Mein Hafen!

Erstaunlich, dass erst durch die runden Geburtstage immer wieder mal genauer nach hinten geschaut wird.
Nostalgie hin oder her, der Schorndorfer Club Manufaktur feiert heute seinen 50. Geburtstag. Und sollte ich meine Begeisterung für das Live Konzert verorten müssen, würde ich eben jenen Club meiner Heimatstadt benennen!

In diesem Keller sollte mein erster Schlagzeugunterricht stattfinden, irgendwann im Winter 197? (was aber durch nicht Erscheinen des Trommlers erstmal vereitelt und aufgeschoben wurde, schließlich 1982 mit der terminlich verlässlicheren Jugendmusikschule seinen Lauf nahm). Hier lernte ich dank meines Zweit-Vaters Walter den Inhalt des Begriffs „Club“ schätzen und hörte die unterschiedlichsten, aber immer FANTASTISCHEN Bands (von der „Jim Kahr Group„, über das elektrische „Mahavishnu Orchestra„, über „Juke“ – mit ihrem ins Headset singenden Drummer – bis hin zur „Blowbeat“ Offenbarung durch Rene Creemers).
Später gab es dann immer wieder Freikarten gegen Aufbauarbeit und dadurch durfte ich mich beispielsweise hinter Dennis Chambers kauern, mit dem Scofield-Bassisten im Anschluss ans Konzert gar Backstage-Pfannkuchen essen. Oder mich wundern, dass die DDR-Hardrock Kapelle „Berluc“ darauf bestand, sämtliches Equipment in den Keller zu tragen und aufzubauen, auch wenn der Drummer sich aufgrund der ungünstigen Konstellation von Stadion-tauglichem, aber zu hohem Drumriser, niederer Deckenhöhe und den beweglichen Moving-Lights daraufhin beim Spielen immer wieder mal ducken musste.
Und es gab unglaublich viele Sessions. Zu den ersten Schorndorfer Gitarrentagen wurde mein (blaues Champion) Drumset in den Club gekarrt: ich durfte kurz mit Michael Sagmeister jammen, etwas länger sogar noch mit Wolfgang Schmid und der tolle Kay Richter wurde am Ende der Woche vom Fleck weg in dessen Band beordert. Wow! Ich dachte mir: was ein Sprungbrett!
Während der letzten Schuljahre etablierte sich der Manu-Keller zudem als einzig vernünftiger Treffpunkt.
Und vor dem Umzug in den Hammerschlag gab es gefühlt dann keine Nacht mehr ohne Session – und das über mehrere Wochen. Längst mit Schlagzeug vor Ort. Quer durch alle Stilrichtungen und Niveaus – was für Erfahrungsschatz.

In den neuen Räumlichkeiten haben mich zwei Aufführungen nachhaltig beeindruckt: Steve Coltrane mit seinen Five Elements und Marie Boine mit Helge Norbakken. Als sich dann auch noch die Schlagzeug-Oase „Drums Only“ in der Stadt niederließ, gab es über das reine Konzertprogramm hinaus auch immer wieder mal Clinics im gutgepolsterten Kinoraum.

Und obwohl sich meine eigenen dortigen Konzerte bestimmt an beiden Hände abzählen lassen  (ich versuch’s mal: 1993 Intensive Care, Tonkatoys, 2000 El Houssaine Kili, 2007 Wolfgang Schmid’s Kick, mehrere Abschlusskonzerte der Gitarrentage, 2012 & 2013 Rubow/Koch), empfand ich den Laden immer als vertrautes Wohnzimmer.

Schade, dass ich heute nicht mitfeiern kann, dafür ein lautes HURRA aus Frankfurt! Und für weitere Nostalgieschübe wird im neuen Buch von Christoph Wagner geblättert…

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Eine Antwort to “Mein Hafen!”

  1. Oli Says:



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