auf ein Kaleidoskop von medialen Kanälen

Ich lese morgens gern und regelmäßig die taz, aber die heutige Ausgabe hat es mir besonders angetan. Ich wollte schon tippen: eine der spannendsten Ausgaben überhaupt – aber vielleicht hatte ich heute auch nur die Zeit und Muße tiefer einzutauchen als sonst…

Neben schillernd Buntem (die illustre Kirchengemeinde bei der Queen-Trauerfeier, die Stiftung der Patagonia Firma, die deutschen Siedler Bessarabiens), wähle ich für den Blog den Artikel „Social Media essen Diskurs auf“ über das neue Buch bzw. die aktuellen Gedanken von Habermas.
Hier ein paar Teaser:
>>In den alten analogen Zeiten gab es ein Kaleidoskop von medialen Kanälen: Zeitungen, Litfaßsäulen, Möbeleinrichter, Galerien, Illustrierte, Fernsehen, Radio und so weiter. Tausende analoge Influencer kommentierten die Welt über ihren Kanal und versuchten, die Menschen von Ansichten, Trends und Angeboten zu überzeugen. Das ist Habermas’ „Öffentlichkeit“.
Heute gibt es weniger als eine Handvoll digitale Plattformen, deren geheim gehaltene Algorithmen nur ein einziges Ziel verfolgen, nämlich das beschönigend so genannte „Engagement“ der User zu steigern. Das heißt: die Verweildauer und Aktivität auf der jeweiligen Plattform. Aus diesem Grund belohnen die Algorithmen Emotionalisierung, und das bedeutet vor allem negative Emotionen. Denn sie bringen Eskalation.
[…]
US-Netz-Vordenker Jaron Lanier fordert, anstelle des Euphemismus „Engagement“ die Begriffe „Sucht­erzeugung“ und „Verhaltensmanipulation“ zu verwenden.
[…]
Immer schon prägen Technologie und Ökonomie die ­Kul­tur. Die Instagram-Attitude des Ich-bin-so-hübsch-und-doch-so-traurig, die Twitter-­Polarisierung in Wutbürger und Moralapostel, der Realitätsverlust in den Echokammern von Face­book sind allesamt Effekte der Plattformökonomie. Die Technologie formatiert Kultur und Gesellschaft, das hatten schon Friedrich Nietzsche und Marshall McLuhan festgestellt: Nicht nur wir Menschen formen die Maschinen und die Medien, sondern umgekehrt auch sie uns.
[…]
Solange die Aufmerksamkeitsökonomie den Krawall anheizt, wird sich nie ein Diskurs er­geben, in dem nach Habermas der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ herrscht. Genau das ist seine Sorge, wenn er vom „Versiegen“ der „Deliberation“ spricht, der „rationalisierenden Kraft der öffentlichen Auseinandersetzungen“, ohne die die Demokratie nicht auskommt.<<

Für mein weiteres Tagesprogramm ist der Artikel „Weg von einem unterkomplexen Begriff von Nachhaltigkeit“ verantwortlich und wird mich ins Frankfurter Architekturmuseum führen, deren Ausstellung „Nichts Neues. Besser Bauen mit Bestand“ ein Plädoyer für die Alternative zum Abriss formt.
Passt bestens zum eben beendeten Bauhaus-Roman von Theresia Enzensberger, das Buch mit der lebensfrohen (originalen, nachkolorierten) Fotografie auf dem Deckel:

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