Jojos DIY Plate Reverb

Bei meinen IG Streifzügen sah ich Jojo Vogt mit Metallplatten und Piezos experimentieren.
Da ich selbst kürzlich – dank Bernard Purdie und Quincy Jones in Rudy van Gelders heiligen Hallen – in die reizvollen Klangwelten des Plate Reverbs eingetaucht bin, der Halleffekt im weiteren Sinne eindeutig zur Werkzeugkiste der Echodrums gehört und DIY mich ohnehin immer aufhorchen lässt, fragte ich Jojo kurzerhand, ob er sich vorstellen könnte, seine Erfahrungswerte auf dem Blog zu teilen. Here you are 🙂

>>Das erste Mal kam ich mit Blechen bei dem Video vom Aaron Sterling in Berührung und fand das sehr inspirierend. Ich teile mir mit einigen Kollegen mein Studio und glatt war ein Blech da, ca. in der Größe 60cm x 100cm, mit dem ich dann gleich einige Songs aufgenommen habe und es gerade als Layer mit stark komprimierten Räumen verwendet habe, was super interessante Sounds ergibt. (Siehe Aaron Sterling).
Dabei habe ich aber nur auf das Blech mit Sticks oder Mallets geschlagen und habe es mir den Room Mics abgenommen, also kein KontaktMic verwendet.

Als ich dann vor kurzem auf YouTube zufällig auf ein Video über den Drumsound/Mikrofonie der Black Keys gestolpert bin, erklärt Engineer Marc Whitmore (ab 2:27), dass er seinen EMT 140, der in der Aufnahme steht, als große Membran verwendet und nur den Sound aufnimmt, der durch den Schall im Aufnahmeraum an der großen Hall Platte entsteht (ab 4:52).
Super interessant, dachte nie, dass das funktioniert… bin halt ein Amateur… aber war getriggert…

Ich musste dann ein paar Tage darauf zum Spengler um Bleche für unser neues Gartenhaus machen zu lassen. Als ich in die Halle gekommen bin war ich natürlich im Candyland… überall Riesige Bleche.. und habe dann nach drei Bier und einem sehr netten Gespräch nicht nur die Bleche fürs Gartenhaus mitgenommen, sondern auch ein großes Blech, ca. 120cm x 100cm in 0,6mm Stärke aus Edelstahl und einige Abschnitte.
Der erste Schritt war damit getan.

2006- 2007 hatte ich einige Konzerte mit Funkstörung gespielt und bei einem dieser Konzerte haben wir mit FM Einheit (ehemaliges Mitglied der „Einstürzende Neubauten“) zusammen gespielt. Das war ein Erlebnis was mich nachhaltig geprägt hat. Er hatte zwei lange Stahlfedern, wie bei Garagentoren, die an den Traversen über der Bühne aufgehängt wurden. Eine war ca. 1m lang und die andere ca. 3m die er dann mit unterschiedlichsten Dingen, wie Hammer, Bohrmaschine und keine Ahnung was noch, bearbeitet hat und diesen Dingern unfassbar interessante Sounds entlockt hat. Abgenommen mit einem Piezo.
An dieses Erlebnis musste ich im Zusammenhang mit diesen Blech wieder denken und habe mir einige Videos auf YouTube von Ihm angeschaut und war total inspiriert das mit den Piezos mal auszuprobieren. Er hat auch ein großes Blech, auf dem er vor allem mit Steinen tolle Soundgebilde kreiert.

Das habe ich gefunden… sollte man sich unbedingt reinziehen!

Im Studio angekommen, habe ich das Blech in den Aufnahmeraum gestellt und ein AKG Kontaktmikrofon ziemlich mittig im unteren Drittel angeklebt und das Signal über einen Mic Preamp verstärkt. Ich war nicht sehr überzeugt, dass das besonders gut funktionieren kann, aber war dann ganz überrascht, wie gut das klappt und wie stark die Platte durch meine Drums angeregt wird. Die doch recht lange Nachhallzeit habe ich mit meinem Pulli verkürzt indem ich ihn einfach lässig über das Blech gelegt habe. An diesem Tag waren leise gespielte 70s Drums auf dem Plan, da hat es toll funktioniert.

Man kann den Unterschied zwischen Dry/Wet sehr gut hören:
a. Wet

b. Dry

c. Plate SOLO

Ich denke wenn man laut spielt und mit stark komprimierten Räumen arbeitet, würde das Blech durch den eigenen Klag stark mit einstreuen, wenn es im gleichen Raum steht, wie das Schlagzeug und die Mikrofonie. Fraglich, ob es dann gut zu verwerten wäre. Ich werde es testen.
Man findet übrigens super Anleitungen im Netz für den DIY Plate Reverb. Ich plane auch einen Stahlrahmen zu schweißen und dann einen Hall zu bauen, den ich vielfältig einsetzen kann.
Dann aber mit Stereo Abnahme durch Piezo und Oberflächen Transducer, um auch Sound aus der DAW in den Hall schicken zu können. Das könnte dann auch eine Lösung sein, wenn es mal wieder lauter sein muss…

Übrigens eignet sich das Blech auch toll als Instrument indem man es mit Schlägeln aller Art bearbeitet. Das habe ich auch gemacht und man hört es im Snippet „Zombie“.
Alle Sounds die einem Angst machen kommen aus dem Blech 🙂

Ich persönlich finde das ganze Thema sehr spannend und hoffe, dass ich Euch ein paar Einblicke geben konnte. Auf jedem Fall werde ich das weiter testen und in meinen Recording-Alltag als feste Option etablieren.<<

PS. Die Verbindung von Delay und (dem deutlich kompakteren) Federhall könnte als alternative Einstiegsdroge funktionieren…

Eine Antwort to “Jojos DIY Plate Reverb”

  1. im Looping verzettelt | E-BEATS Says:

    […] elektronische Beat Kultur « Jojos DIY Plate Reverb […]

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