die Route verlassen

>>Dann fuhr er mit dem Fahrrad in den Feuchter Forst und unternahm ausgedehnte Wanderungen. Absichtlich verließ er dabei die Waldwege und spazierte zwischen Bäumen umher, er lauschte dem Rascheln der kleinen Tiere im Unterholz und dem Zirpen der Heimchen. Er roch das feuchte Moos und die modrigen Äste, und irgendwann, wenn er so ziellos umhergelaufen war, wusste er nicht mehr, wo er war. Ihm kroch dann ein wohliger Schauer über den Rücken und er vermied es, hinaufzuschauen und am Stand der Sonne die Himmelsrichtung abzulesen. Stattdessen lief er weiter, ohne jede Ahnung wohin, und hin und wieder, wenn er die Augen schloss und vorsichtig mit vor sich ausgestreckten Armen weiterging, geschah es, dass sich die Geräusche des Waldes zu einem Rauschen verdichteten, wie von Wellen, die an diese Welt des Lichts und der Schatten brandeten. Und die Ideen fluteten ihn dann noch mehr als daheim an der Schreibmaschine und wenn er die Augen wieder öffnete, erkannte er plötzlich Muster in den Geometrien der Bäume und Ahnungen überkamen ihn von Verbindungen, die sich seinen Sinnen eigentlich entzogen und die doch da waren und von ihm erkannt werden wollten.<<
Daniel MellemDie Erfindung des Countdowns“ (2021, Seite 266f)

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