die dunkleren Momente

Nicht alles glänzt innerhalb unseres Fake-Idylls, da kommen natürlich auch dunklere Momente vor.
»Meine Mu wiegt doppelt so viel wie mein Pa. Sie wiegt 130 Kilo. Im Frühling kommen 30 Kilo schwere Gedanken dazu (Sorgen, Ängste, Scham, generelle Lustlosigkeit). Dann legt sich meine 160-Kilo-Mu in die Narzissen im Garten, weil im Liegen die dunklen Wolken circa hundertsechzig Zentimeter weiter weg sind. Ihre Augen sind zu, wir sollen sie in Ruhe lassen. Da kann man nichts machen, als Ehemann, als Sohn, als Narzisse nicht. Wir kriegen 160-Kilo-Mu nicht auf die Beine, wenn sie das nicht will, wir kriegen sie nicht froh, wenn sie das nicht sein kann. Wird es am Abend kälter, decken wir sie zu. Sitzen bei ihr. Es ist eigentlich fast schön, die Familie macht was zusammen. Pa schraubt an irgendwas herum, ich bereite mich für das nächste Rollenspiel-Treffen vor (bin ein diebischer Halbelf, der gut fechten und flüchten kann). Demografisch gesehen sollten meine Hobbys Ego-Shooter und rechtes Gedankengut sein. Beides ist aber gar nicht so geil. Manchmal leg ich mich zu Mu. Lese ihr alte Geschichten aus der Gegend vor, die mag sie gern. Am liebsten ist ihr die von Joachim, dem unsichtbaren Kesselflicker. Mu macht den Mund schief. Lächelt vielleicht.«
Saša StanišićVor dem Fest“ (Seite 130)

… und dennoch…

»Ihr Depri-Frühling hat dieses Jahr bis zum 1. Mai gedauert. Der Erste war ein richtig warmer Tag. Mu ist aufgestanden und hat Rote Beete mit Spiegeleiern zum Frühstück gemacht, da war schon klar, dass es ihr besser geht. Dann hat sie sich in den Garten auf den Bauch gelegt und hat so mit den Armen gerudert, schwitzend wie ein Eisberg, Grasflecken von oben bis unten. Ich: Mu, was machst du da? Mu: Ich lern schwimmen. Nach einer Stunde läuft sie auf die Straße, kurvt zur Promenade, immer schneller, Sebastian Vettel in dick, läuft auf den Steg beim Fährhaus, klatscht den Fährmann ab und springt in den See rein, eine Arschbombe, die Landschaften formt. Pa und ich hinterher, besorgt. Natürlich besorgt. Mu war aber froh. Mi ist geschwommen. Gar nicht kalt, kommt schon ihr Feiglinge. Der Fährmann ist rein. Mu und der Fährmann schwimmen um die Wette, Mu lässt ihn gewinnen. Vielleicht konnte sie immer schon schwimmen, Pa wusste es nicht. Vielleicht hat sie es an dem Tag im Garten gelernt. Meine Mu ist jedenfalls nicht untergegangen. ‚Woo-Hoo!‘, hat meine Mu gerufen.
Saša Stanišić „Vor dem Fest“ (Seite 134f)

Manchmal werde ich gefragt, warum ich oft das Passende direkt zur Hand habe.
Es ist immer Zufall. Ich nehme die Sachen so wie sie kommen.

Dann: Kontext finden, weiterverwerten.
Deswegen hänge ich direkt die Wasserbomben-Übersicht dran.
Die nächste Badegelegenheit kommt bestimmt!

bombe-levi

Eine Antwort to “die dunkleren Momente”

  1. Schluck! | E-BEATS Says:

    […] Vorbereitet. Vor allem motiviert und positiv gestimmt. Und selbst wenn ihnen die ein oder andere dunkle Gedankenwolke manchmal die Sonne nimmt, wird’s einfach ausgesprochen und zack wieder deutlich heller. […]

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