Baumgeister

Als ich das vergangene Jahr Revue passieren ließ, habe ich immer wieder einen Begriff gestreift, offenbar mein Wort für 2016: Baumgeister.
Der Erstkontakt mit diesem Phänomen gab es bei meiner Vorbereitung für das Frankfurter Jazzfest, im Buch von Bodo Kirchhoff („Widerfahrnis“, Seite 98):
>>alte Olivenpflanzungen, die Bäume eher knorrig geduckt als groß, wie ein Wald, der bei Dunkelheit schrumpft; wenn es Baumgeister gab, fand man sie hier, in den Oliven, auch tagsüber, in einem Zitterlicht von all den Blättchen, Abermillionen in leichter Unruhe, obwohl kein Wind ging<<
Die Szene wurde markiert und das Doppelwort direkt als Sample für die Performfance vertont.

Ich überlege mir, wie das Bild der Baumgeister wohl entstanden ist und erkenne dabei, dass Angst im Kopf beginnt und sich ebenda – oftmals ganz einfach – abstellen lässt:
Denn die unheimlichen Formen, die mir nachts in freier Natur vielleicht düstere Fantasien bescherten, lassen sich bei Tageslicht natürlich dem profanen Astwerk eines Baums zuordnen.
Zudem wird mir bewusst, dass ein Geist per se nichts Schlechtes sein muss, im Gegenteil, sogar ein guter Freund sein kann. (Eben nicht nur profanes Astwerk, sondern auch eins a Stockmaterialspender, das Baumhaus in spe, oder halt: das Symbol des Lebens).

Und da sich das Silvesterfest gut dazu eignet, die bösen Geister in den Himmel zu schießen und sich ein paar schöne Sachen für die Zukunft zu überlegen, bin ich am ersten Januar erstmal zum Baum spaziert und habe ihm (dem guten Geist) sachte den Raureif heruntergeschüttelt. Er bedankte sich mit einem großartigen Klang, einem extra feinen, leicht anschwellenden, ausgedehntem weißen Rauschen. Was ich glücklicherweise aufgenommen habe.

Und zack war klar: Dieses Jahr wird nicht wieder eine Liste mit Vorsätzen erstellt, es wird einfach gemacht. In dem Fall ein Field Recording, welches in eine entspannte Bastel-Etüde mündete (entlang der schönen „Zero Gravity“ Workshop-Idee von Danilo Pérez – hier ab 44.51′ – aus zwei Wörtern Musik machen).
Anschließend noch gemütlich baden und lesen – viel Schönes, also. Sachen machen, die gut tun.

Und genauso wird’s gefüllt werden, das neue Jahr!

 

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Eine Antwort to “Baumgeister”

  1. Workshop Drums & Percussion Frequenzbewusstes Schlagzeugspiel (II) | E-BEATS Says:

    […] Shaker-Hat und elektronische Whitenoise-Samples (z.B. dieses mit dem iPhone aufgenommene „Schnee-Abschütteln-Vom-Baum„) via Pad und […]

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