Regenerate

Da die Konzerte nach wie vor rar und in löchrigem Abstand zueinander gesäht sind, könnte man am Spielort durchaus länger verweilen, ihm über’s Musikvergnügen hinaus noch urlaubsähnliche Qualitäten abgewinnen. Früher anreisen ging natürlich auch.
Hätte ich also gewusst, dass auch Bayreuth am Main liegt (mit Erdkunde und Orientierung habe ich’s leider, leider nicht so), wäre eine Anreise per Boot theoretisch möglich gewesen. Halt etwas zeitiger los…
OK, die Zugfahrt stellte mit knapp fünf Stunden auch gut Zeit zum Rausschauen und Lesen. Eins a Marcel Beyer Geschichten, Instagram-Beiträge von kreativen Trommlern (wie zum Beispiel dem Bremer Trommelwerker Max Gebhardt) oder die Wochenend-taz mit tollem Bildband-Tipp („Übermorgen Schnee“ von Sonja Trabandt) und den angenehm anstoßenden Gedanken von Philosoph Markus Gabriel.
Beispielsweise die Erklärung seiner Angst vor Twitter und Konsorten:

>>taz: Die Simulation der Handlung hat die Handlung ersetzt, der Moralausstoß ist wie ein kleiner Rülpser, nach dem man selbst sich besser fühlt, sich in der Wirklichkeit aber nichts geändert hat.
MG: Das ist das Problem.
Die Lösung ist: Erstmal Reduktion der Simulation von Wirklichkeit. Wobei die Simulation natürlich auch eine Wirklichkeit ist, aber nur eine zweiter Stufe. Jede Minute, die ich nicht in der Basiswirklichkeit etwas tue, sondern glaube, mich auf Twitter zu erregen, bin ich Algorithmen ausgesetzt und produziere etwas für amerikanische Unternehmen. Mal abgesehen davon, dass die Server ordentlich zur Erderwärmung beitragen. Wer sich online erregt, glaubt gerne, er täte das Gute, indem er sich über das Nichtgute beschwert, wobei man dann schon etwas Nichtgutes tut, indem man zur Erderwärmung beiträgt und außerdem vollständig transparent und beobachtbar für die eigentlichen Gegner des Guten ist. Dagegen setze ich auf eine neue Aufklärung, die in wirklichen Institutionen wirksam wird.<<

Letztlich bin ich weder per Schiff nach Bayreuth gereist, noch länger geblieben.
Aber ich komme wieder! Habe schon jede Menge Tipps (top Badestellen, das beste Bier der Welt) und spiele auch gerne wieder fürs herzlich kuratierte Jazzforum.

Dass ich sogar ein Päckchen Spaghetti bei meinem Kurztrip dabei gehabt hatte, war ein Versehen (das die Idee des Verweilens jedoch eindeutig unterstützte).

Ach ja, Muße und Zeit, Neues zu hören, gab’s selbstverständlich auch: Mister Barrington (mit Zach Danziger) hat ein neues (Motto?) Album veröffentlicht: „Regenerate“

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