorlau verfasste Biografie „Das brennende Klavier„, das charmante Stuttgarter-Hochdeutsch des Meisters, sowie folgende Anekdote – weiss nicht mehr wer sie erzählt hat, Dieter Seelow vielleicht, oder Wolfgang Schmid? – in der Wolfgang Dauner anstelle des erwarteten Jazz-Auftritts den Konzertflügel in einer langwierigen Performance auseinander geschraubt und kleinteiligst zerlegt hat ohne einen einzigen Ton angeschlagen zu haben.
>>Keine Grenzen, aber das auf genialem Niveau!<<
Viel Attitude, viel inspirierende Musik!
Danke. Mach’s gut!

Ziühü hü h üu uuo  o  –   .   .   . . .

Dezember 31, 2019

Mit dem Eulen-Türgriff des Jenaer Volkshaus winke ich dem schwinden Jahr(zehnt) zum Abschied. Bin aber nach der gestrigen euphorischen „de capo“ Premerie (DePhazz & StuebaPhilharmonie) und einer gelungen umgestalteten Bahntoilette äusserst zuversichtlich!

Und tatsächlich entdeckte ich heute noch auf den letzten Metern einige schöne Sachen, Vielversprechendes für 2020.

Zum Beispiel das Sault Kollektiv aus England und dessen Album „5“ (aus der SZ Bestenliste) oder das musikalische Umfeld des Schweizer Schlagzeugers Samuel Rohrer (der gerne auch mal in die Elektronik- und Effektkiste greift), sowie den Instagram Account vom Dub-Trio Trommler Joe Tomino, der ebenfalls als ganz besonderer Echodrummer wirkt. Schließlich dann noch ein von den australischen Roland-Space-Echo-Chef-Reparateuren Shane Fritsch & Doug Ford neu designtes Echo Fix EF-X2 Tape Echo.

echofix3

Damit lässt sich auf jeden Fall eine klangliche Alternative zur Silversterrakete erstellen: Feedback bis zum Anschlag, Hall rein und dann den „Motor OFF Switch“ drücken:
Ziühü hü h üu uuo  o  –   .   .   .     .     .

Damit ich nicht zu weit abhebe finde ich auf der Straße zwei eins a Gewichte. Die werden im kommenden Jahr zudem für guten Sound sorgen – in der Kick oder auf der tiefgestimmten Snare, bzw. die gute Laune beim Schlagzeugspielen erhalten, weil sie als Stopper vor den Bassdrumfüßen das leidige Verrutschen der großen Trommel verhindern.

IMG_3748

Ich wage ein kleines Resümee: das Glück liegt teilweise auf der Straße…