high gloss/high class/FREE/content

  • „high gloss“ sollte nicht mit „high class“ gleichgesetzt werden. Ähnliches gilt IMHO auch für die Überbetonung von Chops.
  • 1-Minute Beiträge sind nicht repräsentativ. Sie sind eher vergleichbar mit einem Filmtrailer, der komprimiert seine zusammengeschnittenen Highlights zeigt. (Will ich lernen oder unterhalten werden?)
  • Kostenlos ist nicht umsonst – auch die nichtspürbare Weitergabe der eigenen Emailadresse ist eine Art Währung -, kostenfrei nicht unbedingt „frei“.
  • „frei“ = toll!

Diese formelhaften Sätze entsprangen vermutlich deshalb, weil ich mit Levi auf die Mathe-Arbeit (Thema Zuordnungen) lerne, Stein des Anstoßes waren aber die SM-Diskussion (BoBeatz/F.A.Z.) hinsichtlich der „Art of Drumming“ Eröffnung und die ursprüngliche Idee des Internets: freie Inhalte für alle.

Auch wenn ich mit dem AoD Angebot – online lessons for free – nichts zu tun habe, wollte ich die Kritikpunkte der kostenfreien Bereitstellung dennoch prüfen – schließlich mache ich hier seit 14 Jahren und knapp 4000 Einträgen nichts anderes.

Also, warum stellt man seine Inhalte kostenlos ins Netz?
Man präsentiert sich, sein Wissen und/oder seine Produkte in der Hoffnung, dass Gleichgesinnte und Interessierte diesen Arbeitsaufwand (das Schreiben, Fotografieren, Filmen, das in Form bringen, schließlich sozialmediale Teilen) goutieren und im Idealfall:

  • interagieren (dank Diskurs das Wissen verfeinern/die Ideen schärfen)
    – – dadurch gar zur verbesserten nächsten Stufe führen
    – – oder durch Likes & co. neue Interessierte mobilisieren
  • den Bereitsteller engagieren (für einen Workshop, als Live-/Studiomusiker, als Werbeträger für einen Hersteller)
  • das angebotene oder verknüpfte Produkt kaufen

So weit, so legitim. Moralisch uncool jedoch finde ich Intransparenz, vermeintlich Kostenfreies, bzw. bauernschlaue Marketingtricks.
Denn nicht nur für Neulinge eines Themas ist es schwierig, dauernd einen Berg voll Blendwerk (siehe oben) zu abstrahieren. Zudem die Inhalte der sozialen Medien leider kaum helfen, wenn es um einen ehrlichen Überblick geht.

Zurück zu mir bzw. dem e-beats Blog. Anlässlich des 2500. Beitrags hatte ich geschrieben (und passt nach wie vor): >>Das Weblog wurde im Januar 2006 eröffnet und war ursprünglich als aktualisierbarer Zusatzbereich zum Lehrbuch e-Beats am Drumset gedachthat sich jedoch schnell zu einem Stil-unabhängigen Ideen-Portal für interessierte Trommler weiterentwickelt. Längst steht das vorangestellte „e“ nicht mehr ausschließlich für „elektronisch“, sondern vielmehr für einen „erweiterten Schlagzeugbegriff“, der über die Musterabbildung im Katalog hinausgeht und die Groove-prägende Rolle von Produktionsmittel, Studio- und Produzentenarbeit miteinbezieht. Ob das nun Hörtipps, Entdeckungsreisen, Klangsammlungen oder Gedankenspiele sind, am Ende des Tages stellt der Frankfurter Schlagzeuger ein komprimiertes Resümee ins Netz. 
e-beats.net ist eine Art musikalisches Tagebuch, inklusive vieler persönlicher Erkenntnisse und kreativer Ideen, die Oli Rubow gerne und mit gutem Gefühl weitergibt: Im Dialog mit den Lesern entsteht ein inspirierendes „Geben & Nehmen & Weiterkommen“ – für beide Seiten!<<

Die konsequente Beitragsflut hat mir nicht nur geholfen mein Tageswerk zu verinnerlichen, sondern definitiv einige neue Türen geöffnet: weiterführende Tipps & Anregungen von Außen, hier mal eine Einladung zum Drumfestival, dort ein Workshop, oder auch das Angebot, fürs drums&percussion Magazin zu schreiben.
Dass die Blogschreiberei jedoch den Verkauf der angegliederten Produkte (in meinem Fall drei Lehrbücher) mächtig angekurbelt hätte, muss ich eher bezweifeln.
Ohnehin habe ich das Gefühl, dass das Bedürfnis nach tiefem Wissen stetig abnimmt. Eine Beobachtung, die mich manchmal traurig stimmt, dass ein Mini-Schnippsel in Instagram & co. kräftig beklatscht wird, der nächste Schritt – das Eintauchen in den eigentlichen, ausführlichen Blogartikel- jedoch ausbleibt.
Insofern scheint meiner Meinung nach der „freie Inhalt“ gar nicht das Hauptproblem (in Bezug auf die AoD Diskussion) zu sein. Eher die kostenlos bereitgestellten und omnipräsenten Socialmedia Apps, die die Wahrnehmung (und das Lernverständnis/verhalten) des Users offenbar beeinflussen, um nicht zu sagen, verwässern: plötzlich punktet vor allem die hübsch verpackte, zügig & schmackhaft konsumierbare Mitteilung…
Naja, und um solch Verhalten zu ändern ist eine gewisse Selbstdisziplin vonnöten und so bin ich wieder am Anfang dieses Beitrags angekommen, bei den Selbstschutz-Fragen…

Nachtrag zur Kreisschließung, hier noch mein persönlicher Umgang in Bezug auf die AoD Diskussion.
Ohne mich direkt mit meiner Email anzumelden, schaue ich mir das erste Video an, ein Trailer, in dem Jost Nickel ein paar seiner „Rim Click Sound Hacks“ vorstellt.
Der Film ist griffig, vor allem aber der Inhalt gut! Ich schreibe mir direkt die Idee des „Rim-Buzz“ für meine drumsounds Suchmaschine ab… (wieder was neues gelernt!) und auch der „Rim Click“ klingt eigen.
Darüberhinaus kann ich noch einen weiteren positiv Aspekt vermuten: Jost hat für die Aufnahme-Session ein Honorar erhalten (was beispielsweise während der vielen Streaming-Anfragen in der Corona-Zeit nur selten vorkam).
Und auch wenn mich der AoD-Erstkontakt wegen seines Banners („Play drums with the drum elite, learn drum hacks and techniques from the world’s first class drummers. The best thing about it: it’s completely for free!“) stutzig macht, so kann ich dennoch die Wespe auf meinem Arm landen lassen, ohne sie instinktiv wegwedeln zu müssen – und kann auch ihren Wert sehen. 


 

Eine Antwort to “high gloss/high class/FREE/content”

  1. Stefan Says:

    An der Stelle mal ein Dankeschön. Das ist ein super Blog! Weiß gar nicht mehr, wann ich ihn entdeckt habe, entweder mit dem eBeats Buch oder nach einem Workshop von dir.
    Super zum Morgenkaffee oder als Nachschlagwerk. Da kann man immer wieder mal Neues entdecken und inspiriert werden.

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