Die Leichtigkeit des Seins

Die Dub Geschichte ist schön, aber analog zu den Rivalitäten der damaligen Freiluft-Diskos (Sound Systems), beanspruchen mehrere Protagonisten die Krone für die Erfindung dieser Spielart. Fakt ist, die mehrspurige Tonbandmaschine war die nötige Grundlage, um Bandsound und Gesang getrennt aufliegen zu haben. 
Wir schreiben das Jahr 1968. Eigentlich wollte der Sound System Betreiber Rudolph „Ruddy“ Redwood lediglich eine weitere Testpressung (die sog. Dub Plate) für seine nächste Party schneiden lassen, doch Byron Smith hat dabei versehentlich die Gesangsspur nicht mit kopiert, also nur eine instrumentale Version erstellt, die Redwood dennoch mitnahm und mit großem Erfolg mehrfach hintereinander spielte. Der gesanglose Paragons Hit „On The Beach“ erzeugte ein derart wohlwollendes Hurra – weil Mitsing-Erlebnis im Publikum – auf dass die „Version“ fortan zum Standard jeder Produktion wurde und schließlich auf der B-Seite der Singles ihren Platz fand.

Spätestens ab 1972, nachdem King Tubby das von Byron Lee ausgemusterte 12 in 4 Kanal MCI Mischpult übernommen hatte, folgten die experimentellere Dub Versionen mit den typischen Merkmalen wie freigestellter Bass/Schlagzeug Rhythmus, ausufernde Hall-und Echoeffekte, Hochpass Filterung, Kompression. 
Ab diesem Zeitpunkt wird sogar einem Haus, einer Wohnung oder einem Raum, nämlich jeglichem Tonstudio zugestanden, Instrument zu sein.
Der eigentliche Inhalt der Dub-Geschichte ist sommerlich-frisch klingender Sound, der seit 50 Jahren nicht nur die Musik-Collage hochhält, sondern immer wieder für relevante Weiterentwicklungen (Cut & Paste, Remix, DJ Culture) und Überraschungen sorgt.

Passend dazu der Halbfinal-Bericht der taz: >>Die außergewöhnliche fußballerische Leichtigkeit an diesem Abend (mit Vorteilen auf spanischer Seite) verband sich mit der Leichtigkeit des Seins (mit Vorteilen auf italienischer Seite). Eine Kombination, die diesen Abend erst einzigartig werden ließ. In 120 hochemotionalen Minuten musste der Schiedsrichter nur dreimal zur gelben Karte greifen. Auch bei den eifrig hinterherlaufenden Italienern ging es stets darum, irgendwie ins Spielen zu kommen.<<

Foto: Laurence Griffiths/Reuters via taz

In diesem Sinne: Auf ein schönes Endspiel morgen!
Und wer davor noch Lust auf intermediale Echtzeit-Kollagen hat, der besucht unser drittes und letztes Moment:an Kopfhörerkonzert um 20h im Frankfurter Ono2.

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