Schnelligkeit

Wie schon angekündigt muss jetzt mal über meine Fila Sprinterhose geschrieben werden, die doch seit Jahren (wie kein anderes meiner Equipment-Schätzchen) verlässlich Aufmerksamkeit erregt, bzw. ein reges Kommentieren bewirkt.

Es ist nun mal so, dass ich kurze Hosen überhaupt nicht mag, tatsächlich bis auf die abgebildete auch keine weitere besitze. Weswegen ich mich durch diverse Wüsten, Dschungels und sonstige Hotspots immer tapfer (nichtmal unwohl) mit langbeinigem Stoff bewegt habe. Der Fila Erwerb passierte erst nachdem ich wieder Lust aufs sommerliche Fußballspiel bekam. Ich erinnerte meine jugendlichen Kleidungstücke, von denen mir die Sprinterhose nach wie vor am besten gefiel und schaute im Ebay direkt nach den damaligen Adidas-Klassikern. Aus welchen Nostalgie- oder Fetischgründen auch immer, sie waren leider sündhaft teuer. Doch der Suchbegriff Racing-Shorts spülte mir auch den italienischen Ladenhüter entgegen, ein nagelneues (hässliches?) Entlein für 9 Euro. Der optimale Preis für einen Schwaben und Shorts-Verneiner.
Dass die Hose dann doch auch hin-und wieder in meinem Alltag aufblitzte schafft die Grundlage dieses Beitrags. Kaum leuchtete meine Körpermitte blau-orange auf wurde der Diskurs entfacht. Es hagelte Kommentare, in der Regel einhelliges Kopfschütteln hinsichtlich einer derartigen Geschmacksverirrung, bis hin zu eindeutigen Verboten der Familien, dieses Monstrum in den Reisekoffer zu packen, geschweige denn bei gemeinsamen Unternehmungen öffentlich zu tragen.
Ich hingegen freundete mich immer mehr mit diesem luftig-leichten Kleidungsstück an: es hat eine kleine Innentasche für Geld und Schlüssel, lässt sich auch als Badehose verwenden und ist erstaunlich robust (diverse Stürze wurde nahezu unbeschadet ignoriert).
2018 kam die Wende. Ich spielte ein paar schöne, sehr heiße Sommerfestivals mit Freundeskreis und erntete plötzlich überschwengliches Lob, gar konkrete Gebote für den Fetzen…
Mit neuem Selbstbewusstsein wurde – zack – auch mal die ein oder andere Sommerveranstaltung getrommelt. In bester Stewart Copeland Manier!
(Ob sich das modisch-stilistische Empfinden tatsächlich alle 35 Jahre ähnelt muss aber noch empirisch nachgeprüft werden.)

Doch zurück zur „Schnelligkeit“. Da dieser Begriff auch einer von Italo Calvinos sechs Vorschlägen ist, gibt es aus diesem klugen Buch noch ein Zitat (das sowohl zu Racing Shorts, als auch zum musikalischen Improvisieren und Interagieren passt):
>>Eine schnelle Schlußfolgerung ist nicht unbedingt besser als eine bedächtige, im Gegenteil; aber sie teilt etwas Besonderes mit, das gerade in ihrer Schnelligkeit liegt.<<

Allright, genug der Worte. Jetzt wird das orangene Leichtgewicht in den Handgepäckbeutel gestopft, denn morgen geht’s für ein paar Tage ans Meer. Freue mich auf den Strand von Jurmala – nach dem Jazzanova-Ausflug zum Plattensee, direkt die nächste riesige Naturbadewanne.


Musikalisch werde ich den Trip durch ein paar Fila Brazillia Klassiker und diverse Mixtapes von DJ Amir umrahmen. (Sein Set in Zamardi hat mir total gut gefallen, wie auch sein Engagement hinsichtlich der Wiederbelebung des Strata Backkatalogs.)

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