im Looping verzettelt

Wie oft habe ich schon gedacht, gesagt: Hey, bleib doch mal konzentriert an der einen Sache dran, die Du gerade begonnen hast. Verzettel dich nicht. Sonst endest du mit vielen halben Sachen, aber nichts Ganzem…

Heute durfte ich zweimal intensiv erfahren, wie schön es ist mehrere Dinge zu beginnen, abzudriften und noch eine weitere Abteilung zu eröffnen.
Man liest nicht nur brav eine Geschichte, sondern mehrere, verschiedene.
Kocht nicht nur auf einer Flamme, sondern auf vier.
Wohlwissend, dass, während man sich einer schönen Sache widmet, andere Highlights schon wartend bereitliegend. Ich spür’s deutlich, das ist nicht Überfluss, sondern viel Fahrwasser für einen smoothen Flow.
Und in genau dem unterbreche ich ein spannendes Gespräch mit Steve Reich und tippe ich die Zufälle und Erkenntnisse des Tages herunter:

Am Nachmittag wollte ich eigentlich nur geschwind den von Jojo Vogt vorbereiteten Gastbeitrag einpflegen, stolperte aber direkt im ersten Videolink (die EMT Hallplatte und der Schlagzeugsound der „Black Keys“) über einen Nebensatz von Drummer Patrick Carney:
>>I am a big lover of the mono overhead<<
und hörte erstmal in das Album „Brothers“ aus dem Jahr 2010 rein – Schlagzeugsound in Mono! – bevor ich mich der eigentlichen Besonderheit zu wandte, nämlich jenem tontechnischen Trick, den großen Plattenhall als Drum-Mikro einzusetzen.

Dann las ich von F. M. Einheit, wollte nur mal kurz dessen Diskografie checken, bevor ich in sein spezielles Instrumentarium aus Riesenfedern, Stahlblechen und Steinen eintauche und die nicht vorhandene Stocktasche verstehe.
Diesmal wurde mir der wunderschöne Titel „Echohce“ zum Verhängnis. Als leidenschaftlicher Echodrummer und Delay-Forscher MUSS ich ja wissen, ob dieses Album von gleichnamigen Geräte geprägt wurde – immerhin gibt es von Hellmut Hattler auch ein Solo mit Palindrom-Namen („Enimo Mine„), das sogar zwei Echogeräte benötigt…
Aber der Echo-Kontext war ein anderer: >>ECHOHCE is a project for a singer, musicians and a machine generating text. The singer speaks the title of the next song into the microphone to announce it to the audience. The song does not yet exist. The computer answers by generating a stream of associations related to the topic. The lyrics are printed on eight needle printers above the stage as they evolve. The singer selects text that seems meaningful to him and performs it together with the musicians. The text generator Poetry Machine used in this project is based on semantic networks. The program only contains routines to process text, no hardcoded datasets. It digests documents of human authors and extracts their associative interconnections. Its main source of information are the masses of text in the internet. Poetry Machine is part of the permanent collection of the Centre for Art and Mediatechnology (ZKM), Karlsruhe.<< (Quelle)

Ein spannender Ansatz und ein großartiger Jamie Lidell! Sein Gesang fand ich immer schon beeindruckend, seinen zeitweiligen Drummer Brian „Willie B.“ Wilson außergewöhnlich (weil er mit dem linken Fuß einen Bassisten in der Liveband ersetzte) und im weiteren Verlauf fand ich noch dieses Soundcheckdokument, das Herrn Lidell als geschmackvollen Live-Looper zeigt:

In diesem Augenblick gingen weitere Fenster in meinem Kopf auf, unbedingt mal all die frühen Looping-Artists (siehe Matthew Herbert neulich dort) in einem Beitrag zusammen zu fassen…

Jetzt aber hielt ich inne. Und brachte die ursprüngliche Aufgabe, den Artikel Jojos DIY Plate Reverb zu Ende.

Dann wieder zum sich selbst loopenden Jamie Lidell. Dieses spätere Video zeigt eine Equipveränderung, sowie eine deutliche Referenz zur „Flow Machine“ von Tim Exile. Na klar, auch er ist ein meisterhafter Solo-Looper. Und zack formt sich mittels des Artikels „Is Live Looping 2.0 the beginning of Music 2.0?“ der nächste Schneeball wie von selbst:
>>Live looping has been coming in and out of modern music’s favour since the 60s. It’s been adopted by composers like Steve Reich, beatboxers like Beardyman and singer/songwriters like KT Tunstall.
It’s had another renaissance recently with Ed Sheeran and Marc Ribellet. Whatever you feel about their music, it’s a fascinating development. Live looping 1.0 was about technology and magic; wowing the audience with the ability to turn one musician into many. Like all tricks, it was time-limited. The magic is over once the third rabbit emerges from the hat.<<
Hier unterbreche ich die kluge Lektüre und unterfüttere ihre Verweise mit den bereitgestellten Links.

Beardyman is livestreaming improvised live looping and even doing community assisted production streams — getting feedback and suggestions on unreleased material as it’s made.

Lesson: Looping Basics Using KT Tunstall’s Method (mit Akai E2 Headrush Pedal)

Ed Sheeran Gear Guide (guitars and looping tech — a big fancy custom pedal but at its core a free VST)
vom Boss RC-30 zu den Chewie Monsta 1 und 2

Schließlich und endlich lande ich wieder bei Steve Reich, der übrigens als Drummer mit dem Musikmachen begonnen hatte. Alle Kreise geschlossen! Doppelter Looping, mindestens…

Morgen verlinke ich dann Binkbeats, Rico Loop, Amulets, Jonny Greenwood und Ed O’Brien und all die anderen Frippertronics.

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