IDee Jazz und das ungehörte Pad Fill-In

Das Zeitgefühl ist speziell, für mich jedenfalls alles andere als linear. Beim Musikmachen gibt es diesbezüglich glücklicherweise ein paar helfende Kunstgriffe, bei der letzten Reise ist es mir aber wieder mal völlig entglitten.
OK, es waren vier Tage mit vier unterschiedlichen Kapellen. Sprich, im Kopf musste Tag für Tag der Schalter (der Setliste entsprechend) neu umgelegt werden, beim Reisen immer wieder abgewogen werden, wann die Fahrzeit zum Ausruhen/Schlafen, wann zur Vorbereitung genutzt werden sollte – letztlich verabschiedet man sich dadurch ruckzuck von der klassischen Tag und Nacht Unterteilung…

Anyway, dank bestmöglicher Ernährung, unterstützender Momente* und Mentalideen**, hat es bestens funktioniert, dass die nötige Energie zum jeweiligen Konzertbeginn parat war.
Und ich hatte großen Spaß mit Hattler (im vollen und emotional aufgewühlten Franz K.), mit Peter Wölpl beim 29. Münchner Jazzfest (sogar gezeichnet!), mit DePhazz auf dem IDeeJazz Festival im estnischen Narva und schließlich mit Fola Dada (Ulf Kleiner, Joo Kraus und Krischan Frehse) bei den Frankenthaler Jazztagen.

Mein Blog relevantes Highlight jedoch war folgende Vocal-Dub-Neuentdeckung:
Ich musste ja hinsichtlich meines elektronischen Equipments einen Kompromiss finden,  der allen Bands gerecht wird ohne die flugbestimmten 23 Kg zu überschreiten.
So habe ich letztlich nur meinen Rechner, Boss Echo und A/B-Box, sowie Keith McMillens K-Mix und BopPad eingepackt (also die Luminos W Abteilung).
Für Hattler war nur mein RME Babyface zu ersetzen, bei Fola brauchte ich lediglich Echodrums ohne Computer, aber für den DePhazz-Gig musste ich etwas tüfteln:
Zuerst musste der K-Mix die Funktion meines sonstigen InEar-Mixers übernehmen (drei Kanäle für Clicktrack, Playback und Monitor-Feed). Das Drum-Delay verkabelte ich direkt (e604 in A/B-Box > Input A  RE-20 > DI-Box), für die Vocal-Dubs von Pat schickte ich ihr gesplittetes Signal durch Ableton, um es dort – gefangen von einem Gate – via Stockschlag auf das BopPad – so lässt sich dank des Sidechain das Gate öffnen – freizulassen bzw. in den Input B des Echogeräts zu schicken.
Im Prinzip dieselbe Architektur wie bei den Reverb-Shots mittels Ableton/e-Pad.
Auch wenn dieser Ansatz anders funktioniert, als wenn ich für die gewünschte Dauer des Gesang-Schnippsels einen Send-Button drücke, klingt das häppchenweise gesendete Signal sehr dubbig. Die Formel lautet: je länger der Wortbeitrag sein soll, desto länger muss ich auf das Pad einschlagen, je zusammenhängender, desto schneller…
Fühlt sich vor allem organisch an, wenn einfach im Tempo nur eine unhörbares Fill-In auf dem Pad getrommelt werden muss!

Ach ja, ein schönes Bassdrop-Sample wollte ich selbstverständlich auch triggern können. Letztlich wurde die obere Hälfte des BopPad Kreises zum Dubben, die untere zum „Boomen“ vorbereitet.
das war nun mein heimlicher Beitrag zum diesjährigen Ableton Loop Summit

IMG_0252

* Geburtstags-Schneckennudel mit Patenkind Iria, die Schlussphase von Bayern München gegen Dortmund, russisch kommentiert (Narva liegt direkt an der Grenze), frühmorgentliches Tischtennis mit Ulf im Flughafen von Tallinn, „world’s cosiest airport“ (die Platte muss in der pingpongmap.net noch nachgetragen werden).

* * … und immer wieder angelesene Schlauheiten, diesmal aus David Schalkos „Frühstück in Helsinki“:
>>Mit geschlossenen Augen saß sie auf einer kleinen Anhöhe und starrte auf die Felsbrandung von Eastbourne.
– Was machst du hier?
– Ich genieße die Luft des Meeres.
– Aber hier ist doch kein Meer.
– Wenn du mit offnen Augen nichts sehen kannst, dann solltest du sie schließen, Idiot.<<

Eine Antwort to “IDee Jazz und das ungehörte Pad Fill-In”

  1. über die Bockenheimerlandstraß mit der Akten-Dasch! | E-BEATS Says:

    […] elektronische Beat Kultur « IDee Jazz und das ungehörte Pad Fill-In […]

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