Jahrestag

Eben schrieb mir Nils Wülker, dass heute vor einem Jahr unser letztes „reguläres“ Konzert stattfand. Doch auch dieser Gig war schon jenseits des Gewohnten und von Andersartigkeit geprägt: ein deutlich reduziertes, auf Abstand platziertes Publikum, zudem teilweise bezahlte Tickets, die nicht wahrgenommen wurden, Unsicherheiten im Raum. Und als nach dem Gig ein Bandmitglied eine deutlich erhöhte Körpertemperatur feststellte, reiste die Ungewissheit mit zurück nach Frankfurt. Während der Zugfahrt trudelte eine Absage nach der anderen ein. Alles auf Null, angekommen im Lockdown…
Ich habe mich instinktiv eingekapselt, tagelang Minimum 13 Stunden geschlafen, bis der Energiespeicher aufgefüllt (und die Sorge über eine Ansteckung abgeklungen) war. Dann gingen auch die Augen auf: es ist zwar alles ungewohnt anders, aber eigentlich ganz kuschelig hier im Familiennetz 🙂

Ich will mich auf keinen Fall beklagen. In puncto Finanzen hatte ich mehrfach Glück, zum einen bin ich nicht der alleinige Verdiener in der Familie, zum anderen gingen trotz der Konzertflaute immer wieder Türchen auf: da eine Hilfe, dort ein kleines Stipendium, eine unerwartete GVL-Nachzahlung, eine bezahlte Jury-Tätigkeit. Außerdem gibt’s ja auch noch den Hochschul-Lehrauftrag. Da ich darüberhinaus ein Leben mit oszillierenden Einkommensverhältnissen gewohnt bin, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Existenzängste. Ich konnte Angreifen und Machen, all die schönen Sachen, die sonst zu kurz kommen. Denn plötzlich gibt es Zeit!

Selbstredend sind all die Selbstmotivation und der Trotz sich nicht unterkriegen zu lassen kein Garant für dauerhaftes Sonnenwetter. Gerade jetzt, wenn erneut die Frühlingstouren gestrichen werden und völlig unklar ist wann und wie es weitergeht, eigentlich alle nur raus und spielen wollen (blöderweise oft an denselben Tagen), letztlich – nach schwierigen Termin-Jonglagen – gar nicht dürfen. Oh man, da zieht das Gefühlswetter auch mal zu und sämtliche entwickelte Strategien scheinen bei Regen nicht mehr zu funktionieren.
Doch hey, Regenwetter und der benötigte Grashalm hängen eng zusammen:
Als neulich Chick Corea gestorben ist und ich mir in einer Abschiedsrunden viel Musik von ihm angehört und angeschaut habe, bin ich an folgendem Return to Forever Fernsehmitschnitt hängen geblieben:

Mein eigentlicher Fokus verrutschte etwas, denn der satte Groove von Lenny White erinnerte mich schlagartig an ein völlig vergessenes Vorhaben, nämlich jenen Rhythmen auf die Spur zu gehen, bei denen der Backbeat (teilweise) auf dem Standtom landet.
Da ist er doch der Grashalm und eine spannende Aufgabe, mit viel Musik, anstehenden Gespräche mit Trommler-Freunden, Internet-Uni… hurra, bin wieder drin!

Watch out for the FOURTOM!

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