Archive for the ‘Attitude’ Category

Bewegung

Juli 24, 2019

Schönes Bernstein Zitat aus der Urlaubslektüre (Nino Harattischwili „Das achte Leben“, Seite 96), das mir als zielgerichtetem, Visions-freudigem Trommler angenehm den Kopf verdreht und wieder mal bestätigt, dass es vor allem um den Moment geht…

>>Das Ziel ist mir nichts, die Bewegung ist alles.<<

Sprich: trotz Schulter wird gleich mal von der Wasserschirampe in den See gespickt…

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Klassischer Sommer

Juli 14, 2019

In den letzten drei Wochen bestimmte die klassische Art Musik zu machen große Teile meines Alltags (und meiner Gedanken).
Es begann mit den Aufnahmeprüfungen der Musikhochschule, die bei mir öfters generelle Fragestellungen jenseits der eigentlichen Darbietung aufwerfen. Wie zum Beispiel:
– Warum bestäuben Paukenspieler nicht jene Finger, die auch zum Dämpfen verwendet werden, (wie ein Reckturner) mit Magnesia Pulver, bzw. einen kleinen Bereich des Paukenfells (wie der Tablaspieler seine Trommeln) mit Pulver, auf dass der eigentliche Vorgang der Tonbeschneidung lautlos verläuft und nicht durch schmatzende, durchaus (a)rhythmische Ablösegeräusche der schwitzenden Hand beeinträchtigt wird?
– Warum werden bei Snaredrum Stücken die leisen Noten immer am Rand ausgeführt, einer Trommelregion, die im Gegensatz zum Fellzentrum deutlich reicher an hohen (somit durchsetzungsfreudigen) Frequenzen ist?

Es folgten eine Probe und ein Konzert mit der Musik von Sebastian Studnitzky, arrangiert für Jazz-Trio und Kammerorchester.

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Dank bestehender Mitschnitte konnte ich mir zwar im Vorfeld ein klares Bild machen (bzw. transkribieren), die Schwierigkeit für mich als „Nicht-Klassisker“ besteht jedoch später, wenn ich Teil des Schiffes bin, darin, die Gesten des Dirigenten perfekt zu deuten: Wo genau liegt dessen Puls beim Einzählen (bei Ritardandi), wo die „eins“ für meinen Einsatz oder den gemeinsamen Schlussakzent?
Diesbezüglich helfen mir konkrete Fragen direkt bei Probenbeginn an den Dirigenten, aber auch an einen Mitmusiker, der den visuell abgenommen Puls einfach mal auf meiner Schulter mitklopfen soll. (Mindert meinen Stress und spart Zeit für alle.)
Unangenehm schwierig wird es für mich vor allem dann, wenn das beim Dirigenten gesehene und das vom Orchester gehörte stark von einander abweichen, aber kurz darauf punktgenau eingestiegen werden soll – eine solche Situation kann ich oftmals (nur eigenmächtig) mit einem deutlichen Pickup retten, der im besten Fall Klarheit für alle bedeutet, zumindest aber für einen konkreten Anschnitt sorgt. Oder man bespricht im Vorfeld noch einen weiteren für alle überdeutlichen Vorzähler des Dirigenten.
Toll, dass ich bisher ausschließlich verständnisvolle und hilfsbereite Dirigenten erlebt habe!

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Jetzt bin ich gerade zurückgekommen von einer erfüllten Woche, in der wir mit DePhazz und der (ungeheuer sympathischen) STÜBAPhilharmonie sowohl ein Konzertprogramm erarbeitet, als auch Aufnahmen für den begleitenden Tonträger gemacht haben.
Auch hier musste ich mir einen Workflow zurecht legen, der den Anspruch einer tighten und stabilen Groovegrundlage einerseits, sowie der homogenen Verschmelzung von Band- und Orchesterklang gerecht wird.
Letztlich habe ich mich oftmals dazu entschlossen, mein Metronom zur Hilfe zu nehmen.
Mir wurde klar, dass ich im Clicktrack-freien Combo-Kontext öfters vermittelnd trommle, sprich, auf unterschiedliche Tempo-Gestaltungen dezent eingehe, um ein harmonisches Rhythmusgerüst zu bewahren. (Das darf dann durchaus leicht schwanken, wie es auch ein Wolkenkratzer nicht anders kann.)
Sich als Pop-Trommler im Orchester-Kontext jedoch auf das Gehörte zu verlassen, kann mächtig nach hinten losgehen. Je nachdem wo das Drumset aufgebaut ist, kommen manche Instrumentengruppen allein rein physikalisch zu spät an meinem Ohr an, andere wiederum interpretieren geschriebene Noten auf bestimmte Weisen. Es hilft also wiedermal nur der Blick zum Dirigenten und mir für die eigene Stabilität ein mit dessen Einsatz eingestartetes Metronom. In schwierigen Fällen hilft der aufgesetzte Kopfhörer – zum Abschotten und Tempohalten.
Vorort gab es auch eine Soundbrenner Metronom Uhr, die den Puls ähnlich wie ein vibrierendes Smartphone an den Körper übermittelt. Konnte ich leider bisher nur trocken und noch nicht während des Spiels ausprobieren. Auf jeden Fall: spannend.

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(Luftpolsterfolie, Hantelgewichte und DIY Molton-Absorber für einen kompakten Sound)

Und jenseits allem Ungewohnten, bisweilen Stressigem ist das Ergebnis grandios: eine immense Steigerung der Klangvielfalt und gestalterischen Möglichkeiten (Dynamik, Agogik, „Anzahl der Layer“), die ganz andere Spannungsbögen ermöglichen.

Zum Ausgleich reite ich jetzt mental die Wellen der Sommerferien – lesenderweise (da…) –  und freue mich auf’s nächste Soundbad:
>>Doch Wellen tanzen zu einer endlos komplexeren Melodie. Und tatsächlich kann sich das Problem einem Surfer, der im Line-Up sitzt und versucht, die Strukturen eines Swells zu entziffern, als musikalische Fragestellung präsentieren. Nähern sich diese Wellen vielleicht im 13/8-Takt, mit sieben Sets pro Stunde, bei denen jede dritte Welle im Set eines von Gottes Jazzsolos, dessen Struktur unser Fassungsvermögen übersteigt?<<
>>Bei der Musik wie bei Wellen, sagte er, müsse man sich »einer Kraft überlassen, die größer ist als man selbst«. Damit, fand ich, hatte er völlig recht.<<
William Finnegan „Barbarentage“ (Suhrkamp 2018, Seite 424f, Seite 528)

Liebe Gabi, es hat über 30 Grad

Juni 26, 2019

Super Sommer: ich fächere mir mit Macis „Eiscafé Europa“ Luft zu, probiere vielleicht mal einen Espresso Tonic und höre türkischen Disco-Folk aus den Achtzigern:

Der Videotipp kommt aus Hans Nieswandts FB-Umfeld. Im dortigen Post werden noch weitere Perlen verlinkt, wie beispielsweise diese sehenswürdige Duo Performance von Derdiyoklar Ikilisi:

Oli’s Health Routine

Juni 26, 2019

Restlos überzeugt vom Luksan Wunder Video „Katjas Morning Routine“, muss auch ich unbedingt meine aktuellen Gesundheitstipps herausposaunen:
Immer wieder mal werde ich während des Konzerts von Krämpfen heimgesucht, die während eines nicht immer schmerzfreien Weitertrommels auch mal weiter wandern können – vom eingeschnappten Finger, über den Unterarm, hin zu Bein und Fuß.
Selbstverständlich versuche ich viel zu trinken, nehme auch die beiden gelben Magnesium Infusionen (profane Bananen und Verla 300) zu mir, im Winter gerne auch mal einen Kakao. Aber hey, was tun, wenn sich der ein oder andere Muskel während des Gigs verhärtet/verkrampft hat? Und morgen ein filigraner Jazz-Gig ansteht…
Eine Dose Tigerbalm ist für den Notfall immer mit an Board und wird dann tapfer mehrmals auf die betroffenen Stellen geschmiert. Im Idealfall hat es auch das Dolo-Cyl Öl in den Kulturbeutel geschafft. Auf jeden Fall werden die harten Muskeln in jeglichem Fortbewegungsmittel oder Warteplatz weich massiert und mobilisiert.
Dass sich neulich über die Akupressur der Fußsohle zwei muskuläre Probleme (im Fußgelenkt und im Schienbein) haben lösen lassen, war eine zufällige und beeindruckende Erfahrung!

Auch das folgende Hilfs- bzw. Heilmittel ist dem Zufall geschuldet, bzw. der neu entfachten Lust, an meine BMX-Versuche aus dem Jahr 1984 anzuknüpfen und der damit verbundenen Realität, dass diese Fahrrad-Gattung größentechnisch einem Kinderfahrrad entspricht…
Ich hatte mir vor knapp zwei Jahren beim Fußballspiel das rechte Knie mächtig verletzt, wobei der Miniskus gerissen ist. Eine Operation wollte ich vermeiden und so hat mir Michael mittels Osteopathie und Krankengymnastik geholfen, die Beugung des Knies nach und nach zu verbessern – was tatsächlich auch funktioniert hat. Ich bekomme die Ferse zwar immer noch nicht zum Po, kann aber eigentlich alles schmerzfrei machen –  wie beispielsweise ultra tiefsitzend Rad fahren.
Und mit jeder weiteren BMX- Fahrt habe ich das Gefühl das Knie wird noch besser 🙂

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Denkraumöffner und Stichwortgeber ohne Gleichen

Juni 17, 2019

Hey, Jürgen Habermas wird morgen 90! Und reist direkt einen Tag später zur Frankfurter Goethe-Uni um zu philosophieren.
Ich finde solche Leute äusserst spannend, auch wenn ich ihnen nur selten folgen kann.
Doch wenn dann in erläuternden Artikeln tolle Sätze zu lesen sind, bei denen es mir warm ums Herz wird, entsteht ja schon eine kleine Nähe…

>>…sein philosophisches Hauptwerk, die „Theorie des kommunikativen Handelns“ […] setzte ganz auf Vernunft und das bessere Argument, war jedoch inmitten von schlechter Laune und böser Absicht entstanden. Doch keine Hegel’sche List war hier am Wirken, sondern der unbändige Wille und die uferlose Befähigung eines Philosophen, sich immer weiter zu entwickeln, Neues zu erlernen, die Komplexität weiter zu steigern.
Oder anders, in den Worten Samuel Becketts ausgedrückt:
Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.<<

Zitate aus dem taz Artikel von Jörg Später

today I am (79) years old, blessed and thankful to still be here…with a message from me to all my young people

Juni 3, 2019

Das ist für mich mal ein wahrer „Influencer“: 79 Jahre alt, motiviert, dankbar und beseelt von der Musik bzw. vom Schlagzeugspielen. Happy Birthday, Mr. Earl Young!

Ich wünsche alles Gute und eine angemessene „Block Party“ und zippe mich noch ein Weilchen durch die 459 Querverweise bei Whosampled

motiviert eingetaucht!

Mai 29, 2019

The Recording Studio As A Compositional Tool

Mai 27, 2019

In seinem Artikel “ Revisiting Brian Eno’s ‘The Studio as a Compositional Tool’“ überdenkt Dylan Eller die Beziehung von Musik und Technologie, (jene >>ever-evolving relationship music has with technology, beginning with the invention of audio recording<<) aus heutiger Perspektive.

Mir gefällt vor allem die Differenzierung der technologiebedingten Veränderungen: da gibt es kleinere („change of degree“), wie zum Beispiel der Röhrenverstärker, der weitgehend durch Verstärkerschaltungen mit Transistoren ersetzt wurde, aber auch technische Neuerungen, die einen maßgeblichen Wandel („change of kind“) beförderten. In dieser Kategorie sah Eno damals die Mehrspuraufnahme und die Möglichkeit des nachträglichen Overdubs.

souverän

Mai 25, 2019

Weltverbundene Ruhe und der/die Kick zum richtigen Zeitpunkt:

 

Das Geländer

Mai 20, 2019

Anlässlich des 23. Mai, „Feier“ Tag der 70 Jahre Grundgesetz, hat Carolin Emcke einen schönen Text verfasst (den ich aus der Beilage der Gesellschaft für Freiheitsrechte abfotografiert habe):

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Und ohne dem Jubilar die Aufmerksamkeit entziehen zu wollen, reihe ich die wesentlichen Beschreibungen aneinander und stelle dabei fest, dass diese Adjektive ebenfalls die Wirkung des perfekten Popsongs ausmachen:
ornamental – glatt – dahingleitend -schön – geräuschvoll – kraftvoll – wichtig – stimmig – existenziell