Archive for the ‘Attitude’ Category

vom Sechseck zum Raum

Dezember 13, 2018

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Da sollten doch die Herzen eines jeden Simmons-Fans, aller Dub-Begeisterten, Kunstmenschen und so mancher Literaturfreunde schneller schlagen:

Vasarelys Hat Leg (1971/72)
(noch bis zum 13.1.2019 im Frankfurter Städel Museum zu bestaunen)

Eine ganz andere Art des Raumgewinn praktizierte Dembélé beim beim Fussballspiel von Barcelona gegen Tottenham, wie taz-Autor Florian Haupt schön mehr als anschaulich zusammenfasst:

>>Pünktlichkeit ist sein Kardinalproblem; dahinter sollen nächtliche Zockerorgien mit den Kumpels an der Playstation stecken. Ob er dort auch ausprobiert, was er dann auf dem Platz aufführt?
Denkbar wäre es, denn das Tor, das er am Dienstag in der Champions League zur Führung gegen Tottenham Hotspur erzielte (Endstand 1:1), hatte man von einem real existierenden Menschen so noch nicht gesehen. Dembélé zog am eigenen Strafraum den Sprint zum Pressing an, eroberte an der Mittellinie den Ball gegen Kyle Walker-Peters, den er mit einer weiteren Beschleunigung auf dem Weg zum Strafraum abhängte. Dort angekommen, stoppte er von 100 auf 0, als würde er kurz den Finger vom Joystick nehmen, und vermied die abenteuerliche Sprunggrätsche des ­herangestürmten Winks, indem er durch eine trockene Finte den Ball auf den anderen Fuß legte. Mit diesem verwandelte er dann aus derselben Bewegung heraus.
Die Sequenz in Zahlen: 13 Sekunden, 7 Ballkontakte, 87,7 zurückgelegte Meter (davon 33,0 bis zur Balleroberung).<<

50 Ways to love your Lover

Dezember 13, 2018

Da ich – wie hinreichend bekannt – überhaupt nicht auf gesungene Texte hören kann, passt der selbstgewählte Titel perfekt zur schönen Musik und zum heutigen 13.12.

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OK, bei der Wiederholungsdichte verstehe dann auch mal ich die Lyrics und unterschreibe sofort!

Wie lang ist eine Stunde?

Dezember 11, 2018

Nils Minkmar macht sich im Spiegel Gedanken über die Zeit…

>>Wenn wir uns gehetzt, überinformiert und zu häufig angesprochen fühlen, Stress beklagen und Achtsamkeit vermissen, dann sollten wir uns bewusst machen, dass dies ein Symptom unserer Freiheit ist. Wir können nur deswegen den Eindruck haben, keine Zeit zu haben, weil wir frei sind. Und dass wir diese Freiheit ebenso gut nutzen können, daran zu denken, dass alle Zeit der Welt immer für uns da ist.<<

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Begeisterung!

Dezember 10, 2018

Ich bin mit Leib und Seele Live-Musiker. Ein Grund dafür ist bestimmt, dass nicht nur für die Spieler jeder Moment zählt (bzw. jegliche Möglichkeit zulässt), sondern dass auch das Publikum eine spezielle Rolle einnimmt, die weit über dass passive Konsumieren herausreicht.
Denn tatsächlich befinden wir uns gemeinsam in derselben Echokammer, will heißen: Die Rückkopplung (Feedback) gehört dazu!
Und diesbezüglich gefällt mir der spontane Befreiungsschrei (à la 64er „Stella by Starlight“ in der Carnegie Hall) nach wie vor am besten:

Louis Armstrong und die Fliege

Dezember 10, 2018

Eine schöne kleine Trompetengeschichte, die einerseits den Nils Wülker Tourabschluss nahtlos abrundet, sich zudem bestens als Motivationsschub für meine nun beginnende Weihnachts-Freizeit (HfMDK, ein paar Geschenke, Bass???) eignet:

>>Am Abend dann, als die Band glücklich und erschöpft in die Anstalt zurückhehrt und alle anderen ihre Instrumente schon wieder im Musikraum abgegeben haben, nicht sich Louis Armstrong noch einmal die Trompete, fragend blickt er seinen Lehrer an. »Na gut« brummt Peter Davis, »ausnahmsweise.« Es ist warm in seinem Mehrbettzimmer, die anderen sind noch draußen und rauchen in der heißen Sommernacht, träumen von der Sportlehrerin, von Ferne wehen aus der Stadt die Klänge der Feiern des Odd Fellows‘ Day herüber. Armstrong zieht die alte Polizistenuniform aus. Und während er allein auf seinem Bett sitzt und eine Fliege durch das Zimmer fliegt, versucht er ihren Flug mit seinen Tönen nachzuahmen, er folgt ihr nach, brummend, stoppend, brummend. Und als die Fliege den Weg aus dem Fenster hinausgefunden hat, da spielt er einfach weiter. Und hört nie wieder. Louis Armstrong wird zum größten Jazz-Trompeter der Geschichte.<<

aus Florian Illies „1913“, Kapitel September

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PS. schön, das ist nach Pit Baumgartners „Fliegenklatsche mit Chance“ und der Patentschrift zum Schlagzeugbesen nun der dritte Fliegen-freundliche Beitrag…

Text aus Überschriften

Dezember 9, 2018

Das waren nun doch wieder einige Kilometer. Sprich, bin viel zu erschöpft für einen längeren Textbeitrag, deshalb gibt es eine konzentrierte YouTube-Titel-Resttagzusammenfassung:

„Coming Home“

„Relax“ (und etwas Interaktion à la Roessler)

(2x)  „Candela“

„Don’t say Goodnight“ – doch…

Ok, noch geschwind eine Beastie Boys Weisheit aus dem gestrigen SZ Interview und ab unter die Bettdecke:

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aushelfen, feiern, Bass spielen, gewählt werden

Dezember 2, 2018

Der kurzfristige Quereinstieg kostet immer mächtig viel Kraft und Konzentration, aber deutlich mehr Rock’n Roll ist ein Kindergeburtstag im Rutschenparadies, mit anschließender Übernachtungsparty…

In beiden Extremsituation jedoch hilfreich: ein gutes Buch zum Runterkommen (momentan Illies‘ 1913), oder ein kleiner Bassgroove kurz vor dem Einschlafen.
Hurra, endlich ist wieder ein Preci im Haus!

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Aber hey: heute ist Offday, gemütlicherweise erster Advent und nach der eben eingetrudelten Nominierung bei der Wahl zum „E-Drummer of the year“ auch alles weitere eindeutig angenehm 🙂

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vom Proberaum zum Mixdown

November 21, 2018

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Der Unterschied zwischen Proberaum-Getrommel und dem, was letztlich das Ohr deines Zuhörers erreicht, lässt sich einfach am Beispiel „Foto“ verdeutlichen:

Ich starte mit einer Momentaufnahme aus dem Alltag – raus aus dem Bett, ab in den Proberaum und einfach mal loslegen.

Steht ein Konzert oder eine Studioaufnahme an, mache ich mir zum Inhalt doch konkretere Gedanken und präsentiere dort dann irgendeine Struktur.
Im dritten Teil lege ich meine Kunst völlig in die Hände des Tonmenschen am Mischpult.

Sie/Er hat ganz schön viel Einfluss aufs Endergebnis und kann locker mal meine Brille weg- und ein blaues Auge ins Resultat zaubern…

Die kleine Fotolovestory lässt sich übrigens von vorne nach hinten, aber auch umgekehrt deuten:
1. Die Person hinterm Mischpult ist Geschmacks-und Vertrauensache, im Idealfall Bandmitglied!
2. Wenn ich meinem gehörten Lieblingsgroove auf die Spur kommen will, hilft mir nicht nur das Youtube-Filmchen, das mir den Drummer bei der Studioarbeit zeigt, sondern auch das Wissen über die verwendeten Produktionskniffe…

rückübersetzen, reinszenieren, Mikrophonie!

November 15, 2018

Heute bin ich zur Uni gepilgert. Wollte die Ringvorlesung (Spiel² – Die Integration von Spielkonzepten in zeitgenössische Musik, Musiktheater und Klangkunst) besuchen. Hörsaal 3 nicht gefunden und trotz c.t. too late.

Egal – ich hatte immerhin noch den Schluß des Video-Auschnitts von Stefan Panhans’ Freeroam À Rebours, Mod#I.1 gesehen, der mich beeindruckte. Denn der Film >>nimmt Formen des Ungenügens im Verhalten menschengesteuerter Avatare in Computerspielen zu seinem Ausgangspunkt. Diese ›Fehlerszenarien‹ werden rückübersetzt in die realen Körper seiner Performer*innen und mit filmischen Mitteln reinszeniert.<<
Ein Konzept, dass Jojo Mayers musikalischem Ansatz des „reverse engineering“ sehr nahe kommt (bei dem programmierte Beats und eine elektronische Klangästhetik auf das akustische Drumset und passende Spieltechniken übertragen werden).

Weil auch dieser Film erwähnt wurde (feat. Karlheinz Stockhausen als Mischpult-Spieler) und das darin (in unterschiedlichen Ebenen) traktierte Tamtam sehr gut in den Blog passt, hier noch eine kleine Zeitreise ins Jahr 1966:

[file under: live electronic acoustic musical performance / industrial]

vom Teufelskreis zum besonders eingekreisten Daumen

November 15, 2018

Da wälze ich meinerseits Gedanken und Ratgeber und male eine Denkblase voller Assoziationsanker, die dem Sog der Abwärtsspirale bei wiederkehrenden Eskalationsmustern trotzen sollen, und auf der anderen Seite der weltweiten Scheibe schafft ein profaner Facebook-Daumen multiple Verknüpfungen innerhalb meines Schreib-Universums, zudem ein warmes Bauchgefühl.

Lenny Castro Daumen

Es fühlt sich selbstverständlich gut an, dass mir ein (tatsächlich sehr traditionelles) Schlagzeugsolo derart viele Respektbekundungen und Instagram-Herzchen von tollen, hochgeschätzten TrommlerInnen beschert. Dass ich jedoch auch Lenny Castros Daumen aufpoppen sah, begeisterte mich im vollen Wortsinn. Denn ich verstand die WWWelt und ihre „Algorhythmen“ überhaupt nicht mehr.
Wie, um Himmelswillen, spülte es bitte meinen Facebook Post über den großen Teich, zumal ich Lenny zwar vor zehn Jahren persönlich kennengelernt, aber seitdem nichts mehr mit ihm zu tun gehabt habe?
Aber egal, er verbindet nun dieses Solo-Filmchen mit einem vorherigen Videobeitrag, in dem ich versuchte, die Drum und Percussion Ebenen aus Toto’s „Georgy Porgy“ irgendwie, und modern dazu, trommelnd zu verbinden. (Weisst ja, er hatte anno dazumal Congas, Glocke und Schüttelkram bedient. Look…)

 

Und hey, wenn jemand toll solieren kann, dann wohl bitte: Mr. Castro!
Oder sollte der sagenhaften Umstand „Groove“ erklärt werden, no prob, einfach irgendeinen seiner Percussion Tracks auswählen!
Sprich, die Messlatte hängt auf Stabhochsprungniveau. Insofern: kräftig roter Kopf zum blauen Like-Button.
Dennoch gilt meine Freude nicht nur dem Daumen des Rhythmuskönigs (welcher übrigens… andere Geschichte), sondern der offensichtlich auch existierenden schönen Seite der Social Media.