Make Love, Not War

TV Mitschnitt unseres Konzertes am 18. Dezember 2005 im October Palace

Mit zwei CDs aus der Ukraine begann mein Trommeleinstieg bei DePhazz. Im Jahr 2003 hatte mich Flo Dauner gefragt, ob ich für ihn aushelfen mag und mir postwendend das aktuelle Konzertprogramm zukommen lassen, seine Sheets und den Livemitschnitt vom Vorjahr, aufgenommen im October Palace in Kiew. Diese Silberlinge wurden schließlich zu einem kosmopolitischen Versprechen, denn seit 2004 durfte ich mit dieser Kapelle viele Plätze der ehemaligen Sowjetunion bereisen, in der Ukraine und Russland alleine weit über 100 Konzerte geben, Land und Leute lieben lernen.
Ich freute mich auf jedes einzelne Konzert, weil immer ein Hauch von Abenteuer mitschwang, weil ich entlegenste Ecken der Welt entdecken durfte, die sich niemals in meinen privaten Reiseradar geschlichen hätten. Wir durften unsere Sound spielen und wurden mit viel Applaus und glänzenden Gesichtern belohnt. Die Liebe zur Musik hat jegliche sprachlichen oder politischen Grenzen gesprengt. Wobei auch ganz klar gesagt werden muss: die Herkunft der Mitreisenden war nie Thema, hatte keinerlei Relevanz – unser Monitorman Ilja kommt aus Moskau, über mehrere Jahre hatten wir eine ukrainische Booking-Agentur, ergo ukrainische TourbegleiterInnen; no problems, wherever we arrived! – so dass ich an dieser Stelle unbedingt nochmals betonen möchte: meine Wut gilt nicht den Russen, sondern allein dem Kreml und seiner perfiden Führungsriege!

Ich lese die schrecklichen Nachrichten und klicke mich als Gegengewicht durch meine Reiseberichte (ein paar Links dazu unten) und Erinnerungen. Es gäbe sehr viel zu erzählen, ich entscheide mich exemplarisch für ein eindrückliches Erlebnis aus Kiew, nämlich unser Konzert am Jahrestag des Maidanaufstands, am 22. Februar 2015:
Es war der Tourauftakt der DePhazz „Private“ Tour, die im (besagten) October Palace beginnen sollte. Wir kannten die Geschichte des Landes und es fühlte sich mehr als komisch an, in diesem Veranstaltungsort, der sich auf dem auf dem Majdan Nesaleschnosti („Platz der Unabhängigkeit“) befindet, an diesem traurigen Tag ein Konzert zu spielen. Erst recht, als wir nach dem Check-In im Hotel Ukraina gemeinsam mit Scharfschützen in den Aufzug steigen mussten, deren Ziel das Gebäudedach war. Erst recht als wir auf dem Fußweg zur Konzerthalle die aufgereihten Bilder aller Verstorben, die trauernden Menschen passieren mussten. Ich fühlte mich fürchterlich und unser Ansinnen völlig fehl am Platz. Doch der Auftritt, die Reaktion der Zuschauer und die anschließenden Gesprächen offenbahrten die andere Perspektive: nämlich, dass es sehr wohl wichtig ist, gerade in den dunkelsten Momenten, durch Musik Kraft gespendet, etwas Schönes gezeigt zu bekommen, dass auch dadurch die Hoffnung gestärkt wird und positive Ziele in den Fokus gestellt werden können.

In diesem Sinne trommle ich auch heute, morgen, immer! extra laut für den Frieden und hoffe auf ein schnellstmögliches Kriegsende, sowie konstruktive Lösungen für die Zukunft (und die Liebe).
❤️
#stopwar

Foto von Ulf Kleiner 22.02.2015

Noch ein paar Reiseberichte:

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