Archive for the ‘Attitude’ Category

Frankfurt River People

Mai 9, 2019

Liegt doch irgendwie auf der Hand, dass einem beim Hausboot-Gig des temporären elektronischen Salons, beim Vermischen von House und Jazz auf dem Main, der Weather Report Klassiker „River People“ in den Sinn kommen MUSS.
Dass diese Single! aus dem Jahr 1978 tatsächlich auch als furioser Opener eines DJ-Set (von Swag) funktioniert, hätte ich jetzt liebend gerne verlinkt – finde diesen Mix jetzt leider nicht mehr…
Immerhin habe ich beim Suchen und Reinhören in verschiedene Chris Duckenfield Mixe Alphonse und Jerome Derradji entdeckt:

Zum Abrunden noch einen älteren Herbert Remix hinterher…

Das Abschlussfoto gehört dann in die Kategorien „nachhaltig Reisen“ und „nur einmal laufen!“ Beziehungsweis: Strom fürs Instrument und den Lastesel…

Postkolonialismus, kulturelle Aneignung und Crate Digging

Mai 5, 2019

Der Berliner Labelmacher und DJ Jannis Stürtz veröffentlicht auf seiner kleinen Plattenfirma Habibi Funk alte arabische Musik neu und erzählt im taz Gespräch interessante Dinge darüber, beispielsweise:

>>wenn man ein Album gefunden hat, das wenige andere kennen, dann gibt es in der Plattensammlerszene das Wording, sie „entdeckt“ zu haben. Eine Freundin meinte zu mir, dass es in diesem Kontext problematisch ist, dass man dieses Album de facto nicht discovered hat, sondern davon gibt es einige Hunderte Kopien, die irgendwo rumliegen. Das hat so eine gewisse Parallele, gerade wenn es über Kulturen hinweggeht, zu Christoph Kolumbus, der Amerika entdeckt hat. Das machte für mich Sinn, ich habe aufgehört, dieses Wort zu benutzen.<<

be curious before critical

April 28, 2019

John Maeda zitiert Dr. Regina Dugan: >>Be curious before critical.<< Und neugierig erinnere ich mich an den gestrigen Bahnhofsaufenthalt, als ich beim Durchblättern des Modern Drummer Magazins an diesem Foto hängengeblieben bin:

Der Name Kyle Crane sagt mir (noch) nichts, aber die Mikrofonauswahl bzw. die Aufstellung der beiden U47fet Teile macht Lust auf mehr!

Vom Tischtennischschläger im Multiclamp-Halter zum „sha-bang“ hinterm Drumset

April 26, 2019

 

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Schöne Erkenntnisse! In puncto Groove (1) aus der Miles Davis Autobiografie von 1989 (Seite 474), dass sich der Besuch der Stuttgarter Staatsgalerie nicht nur wegen Banksys Luftballonmädchen lohnt (2 – das Brunnenbecken hier stellvertretend für die Farbefrohheit des Baus), dass Freitags die SZ eine gute Wahl ist: denn im Artikel über Beyoncé und ihre Homecoming Veröffentlichung wird fein zwischen Star und Ikone unterschieden (3) und im Magazin beschreibt Kritiker Jerry Saltz Kunst als das älteste Betriebssystem der Welt (4).
Und da die Osterferien die nächste Tischtennis-Saison eingeläutet haben, passt Christoph Scherers Reisebegleiter (TT-Schläger plus Multiclamp) hervorragend in diesen Beitrag!

 

Don’t Change Your Love

April 16, 2019

Kaum zurück in Frankfurt, geht’s gleich weiter auf die nächste Zeitreise:
Montagmittag um 14 Uhr auf der Dippemess ist machbar, noch nicht so voll und trotzdem sind die Kassenhäuschensprecher im Flow als wäre Samstagnacht! Auch im Mukke-Cluster blitzt immer wieder mal eine Perle auf. So bin ich durch „Mo Money, Mo Problems“ dann komplett auf Notorios B.I.G. hängeblieben und habe mit „Everyday Struggle“ nicht nur ein weiteres schön verstimmtes Sample entdeckt, sondern den Bomben-Break „Don’t Change Your Love“ wieder erinnert:

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Passend zum Nostalgieschub, die Seite 271 aus Heinrich Steinfests aktuellem Roman „Der schlaflose Cheng„:

>>Als Cheng nach draußen aufs vordere Deck trat, brach soeben die Abendsonne durch einen breiten Riss in der Wolkendecke und verlieh den vorbeitreibenden Eisbergen den farblichen Glanz von altem, angegrautem Rosa. So ein Rosa, das manch einer als Großmutterrosa bezeichnen würde, bei dem Cheng aber an einen bestimmten Wassereisschlecker aus den frühen 1970er-Jahren denken musste. Dieser hatte aus einer einzigen zylindrischen Form bestanden und den Namen Lutscher getragen. Ein Totem von Eis. Er hatte genau einen Schilling gekostet. 1 Schilling! Nicht 0,99.
Natürlich würde man heutzutage keine Marke mehr Eskimo taufen und keinen Lutscher mehr Lutscher. Und von der Währung Schilling zu sprechen klang so, als rede man über den in Entenhausen gebräuchlichen Taler. Doch für Cheng hatte die Erinnerung an dieses Eis seiner Kindheit, das praktisch dort draußen zu arktischer Natur verwandelt vorbeischwamm, etwas Besänftigendes. Die Erinnerung an eine größtmögliche Einfachheit, die größtmögliche Freude bereitet hatte.<<

Stockhausen Strategies

März 17, 2019

Brian Eno und Peter Schmidt bastelten eine Kartenspiel („Oblique Strategies„), Matthew Herbert verfasste sein „Personal Contract for the Composition of Music„. Und Karlheinz Stockhausen spricht in „Hymnen“:

>>Hide what you compose in what you hear.
Cover what you hear.
Place something next to what you hear.
Place something far away from what you hear.
Support what you hear.
Continuo for a long time an event you hear.
Transform an event until it becomes unrecognizable
Transform an event that you hear into the one you composed last.
Compose what you expect to come next.
Compose often, but also listen for long periods to what is already
composed, without composing.
Mix all these instructions.
Increasingly accelerate the current of your intuition.<<

 

physical feeling which sound can produce

Februar 27, 2019

Am Wochenende klingelte Wolfgang Haffner durch und fragte, ob ich am Montag in der Stadt sei und Lust hätte, mit ihm Nils Frahms Konzert zu besuchen. Klaro.
Es wurde wunderbar:

Tolle Bögen, maximale Dynamik, schier grenzlose Ruhe. Und immer wieder optimale Schnitte und Endings – und alles im warm-weichen Klangmantel.
Mal fühlt es sich an, dem Künstler während seiner Studioarbeit beiwohnen zu dürfen, an anderer Stelle wähnt man sich auf der Couch bei Kerzenschein, plötzlich auf dem Chill-Floor. Ich denke an die 1980er Platten von George Winston, irgendwie auch an Jean Michel Jarre (beide halt spezielle Tastenmänner, die alleine auftreten), genieße das weisse Rauschen der Vermona DRM, die Mellotronchöre und den attacklosen Bassbereich des Flügels, der wie rückwärts abgespielte Bandschlaufen anmutet. Sowie das große Space Echo (aus vier 501ern).
Nils‘ Groove packt mich. Irgendwo vermute ich die Zentrale für die Steuersignale, sehe sie aber nicht. Klasse, weil unwichtig. (Derartige Forschungsgedanken lassen sich ja geschickt an anderer Stelle nachlesen**).
Alles scheint eigen, in sich rund und kompromisslos!*
Doch selbst wenn nur eine Person auf der Bühne sichtbar agiert, merkt man deutlich: hier ist eine richtig eingespielte Band unterwegs – die anderen Members (Backline, Licht, Ton) sind – wie die in separatem Raum abgenommen Orgelpfeifen – zwar nicht zu sehen, aber ebenso so essentiell.
Ich spür‘ den Sound und gehe inspiriert in die Woche!

* passt ins Bild:

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**Zur Anregung für die eigenen Bühnenkonzepte schreibe ich mir noch eine zentrale Idee von Nils Frahms Live-Konzept (aus einem „Keyboards“ Interview mit Matthias Fuchs ab):
>>Basis eines Stückes können etwa zwei parallellaufende Juno-60-Arpeggien sein, die ich live verändere und zu denen ich ein weiteres Element − vielleicht Klavier, Mellotron oder Orgelspiele. Zusammen mit meinen Lieblings-Effekten Hall und Tape-Delay entsteht schon in diesem Moment ein komplexer Sound, möglicherweise sogar ein fast vollständiges Stück. Mit dieser Arbeitsweise stelle ich zudem sicher, dass die Musik live aufführbar bleibt und nicht überfrachtet wird. […] Von Cubase kommt üblicherweise nur eine Clock. Damit synchronisiere ich die Arpeggiatoren der Junos und manchmal meinen Drumcomputer. MIDI-Sequencing im eigentlichen Sinne passiert so gut wie gar nicht. Ich hätte damit zu wenig Eingriffsmöglichkeiten in die Stücke. Die Arpeggios kann ich dagegen beim Spielen jederzeit verändern, transponieren, aus dem Sync nehmen, neu einstarten usw. Das macht für mich den Live-Aspekt von Synthesizern aus.<<

*** nicht zuletzt dank des mit „Toilet Brushes“ betrommelten Flügels. Hiermit reiht sich N.F. in die Liste der Echotrommlern ein 🙂

Form follows Humour

Februar 21, 2019

In Gedanken möbliere ich ein Recording-Studio mit verschiedenen Objekten des Schweizer Gestalter Paares Susi + Ueli Berger, deren Schaffensweise gern mal so beschrieben wird: >>ein Bedürfnis besteht, eine Idee keimt, eine Lösung wird gefunden.<<

In diesem Sinne: Einen Stapeltisch für mein Effektboard, den S T U H L aus der Reiher verbaler Möbel zum Trommeln, die Wolkenlampe und die Keep-Smiling Vorrichtung ( = Widerhaken zum Hochziehen mißmutiger Mundwinkel) für gute Stimmung, sowie einen Fächermann neben den Kunstkopf.
Schließlich noch einen Softchair zum Ausruhen.

Und die weiße Tama-Kick befreie ich aus ihrer Installation „Drumming„, nicht nur weil sie als Pauke verunglimpft wurde, sondern weil ich gerne mal hören würde, wie sie mit Fußpedal klingt…

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Link zu taz -Artikel: Form follows humour & Inspiration…

Ringo Swing = washing the windshield

Februar 20, 2019

>>The Ringo Swing, kinda washes the windshield on hihats<< Taylor Hawkins

>>that sloppy, swumpy, falling of the stairs kind of sound<< Abe Laboriel Jr

>>a big contribution of Ringo was that he used the tom toms as a part of the composition<< Stewart Copeland

Presets for Drummers!!

Februar 15, 2019

Ähnlich wie die inspirierenden „Hauptsätze“ des „Oblique Strategies“ Kartenspiels von Brian Eno und Peter Schmidt, lese ich mir immer wieder diese vier Anregungen zum Thema Sound durch (die ich aus Aaron Sterlings Video Masterclass „the Sound of Sterloid Vol.1“ rausgeschrieben habe):

>>You can make music with anything!<<

>>Take inspiration from sounds and then try to make that happen in a drum.<<

>>Mess around, when you find something put it in the memory bank, it’s like a preset on a keyboard.<<

>>Find sounds you like, record them, listen to them and start screwing around.<<

P.S. Am Ende der Episode beschwert sich A.S., das wir Drummer im Gegensatz zu den Keyboardern, keine Presetbänke hätten, die sich durchsteppen und vergleichen lassen – vielleicht sollte ich ihm mal von meiner thedrumsounds Suchmaschine erzählen bzw. vielleicht sollte ich dafür seine Formulierung „Presets for Drummers! als Überschrift verwenden…

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